Wesen 1: Raubtier – Wüterich: Unterschied zwischen den Versionen

K
Zynisch: Spruch, Bannung, Beschreibung, Cynical Genius Illusion
K (Hohn, Spötter, Häme (Neid als Elter), Zynisch: Felder, Beschreibung, Belege)
K (Zynisch: Spruch, Bannung, Beschreibung, Cynical Genius Illusion)
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== Zynisch ==
== Zynisch ==
* Stammbaum: von Verachtung, Schmach · zu –
* Stammbaum: von Verachtung, Schmach · zu –
* Spruch: „Jeder ist käuflich.“ „Das ist alles nur Show.“ „Wer an das Gute glaubt, ist naiv.“
* Spruch: „Jeder ist käuflich.“ „Das ist alles nur Show.“ „Wer an das Gute glaubt, ist naiv.“ „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass der das umsonst macht?“ „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ „Warte mal ab, bis du älter bist.“ „Die wollen doch alle nur dein Geld.“ „So funktioniert die Welt nun mal.“ „Ach, wie rührend!“
* Hunger: Nicht mehr enttäuscht werden und sich überlegen fühlen, weil man alles durchschaut.
* Hunger: Nicht mehr enttäuscht werden und sich überlegen fühlen, weil man alles durchschaut.
* Trigger: Ideale, Hoffnung, ehrliche Begeisterung anderer.
* Trigger: Ideale, Hoffnung, ehrliche Begeisterung anderer.
* Bannung: offen.
* Bannung: Belege für die Unterstellungen verlangen: „Woher weißt du, dass er das nur aus Eigennutz macht?“ Damit muss er zwischen einer Vermutung und einer Erkenntnis unterscheiden.
* Beschreibung: Der Zyniker verachtet die Werte und hält sie für Heuchelei.
* Beschreibung: Der Zyniker verachtet die Werte und hält sie für Heuchelei.
:'''Grundhaltung.''' Der Zyniker ist ein Mensch, der die Ideale, Gefühle und moralischen Überzeugungen anderer verspottet, weil er sie für naiv, verlogen oder eigennützig hält. Seine Grundhaltung lautet: „Ich weiß, wie die Menschen wirklich sind.“
:'''Überlegenheit durch Entlarvung.''' Er genießt es, anderen ihre Illusionen zu nehmen und sich als denjenigen zu erleben, der sich nichts vormachen lässt.
:'''Wen es reizt.''' Menschen, die Begeisterung, Mitgefühl, Hoffnung, Idealismus oder moralische Überzeugungen zeigen. Besonders reizt ihn jemand, der aufrichtig an das Gute glaubt.
:'''Handlungsweise.''' Der Zyniker sucht hinter jeder guten Handlung ein schlechtes Motiv.
::* Hilfsbereitschaft wird zur Selbstdarstellung.
::* Liebe wird zum Eigennutz.
::* Moral wird zur Heuchelei.
::* Idealismus wird zur Dummheit.
::* Freundlichkeit wird zur Berechnung.
:Dabei muss er nicht beweisen, dass seine Unterstellungen stimmen. Es genügt ihm, sie als besonders realistisch darzustellen.
:'''Was er dabei fühlt.''' Der Zyniker empfindet häufig Genugtuung, wenn er etwas scheinbar entlarvt. Er fühlt sich überlegen, abgeklärt und unangreifbar. Die Enttäuschung anderer kann ihm sogar Freude bereiten, weil sie seine Weltsicht bestätigt. Hinter dem Zynismus kann Verbitterung stecken. Das ist aber keineswegs notwendig. Manche Zyniker haben einfach Freude an ihrer intellektuellen Überlegenheit und am Spott.
:'''Psychologischer Mechanismus.''' Der Zyniker begeht einen charakteristischen Denkfehler: Er verwechselt die Möglichkeit eines schlechten Motivs mit dessen Nachweis. Dass jemand aus Eigennutz handeln könnte, gilt ihm bereits als Beweis, dass er es tut.
:'''Seine Schwäche.''' Der Zyniker kann nahezu alles abwerten, ohne selbst etwas leisten zu müssen. Wer etwas aufbaut, kann scheitern. Wer nur verspottet, geht dieses Risiko nicht ein. Seine vermeintliche Menschenkenntnis ist zudem kaum widerlegbar: Handelt jemand schlecht, fühlt er sich bestätigt. Handelt jemand gut, vermutet er ein verborgenes Motiv.
:'''Abgrenzung.''' Nicht jeder scharfe Kritiker oder Spötter ist ein Zyniker. Der entscheidende Unterschied ist, dass der Zyniker gute Motive grundsätzlich verdächtigt, während ein kritischer Mensch sie anhand von Belegen beurteilt.
:'''Woran man zynisch wird.''' Zynisch wird man, wenn man etwas Ehrenwertes erreichen will und an der Unwürdigkeit der anderen scheitert oder am Schicksal.
:'''Woran man zynisch wird.''' Zynisch wird man, wenn man etwas Ehrenwertes erreichen will und an der Unwürdigkeit der anderen scheitert oder am Schicksal.
:'''Die Entstehung.''' Der Ausgangspunkt ist die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Der Zyniker wollte etwas, das ihm wertvoll war: Gerechtigkeit, Anerkennung, Liebe, Erfolg oder eine bessere Welt. Aber die Wirklichkeit hat seinen Erwartungen widersprochen. Dabei sind drei Entstehungswege besonders interessant:
::* Der enttäuschte Idealist: Er hat an das Gute geglaubt und erlebt, dass Menschen heucheln, betrügen oder ihre Ideale verraten.
::* Der verhinderte Ehrgeizige: Er wollte etwas erreichen, wurde aber durch Inkompetenz, Intrigen oder die Macht unwürdiger Menschen daran gehindert.
::* Der Gescheiterte: Er hatte Hoffnungen und Ambitionen, die an Umständen, Zufällen oder eigenen Grenzen gescheitert sind.
:'''Die entscheidende psychologische Wendung.''' Aus „Die Welt ist nicht so, wie sie sein sollte“ wird: „Die Welt ist schlecht, und wer etwas anderes glaubt, ist ein Narr.“ Damit verwandelt er seine Enttäuschung in eine vermeintliche Erkenntnis. Das hat eine wichtige psychologische Funktion: Er muss nicht mehr unter der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit leiden, wenn er den Wunsch selbst für lächerlich erklärt. Wer nichts Gutes mehr erwartet, kann nicht mehr auf dieselbe Weise enttäuscht werden. Und jetzt kommt ein weiterer Mechanismus hinzu: Er verachtet an anderen gerade die Hoffnungen, die er selbst einmal hatte. Wenn er einen Idealisten verspottet, bekämpft er gewissermaßen sein früheres Ich.
:'''Der Genuss am Zynismus.''' Seine Enttäuschung erklärt die Entstehung, aber noch nicht vollständig, weshalb er sein Verhalten fortsetzt. Hier entsteht eine neue Belohnung: die Genugtuung, recht zu behalten. Jede neue Ungerechtigkeit bestätigt seine Weltsicht. Jeder gescheiterte Idealist liefert ihm einen Triumph. „Siehst du! Ich habe es dir doch gesagt.“ Damit kann der Zynismus zur Gewohnheit werden und sich selbst erhalten.
:'''Inneres Motiv.''' Die schmerzliche Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit beseitigen, indem er den Wunsch entwertet.
:'''Einschränkung.''' Dass jeder Zyniker zwingend selbst ein enttäuschter Idealist gewesen sein muss, ist psychologisch nicht nachgewiesen. Zynische Haltungen können auch durch Erziehung, Vorbilder oder ein dauerhaft misstrauisches Umfeld entstehen. Aber die Erklärung trifft einen besonders wichtigen Mechanismus: Der Zyniker hat nicht unbedingt aufgehört, sich eine bessere Welt zu wünschen. Er hat aufgehört, an sie zu glauben. Und genau deshalb kann ihn der Idealist so reizen.
:Von mir: '''Belege.''' Kanter und Mirvis (1989) sowie Dean, Brandes und Dharwadkar (1998) beschreiben Zynismus als Folge enttäuschter Erwartungen, geprägt von Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung und Ernüchterung und verbunden mit Geringschätzung, Ekel und Misstrauen (Andersson 1996, nach Auszügen). Sloterdijk (''Kritik der zynischen Vernunft'', 1983) nennt den Zynismus „aufgeklärtes falsches Bewusstsein“ und trennt ihn vom Kynismus des Diogenes, der mit dem Spott Missstände aufdeckte. Der Zyniker hat die Aufklärung gelernt, aber nicht vollzogen. Die Studien betreffen Beschäftigte in Organisationen. Dass die Schmach der zweite Elternteil ist, lese ich so: Wer enttäuscht oder gedemütigt wurde, schützt sich, indem er die Hoffnung selbst abwertet. Das ist meine Deutung.
:Von mir: '''Belege.''' Kanter und Mirvis (1989) sowie Dean, Brandes und Dharwadkar (1998) beschreiben Zynismus als Folge enttäuschter Erwartungen, geprägt von Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung und Ernüchterung und verbunden mit Geringschätzung, Ekel und Misstrauen (Andersson 1996, nach Auszügen). Sloterdijk (''Kritik der zynischen Vernunft'', 1983) nennt den Zynismus „aufgeklärtes falsches Bewusstsein“ und trennt ihn vom Kynismus des Diogenes, der mit dem Spott Missstände aufdeckte. Der Zyniker hat die Aufklärung gelernt, aber nicht vollzogen. Die Studien betreffen Beschäftigte in Organisationen. Dass die Schmach der zweite Elternteil ist, lese ich so: Wer enttäuscht oder gedemütigt wurde, schützt sich, indem er die Hoffnung selbst abwertet. Das ist meine Deutung.
:Von mir: '''Der Zyniker als klug.''' Stavrova und Ehlebracht (2019, ''Personality and Social Psychology Bulletin'' 45(2), 254–269) nennen das „Cynical Genius Illusion“: Laien halten Zyniker für kognitiv überlegen. Die Studien (nach dem Abstract) bestätigen das nicht. Kompetentere Menschen sind nur dort zynisch, wo es in ihrer Umgebung berechtigt ist, weniger kompetente sind es unabhängig davon. Die Autoren deuten das als Schutz davor, auf die Tücke anderer hereinzufallen.


== Arroganz ==
== Arroganz ==