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== Werden und Sein == | == Werden und Sein == | ||
Es gibt ja zwei grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären: Parmenides oder Heraklit. | |||
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird. Dieser Stein ist ein Ding, das existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht. Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz. Das ist ein Hütchenspiel. Nussschale, unter der angeblich etwas liegt. Aber da ist nichts. Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern. | |||
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik. | |||
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung in der Zeit ist. Ein kybernetischer Kreis. Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu. | |||
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, das sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheizt. | |||
Wolken generieren Kondensationskeime. | |||
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen. Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, das Nahrung beschafft. | |||
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil. | |||
Das ist nicht „Sein", sondern ein dynamischer Vorgang. | |||
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals zweimal in denselben Fluss. | |||
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg. | |||
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken" verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat" (''virtus dormitiva''). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben. | Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken" verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat" (''virtus dormitiva''). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben. | ||
Heraklit | Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu" (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend" (Fragment 30). | ||
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen. | Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen. | ||
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks. | Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks. | ||