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* '''Stark und schwach:''' Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht. | * '''Stark und schwach:''' Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht. | ||
* '''Stimmungen:''' Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken. | * '''Stimmungen:''' Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken. | ||
== Der Kreis der Dämonen == | |||
Dämonen, die lange stabil sind, müssen ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen. Und tatsächlich finden wir das immer wieder, durch zwei Mechanismen: intern und sozial. | |||
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch. | |||
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst. | |||
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals. | |||
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt. | |||
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein. | |||
<blockquote>Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft. | |||
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Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova). | |||
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei" steht: „Die Farbe schrie." Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch. | |||
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not. | |||
== Zwiewirklich == | == Zwiewirklich == | ||