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:'''Der Ekel wird gelernt.''' Interessant ist auch, dass das Objekt des Ekels teilweise erst durch die Mutter erlernt wird, zum Beispiel Regenwürmer oder Ausscheidung. „Iiiih. Das ist ekelhaft. Fass das nicht an.“ Das ist direktes Lernen. Das Kind sieht die körperliche Reaktion der Mutter, den Abscheu im Gesicht, und lernt den Ekel vor dem Objekt aus diesem Vorbild. So wird diese Verknüpfung erlernt. | :'''Der Ekel wird gelernt.''' Interessant ist auch, dass das Objekt des Ekels teilweise erst durch die Mutter erlernt wird, zum Beispiel Regenwürmer oder Ausscheidung. „Iiiih. Das ist ekelhaft. Fass das nicht an.“ Das ist direktes Lernen. Das Kind sieht die körperliche Reaktion der Mutter, den Abscheu im Gesicht, und lernt den Ekel vor dem Objekt aus diesem Vorbild. So wird diese Verknüpfung erlernt. | ||
:Rozin, Haidt und Fincher ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251619/ 2009], „From Oral to Moral“) vertreten, dass Ekel als Ablehnung schlechter Geschmäcker begann und sich zu einer abstrakten Emotion ausdehnte. Tybur u. a. ([https://www.ovid.com/00006832-201301000-00003 2013]) schreiben, dass Ekel zunächst die Vermeidung von Krankheitserregern motivierte und später für die Vermeidung von Sexualkontakt und für moralische Verstöße genutzt wurde. Die Fachwörter dafür sind „Preadaptation“ und „Co-optation“. Harris und Fiske ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17100784/ 2006]) zeigten Versuchspersonen im Scanner Bilder von Obdachlosen und Süchtigen. Nach den Zusammenfassungen fehlte dabei die übliche Aktivierung für das Denken über andere Menschen, dafür waren Amygdala und Insula aktiv; die Insula gilt als Ekelregion. Stevenson u. a. ([https://researchers.mq.edu.au/en/publications/childrens-response-to-adult-disgust-elicitors-development-and-acq/ 2010]) untersuchten Kinder von 0 bis 18 Jahren: Kernauslöser wie Kot erscheinen zuerst, Eltern kleiner Kinder zeigten ihren Kindern mehr Ekel und mehr Meidung, und die Reaktion der Kinder auf Tiere und auf sozial-moralische Auslöser entsprach der Reaktion der Eltern. Für Kot nennt die Zusammenfassung diesen Zusammenhang nicht, und kleine Kinder ohne Wissen über Ansteckung reagierten auf Kernauslöser ebenso stark wie Gleichaltrige mit diesem Wissen. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3740830/ 1986]) fanden bei Kindern ab 16 Monaten, dass die Jüngsten mehr Ekelhaftes annahmen, die Mehrheit aber das meiste ablehnte. Dass das Kind den Ekel von der Mimik der Mutter lernt, ist mit diesen Studien nicht direkt nachgewiesen. | :Rozin, Haidt und Fincher ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251619/ 2009], „From Oral to Moral“) vertreten, dass Ekel als Ablehnung schlechter Geschmäcker begann und sich zu einer abstrakten Emotion ausdehnte. Tybur u. a. ([https://www.ovid.com/00006832-201301000-00003 2013]) schreiben, dass Ekel zunächst die Vermeidung von Krankheitserregern motivierte und später für die Vermeidung von Sexualkontakt und für moralische Verstöße genutzt wurde. Die Fachwörter dafür sind „Preadaptation“ und „Co-optation“. Harris und Fiske ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17100784/ 2006]) zeigten Versuchspersonen im Scanner Bilder von Obdachlosen und Süchtigen. Nach den Zusammenfassungen fehlte dabei die übliche Aktivierung für das Denken über andere Menschen, dafür waren Amygdala und Insula aktiv; die Insula gilt als Ekelregion. Stevenson u. a. ([https://researchers.mq.edu.au/en/publications/childrens-response-to-adult-disgust-elicitors-development-and-acq/ 2010]) untersuchten Kinder von 0 bis 18 Jahren: Kernauslöser wie Kot erscheinen zuerst, Eltern kleiner Kinder zeigten ihren Kindern mehr Ekel und mehr Meidung, und die Reaktion der Kinder auf Tiere und auf sozial-moralische Auslöser entsprach der Reaktion der Eltern. Für Kot nennt die Zusammenfassung diesen Zusammenhang nicht, und kleine Kinder ohne Wissen über Ansteckung reagierten auf Kernauslöser ebenso stark wie Gleichaltrige mit diesem Wissen. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3740830/ 1986]) fanden bei Kindern ab 16 Monaten, dass die Jüngsten mehr Ekelhaftes annahmen, die Mehrheit aber das meiste ablehnte. Dass das Kind den Ekel von der Mimik der Mutter lernt, ist mit diesen Studien nicht direkt nachgewiesen. | ||
:'''Der Ekel ist angeboren.''' Der Ekel gehört zu den Urdämonen. Der Psychologe Paul Ekman hat bei Naturvölkern dieselbe Mimik des Ekels dokumentiert wie bei uns. Also ist sie angeboren. | |||
:Von mir: Die Mimik des Ekels und das Deuten dieser Mimik sind zu trennen. Zur Mimik: Matsumoto und Willingham ([https://www.eurekalert.org/news-releases/695433 2009]) fanden bei Athleten der Paralympics 2004, die von Geburt an blind waren, dieselben spontanen Gesichtsausdrücke wie bei sehenden Athleten. Ich kenne nur Zusammenfassungen. Ob Ekman bei den Fore auch selbst gezeigte Ekel-Mimik dokumentiert hat, konnte ich nicht belegen. Zum Deuten: Ekman, Sorenson und Friesen (1969, ''Science'' 164) ließen Fore und Sadong Gesichtsausdrücke zuordnen. Die Fore erkannten den Ausdruck für Ekel und Verachtung zu 29 % (Pidgin) bzw. 44 % (Fore-Sprache), die Sadong wählten am häufigsten „Trauer“ (26 %) und „Freude“ (23 %). Ekman und Friesen (1971, ''Journal of Personality and Social Psychology'' 17) gaben den Fore Geschichten und drei Gesichter zur Wahl: Erwachsene wählten das Ekel-Gesicht zu 77 % bzw. 89 % (Zufall: 33 %), Kinder bei zwei Gesichtern zu 95 % bzw. 78 % (Zufall: 50 %). Ich kenne die Zahlen aus einem Lehrbuch (Yarwood), das die Tabellen wiedergibt. Das Deuten gelingt beim Ekel also schlechter als bei Freude. Gegenposition: Barrett u. a. (2019) bestreiten, dass sich Gefühle verlässlich aus dem Gesicht lesen lassen. | |||
:'''Die Kinder.''' [[#Öde|Öde]] ist der Ekel vor dem Geschmacklosen. [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] entsteht aus Ekel und [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]]. | :'''Die Kinder.''' [[#Öde|Öde]] ist der Ekel vor dem Geschmacklosen. [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] entsteht aus Ekel und [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]]. | ||
:'''Entgleisung:''' Wer Menschen mit „Ungeziefer“ oder „Dreck“ belegt, ruft den Ekel gegen sie. Dann wird aus der Hygiene eine Ausgrenzung. | :'''Entgleisung:''' Wer Menschen mit „Ungeziefer“ oder „Dreck“ belegt, ruft den Ekel gegen sie. Dann wird aus der Hygiene eine Ausgrenzung. | ||