Wesen 2: Raubtier – Vampir: Unterschied zwischen den Versionen

K
Nörgler/Mecker: Was er anrichtet (mit Freigabe)
K (Nörgler: Variante Mecker (mit Freigabe))
K (Nörgler/Mecker: Was er anrichtet (mit Freigabe))
Zeile 71: Zeile 71:


'''Wozu es gut ist.''' Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, ''Nature'' 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort ''Beckmesser'' steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.
'''Wozu es gut ist.''' Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, ''Nature'' 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort ''Beckmesser'' steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.
'''Was er anrichtet.''' Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).


'''Der Name.''' ''Meckern'' war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch ''mecke'', „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.
'''Der Name.''' ''Meckern'' war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch ''mecke'', „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.