Wesen 2: Raubtier – Vampir: Unterschied zwischen den Versionen

K
Nörgler: Variante Mecker (mit Freigabe)
K (Verehrung/Bewunderung: Beschreibung (mit Freigabe))
K (Nörgler: Variante Mecker (mit Freigabe))
Zeile 61: Zeile 61:
== Nörgler ==
== Nörgler ==
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –
* Varianten: Mecker
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.


Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.
'''Der Mecker.''' Das ist die Variante des Nörglers, die Regeln hat. Die Regeln sind eigene oder erlernte, und er ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt. Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Der Wörterbuch-Ausdruck trifft es: gehässig, aber nicht aggressiv. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.
'''Im Straßenverkehr.''' Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).
'''Wozu es gut ist.''' Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, ''Nature'' 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort ''Beckmesser'' steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.
'''Der Name.''' ''Meckern'' war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch ''mecke'', „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.
'''Sprüche.''' „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“


== Hexe/Psychopath ==
== Hexe/Psychopath ==