Die Entstehung der Seele: Unterschied zwischen den Versionen

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Abschnitt Ein Gott, ein Ich (mit Freigabe)
K (Nietzsche: Gesellschaftsbau vieler Seelen (mit Freigabe))
K (Abschnitt Ein Gott, ein Ich (mit Freigabe))
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Verantwortlichkeit ist eine Konvention, die sich aus der Pflicht der Rechtfertigung ergibt: antworten müssen. Das heißt nicht, dass man sie abschaffen sollte. Sie ist notwendig für jedes Gemeinwesen, Regeln sind notwendig. Aber sie ist trotzdem eine Fiktion, die dazu dient, Verhalten zu steuern. Regeln gibt es nicht, weil Menschen verantwortlich sind, sondern umgekehrt.
Verantwortlichkeit ist eine Konvention, die sich aus der Pflicht der Rechtfertigung ergibt: antworten müssen. Das heißt nicht, dass man sie abschaffen sollte. Sie ist notwendig für jedes Gemeinwesen, Regeln sind notwendig. Aber sie ist trotzdem eine Fiktion, die dazu dient, Verhalten zu steuern. Regeln gibt es nicht, weil Menschen verantwortlich sind, sondern umgekehrt.
=== Ein Gott, ein Ich ===
Die inneren sozialen Beziehungen spiegeln die äußeren. Im Polytheismus gibt es viele Götter, also von außen wirkende Kräfte. Im Monotheismus gibt es den einen Gott, und ihm entspricht das eine Ich. Hier ist die Verantwortung des Ich der Kern: die Sünde und das Jüngste Gericht. Siehe auch [[Die alten Götter]].
Nietzsche hat beschrieben, wie das Äußere vorangeht: „Der Fortgang zu Universal-Reichen ist immer auch der Fortgang zu Universal-Gottheiten, der Despotismus mit seiner Überwältigung des unabhängigen Adels bahnt immer auch irgend welchem Monotheismus den Weg.“ Und weiter: „Die Heraufkunft des christlichen Gottes, als des Maximal-Gottes, der bisher erreicht worden ist, hat deshalb auch das Maximum des Schuldgefühls auf Erden zur Erscheinung gebracht.“ (''Genealogie der Moral'' II 20.)
In der Bibel kann man verfolgen, wie das Innere langsam nachzieht. In den Zehn Geboten trägt noch die Sippe die Schuld. Gott ist einer, „der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied“ (2. Mose 20,5). Im Exil, im 6. Jahrhundert vor Christus, verwirft der Prophet Hesekiel das alte Sprichwort „Die Väter haben Herlinge gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden“ und setzt dagegen: „Denn welche Seele sündigt, die soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen die Missetat des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Missetat des Sohnes“ (Hesekiel 18,2 und 18,20). Erst im Buch Daniel, im 2. Jahrhundert vor Christus, kommt das Gericht über den Einzelnen nach dem Tod: „Und viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen: etliche zum ewigen Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande“ (Daniel 12,2).
Zuerst kam also der eine Gott, und das eine verantwortliche Ich folgte über Jahrhunderte nach. Nietzsche zieht daraus auch den Umkehrschluss: „Atheismus und eine Art zweiter Unschuld gehören zu einander.“


=== Die Drehmaschine des Geistes: Sprache, Lehren, lange Kindheit ===
=== Die Drehmaschine des Geistes: Sprache, Lehren, lange Kindheit ===