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:'''Die Ehre schützen.''' Das Ganze hat also die Funktion, die Ehre gegen Missbrauch zu schützen. Zum Beispiel ist Vergeltung ein elementarer Teil von ehrenvollem Verhalten, im Guten und im Bösen. Deshalb wird der Schmarotzer mit Verachtung gestraft. Das hat die Funktion, dass sich Leute an die Regeln halten. | :'''Die Ehre schützen.''' Das Ganze hat also die Funktion, die Ehre gegen Missbrauch zu schützen. Zum Beispiel ist Vergeltung ein elementarer Teil von ehrenvollem Verhalten, im Guten und im Bösen. Deshalb wird der Schmarotzer mit Verachtung gestraft. Das hat die Funktion, dass sich Leute an die Regeln halten. | ||
:'''Wer die Maßstäbe erfüllen soll.''' Allerdings ist das auch von der geltenden Sitte abhängig und davon, wer die Maßstäbe erfüllen soll. Kinder werden zum Beispiel nicht gleich mit Verachtung gestraft. Und Ritter erwarten Ehre nicht von Bauern. Ganovenehre gilt nur für die eigene Gruppe der Ganoven. Ein Dieb beklaut nicht seine Kumpel. Die Maßstäbe der elitären Gruppe gelten nur für die Gruppe. Bei Soldaten ist es eine Schande, wenn der Kamerad vor dem Feind flieht und seine Kameraden im Stich lässt. Wenn Zivilisten fliehen, trifft sie keine Verachtung. | :'''Wer die Maßstäbe erfüllen soll.''' Allerdings ist das auch von der geltenden Sitte abhängig und davon, wer die Maßstäbe erfüllen soll. Kinder werden zum Beispiel nicht gleich mit Verachtung gestraft. Und Ritter erwarten Ehre nicht von Bauern. Ganovenehre gilt nur für die eigene Gruppe der Ganoven. Ein Dieb beklaut nicht seine Kumpel. Die Maßstäbe der elitären Gruppe gelten nur für die Gruppe. Bei Soldaten ist es eine Schande, wenn der Kamerad vor dem Feind flieht und seine Kameraden im Stich lässt. Wenn Zivilisten fliehen, trifft sie keine Verachtung. | ||
:'''Die Folgen.''' Verachtung hat ja auch Konsequenzen: Ausschluss aus der Gruppe, böse Blicke, Entzug von Vertrauen und Privilegien. | |||
:Von mir: '''Der Kern.''' Verachtung sagt: Du bist minderwertig und meiner Achtung nicht würdig. Aristoteles schreibt in der ''Rhetorik'' (II 2): „You feel contempt for what you consider unimportant.“ Wer jemanden fürchte, verachte ihn nicht; man traut dem Verachteten weder Schaden noch Nutzen zu. Anders als der Zorn will die Verachtung den anderen nicht zurechtweisen, sie lehnt ihn ab. | :Von mir: '''Der Kern.''' Verachtung sagt: Du bist minderwertig und meiner Achtung nicht würdig. Aristoteles schreibt in der ''Rhetorik'' (II 2): „You feel contempt for what you consider unimportant.“ Wer jemanden fürchte, verachte ihn nicht; man traut dem Verachteten weder Schaden noch Nutzen zu. Anders als der Zorn will die Verachtung den anderen nicht zurechtweisen, sie lehnt ihn ab. | ||
:Von mir: '''Beat them or ban them.''' Fischer und Roseman (2007, ''Beat them or ban them'') unterscheiden die beiden Gefühle nach ihrer Funktion: Zorn will den anderen angreifen, Verachtung will ihn aus der Gemeinschaft ausschließen. Verachtung straft also durch Entzug der Achtung. Ich kenne die Arbeit nur nach Titel und Zusammenfassung. | :Von mir: '''Beat them or ban them.''' Fischer und Roseman (2007, ''Beat them or ban them'') unterscheiden die beiden Gefühle nach ihrer Funktion: Zorn will den anderen angreifen, Verachtung will ihn aus der Gemeinschaft ausschließen. Verachtung straft also durch Entzug der Achtung. Ich kenne die Arbeit nur nach Titel und Zusammenfassung. | ||
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:Von mir: '''Vergeltung und Ehre.''' Nisbett und Cohen (1996, ''Culture of Honor'') beschreiben Ehrenkulturen, etwa bei Hirten, in denen Vergeltung nötig ist, um nicht als schwach zu gelten und angreifbar zu werden. Das ist der böse Teil. Den guten Teil kenne ich nicht belegt; naheliegend ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]], das ist meine Folgerung. | :Von mir: '''Vergeltung und Ehre.''' Nisbett und Cohen (1996, ''Culture of Honor'') beschreiben Ehrenkulturen, etwa bei Hirten, in denen Vergeltung nötig ist, um nicht als schwach zu gelten und angreifbar zu werden. Das ist der böse Teil. Den guten Teil kenne ich nicht belegt; naheliegend ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]], das ist meine Folgerung. | ||
:Von mir: '''Beispiele für die Grenzen der Maßstäbe.''' (1) Die russische Unterwelt hatte einen Kodex, die „Vorovskoy Zakon“ der „Diebe im Gesetz“. Eine Regel ist, Versprechen an Mitdiebe nicht zu brechen (History Extra; Wikipedia „Thief in law“). Diego Gambetta (''Codes of the Underworld'', 2009) beschreibt solche Kodizes als Antwort auf das Misstrauen unter Kriminellen. (2) Shils und Janowitz (1948, ''Cohesion and Disintegration in the Wehrmacht'') fanden, dass deutsche Soldaten vor allem für die Gruppe der unmittelbaren Kameraden weiterkämpften. Dort hängt die Ehre; dass der Kamerad, der flieht, Schande trifft, ist meine Folgerung. (3) Costa Concordia 2012: Kapitän Francesco Schettino verließ das Schiff, als noch Passagiere an Bord waren. Ein Offizier der Küstenwache rief ihm zu: „Vada a bordo, cazzo!“ Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt, wegen fahrlässiger Tötung und Verlassens des Schiffs (Wikipedia „Francesco Schettino“). Die Passagiere, die sich retteten, hat niemand verachtet; der Maßstab gilt für den, dessen Rolle ihn verlangt. (4) Das Duell war ständisch. Genugtuung gab man nur dem Satisfaktionsfähigen, dem Standesgleichen (Ute Frevert, ''Ehrenmänner'', 1991). | :Von mir: '''Beispiele für die Grenzen der Maßstäbe.''' (1) Die russische Unterwelt hatte einen Kodex, die „Vorovskoy Zakon“ der „Diebe im Gesetz“. Eine Regel ist, Versprechen an Mitdiebe nicht zu brechen (History Extra; Wikipedia „Thief in law“). Diego Gambetta (''Codes of the Underworld'', 2009) beschreibt solche Kodizes als Antwort auf das Misstrauen unter Kriminellen. (2) Shils und Janowitz (1948, ''Cohesion and Disintegration in the Wehrmacht'') fanden, dass deutsche Soldaten vor allem für die Gruppe der unmittelbaren Kameraden weiterkämpften. Dort hängt die Ehre; dass der Kamerad, der flieht, Schande trifft, ist meine Folgerung. (3) Costa Concordia 2012: Kapitän Francesco Schettino verließ das Schiff, als noch Passagiere an Bord waren. Ein Offizier der Küstenwache rief ihm zu: „Vada a bordo, cazzo!“ Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt, wegen fahrlässiger Tötung und Verlassens des Schiffs (Wikipedia „Francesco Schettino“). Die Passagiere, die sich retteten, hat niemand verachtet; der Maßstab gilt für den, dessen Rolle ihn verlangt. (4) Das Duell war ständisch. Genugtuung gab man nur dem Satisfaktionsfähigen, dem Standesgleichen (Ute Frevert, ''Ehrenmänner'', 1991). | ||
:Von mir: '''Was die Folgen bewirken.''' (1) Ausschluss tut weh: Eisenberger, Lieberman und Williams (2003, Science) ließen Versuchspersonen in einem Ballspiel am Bildschirm ausschließen. Dabei war der vordere Gyrus cinguli (ACC) aktiver, der auch bei körperlichem Schmerz anspricht, und die Aktivität hing mit dem berichteten Leid zusammen. (2) Blicke: Wesselmann, Cardoso, Slater und Williams (2012, Psychological Science) fanden, dass es schon wehtut, wenn man „wie Luft“ angesehen wird, also der Blick durch einen hindurchgeht. Sie nehmen dafür den deutschen Ausdruck „wie Luft behandeln“ als Bild. Der böse Blick ist das Gegenstück: Er sagt dem anderen, dass man ihn bemerkt und ablehnt. (3) Die Wirkung auf die Regeln: Maier-Rigaud, Martinsson und Staffiero (2010) fanden in einem Spiel um ein Gemeinschaftsgut, dass die Möglichkeit, Mitspieler auszuschließen, die Beiträge erhöht. Das stützt, dass die Verachtung die Gruppe an die Regeln bindet. (4) Entzug von Privilegien: Bei der öffentlichen Degradierung von Alfred Dreyfus am 5. Januar 1895 in Paris wurden ihm die Abzeichen abgerissen und der Degen zerbrochen (Wikipedia „Dreyfus affair“). Das ist der Entzug des Rangs und der Ehre in einem Akt. Dreyfus war unschuldig, der Fall zeigt also auch, wie die Verachtung der Menge täuschen kann. | |||
:Von mir: '''Die Ehe.''' John Gottman beobachtete über Jahrzehnte Paare. Nach dem Gottman Institute ist Verachtung (Augenrollen, Spott, Herabsetzung) das stärkste Anzeichen für eine Trennung. Das Institut ist die Quelle, nicht die Originalstudie. | :Von mir: '''Die Ehe.''' John Gottman beobachtete über Jahrzehnte Paare. Nach dem Gottman Institute ist Verachtung (Augenrollen, Spott, Herabsetzung) das stärkste Anzeichen für eine Trennung. Das Institut ist die Quelle, nicht die Originalstudie. | ||
:Von mir: '''Die Mimik.''' Ekman und Friesen (1986) und Matsumoto (1992) fanden, dass der einseitig angehobene und angespannte Mundwinkel in den untersuchten Kulturen als Verachtung erkannt wurde. Andere Ausdrücke, etwa die gehobene Oberlippe, wurden weniger einig erkannt. Ich kenne die Arbeiten aus den Zusammenfassungen. | :Von mir: '''Die Mimik.''' Ekman und Friesen (1986) und Matsumoto (1992) fanden, dass der einseitig angehobene und angespannte Mundwinkel in den untersuchten Kulturen als Verachtung erkannt wurde. Andere Ausdrücke, etwa die gehobene Oberlippe, wurden weniger einig erkannt. Ich kenne die Arbeiten aus den Zusammenfassungen. | ||