Wesen 4: Leib, Nest und Lust: Unterschied zwischen den Versionen

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Prahler: Formatierung der neuen Absätze
K (Prahler: Variante Aufschneider, Besser sein wollen, Wenn ein anderer mehr hat)
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* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]).
* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]).


:'''Der Aufschneider.''' Eine Variante des Prahlers ist der Aufschneider. Bei Theophrast heißt er Ἀλαζονεία: „Bragging is pretending to have excellences that one does not really possess.“ Er steht am Hafen und erzählt, wie viel Kapital er in Schiffen stecken hat, und schickt seinen Sklaven zur Bank, wo er eine Drachme hat. Er habe unter Alexander gedient und drei Briefe von Antipater bekommen, obwohl er nie aus seiner Stadt herausgekommen ist. In der Hungersnot habe er über fünf Talente für die Armen gegeben. Sein gemietetes Haus nennt er das Familienhaus und sagt, es sei zu klein für seine Freunde. Ob das Vermögen echt oder erfunden ist, ist für das Wesen irrelevant. Das Motiv ist dasselbe.
'''Der Aufschneider.''' Eine Variante des Prahlers ist der Aufschneider. Bei Theophrast heißt er Ἀλαζονεία: „Bragging is pretending to have excellences that one does not really possess.“ Er steht am Hafen und erzählt, wie viel Kapital er in Schiffen stecken hat, und schickt seinen Sklaven zur Bank, wo er eine Drachme hat. Er habe unter Alexander gedient und drei Briefe von Antipater bekommen, obwohl er nie aus seiner Stadt herausgekommen ist. In der Hungersnot habe er über fünf Talente für die Armen gegeben. Sein gemietetes Haus nennt er das Familienhaus und sagt, es sei zu klein für seine Freunde. Ob das Vermögen echt oder erfunden ist, ist für das Wesen irrelevant. Das Motiv ist dasselbe.
:'''Besser sein wollen.''' Geltung zu wollen ist an sich etwas Positives. Sie ist der Treibstoff für viele Errungenschaften und Leistungen. Beim Prahler geht es aber darum, besser zu sein als die anderen. Das ist traurig, denn er ist von den anderen abhängig. Ohne Vergleich gibt es keinen Rang. Dabei kann man den Rang und die Leistung anderer auch anerkennen, unabhängig davon, ob sie mehr haben oder können (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]]).
 
:'''Wenn ein anderer mehr hat.''' Hat ein Nachbar das größere Haus oder das größere Auto, kommt der [[#Neid|Neid]] ins Spiel, wenn der andere ihm nah ist und es ein Gebiet ist, das ihm selbst zählt. Dann legt der Prahler nach, zieht den anderen herunter oder meidet den Vergleich. Der Neid ist sein Bruder: Auch er ist auf den Vergleich fixiert, und sein eigener Rang hängt von den anderen ab. Nach einer Umfrage von Solnick und Hemenway lehnten 48 % es ab, dass alle reicher werden, wenn das den eigenen Rang senkt.
'''Besser sein wollen.''' Geltung zu wollen ist an sich etwas Positives. Sie ist der Treibstoff für viele Errungenschaften und Leistungen. Beim Prahler geht es aber darum, besser zu sein als die anderen. Das ist traurig, denn er ist von den anderen abhängig. Ohne Vergleich gibt es keinen Rang. Dabei kann man den Rang und die Leistung anderer auch anerkennen, unabhängig davon, ob sie mehr haben oder können (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]]).
 
'''Wenn ein anderer mehr hat.''' Hat ein Nachbar das größere Haus oder das größere Auto, kommt der [[#Neid|Neid]] ins Spiel, wenn der andere ihm nah ist und es ein Gebiet ist, das ihm selbst zählt. Dann legt der Prahler nach, zieht den anderen herunter oder meidet den Vergleich. Der Neid ist sein Bruder: Auch er ist auf den Vergleich fixiert, und sein eigener Rang hängt von den anderen ab. Nach einer Umfrage von Solnick und Hemenway lehnten 48 % es ab, dass alle reicher werden, wenn das den eigenen Rang senkt.
 
'''Bei Theophrast''' erscheint er in zwei Gestalten. Der Übereifrige zeigt „an excess in saying or doing, — with good intentions, of course“ und verspricht öffentlich Dinge, die er nicht leisten kann. Der Prahler ist „pretending to have excellences that one does not really possess“.
'''Bei Theophrast''' erscheint er in zwei Gestalten. Der Übereifrige zeigt „an excess in saying or doing, — with good intentions, of course“ und verspricht öffentlich Dinge, die er nicht leisten kann. Der Prahler ist „pretending to have excellences that one does not really possess“.