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'''Wozu es gut ist.''' Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, ''Nature'' 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort ''Beckmesser'' steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung. | '''Wozu es gut ist.''' Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, ''Nature'' 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort ''Beckmesser'' steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung. | ||
Von mir: '''Das Ärgergesicht.''' Die Mimik des Ärgers ist angeboren und kulturübergreifend, auch blind geborene Kinder zeigen sie. Typisch sind gesenkte, zusammengezogene Brauen, angespannte Lider, schmale Lippen und ein vorgeschobenes Kinn. Sell, Cosmides und Tooby (2014) deuten sie als Drohgebärde, denn jedes dieser Merkmale lässt den Träger stärker wirken. Beim Mecker kommen der offene Mund zum Schimpfen und die herabgezogenen Mundwinkel der schlechten Laune hinzu. | |||
'''Was er anrichtet.''' Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004). | '''Was er anrichtet.''' Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004). | ||