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== Empörung == | == Empörung == | ||
* Stammbaum: von Lästerer · zu – | * Stammbaum: von Lästerer · zu – | ||
* Beschreibung: | * Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“ | ||
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen. | |||
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal. | |||
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]] | |||
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln. | |||
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin. | |||
* Bannung: offen. | |||
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt. | |||
:Von mir: '''Vom Lästerer.''' Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen. | |||
:Von mir: '''Wut und Empörung.''' Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört. | |||
:Von mir: '''Die Gemeinschaft.''' Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist. | |||
:Von mir: '''Körper.''' Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes. | |||
:Von mir: '''Online.''' Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt. | |||
:Von mir: '''Ohne Zeugen.''' Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich. | |||
:Von mir: '''Wo es kippt.''' Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar. | |||
== Perfektionist == | == Perfektionist == | ||