Wesen 2: Raubtier – Vampir: Unterschied zwischen den Versionen

K
Hass nach Wesen 1 (Wüterich-Linie) umgehängt, Stammbaum von Zorn, Verachtung, Ekel, Angst
K (Hass: Trigger, Bannung, Mimik, Haltung, Die Spur Angst, Bedrohung und Hass)
K (Hass nach Wesen 1 (Wüterich-Linie) umgehängt, Stammbaum von Zorn, Verachtung, Ekel, Angst)
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== Vampir ==
== Vampir ==
* Steckbrief: [[Vampir]]
* Steckbrief: [[Vampir]]
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Hass, Gewißheit, Sieg, Folterer
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewißheit, Sieg, Folterer
* Beschreibung:  
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:'''Grausamkeit und Verinnerlichung.''' Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (''Zur Genealogie der Moral'', 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.
:'''Grausamkeit und Verinnerlichung.''' Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (''Zur Genealogie der Moral'', 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.
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:'''Das Gegenbild''' ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.
:'''Das Gegenbild''' ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.
:'''Die Silbermedaille.''' Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.
:'''Die Silbermedaille.''' Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.
== Hass ==
* Stammbaum: von Vampir · zu –
* Spruch: „Solche Leute sind das Letzte.“ „Der hat nichts anderes verdient.“ „Ohne diese Menschen wäre die Welt besser.“ „Ich werde dem niemals verzeihen.“ „Es geschieht ihm recht.“
* Hunger: Dass das verhasste Objekt verschwindet, bestraft, gedemütigt oder seiner Macht beraubt wird.
* Trigger: Der Anblick der Person oder der Gruppe. Ihr Name, ihre Stimme, ihr Foto. Ihr Erfolg, den der Hassende als eigene Niederlage erlebt. Eine neue Kränkung oder die Erinnerung an die alte. Eine wirkliche oder eingebildete Bedrohung. Bei einer Gruppe: die Hetze der Demagogen, Nachrichten über einzelne Vorfälle, ihre Zeichen und Symbole.
* Bannung: Bei sich selbst durch Bedenken. Sie hemmen das Handeln, aber das Wollen bleibt. Bei Gruppen senkt persönlicher Kontakt die Vorurteile (Pettigrew und Tropp 2006, 515 Studien). Ob das auch den Hass selbst bannt, ist offen. Siehe [[Bannung#Gegendämonen|Bannung]].
* Mimik: Verachtung, Ekel, Ärger oder Zorn passen. Dazu kann eine Spur Angst kommen: die Brauen gehoben und zusammengezogen, die Augen weit, die Lippen gespannt. Beim kalten Hass kann das Gesicht ganz unbewegt sein.
* Haltung: Bei heißem Hass ist der Körper angespannt, der Kiefer mahlt, die Fäuste sind geballt. Bei kaltem Hass ist er ruhig und beherrscht.
* Beschreibung: Hass ist eine anhaltende, feindselige Haltung gegenüber einem Menschen oder einer Gruppe, deren Existenz, Eigenschaften oder Verhalten als unerträglich, bedrohlich oder verwerflich empfunden werden. Anders als Wut, die meist auf ein konkretes Ereignis reagiert, richtet sich Hass gegen die Person selbst.
:'''Das Motiv.''' Der Hassende will nicht unbedingt etwas besitzen oder erreichen. Er will, dass das verhasste Objekt verschwindet, bestraft, gedemütigt oder seiner Macht beraubt wird. Dahinter können unterschiedliche Motive stehen:
::* Rache: Der andere soll für erlittenes Unrecht bezahlen.
::* Bedrohungsabwehr: Der andere wird als Gefahr für die eigene Person, Gruppe oder Lebensordnung betrachtet.
::* Neid und Kränkung: Der andere verkörpert etwas, das man selbst nicht besitzt oder das den eigenen Selbstwert verletzt.
::* Moralische Verurteilung: Der andere wird als grundsätzlich böse oder verwerflich angesehen.
::* Gruppenzugehörigkeit: Gemeinsamer Hass schafft Zusammenhalt und ein Gefühl der Überlegenheit.
:'''Was der Hassende fühlt.''' Hass kann mit Zorn, Ekel, Verachtung und Abscheu verbunden sein. Er kann aber auch erstaunlich kalt sein. Der Hassende muss nicht ständig wütend sein. Er kann ruhig und überlegt handeln und trotzdem die Vernichtung seines Gegners wünschen. Besonders interessant: Hass kann Befriedigung erzeugen. Wenn dem Verhassten etwas Schlechtes widerfährt, empfindet der Hassende möglicherweise Freude, Genugtuung oder Erleichterung.
:'''Was der Hassende sagt.''' Die Aussagen (siehe Spruch) zeigen eine wichtige Eigenschaft: Der Hassende betrachtet das Leiden des anderen nicht mehr unbedingt als etwas Schlechtes.
:'''Hass, Wut und Verachtung.'''
{| class="wikitable"
! Gefühl !! Innerer Kern
|-
| Wut || Du hast etwas getan, das ich nicht akzeptiere.
|-
| Verachtung || Du bist minderwertig und meiner Achtung nicht würdig.
|-
| Hass || Du bist etwas, das ich nicht ertragen will.
|-
| Rachsucht || Du sollst für das bezahlen, was du getan hast.
|}
:'''Warum Hass so lange anhält.''' Hass kann sich selbst stabilisieren. Der Hassende interpretiert neue Informationen über den Gegner bevorzugt negativ. Gute Handlungen werden als Heuchelei abgewertet, schlechte als Bestätigung seines Urteils betrachtet. Dadurch entsteht ein Kreislauf: Der Hass liefert die Begründung für sich selbst.
:'''Der entscheidende psychologische Punkt.''' Hass benötigt nicht zwingend Angst, Minderwertigkeitsgefühle oder persönliche Verletzungen. Ein Mensch kann hassen, weil er gelernt hat, bestimmte Menschen als Feinde zu betrachten, weil er daraus soziale Anerkennung gewinnt oder weil ihm ihre Bestrafung Freude bereitet. Hass ist deshalb nicht immer eine unkontrollierte Emotion. Er kann auch eine bewusst gepflegte Haltung sein. Die gefährlichste Entwicklung beginnt dort, wo der Hassende das Leiden des anderen nicht nur hinnimmt, sondern als gerecht und wünschenswert betrachtet.
:'''Hass auf eine Person.''' Man kann eine Person hassen. Ursache ist eine zugefügte Verletzung. Da ist gewiss die Bereitschaft, dieser Person Schaden zuzufügen, und die Phantasie darüber.
:'''Wie Hass auf eine Person entsteht.''' Hass auf eine bestimmte Person hat eine Entstehungsgeschichte. Er entsteht nicht grundlos, auch wenn die Gründe auf Irrtümern beruhen können. Entscheidend ist, was der andere für den Hassenden bedeutet.
::* Verletzung: Die Person hat ihm etwas angetan, das er nicht verzeihen kann. Aus Wut wird dauerhafte Feindschaft.
::* Demütigung: Die Person hat seinen Selbstwert oder sein Ansehen beschädigt. Ihre bloße Anwesenheit erinnert ihn daran.
::* Neid: Die Person besitzt etwas, das er selbst begehrt. Ihr Erfolg wird als eigene Niederlage erlebt.
::* Verrat: Die Person hat Vertrauen zerstört. Gerade aus großer Zuneigung kann besonders intensiver Hass entstehen.
::* Bedrohung: Die Person gefährdet etwas, das ihm wichtig ist: seine Sicherheit, seine Stellung, seine Beziehungen oder seine Überzeugungen.
::* Moralische Empörung: Die Person hat etwas getan, das seinen grundlegenden Wertvorstellungen widerspricht. Dazu muss er nicht selbst betroffen sein.
:'''Von der Handlung zum Menschen.''' Dabei gibt es einen wichtigen psychologischen Mechanismus: Am Anfang steht häufig die Ablehnung einer Handlung. Später wird daraus die Ablehnung des ganzen Menschen. Aus „Was du getan hast, ist unverzeihlich“ wird „Du bist unverzeihlich“. Und damit verändert sich etwas Grundlegendes: Selbst wenn die ursprüngliche Ursache verschwindet, kann der Hass bestehen bleiben. Der Hassende braucht dann nicht mehr jedes Mal einen neuen Grund. Die Person selbst ist zum Auslöser geworden. Das erklärt auch, weshalb sich Hass manchmal über Jahrzehnte hält, obwohl die Beteiligten längst keinen Kontakt mehr haben. Der Grund, aus dem Hass ursprünglich entsteht, ist nicht unbedingt derselbe Grund, aus dem er aufrechterhalten wird.
:'''Das Wollen.''' Man will dem Schaden zufügen, den man hasst. Es kann aber durch Bedenken verhindert werden. Aber das Wollen ist da.
:'''Hass auf eine Gruppe.''' Man kann auch eine Gruppe hassen. Das ist im Prinzip der feindliche Stamm, der einen bedroht und verteufelt wird. Das wird von Demagogen benutzt. Die Gruppe wird entmenschlicht und vogelfrei. Da sind dann auch unmenschliche Maßnahmen erlaubt. Die nationalsozialistische Propaganda behauptete über die Juden, sinngemäß: „Sie wollen die Weltherrschaft. Sie haben den Krieg aus Geldgier angezettelt. Sie verderben das Blut.“ Es gibt genügend Beispiele dafür, wie Demagogen eine Gruppe verteufeln, die man dann hassen kann.
:'''Aus einer Verletzung wird Gruppenhass.''' Kriegsgefangene wurden auf offenen Wagen transportiert, an Bahnhöfen angespuckt und geschlagen. Ein Zeitzeuge berichtete außerdem, dass von Brücken Steine auf die offenen Wagen geworfen wurden. Wer das erlebt hat, hasst danach nicht nur die Täter, sondern das ganze Volk, dem sie angehören.
:'''Der Feind für die Anhänger.''' Es geht nicht einmal darum, ob die Demagogen die andere Gruppe hassen. Das ist nicht immer der Fall. Sie brauchen eine Gruppe, die ihre Anhänger hassen können. Deshalb wird diese Gruppe als Bedrohung dargestellt, auch wenn sie keine ist. Illegale zum Beispiel begehen weniger Verbrechen.
:'''Die Spur Angst.''' Ich glaube, da ist auch eine Spur Angst dabei, aus der erlebten Verletzung oder der eingebildeten Bedrohung. Demagogen stellen die fremde Gruppe auch immer als Gefahr oder Bedrohung dar.
:Von mir: '''Die Sätze der Propaganda.''' Die Sätze über die Juden sind sinngemäß wiedergegeben und belegt: In ''Mein Kampf'' steht das „Streben nach der Weltherrschaft des jüdischen Volkes“ (S. 750f.); dort stehen auch „Blutvergiftung“ und „Blutschande“. Goebbels schrieb am 16. November 1941 unter dem Titel „Die Juden sind schuld!“, sie hätten diesen Krieg angezettelt und lenkten ihn (englische Übersetzung im German Propaganda Archive, Calvin University). Hitler sprach am 30. Januar 1939 im Reichstag vom „internationalen Finanzjudentum“ (United States Holocaust Memorial Museum, Yad Vashem). Das Wort „Geldgier“ habe ich in diesen Texten nicht gefunden; gemeint ist es in der Formel vom „Finanzjudentum“ und in der Rede von der „finanziellen Herrschaft“. Die „Protokolle der Weisen von Zion“, die dieselbe Weltverschwörung behaupten, sind eine Fälschung (United States Holocaust Memorial Museum). Die „Blutschande“ wurde 1935 in den Nürnberger Gesetzen zum Straftatbestand (Deutsches Historisches Museum).
:Von mir: '''Weitere Beispiele aus der Geschichte.''' Die Stoffe wechseln, das Muster bleibt. (1) 1348/49, während der Pest, beschuldigte man die Juden, die Brunnen vergiftet zu haben. Am 14. Februar 1349 wurden in Straßburg etwa 2000 Juden öffentlich verbrannt (Jewish Currents, „The Plague and the Jews of Strasbourg“; Wikipedia „Strasbourg massacre“). (2) Am 27. Dezember 1929 kündigte Stalin die „Liquidierung der Kulaken als Klasse“ an. Der Begriff „Kulak“ war willkürlich und dehnbar; er traf auch Mittelbauern, Widerständige und Geistliche, Millionen wurden deportiert (Seventeen Moments in Soviet History, Michigan State University; Sciences Po, „Dekulakisation as mass violence“). (3) 1882 verbot der Chinese Exclusion Act als erstes US-Gesetz die Einwanderung wegen der Herkunft allein (PBS NewsHour). Die Workingmen's Party des Denis Kearney machte die chinesischen Arbeiter für die niedrigen Löhne verantwortlich. (4) In Ruanda nannten das Radio RTLM und die Zeitschrift Kangura die Tutsi „Inyenzi“, Kakerlaken; das UN-Tribunal für Ruanda verurteilte 2003 Verantwortliche beider Medien (Media-Fall, ICTR). (5) 1942 ordnete Präsident Roosevelt mit der Executive Order 9066 an, Japanischstämmige in den USA in Lager zu bringen. Die Untersuchungskommission des Kongresses nannte 1983 als Ursachen „race prejudice, war hysteria and a failure of political leadership“ (Densho). (6) Gegen die Rohingya in Myanmar sagten UN-Ermittler 2018, Facebook habe bei der Hetze eine Rolle gespielt (Reuters, 12. März 2018). (7) Für die Gefangenentransporte: Der Historiker Fabien Théofilakis dokumentiert, dass deutsche Kriegsgefangene in Frankreich bei Transporten angespuckt und geschlagen wurden (Deutsche Welle 2020).
:Von mir: '''Der eine Feind.''' Dass Demagogen eine Gruppe als gemeinsamen Feind brauchen, schreibt Hitler selbst als Rat zur Taktik. Es gehöre zur „Kunst aller wahrhaft großen Volksführer“, die Aufmerksamkeit des Volkes „immer auf einen einzigen Gegner zu konzentrieren“, und zur „Genialität eines großen Führers, selbst auseinanderliegende Gegner immer als nur zu einer Kategorie gehörend erscheinen zu lassen“. Der Grund: Sähe die Masse viele Feinde, stelle sich „die Objektivität“ ein und mit ihr der „Zweifel am eigenen Rechte“ (''Mein Kampf'', Band 1, S. 129 der geprüften Ausgabe). Das belegt das Kalkül. Ob ein Demagoge selbst hasst, lässt sich aus Texten nicht feststellen. Hitler hasste nach allem, was er schrieb. Belegbar ist nur, dass der Hass als Mittel beschrieben und eingesetzt wird. Ein Satz, man müsse die Juden erfinden, wenn es sie nicht gäbe, wird Hitler oft zugeschrieben; ich habe keine Quelle dafür gefunden und nehme ihn deshalb nicht auf.
:Von mir: '''Ein heutiges Beispiel: die USA.''' Donald Trump sagte im Dezember 2023, Einwanderer „poison the blood of our country“ (Reuters, 16. Dezember 2023); gefragt, ob er wisse, dass Hitler Ähnliches sagte, erklärte er laut NBC, er habe das nicht gewusst. Am 16. März 2024 sagte er in Ohio über Migranten, die Verbrechen begangen haben: „They're not people, in my opinion“ (New York Times). 2018 nannte er MS-13-Mitglieder „animals“ (Reuters; Politico). Die Politik: Im März 2025 schob die Regierung Venezolaner auf Grundlage des Alien Enemies Act in das Gefängnis CECOT in El Salvador ab. Der Supreme Court entschied am 7. April 2025 (Trump v. J.G.G.), dass die Betroffenen vorher benachrichtigt werden und Rechtsmittel einlegen können müssen. Zur Haft ohne Anhörung über eine Kaution: Neun Berufungsgerichte hielten das für rechtswidrig, das 5. Berufungsgericht entschied am 23. Oktober 2026 das Gegenteil (Reuters); der Supreme Court will die Frage klären (Washington Post, 1. Oktober 2026). „Ohne Verfahren“ stimmt also nicht ganz: Abschiebeverfahren laufen. Der Streit betrifft die Haft ohne Anhörung. Zu den Zahlen: Laut Bloomberg (9. April 2025) hatten etwa 90 % der nach CECOT Abgeschobenen keine Vorstrafe in den USA; laut Cato (23. Dezember 2025) hatten 16 % irgendeine Verurteilung. Laut TRAC haben etwa 70 % der ICE-Inhaftierten keine Verurteilung. „Keine Vorstrafe in den USA“ heißt nicht „keine Straftat“; bei 67 Venezolanern lagen laufende Verfahren vor (Connectas). Ob die Politik Hass ist oder Rechtsdurchsetzung, entscheidet kein Zitat; die Zahlen zeigen, dass die Darstellung der Gruppe als Gefahr und die Datenlage auseinanderfallen.
:Von mir: '''Verbrechen und Herkunft.''' Zur Behauptung „Illegale begehen weniger Verbrechen“: Light, He und Robey (2020, PNAS) werteten Festnahmen aus Texas aus. Illegal Eingewanderte hatten deutlich niedrigere Festnahmeraten für schwere Straftaten als gebürtige US-Bürger und legal Eingewanderte. Ousey und Kubrin (2018) fassten 51 Studien zusammen: Zwischen Einwanderung und Kriminalität besteht im Durchschnitt ein leicht negativer, sehr schwacher Zusammenhang, mit Unterschieden zwischen den Studien. Einschränkung: Die Texas-Daten betreffen einen Bundesstaat und zählen Festnahmen, nicht Taten; die Meta-Analyse betrifft Einwanderer insgesamt. Gegenstudien habe ich nicht geprüft.
:Von mir: '''Bedrohung und Hass.''' Riek, Mania und Gaertner (2006) fassten die Forschung zur wahrgenommenen Bedrohung durch Fremdgruppen zusammen, darunter Bedrohung der Sicherheit und der Werte sowie Angst im Kontakt. Der Zusammenhang mit negativen Einstellungen ist in dieser Forschung die Regel (aus dem Gedächtnis, Zahlen nicht geprüft). Die Beispiele oben zeigen die Gruppe jedes Mal als Bedrohung. Ob es nie anders ist, lässt sich mit Beispielen nicht beweisen.
:Von mir: '''Was die Forschung zum Hass sagt.''' Aristoteles trennt in der ''Rhetorik'' (II 4) Zorn und Hass: Zorn richtet sich auf Einzelne, Hass auch auf Klassen von Menschen („der Dieb“, „der Denunziant“). Zorn wird durch Zeit geheilt, Hass nicht. Der Zornige will, dass der andere Schmerz empfindet; der Hassende will ihm Schaden zufügen und hätte ihn lieber nicht mehr da. Hass kann auch ohne eine zugefügte Kränkung entstehen. Fischer, Halperin, Canetti und Jasini (2018, ''Emotion Review'') fassen die Forschung so zusammen: Hass beruht auf einer stabil negativen Einschätzung von Personen oder Gruppen, gilt mehr dem, was sie sind, als dem, was sie tun, und will das Ziel beseitigen. Er breitet sich besonders in Konflikten zwischen Gruppen aus und wirkt für die Hassenden beruhigend. Daraus folgt (meine Folgerung): Eine Gruppe lässt sich mit Hass gut binden, auch wenn ihr Verhalten ihn nicht rechtfertigt. Zeki und Romaya (2008) fanden bei 17 Versuchspersonen beim Betrachten eines gehassten Menschen Aktivität im Putamen, in der Insula und in Stirnhirnbereichen, einen „Hass-Schaltkreis“. Haslam (2006) unterscheidet zwei Formen der Entmenschlichung; sie erleichtert Gewalt, verursacht sie aber nicht allein. Dagegen wirkt Kontakt: Pettigrew und Tropp (2006) werteten 515 Studien mit 713 Stichproben aus, Kontakt zwischen Gruppen senkt Vorurteile.
:Von mir: '''Offene Frage.''' Aristoteles meint, dem Hassenden sei das Leiden des anderen gleichgültig; Cikara und Fiske (2011) fanden bei verachteten und beneideten Fremdgruppen dagegen Freude am Unglück, auch körperlich messbar (Mimik, Gesichtsmuskeln). Der Hasser des Aristoteles will, dass der andere nicht mehr da ist. Der Vampir will die Macht über die Beute; das Leiden zufügen ist Sache von Piesacker und Folterer. Ob Hass vom Vampir oder vom Zorn abstammt (Gerechtigkeitssinn, Kränkung), ist hier offen; der Stammbaum bleibt vorerst unverändert.


== Gewißheit ==
== Gewißheit ==