Wesen 1: Raubtier – Wüterich: Unterschied zwischen den Versionen

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Jagdtrieb: Argument ausgearbeitet, plötzlich
K (Jagdtrieb: Das gefährlichste Raubtier)
K (Jagdtrieb: Argument ausgearbeitet, plötzlich)
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:'''Auch ohne Hunger.''' Die satte Katze jagt trotzdem die Maus, und der Hund rennt dem Ball nach, ohne dass er Hunger hat. Das Fressen und das Jagen sind getrennte Triebe. In der Verhaltensforschung gilt der Beutefang als eigene Kette: Orten, Fixieren, Anschleichen, Hetzen, Packen, Töten.
:'''Auch ohne Hunger.''' Die satte Katze jagt trotzdem die Maus, und der Hund rennt dem Ball nach, ohne dass er Hunger hat. Das Fressen und das Jagen sind getrennte Triebe. In der Verhaltensforschung gilt der Beutefang als eigene Kette: Orten, Fixieren, Anschleichen, Hetzen, Packen, Töten.
:'''Beim Menschen.''' Die Sprache verrät den Dämon: auf der Jagd nach dem Rekord, eine Fährte aufnehmen, Witterung aufnehmen, dranbleiben, Beute machen, jemanden zur Strecke bringen. Der Detektiv, der Schnäppchenjäger, der Kopfgeldjäger und der Karrierist, der ein Ziel hetzt, handeln aus demselben Antrieb.
:'''Beim Menschen.''' Die Sprache verrät den Dämon: auf der Jagd nach dem Rekord, eine Fährte aufnehmen, Witterung aufnehmen, dranbleiben, Beute machen, jemanden zur Strecke bringen. Der Detektiv, der Schnäppchenjäger, der Kopfgeldjäger und der Karrierist, der ein Ziel hetzt, handeln aus demselben Antrieb.
:'''Das gefährlichste Raubtier.''' In Sapiens steht, dass der Mensch, egal wohin er gekommen ist, innerhalb kurzer Zeit einen großen Teil der Tiere ausgerottet hat, vor allem die über 50 Kilo. Auf Inseln und auf Kontinenten. Der Mensch ist das gefährlichste Raubtier auf der Erde. Das Muster ist der Beweis.
:'''Das gefährlichste Raubtier.''' In Sapiens steht, dass der Mensch, egal wohin er gekommen ist, innerhalb kurzer Zeit einen großen Teil der Tiere ausgerottet hat, vor allem die über 50 Kilo. Auf Inseln und auf Kontinenten. Der Mensch ist das gefährlichste Raubtier auf der Erde. Das Muster ist der Beweis. Wenn eine Art in einem Jahrtausend ausstirbt, die es vorher Millionen Jahre gab, dann ist das plötzlich.
:Von mir: Harari belegt in seinen Anmerkungen ([https://www.ynharari.com/sapiens-references/ Referenzseite]): Zur Zeit der kognitiven Revolution gab es etwa 200 Gattungen großer Landsäugetiere über 50 Kilo (Quelle: Barnosky u. a. 2004, ''Science'' 306). Als Beispiele nennt er Madagaskar, die Pazifikinseln (Polynesier, ab etwa 1500 v. Chr.), die Moas in Neuseeland und die Mammuts auf der Wrangelinsel. Ich kenne diese Belege nur als Quellenangaben, nicht im Volltext. Australien: Van der Kaars u. a. ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5263868/ 2017], ''Nature Communications'') schreiben, dass dort 85 % der großen Säugetierarten kurz nach 50.000 Jahren vor heute ausstarben, etwa zur Zeit der ersten Menschen. Ihr Bohrkern zeigt den Zusammenbruch zwischen 45.000 und 43.100 Jahren vor heute, innerhalb von 4.000 Jahren nach der Ankunft des Menschen (um 47.000). Sie folgern, das Klima sei als Hauptursache ausgeschlossen und der Mensch beteiligt. Als Megafauna gelten dort Tiere über 44 Kilo. Es gibt keine Fundplätze, an denen Megafauna in großer Zahl erlegt wurde. Die Autoren erklären das mit „imperceptible overkill“: Schon geringe Jagd, etwa ein Jungtier pro Person und Jahrzehnt, könnte eine Art in wenigen hundert Jahren auslöschen, weil große Tiere sich langsam vermehren. Weltweit: Sandom u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24898370/ 2014], ''Proceedings of the Royal Society B'') fanden, dass die Schwere des Aussterbens eng an die Verbreitung des Menschen gebunden ist und höchstens in Eurasien schwach an das Klima; ich kenne nur die Zusammenfassung. Gegenposition: Die Ursache ist in der Fachwelt nicht einhellig. Die Quellen von van der Kaars nennen Klima (Cooper u. a. 2015, Holarktis), Mensch und eine Mischung aus beidem (Metcalf u. a. 2016, Patagonien). Das Australian Museum nennt auf seiner Seite „environmental and ecological factors“ als wahrscheinliche Ursache. Den Satz „gefährlichstes Raubtier auf der Erde“ habe ich nicht belegt.
:Von mir: Harari belegt in seinen Anmerkungen ([https://www.ynharari.com/sapiens-references/ Referenzseite]): Zur Zeit der kognitiven Revolution gab es etwa 200 Gattungen großer Landsäugetiere über 50 Kilo (Quelle: Barnosky u. a. 2004, ''Science'' 306). Als Beispiele nennt er Madagaskar, die Pazifikinseln (Polynesier, ab etwa 1500 v. Chr.), die Moas in Neuseeland und die Mammuts auf der Wrangelinsel. Ich kenne diese Belege nur als Quellenangaben, nicht im Volltext. Australien: Van der Kaars u. a. ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5263868/ 2017], ''Nature Communications'') schreiben, dass dort 85 % der großen Säugetierarten kurz nach 50.000 Jahren vor heute ausstarben, etwa zur Zeit der ersten Menschen. Ihr Bohrkern zeigt den Zusammenbruch zwischen 45.000 und 43.100 Jahren vor heute, innerhalb von 4.000 Jahren nach der Ankunft des Menschen (um 47.000). Sie folgern, das Klima sei als Hauptursache ausgeschlossen und der Mensch beteiligt. Als Megafauna gelten dort Tiere über 44 Kilo. Es gibt keine Fundplätze, an denen Megafauna in großer Zahl erlegt wurde. Die Autoren erklären das mit „imperceptible overkill“: Schon geringe Jagd, etwa ein Jungtier pro Person und Jahrzehnt, könnte eine Art in wenigen hundert Jahren auslöschen, weil große Tiere sich langsam vermehren. Weltweit: Sandom u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24898370/ 2014], ''Proceedings of the Royal Society B'') fanden, dass die Schwere des Aussterbens eng an die Verbreitung des Menschen gebunden ist und höchstens in Eurasien schwach an das Klima; ich kenne nur die Zusammenfassung. Gegenposition: Die Ursache ist in der Fachwelt nicht einhellig. Die Quellen von van der Kaars nennen Klima (Cooper u. a. 2015, Holarktis), Mensch und eine Mischung aus beidem (Metcalf u. a. 2016, Patagonien). Das Australian Museum nennt auf seiner Seite „environmental and ecological factors“ als wahrscheinliche Ursache. Den Satz „gefährlichstes Raubtier auf der Erde“ habe ich nicht belegt.
:Von mir: Das Argument ausgearbeitet. Wo der Mensch neu auftaucht, sterben die großen Tiere aus, und zwar unabhängig vom jeweiligen Klima: in Australien vor rund 47.000 Jahren, auf den Pazifikinseln, auf Madagaskar, in Neuseeland. Wenn dieselbe Folge in so verschiedenen Klimaten eintritt, bleibt als gemeinsamer Faktor der Mensch. Das ist ein Beweis für den Menschen als Ursache. Für den Jagdtrieb als Triebkraft folgt daraus noch nichts. Der Jagdtrieb erklärt, warum der Mensch auch ohne Hunger jagt und die Beute nicht nur nach Bedarf nimmt. Das passt zu den Absätzen „Auch ohne Hunger“ und „Trophäen“. Einwände:
:1. Der Befund braucht den Trieb nicht. Nach van der Kaars u. a. (2017) genügt geringe Jagd aus bloßem Nahrungsbedarf, weil große Tiere sich langsam vermehren. Der Jagdtrieb bleibt eine zusätzliche Annahme.
:2. „Plötzlich“ gilt im Verhältnis zur Dauer der Arten. Größere Säugetierarten bestehen nach Prothero ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25236413/ 2014]) im Mittel etwa 2,3 bis 4,3 Millionen Jahre (nach der Zusammenfassung), nach Mace ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12348876/ 1998]) Säugetiere insgesamt 1 bis 2 Millionen. Ein Aussterben binnen Jahrtausenden ist dagegen sehr schnell. Als „Blitzkrieg“ innerhalb weniger Generationen gilt es nicht: Svenning u. a. ([https://www.cambridge.org/core/journals/cambridge-prisms-extinction/article/latequaternary-megafauna-extinctions-patterns-causes-ecological-consequences-and-implications-for-ecosystem-management-in-the-anthropocene/E885D8C5C90424254C1C75A61DE9D087 2024], ''Cambridge Prisms: Extinction'') nennen die „Blitzkrieg“-Version für unzureichend, Rückgänge und Aussterben zogen sich über viele Jahrtausende hin. Dieselbe Übersicht sieht wenig Rückhalt für einen großen Einfluss des Klimas und starken, wachsenden Rückhalt für den Menschen als Hauptursache, mit Hinweisen auf einen Beginn schon bei Vorläufern des Homo sapiens.
:3. „Überall, wohin er kam“ trifft Afrika schwächer. Dort entstand der Mensch, und es blieb mehr Megafauna übrig, nach Svenning u. a. gingen aber auch dort Arten verloren. Eine Erklärung ist, dass die Tiere mit den Hominiden mitentwickelt waren, Beleg dafür ist das nicht.
:4. Ob Männer aus Prestige jagen, ist umstritten. Hawkes (1990, 1991) vertritt, dass Männer jagen, um Aufmerksamkeit und Partnerchancen zu gewinnen („show-off“). Smith ([https://faculty.washington.edu/easmith/HunterRS.pdf 2004]) nennt für viele Jäger- und Sammlergesellschaften Hinweise auf höheres Ansehen und mehr Nachkommen erfolgreicher Jäger. Wood ([https://www.jstor.org/stable/10.1086/503068 2006]) testete das bei den Hadza und fand eher Versorgung als Prestige. Ich kenne nur Zusammenfassungen.
:Mein Fazit: Das Muster belegt den Menschen als Ursache. Dass der Jagdtrieb dahintersteckt, ist plausibel, aber nicht belegt.
:'''Sport.''' Bei Hunderennen jagen die dem Kaninchen nach. Viele Sportarten sind deshalb interessant, weil sie den Jagdtrieb befriedigen. Basketball. Fußball. Da wird das Tor gejagt. Und jagen im Rudel hat auch Tradition.
:'''Sport.''' Bei Hunderennen jagen die dem Kaninchen nach. Viele Sportarten sind deshalb interessant, weil sie den Jagdtrieb befriedigen. Basketball. Fußball. Da wird das Tor gejagt. Und jagen im Rudel hat auch Tradition.
:'''Belege.''' Der Zoologe Desmond Morris beschreibt Fußball als rituelle Jagd: Die Spieler sind die Jäger, der Ball ist die Waffe, das Tor ist die Beute (The Soccer Tribe, 1981). Beim Hunderennen ist das Kaninchen eine Attrappe, die Owen Patrick Smith erfand; die Bahnrennen begannen 1919 in Kalifornien. Ortega y Gasset schrieb: „Man jagt nicht, um zu töten. Man tötet, um gejagt zu haben.“
:'''Belege.''' Der Zoologe Desmond Morris beschreibt Fußball als rituelle Jagd: Die Spieler sind die Jäger, der Ball ist die Waffe, das Tor ist die Beute (The Soccer Tribe, 1981). Beim Hunderennen ist das Kaninchen eine Attrappe, die Owen Patrick Smith erfand; die Bahnrennen begannen 1919 in Kalifornien. Ortega y Gasset schrieb: „Man jagt nicht, um zu töten. Man tötet, um gejagt zu haben.“