896
Bearbeitungen
Admin (Diskussion | Beiträge) K (Grundlagen: Politik) |
Admin (Diskussion | Beiträge) K (Grundlagen: Charakter (mit Freigabe)) |
||
| Zeile 77: | Zeile 77: | ||
* '''Politik:''' Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir. | * '''Politik:''' Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir. | ||
* '''Charakter:''' Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung. | |||
:Nietzsche beschreibt dasselbe (''Also sprach Zarathustra'', Von der Erlösung): | |||
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche. | |||
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“ | |||
:[…] | |||
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen! | |||
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin. | |||
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen! | |||
:[…] | |||
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue. | |||
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall. | |||
== Magie == | == Magie == | ||