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* '''Die Haltung:''' Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“. | * '''Die Haltung:''' Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“. | ||
* '''Der Kreis von Haltung und Vorstellung:''' Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger. | * '''Der Kreis von Haltung und Vorstellung:''' Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger. | ||
* '''Der Geist folgt dem Körper:''' Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C'est en faisant tout comme s'ils croyaient, en prenant de l'eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal's“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (''Zur Genealogie der Moral'' III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. | |||
* '''Der Anlass in der Phantasie:''' Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben. | * '''Der Anlass in der Phantasie:''' Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben. | ||
* '''Bannung:''' Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen oder die Verknüpfung durch eine andere ersetzen. Siehe [[Bannung]]. | * '''Bannung:''' Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen oder die Verknüpfung durch eine andere ersetzen. Siehe [[Bannung]]. | ||