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== Prahler == | == Prahler == | ||
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[#Geltung|Geltung]] · zu – | * Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[#Geltung|Geltung]] · zu – | ||
* Auch: Angeber. | |||
* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]). | * Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]). | ||
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'''Belege.''' Justin Kruger und David Dunning ließen 1999 Studenten nach einem Test schätzen, wie gut sie waren. Das schlechteste Viertel lag im 12. Perzentil und schätzte sich im 62. ein. Der Titel ihrer Studie: „Unskilled and unaware of it“. Wie stark das im Durchschnitt gilt, ist umstritten (Gilles Gignac und Marcin Zajenkowski 2020). Den Typ gibt es trotzdem. William von Hippel und Robert Trivers schrieben 2011, Selbsttäuschung sei entstanden, um andere besser zu täuschen: „self-deceptive self-enhancement also allows people to display more confidence than is warranted.“ | '''Belege.''' Justin Kruger und David Dunning ließen 1999 Studenten nach einem Test schätzen, wie gut sie waren. Das schlechteste Viertel lag im 12. Perzentil und schätzte sich im 62. ein. Der Titel ihrer Studie: „Unskilled and unaware of it“. Wie stark das im Durchschnitt gilt, ist umstritten (Gilles Gignac und Marcin Zajenkowski 2020). Den Typ gibt es trotzdem. William von Hippel und Robert Trivers schrieben 2011, Selbsttäuschung sei entstanden, um andere besser zu täuschen: „self-deceptive self-enhancement also allows people to display more confidence than is warranted.“ | ||
'''Urtümlich.''' Der Angeber ist alt. Der Pfau schlägt sein Rad vor der Henne. Andere Tiere machen sich vor dem Rivalen größer, als sie sind: fast eine Drohgebärde, aber schon im Vorfeld, um einzuschüchtern, bevor es zum Kampf kommt. Rothirsche röhren um die Wette, wo ein Kampf droht, und das Röhren verrät dem Rivalen die Kampfkraft (Tim Clutton-Brock und Steve Albon 1979). Verliert ein Männchen der Winkerkrabbe seine große Schere, wächst eine neue nach, die gleich groß aussieht, aber leichter und schwächer ist. Damit blufft es: „Regenerated claws effectively bluff fighting ability and deter potential opponents before they fight.“ Auch die Weibchen fallen darauf herein. Bis zu 44 % der Männchen tragen solche Scheren (Patricia Backwell und Kollegen 2000). Das ist der Angeber in reiner Form: mehr zeigen, als da ist. | |||
'''Die Balz ruft den Angeber.''' Ein Dämon kann innerhalb desselben Menschen einen anderen zu Hilfe rufen. Die Balz ruft den Angeber, so wie beim Feigling die Angst den Täuscher ruft. Das ist eine Abfolge, keine Abstammung. Ein Feldversuch: Junge Skateboarder wagten riskantere Tricks, wenn eine attraktive Frau zusah, und ihr Testosteron stieg (Richard Ronay und William von Hippel 2010). | |||
'''Der Angeber vor Frauen – und vor Rivalinnen.''' Beim Menschen ist das Muster verbreitet. Derselbe Mann wirkt auf Frauen attraktiver, wenn er in einem Bentley sitzt; bei einer Frau am Steuer wirkt das nicht (Dunn & Searle 2010). Männer spenden deutlich mehr, wenn eine attraktive Frau zusieht; Frauen vor einem attraktiven Mann nicht (Iredale, Van Vugt & Dunbar 2008). Frauen geben auch an, nur anders: Sie investieren in Wirkung, Kosmetik ist eine ganze Industrie. Und Luxus zeigen sie oft anderen Frauen, als Mittel im Wettbewerb unter Rivalinnen (Hudders et al. 2014). Das ist wieder das Tier, das sich vor dem Rivalen größer macht. | |||
Aber nicht jede Schminke und nicht jede teure Tasche ist Angeberei. Frauen tun das auch für sich selbst, nicht nur, um zu beeindrucken. Dann spricht [[#Geltung|Geltung]]: ''Ich bin wer.'' Das ist das gute Gefühl eines sicheren Reviers, kein Täuschen. Dasselbe Verhalten kann von verschiedenen Wesen kommen. Der Angeber braucht einen Zuschauer, den er übertrumpfen will. Geltung genügt sich selbst. | |||
Vorsicht bei der Literatur: Viele Studien, die das Angeben durch „Paarungsstimmung“ auslösen wollten, ließen sich nicht wiederholen (Shanks et al. 2015). | |||
== Stammesbruder == | == Stammesbruder == | ||
* Stammbaum: von Herde, Revierverhalten/Gebiet, Jagdtrieb · zu – | * Stammbaum: von Herde, Revierverhalten/Gebiet, Jagdtrieb · zu – | ||