Die Entstehung der Seele: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Erfindung des Ich; Sprache, Lehren, lange Kindheit (mit Freigabe)
K (Die Maschine, die Maschinen baut (mit Freigabe))
K (Die Erfindung des Ich; Sprache, Lehren, lange Kindheit (mit Freigabe))
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Um 1800 baute Henry Maudslay die erste praktisch brauchbare Drehmaschine zum Schraubenschneiden, ganz aus Metall, mit Support und Leitspindel. Vorher war jede Schraube ein Einzelstück, das nur auf seine eigene Mutter passte. Jetzt waren die Gewinde gleich in Tiefe, Winkel und Abstand. Daraus wurden austauschbare Teile, und auf ihnen beruht die Fertigung in großer Zahl.
Um 1800 baute Henry Maudslay die erste praktisch brauchbare Drehmaschine zum Schraubenschneiden, ganz aus Metall, mit Support und Leitspindel. Vorher war jede Schraube ein Einzelstück, das nur auf seine eigene Mutter passte. Jetzt waren die Gewinde gleich in Tiefe, Winkel und Abstand. Daraus wurden austauschbare Teile, und auf ihnen beruht die Fertigung in großer Zahl.
=== Die Erfindung des Ich ===
Wenn man nach Sprüngen in der Entwicklung des Geistes sucht, sucht man nach einer Drehmaschine: einer geistigen Funktion, die Geist baut. Die eigentliche Drehmaschine des Geistes ist die Erfindung des Ich.
Ihr Ursprung ist die Verantwortung: den anderen zu zeigen, dass ich zuverlässig und berechenbar bin. Dazu mache ich ein Bild von mir. Und dann lüge ich. Die Lüge ist also Voraussetzung des Ich-Bildes. Schon das Wort „Person“ kommt vom lateinischen ''persona'', der Maske des Schauspielers.
Das Ich ist die innere Stimme, die mir ohne Unterlass erzählt, wer ich bin: meine Biographie, in welchen sozialen Beziehungen ich stehe, meine Gewohnheiten, mein Charakter. Es ist aber nicht nur diese Stimme, sondern auch die Haltung, die ich einnehme, und die eingeübten Reaktionen. Also im Grunde die Politik der Dämonen: welche Reaktionen und welche Rangordnung sie untereinander haben. Erst das Selbstbild macht das fest und berechenbar.
Nietzsche hat das in der ''Genealogie der Moral'' (1887) beschrieben. Die zweite Abhandlung beginnt: „Ein Thier heranzüchten, das versprechen darf“. Dafür muss der Mensch „vorerst berechenbar, regelmässig, nothwendig geworden sein, auch sich selbst für seine eigne Vorstellung, um endlich dergestalt, wie es ein Versprechender thut, für sich als Zukunft gut sagen zu können!“ Und: „Eben das ist die lange Geschichte von der Herkunft der Verantwortlichkeit.“
Auch das Ich ist ein Kreis. Das Bild bestimmt Haltung und Reaktionen, und die bestätigen das Bild. Darum greift die [[Hexe]] genau hier an: „Ich will Dir sagen was Du bist.“ Sie schreibt das Ich-Bild eines anderen um.
'''Das ist nicht harmlos.''' Was treiben Jugendliche für einen Aufwand, um zu Gruppen zu gehören, auch zu kulturellen: Musik, Hobbys, der Sportverein, die Clique. Und von jeher ist die Ächtung durch die Gruppe bei Abweichung eine schwere Strafe, die immer als Drohung da ist. Sie wird auch praktiziert (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]). Bei Abweichung von Sitte und Recht drohen auch abscheuliche Strafen wie Folter und öffentliche Demütigung. Nietzsche schreibt: „der Mensch wurde mit Hülfe der Sittlichkeit der Sitte und der socialen Zwangsjacke wirklich berechenbar gemacht.“ Und über die Strafen: „Man brennt Etwas ein, damit es im Gedächtniss bleibt: nur was nicht aufhört, weh zu thun, bleibt im Gedächtniss“.
=== Die Drehmaschine des Geistes: Sprache, Lehren, lange Kindheit ===
Eine zweite Drehmaschine ist die Sprache. Ein Wort hält ein Bild fest, macht es austauschbar und lässt es von Kopf zu Kopf wandern, ohne dass der andere es selbst erlebt haben muss. Mit Wörtern erklärt man neue Wörter. Und das Lehren: Ein Geist baut absichtlich einen anderen.
Auch das ist ein Kreis. Kinder muss man lange betreuen und lehren, weil sie lange unselbständig sind. Das führt zu einem großen Kopf, und der führt zu langer Unselbständigkeit. Eine so lange Kindheit gibt es nur beim Menschen. Und diese Investition muss sich lohnen, durch Schlauheit und List.
Der Biologe Adolf Portmann nannte den Menschen eine „physiologische Frühgeburt“. Das Menschenkind braucht ein Jahr, bis es so weit ist wie andere Säugetiere bei der Geburt. Ein neugeborener Schimpanse hat 36 bis 46 Prozent der Hirngröße eines Erwachsenen, ein Menschenkind nur 25 bis 29 Prozent. Das Gehirn wächst draußen, unter den anderen, und wird von ihnen geformt. Hillard Kaplan hat bei Jägern und Sammlern gezeigt: Kinder verbrauchen mehr, als sie erbringen, bis ins junge Erwachsenenalter. Das große Gehirn ist ein Kapital, das sich nur über ein langes Leben auszahlt.
Die Wurzel dieses Kreises ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Elter|Elter]].


== Kultur und Technik ==
== Kultur und Technik ==

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