896
Bearbeitungen
Admin (Diskussion | Beiträge) K (Zweiter Teil: die Kette (Vergangenheit, Innenleben, Zukunft, Lernen, Denken), der Zünder (mit Freigabe)) |
Admin (Diskussion | Beiträge) K (Der Funke: der Handel (mit Freigabe)) |
||
| Zeile 92: | Zeile 92: | ||
Michael Tomasello nennt das den Wagenhebereffekt (''The Cultural Origins of Human Cognition'', 1999): Einer erfindet etwas, andere übernehmen und verbessern es, und weil die Nachahmung treu genug ist, geht der Fortschritt nicht wieder verloren. Michelle Kline und Robert Boyd haben die Fischfanggeräte auf den Inseln des Pazifiks verglichen (2010). Je mehr Menschen und je mehr Kontakt zwischen den Inseln, desto vielfältiger und ausgefeilter die Werkzeuge. Sie vermuten, dass plötzliche Erfindungsschübe in den Funden auf ein plötzliches Wachstum der Bevölkerung zurückgehen. | Michael Tomasello nennt das den Wagenhebereffekt (''The Cultural Origins of Human Cognition'', 1999): Einer erfindet etwas, andere übernehmen und verbessern es, und weil die Nachahmung treu genug ist, geht der Fortschritt nicht wieder verloren. Michelle Kline und Robert Boyd haben die Fischfanggeräte auf den Inseln des Pazifiks verglichen (2010). Je mehr Menschen und je mehr Kontakt zwischen den Inseln, desto vielfältiger und ausgefeilter die Werkzeuge. Sie vermuten, dass plötzliche Erfindungsschübe in den Funden auf ein plötzliches Wachstum der Bevölkerung zurückgehen. | ||
=== Der Funke: der Handel === | |||
Der Zündfunke der kulturellen Revolution war der Handel. Zuerst wurde wohl Schmuck gehandelt, aber auch Meme. Durch Austausch, durch Kommunikation wurde die Evolution beschleunigt. | |||
Das kann man auch in der Evolution der Lebewesen beobachten. Bakterien tauschen Gene untereinander aus, nicht nur mit ihren Nachkommen. So wandert eine Resistenz gegen Antibiotika von einer Bakterienart zur anderen, auch zwischen Arten, die nicht miteinander verwandt sind. Und die Erfindung des Sex: Nach dem Modell von Fisher und Muller liegt sein Vorteil darin, dass er nützliche Veränderungen aus verschiedenen Linien in einem Nachkommen zusammenbringt, statt dass jede Linie allein auf ihre eigenen warten muss. | |||
Insofern stimmt das mit der Bevölkerungsdichte: Je mehr Menschen und je mehr Kontakt, desto mehr Austausch. | |||
Der Wissenschaftsautor Matt Ridley hat denselben Vergleich gezogen. In seinem Vortrag „When ideas have sex“ (2010) und im Buch ''The Rational Optimist'' nennt er als Motor des menschlichen Fortschritts „the meeting and mating of ideas to make new ideas“: das Zusammentreffen und die Paarung von Ideen, aus denen neue Ideen entstehen. | |||
Zu den ältesten Zeichen dieses Austauschs gehört Schmuck. In der Höhle der Tauben bei Taforalt in Marokko lagen 13 durchbohrte Schneckenhäuschen, teils mit rotem Ocker gefärbt, rund 82.000 Jahre alt. Sie stammen von Stränden, die damals mehr als 40 Kilometer entfernt lagen. Perlen derselben Art findet man auch in Israel und Algerien (Bouzouggar u. a. 2007). Schmuck ist selbst schon ein Mem: Er zeigt, wer man ist und zu wem man gehört. | |||
== Kultur und Technik == | == Kultur und Technik == | ||