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Das ist der '''Gegendämon''' aus dem Steckbrief: Der [[Kobold]] lacht, und der [[Wüterich]] verliert seinen Boden. | Das ist der '''Gegendämon''' aus dem Steckbrief: Der [[Kobold]] lacht, und der [[Wüterich]] verliert seinen Boden. | ||
== Verhindern und unterbrechen == | |||
Ein Dämon hat Hunger und wird durch seine Nahrung aktiviert. Wird er durch ständige Unterbrechung daran gehindert, seine Nahrung zu essen und seine eigene Handlung auszuführen, bleibt er frustriert. So lässt sich jeder Dämon bannen. Beim Sex unterbrechen. Moralische Verbote. Oder man hält dem Schlemmer einen Kuchen hin und zieht ihn immer weg, wenn er zugreifen will. Dem vergeht der Appetit. | |||
Das ist etwas anderes als Aushungern. Beim Aushungern kommt die Nahrung nicht mehr. Hier ist sie da und wird verwehrt. Das Ergebnis eines solchen Dämons ist zum Beispiel der [[Wesen 3: Beutetier#Tolpatsch|Tolpatsch]]. | |||
== Gegendämonen == | == Gegendämonen == | ||
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Für die Bannung heißt das: Einen Gegendämon kann man nicht herbeibefehlen. Man kann ihm nur den Boden bereiten. Ob er kommt, entscheidet er selbst. | Für die Bannung heißt das: Einen Gegendämon kann man nicht herbeibefehlen. Man kann ihm nur den Boden bereiten. Ob er kommt, entscheidet er selbst. | ||
== Benennen == | |||
Den Dämon beim Namen nennen. Eine Behexung wirkt, solange man nicht sieht, was geschieht; im Steckbrief des [[Zombie]] heißt es: „Ihm fehlen die Banne“. Wer sagen kann „Das ist ein Double Bind, das ist die [[Hexe]], und das hier ist der Zombie in mir“, steht nicht mehr ganz darin. Er schaut von außen auf die Karte. Mit dieser Landkarte kann man sich innerhalb der Seele bewegen. | |||
Das Märchen kennt das: Rumpelstilzchen verliert seine Macht in dem Augenblick, in dem die Königin seinen Namen weiß. | |||
Der Psychologe Matthew Lieberman hat 2007 Versuchspersonen Bilder von wütenden und ängstlichen Gesichtern gezeigt. Wenn sie das Gefühl dabei benennen sollten, „Wut“ oder „Angst“, wurde der Mandelkern ruhiger, die Stelle im Gehirn, die bei Bedrohung anspringt. | |||
Benennen hilft nicht gegen jeden Dämon. Es bannt die Dämonen, die vom Verborgensein leben, wie die Behexung. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] geht nicht weg, nur weil man ihn Groll nennt. Er versteckt sich nicht; er lebt vom Wiederholen. Auch Liebermans Befund ist nur eine kurze Beruhigung im Augenblick des Benennens, keine dauerhafte Befreiung. | |||
== Zur Vergangenheit erklären == | == Zur Vergangenheit erklären == | ||
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Das ist kein Unterdrücken. Der Psychologe Daniel Wegner bat Versuchspersonen, fünf Minuten lang nicht an einen weißen Bären zu denken. Jedes Mal, wenn er ihnen doch einfiel, sollten sie eine Glocke läuten. Sie läuteten ständig. Unterdrücken füttert den Dämon. Zur Vergangenheit erklären heißt nicht „Denk nicht daran“, sondern „Das ist vorbei“. Der Trigger darf kommen, aber er bekommt kein Futter mehr. | Das ist kein Unterdrücken. Der Psychologe Daniel Wegner bat Versuchspersonen, fünf Minuten lang nicht an einen weißen Bären zu denken. Jedes Mal, wenn er ihnen doch einfiel, sollten sie eine Glocke läuten. Sie läuteten ständig. Unterdrücken füttert den Dämon. Zur Vergangenheit erklären heißt nicht „Denk nicht daran“, sondern „Das ist vorbei“. Der Trigger darf kommen, aber er bekommt kein Futter mehr. | ||
== Prägung == | |||
Wird ein Trigger über eine Dauer regelmäßig ausgelöst, kommt es bei bestimmten Dämonen zu einer Prägung. Man kann auf vieles geprägt werden: auf einen Menschen, auf Musik, auf Orte. Eine Prägung ist immer schwer aufzulösen. | |||
* '''Achtung.''' Jemand korrigiert einen immer wieder, und jedes Mal hat er recht. Das Unerwartete verblüfft. Ist es etwas Edles, wie überragende Fähigkeiten, staunt man, und aus dem Staunen wird Achtung. Nach einem Monat ist die Hochachtung dauerhaft geprägt. Solange die Prägung noch läuft, lässt sie sich leicht auflösen, durch Eigenschaften, die man verachtet: „Dieser Mensch ist nicht der, für den ich ihn gehalten habe.“ Ist sie vollzogen, ist sie auch dann schwer aufzulösen. Eigenschaften, die man schätzt, festigen sie. Was man verachtet und was man schätzt, ist verschieden. Der eine verachtet Arroganz und Falschheit. Ein anderer ist von Arroganz beeindruckt und sieht in der Falschheit etwas Wertvolles, etwa Ehrgeiz. | |||
* '''Verliebtsein''' ist die Prägungsphase auf den zukünftigen Partner. Man hat ständig das Gesicht vor Augen (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]), und das ist mit Lust verbunden. | |||
* '''Negative Prägung''' geschieht sehr schnell: die Angst vor Spinnen, ein Unfall, erlebte Gewalt. John Garcia und Robert Koelling zeigten 1966: Wurde Ratten nach einem neuen Geschmack übel, mieden sie ihn nach einem einzigen Mal noch nach mehr als zwei Monaten. Die Furcht vor Spinnen und Schlangen wird nach Arne Öhman und Susan Mineka (2001) bevorzugt gelernt, wie von einem eigenen Modul für Furcht. | |||
* '''Musik und Orte.''' Musik aus der Jugend und dem frühen Erwachsenenalter weckt die meisten persönlich bedeutsamen Erinnerungen (Krumhansl und Zupnick 2013). | |||
Konrad Lorenz hat die Prägung bei Graugänsen beschrieben: Das Küken folgt dem Ersten, was es nach dem Schlüpfen sieht. Dort geschieht sie in einem kurzen Zeitfenster der Kindheit. Beim Menschen geschieht sie ein Leben lang, in der Jugend aber viel stärker. Das ist biologisch begründet: In der Jugend wird gelernt und experimentiert, später ist der Charakter gefestigt, und der Geschmack ändert sich nicht mehr so leicht. Lieder sind noch Jahrzehnte später am beliebtesten bei Männern, die beim Erscheinen 14 waren (Stephens-Davidowitz 2018). Die Persönlichkeit selbst reift allerdings noch bis etwa 40 (Roberts, Walton, Viechtbauer 2006). | |||
== Der sichere Hafen == | |||
Bei schlechten mentalen Zuständen hilft es, bewährte einfache Tätigkeiten aus früheren Zeiten wieder auszuüben, zum Beispiel puzzeln, Karten spielen oder Comics lesen. Oft sind es Tätigkeiten aus der Kindheit. Das ist ein sicherer Hafen, von dem aus Motivation und höhere Ambitionen langsam wieder aufgebaut werden. | |||
Das planmäßige Wiederaufnehmen von Tätigkeiten half bei Depression, in 16 Studien mit 780 Teilnehmern (Cuijpers u. a. 2007). Nostalgie stärkt Sinn und Verbundenheit, und die Kindheit ist ihr Kern (Sedikides u. a. 2015). | |||
== Die Sonne == | == Die Sonne == | ||