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:'''Der Dämon wird gefüttert.''' Auch wenn der Groll toxisch ist und dem Menschen schadet, der Dämon hat etwas davon. Nachts geht man die Szene wieder durch, hält die Rede, die man nie halten wird, und malt sich aus, wie der andere endlich begreift. Jede Wiederholung ist eine Mahlzeit. Was dem Menschen schadet, nährt den Dämon. Dazu passt ein Versuch von Dominique de Quervain (Zürich, 2004): Wer einen Betrüger bestrafen darf, bei dem springt im Hirnscanner das Belohnungszentrum an. Abrechnung schmeckt. | :'''Der Dämon wird gefüttert.''' Auch wenn der Groll toxisch ist und dem Menschen schadet, der Dämon hat etwas davon. Nachts geht man die Szene wieder durch, hält die Rede, die man nie halten wird, und malt sich aus, wie der andere endlich begreift. Jede Wiederholung ist eine Mahlzeit. Was dem Menschen schadet, nährt den Dämon. Dazu passt ein Versuch von Dominique de Quervain (Zürich, 2004): Wer einen Betrüger bestrafen darf, bei dem springt im Hirnscanner das Belohnungszentrum an. Abrechnung schmeckt. | ||
:'''Der Groll sucht sich Futter.''' Wenn der Groll erst einmal stark ist, wird das Ziel zuweilen gar nicht mehr entscheidend. Er reagiert auch auf andere Trigger, auf Unbeteiligte, auf Kleinigkeiten. Ein Mann wird jahrelang von seinem Chef gedemütigt und fährt dann den Kellner an, weil der Kaffee kalt ist. Der Kellner hat nichts getan; der kalte Kaffee hat nur die Tür geöffnet. Das zeigt wieder, dass der Groll ein selbstständig handelndes Wesen ist. Im Labor gemessen haben das Brad Bushman und Kollegen (2005, „Chewing on it can chew you up“): Die Versuchspersonen wurden gekränkt; ein Teil sollte danach über die Kränkung nachgrübeln, der andere wurde abgelenkt. Als dann ein ganz anderer Mensch einen kleinen Fehler machte, reagierten die Grübler auf diesen Unbeteiligten deutlich aggressiver. Das Wiederholen füttert den Groll, und der gefütterte Groll springt auf andere Trigger an. | :'''Der Groll sucht sich Futter.''' Wenn der Groll erst einmal stark ist, wird das Ziel zuweilen gar nicht mehr entscheidend. Er reagiert auch auf andere Trigger, auf Unbeteiligte, auf Kleinigkeiten. Ein Mann wird jahrelang von seinem Chef gedemütigt und fährt dann den Kellner an, weil der Kaffee kalt ist. Der Kellner hat nichts getan; der kalte Kaffee hat nur die Tür geöffnet. Das zeigt wieder, dass der Groll ein selbstständig handelndes Wesen ist. Im Labor gemessen haben das Brad Bushman und Kollegen (2005, „Chewing on it can chew you up“): Die Versuchspersonen wurden gekränkt; ein Teil sollte danach über die Kränkung nachgrübeln, der andere wurde abgelenkt. Als dann ein ganz anderer Mensch einen kleinen Fehler machte, reagierten die Grübler auf diesen Unbeteiligten deutlich aggressiver. Das Wiederholen füttert den Groll, und der gefütterte Groll springt auf andere Trigger an. | ||
:'''Der Anlass in der Phantasie.''' Auch Tiere vergessen eine Kränkung nicht. Der Biologe John Marzluff hat in Seattle Krähen gefangen und dabei eine bestimmte Maske getragen. Jahre später beschimpften die Krähen jeden, der diese Maske trug, und auch junge Krähen, die nie gefangen worden waren, machten mit. Aber die Krähe braucht die Maske vor sich. Ohne den Anlass gibt es keinen Ausbruch. Der Mensch braucht die Maske nicht mehr. Er ruft den Anlass selbst herbei, nachts im Bett, ohne dass der andere da ist. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass, der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Darum ist der Groll erst durch die Vergangenheit möglich, durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Siehe auch [[Grundlagen#Was daraus folgt|Grundlagen]]. | |||
:Zwei Bilder: Michael Kohlhaas wurde von einem Junker gedemütigt, von einem Mann mit Macht und Stand. Ein Bauer, der ihm die Pferde verdorben hätte, hätte ihn nicht über Jahre umgetrieben. Edmond Dantès im ''Grafen von Monte Christo'' (Dumas, 1844) sitzt vierzehn Jahre unschuldig im Kerker und baut danach sein ganzes Leben um die Abrechnung mit genau den Männern, die inzwischen Ansehen und Macht haben. Der Groll hat ihn reich und mächtig gemacht, aber nicht frei. | :Zwei Bilder: Michael Kohlhaas wurde von einem Junker gedemütigt, von einem Mann mit Macht und Stand. Ein Bauer, der ihm die Pferde verdorben hätte, hätte ihn nicht über Jahre umgetrieben. Edmond Dantès im ''Grafen von Monte Christo'' (Dumas, 1844) sitzt vierzehn Jahre unschuldig im Kerker und baut danach sein ganzes Leben um die Abrechnung mit genau den Männern, die inzwischen Ansehen und Macht haben. Der Groll hat ihn reich und mächtig gemacht, aber nicht frei. | ||