Stammbaum: Unterschied zwischen den Versionen

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K
Rammler heißt jetzt Begehren
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== Stammbaum, Stand 4. Oktober 2026 ==
== Stammbaum ==
[[Datei:Stammbaum der Seele.png|rahmenlos|1150px|Stammbaum der menschlichen Seele, nachgezeichnet nach dem Bild 2023]]
[[Datei:Stammbaum der Seele.png|rahmenlos|1150px|Stammbaum der menschlichen Seele]]


Nachgezeichnet nach dem Bild 2023, damit er leicht geändert werden kann. Farbig hinterlegt: Wesen mit Steckbrief im Wiki. Die drei Linien, die im Bild 2023 nicht sicher abzulesen waren (Balz → Eifersucht, Sammler → Eifersucht, Staun → Verehrung), hat Daniel am 4.10.2026 bestätigt. Blau: Linien, die 2026 ergänzt wurden (Büßer → Formal → Zwerg; HOMO → Herde → Stammesbruder; Revierverhalten → Stammesbruder; Revierverhalten → Eifersucht; Elter → Eifersucht). Neu im Kasten „noch ohne Ort“: der Trotz und der Menschenfreund.
Ein Pfeil heißt: Das untere Wesen stammt vom oberen ab oder wird von ihm erzeugt. Wut erzeugt Scham, innere Wut. Die Hexe erzeugt den Hörigen.
 
Farbig hinterlegt: Wesen mit Steckbrief im Wiki. Im Kasten „noch ohne Ort“ stehen Wesen, die noch nicht eingeordnet sind.
 
Gestricheltes Oval: Wesen, das sich nach innen richtet, gegen den eigenen Menschen.


Quelltext zum Ändern: [[Stammbaum/Quelltext]]. Die Wesen mit ihren Beschreibungen: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]
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Wenn ein neuer Dämon entsteht, muss die Umgebung diese Konfiguration begünstigen.
Wenn ein neuer Dämon entsteht, muss die Umgebung diese Konfiguration begünstigen.


* Die Spiegelneuronen wurden in den 1990er-Jahren in Parma bei Makaken entdeckt: Nervenzellen, die feuerten, wenn der Affe nach einer Erdnuss griff, und ebenso, wenn er nur sah, wie der Forscher danach griff. Beim Menschen ist der Nachweis indirekter, und wie viel genau auf diesen Zellen beruht, ist umstritten. Die Ansteckung selbst ist gut belegt.
* Die Spiegelneuronen wurden in den 1990er-Jahren in Parma bei Makaken entdeckt: Nervenzellen, die feuerten, wenn der Affe nach einer Erdnuss griff, und ebenso, wenn er nur sah, wie der Forscher danach griff. Beim Menschen ist der Nachweis indirekter, und wie viel genau auf diesen Zellen beruht, ist umstritten. Die Ansteckung selbst ist gut belegt. Die Spiegelneuronen sind ein Argument. Wir sind aber davon nicht abhängig, weil das Phänomen empirisch belegt ist, egal was die Ursache ist.
* Gähnen: Es reicht, über Gähnen zu lesen.
* Gähnen: Es reicht, über Gähnen zu lesen.
* Die Lachepidemie von Tanganjika, 1962: In einem Mädcheninternat am Victoriasee fingen drei Schülerinnen an zu lachen und konnten nicht mehr aufhören. Es breitete sich auf die halbe Schule aus und dann auf Dörfer in der Umgebung. Schulen mussten monatelang schließen.
* Die Lachepidemie von Tanganjika, 1962: In einem Mädcheninternat am Victoriasee fingen drei Schülerinnen an zu lachen und konnten nicht mehr aufhören. Es breitete sich auf die halbe Schule aus und dann auf Dörfer in der Umgebung. Schulen mussten monatelang schließen.
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'''Baum oder Netz:''' Darwin zeichnete einen Baum, dessen Äste sich nur teilen. Margulis zeigte, dass das Leben auch durch Verschmelzen neue Formen schafft. Der Stammbaum der Seele mit seinen kreuzenden Linien ist eher ein Netz als ein Baum.
'''Baum oder Netz:''' Darwin zeichnete einen Baum, dessen Äste sich nur teilen. Margulis zeigte, dass das Leben auch durch Verschmelzen neue Formen schafft. Der Stammbaum der Seele mit seinen kreuzenden Linien ist eher ein Netz als ein Baum.


== Gut und Böse aus einer Wurzel ==
=== Die Nische ===
Wir machen hier das personifizierte Böse zum Vater der Seele. Das vornehme Raubtier, steht bei Nietzsche. Was ist, wenn die guten und bösen Triebe miteinander verwoben sind, vielleicht gar wesensgleich?
Manche Dämonen entstehen, weil sie eine unbesetzte Lücke füllen. Natürlich geht es dabei um alte Kräfte wie Geltung und eigene Macht. Aber die bestimmte Zusammensetzung entsteht, weil die Lücke sie verlangt. In der Biologie heißt das Nische. Dieselbe Nische bringt dieselbe Gestalt hervor, auch bei Tieren, die nicht verwandt sind: Hai, Delfin und Ichthyosaurier haben dieselbe Stromlinienform, obwohl der eine ein Fisch ist, der andere ein Säugetier und der dritte ein Reptil. Der Beutelwolf in Tasmanien sah aus wie ein Wolf und war ein Beuteltier.
 
So hat der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] keine sichtbare Abstammung. Er entsteht, wo es einen Hof gibt, und verschwindet, wenn die Macht verschwindet. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] braucht einen Wirt.


'''Nietzsche''', Jenseits von Gut und Böse, Abschnitt 2: „Es wäre sogar noch möglich, dass was den Werth jener guten und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein.“
=== Verschmelzung und Abfolge ===
Es gibt viele Mischungen von Gefühlen. Wir beschreiben aber die gängigen Typen, sonst wären es 1000 Wesen statt 100. Und eine Mischung macht noch kein neues Wesen aus. Ein neues Wesen entsteht erst, wenn zwei verschmelzen: wenn sie verbunden auftreten und nicht nur zugleich. Der [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] ist so ein eigenes, selbstständiges Wesen. Er ist klar abgegrenzt von Angst und Ekel, und doch treten die beiden in ihm verbunden auf. Man muss gut hinschauen, um ihn zu analysieren. Der Philosoph Noël Carroll beschrieb den Horror 1990 als Antwort auf etwas, das zugleich bedrohlich und unrein ist (''The Philosophy of Horror''). Ob das eine Mischung ist, ein bloßes Zugleich oder etwas Eigenes, hat er offengelassen.


In der Genealogie der Moral sagt Nietzsche, auf dem Grund aller vornehmen Menschen sei „das Raubthier“ nicht zu verkennen. Er nennt es auch die „blonde Bestie“ und meint damit den Löwen mit seiner Mähne, nicht die Germanen, wie die Nazis es später missbraucht haben.
Anders der Feigling. Er hat [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] und ruft deshalb den [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], um sich zu schützen. Das ist eine normale Abfolge und keine Verschmelzung. Darum ist der Feigling kein eigenes Wesen. Die Übergänge sind allerdings fließend.


'''Der Stammbaum zeigt es:'''
'''Was kein eigenes Wesen ist.''' Damit es keine Missverständnisse gibt, für alle, die diese Arbeit fortsetzen wollen: Nicht jeder Typ, den man im Leben oder in den alten Charakterbildern findet, ist ein eigener Dämon.
* Vom Raubtier über den Vampir zum Sieg, vom Sieg zum Dank, vom Dank zur Verehrung, von der Verehrung zur Liebe. Die Liebe hat unter anderem den Vampir als Ahnen.
* Ein '''Mangel''' ist kein Wesen. Dem Taktlosen fehlt etwas, nämlich das Lesen des anderen (siehe [[Die Entstehung der Seele#Den anderen lesen|Den anderen lesen]]). Er hat keinen eigenen Hunger.
* In der ersten Fassung: Wüterich → Krieger → Beschützer. Der Beschützer, der sein Kind verteidigt, stammt vom Wüterich ab.
* Auch der '''Stumpfe''' ist kein Wesen. Ihm fehlen aktive Dämonen. Bei Theophrast: „Stupidity one may define as sluggishness in what a man says or does.“ Das kann Anlage sein oder fehlende Vitalität. Es kann aber auch das Ergebnis der Erziehung sein: fehlendes Training und fehlende Anregung in der Jugend. Manche sind auch nur für bestimmte Trigger stumpf. Bei der sexuellen Erregbarkeit gibt es große Unterschiede. John Bancroft und Erick Janssen beschreiben dafür zwei getrennte Systeme, ein Gaspedal und eine Bremse. Wer wenig erregt wird, kann ein schwaches Gaspedal haben, dann ist er stumpf. Oder er hat eine starke Bremse, dann hält ihn ein anderer Dämon zurück. Von außen sieht beides gleich aus. Das Altertum führte ihn unter den vier Temperamenten: den Phlegmatiker, neben Choleriker, Sanguiniker und Melancholiker.
* Vom Sieg kommen der Held, der Stolz und der Mut.
* Eine '''Abfolge''' ist kein Wesen. Der Feigling hat Angst und ruft deshalb den Täuscher.
Gut und Böse sitzen nicht auf verschiedenen Ästen. Sie wachsen aus derselben Wurzel.
* Ein '''Verhalten''' ist kein Wesen. Der Gerüchtemacher erfindet Neuigkeiten über andere. Der Dämon dahinter ist die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]].
* Auch '''Misstrauen''' ist kein eigenes Wesen. Es ist Wut, im Zaum gehalten und chronisch. Die Ursache gehört dazu: Man wurde reingelegt oder enttäuscht. Oder man hat es übernommen, unbewusst, durch lange Gegenwart und Vorbild. Wer unter einer misstrauischen Mutter aufwächst, wird auch misstrauisch, ohne dass ihm jemand persönlich geschadet hat. Der Dämon wandert zwischen den Wirten, wie eine Melodie, die auf verschiedenen Instrumenten gespielt wird. Der Mensch hält sich für ein festes Ich, wie eine Statue aus Stein. Die Musik beweist das Gegenteil, und jeder kennt das aus Erfahrung: Wie leicht überträgt der Musiker Gefühle auf den Hörer. Wobei die Persönlichkeit mehr oder weniger empfänglich ist (siehe [[Die Entstehung der Seele#Nachahmen und Ansteckung|Nachahmen und Ansteckung]] und [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Rhesusaffen aus dem Labor, die nie eine Schlange gesehen hatten, lernten die Angst vor Schlangen, indem sie wilden Artgenossen bei ihrer Angst zusahen (Susan Mineka und Kollegen 1984). Wird der Misstrauische wieder reingelegt, bricht die Wut heraus: „Ich hab's doch gewusst!“ Theophrasts Mürrischer verflucht sogar den Stein, über den er stolpert, und er nimmt nicht einmal Geschenke an: „Timeo Danaos et dona ferentes“ (Vergil). Geraldine Downey und Kollegen zeigten 1998: Wer Zurückweisung erwartet, reagiert im Streit feindselig und ruft damit die Zurückweisung hervor. Es ist ein geschlossener Kreis, aber es bleibt die Wut, nur an einem anderen Standort. Theophrasts Misstrauischer ist das leisere Gesicht: „Suspicion is a kind of belief that everybody is fraudulent.“ Er schickt einem Diener einen zweiten hinterher, zählt sein Geld alle hundert Schritte nach und steht nachts auf, um den Riegel zu prüfen, obwohl die Frau Ja gesagt hat. Auch das ist Wut, weniger aggressiv als beim Mürrischen: Er ärgert sich, dass alle unzuverlässig sind. Eine weitere Quelle ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]: Die anderen erfüllen seine Maßstäbe von richtig nicht. Wäre es ihm egal, müsste er nicht kontrollieren.
* Auch der '''Abergläubische''' ist kein eigenes Wesen. Es ist Angst. Bei Theophrast heißt er Δεισιδαιμονία, wörtlich „Dämonenfurcht“: „Superstition is a crouching fear of unseen powers.“ Läuft ihm ein Wiesel über den Weg, geht er keinen Schritt weiter. Hört er eine Eule, erschrickt er. Ihm fehlt nicht der Mythos, er hat ihn ganz. Aber er sieht davon nur, was ihm Angst macht. Der Mutige sieht im selben Mythos die Heldengeschichten, der Hoffende die mit dem glücklichen Ende. So verändert die Herrschaft eines Dämons die Sicht und damit die Welt selbst (siehe [[Grundlagen]]). Er nimmt an der Welt nur seine Trigger wahr und übersieht die anderen. Colin MacLeod, Andrew Mathews und Philip Tata zeigten 1986: Ängstliche richten ihre Aufmerksamkeit unwillkürlich auf bedrohliche Wörter.
* Eine bloße '''Mischung''' ist kein Wesen.
Verbreitete Formen, die kein eigenes Wesen sind, beschreiben wir trotzdem, als '''Varianten''' beim Elternwesen. Im Stammbaum sind sie gestrichelt verbunden.
Ein eigenes Wesen entsteht durch Verschmelzung, wie beim Horror, oder wenn ein Kreis chronisch und in sich geschlossen wird, wie beim [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Prahler|Prahler]]: Er hat Täuscher und Geltung als Eltern, aber er ist keine Abfolge der beiden, sondern ein stabiler Zustand.


Das Bindungshormon Oxytocin macht in Versuchen freundlicher und vertrauensvoller gegenüber der eigenen Gruppe und zugleich abwehrbereiter gegen Fremde (siehe [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Stammesbruder|Stammesbruder]]).
'''Art und Wuchs.''' Ob ein Typ ein eigenes Wesen ist, entscheidet keine Regel, sondern das Gefühl dafür, wie eigenständig er ist. Es ist wie im Wald: Die Blätter verschiedener Arten unterscheidet man leicht. Aber dieselbe Art kann an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Umständen ganz verschieden wachsen. An der Baumgrenze wachsen Bäume niedrig und verkrüppelt, im Tal hoch und gerade, und es bleibt dieselbe Art. So kann man auf alles Mögliche wütend sein, auf Menschen, Dinge, Situationen. Es ist immer dieselbe Reaktion: laut werden, aggressiv werden. Das ist derselbe Dämon. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Prahler|Prahler]] dagegen tut in denselben Situationen etwas ganz anderes: Er gibt an. Er will Geltung, aber was er tut und was die Welt sieht, ist sehr spezifisch. Und der Typ ist gleichförmig und verbreitet.


'''Entgleisung: die Gier.''' Gier ist kein eigener Dämon, sondern eine bestimmte Entgleisung. Gier ist immer haben wollen. Sie kann verschiedene Wesen treffen: den [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]], den [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Hunger/Schlemmer|Schlemmer]], das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]]. Die alten Todsünden haben die Gier schon nach ihrem Gegenstand aufgeteilt: avaritia, gula, luxuria, also Habgier, Völlerei, Wollust.


== Bild 2023 ==
Die Gier hat zwei Gestalten.
[[Datei:Stammbaum jpg.jpg|mini|1400x1400px]]
* '''Das Fass ohne Boden.''' Die Sättigung fällt aus. Ein gesunder Dämon hat Hunger, wird satt und gibt Ruhe, wie ein Thermostat. Hier kommt das Stopp-Signal nicht mehr. Die Suchtforscher Kent Berridge und Terry Robinson trennen das Wollen („wanting“) vom Genießen („liking“): In der Sucht wächst das Wollen, der Genuss nicht. Dieser Gierige hat nicht mehr Freude, aber mehr Hunger.
* '''Der Kick.''' Die Befriedigung ist so groß und unwiderstehlich, dass man sie immer wieder haben muss. Hier ist der Genuss nicht verschwunden, sondern übergroß.


Nicht jede Entgleisung ist Gier. Der Messi kann nichts hergeben, aber er will nicht immer mehr haben. Was er hortet, ist nicht einmal wertvoll.


Bei Theophrast heißt der Gierige Αἰσχροκέρδεια, „schändlicher Gewinn“: „Avarice is greedy love of gain.“ Er holt sich den Gewinn von anderen. Er lädt dem Träger mehr auf, als der tragen kann, und gibt ihm die kleinste Ration. Dem Freund verkauft er gepanschten Wein. Da ruft die Gier den Täuscher.


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=== Der Test ===
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Ob ein Dämon dahintersteckt, zeigt sich, wenn man ihn in seinem Revier angreift. Vorher ist er unscheinbar, friedlich unter der Oberfläche. Dann gibt es plötzlich eine heftige Reaktion, er verteidigt sein Revier und übernimmt das Steuer. Dann ist sein Ziel das Wichtigste. Nimm ihm seine Nahrung weg. Wer verdurstet, für den ist nichts so wichtig wie Trinken. Spann einem die Frau aus, und er kämpft wie ein Berserker. Schlafentzug. Greif seinen Kameraden an. Beim [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Knauser|Knauser]] reicht ein Festessen, bei dem die Tochter seine Börse nimmt und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle.
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Im Minnesota-Hungerexperiment ließen Ancel Keys und seine Kollegen 1944 und 1945 junge Kriegsdienstverweigerer monatelang hungern. Das Essen übernahm das Steuer. Die Männer dachten nur noch daran, lasen Kochbücher, sammelten Rezepte, wachten eifersüchtig über ihre Teller, durchwühlten den Müll nach Essbarem und ertrugen es nicht, wenn etwas verschwendet wurde.


Der Test zeigt, dass ein Dämon da ist, aber nicht immer, welcher. Dann muss man die Probe abwandeln.


'''Die Missbilligung.''' Zum Test gehört auch die Missbilligung von anderen, die nicht sind wie er selbst. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Menschenfreund|Menschenfreund]] missbilligt den, der andere boshaft schädigt. Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Psychopath]] schätzt Normalos gering, als schwach. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kamerad]] verachtet den [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]]. Liebende [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Elter|Eltern]] missbilligen, wenn andere Eltern ihre Kinder schikanieren. Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]] missbilligt die Schlamperei. Die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbrüder]] missbilligen den Abweichler. Der Mutige verachtet den Feigling, der Stolze den Kriecher.


Ernst Fehr und Simon Gächter zeigten 2002: Menschen bestrafen Trittbrettfahrer, auch wenn die Strafe sie selbst etwas kostet und nichts einbringt. Treibende Kraft sind negative Gefühle gegen die Abweichler. Paul Hewitt und Gordon Flett beschrieben 1991 Perfektionisten, die „unrealistic standards for significant others“ haben. José Marques, Vincent Yzerbyt und Jacques-Philippe Leyens fanden 1988 den „black sheep effect“: Ein unsympathisches Mitglied der eigenen Gruppe wird härter verurteilt als dasselbe Verhalten bei einem Fremden.


Am deutlichsten ist das bei den Dämonen, bei denen es um die Gruppe geht. Aber es greift bei allen, die einen Maßstab haben, wie man sein oder leben soll: Auch der Knauser missbilligt den Verschwender. Bei den Leib-Dämonen greift es nicht. Wer Durst hat, verachtet nicht den, der keinen hat. Auffällig ist: Gegensätzliche Dämonen missbilligen einander gegenseitig. Der Knauser missbilligt den Verschwender, der Spendable den Knauser. Daran lassen sich [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]] erkennen.


== Gut und Böse aus einer Wurzel ==
Wir machen hier das personifizierte Böse zum Vater der Seele. Das vornehme Raubtier, steht bei Nietzsche. Was ist, wenn die guten und bösen Triebe miteinander verwoben sind, vielleicht gar wesensgleich?


'''Nietzsche''', Jenseits von Gut und Böse, Abschnitt 2: „Es wäre sogar noch möglich, dass was den Werth jener guten und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein.“


In der Genealogie der Moral sagt Nietzsche, auf dem Grund aller vornehmen Menschen sei „das Raubthier“ nicht zu verkennen. Er nennt es auch die „blonde Bestie“ und meint damit den Löwen mit seiner Mähne, nicht die Germanen, wie die Nazis es später missbraucht haben.


'''Der Stammbaum zeigt es:'''
* Vom Raubtier über den Vampir zum Sieg, vom Sieg zum Dank, vom Dank zur Verehrung, von der Verehrung zur Liebe. Die Liebe hat unter anderem den Vampir als Ahnen.
* Wüterich → Krieger → Beschützer. Der Beschützer, der sein Kind verteidigt, stammt vom Wüterich ab.
* Vom Sieg kommen der Held, der Stolz und der Mut.
Gut und Böse sitzen nicht auf verschiedenen Ästen. Sie wachsen aus derselben Wurzel.


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Das Bindungshormon Oxytocin macht in Versuchen freundlicher und vertrauensvoller gegenüber der eigenen Gruppe und zugleich abwehrbereiter gegen Fremde (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).

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