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Wer aber die Grundtriebe des Menschen daraufhin ansieht, wieweit sie gerade hier als ''inspirierende'' Genien (oder Dämonen und Kobolde –) ihr Spiel getrieben haben mögen, wird finden, daß sie alle schon einmal Philosophie getrieben haben – und daß jeder einzelne von ihnen gerade ''sich'' gar zu gerne als letzten Zweck des Daseins und als berechtigten ''Herrn'' aller übrigen Triebe darstellen möchte. Denn jeder Trieb ist herrschsüchtig: und als ''solcher'' versucht er zu philosophieren. | |||
[Jenseits von Gut und Böse | Friedrich Nietzsche]</blockquote> | |||
Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische spinnerei und aberglauben mit dem ungebildete und unkritische geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren schwachsinn und hokuspokus verführt werden und diese verachtung ist immer noch da . nun ist es ausgerechnet mein rationalismus der mich gezwungen hatte in der hauptsache umzudenken. genauer gesagt die anwendung von ockham ockham\'s razor auf zwei anscheinend rationale begriffe. nämlich erstens auf den begriff materie und zweitens auf den begriff vergangenheit insofern der vergangenheit eine unabhängige existenz außerhalb und gleichberechtigt mit der momentanen gegenwart zugebilligt wird . ich war verblüfft und verwirrt als ich feststellen musste dass beide begriffe ohne inhalt sind jeglicher rationalen begründung entbehren und genau die art von esoterischer spinnerei und aberglaube darstellen für die ich eine solche geringschätzung hege. näheres zum irrtum von der materie siehe auf der seite vom immaterialismus . näheres zum irrtum von der vergangenheit siehe zweiter hauptsatz . damit war meinem rationalismus mit einem schlag der boden unter den füßen entzogen. da gibt es eine lange gut begründete kette von argumenten die beginnend in der vergangenheit zu meinen überzeugungen in der gegenwart führt. wie nun es gibt keine vergangenheit dann gibt es also keine vergangenheit die mit ihrem festen tragfähigen fundament meine augenblicklichen ansichten trägt. dies ist ein ähnlicher zweifel an der vernunft wie ihn schon david hume äußerte. doch er geht noch viel weiter. mit dem wegbrechen der brücke der vergangenheit bricht auch der grund selber weg die begründung jegliche art von begründung. welches sind die mächte die meine augenblickliche ansicht sind soviel ist klar es sind gegenwärtig aktive mächte. nachdem mir theoretisch die fundamentale bedeutung der gegenwart klar geworden war entsann ich mich ein oder zwei absätze die ich flüchtig bei bergson gelesen hatte. damals hatte ich sie mit dem geübten reflex eines artigen rationalisten als zwar originell aber als zu unwahrscheinlich und kompliziert abgetan. man muß nämlich wissen daß ein rationalist so rational gar nicht ist sondern konservativ. er versteht sich vor allem darauf das schon bestehende mit guten gründen zu verteidigen tut aber alles neue leichtfertig als irrational ab. er will vor allem eines sich sicher fühlen in seinem angestammten revier. und so geht es immer weiter bis das neue nicht mehr neu ist und da findet sich auch die nächste generation von rationalisten die es zu verteidigen weiß. bergson schrieb von der sich ständig verändernden dauer gegenwart die nicht nur ein verwirklichen von schon zuvor vorhandenen potentiellen möglichkeiten sei sondern ein hervorsprudeln von wirklich neuer schöpfung. das wollte mir vorher nicht einleuchten spricht nicht ockhamu8c2b4s razor dagegen nun aber war ich gezwungen dieser möglichkeit ins auge zu sehen. was ist wenn er recht hat was ist wenn die wirklichkeit tatsächlich so beschaffen ist wie es der humor der vorsehung will war es wenig später in einem uhrenladen in dem ich auch die erfahrung dieser veränderten sicht der zeit machte damals sammelte ich alte taschenuhren . ich blickte auf die auslage der uhren mit ihren ziffernblättern und ihren zeigern und bemerkte mit einem schlag etwas daß ich noch nie zuvor gesehen hatte und das hört sich trivial an und mag unverständlich klingen für den dem diese erfahrung nie fehlte aber für mich war dies das atemberaubende eintauchen in eine völlig neue welt ich sah wie die zeiger alle auf einmal tickten alle zugleich und doch nicht gleichzeitig aber auch nicht in einer reihenfolge nacheinander. wer hat die welt die ich kenne abrupt verschwinden lassen und dafür eine völlig andere hingesetzt reduktionismus... rationalismus was nicht in fein getrennten rationen hintereinander geschluckt werden kann existiert nicht. für mich ist dies heute ein beweis neben vielen anderen ähnlichen erfahrungen wie die lehre ihre eigene wahrnehmung bestimmt; wie das herrschende paradigma filtert und die weltsicht schafft die ihr entspricht und alle anderen ausschließt. als nächstes bemerkte ich wie die bäume sich bewegten kraftvoll ihre äste schwangen. ich will nicht sagen daß ich den bäumen eine aktive bewegung wie bei den tieren zuschrieb und doch sah ich doch daß sie sich bewegten. ich war hinter die rationale erklärung der bewegung durch den wind zurückgetreten wohl wissend im hinterkopf daß es diese gibt . man muß durchaus kein schwachkopf sein wenn man auch anderen sichtweisen zugänglich ist aber diese erfahrung der lebendigen natur war doch um so vieles reicher . not as the plants and flowers of earth growing peacefully beneath a simple sun were the blossoms of the planet lophai. coiling and uncoiling in double dawns; tossing tumultuously under vast suns of jade green and balas-ruby orange; swaying and weltering in rich twilights in aurora-curtained nights they resembled fields of rooted serpents that dance eternally to an other-worldly music. the demon of the flower clark ashton smith anscheinend ist dieses bild von den sich bewegenden bäumen ein allgemeines bild bei magischen animistischen weltsichten. damit war ich zurückgetreten in die animistische weltsicht in der alles bewegt und beseelt ist. diese entspricht unserem natürlichen erleben bevor wir lernen unser erleben mit angelernten lehrsätzen zu substituieren. ich weiß auch nicht warum das aneinander ausschließen müsste. wir brauchen die welt unseres erlebens und sei es nur dazu um sie zu erklären. nun sagt der rationalist gleich wieder das sei unwichtig nebensächlich irrational usw. - laß ihn reden er kann nicht anders denn um die lebendigkeit und gegenwärtigkeit nicht zu sehen und nicht zu erleben muß man zuvor seine eigene gegenwärtigkeit und lebendigkeit geopfert haben. aus schmerz um schmerz zu vermeiden. ich habe mir diese erfahrung aber durchaus nicht eingebildet . das genaue gegenteil ist die wahrheit gerade die enthaltung von einer einbildung nämlich der standardeinbildung der herrschenden lehre sprich der erklärung mit dem wind machte mich dieser erfahrung erst zugänglich. es ist dies eine furchterregende erfahrung eine unheimliche erfahrung eine faszinierende erfahrung. mit einem wort eine mystische erfahrung. als unbedeutend kann sie nur der abtun der sie nicht selbst erlebt hat. für den anderen aber ist dies die eine alles verändernde erfahrung. nichts ist so wie es vorher war. alles ist umgefärbt. beeinflusst wurde ich bei der ausarbeitung der hier skizzierten dämonologie durch hauptsächlich folgende autoren nämlich henri bergson george berkeley brian m. stableford ronald d. laing und meinem großen lehrer friedrich nietzsche. | |||