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== Angst == | == Angst == | ||
* Stammbaum: von Schreck · zu | * Stammbaum: von Schreck, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verlegener|Verlegener]] · zu Hass | ||
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]], [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Abergläubischer]] | * Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]], [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Abergläubischer]] | ||
* Beschreibung: Paul Ekman zählte die Angst zu den Grundgefühlen, die man in allen Kulturen am Gesicht erkennt. Er und Wallace Friesen zeigten 1971 beim Volk der Fore in Neuguinea, das kaum Kontakt zur westlichen Welt hatte, Gesichter und erzählten dazu kleine Geschichten. Die Fore ordneten die meisten Gefühle richtig zu, Angst aber oft der Überraschung. Die Angst kommt vom [[#Schreck|Schreck]]. | * Beschreibung: Paul Ekman zählte die Angst zu den Grundgefühlen, die man in allen Kulturen am Gesicht erkennt. Er und Wallace Friesen zeigten 1971 beim Volk der Fore in Neuguinea, das kaum Kontakt zur westlichen Welt hatte, Gesichter und erzählten dazu kleine Geschichten. Die Fore ordneten die meisten Gefühle richtig zu, Angst aber oft der Überraschung. Die Angst kommt vom [[#Schreck|Schreck]]. | ||
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* Trigger: Enttäuschung, nachdem man sehr viel in eine Herzensangelegenheit investiert hat: eine Aufgabe, ein Werk, eine Person. Man wurde hereingelegt, oder die Freundschaft wird nicht erlangt. Besonders, wenn man gerade keine anderen Projekte hat. Dazu kommen Erschöpfung und allgemeine Unlust an Tätigkeiten. | * Trigger: Enttäuschung, nachdem man sehr viel in eine Herzensangelegenheit investiert hat: eine Aufgabe, ein Werk, eine Person. Man wurde hereingelegt, oder die Freundschaft wird nicht erlangt. Besonders, wenn man gerade keine anderen Projekte hat. Dazu kommen Erschöpfung und allgemeine Unlust an Tätigkeiten. | ||
* Bannung: Erfolg. Es hilft, den Misserfolg auszublenden und sich auf kleine Aufgaben zu konzentrieren. Siehe auch [[Bannung#Der sichere Hafen|Der sichere Hafen]]. | * Bannung: Erfolg. Es hilft, den Misserfolg auszublenden und sich auf kleine Aufgaben zu konzentrieren. Siehe auch [[Bannung#Der sichere Hafen|Der sichere Hafen]]. | ||
* Beschreibung: Ursprünglich will er Erfolg, Sieg oder Freundschaft, im Grunde Geltung. Das klappt nicht. Dann ist da auch ein kleiner Groll. Verbittert ist die Vorstufe des Zombies. Zum Zombie wird man, wenn man lange verbittert ist. Beim Verbitterten ist noch der Drang zum Ziel vorhanden, und das ist der Schmerz: der Drang und das Ziel trotzdem nicht zu erreichen. Der Zombie dagegen hat aufgegeben und ist ohne Hoffnung. | * Beschreibung: Ursprünglich will er Erfolg, Sieg oder Freundschaft, im Grunde Geltung. Das klappt nicht. Dann ist da auch ein kleiner Groll. Verbittert ist die Vorstufe des Zombies. Zum Zombie wird man, wenn man lange verbittert ist. Beim Verbitterten ist noch der Drang zum Ziel vorhanden, und das ist der Schmerz: der Drang und das Ziel trotzdem nicht zu erreichen. Der Zombie dagegen hat aufgegeben und ist ohne Hoffnung. Verbittert wird man, wenn man Erfolg will, aber scheitert. Wenn man da viel investiert hat. Der Dämon ist da noch am Arbeiten, aber lässt sich nicht einfach stoppen, weil der schon lange aktiv war. Das ist kein Hunger, schlechte Laune zu haben, wie beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]], der sich gerne ärgert. Der Groll ist verwirrt, wenn ihm sein Wunsch erfüllt wird. Verbitterung löst sich sofort auf, wenn der Wunsch plötzlich doch erfüllt wird. | ||
:'''Wie es dazu kommt.''' Verbittert wird jemand aus Enttäuschung: von Personen, oder weil Ziele nicht erreicht werden, die wichtig sind. Und es gibt keinen Trostpreis, keine andere Erfüllung. Merkmal ist die Hoffnungslosigkeit. Dazu kommt der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]: der Ärger darüber, dass einem Unrecht geschehen ist. Die Verbitterung kann langsam wachsen, nach längerem Scheitern. Sie kann aber auch nach einem einzigen großen Schlag ausbrechen, nach der Kündigung nach vielen Jahren, der Scheidung, dem verlorenen Prozess. Diese Form beschrieb der Psychiater Michael Linden 2003 als „posttraumatische Verbitterungsstörung“: Hoffnungslosigkeit und Wut über die Ungerechtigkeit, oft mit Rachegedanken. | :'''Wie es dazu kommt.''' Verbittert wird jemand aus Enttäuschung: von Personen, oder weil Ziele nicht erreicht werden, die wichtig sind. Und es gibt keinen Trostpreis, keine andere Erfüllung. Merkmal ist die Hoffnungslosigkeit. Dazu kommt der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]: der Ärger darüber, dass einem Unrecht geschehen ist. Die Verbitterung kann langsam wachsen, nach längerem Scheitern. Sie kann aber auch nach einem einzigen großen Schlag ausbrechen, nach der Kündigung nach vielen Jahren, der Scheidung, dem verlorenen Prozess. Diese Form beschrieb der Psychiater Michael Linden 2003 als „posttraumatische Verbitterungsstörung“: Hoffnungslosigkeit und Wut über die Ungerechtigkeit, oft mit Rachegedanken. Und man wird auch verbittert, wenn andere einen lange gedemütigt und misshandelt haben. Und unglücklich gemacht haben. Das ist enthalten. Da ist das Ziel Glück und Entfaltung, die man nicht erreicht. Also auch scheitern. | ||
:'''Der Stolz.''' Der Stolz zeigt sich mit kleinem Lächeln, weiter Haltung und erhobenen Armen oder Händen in den Hüften (Tracy und Robins 2004). | :'''Der Stolz.''' Der Stolz zeigt sich mit kleinem Lächeln, weiter Haltung und erhobenen Armen oder Händen in den Hüften (Tracy und Robins 2004). | ||
:'''Wesen.''' Der Verbitterte hat mit der Welt eine Rechnung offen. Er glaubt, zu kurz gekommen zu sein, ungerecht behandelt oder um etwas betrogen worden zu sein, das ihm eigentlich zustand. Anders als der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der unmittelbar angreift, trägt der Verbitterte seine Verletzung über lange Zeit mit sich herum. Er kann ruhig, beherrscht und sogar höflich auftreten. Doch seine Gedanken kehren immer wieder zu dem zurück, was ihm angetan wurde. Er hat nicht einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Seine Enttäuschungen sind zum Maßstab geworden, an dem er neue Erfahrungen beurteilt. | :'''Wesen.''' Der Verbitterte hat mit der Welt eine Rechnung offen. Er glaubt, zu kurz gekommen zu sein, ungerecht behandelt oder um etwas betrogen worden zu sein, das ihm eigentlich zustand. Anders als der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der unmittelbar angreift, trägt der Verbitterte seine Verletzung über lange Zeit mit sich herum. Er kann ruhig, beherrscht und sogar höflich auftreten. Doch seine Gedanken kehren immer wieder zu dem zurück, was ihm angetan wurde. Er hat nicht einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Seine Enttäuschungen sind zum Maßstab geworden, an dem er neue Erfahrungen beurteilt. | ||
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== Pedant == | == Pedant == | ||
* Stammbaum: von Schreck, Büßer · zu Moralist | * Stammbaum: von Schreck, Büßer · zu Moralist | ||
* Beschreibung: | * Hunger: Dass es richtig gemacht wird, und zwar von den anderen. Kein Fehler, keine Abweichung, nichts übersehen. | ||
* Trigger: Eine Kleinigkeit ist nicht genau. Eine Zahl, ein Komma, ein Wort, ein Handgriff weicht von der Vorschrift ab. | |||
* Bannung: Es ist korrigiert und stimmt. Oder der andere sagt: „Es ist gut so.“ Dann bleibt der Stachel. | |||
* Mimik: Die Stirn ist gerunzelt, die Lippen sind schmal, der Blick geht auf das Detail. Die Brille wird mit dem Finger hochgeschoben. | |||
* Haltung: Aufrecht und steif. Die Hand rückt Dinge gerade: Stifte, Papiere, Bilder. Der Finger zeigt auf die Stelle, die nicht stimmt. | |||
* Beschreibung: | |||
:'''Herkunft.''' Der Pedant beginnt bei der Angst vor dem Fehler. Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] meldet: Es kann etwas schiefgehen. Der [[Wesen 3: Beutetier#Büßer|Büßer]] erinnert daran, dass ein Fehler Schuld bedeutet. Der Pedant richtet diese Wachsamkeit auf andere und korrigiert sie. | |||
:'''Sprüche.''' | |||
:* Das heißt nicht „…“, sondern „…“. | |||
:* Genau genommen … | |||
:* Das stimmt so nicht ganz. | |||
:* Nur der Ordnung halber … | |||
:* Das muss man schon richtig machen. | |||
:* Das steht aber anders in der Vorschrift. | |||
:* Das ist aber nicht ganz korrekt. | |||
:* Streng genommen stimmt das nicht. | |||
:* Der Begriff ist hier falsch verwendet. | |||
:* Das heißt nicht dasselbe. | |||
:* Bevor wir weitermachen, müssen wir das erst einmal richtigstellen. | |||
:* So kann man das nicht stehen lassen. | |||
:* Das ist wissenschaftlich nicht exakt. | |||
:* Es heißt wegen des Wetters, nicht wegen dem Wetter. | |||
:'''Das Detail über der Sache.''' Der Pedant sieht die Kleinigkeit und verliert die Sache. Er korrigiert die Schreibweise und überhört, was gesagt wird. Das Ganze ist ihm weniger wichtig als der Fehler darin. | |||
:'''Vom Perfektionisten unterschieden.''' Der Perfektionist will selbst etwas richtig machen. Der Pedant korrigiert andere. | |||
:'''Zum Moralisten.''' Aus dem Korrigieren der Kleinigkeit wird das Urteil über den Menschen: Wer schlampt, ist schlecht. Dann ist es der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Moralist|Moralist]]. | |||
:'''Entgleisung.''' Der Pedant hält Abläufe auf, weil jede Abweichung ihn stört. Im Beruf wird er zum Bremser, in der Familie zum Dauerkorrigierer. | |||
:'''Auf dem botanischen Kongress.''' Das ist ein interessantes Muster, weil hier die Korrektheit einer Nebensache wichtiger genommen wird als der eigentliche Zweck der Unterhaltung. Auf einem botanischen Kongress wollen Wissenschaftler Erkenntnisse austauschen. Einer berichtet von einer Entdeckung, aber ein anderer unterbricht ihn wegen einer ungenauen Bezeichnung, einer Kleinigkeit in der Methodik oder eines formalen Fehlers. Der Einwand kann vollkommen richtig sein. Trotzdem kann er die Diskussion zerstören. | |||
:'''Der Pedant.''' | |||
:* Handlungsweise: Er isoliert einen kleinen Fehler und behandelt ihn, als wäre er für die gesamte Sache entscheidend. Dabei verliert er den eigentlichen Zweck aus den Augen. | |||
:'''Drei unterschiedliche Motive.''' Drei Typen können äußerlich dasselbe tun. | |||
:* Der echte Pedant: Er empfindet Unordnung, Ungenauigkeit oder Regelverletzungen als unangenehm. Die Korrektur verschafft ihm Erleichterung. Er würde möglicherweise sogar einen Fehler korrigieren, wenn niemand zuschaut. | |||
:* Der Geltungssüchtige: Er benutzt die Korrektur, um seine Kompetenz vorzuführen. Er will demonstrieren, dass er mehr weiß als der Vortragende. Seine eigentliche Botschaft lautet: „Seht her, ich habe einen Fehler entdeckt, den der Experte übersehen hat.“ | |||
:* Der destruktive Kritiker: Ihm geht es weniger um Korrektheit als darum, andere herabzusetzen oder ihre Autorität zu beschädigen. Er sucht gezielt nach Angriffspunkten. Ein winziger Fehler genügt, um einen ganzen Vortrag lächerlich zu machen. Hier gibt es eine Überschneidung mit dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Troll|Troll]]. | |||
:'''Ein bekannter psychologischer Mechanismus.''' Dazu passt das sogenannte Law of Triviality, auch Bikeshedding genannt, das C. Northcote Parkinson 1957 beschrieb. Menschen diskutieren manchmal unverhältnismäßig lange über leicht verständliche Nebensächlichkeiten, während komplexe, wichtige Fragen wenig Aufmerksamkeit bekommen. Ein Grund: Über Kleinigkeiten kann fast jeder mitreden. Bei anspruchsvollen Fragen fehlt vielen die Kompetenz, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Das könnte auch erklären, weshalb sich manche Kongressteilnehmer an unbedeutenden Details festbeißen. Allerdings muss man in der Wissenschaft unterscheiden: Ein scheinbar kleiner methodischer Fehler kann ein Forschungsergebnis tatsächlich entwerten. Entscheidend ist nicht die Größe des Fehlers, sondern seine Bedeutung für die Aussage. | |||
:'''Der entscheidende Unterschied.''' Der gewissenhafte Wissenschaftler korrigiert einen Fehler, um die Erkenntnis zu verbessern. Der Pedant korrigiert einen Fehler, weil er den Fehler nicht ertragen kann. Der Geltungssüchtige korrigiert ihn, um sich selbst aufzuwerten. Der Troll korrigiert ihn, um eine Reaktion zu provozieren. Das sind vier verschiedene Motive hinter derselben Handlung. Und noch etwas: Der Pedant kann die Regeln perfekt beherrschen und trotzdem den Sinn der ganzen Veranstaltung verfehlen. Er sieht den Fehler, aber nicht das Ziel. | |||
== Traurig == | == Traurig == | ||