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* '''Begreifen:''' Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. ''Begreifen'' hieß zuerst „berühren, anfassen“, ''Begriff'' „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische ''comprehendere'' „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“ | * '''Begreifen:''' Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. ''Begreifen'' hieß zuerst „berühren, anfassen“, ''Begriff'' „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische ''comprehendere'' „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“ | ||
* '''Namen mit Körper:''' Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. ''Angst'' kommt von althochdeutsch ''angust'', die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch ''ankhein'' „zusammendrücken“ und lateinisch ''angere'' „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. ''Zweifel'' hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische ''dubitare'' heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. ''Zorn'' hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu ''zerren'' und ''trennen''; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. ''Groll'' gehört zu ''grollen'', dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch ''grellen'', „laut vor Zorn schreien“. ''Wut'' hieß althochdeutsch ''wuot'', „Raserei“, gotisch ''wōds'' „besessen“. Verwandt sind altnordisch ''óðr'', „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch ''vātēs'', „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der ''Wüterich'' hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. ''Fühlen'' gehört zum Tasten: Altenglisch ''felan'' hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. ''Dank'' und ''denken'' haben dieselbe Wurzel: Das altenglische ''þanc'' hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. ''Inspiration'' ist das Einhauchen (lateinisch ''inspirare''), ''Idee'' das Gesehene (griechisch ''idein'', „sehen“). | * '''Namen mit Körper:''' Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. ''Angst'' kommt von althochdeutsch ''angust'', die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch ''ankhein'' „zusammendrücken“ und lateinisch ''angere'' „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. ''Zweifel'' hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische ''dubitare'' heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. ''Zorn'' hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu ''zerren'' und ''trennen''; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. ''Groll'' gehört zu ''grollen'', dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch ''grellen'', „laut vor Zorn schreien“. ''Wut'' hieß althochdeutsch ''wuot'', „Raserei“, gotisch ''wōds'' „besessen“. Verwandt sind altnordisch ''óðr'', „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch ''vātēs'', „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der ''Wüterich'' hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. ''Fühlen'' gehört zum Tasten: Altenglisch ''felan'' hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. ''Dank'' und ''denken'' haben dieselbe Wurzel: Das altenglische ''þanc'' hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. ''Inspiration'' ist das Einhauchen (lateinisch ''inspirare''), ''Idee'' das Gesehene (griechisch ''idein'', „sehen“). | ||
* '''Sinn, Sinne, sinnen:''' Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Sinn nach etwas haben“ heißt Lust haben, und die Sinne im Plural sind der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben. | |||
* '''Der Anlass in der Phantasie:''' Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben. | * '''Der Anlass in der Phantasie:''' Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben. | ||
* '''Bannung:''' Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen oder die Verknüpfung durch eine andere ersetzen. Siehe [[Bannung]]. | * '''Bannung:''' Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen oder die Verknüpfung durch eine andere ersetzen. Siehe [[Bannung]]. | ||
* '''Wenn der Dämon sein Ziel verliert:''' Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann. | * '''Wenn der Dämon sein Ziel verliert:''' Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann. | ||
* '''Wenn der Dämon nicht anspringt:''' Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie. | |||
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