Wesen 1: Raubtier – Wüterich

Version vom 8. Oktober 2026, 16:14 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge) (Scham (mit Daniels Freigabe))

Sammlung der Wesen, Raubtier und die Linie des Wüterichs (Werwolf). Manuskript im Entstehen: erst sammeln, ordnen später.

Raubtier – Wüterich · Wesen 2: Raubtier – Vampir · Wesen 3: Beutetier · Wesen 4: Leib, Nest und Lust · Wesen 5: Noch ohne Ort

Herkunft der Angaben: „Bild 2023“ = Stammbaum der menschlichen Seele im Wiki; „Erste Fassung“ = Stammbaum des alten Wikis. Die früher unsicheren Linien Balz → Eifersucht, Sammler → Eifersucht und Staun → Verehrung sind von Daniel bestätigt (4.10.2026). Namen der ersten Fassung an die Namen im Bild angeglichen: Dämonen = HOMO, Werwolf = Wüterich, Piesack = Piesacker, Messy = Messi.

Raubtier

  • Bild 2023: von HOMO · zu Jagdtrieb, Wüterich, Vampir
  • Erste Fassung: von HOMO · zu Vampir, Wüterich
  • Beschreibung:

Jagdtrieb

  • Bild 2023: von Raubtier · zu –
  • Ergänzt 2026: zu Stammesbruder (gemeinsame Jagd auf Minderheiten).
  • Ergänzt 2026: zu Amok (die Entschlossenheit, das kalte Zielen).
  • Beschreibung:

Wüterich

  • Steckbrief: Wüterich
  • Bild 2023: von Raubtier · zu Zorn, Choleriker, Schmach
  • Erste Fassung: von Raubtier · zu Drohender, Krieger, Schmach, Verachtung, Nöl, Rache, Choleriker, Zorn, Eifersucht
  • Namen der Familie (erste Fassung): Zorn, Wüterich, Grimm, Groll, Beiß, Amok, Mißtrauisch
  • Ergänzt 2026: zu Amok.
  • Beschreibung:

Zorn

  • Bild 2023: von Wüterich · zu Verachtung, Ärger, Eifersucht
  • Erste Fassung: von Wüterich · zu –
  • Beschreibung:

Ärger

  • Bild 2023: von Zorn · zu Groll
  • Beschreibung:

Groll

  • Bild 2023: von Ärger · zu –
  • Ergänzt 2026: zu Amok.
  • Trigger: eine wiederholte Demütigung durch jemanden, der Geltung und Autorität hat. Man muss ihn nicht mögen, aber er zählt. Unwichtige Leute erzeugen keinen Groll.
  • Hunger: eine Antwort von genau diesem Menschen: Anerkennung, Wiedergutmachung, eine Erwiderung. Von jemand anderem nützt sie nichts.
  • Bannung: aushungern, also die Szene nicht mehr durchspielen. Der Dämon wehrt sich genau dagegen, denn das Wiederholen ist seine Mahlzeit. Oder der Gegendämon kommt: die Dankbarkeit. Sie lässt sich nicht befehlen; man kann ihr nur den Boden bereiten, etwa indem man sich konkret erinnert, was man bekommen hat. Kommt sie, verdrängt sie den Groll (siehe Bannung).
  • Gegendämon: Dankbarkeit (siehe Dank). Beide sind Spiegelbilder. Beide leben von der Erinnerung an das, was ein anderer einem getan hat. Der Groll zählt, was man nicht bekommen hat, die Dankbarkeit zählt, was man bekommen hat. Darum können sie nicht zugleich herrschen: Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.
  • Beschreibung: Der Groll ist eine Besessenheit. Man weiß, dass er einem schadet, und legt ihn trotzdem nicht ab. Man müsste nur auf seinen Anspruch verzichten, aber das hat mit Vernunft nichts zu tun; die Vernunft erreicht ihn nicht. Er bindet den Gekränkten an den, der ihn gekränkt hat, denn nur dieser eine könnte ihn freisprechen. Darum kann der Groll sogar neben einer hohen Meinung von diesem Menschen bestehen.
Die Sprache weiß es: Man hegt einen Groll, wie man eine Pflanze hegt. Man gießt ihn jeden Tag.
Der Dämon wird gefüttert. Auch wenn der Groll toxisch ist und dem Menschen schadet, der Dämon hat etwas davon. Nachts geht man die Szene wieder durch, hält die Rede, die man nie halten wird, und malt sich aus, wie der andere endlich begreift. Jede Wiederholung ist eine Mahlzeit. Was dem Menschen schadet, nährt den Dämon. Dazu passt ein Versuch von Dominique de Quervain (Zürich, 2004): Wer einen Betrüger bestrafen darf, bei dem springt im Hirnscanner das Belohnungszentrum an. Abrechnung schmeckt.
Der Groll sucht sich Futter. Wenn der Groll erst einmal stark ist, wird das Ziel zuweilen gar nicht mehr entscheidend. Er reagiert auch auf andere Trigger, auf Unbeteiligte, auf Kleinigkeiten. Ein Mann wird jahrelang von seinem Chef gedemütigt und fährt dann den Kellner an, weil der Kaffee kalt ist. Der Kellner hat nichts getan; der kalte Kaffee hat nur die Tür geöffnet. Das zeigt wieder, dass der Groll ein selbstständig handelndes Wesen ist. Im Labor gemessen haben das Brad Bushman und Kollegen (2005, „Chewing on it can chew you up“): Die Versuchspersonen wurden gekränkt; ein Teil sollte danach über die Kränkung nachgrübeln, der andere wurde abgelenkt. Als dann ein ganz anderer Mensch einen kleinen Fehler machte, reagierten die Grübler auf diesen Unbeteiligten deutlich aggressiver. Das Wiederholen füttert den Groll, und der gefütterte Groll springt auf andere Trigger an.
Der Anlass in der Phantasie. Auch Tiere vergessen eine Kränkung nicht. Der Biologe John Marzluff hat in Seattle Krähen gefangen und dabei eine bestimmte Maske getragen. Jahre später beschimpften die Krähen jeden, der diese Maske trug, und auch junge Krähen, die nie gefangen worden waren, machten mit. Aber die Krähe braucht die Maske vor sich. Ohne den Anlass gibt es keinen Ausbruch. Der Mensch braucht die Maske nicht mehr. Er ruft den Anlass selbst herbei, nachts im Bett, ohne dass der andere da ist. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass, der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Darum ist der Groll erst durch die Vergangenheit möglich, durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Siehe auch Grundlagen.
Zwei Bilder: Michael Kohlhaas wurde von einem Junker gedemütigt, von einem Mann mit Macht und Stand. Ein Bauer, der ihm die Pferde verdorben hätte, hätte ihn nicht über Jahre umgetrieben. Edmond Dantès im Grafen von Monte Christo (Dumas, 1844) sitzt vierzehn Jahre unschuldig im Kerker und baut danach sein ganzes Leben um die Abrechnung mit genau den Männern, die inzwischen Ansehen und Macht haben. Der Groll hat ihn reich und mächtig gemacht, aber nicht frei.

Amok

  • Ergänzt 2026: von Wüterich, Groll, Gerechtigkeitssinn, Jagdtrieb und Triumph. Neu aufgenommen am 8.10.2026. In der ersten Fassung ein Name in der Familie des Werwolfs.
  • Trigger: eine letzte Kränkung nach langer Kränkung: eine Zurückweisung, eine Kündigung, ein Scheitern.
  • Bannung: offen (Daniel ergänzt).
  • Entgleisung: Amok ist selbst eine Entgleisung: Wut, die in die Bahn der Jagd geraten ist.
  • Beschreibung:

Man sollte naiv glauben, dass es Wut ist. Aber Wut entlädt sich spontan. Der Hauptteil ist Wut, aber da kommt noch jahrelanger Groll hinzu wegen der Ungerechtigkeit. Außerdem ist Amok entschlossen zu verletzen, und das ist der unmittelbare Zustand bei der Tat, während Wut aggressiv ist, aber meist nicht angreift. Amok hat also neben der Wut noch weitere Eltern. Amokläufer haben ein Hochgefühl der Geltung und des Triumphs.

Heiße und kalte Aggression: Die Wut ist laut, spontan, sie droht und entlädt sich. Der kläffende Hund am Zaun beißt meistens nicht. Die Jagd ist leise, geplant und zielgerichtet. Die Katze, die einem Vogel nachschleicht, faucht nicht. John Flynn hat in den 1960er-Jahren an Katzen gezeigt, dass das zwei verschiedene Programme an verschiedenen Stellen im Gehirn sind: An der einen Stelle gereizt, machte die Katze einen Buckel, fauchte und schlug wild um sich. An einer anderen Stelle ganz in der Nähe schlich sie lautlos auf eine Ratte zu und biss gezielt zu.

Die fünf Eltern:

  • Wüterich: der Hauptteil, der Brennstoff.
  • Groll: die jahrelang gesammelte Kränkung. Der Groll hält die Wut am Glimmen, statt sie zu entladen.
  • Gerechtigkeitssinn: „Mir steht etwas zu, und es wurde mir genommen.“ Der Soziologe Michael Kimmel fand bei Amokläufern immer wieder dieses Gefühl des gekränkten Anspruchs.
  • Jagdtrieb: die Entschlossenheit, das Planen, das kalte Zielen.
  • Triumph: das Hochgefühl der Geltung, der große Auftritt. Wer sich jahrelang klein und übergangen fühlte, ist für einen Tag Herr über Leben und Tod. Die beiden Täter von Columbine haben vorher Videos aufgenommen, in denen sie sich ausmalten, wie berühmt sie werden. Der Kriminologe Adam Lankford fand, dass Täter, die ausdrücklich berühmt werden wollten, im Durchschnitt mehr Menschen getötet und verletzt haben. Auch der eigene Tod, der oft eingeplant ist, gehört zu diesem letzten Auftritt.

Kein plötzliches Ausrasten: Fast alle Täter haben ihre Tat über Wochen oder Monate geplant. Viele haben vorher Andeutungen gemacht, in Heften, in Chats, gegenüber Mitschülern. Die Polizei nennt das „Leaking“. Darin liegt die Möglichkeit, rechtzeitig einzugreifen.

Ansteckung: Viele Täter haben frühere Täter verehrt und nachgeahmt. Columbine 1999 wurde zum Vorbild für Dutzende. Darum fordern viele Fachleute, Namen und Gesichter der Täter in den Medien nicht zu zeigen.

Das Wort kommt aus dem Malaiischen, „amuk“. Europäische Reisende beschrieben im 17. und 18. Jahrhundert Männer auf Java und der Malaiischen Halbinsel, die nach einer schweren Kränkung oder einem Verlust mit dem Dolch losliefen und töteten, bis man sie selbst tötete.

Choleriker

  • Bild 2023: von Wüterich · zu –
  • Erste Fassung: von Wüterich · zu –
  • Beschreibung:

Schmach

  • Bild 2023: von Wüterich · zu Scham
  • Erste Fassung: von Wüterich · zu Scham, Verlegener, Zynisch
  • Beschreibung:

Scham

  • Bild 2023: von Schmach · zu Büßer
  • Erste Fassung: von Schmach · zu Büßer
  • Trigger: ein Angriff von einem, gegen den man sich nicht wehren kann. Die Scham ist erlernt, durch Beschämung.
  • Beschreibung: Die Scham ist eine Reaktion auf einen Angriff. Ein Vater sagt zu seiner Tochter, die sich mit ihrem Freund trifft: „Du Schlampe.“ Das erzeugt Wut, Revierverteidigung. Aber gegen den mächtigen Vater kann sich die Wut nicht richten. Sie wird mit viel Mühe gebremst, und dann ist nicht einmal erlaubt, Gedanken gegen den Vater zu haben. Also richtet sie sich nach innen, und dort knallt sie ungebremst.
Die Haltung des Unterlegenen. Der Psychologe Paul Gilbert beschreibt die Scham als Unterwerfung: Kopf runter, Blick weg, sich klein machen. Das ist dieselbe Haltung, die ein Hund oder ein Affe zeigt, der einen Rangkampf verloren hat. Sie sagt dem Stärkeren: Ich greife nicht an, hör auf. Dacher Keltner hat gezeigt, dass das wirkt: Wer rot wird und den Blick senkt, wird von anderen milder behandelt.
Der Fehlschluss. Aus dieser körperlichen Reaktion wird dann auch noch konstruiert, was für eine Schuld die Tochter auf sich geladen hat. Die Niederlage und Wehrlosigkeit werden als Beweis genommen, dass sie im Unrecht ist. In Wahrheit beweisen sie nur ihre Unterlegenheit gegen die Übermacht von Vater und Tradition. Am Ende glaubt sie es selbst.
Scham und Gewissen. Die Scham braucht den Angreifer, das Gewissen nicht. Das schlechte Gewissen ist die nach innen gewendete Grausamkeit und stammt vom Vampir. Es beißt auch ohne Angriff.

Büßer

  • Steckbrief: Büßer
  • Bild 2023: von Scham · zu –
  • Erste Fassung: von Scham · zu Formal, Pedant, Moralist, Perfektionist
  • Beschreibung:

Verachtung

  • Steckbrief: Verachtung
  • Bild 2023: von Ekel, Zorn · zu Hohn, Zynisch, Arroganz, Spötter, Häme
  • Erste Fassung: von Wüterich, Ekel · zu Hohn, Arroganz, Spötter, Zynisch
  • Beschreibung:

Hohn

  • Bild 2023: von Verachtung · zu –
  • Erste Fassung: von Verachtung · zu –
  • Beschreibung:

Zynisch

  • Bild 2023: von Verachtung · zu –
  • Erste Fassung: von Verachtung, Schmach · zu –
  • Beschreibung:

Arroganz

  • Bild 2023: von Verachtung · zu –
  • Erste Fassung: von Verachtung · zu –
  • Beschreibung:

Spötter

  • Bild 2023: von Verachtung, Kobold · zu –
  • Erste Fassung: von Kobold, Verachtung · zu –
  • Beschreibung:

Häme

  • Bild 2023: von Verachtung, Piesacker · zu –
  • Erste Fassung: von Piesacker · zu –
  • Beschreibung:

Drohender

  • Erste Fassung: von Wüterich · zu Zeigefinger
  • Beschreibung:

Zeigefinger

  • Erste Fassung: von Drohender · zu –
  • Beschreibung:

Krieger

  • Erste Fassung: von Wüterich · zu Beschützer
  • Beschreibung:

Rache

  • Erste Fassung: von Wüterich · zu –
  • Beschreibung:

Nöl

  • Erste Fassung: von Wüterich, Öde · zu –
  • Beschreibung:

Verlegener

  • Erste Fassung: von Schmach · zu –
  • Beschreibung:

Formal

  • Erste Fassung: von Büßer · zu Prediger, Zwerg/Gelehrter, Paragraph
  • Ergänzt 2026: im Stammbaum von Büßer, zu Zwerg
  • Entgleisung: der Passierschein A38. Die Vorschrift wird zum Selbstzweck, man wird von Schalter zu Schalter geschickt, und die Sache, um die es ging, ist vergessen.
  • Trigger: eine Abweichung von der Regel, ein falsch ausgefülltes Formular, ein Fall, für den es keine Vorschrift gibt.
  • Bannung: offen (Daniel ergänzt).
  • Beschreibung:

Ein Bürokrat oder Jurist, aber auch wie ein Streber. Schlaubi Schlumpf mit Brille und Zeigefinger: „Papa Schlumpf hat aber gesagt …“

Hunger: im Recht sein, durch die Regel, nicht durch die Sache. Wer sich genau an die Vorschrift hält, dem kann niemand etwas vorwerfen.

Herkunft: vom Büßer. Der Büßer trägt die Schuld. Der Formal hat eine Lösung gefunden: Ich halte jede Regel ein, also bin ich nie schuld. Ein Büßer, der sich hinter Paragraphen verschanzt hat.

Kennzeichen:

  • Der Beamte hinter dem Schalter: „Da könnte ja jeder kommen.“ Das Formular ist falsch ausgefüllt, also kein Stempel, egal worum es geht.
  • Der Passierschein A38 bei Asterix: Asterix und Obelix werden im Amtsgebäude von Schalter zu Schalter geschickt, und jeder verlangt einen anderen Schein.
  • Freispruch wegen eines Formfehlers. Die Form siegt über die Sache.

Formal und Streber: Der Streber will der Beste sein, die Eins, das Lob vom Lehrer. Der Formal will nicht der Beste sein, sondern korrekt. Schlaubi ist beides.

Übergang zum Zwerg: „Papa Schlumpf hat gesagt“ ist dasselbe wie „Wie schon Einstein zeigte“. Der Formal beruft sich auf die Regel, der Zwerg auf das Zitat. Nicht ich urteile, die Autorität urteilt.

Kinder in der ersten Fassung: Paragraph (der Jurist), Prediger (die Moral als Vorschrift), über ihn der Pädagoge (die Regel für Kinder), und der Zwerg.


Prediger

  • Erste Fassung: von Formal · zu Moralist, Pädagoge
  • Beschreibung:

Pädagoge

  • Erste Fassung: von Prediger · zu –
  • Beschreibung:

Paragraph

  • Steckbrief: Paragraph
  • Erste Fassung: von Formal · zu –
  • Beschreibung: