Grundlagen

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Version vom 18. Oktober 2026, 17:16 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge) (Sinn, Sinne, sinnen; Wenn der Dämon nicht anspringt)
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Entwurf, wird überarbeitet.

Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die Hauptseite besser einordnen.

Ausgangspunkt: der Rationalist

Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da. Entstehungsgeschichte

Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.

Erster Begriff: Materie

Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.

Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.

Immaterialismus

Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.

Zweiter Begriff: Vergangenheit

Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.

Tatsächlich begegnen wir nur Dokumenten von einer Vergangenheit in der Gegenwart. Zweiter Hauptsatz

Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.

Der Boden fällt weg

Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.

Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.

Diese Kette ist nicht gegenwärtig.

Entstehungsgeschichte

Die Frage: Was wirkt jetzt?

Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.

Es sind gegenwärtig aktive Mächte.

Es sind DÄMONEN.

Entstehungsgeschichte

Was ein Dämon ist

Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.

  • Hunger: was er will. Der Sammler will haben und nicht hergeben.
  • Trigger: was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.
  • Verhalten und Welt: Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.
  • Ansteckung: Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.
  • Bannung: wie man ihn loswird (siehe Bannung).
  • Entgleisung: der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.
  • Stark und schwach: Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.
  • Stimmungen: Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.

Wie man das prüft

Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite Hexe steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.

Was daraus folgt

  • Der Stammbaum: Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe Stammbaum und die Wesenliste (Wesen 1 bis Wesen 5).
  • Zwiewirklichkeit: Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der Zwerg sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.
  • Wer zuerst kommt: Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der Choleriker ist gereizt über eine Widrigkeit, der Kobold belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der Groll hält Tage.
  • Die Haltung: Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe Dank). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die Kameradschaft beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.
  • Der Kreis von Haltung und Vorstellung: Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe Denken ist Tanz). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.
  • Der Geist folgt dem Körper: Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C'est en faisant tout comme s'ils croyaient, en prenant de l'eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal's“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (Zur Genealogie der Moral III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (Nikomachische Ethik II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.
  • Wörter verlieren den Körper: Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische ghost war altenglisch gast, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.

    So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).

    Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die Geltung. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.
  • Begreifen: Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. Begreifen hieß zuerst „berühren, anfassen“, Begriff „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische comprehendere „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“
  • Namen mit Körper: Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. Angst kommt von althochdeutsch angust, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch ankhein „zusammendrücken“ und lateinisch angere „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. Zweifel hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische dubitare heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. Zorn hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu zerren und trennen; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. Groll gehört zu grollen, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch grellen, „laut vor Zorn schreien“. Wut hieß althochdeutsch wuot, „Raserei“, gotisch wōds „besessen“. Verwandt sind altnordisch óðr, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch vātēs, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der Wüterich hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. Fühlen gehört zum Tasten: Altenglisch felan hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. Dank und denken haben dieselbe Wurzel: Das altenglische þanc hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. Inspiration ist das Einhauchen (lateinisch inspirare), Idee das Gesehene (griechisch idein, „sehen“).
  • Sinn, Sinne, sinnen: Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Sinn nach etwas haben“ heißt Lust haben, und die Sinne im Plural sind der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.
  • Der Anlass in der Phantasie: Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der Groll lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.
  • Bannung: Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen oder die Verknüpfung durch eine andere ersetzen. Siehe Bannung.
  • Wenn der Dämon sein Ziel verliert: Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der Rammler im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.
  • Wenn der Dämon nicht anspringt: Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.

Magie

Von innen. Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.

Dämonen beschwören. Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im Crawdaddy Magazine über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: enchant kommt vom lateinischen incantare, „darüber singen“, charm von carmen, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort Hokuspokus von den Worten der Messe, hoc est corpus meum, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.

Was es nicht ist

Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe Die alten Götter). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.

Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.

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