Wesen 1: Raubtier – Wüterich
Sammlung der Wesen, Raubtier und die Linie des Wüterichs (Werwolf).
Raubtier – Wüterich · Wesen 2: Raubtier – Vampir · Wesen 3: Beutetier · Wesen 4: Leib, Nest und Lust · Wesen 5: Noch ohne Ort
- Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe Grundlagen).
Raubtier
- Stammbaum: von HOMO · zu Jagdtrieb, Wüterich, Vampir, Achtung, Geltung
- Beschreibung:
Jagdtrieb
- Stammbaum: von Raubtier · zu Stammesbruder, Amok, Rache, Krieger
- Zum Stammesbruder bringt er die gemeinsame Jagd auf Minderheiten, zum Amok die Entschlossenheit, das kalte Zielen.
- Hunger: Verfolgen, stellen und fangen. Nicht das Fressen, sondern die Beute.
- Trigger: Etwas, das flieht oder sich schnell bewegt. Ein Ball, ein Radfahrer, ein Jogger, die Maus. Wer wegläuft, wird gejagt. Was still liegt, zieht ihn nicht.
- Bannung: Die Beute ist gefangen, oder sie ist entkommen und nicht mehr zu sehen. Oder etwas Stärkeres ruft ihn ab.
- Mimik: Der Blick ist starr auf die Beute gerichtet, ohne zu blinzeln. Der Mund ist geschlossen, das Gesicht ruhig. Der Jäger schweigt.
- Haltung: Der Körper ist tief und angespannt, die Schritte sind leise. Er pirscht und wartet.
- Beschreibung:
- Auch ohne Hunger. Die satte Katze jagt trotzdem die Maus, und der Hund rennt dem Ball nach, ohne dass er Hunger hat. Das Fressen und das Jagen sind getrennte Triebe. In der Verhaltensforschung gilt der Beutefang als eigene Kette: Orten, Fixieren, Anschleichen, Hetzen, Packen, Töten.
- Beim Menschen. Die Sprache verrät den Dämon: auf der Jagd nach dem Rekord, eine Fährte aufnehmen, Witterung aufnehmen, dranbleiben, Beute machen, jemanden zur Strecke bringen. Der Detektiv, der Schnäppchenjäger, der Kopfgeldjäger und der Karrierist, der ein Ziel hetzt, handeln aus demselben Antrieb.
- Sport. Bei Hunderennen jagen die dem Kaninchen nach. Viele Sportarten sind deshalb interessant, weil sie den Jagdtrieb befriedigen. Basketball. Fußball. Da wird das Tor gejagt. Und jagen im Rudel hat auch Tradition.
- Belege. Der Zoologe Desmond Morris beschreibt Fußball als rituelle Jagd: Die Spieler sind die Jäger, der Ball ist die Waffe, das Tor ist die Beute (The Soccer Tribe, 1981). Beim Hunderennen ist das Kaninchen eine Attrappe, die Owen Patrick Smith erfand; die Bahnrennen begannen 1919 in Kalifornien. Ortega y Gasset schrieb: „Man jagt nicht, um zu töten. Man tötet, um gejagt zu haben.“
- Kultur. In einer Dokumentation über Schwarze Löcher sagt ein mathematischer Physiker, der mit Hawking zusammengearbeitet und selbst Beiträge geleistet hat, er denke ständig über das Informationsparadoxon nach, selbst beim Zähneputzen. Das war ein Profi. Es ist nicht nur Neugierde. In derselben Dokumentation haben mehr als 200 Physiker jahrelang das erste Foto eines Schwarzen Lochs gejagt. Die Jagd selbst ist das Spannende.
- Rudel. Der Regisseur Peter Galison wollte zeigen, wie sehr Wissenschaft Gemeinschaftsarbeit ist und nicht das Werk eines einzelnen Genies. Das ist die Jagd im Rudel: viele Teleskope auf allen Kontinenten, die gleichzeitig auf dieselbe Beute zielen.
- Trophäen. Und übrigens gibt es dann auch Trophäen. Im Sport gibt es Pokale und Medaillen. Der Nobelpreis ist auch eine Trophäe. Oder die Fields-Medaille. Oder es gibt Preise. Und woanders den Oscar. Und im Beruf die Urkunde und den Titel.
- Beispiele. Das Geweih an der Wand des Jägers. Der Pokal des Siegers. Das Foto neben dem erlegten Fisch. Das Wort kommt vom griechischen „tropaion“: Nach einer gewonnenen Schlacht stellten die Griechen am Ort der Wende, wo der Feind floh, einen Pfahl oder Baum mit seiner erbeuteten Rüstung auf. Die Trophäe zeigt, dass die Jagd gelungen ist, auch denen, die nicht dabei waren.
- Wer flieht, wird gejagt. Kinder jagen dem nach, der wegläuft oder weint. Das Mobbing lebt von dem, der sich wehrt, aber nicht entkommen kann. Hier liegt die Verbindung zum Stammesbruder: Die Gruppe jagt gemeinsam das Opfer.
- Die Jagd selbst. Seine Lust liegt nicht allein im Besitz der Beute, sondern bereits in der Jagd selbst: im Suchen, Anschleichen, Verfolgen, Überlisten und schließlich im Zugriff.
- Der Weg zur Beute ist selbst eine Belohnung.
- Nach dem Fang. Der Jagdtrieb ist nicht mit dem Hunger nach der Beute identisch.
- Man kann etwas jagen, das man gar nicht besonders haben möchte.
- Das erklärt beispielsweise, warum manche Menschen mit großer Leidenschaft Dinge suchen, sammeln oder ersteigern und nach dem Erwerb rasch das Interesse verlieren.
- Die eigentliche Befriedigung lag im Jagen.
- Jagdtrieb und Krieger. Hier liegt eine wichtige Unterscheidung.
- Der Krieger sucht den Kampf und die Bewährung an einem Gegner.
- Der Jäger sucht die Beute und den erfolgreichen Zugriff.
- Der Krieger kann einen starken Gegner bevorzugen, weil dessen Überwindung seinen Sieg wertvoll macht.
- Der Jäger bevorzugt möglicherweise eine schwierige Beute, weil ihre Erlegung oder ihr Fang besondere Geschicklichkeit erfordert.
- Aber er muss keinen ebenbürtigen Gegner haben. Die Beute kann schwächer sein und versuchen zu fliehen.
- Der Krieger will siegen. Der Jäger will erbeuten.
- Forschung und Fehlersuche. Ein Wissenschaftler kann von einem ungelösten Problem regelrecht besessen sein. Er verfolgt Hinweise, prüft Spuren und sucht nach einem verborgenen Zusammenhang.
- Ein Techniker bei der Fehlersuche erlebt etwas Ähnliches: Jeder Messwert liefert einen neuen Hinweis. Eine falsche Vermutung führt auf eine andere Spur. Schließlich ist der Fehler gefunden.
- Dabei kann der Augenblick des Entdeckens ein ausgesprochenes Hochgefühl auslösen.
- Entgleisung. Der Jagdtrieb wird zum Stalker, wenn die Beute ein Mensch ist, der nicht fliehen darf. Er wird zur Rache, wenn er das Urteil vom Zorn bekommt, und zum Amok, wenn die Wut in seine Bahn gerät.
Wüterich
- Steckbrief: Wüterich
- Stammbaum: von Raubtier · zu Zorn, Choleriker, Schmach, Amok, Drohender, Krieger
- Namen der Familie: Grimm, Beiß
- Beschreibung: Die Wut packt einen. Die Vernunft wird ignoriert, und man tut extreme Dinge, die sonst gebannt sind: Gewalt ausüben oder verbal verletzen. Das entspricht dem Dämon. Er ist heftig und hat im Augenblick der Wut die ganze Macht, er lässt keine anderen Dämonen ans Steuer. Wut ist mehr Abwehr und spontane Reaktion.
- Der Zaum. Manche haben gelernt, den Dämon im Zaum zu halten, weshalb sich die Wut nicht gleich in Gewalt entlädt. Andere sind ungebremst, weil sie keine Strafe fürchten oder bisher davongekommen sind. Der Zaum greift vor dem Ausbruch, denn im Augenblick der Wut hat nur der Dämon das Steuer. Entweder war ein anderer Dämon schneller (siehe Wer zuerst kommt), oder die Haltung ist so geübt, dass die Wut gar nicht erst in die Gewalt gerät.
- Respekt. Das ist allgemeines Revierverhalten: Der Ranghöhere wird nicht angegriffen. Es sei denn, man will ihn ernsthaft vom Thron stoßen. Bei Menschen heißt das Respekt. Respekt heißt es auch, wenn man Unterlegene nicht angreift.
- Wen die Wut trifft. Dann schlagen sie ihre Frau. Wäre die Wut wirklich blind, träfe sie auch den Chef. Meistens trifft sie den, der sich nicht wehren kann. Bei Gewalt in Beziehungen unterscheidet Michael Johnson (2008) die Gewalt aus der Eskalation eines Streits, situational couple violence, von der Gewalt als Teil eines allgemeinen Musters von Kontrolle, intimate terrorism. Bei der zweiten bricht nicht Wut aus, sondern Herrschaft, und die Wut dient als Kleid.
- Was man damit tut. Natürlich heißt nicht erlaubt. Auch wenn die Wut natürlich ist, kommt es darauf an, was man damit tut. Wer sie an Frauen oder Wehrlosen auslässt, begeht eine Untat, und dass die Wut hier als natürlich beschrieben ist, rechtfertigt nichts. Wut kann auch Schwache gegen Angreifer schützen: Die Mutter, die sich zwischen ihr Kind und den Angreifer wirft, handelt aus Wut.
Zorn
- Stammbaum: von Wüterich, Gerechtigkeitssinn · zu Verachtung, Ärger, Eifersucht, Rache
- Beschreibung: Zorn ist Wut, die strafen will, und zwar aus Gerechtigkeit. Die Wut allein wehrt ab und entlädt sich spontan. Im Zorn kommt ein Urteil dazu: Mir ist Unrecht geschehen, du hast es getan, und du sollst dafür büßen. Darum richtet sich Zorn gegen einen bestimmten Menschen und lässt sich nicht an irgendwem auslassen. Schon Aristoteles bestimmt ihn so (Rhetorik II.2): das Streben nach sichtbarer Vergeltung für eine sichtbare Geringschätzung. Der Sprachgebrauch sagt dasselbe. Man spricht vom gerechten und heiligen Zorn, vom Zorn Gottes und vom Volkszorn, aber nicht von gerechter Wut.
- Wut und Zorn. Die Wörterbücher unterscheiden beide nicht einheitlich, manche behandeln Wut als gesteigerten Zorn. Hier gilt die Unterscheidung, wie man die Wörter im Alltag gebraucht: Wut ist Abwehr, Zorn ist Wut mit Strafwunsch.
- Der Dämon im Recht. Der Zorn hält sich fast immer für im Recht. Er trägt die Gerechtigkeit wie ein Kleid, und seine Ladung kommt vom Wüterich. Darum kann er auch irren, und auch der gerechte Zorn bleibt Zorn.
- Was man damit tut. Zorn über echtes Unrecht kann berechtigt sein. Aber ein Urteil im Kopf macht niemanden zum Richter. Wer straft, weil er sich im Recht fühlt, ist trotzdem ein Rächer. Natürlich heißt nicht erlaubt.
Ärger
- Stammbaum: von Zorn · zu Groll
- Beschreibung:
Groll
- Stammbaum: von Ärger · zu Amok, Verbittert
- Varianten: Misstrauen
- Trigger: eine wiederholte Demütigung durch jemanden, der Geltung und Autorität hat. Man muss ihn nicht mögen, aber er zählt. Unwichtige Leute erzeugen keinen Groll.
- Hunger: eine Antwort von genau diesem Menschen: Anerkennung, Wiedergutmachung, eine Erwiderung. Von jemand anderem nützt sie nichts.
- Bannung: aushungern, also die Szene nicht mehr durchspielen. Der Dämon wehrt sich genau dagegen, denn das Wiederholen ist seine Mahlzeit. Oder der Gegendämon kommt: die Dankbarkeit. Sie lässt sich nicht befehlen; man kann ihr nur den Boden bereiten, etwa indem man sich konkret erinnert, was man bekommen hat. Kommt sie, verdrängt sie den Groll (siehe Bannung).
- Gegendämon: Dankbarkeit (siehe Dank). Beide sind Spiegelbilder. Beide leben von der Erinnerung an das, was ein anderer einem getan hat. Der Groll zählt, was man nicht bekommen hat, die Dankbarkeit zählt, was man bekommen hat. Darum können sie nicht zugleich herrschen: Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.
- Beschreibung: Der Groll ist eine Besessenheit. Man weiß, dass er einem schadet, und legt ihn trotzdem nicht ab. Man müsste nur auf seinen Anspruch verzichten, aber das hat mit Vernunft nichts zu tun; die Vernunft erreicht ihn nicht. Er bindet den Gekränkten an den, der ihn gekränkt hat, denn nur dieser eine könnte ihn freisprechen. Darum kann der Groll sogar neben einer hohen Meinung von diesem Menschen bestehen.
- Die Sprache weiß es: Man hegt einen Groll, wie man eine Pflanze hegt. Man gießt ihn jeden Tag.
- Der Dämon wird gefüttert. Auch wenn der Groll toxisch ist und dem Menschen schadet, der Dämon hat etwas davon. Nachts geht man die Szene wieder durch, hält die Rede, die man nie halten wird, und malt sich aus, wie der andere endlich begreift. Jede Wiederholung ist eine Mahlzeit. Was dem Menschen schadet, nährt den Dämon. Dazu passt ein Versuch von Dominique de Quervain (Zürich, 2004): Wer einen Betrüger bestrafen darf, bei dem springt im Hirnscanner das Belohnungszentrum an. Abrechnung schmeckt.
- Der Groll sucht sich Futter. Wenn der Groll erst einmal stark ist, wird das Ziel zuweilen gar nicht mehr entscheidend. Er reagiert auch auf andere Trigger, auf Unbeteiligte, auf Kleinigkeiten. Ein Mann wird jahrelang von seinem Chef gedemütigt und fährt dann den Kellner an, weil der Kaffee kalt ist. Der Kellner hat nichts getan; der kalte Kaffee hat nur die Tür geöffnet. Das zeigt wieder, dass der Groll ein selbstständig handelndes Wesen ist. Im Labor gemessen haben das Brad Bushman und Kollegen (2005, „Chewing on it can chew you up“): Die Versuchspersonen wurden gekränkt; ein Teil sollte danach über die Kränkung nachgrübeln, der andere wurde abgelenkt. Als dann ein ganz anderer Mensch einen kleinen Fehler machte, reagierten die Grübler auf diesen Unbeteiligten deutlich aggressiver. Das Wiederholen füttert den Groll, und der gefütterte Groll springt auf andere Trigger an.
- Der Anlass in der Phantasie. Auch Tiere vergessen eine Kränkung nicht. Der Biologe John Marzluff hat in Seattle Krähen gefangen und dabei eine bestimmte Maske getragen. Jahre später beschimpften die Krähen jeden, der diese Maske trug, und auch junge Krähen, die nie gefangen worden waren, machten mit. Aber die Krähe braucht die Maske vor sich. Ohne den Anlass gibt es keinen Ausbruch. Der Mensch braucht die Maske nicht mehr. Er ruft den Anlass selbst herbei, nachts im Bett, ohne dass der andere da ist. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass, der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Darum ist der Groll erst durch die Vergangenheit möglich, durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Siehe auch Grundlagen.
- Zwei Bilder: Michael Kohlhaas wurde von einem Junker gedemütigt, von einem Mann mit Macht und Stand. Ein Bauer, der ihm die Pferde verdorben hätte, hätte ihn nicht über Jahre umgetrieben. Edmond Dantès im Grafen von Monte Christo (Dumas, 1844) sitzt vierzehn Jahre unschuldig im Kerker und baut danach sein ganzes Leben um die Abrechnung mit genau den Männern, die inzwischen Ansehen und Macht haben. Der Groll hat ihn reich und mächtig gemacht, aber nicht frei.
- Erzeugt wird der Groll durch Demütigung von jemandem, der zählt. Aber wenn er einmal da ist, richtet er sich auch gegen Unbedeutende. Er ist ein Dämon und sucht sich selbst Gründe und Anlässe. Daraus wird das Misstrauen.
Amok
- Stammbaum: von Wüterich, Groll, Gerechtigkeitssinn, Jagdtrieb, Triumph · zu –
- Trigger: eine letzte Kränkung nach langer Kränkung: eine Zurückweisung, eine Kündigung, ein Scheitern.
- Bannung: offen.
- Entgleisung: Amok ist selbst eine Entgleisung: Wut, die in die Bahn der Jagd geraten ist.
- Beschreibung:
Man sollte naiv glauben, dass es Wut ist. Aber Wut entlädt sich spontan. Der Hauptteil ist Wut, aber da kommt noch jahrelanger Groll hinzu wegen der Ungerechtigkeit. Außerdem ist Amok entschlossen zu verletzen, und das ist der unmittelbare Zustand bei der Tat, während Wut aggressiv ist, aber meist nicht angreift. Amok hat also neben der Wut noch weitere Eltern. Amokläufer haben ein Hochgefühl der Geltung und des Triumphs.
Heiße und kalte Aggression: Die Wut ist laut, spontan, sie droht und entlädt sich. Der kläffende Hund am Zaun beißt meistens nicht. Die Jagd ist leise, geplant und zielgerichtet. Die Katze, die einem Vogel nachschleicht, faucht nicht. John Flynn hat in den 1960er-Jahren an Katzen gezeigt, dass das zwei verschiedene Programme an verschiedenen Stellen im Gehirn sind: An der einen Stelle gereizt, machte die Katze einen Buckel, fauchte und schlug wild um sich. An einer anderen Stelle ganz in der Nähe schlich sie lautlos auf eine Ratte zu und biss gezielt zu.
Die fünf Eltern:
- Wüterich: der Hauptteil, der Brennstoff.
- Groll: die jahrelang gesammelte Kränkung. Der Groll hält die Wut am Glimmen, statt sie zu entladen.
- Gerechtigkeitssinn: „Mir steht etwas zu, und es wurde mir genommen.“ Der Soziologe Michael Kimmel fand bei Amokläufern immer wieder dieses Gefühl des gekränkten Anspruchs.
- Jagdtrieb: die Entschlossenheit, das Planen, das kalte Zielen.
- Triumph: das Hochgefühl der Geltung, der große Auftritt. Wer sich jahrelang klein und übergangen fühlte, ist für einen Tag Herr über Leben und Tod. Die beiden Täter von Columbine haben vorher Videos aufgenommen, in denen sie sich ausmalten, wie berühmt sie werden. Der Kriminologe Adam Lankford fand, dass Täter, die ausdrücklich berühmt werden wollten, im Durchschnitt mehr Menschen getötet und verletzt haben. Auch der eigene Tod, der oft eingeplant ist, gehört zu diesem letzten Auftritt.
Kein plötzliches Ausrasten: Fast alle Täter haben ihre Tat über Wochen oder Monate geplant. Viele haben vorher Andeutungen gemacht, in Heften, in Chats, gegenüber Mitschülern. Die Polizei nennt das „Leaking“. Darin liegt die Möglichkeit, rechtzeitig einzugreifen.
Ansteckung: Viele Täter haben frühere Täter verehrt und nachgeahmt. Columbine 1999 wurde zum Vorbild für Dutzende. Darum fordern viele Fachleute, Namen und Gesichter der Täter in den Medien nicht zu zeigen.
Das Wort kommt aus dem Malaiischen, „amuk“. Europäische Reisende beschrieben im 17. und 18. Jahrhundert Männer auf Java und der Malaiischen Halbinsel, die nach einer schweren Kränkung oder einem Verlust mit dem Dolch losliefen und töteten, bis man sie selbst tötete.
Choleriker
- Stammbaum: von Wüterich · zu –
- Beschreibung:
Schmach
- Stammbaum: von Wüterich · zu Scham, Verlegener, Zynisch
- Beschreibung:
Scham
- Stammbaum: von Schmach · zu Büßer
- Trigger: ein Angriff von einem, gegen den man sich nicht wehren kann. Die Scham ist erlernt, durch Beschämung.
- Beschreibung: Die Scham ist eine Reaktion auf einen Angriff. Ein Vater sagt zu seiner Tochter, die sich mit ihrem Freund trifft: „Du Schlampe.“ Das erzeugt Wut, Revierverteidigung. Aber gegen den mächtigen Vater kann sich die Wut nicht richten. Sie wird mit viel Mühe gebremst, und dann ist nicht einmal erlaubt, Gedanken gegen den Vater zu haben. Also richtet sie sich nach innen, und dort knallt sie ungebremst.
- Die Haltung des Unterlegenen. Der Psychologe Paul Gilbert beschreibt die Scham als Unterwerfung: Kopf runter, Blick weg, sich klein machen. Das ist dieselbe Haltung, die ein Hund oder ein Affe zeigt, der einen Rangkampf verloren hat. Sie sagt dem Stärkeren: Ich greife nicht an, hör auf. Dacher Keltner hat gezeigt, dass das wirkt: Wer rot wird und den Blick senkt, wird von anderen milder behandelt.
- Der Fehlschluss. Aus dieser körperlichen Reaktion wird dann auch noch konstruiert, was für eine Schuld die Tochter auf sich geladen hat. Die Niederlage und Wehrlosigkeit werden als Beweis genommen, dass sie im Unrecht ist. In Wahrheit beweisen sie nur ihre Unterlegenheit gegen die Übermacht von Vater und Tradition. Am Ende glaubt sie es selbst.
- Scham und Gewissen. Die Scham braucht den Angreifer, das Gewissen nicht. Das schlechte Gewissen ist die nach innen gewendete Grausamkeit und stammt vom Vampir. Es beißt auch ohne Angriff.
Büßer
- Steckbrief: Büßer
- Stammbaum: von Scham · zu Fehlerfürchter, Pedant
- Beschreibung: Der Büßer ist die dauerhafte Reaktion, die Scham, die nicht mehr weggeht. Der Angreifer muss gar nicht mehr da sein; der Büßer trägt ihn in sich und hält den Kopf ständig unten, für alle Fälle. Er trägt Schuld, die Sünde. Kopf nach unten, gebeugt. Im Steckbrief heißt es: „Er wurde zu oft geprügelt.“ Und: „Wer sich selbst schlägt, wird nicht mehr geschlagen.“ Er kommt dem Schläger zuvor.
- Bei Tieren. Martin Seligman und Steven Maier gaben Hunden 1967 elektrische Schläge, denen sie nicht entkommen konnten. Danach kamen die Hunde in eine Box, aus der sie mit einem Sprung über eine niedrige Wand hätten fliehen können. Sie versuchten es nicht. Sie legten sich hin, winselten und ließen die Schläge über sich ergehen. Seligman nannte das „erlernte Hilflosigkeit“. Robert Sapolsky hat in Kenia jahrelang Paviane beobachtet: Die rangniedrigen Tiere gehen gebeugt, weichen jedem Blick aus und haben ständig erhöhte Stresshormone. Der Körper bleibt in der Haltung des Verlierers, auch wenn gerade niemand angreift.
- Der Unterschied zur Scham. Bei der Scham schließt man aus der Niederlage auf eine Tat. Beim Büßer ist dieser Schluss fest geworden. Er kann an einer bestimmten Schuld tragen oder an einer unbestimmten. Bei der unbestimmten fühlt er sich schuldig, ohne zu wissen wofür; die Schuld hängt an keiner Tat mehr, sie ist einfach da. Er denkt: „Ich bin schlecht.“ Das ist das Urteil des Angreifers, das er übernommen hat. Im Film Jenseits von Eden (1955, nach John Steinbeck) spielt James Dean den Sohn Cal, der glaubt, er sei von Grund auf schlecht, und sein Bruder Aron sei gut.
Fehlerfürchter
- Stammbaum: von Büßer · zu Formal
- Nicht zu verwechseln mit dem Perfektionisten: zwei völlig unterschiedliche Motive und Stimmungen.
- Hunger: die Strafe vermeiden, der Bloßstellung entgehen.
- Trigger: ein Fehler, und der Blick der anderen darauf.
- Bannung: offen.
- Beschreibung: Der Fehlerfürchter kontrolliert jede Kleinigkeit aus Angst, damit es kein anderer tun kann. Es geht ihm nicht um das Werk, sondern um die Strafe. Im Steckbrief des Büßers heißt es: „Wer sich selbst schlägt, wird nicht mehr geschlagen.“ Wenn einem ein Fehler peinlich ist und man sich sofort entschuldigt, ist der Fehlerfürchter vorgetreten. Paul Hewitt und Gordon Flett haben diese Form 1991 beschrieben und „sozial vorgeschrieben“ genannt: der Glaube, dass die anderen Vollkommenheit verlangen und jeden Fehler bestrafen oder bloßstellen.
- Als Erziehungsmittel. Das wird in unserer Kultur als Erziehungsmittel eingesetzt. Das ist grundfalsch: Es hemmt nur. Man muss Fehler machen, man muss Erfahrung haben. Dazu passt die Forschung: Nina Keith und Michael Frese haben 2008 viele Versuche zum „Fehlermanagement-Training“ ausgewertet, bei dem die Lernenden ausdrücklich ermutigt werden, Fehler zu machen. Sie konnten das Gelernte danach besser auf neue Aufgaben übertragen als Lernende, die man vor Fehlern bewahrt hatte. Amy Edmondson fand 1996 in Krankenhäusern, dass gerade die besten Stationen die meisten Fehler meldeten. Sie machten nicht mehr Fehler, sie trauten sich, sie zuzugeben.
- Der ausführende Roboter. Wer für Fehler bestraft wird, hört auf, eigene Erfahrungen zu machen. Er wird passiv und lernt nicht mehr, wie er sollte, denn man kann nicht nur anwenden, was einem eingetrichtert wird. Eigene Erfahrung hält die Dämonen aktiv, sie ist die Spontanität, die sie brauchen. Ohne sie wird man zum ausführenden Roboter, und dabei gehen Lust und Seele verloren. Die Selbstbestimmungstheorie (Deci und Ryan) beschreibt dasselbe: Menschen brauchen Autonomie, das Erleben, Urheber des eigenen Handelns zu sein, dazu Kompetenz und Eingebundenheit, und kontrollierende Umgebungen schwächen die innere Motivation. Im Engagement Index 2025 von Gallup haben in Deutschland nur 10 Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber, und Gallup sieht in den Führungskräften den zentralen Hebel dafür. Der Kreis schließt sich: Wer gemeckert bekam, wird als Chef oder Elternteil leicht selbst zum Mecker.
- Der Weg zur Regel. Man macht einen Fehler und wird beschämt. Das will man dann vermeiden und handelt streng nach Regeln. Wer nach Vorschrift handelt, kann nicht beschämt werden: „Ich habe nur meine Vorschrift befolgt.“ So wird aus dem Fehlerfürchter der Formal.
Verachtung
- Steckbrief: Verachtung
- Stammbaum: von Ekel, Zorn · zu Hohn, Zynisch, Arroganz, Spötter, Häme
- Beschreibung:
Hohn
- Stammbaum: von Verachtung · zu –
- Beschreibung:
Zynisch
- Stammbaum: von Verachtung, Schmach · zu –
- Beschreibung:
Arroganz
- Stammbaum: von Verachtung, Geltung · zu –
- Hunger: Sich über andere zu stellen, ohne ihren Beifall dafür zu brauchen.
- Trigger: Eine Gelegenheit, die angebliche oder eingebildete Überlegenheit auszuleben. Er muss nichts wollen. Zuweilen ist die Überlegenheit echt. Vor Menschen mit höherem Status ist der Arrogante eher nicht arrogant. Status gibt es auf verschiedenen Gebieten: Geld, Macht, Fähigkeiten, Schönheit, alles, was Status und Rang verleiht.
- Bannung: Bei anderen, indem man ihm die Gelegenheit nimmt: das Verhalten benennen („Du kannst mir widersprechen, aber du brauchst mich dabei nicht abzuwerten“), nicht auf den Wettbewerb einsteigen, Konsequenzen durchsetzen und die Herabsetzung nicht belohnen, durch Lachen oder Zustimmung. Dass er sich vor dem Chef anders verhält, zeigt, dass andere Dämonen ihn zügeln können, wenn ihm Folgen drohen (Zaum). Das ist kein Bann: Wenn er nach oben oder vor dem Stärkeren nicht arrogant ist, bleibt der Hunger. Das ist allgemein üblich: Der Wüterich greift auch keinen Sumo-Ringer an. Bei sich selbst: Von alleine kommt keine Einsicht. Nur durch Zwang: eine ordentliche Ansage von einer Autorität, andere nicht schlecht zu behandeln, und die üblichen Strafen, Ausschluss aus der Gruppe, Entzug von Vorteilen.
- Beschreibung: Der Arrogante schaut auf andere herab und weiß ihre Vorzüge nicht zu schätzen, ihre Fähigkeiten, ihr Aussehen, ihre Stellung. Er hält sich für etwas Besonderes. Das kann auf Tatsachen beruhen, auf Schönheit oder Stellung, aber das ist irrelevant. Manche sind arrogant, die meisten nicht. Es gibt Chefs, die dem Handwerker einen Kaffee bringen. Mit der Stellung hat es also nicht primär zu tun, und es gibt auch Menschen, die ohne jede Rechtfertigung arrogant sind.
- Bei Theophrast. Er heißt dort Ὑπερηφανία: „Pompousness is contempt for everybody save one’s self.“ Wer ein dringendes Anliegen hat, den bestellt er zu seinem Spaziergang nach dem Essen. Hat er einen Gefallen getan, erinnert er daran. Auf der Straße grüßt er niemanden und senkt die Augen. Vor einem Besuch schickt er einen Boten. In Briefen schreibt er nicht „Du würdest mir einen Gefallen tun“, sondern „Ich will, dass das getan wird“ und „Sofort!“
- Nach oben duckt er sich. Der Arrogante tritt nach unten und duckt sich nach oben. Van Quaquebeke und Gerpott beschreiben Vorgesetzte, die den Chefs schmeicheln und die Mitarbeiter unter Druck setzen, aus Streben nach Status („Kiss up, kick down“).
- Fünf Antriebe. Die Arroganz hat mehrere Antriebe, einzeln oder zusammen:
- Rang: Sie will in der Rangordnung höher stehen.
- Genuss: Das Gefühl, anderen überlegen zu sein, belohnt sie.
- Macht: Sie will bestimmen, wer recht hat und wessen Meinung zählt.
- Gewohnheit: Was Anerkennung, Aufmerksamkeit oder Unterordnung einbringt, setzt sich fest. Bleiben Folgen aus, ändert sich nichts.
- Schutz: Sie wehrt Angriffe auf das Selbstbild ab, auch die Scham.
- Sie setzt weder Unsicherheit noch Minderwertigkeitsgefühl voraus.
- Zwei Arten Stolz. Tracy und Robins (2007) trennen den echten Stolz, der mit Leistung und Selbstachtung zusammenhängt, vom hubristischen, der mit Narzissmus verbunden ist, mit Aggression, Feindseligkeit und Beziehungskonflikten. Die Arroganz gehört zum zweiten.
Spötter
- Stammbaum: von Verachtung, Kobold · zu –
- Beschreibung:
Häme
- Stammbaum: von Verachtung, Piesacker · zu Troll
- Beschreibung:
Drohender
- Stammbaum: von Wüterich · zu Zeigefinger
- Beschreibung:
Zeigefinger
- Stammbaum: von Drohender · zu –
- Beschreibung:
Krieger
- Stammbaum: von Wüterich, Jagdtrieb, Perfektionist · zu Beschützer
- Hunger: Der Kampf und die Herausforderung, Widerstände zu überwinden, in Etappen. Jede Etappe endet mit einem Sieg.
- Trigger: Ein Angriff auf einen selbst oder auf die Seinen: Kinder, Nest, Revier. Der Konkurrent im Beruf, der Nebenbuhler.
- Bannung: Der Gegner ist geschlagen, geflohen oder hat sich ergeben. Oder der Plan geht nicht mehr auf, dann Rückzug.
- Mimik: Ernst, der Kiefer fest, der Blick unbeweglich auf das Ziel. Keine Wut im Gesicht, eher Kälte.
- Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, das Kinn leicht gehoben, ein fester Stand, ruhige Bewegungen.
- Beschreibung:
- Der Krieg. Man führt tatsächlich einen Krieg bei einem Angriff. Gegen den Konkurrenten im Beruf. Gegen den Nebenbuhler. Das ist ein verbreiteter Typus.
- Zwei Kriterien. Beim Krieger gibt es zwei Kriterien dafür, was ein Sieg ist. Beim Fußball foulen die, wenn keiner hinsieht. Beim Snooker korrigiert der Spieler den Schiedsrichter, wenn der den Ball wieder hinlegt. Zu seinem eigenen Nachteil. Dem einen geht es nur ums Gewinnen. Dem anderen um den verdienten Sieg. Dabei geht es um Ehre. Auch ohne Publikum.
- Ehre. Der Unterschied ist Ehre. Und Ehre war ursprünglich der Ruf vor Publikum. Später auch ohne äußeres Publikum. Nur vor sich selbst. Er will beweisen, dass er besser ist. Das gibt Selbstbewusstsein und Hochgefühl. Beide sind dasselbe Wesen. Nur das Kriterium ist anders, was ein Sieg bedeutet. Geltung durch Sieg. Oder Geltung durch ehrliche Überlegenheit.
- Wer bremst. Den einen bremst der Schiedsrichter von außen, den anderen die Ehre von innen. Die Ehre ist nach innen gewanderte Geltung: Er hat das Publikum verinnerlicht, so wie der Beschwichtiger der nach innen gewanderte Tröster ist.
- Vom Wüterich unterschieden. Der Wüterich reagiert im Affekt und hat im Augenblick der Wut die ganze Macht. Der Krieger ist diszipliniert, geht mit Plan vor und ist effektiv. Er ist auf das Ziel fixiert.
- Heiß und kalt. Die Psychologie unterscheidet reaktive und proaktive Aggression (Dodge und Coie 1987). Reaktiv ist die Antwort auf einen Reiz, heiß und schnell. Proaktiv ist Aggression als Mittel für ein Ziel, kalt und geplant. Der Wüterich ist die reaktive, der Krieger die proaktive.
- Vorbereitung. Der Krieger kämpft nicht sofort. Er klärt zuerst, wer der Gegner ist, was er kann und wo er schwach ist. Im Beruf sammelt er Informationen über den Konkurrenten, bevor er etwas sagt. Er wartet auf den richtigen Moment, den der Wüterich nie abwartet.
- Er holt, wen er braucht. Er setzt andere Dämonen für seine Zwecke ein. Der Krieger holt auch ihm fremde Dämonen als Werkzeug: den Moralist. Freundlichkeit als List. Oder zum Beispiel den Kobold als Waffe. Spott.
- Beispiele. Der Moralist hält dem Gegner vor, was sich gehört, und setzt ihn vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Die Freundlichkeit lächelt, lädt zum Kaffee ein und erfährt dabei, was später gebraucht wird. Das ist die Kriegslist, die alte Heere kannten, zum Beispiel das Trojanische Pferd. Der Spott des Kobolds trifft den Gegner an seiner schwachen Stelle, und die anderen lachen mit. Wer vor den anderen lächerlich gemacht wird, kämpft schlechter.
- Wenn der Krieg gewonnen ist. Er ist verwirrt, wenn der Krieg gewonnen ist ohne weiteren Gegner, und sucht eine neue Herausforderung.
- Die vierzehn Achttausender. Jede Spitze ist eine Etappe mit einem Sieg, dann kommt der nächste Berg. Reinhold Messner war am 16. Oktober 1986 der Erste auf allen vierzehn Achttausendern, ohne zusätzlichen Sauerstoff (Wikipedia, Global Summit Guide). Jerzy Kukuczka war 1987 der Zweite. Nirmal Purja stieg 2019 in 189 Tagen auf alle vierzehn, Kristin Harila und Tenjen Lama Sherpa 2023 in 92 Tagen (ExpedReview). Das ist kein Affekt, sondern Plan und Vorbereitung.
- Achill, Hektor, Odysseus. Die Ilias beginnt mit dem Zorn des Achill, und er schleift Hektors Leiche. Hektor kämpft für seine Stadt, nachdem er sich von Frau und Kind verabschiedet hat. Auf Odysseus geht die List mit dem Trojanischen Pferd zurück. Achill ist der Wüterich, Hektor der Krieger mit dem Beschützer, Odysseus der Krieger mit der List.
- Ali vor dem Kampf. Vor dem Kampf gegen Sonny Liston 1964 nannte Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, den Weltmeister einen „big ugly bear“ und rief beim Wiegen: „Someone is going to die at ringside tonight!“ Ein Arzt maß seinen Puls mit 120 Schlägen pro Minute. Das war Spott und Auftritt in einem (Wikipedia, Press Herald, Miami Herald).
- Für wen er kämpft. Shils und Janowitz (1948) fanden bei der Wehrmacht, dass die Soldaten vor allem für ihre kleine Gruppe kämpften und nicht für Ideologie. Der Krieger kämpft selten für sich allein, sondern für die Seinen. Hier schließt der Beschützer an.
- Was ihn antreibt. Der Krieger will nicht einfach nur gewinnen. Er will sich im Kampf bewähren.
- Ein Sieg über einen schwachen Gegner befriedigt ihn weniger als ein schwer errungener Sieg über einen ebenbürtigen oder überlegenen Gegner.
- Deshalb kann er seinen Gegner sogar bewundern. Dessen Stärke steigert den Wert des eigenen Sieges.
- Er unterscheidet sich damit vom Groben, der seine Überlegenheit gern an Schwächeren demonstriert. Der Krieger sucht die Herausforderung, nicht notwendig ein wehrloses Opfer.
- Sein Stolz gründet auf dem, was er geleistet und überwunden hat.
- Seine Erlebniswelt. Wenn der Krieger erwacht, verändert sich die Welt.
- Schwierigkeiten erscheinen ihm nicht mehr als lästige Hindernisse, sondern als Herausforderungen. Gefahr kann ihn beleben. Er empfindet Entschlossenheit, Kampfeslust und die Bereitschaft, Schmerzen und Entbehrungen hinzunehmen.
- Seine Aufmerksamkeit richtet sich auf Gegner, Kräfteverhältnisse, Schwachstellen und Handlungsmöglichkeiten.
- Er denkt weniger darüber nach, wie unangenehm eine Situation ist, sondern darüber, wie er sie bestehen kann.
- Typische Gedanken, als sinngemäße Beispiele und nicht als belegte Zitate:
- „Jetzt erst recht!“
- „So leicht gebe ich nicht auf.“
- „Der ist gut. An dem muss ich mich messen.“
- „Das wird schwer. Umso besser.“
- „Ich lasse mich nicht einschüchtern.“
- „Ich will wissen, was ich kann.“
- Krieger, Wüterich und Beschützer. Diese drei Typen können gemeinsam auftreten, haben aber unterschiedliche Motive.
- Der Wüterich will angreifen, weil ihn etwas reizt oder verletzt.
- Der Beschützer kämpft, weil jemand in Gefahr ist.
- Der Krieger kämpft, weil er sich einer Herausforderung stellen und darin bewähren will.
- Der Krieger muss deshalb nicht wütend sein. Er kann sogar ausgesprochen ruhig, konzentriert und beherrscht handeln.
- Und der Beschützer kann den Krieger beschwören: Die Bedrohung eines geliebten Menschen wird dann zur Herausforderung, die er unbedingt bestehen will.
- Ehre und Revier. Das Revier des Kriegers besteht nicht nur aus einem Gebiet, das er verteidigt. Es umfasst auch seine Stellung, seine Fähigkeiten und seine Selbstachtung.
- Eine Niederlage kann er hinnehmen, wenn er ehrenhaft gekämpft hat. Eine Demütigung dagegen kann ihn schwer treffen.
- Seine Ehre hängt daran, dass er sich als mutig, zuverlässig und kampffähig erlebt.
- Dabei gibt es zwei unterschiedliche Entwicklungen:
- Der selbstsichere Krieger kennt seine Stärke und muss sie nicht ständig vorführen.
- Der unsichere Krieger fühlt sich dauernd herausgefordert. Jede Kritik wird zum Angriff auf seine Ehre, jede Meinungsverschiedenheit zum Machtkampf.
- Dann droht der Krieger unter die Herrschaft von Geltung, Stolz oder Wut zu geraten.
- Der Krieger im Frieden. Der Krieger braucht keinen Krieg.
- Er kann sich im Sport, in schwierigen handwerklichen Aufgaben, in der Forschung, bei Expeditionen oder im Einsatz gegen Ungerechtigkeit entfalten.
- Entscheidend ist, dass es etwas zu überwinden gibt.
- Ein Wissenschaftler, der jahrelang an einem schwierigen Problem arbeitet, kann den Krieger ebenso erleben wie ein Bergsteiger vor einer gefährlichen Route.
- Dabei kann sich der Krieger mit Neugier, Ehrgeiz, Schöpferkraft oder Gerechtigkeitssinn verbinden.
- Seine Schattenseite. Der Krieger kann süchtig nach Auseinandersetzungen werden.
- Dann sucht er Gegner, obwohl es keine Notwendigkeit zum Kampf gibt. Frieden erscheint ihm langweilig, Nachgeben als Schwäche und Zusammenarbeit als Unterwerfung.
- Er kann Konflikte verschärfen, nur um seine Kräfte zu spüren.
- Besonders gefährlich wird die Verbindung mit Geltung und Herrschsucht. Dann geht es nicht mehr um Bewährung, sondern darum, andere zu besiegen und zu beherrschen.
- Der Gegner wird vom geschätzten Herausforderer zum Feind, der vernichtet werden soll.
- Meisterschaft. Die höchste Entwicklung des Kriegers besteht nicht darin, jeden Kampf zu gewinnen, sondern selbst entscheiden zu können, welcher Kampf es wert ist, geführt zu werden.
- Ein erfahrener Krieger muss nicht auf jede Provokation reagieren. Er kann eine Herausforderung ablehnen, ohne sich feige zu fühlen.
- Er besitzt die Kraft zum Kampf, aber auch die Freiheit, sie nicht einzusetzen.
- Der Krieger liebt nicht das Leiden. Er liebt die Bewährung, für die er Leiden in Kauf nimmt.
- Entgleisung. Der Krieger ohne Gegner erfindet einen. Er sucht im Betrieb Streit, wo keiner ist, oder macht aus einem Kollegen einen Feind. Soldaten, die nach Hause kommen, finden den Frieden oft schwer.
- Mit dem Beschützer. Er arbeitet mit dem Beschützer zusammen. Wo es um die Seinen geht, kämpft er auch gegen stärkere Feinde (siehe Beschützer).
Rache
- Stammbaum: von Zorn, Jagdtrieb · zu –
- Beschreibung: Rache ist vollführter Zorn. Der Zorn will strafen, die Rache straft. Dazu braucht es ein Motiv: ein Unrecht, das jemand getan hat, und der Wille, es zu vergelten. Rache ist deshalb nicht spontan wie die Wut. Sie kann Jahre warten, plant und trifft genau den, der es getan hat.
- Der Graf von Monte Christo. Edmond Dantès wird verraten und verbringt vierzehn Jahre im Gefängnis. Als er herauskommt, zahlt er jedem seiner Verräter heim, was ihm angetan wurde, und das mit Geduld, Verkleidung und Geld. Das ist keine Wut. Die Wut hätte ihn im Kerker verzehrt. Der Roman hat die Rache zum Stoff, weil sie ein langer, kalter Weg ist.
- Heiße und kalte Aggression. Hier zeigt sich der Unterschied, der bei Wüterich und Amok schon steht: Wut entlädt sich laut und sofort, Rache zielt leise. Der Zorn gibt ihr das Urteil, der Jagdtrieb die Ausdauer.
- Danach. Zorn ist langwierig, und wer an die Umsetzung glaubt, bekommt daraus einen Sinn. Nach dem Vollzug ist der Sinn weg, und mancher weiß mit seinem Leben nichts mehr anzufangen. Die anderen Dämonen schweigen dann, so wie sie es all die Jahre gelernt haben (siehe Wenn der Dämon sein Ziel verliert).
- Was man damit tut. Natürlich heißt nicht erlaubt. Auch die gerechteste Rache bleibt Selbstjustiz, und der Rächer wird selbst zum Täter. Auch Dumas lässt seinen Grafen am Ende zweifeln, ob er zu weit gegangen ist.
Grober
- Stammbaum: von Wüterich, Gerechtigkeitssinn, Geltung · zu –
- Hunger: die Geltung.
- Trigger: ein Schwächerer, der ihm im Weg steht. Das reizt ihn, sich mit vulgärer Grobheit durchzusetzen.
- Bannung: Bei anderen: Die Grobheit darf sich nicht lohnen. Nicht in seinen Kampf einsteigen und nicht zurückbeleidigen. Eine klare Grenze setzen, kurz und ruhig, und sie durchsetzen: das Gespräch beenden, die Zusammenarbeit unterbrechen, eine zuständige Stelle einschalten. Eine Grenze, die nie durchgesetzt wird, lernt er als bedeutungslos kennen. Was bei wem hilft: beim Unbeherrschten Abstand und Abkühlung, beim Selbstgerechten dieselben Regeln für alle, beim Manipulativen Dokumentation und Zeugen, beim Einschüchternden Geschlossenheit und Schutz der Betroffenen, beim Geltungssüchtigen keine Bühne und keine Unterordnung. Ihn selbst zu demütigen setzt nur den Kreislauf fort. Der Hebel liegt oft bei denen, die seine Grobheit dulden und belohnen. In Schulprogrammen gegen Mobbing sank das Mobbing um etwa 20 bis 23 %, vor allem mit konsequenten Maßnahmen (Ttofi und Farrington 2011). Bei sich selbst: Von alleine kommt kaum Einsicht, denn die Grobheit belohnt ihn und Belehrung kommt bei ihm nicht an. Nur durch Zwang: eine klare Ansage von einer Autorität, spürbare Folgen, Ausschluss aus der Gruppe, Entzug von Vorteilen. Ausnahme ist der Unbeherrschte, der sich hinterher schämen und seinen Ausbruch bereuen kann.
- Beschreibung: Der Grobe ist ein Bully, der immer glaubt, im Recht zu sein, und gegen Belehrung unempfindlich ist. Er ist auch grob gegen andere. Der Typus ist weit verbreitet. Der Grobe ist oft nicht sehr einsichtig, die Forschung findet aber auch kluge Bullys, die ihre Fähigkeiten zur Manipulation einsetzen (Sutton u. a. 1999). Wer in anderen schneller Feindseligkeit sieht, hält seinen Gegenschlag für gerecht: Die Forschung nennt das feindselige Absichtsunterstellung, und sie hängt mit aggressivem Verhalten zusammen (de Castro u. a. 2002). Belehrung kommt bei ihm nicht an, denn ihm fehlt die Scham, die einen Fehler zum Fehler macht. Er ist der Gegenpol zum Fehlerfürchter.
- Bei Theophrast. Er heißt dort Ἀπόνοια: „Roughness is coarse conduct, whether in word or act.“ Er schwört leichtfertig, ist unempfindlich gegen Beleidigung und teilt sie gern aus, „a sort of town bully, obscene in manner, ready for anything and everything“. Er führt eine Rotte von Nichtstuern, leiht ihnen Geld auf Zinsen und holt sich bei Bäckern und Fischhändlern seinen Tribut. Er ist ständig vor Gericht und sitzt öfter im Gefängnis als zu Hause.
- Die Demütigung darunter. Das Motiv des Groben ist der Wille zur Geltung. Ursprünglich kommt er wohl aus Demütigung. Aktuell fühlt er sie nicht mehr, die Grobheit hat sich als Verhalten durchgesetzt. Sie kommt plötzlich hervor, wenn ihm ein Stärkerer begegnet, gegen den seine Methode nicht ankommt. Das ist wieder die Methode, die wahren Motive zu erkennen: Der Dämon zeigt sich heftig, wenn er auf Widerstand trifft oder sein Revier betreten wird, und dann wird der Grobe wütend. Gilligan hält Scham für die tödlichste Emotion und sieht Gewalt aus einem Kreislauf von Scham und Selbsthass entstehen. Nach Baumeister, Smart und Boden (1996) hängt Gewalt nicht mit hohem Selbstwert zusammen, sondern mit einem aufgeblasenen, bestätigungsbedürftigen Selbstbild, das leicht gekränkt ist.
- Fünf Arten. Der Grobe ist nicht immer derselbe. Man unterscheidet, was seine Grobheit bewirken soll:
- Der Unbeherrschte will Ärger entladen. Er schimpft im Moment der Erregung, bereut es hinterher vielleicht und tut es beim nächsten Anlass wieder.
- Der Selbstgerechte will seinen Anspruch durchsetzen, weil er im Recht zu sein glaubt. Ein Kollege macht einen Fehler. Er darf den Fehler feststellen, meint aber, ihn auch vor anderen abkanzeln zu dürfen.
- Der Manipulative setzt die Grobheit als Machtmittel ein. Er dosiert sie, weiß, wen er angreifen kann, und tut danach, als sei nichts geschehen.
- Der Einschüchternde will Widerstand verhindern, bevor er entsteht. Oft genügt seine Reputation.
- Der Geltungssüchtige will Überlegenheit demonstrieren. Ihm genügt es, einen anderen zurechtzuweisen oder bloßzustellen.
- Die Arten schließen einander nicht aus.
Verlegener
- Stammbaum: von Schmach · zu –
- Beschreibung:
Formal
- Stammbaum: von Fehlerfürchter · zu Zwerg/Gelehrter, Prediger, Paragraph
- Entgleisung: der Passierschein A38. Die Vorschrift wird zum Selbstzweck, man wird von Schalter zu Schalter geschickt, und die Sache, um die es ging, ist vergessen.
- Trigger: eine Abweichung von der Regel, ein falsch ausgefülltes Formular, ein Fall, für den es keine Vorschrift gibt.
- Bannung: offen.
- Beschreibung:
Ein Bürokrat oder Jurist, aber auch wie ein Streber. Schlaubi Schlumpf mit Brille und Zeigefinger: „Papa Schlumpf hat aber gesagt …“
Hunger: im Recht sein, durch die Regel, nicht durch die Sache. Wer sich genau an die Vorschrift hält, dem kann niemand etwas vorwerfen.
Herkunft: vom Büßer. Der Büßer trägt die Schuld. Der Formal hat eine Lösung gefunden: Ich halte jede Regel ein, also bin ich nie schuld. Ein Büßer, der sich hinter Paragraphen verschanzt hat.
Kennzeichen:
- Der Beamte hinter dem Schalter: „Da könnte ja jeder kommen.“ Das Formular ist falsch ausgefüllt, also kein Stempel, egal worum es geht.
- Der Passierschein A38 bei Asterix: Asterix und Obelix werden im Amtsgebäude von Schalter zu Schalter geschickt, und jeder verlangt einen anderen Schein.
- Freispruch wegen eines Formfehlers. Die Form siegt über die Sache.
Formal und Streber: Der Streber will der Beste sein, die Eins, das Lob vom Lehrer. Der Formal will nicht der Beste sein, sondern korrekt. Schlaubi ist beides.
Übergang zum Zwerg: „Papa Schlumpf hat gesagt“ ist dasselbe wie „Wie schon Einstein zeigte“. Der Formal beruft sich auf die Regel, der Zwerg auf das Zitat. Nicht ich urteile, die Autorität urteilt.
Kinder: Paragraph (der Jurist), Prediger (die Moral als Vorschrift), über ihn der Pädagoge (die Regel für Kinder), und der Zwerg.
Prediger
- Stammbaum: von Formal · zu Moralist, Pädagoge
- Beschreibung:
Pädagoge
- Stammbaum: von Prediger · zu –
- Beschreibung:
Paragraph
- Steckbrief: Paragraph
- Stammbaum: von Formal · zu –
- Beschreibung:
Gerechtigkeitssinn
- Stammbaum: von – · zu Zorn, Amok
- Verwandt: Rache, Groll, Neid, Moralist.
- Entgleisung: der Verfolger und Rechthaber. Im Extrem der gekränkte Anspruch des Amokläufers.
- Trigger: „Der andere hat mehr bekommen.“ Zwei Kapuzineraffen bekommen für dieselbe Aufgabe ein Stück Gurke und sind zufrieden. Dann bekommt einer eine Weintraube. Der andere, der weiter Gurke bekommt, wirft sie dem Forscher ins Gesicht und rüttelt am Gitter (Brosnan und de Waal, 2003).
- Bannung: offen.
- Beschreibung:
„Mir steht etwas zu.“ Die Welt hat ihm nicht gegeben oder weggenommen, was ihm zusteht. Andere dagegen haben es bekommen. Das ist ungerecht. In der Folge Hass, Wut, Rache, auch wegen der Demütigung.
Michael Kohlhaas (Kleist, nach einem wirklichen Fall aus dem 16. Jahrhundert): Einem Pferdehändler werden zwei Pferde unrechtmäßig abgenommen und zuschanden geritten. Er will nur sein Recht. Am Ende hat er Wittenberg angezündet und wird hingerichtet. Kleist nennt ihn im ersten Satz „einen der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“. Kohlhaas bekommt seine Pferde am Ende zurück, wohlgenährt, und es nützt nichts mehr.
Der gekränkte Anspruch: Der Soziologe Michael Kimmel hat Amokläufer untersucht und fand immer wieder dasselbe Gefühl: Mir stand etwas zu, eine Frau, eine Stelle, Achtung, und die Welt hat es mir verweigert. Andere haben es bekommen, die es weniger verdient haben. Er nennt das „aggrieved entitlement“. Die Kette: Gerechtigkeitssinn → Kränkung und Demütigung → Groll → Hass, Wut, Rache.
In der Politik: Trump spielt auf diesem Klavier bei seinen Anhängern. Im März 2023 sagte er: „Für die, denen Unrecht getan und die verraten wurden: Ich bin eure Vergeltung.“ Die Politikwissenschaftlerin Katherine Cramer fand auf dem Land in Wisconsin das Gefühl, die Städte bekämen Geld, Aufmerksamkeit und Respekt, und man selbst werde übergangen, und nannte ihr Buch „The Politics of Resentment“. Auf demselben Klavier spielt auch, wer gegen „das eine Prozent“ wettert, das sich alles nimmt. Das Gefühl ist dasselbe, verschieden ist nur, wem die Schuld gegeben wird.
Im Recht: Darum kann dieser Dämon so entfesselt handeln: Er ist im Recht. Scham, Mitleid und Hemmung sind die Gegenspieler der Grausamkeit, aber sie wirken nur, solange der Täter weiß, dass er Unrecht tut. Fühlt er sich im Recht, haben sie keinen Ansatzpunkt. Das gute Gewissen ist der Passierschein. Der Anthropologe Alan Fiske und der Psychologe Tage Rai haben 2014 das Buch Virtuous Violence veröffentlicht, „Tugendhafte Gewalt“. Ihr Befund: Der größte Teil der Gewalt wird nicht gegen die eigene Moral verübt, sondern aus ihr heraus, als Blutrache, Ehrenmord, Strafe, Krieg und Lynchjustiz. Die Täter sind überzeugt, das Richtige zu tun. Roy Baumeister kam schon 1997 in Evil zum selben Schluss: Wer Böses tut, hält sich fast nie für böse, sondern meist für das Opfer oder für den Rächer.
Beim Lynchmord an Jesse Washington in Waco 1916 wirkten drei Dämonen zusammen: Der Gerechtigkeitssinn gab das Recht, der Stammesbruder die Meute und die Häme die Freude. Keiner allein hätte das gekonnt. Auf den Postkarten hält sich keiner der lachenden Menschen für einen Unmenschen (siehe Bannung).