Grundlagen

Version vom 13. Oktober 2026, 23:37 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge) (Wer zuerst kommt; Die Haltung; Kreis von Haltung und Vorstellung (mit Freigabe))

Entwurf, wird überarbeitet.

Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die Hauptseite besser einordnen.

Ausgangspunkt: der Rationalist

Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da. Entstehungsgeschichte

Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.

Erster Begriff: Materie

Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.

Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.

Immaterialismus

Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.

Zweiter Begriff: Vergangenheit

Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.

Tatsächlich begegnen wir nur Dokumenten von einer Vergangenheit in der Gegenwart. Zweiter Hauptsatz

Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.

Der Boden fällt weg

Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.

Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.

Diese Kette ist nicht gegenwärtig.

Entstehungsgeschichte

Die Frage: Was wirkt jetzt?

Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.

Es sind gegenwärtig aktive Mächte.

Es sind DÄMONEN.

Entstehungsgeschichte

Was ein Dämon ist

Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.

  • Hunger: was er will. Der Sammler will haben und nicht hergeben.
  • Trigger: was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.
  • Verhalten und Welt: Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.
  • Ansteckung: Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.
  • Bannung: wie man ihn loswird (siehe Bannung).
  • Entgleisung: der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.
  • Stark und schwach: Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.
  • Stimmungen: Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.

Wie man das prüft

Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite Hexe steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.

Was daraus folgt

  • Der Stammbaum: Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe Stammbaum und die Wesenliste (Wesen 1 bis Wesen 5).
  • Zwiewirklichkeit: Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der Zwerg sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.
  • Wer zuerst kommt: Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der Choleriker ist gereizt über eine Widrigkeit, der Kobold belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der Groll hält Tage.
  • Die Haltung: Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe Dank). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die Kameradschaft beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.
  • Der Kreis von Haltung und Vorstellung: Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe Denken ist Tanz). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.
  • Der Anlass in der Phantasie: Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der Groll lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.
  • Bannung: Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen oder die Verknüpfung durch eine andere ersetzen. Siehe Bannung.

Was es nicht ist

Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe Die alten Götter). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.

Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.

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