Zweiter Hauptsatz
Dem Irrtum über die Vergangenheit kam ich auf die Spur beim Nachdenken über den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.
Ich habe dieses Thema an anderer Stelle ausführlich dargestellt und will hier daher nur die wesentlichen Punkte wiedergeben.
Der zweite Hauptsatz gilt, wenn die statistischen Gesetze ausschließlich in Richtung der Zukunft gelten und nicht in Richtung der Vergangenheit.
Dann wird Kaffee in einem geschlossenem System in Richtung der Zukunft kälter.
Die Anwendung der statistischen Gesetze in Richtung der Vergangenheit führt zu einem falschen Ergebnis.
Dieses Ergebnis stimmt nicht damit überein was tatsächlich passiert.
Im wirklichen Leben wird heißer Kaffee in Richtung der Zukunft kälter.
Wenn man die Statistik in Richtung der Vergangenheit anwendet, dann wird laut Berechnung Kaffee in Richtung der Vergangenheit kälter.
Also wird er da in Richtung der Zukunft heißer.
Das ist offensichtlich nicht das was in der Realität passiert.
Es muss irgendeinen Grund dafür geben, warum die Anwendung in Richtung der Vergangenheit zu einem falschen Ergebnis führt.
Warum gelten die statistischen Gesetze der Thermodynamik nicht in Richtung der Vergangenheit?
Hier kommt jetzt Occam`s Razor ins Spiel:
>>Ziehe niemals mehr Annahmen heran, als zur Erklärung notwendig sind.
Die Existenz der Vergangenheit ist eine Annahme.
Ist sie auch eine notwendige Annahme?
Mal sehen was passiert, wenn ich auf diese Annahme verzichte.
Nochmal.
Frage:
Warum gelten die statistischen Gesetze nicht in Richtung der Vergangenheit?
Antwort:
Weil eine Vergangenheit nicht existiert.
Einwand:
Aber wir besitzen doch in der Gegenwart Dokumente aus der Vergangenheit, z.B. Saurierknochen.
Diese beweisen doch die Existenz der Vergangenheit.
Folglich existiert die Vergangenheit.
Wenn keine Vergangenheit existiert, dann würden wir doch auch keine Dokumente von ihr besitzen.
Stimmt das?
>>Wenn die Erde eine Kugel wäre, dann müssten doch die Antipoden mit dem Kopf nach unten an der Erde hängen.<<
>>Wenn die Erde rotieren würde, dann müssten doch die Menschen ins Weltall geschleudert werden.<<
>>Wenn keine Vergangenheit existiert, dann würden wir keine Dokumente aus der Vergangenheit besitzten.<<
Stimmt das ?
Das stimmt nicht.
Die Existenz der Vergangenheit ist nicht nötig für die Existenz von Dokumenten aus einer Vergangenheit.
Die Vergangenheit existiert nicht.
Sie ist vergangen.
Sie war.
Sie ist nicht mehr.
Ihre Existenz wurde vernichtet.
Es reicht aus, dass die Gegenwart existiert.
In dieser Gegenwart gibt es gewisse Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten sprich Gegenwart-werden von potentiellen Ergeignissen gemäß den bekannten und auch unbekannten physikalischen Gesetzen.
Die Frage ist:
Werden wir gemäß der Naturgesetze in ferner Zukunft Dokumente über die momentane Gegenwart besitzen?
Die Antwort ist: Ja.
Erklärung:
Tiere sterben in der Gegenwart.
Tiere sinken in der Gegenwart zum Grund des Teiches.
Tiere sedimentieren allmählich in der Gegenwart und werden allmählich in der Gegenwart versteinert.
Den Text den ich hier schreibe werde ich in der Zukunft lesen können. Dafür sorgen die Naturgesetze (und so hoffe ich) auch die Festplatten meines Provider.
Folglich haben wir in der Zukunft Dokumente über die augenblickliche Gegenwart.
Daran ist nichts besonderes. Dies entspricht lediglich der gewöhnlichen Anwendung der physikalischen Gesetze.
War es nicht der ursprüngliche Sinn der Naturwissenschaft zutreffende Voraussagen zu machen?
Wie werden wir in der Zukunft diese Zeugnisse benennen, wenn wir sie vorfinden?
Richtig: Wir nennen sie Dokumente aus der Vergangenheit.
Hierbei unterliegen wir der Illusion, dass die Vergangenheit genau so eine reale und feste Existenz hat wie die Gegenwart.
Wir begegnen ihr schließlich auf Schritt und Tritt. Sie ist uns überall gegenwärtig.
Aber das ist nur ein Irrtum.
Tatsächlich begegnen wir nur Dokumenten von einer Vergangenheit in der Gegenwart.
Wir begegnen nicht der Vergangenheit selber.
Wir unterliegen da einer optisch-perspektivischen Täuschung in der art wie wir uns auch durch ein Bild täuschen lassen. Durch das Geschick des Künstlers vermeinen wir in die Tiefe und Ferne zu erblicken. Wir sehen eine Perspektive.
Obwohl das Bild direkt platt vor unserer Nase hängt.
Genauso vermeinen wir in den Dokumenten in die Tiefe und Ferne der Vergangenheit zu blicken.
Obwohl wir die Dokumente direkt vor unserer gegenwärtigen Nase haben.
Die vergangenen Ereignisse aber existieren nicht mehr.
Sie sind ausradiert. Sie sind ausgelöscht.
Sie sind vernichtet.
Sie sind vergangen.
Das eben ist die Bedeutung des Wortes "Vergangenheit".
Ihre Existenz war nur eine vorübergehende - und jetzt sind sie nicht mehr - sind nicht mehr jetzt.
Numquam ponenda est pluralitas sine necessitate.
Noch ein Hinweis für die Herren Relativitätstheoretiker:
Relativistische Gleichzeitigkeit ist nicht dasselbe wie "Gleichzeitigkeit am selben Ort".
Sonst hätte es Einstein nicht für nötig gefunden sie extra zu definieren.
Letztere schließt die Existenz des mit mir gleichzeitigen Objektes ein.
Relativistische Gleichzeitigkeit aber nicht!
Es ist eine Schande hierfür dasselbe Wort "gleichzeitig" zu verwenden.
Das sind nämlich zwei völlig verschiedene Dinge!
Es existiert kein Messverfahren mit dem die gegenwärtige Existenz raumartig getrennter Ereignisse nachgewiesen werden kann.
Nennt mir doch einfach eines!
Das gibt es nicht.