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* '''Sinn, Sinne, sinnen:''' Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben. | * '''Sinn, Sinne, sinnen:''' Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben. | ||
* '''Der Anlass in der Phantasie:''' Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben. | * '''Der Anlass in der Phantasie:''' Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben. | ||
* '''Gespenster:''' Das sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist: Julius Cäsar, Napoleon. Man hat sie nie getroffen, aber man sieht die Schemen. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen. | * '''Gespenster:''' Das sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist: Julius Cäsar, Napoleon. Man hat sie nie getroffen, aber man sieht die Schemen. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen. | ||
:'''Der Ansatz.''' Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern. | |||
:'''Die Kultur.''' Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Die Literatur schafft Gespenster-Figuren und Gespenster-Welten, die man vor dem geistigen Auge sieht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten. | :'''Die Kultur.''' Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Die Literatur schafft Gespenster-Figuren und Gespenster-Welten, die man vor dem geistigen Auge sieht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten. | ||
:'''Alltäglich.''' Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003). | :'''Alltäglich.''' Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003). | ||