Grundlagen: Unterschied zwischen den Versionen

K
Namen mit Körper: Zorn, Groll, Wut (mit Freigabe)
K (Magie (mit Freigabe))
K (Namen mit Körper: Zorn, Groll, Wut (mit Freigabe))
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* '''Wörter verlieren den Körper:''' Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische ''ghost'' war altenglisch ''gast'', „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.<br /><br />So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).<br /><br />Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.
* '''Wörter verlieren den Körper:''' Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische ''ghost'' war altenglisch ''gast'', „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.<br /><br />So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).<br /><br />Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.
* '''Begreifen:''' Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. ''Begreifen'' hieß zuerst „berühren, anfassen“, ''Begriff'' „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische ''comprehendere'' „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“
* '''Begreifen:''' Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. ''Begreifen'' hieß zuerst „berühren, anfassen“, ''Begriff'' „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische ''comprehendere'' „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“
* '''Namen mit Körper:''' Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. ''Angst'' kommt von althochdeutsch ''angust'', die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch ''ankhein'' „zusammendrücken“ und lateinisch ''angere'' „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. ''Zweifel'' hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische ''dubitare'' heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. ''Fühlen'' gehört zum Tasten: Altenglisch ''felan'' hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. ''Dank'' und ''denken'' haben dieselbe Wurzel: Das altenglische ''þanc'' hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. ''Inspiration'' ist das Einhauchen (lateinisch ''inspirare''), ''Idee'' das Gesehene (griechisch ''idein'', „sehen“).
* '''Namen mit Körper:''' Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. ''Angst'' kommt von althochdeutsch ''angust'', die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch ''ankhein'' „zusammendrücken“ und lateinisch ''angere'' „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. ''Zweifel'' hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische ''dubitare'' heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. ''Zorn'' hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu ''zerren'' und ''trennen''; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. ''Groll'' gehört zu ''grollen'', dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch ''grellen'', „laut vor Zorn schreien“. ''Wut'' hieß althochdeutsch ''wuot'', „Raserei“, gotisch ''wōds'' „besessen“. Verwandt sind altnordisch ''óðr'', „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch ''vātēs'', „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der ''Wüterich'' hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. ''Fühlen'' gehört zum Tasten: Altenglisch ''felan'' hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. ''Dank'' und ''denken'' haben dieselbe Wurzel: Das altenglische ''þanc'' hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. ''Inspiration'' ist das Einhauchen (lateinisch ''inspirare''), ''Idee'' das Gesehene (griechisch ''idein'', „sehen“).
* '''Der Anlass in der Phantasie:''' Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.
* '''Der Anlass in der Phantasie:''' Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.
* '''Bannung:''' Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen oder die Verknüpfung durch eine andere ersetzen. Siehe [[Bannung]].
* '''Bannung:''' Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen oder die Verknüpfung durch eine andere ersetzen. Siehe [[Bannung]].