Wesen 4: Leib, Nest und Lust: Unterschied zwischen den Versionen

K
Eitelkeit ausgebaut; Poser: Theophrast (mit Freigabe)
K (Öde: zu Nörgler (mit Freigabe))
K (Eitelkeit ausgebaut; Poser: Theophrast (mit Freigabe))
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* Die leere Form der Geltung.
* Die leere Form der Geltung.
* Beschreibung: Die Geltung, die durch die Zustimmung anderer gegeben wird: Preise und Auszeichnungen (siehe [[#Geltung|Geltung]]). La Rochefoucauld: „La vertu n'irait pas si loin si la vanité ne lui tenait compagnie.“ (Die Tugend käme nicht so weit, wenn die Eitelkeit ihr nicht Gesellschaft leistete.)
* Beschreibung: Die Geltung, die durch die Zustimmung anderer gegeben wird: Preise und Auszeichnungen (siehe [[#Geltung|Geltung]]). La Rochefoucauld: „La vertu n'irait pas si loin si la vanité ne lui tenait compagnie.“ (Die Tugend käme nicht so weit, wenn die Eitelkeit ihr nicht Gesellschaft leistete.)
'''Das Wort.''' „Eitel“ hieß ursprünglich leer, nichtig (althochdeutsch ''ītal''), so wie das lateinische ''vanitas''. Die Leere steckt schon im Wort.
'''Ehrgeiz im Kleinen.''' Theophrast nennt den Eitlen Μικροφιλοτιμία, „Ehrgeiz im Kleinen“: „a striving for honor in small things“. Beim Essen will er neben dem Gastgeber sitzen. Er zahlt mit frisch geprägten Münzen. Seiner zahmen Dohle kauft er eine kleine Leiter und einen Schild aus Bronze. Stirbt sein Hund, setzt er ihm ein Denkmal: „Fido, Pure Maltese.“ Er kauft einen neuen Anzug, solange der alte noch gut ist, und seine Zähne sind immer weiß.
'''Von außen.''' Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“
'''Eitelkeit heute.''' Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).
Schopenhauers Satz gilt noch: Die Eitelkeit ist gesprächig, der Stolz schweigsam. Young Jee Han, Joseph Nunes und Xavier Drèze fanden 2010: Wer reich ist und Geltung braucht, kauft die Tasche mit dem großen Logo, die jeder erkennt. Wer reich ist und sie nicht braucht, kauft die Tasche ohne Logo, die nur Kenner erkennen. Der eine spricht zu allen, der andere nur zu seinesgleichen.
'''Sprüche:''' „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Sehen und gesehen werden.“ – „Kleider machen Leute.“ – „Wer schön sein will, muss leiden.“


== Poser ==
== Poser ==
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'''Die Vorderbühne.''' Erving Goffman beschrieb 1959 das Alltagsleben als Theater, mit einer Vorderbühne, auf der man vor Publikum spielt, und einer Hinterbühne, auf der man unbeobachtet ist (''The Presentation of Self in Everyday Life''). Der Poser lebt auf der Vorderbühne.
'''Die Vorderbühne.''' Erving Goffman beschrieb 1959 das Alltagsleben als Theater, mit einer Vorderbühne, auf der man vor Publikum spielt, und einer Hinterbühne, auf der man unbeobachtet ist (''The Presentation of Self in Everyday Life''). Der Poser lebt auf der Vorderbühne.
'''Bei Theophrast''' ist der Eitle auch schon Poser. Den Kopf des geopferten Ochsen nagelt er gegenüber der Haustür an, damit jeder Besucher sieht, was er geopfert hat. Nach der Reiterparade gibt er die Ausrüstung dem Knecht und stolziert in Sporen über den Markt. Bei Vorführungen in seiner eigenen Halle kommt er als Letzter herein, damit die Zuschauer sagen: „That's the gentleman to whom the place belongs.“