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Das ist kein Unterdrücken. Der Psychologe Daniel Wegner bat Versuchspersonen, fünf Minuten lang nicht an einen weißen Bären zu denken. Jedes Mal, wenn er ihnen doch einfiel, sollten sie eine Glocke läuten. Sie läuteten ständig. Unterdrücken füttert den Dämon. Zur Vergangenheit erklären heißt nicht „Denk nicht daran“, sondern „Das ist vorbei“. Der Trigger darf kommen, aber er bekommt kein Futter mehr. | Das ist kein Unterdrücken. Der Psychologe Daniel Wegner bat Versuchspersonen, fünf Minuten lang nicht an einen weißen Bären zu denken. Jedes Mal, wenn er ihnen doch einfiel, sollten sie eine Glocke läuten. Sie läuteten ständig. Unterdrücken füttert den Dämon. Zur Vergangenheit erklären heißt nicht „Denk nicht daran“, sondern „Das ist vorbei“. Der Trigger darf kommen, aber er bekommt kein Futter mehr. | ||
== Prägung == | |||
Wird ein Trigger über eine Dauer regelmäßig ausgelöst, kommt es bei bestimmten Dämonen zu einer Prägung. Man kann auf vieles geprägt werden: auf einen Menschen, auf Musik, auf Orte. Eine Prägung ist immer schwer aufzulösen. | |||
* '''Achtung.''' Jemand korrigiert einen immer wieder, und jedes Mal hat er recht. Das Unerwartete verblüfft. Ist es etwas Edles, wie überragende Fähigkeiten, staunt man, und aus dem Staunen wird Achtung. Nach einem Monat ist die Hochachtung dauerhaft geprägt. Solange die Prägung noch läuft, lässt sie sich leicht auflösen, durch Eigenschaften, die man verachtet: „Dieser Mensch ist nicht der, für den ich ihn gehalten habe.“ Ist sie vollzogen, ist sie auch dann schwer aufzulösen. Eigenschaften, die man schätzt, festigen sie. Was man verachtet und was man schätzt, ist verschieden. Der eine verachtet Arroganz und Falschheit. Ein anderer ist von Arroganz beeindruckt und sieht in der Falschheit etwas Wertvolles, etwa Ehrgeiz. | |||
* '''Verliebtsein''' ist die Prägungsphase auf den zukünftigen Partner. Man hat ständig das Gesicht vor Augen (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]), und das ist mit Lust verbunden. | |||
* '''Negative Prägung''' geschieht sehr schnell: die Angst vor Spinnen, ein Unfall, erlebte Gewalt. John Garcia und Robert Koelling zeigten 1966: Wurde Ratten nach einem neuen Geschmack übel, mieden sie ihn nach einem einzigen Mal noch nach mehr als zwei Monaten. Die Furcht vor Spinnen und Schlangen wird nach Arne Öhman und Susan Mineka (2001) bevorzugt gelernt, wie von einem eigenen Modul für Furcht. | |||
* '''Musik und Orte.''' Musik aus der Jugend und dem frühen Erwachsenenalter weckt die meisten persönlich bedeutsamen Erinnerungen (Krumhansl und Zupnick 2013). | |||
Konrad Lorenz hat die Prägung bei Graugänsen beschrieben: Das Küken folgt dem Ersten, was es nach dem Schlüpfen sieht. Dort geschieht sie in einem kurzen Zeitfenster der Kindheit. Beim Menschen geschieht sie ein Leben lang, in der Jugend aber viel stärker. Das ist biologisch begründet: In der Jugend wird gelernt und experimentiert, später ist der Charakter gefestigt, und der Geschmack ändert sich nicht mehr so leicht. Lieder sind noch Jahrzehnte später am beliebtesten bei Männern, die beim Erscheinen 14 waren (Stephens-Davidowitz 2018). Die Persönlichkeit selbst reift allerdings noch bis etwa 40 (Roberts, Walton, Viechtbauer 2006). | |||
== Die Sonne == | == Die Sonne == | ||