Wesen 4: Leib, Nest und Lust: Unterschied zwischen den Versionen

Zur Navigation springen Zur Suche springen
K
Eitelkeit: Was er sagt, was er fühlt (mit Freigabe)
K (Eitelkeit: Schauspieler (mit Freigabe))
K (Eitelkeit: Was er sagt, was er fühlt (mit Freigabe))
Zeile 368: Zeile 368:


'''Von außen.''' Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“
'''Von außen.''' Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“
'''Was er sagt, was er fühlt.''' Die Eitelkeit lebt in der Lücke zwischen dem, was einer sagt, und dem, was er sich davon verspricht. Meist ist das keine Berechnung. Er glaubt selbst an das Bild, das er zeigt.
* '''Der Bescheidene''' sagt: „Ach, das war doch nichts Besonderes.“ Er hofft auf den Widerspruch: „Doch, das war großartig!“ So bekommt er das Lob und darf sich obendrein bescheiden fühlen. Manchmal verkleidet er das Angeben als Klage, etwa wenn er stöhnt, er komme vor lauter Einladungen zu nichts mehr. Die anderen durchschauen das meistens.
* '''Der Erfolgreiche''' sagt: „Eigentlich wollte ich nie Karriere machen. Es hat sich so ergeben.“ Der Erfolg soll mühelos aussehen, und gerade dafür will er bewundert werden.
* '''Der Gekränkte''' sagt: „Mir ist völlig egal, was andere über mich denken.“ Dann liegt er die halbe Nacht wach wegen einer einzigen Bemerkung. Wer am lautesten sagt, die Meinung der anderen sei ihm egal, hängt oft am stärksten an ihr.
* '''Der Unauffällige''' sagt: „Ich brauche keine Aufmerksamkeit, ich mach einfach mein Ding.“ Er möchte gerade dafür bewundert werden. Seine Eitelkeit ist, keine zu zeigen.
Das Gefühl verrät, was der Satz verbirgt. Lob hebt ihn, ausbleibendes Lob enttäuscht ihn, Kritik kränkt ihn, und wer mehr Beachtung bekommt, wird zum Rivalen. Er sieht sich mit den Augen der anderen. Darum macht die Eitelkeit abhängig, obwohl sie sich überlegen fühlen will: Sie muss sich immer wieder neu beweisen, denn sicher ist man der Bewunderung nie.


'''Eitelkeit heute.''' Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).
'''Eitelkeit heute.''' Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).

Navigationsmenü