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K (Handel und Mythen: Altertum, heute, Reimport)
K (Rammler heißt jetzt Begehren)
 
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* '''Stark und schwach:''' Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.
* '''Stark und schwach:''' Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.
* '''Stimmungen:''' Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.
* '''Stimmungen:''' Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.
* '''Mehrklang:''' In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.
* Von mir: '''Solo und Hintergrund:''' Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.
* '''Musik:''' Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.
* Von mir: '''Stimme und Musik:''' Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.
* Von mir: '''Die Form des Gefühls:''' Susanne Langer beschrieb 1942 in ''Philosophy in a New Key'', dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.
== Atmung ==
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.
'''Angst und Atmung.''' Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.
:Von mir: '''Belege.''' Homma und Masaoka (2008, ''Experimental Physiology'' 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, ''International Journal of Psychophysiology'' 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, ''Health Psychology'' 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, ''Biological Psychology'' 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, ''Physiology & Behavior'' 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, ''Neuroscience & Biobehavioral Reviews'' 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, ''Philosophical Transactions of the Royal Society B'' 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).


== Zwiewirklich ==
== Zwiewirklich ==
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Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen". Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen". Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).
'''Urgefühle.''' Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.
'''Mikroausdrücke und Dämonen.''' Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.
'''Verhör.''' Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, ''Frontiers in Psychology''); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].
== Gründe und Gefühle ==
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.
:Von mir: '''Wie bei den Gespenstern.''' Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.
:Von mir: '''Quellen.''' Jonathan Haidt (2001, ''Psychological Review'' 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, ''Behavioral and Brain Sciences'' 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, ''Descartes' Irrtum'') beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.
:Von mir: '''Beispiele.''' Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.


== Wie man das prüft ==
== Wie man das prüft ==
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.
== Erleben und Geschmack ==
:'''Objektiv durch Zeugnis.''' Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.
:'''Die Musik.''' Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.
:'''Der Schlager.''' Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.
:'''Der Hunger bestimmt den Geschmack.''' Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.
:Von mir: '''Der Zustand ändert den Geschmack.''' Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.
:Von mir: '''Prüfbar.''' „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.
== Einer oder mehrere ==
:Von mir: '''Die Frage.''' Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?
:'''Hardware und Software.''' Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?
:'''Übertragbar.''' Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.
:Von mir: '''Ansteckung.''' Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.
:Von mir: '''Das gleichbleibende Ich.''' Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.
:Von mir: '''Der Maßstab.''' Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.
:Von mir: '''Ein Lied, viele Instrumente.''' Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.
:Von mir: '''Ob jemand zu Hause ist.''' Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.
== Stil und Gestaltung ==
:'''Jeder in seiner Welt.''' Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.
:'''Die Äußerung entspricht der Art.''' Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.
:'''Die Wirkung.''' Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.
:'''Urdämonen.''' Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Begehren, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.
:Von mir: '''Ekman.''' Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.
:'''Das Alter der Urdämonen.''' Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.
:Von mir: '''Panksepp.''' Jaak Panksepp beschrieb in ''Affective Neuroscience'' (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.
:'''Beispiele.'''
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.
:'''Zweierlei Staunen.''' Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrfurcht|Ehrfurcht]]: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.
:Von mir: '''Bekannte Namen.''' Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).
:Von mir: '''Die Sauberkeit.''' Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in ''Science'', dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.
== Kultur und Ordnung ==
:'''Die Kultivierung.''' Die Entwicklung eines komplexen Seelenlebens musste kultiviert werden, so wie auch die Geschichte der Musik. Da gibt es einerseits Regeln und andererseits viele Stimmen und Dynamik. Und menschliche Kultur hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Es ist nämlich sonst instabil.
:'''Die Mittel.'''
::* Gesetze
::* Mythen als Vorbild
::* Erziehung
::* Kultur, zum Beispiel Musik
:'''Gelernt, nicht vorgegeben.''' Man kann einwenden, ein solches Seelenleben wäre instabil. Das ist ein Strohmann-Argument, weil es die Komplexität erst durch Kultur erlernt.
:'''Älter als die Zivilisation.''' Das kam nicht erst mit der Zivilisation. Der größte Teil dieser sozialen Kultur wurde vermutlich schon vor dem Ackerbau entwickelt.
:Von mir: '''Vor dem Ackerbau.''' Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (um 9500 v. Chr.) zeigt große Steinkreise, die Jäger und Sammler vor dem Ackerbau errichtet haben. Christopher Boehm beschrieb 1999 in ''Hierarchy in the Forest'', dass Jäger-Sammler-Gruppen Gleichheit durch Spott und Ächtung erzwingen. Smith u. a. fanden 2017 in ''Nature Communications'' bei den Agta, dass gute Geschichtenerzähler als Partner bevorzugt werden.
:'''Der Junge mit den Perlen.''' Bei Jägern und Sammlern gibt es ein Grab, in dem einem Jungen Perlen mitgegeben wurden, deren Herstellung etwa drei Jahre Arbeit entsprach. Das ist ein Beweis für die Herrschaft von Mythen. Diese Ausdauer ist nur möglich, wenn man an eine Geschichte glaubt. Status, Trauer und Pflicht können nur so lange anhalten, wenn es eine fortdauernde Geschichte dazu gibt.
:Von mir: '''Sungir.''' Das Grab liegt bei Sungir (Sunghir) in Russland und ist über 30.000 Jahre alt. Zwei Jugendliche liegen dort kopf an kopf, mit Elfenbeinperlen, Elfenbeinspeeren und rotem Ocker. Die Genetik zeigt, dass auch der als Mädchen gedeutete Jugendliche männlich war.
:'''Die Grundlage der Kultur.''' Mythen sind die Grundlage jeder Kultur. Dadurch wird auch das Wissen weitergegeben. Das ist heute nicht anders: Bücher erzählen Geschichten.
:Von mir: '''Erzählend gespeichert.''' Walter Ong beschrieb 1982 in ''Orality and Literacy'', dass Kulturen ohne Schrift ihr Wissen in Erzählungen, Formeln und Rhythmus bewahren, weil man sich Geschichten merken kann. Nunn und Reid (2016) fanden in australischen Küstenerzählungen Erinnerungen an den Meeresanstieg, die mehr als 7.000 Jahre zurückreichen.
:'''Das Ich als Geschichte.''' Was man das Ich benennt, ist nur eine Geschichte, die sich im Laufe der Zeit aus den Erfahrungen gebildet hat. Und Menschen erzählen sich am Tag andauernd selbst, wer sie sind. Siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]].
:Von mir: '''Erzählte Identität.''' Dan McAdams beschrieb in ''The Stories We Live By'' (1993) die Identität als innere Lebensgeschichte, die ein Mensch fortlaufend schreibt. Daniel Dennett nannte das Selbst 1991 einen „Schwerpunkt der Erzählung“ (center of narrative gravity).


== Was daraus folgt ==
== Was daraus folgt ==
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:'''Alltäglich.''' Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).
:'''Alltäglich.''' Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).
* '''Bannung:''' Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].
* '''Bannung:''' Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].
* '''Wenn der Dämon sein Ziel verliert:''' Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.
* '''Wenn der Dämon sein Ziel verliert:''' Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist das Begehren und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.
* '''Wenn der Dämon nicht anspringt:''' Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.
* '''Wenn der Dämon nicht anspringt:''' Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.
* '''Eine Chemie der Gefühle:''' Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (''Menschliches, Allzumenschliches'', Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“
* '''Eine Chemie der Gefühle:''' Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (''Menschliches, Allzumenschliches'', Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“
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:'''Die Kultur.''' Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.
:'''Die Kultur.''' Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ ''Nature'' 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, ''The Cultural Origins of Human Cognition'', 1999).
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ ''Nature'' 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, ''The Cultural Origins of Human Cognition'', 1999).
:'''Handel und Mythen.''' Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte.
:'''Handel und Mythen.''' Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage.
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: ''Graecia capta ferum victorem cepit'' ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).
:'''Das Nachäffen.''' Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.
:'''Das Nachäffen.''' Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.
# Man sieht es.
# Man sieht es.

Aktuelle Version vom 31. Oktober 2026, 18:40 Uhr

Entwurf, wird überarbeitet.

Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die Hauptseite besser einordnen.

Ausgangspunkt: der Rationalist

Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da. Entstehungsgeschichte

Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.

Erster Begriff: Materie

Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.

Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.

Immaterialismus

Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.

Zweiter Begriff: Vergangenheit

Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.

Tatsächlich begegnen wir nur Dokumenten von einer Vergangenheit in der Gegenwart. Zweiter Hauptsatz

Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.

Der Boden fällt weg

Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.

Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.

Diese Kette ist nicht gegenwärtig.

Entstehungsgeschichte

Die Frage: Was wirkt jetzt?

Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.

Es sind gegenwärtig aktive Mächte.

Es sind DÄMONEN.

Entstehungsgeschichte

Werden und Sein

Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.

Parmenides oder Heraklit.

Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.

Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.

Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.

Das ist ein Hütchen Spiel.

Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.

Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.

Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.

Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.

Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.

Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.

Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.

Ein kybernetischer Kreis.

Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.

Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.

Wolken generieren Kondensationskeime.

Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.

Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.

Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.

Das ist nicht „Sein", sondern ein dynamischer Vorgang.

Fortpflanzung in der Zeit.

Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.

Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.

Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken" verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat" (virtus dormitiva). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.

Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu" (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend" (Fragment 30).

Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.

Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.

In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).

Der Kreis der Dämonen

Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.

Und tatsächlich finden wir das immer wieder.

Durch 2 Mechanismen.

Intern und sozial.

Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.

Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.

Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.

Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.

Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.

Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft. Hauptseite

Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).

Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei" steht: „Die Farbe schrie." Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.

Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.

Was ein Dämon ist

Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.

  • Hunger: was er will. Der Sammler will haben und nicht hergeben.
  • Trigger: was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.
  • Verhalten und Welt: Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.
  • Ansteckung: Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.
  • Bannung: wie man ihn loswird (siehe Bannung).
  • Entgleisung: der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.
  • Stark und schwach: Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.
  • Stimmungen: Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.
  • Mehrklang: In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.
  • Von mir: Solo und Hintergrund: Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die Empörung, in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.
  • Musik: Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.
  • Von mir: Stimme und Musik: Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.
  • Von mir: Die Form des Gefühls: Susanne Langer beschrieb 1942 in Philosophy in a New Key, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.

Atmung

Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.

  • Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.
  • Der Büßer ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.
  • Der Schreck hält den Atem an.
  • Wer Angst hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.
  • Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.

Angst und Atmung. Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.

Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.

Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.

Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:

  • Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.
  • Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.
  • Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.

Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.

Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.

Von mir: Belege. Homma und Masaoka (2008, Experimental Physiology 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, International Journal of Psychophysiology 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, Health Psychology 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, Biological Psychology 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, Physiology & Behavior 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, Neuroscience & Biobehavioral Reviews 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, Philosophical Transactions of the Royal Society B 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).

Zwiewirklich

Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.

Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.

Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des Zwerg.

Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.

Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.

Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.

Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.

Das Unbewusste

Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.

Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.

Mein Gefühl ist ein gemischtes.

Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.

Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.

Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.

Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.

Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.

Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.

Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.

So funktioniert übrigens Musik.

Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.

Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen". Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).

Urgefühle. Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.

Mikroausdrücke und Dämonen. Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.

Verhör. Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.

Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke (2008) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, Frontiers in Psychology); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress (2011), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei Ekel.

Gründe und Gefühle

Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.

Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.

In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.

Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.

Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.

Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.

Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.

Von mir: Wie bei den Gespenstern. Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den Gespenstern: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.
Von mir: Quellen. Jonathan Haidt (2001, Psychological Review 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, Behavioral and Brain Sciences 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei Das Unbewusste. Antonio Damasio (1994, Descartes' Irrtum) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.
Von mir: Beispiele. Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.

Wie man das prüft

Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite Hexe steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.

Erleben und Geschmack

Objektiv durch Zeugnis. Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.
Die Musik. Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.
Der Schlager. Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.
Der Hunger bestimmt den Geschmack. Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.
Von mir: Der Zustand ändert den Geschmack. Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.
Von mir: Prüfbar. „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.

Einer oder mehrere

Von mir: Die Frage. Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?
Hardware und Software. Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?
Übertragbar. Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.
Von mir: Ansteckung. Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe Was ein Dämon ist). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.
Von mir: Das gleichbleibende Ich. Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.
Von mir: Der Maßstab. Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.
Von mir: Ein Lied, viele Instrumente. Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.
Von mir: Ob jemand zu Hause ist. Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.

Stil und Gestaltung

Jeder in seiner Welt. Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.
Die Äußerung entspricht der Art. Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.
Die Wirkung. Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.
Urdämonen. Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Begehren, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.
Von mir: Ekman. Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.
Das Alter der Urdämonen. Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.
Von mir: Panksepp. Jaak Panksepp beschrieb in Affective Neuroscience (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.
Beispiele.
  • Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.
  • Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.
  • Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.
  • Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.
  • Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.
  • Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.
  • In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.
Zweierlei Staunen. Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die Ehrfurcht: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.
Von mir: Bekannte Namen. Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).
Von mir: Die Sauberkeit. Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in Science, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.

Kultur und Ordnung

Die Kultivierung. Die Entwicklung eines komplexen Seelenlebens musste kultiviert werden, so wie auch die Geschichte der Musik. Da gibt es einerseits Regeln und andererseits viele Stimmen und Dynamik. Und menschliche Kultur hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Es ist nämlich sonst instabil.
Die Mittel.
  • Gesetze
  • Mythen als Vorbild
  • Erziehung
  • Kultur, zum Beispiel Musik
Gelernt, nicht vorgegeben. Man kann einwenden, ein solches Seelenleben wäre instabil. Das ist ein Strohmann-Argument, weil es die Komplexität erst durch Kultur erlernt.
Älter als die Zivilisation. Das kam nicht erst mit der Zivilisation. Der größte Teil dieser sozialen Kultur wurde vermutlich schon vor dem Ackerbau entwickelt.
Von mir: Vor dem Ackerbau. Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (um 9500 v. Chr.) zeigt große Steinkreise, die Jäger und Sammler vor dem Ackerbau errichtet haben. Christopher Boehm beschrieb 1999 in Hierarchy in the Forest, dass Jäger-Sammler-Gruppen Gleichheit durch Spott und Ächtung erzwingen. Smith u. a. fanden 2017 in Nature Communications bei den Agta, dass gute Geschichtenerzähler als Partner bevorzugt werden.
Der Junge mit den Perlen. Bei Jägern und Sammlern gibt es ein Grab, in dem einem Jungen Perlen mitgegeben wurden, deren Herstellung etwa drei Jahre Arbeit entsprach. Das ist ein Beweis für die Herrschaft von Mythen. Diese Ausdauer ist nur möglich, wenn man an eine Geschichte glaubt. Status, Trauer und Pflicht können nur so lange anhalten, wenn es eine fortdauernde Geschichte dazu gibt.
Von mir: Sungir. Das Grab liegt bei Sungir (Sunghir) in Russland und ist über 30.000 Jahre alt. Zwei Jugendliche liegen dort kopf an kopf, mit Elfenbeinperlen, Elfenbeinspeeren und rotem Ocker. Die Genetik zeigt, dass auch der als Mädchen gedeutete Jugendliche männlich war.
Die Grundlage der Kultur. Mythen sind die Grundlage jeder Kultur. Dadurch wird auch das Wissen weitergegeben. Das ist heute nicht anders: Bücher erzählen Geschichten.
Von mir: Erzählend gespeichert. Walter Ong beschrieb 1982 in Orality and Literacy, dass Kulturen ohne Schrift ihr Wissen in Erzählungen, Formeln und Rhythmus bewahren, weil man sich Geschichten merken kann. Nunn und Reid (2016) fanden in australischen Küstenerzählungen Erinnerungen an den Meeresanstieg, die mehr als 7.000 Jahre zurückreichen.
Das Ich als Geschichte. Was man das Ich benennt, ist nur eine Geschichte, die sich im Laufe der Zeit aus den Erfahrungen gebildet hat. Und Menschen erzählen sich am Tag andauernd selbst, wer sie sind. Siehe Die Erfindung des Ich.
Von mir: Erzählte Identität. Dan McAdams beschrieb in The Stories We Live By (1993) die Identität als innere Lebensgeschichte, die ein Mensch fortlaufend schreibt. Daniel Dennett nannte das Selbst 1991 einen „Schwerpunkt der Erzählung“ (center of narrative gravity).

Was daraus folgt

  • Der Stammbaum: Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe Stammbaum und die Wesenliste (Wesen 1 bis Wesen 5).
  • Zwiewirklichkeit: Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der Zwerg sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.
  • Wer zuerst kommt: Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der Choleriker ist gereizt über eine Widrigkeit, der Kobold belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der Groll hält Tage.
  • Die Haltung: Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe Dank). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die Kameradschaft beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.
  • Der Kreis von Haltung und Vorstellung: Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe Denken ist Tanz). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.
  • Der Geist folgt dem Körper: Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C'est en faisant tout comme s'ils croyaient, en prenant de l'eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal's“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (Zur Genealogie der Moral III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (Nikomachische Ethik II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.
  • Wörter verlieren den Körper: Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische ghost war altenglisch gast, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.

    So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).

    Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die Geltung. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.
  • Begreifen: Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. Begreifen hieß zuerst „berühren, anfassen“, Begriff „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische comprehendere „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“
  • Namen mit Körper: Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. Angst kommt von althochdeutsch angust, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch ankhein „zusammendrücken“ und lateinisch angere „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. Zweifel hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische dubitare heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. Zorn hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu zerren und trennen; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. Groll gehört zu grollen, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch grellen, „laut vor Zorn schreien“. Wut hieß althochdeutsch wuot, „Raserei“, gotisch wōds „besessen“. Verwandt sind altnordisch óðr, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch vātēs, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der Wüterich hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. Fühlen gehört zum Tasten: Altenglisch felan hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. Dank und denken haben dieselbe Wurzel: Das altenglische þanc hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. Inspiration ist das Einhauchen (lateinisch inspirare), Idee das Gesehene (griechisch idein, „sehen“).
  • Sinn, Sinne, sinnen: Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.
  • Der Anlass in der Phantasie: Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der Groll lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.
  • Gespenster: Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.
Der Ansatz. Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.
Die Kultur. Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie Stürmische Höhen (Wuthering Heights, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.
Im Alltag. Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).
Das Wort. Gespenst hieß althochdeutsch gispensti, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu spanan, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.
Alltäglich. Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).
  • Bannung: Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe Bannung.
  • Wenn der Dämon sein Ziel verliert: Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie das Begehren im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist das Begehren und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.
  • Wenn der Dämon nicht anspringt: Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.
  • Eine Chemie der Gefühle: Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (Menschliches, Allzumenschliches, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“
  • Die Basis: Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.
  • Politik: Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.
  • Charakter: Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.
Nietzsche beschreibt dasselbe (Also sprach Zarathustra, Von der Erlösung):
Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.
Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“
[…]
„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!
Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.
Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!
[…]
Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.
Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.

Die Interessen der Dämonen

Die Interessen der Dämonen. Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.
Der Sex. Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.
Der Krieg. Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.
Die Baumhäuser. Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, Life up in a Korowai tree house; Stasch, Society of Others, 2009; Sidney Sussex College über Stasch)
Der Groll. Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“
Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.
Die Erfindung der Vergangenheit. Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.
Die Süchte. Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., American Journal of Preventive Medicine 1998). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, American Journal of Psychiatry 1985); sie ist bis heute umstritten.
Die Vögel. Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.
Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch regent honeyeater), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., Current Biology 2021; Bericht). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., Nature 2007). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.
Die Kultur. Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.
Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., Nature 1999). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, The Cultural Origins of Human Cognition, 1999).
Handel und Mythen. Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.
Powell, Shennan und Thomas (2009) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., 2016). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor (Phoenician alphabet). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn (Neelis; Liu Xinru). Heute: Keller (2004) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, 1998). Maystre u. a. (2014) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden (Arráez-Aybar 2015), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte (Aurispa). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit (National Library of Medicine). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: Graecia capta ferum victorem cepit (Greco-Roman relations). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung (Casson, Travel in the Ancient World).
Das Nachäffen. Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.
  1. Man sieht es.
  2. Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.
  3. Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.
  4. Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.
Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, Archiv für die gesamte Psychologie 1). Gallese u. a. (Brain 1996) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok (2009) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).
Die Orientierung. Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.
Die Assoziationskette. Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.
Die Sequenz. Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.
Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (The Problem of Serial Order in Behavior, Volltext; Rosenbaum 2007). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).
Die Geschichten. Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.
Der Geruch. Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.
Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, 2002). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe Herz 2016). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, 1966).
Geruch und Sehen. Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.
Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, 2005: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., 2004); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte (École Supérieure du Parfum; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.
Die Schimpansen. Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, Chimpanzees are vengeful but not spiteful, PNAS 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).

Magie

Von innen. Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.

Dämonen beschwören. Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im Crawdaddy Magazine über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: enchant kommt vom lateinischen incantare, „darüber singen“, charm von carmen, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort Hokuspokus von den Worten der Messe, hoc est corpus meum, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.

Was es nicht ist

Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe Die alten Götter). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.

Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.

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