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* Beschreibung: Liebe ist, dass einem der andere wichtig ist und man ihn schützen will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] hat dabei eine ganz starke Rolle. Die Liebe kann eine sexuelle Komponente haben, aber die kann auch fehlen. Die Mutter liebt ihr Kind. | * Beschreibung: Liebe ist, dass einem der andere wichtig ist und man ihn schützen will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] hat dabei eine ganz starke Rolle. Die Liebe kann eine sexuelle Komponente haben, aber die kann auch fehlen. Die Mutter liebt ihr Kind. | ||
:'''Liebe und Begehren.''' Begehren gibt es auch ohne Liebe, und Liebe auch ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Wo beides zusammenkommt, ist es [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]]. | :'''Liebe und Begehren.''' Begehren gibt es auch ohne Liebe, und Liebe auch ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Wo beides zusammenkommt, ist es [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]]. | ||
:'''Verliebt.''' Das Begehren will sexuelle Nähe und Lust. Wer verliebt ist, will einen bestimmten Menschen, dessen Aufmerksamkeit, Zuneigung und möglichst exklusive Bindung. Beides kann zugleich aktiv sein: Ein Mädchen kann sich stundenlang vorstellen, wie ein bestimmter Junge sie küsst, berührt und begehrt. Das ist nicht einfach unschuldige Romantik. Und ein Junge kann genauso von einer bestimmten Person schwärmen, ohne dass sexuelle Befriedigung sein vorrangiges Ziel ist. Beides sind eigenständige, evolutionär miteinander gekoppelte Wesen. Das Verliebtsein stammt nicht vom Begehren ab. | |||
:'''Und die Bewunderung.''' Die Liebe hat auch von der Verehrung etwas, vom Staunen über den anderen. Die Bewunderung der Schönheit ist [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]]. | :'''Und die Bewunderung.''' Die Liebe hat auch von der Verehrung etwas, vom Staunen über den anderen. Die Bewunderung der Schönheit ist [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]]. | ||
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* Mimik: Die Pupillen sind weit, die Lippen leicht geöffnet, der Blick bleibt hängen, wendet sich ab und kehrt zurück. | * Mimik: Die Pupillen sind weit, die Lippen leicht geöffnet, der Blick bleibt hängen, wendet sich ab und kehrt zurück. | ||
* Haltung: Der Körper wendet sich dem anderen zu, sucht Nähe und Berührung, die Stimme wird leiser und tiefer. | * Haltung: Der Körper wendet sich dem anderen zu, sucht Nähe und Berührung, die Stimme wird leiser und tiefer. | ||
* Bannung: | * Bannung: Befriedigung beruhigt das Begehren vorübergehend. Auch Ablenkung, das Vermeiden von Reizen und eine bewusste Neubewertung der Situation können seinen Einfluss vermindern. Das Verlangen ist aber kein Befehl. Man kann es empfinden, ohne ihm zu folgen. | ||
* Beschreibung: Das Begehren richtet den Menschen auf einen anderen Menschen aus und treibt ihn zur sexuellen Vereinigung. Ein Reiz weckt es, die Erfüllung stillt es. | * Beschreibung: Das Begehren richtet den Menschen auf einen anderen Menschen aus und treibt ihn zur sexuellen Vereinigung. Ein Reiz weckt es, die Erfüllung stillt es. | ||
:'''Trigger.''' Etwas fungiert als Trigger, was vorher keiner war. Begehren ist in der Entwicklung flüssig. Der Mensch hat gelernt, aufrecht zu gehen. Jetzt waren die Reize von hinten nicht mehr da, also brauchte es vorne auch Reize für die Stimulation. Außerdem wurde die Kindheit länger, also wurden die Milchdrüsen länger gebraucht. Auf einmal wurden Brüste sexy. Milchdrüsen haben auch Tiere, vielleicht waren es zuerst Fettreserven. | :'''Trigger.''' Etwas fungiert als Trigger, was vorher keiner war. Begehren ist in der Entwicklung flüssig. Der Mensch hat gelernt, aufrecht zu gehen. Jetzt waren die Reize von hinten nicht mehr da, also brauchte es vorne auch Reize für die Stimulation. Außerdem wurde die Kindheit länger, also wurden die Milchdrüsen länger gebraucht. Auf einmal wurden Brüste sexy. Milchdrüsen haben auch Tiere, vielleicht waren es zuerst Fettreserven. | ||
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:Von mir: '''Die Abwechslung.''' Begehren und Erregung sinken bei Gewöhnung an den Partner und steigen bei einem neuen (Übersicht 2014). In Versuchen zeigen Männer stärkere Vorliebe für sexuelle Abwechslung, den Coolidge-Effekt (Archives of Sexual Behavior 2020). Eine Befragung in 52 Ländern fand den Wunsch nach mehr Partnern bei Männern durchgehend (Schmitt 2003). | :Von mir: '''Die Abwechslung.''' Begehren und Erregung sinken bei Gewöhnung an den Partner und steigen bei einem neuen (Übersicht 2014). In Versuchen zeigen Männer stärkere Vorliebe für sexuelle Abwechslung, den Coolidge-Effekt (Archives of Sexual Behavior 2020). Eine Befragung in 52 Ländern fand den Wunsch nach mehr Partnern bei Männern durchgehend (Schmitt 2003). | ||
:Von mir: '''Lust, Anziehung, Bindung.''' Bei Säugetieren trennt Fisher (1998) drei Systeme: die Lust, die zur sexuellen Vereinigung treibt, die Anziehung zu einem bestimmten Partner und die Bindung. Das Begehren ist die erste. Die beiden anderen entsprechen [[#Venus|Venus]] und dem Wesen der [[#Liebe|Liebe]]. Der Kuss dient dabei auch der Prüfung des Partners, besonders bei Frauen (Hughes & Kruger 2014). | :Von mir: '''Lust, Anziehung, Bindung.''' Bei Säugetieren trennt Fisher (1998) drei Systeme: die Lust, die zur sexuellen Vereinigung treibt, die Anziehung zu einem bestimmten Partner und die Bindung. Das Begehren ist die erste. Die beiden anderen entsprechen [[#Venus|Venus]] und dem Wesen der [[#Liebe|Liebe]]. Der Kuss dient dabei auch der Prüfung des Partners, besonders bei Frauen (Hughes & Kruger 2014). | ||
:'''Handlungsweise.''' Das Begehren lenkt die Aufmerksamkeit auf sexuelle Reize. Es verändert die Wahrnehmung: Ein Mensch wird plötzlich nicht mehr hauptsächlich als Gesprächspartner, sondern als begehrenswerter Körper wahrgenommen. Es kann Annäherungsverhalten, Flirten, Imponieren, Fantasieren und die Suche nach Intimität auslösen. Bei starker Aktivierung verändert es sogar die Bewertung von Risiken und Konsequenzen. Was vorher unvernünftig erschien, kann plötzlich verlockend wirken. Dabei ist es nicht zwangsläufig rücksichtslos. Sexuelles Begehren kann mit Zärtlichkeit, Rücksicht und gegenseitiger Lust verbunden sein. Es kann aber auch mit Besitzdenken, [[#Eifersucht|Eifersucht]] oder Dominanzstreben zusammenwirken. | |||
:'''Was es fühlt.''' Das charakteristische Gefühl ist Lust auf etwas, das noch nicht stattgefunden hat. Dazu gehören körperliche Erregung, Erwartung, Spannung, Ungeduld und ein starkes Hinziehen zum begehrten Menschen. Das unterscheidet es vom [[#Mijam|Mijam]]: Der Mijam erfreut sich an einer gegenwärtigen Empfindung. Das Begehren verlangt nach einer zukünftigen. | |||
:'''Das Eigenleben.''' Sexuelles Begehren kann ohne bewusste Entscheidung entstehen. Ein Reiz aktiviert den Trieb, der anschließend selbst nach weiteren Reizen sucht. Er kann Erinnerungen hervorrufen, Fantasien entwickeln und die Aufmerksamkeit immer wieder auf sein Ziel zurücklenken. Das Begehren erzeugt damit teilweise selbst die Bedingungen für seine weitere Aktivierung. | |||
:'''Verbindungen.''' Das Begehren kann sich mit anderen Wesen verbinden: | |||
::* [[#Beschützer|Beschützer]]: Aus sexueller Anziehung entwickelt sich Zärtlichkeit und Fürsorge. | |||
::* [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]: Der sexuelle Erfolg wird zum Beweis der eigenen Attraktivität. | |||
::* [[#Eifersucht|Eifersucht]]: Das Begehren will verhindern, dass ein anderer bekommt, was es selbst begehrt. | |||
::* [[#Venus|Venus]]: Das sexuelle Verlangen verbindet sich mit Idealisierung und dem Wunsch nach dauerhafter Nähe. | |||
:'''Lust, nicht Kinder.''' Das Begehren verfolgt kein bewusstes Fortpflanzungsziel. Evolutionär wurde der Trieb durch seinen Beitrag zur Fortpflanzung begünstigt. Aber das Wesen selbst will Lust, nicht Kinder. | |||
:'''Das eigene Wesen.''' Hier zeigt sich sehr deutlich, wie es ein eigenständiges Wesen ist. Es erwacht mit der Pubertät, kann aber vorher auch schon schwächer da sein. Aber dann beherrscht es die Gedanken. Da setzt ein bestimmtes Wesen die Ziele. | |||
:'''Reiz ohne Mögen.''' Man kann eine Person begehren, nur wegen der Trigger oder Reize, selbst wenn man die nicht mag, oder Bilder. Bilder werden zum Beispiel von der Pornographie genutzt. Das ist eine Milliardenindustrie, die den Bedarf nutzt. | |||
:'''Das Nachlassen.''' Später nimmt es ab, so ab 30 bis 50. Aber das ist individuell. Wenn der Trieb erlischt, hat man die Erinnerung, aber nicht mehr wirklich das Verständnis davon. | |||
:Von mir: '''Der wilde Herr.''' In Platons Politeia (Buch I) erzählt Kephalos, dass der Dichter Sophokles im Alter gefragt wurde, ob er noch zur Liebe fähig sei. Er antwortete sinngemäß, er sei ihr mit großer Freude entkommen, wie einem wilden und rasenden Herrn. | |||
:Von mir: '''Heiß und kalt.''' Wer nicht im Zustand eines Triebs ist, unterschätzt, wie stark der Trieb wirkt, wenn er da ist. Loewenstein (1996) nennt das die Empathielücke zwischen heißen und kalten Zuständen. Sie gilt für Hunger, Durst, Zorn und sexuelle Erregung. Deshalb bleibt die Erinnerung, aber nicht das Verständnis. | |||
:Von mir: '''Das Nachlassen im Verlauf.''' In der Massachusetts Male Aging Study wurden 1.085 Männer zwischen 40 und 70 neun Jahre lang beobachtet. Die sexuelle Funktion nahm ab, bei den Älteren stärker (2004). | |||
:Von mir: '''Wie oft.''' Studierende zählten eine Woche lang ihre Gedanken. Männer kamen im Median auf knapp 19 Gedanken an Sex am Tag, Frauen auf knapp 10. Die Spanne reichte von 1 bis 388 bei Männern und von 1 bis 140 bei Frauen. Die Männer dachten auch öfter an Essen und Schlaf. Das Klischee „alle sieben Sekunden“ stimmt nicht (Fisher u. a., Journal of Sex Research 2012). | |||
:Von mir: '''Erregung gegen Urteil.''' Ariely und Loewenstein (2006) befragten Studenten einmal neutral und einmal erregt. Erregt hielten sie vieles für attraktiv, was sie neutral abgelehnt hatten. Sie waren auch eher bereit, ein „Nein“ zu übergehen (20 gegenüber 45 auf einer Skala von 0 bis 100), und die Bereitschaft zum Kondom sank. Es waren Selbstauskünfte von etwa 24 Männern. | |||
:Von mir: '''Der Körper folgt nicht, das Wesen bleibt.''' Von 76 Männern zwischen 69 und 80 Jahren unter Androgenentzug gaben 29 an, noch Interesse an Sex zu haben. Nur zwei waren noch aktiv (Fode u. a., Journal of Sexual Medicine 2020). | |||
:Von mir: '''Der große Dämon.''' In Platons Symposion sagt Diotima, Eros sei ein großer Dämon und stehe, wie alle Dämonen, zwischen dem Göttlichen und dem Sterblichen (202e). | |||
== Ekstase == | == Ekstase == | ||