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== Spendabel == | == Spendabel == | ||
* Stammbaum: noch ohne Ort | * Stammbaum: noch ohne Ort | ||
* Beschreibung: | * Hunger: Geben und dafür gesehen, bewundert oder geliebt werden. Die Freude daran, dass der andere sich freut. | ||
* Trigger: Ein Anlass zum Schenken: ein Fest, ein Gast, ein Wiedersehen. Eine Runde, die jemand ausgeben kann. Ein Publikum, das zusieht. | |||
* Bannung: Die Gabe ist angenommen, der andere freut sich. Oder das Geld ist alle. | |||
* Mimik: Das Gesicht strahlt, die Augen sind weit, ein breites Lächeln. Der Blick sucht die Reaktion des anderen. | |||
* Haltung: Offen, die Arme weit, die Handflächen nach oben. Die Hand greift zur Brieftasche oder zur Flasche. | |||
* Beschreibung: | |||
:'''Das Geben.''' Der Spendabel gibt mehr, als nötig wäre, und gibt gern. Er lädt ein, zahlt die Runde, schenkt mehr, als man erwartet. Das Geben selbst macht ihm Freude, nicht erst die Gegengabe. | |||
:'''Sprüche.''' | |||
:* Das geht auf mich! | |||
:* Lass mal, ich mach das. | |||
:* Nimm doch, ich hab genug. | |||
:* Ich lade dich ein. | |||
:* Kein Problem, das schaff ich schon. | |||
:'''Vom Sammler unterschieden.''' Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben. Der Spendabel will geben. Beim Sammler ist die Entgleisung der Messi, beim Spendabel der Verschwender. | |||
:'''Der Preis.''' Wer gibt, schafft Bindung und Ansehen. Das ist der alte Brauch des Geschenks: Wer schenkt, verpflichtet den anderen. Marcel Mauss beschreibt das in „Die Gabe“ (1925). | |||
:'''Entgleisung.''' Der Spendabel gibt über seine Verhältnisse. Er wird ausgenutzt, oder er bindet andere durch Schuld, ohne es zu wollen. | |||
== Kamerad == | == Kamerad == | ||
* Stammbaum: noch ohne Ort | * Stammbaum: noch ohne Ort | ||
* Beschreibung: | * Hunger: Zusammengehören durch das gemeinsame Tun. Sich aufeinander verlassen können, einer für den anderen. | ||
* Trigger: Eine gemeinsame Aufgabe, Gefahr oder Anstrengung. Zusammen etwas durchstehen: Dienst, Schicht, Training, Baustelle, Krieg. | |||
* Bannung: Die Aufgabe endet und man geht auseinander. Oder man wird verraten. Dann zerfällt die Kameradschaft. | |||
* Mimik: Offen und ruhig, ein kurzes Nicken, ein trockenes Lächeln. Der Blick sagt: Ich bin da. | |||
* Haltung: Schulter an Schulter, ein Klaps auf den Rücken, ein Handschlag. Man steht nebeneinander und nicht gegenüber. | |||
* Beschreibung: | |||
:'''Die Verlässlichkeit.''' Der Kamerad hilft, ohne dass man bitten muss. Man lässt keinen zurück. Das gilt als selbstverständlich und wird nicht aufgerechnet. | |||
:'''Sprüche.''' | |||
:* Ich bin dabei. | |||
:* Ich hab dich. | |||
:* Wir ziehen das zusammen durch. | |||
:* Keiner bleibt zurück. | |||
:* Einer für alle, alle für einen. | |||
:'''Vom Stammesbruder unterschieden.''' Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]] gehört zur selben Gruppe, durch Trikot, Fahne oder Dialekt, und stößt die Fremden aus. Der Kamerad gehört durch das gemeinsame Tun dazu und braucht keinen Feind außerhalb. Zwei Fremde können in einer Schicht Kameraden werden. | |||
:'''Aus der Gefahr.''' Kameradschaft entsteht besonders unter Druck. Soldaten, Bergsteiger, Feuerwehrleute und Mannschaften beschreiben eine Bindung, die es sonst nicht gibt. Sie hält oft ein Leben lang, auch wenn man sich selten sieht. | |||
:'''Entgleisung.''' Die Kameradschaft deckt Fehler. Man schweigt über das, was einer der Gruppe getan hat, und wer meldet, gilt als Verräter. Aus dem Zusammenhalt wird das Gesetz des Schweigens. | |||
== Mitleid == | == Mitleid == | ||
* Stammbaum: noch ohne Ort | * Stammbaum: noch ohne Ort | ||
* Beschreibung: | * Hunger: Dass das Leiden des anderen aufhört. | ||
* Trigger: Das Leid eines anderen sehen oder hören: Weinen, eine Verletzung, ein Hilferuf. Besonders bei Kindern, Tieren und Schwachen. | |||
* Bannung: Man hilft oder tröstet, und das Leid hört auf. Oder man wendet sich ab, dann stumpft es ab. | |||
* Mimik: Die Stirn ist gerunzelt, die Brauen sind innen hochgezogen, die Augen feucht. Der Kopf ist leicht geneigt. | |||
* Haltung: Zugewandt und vorgebeugt. Die Hand liegt auf dem Arm des anderen oder auf der eigenen Brust. | |||
* Beschreibung: | |||
:'''Das Mitleiden.''' Man leidet mit. Der Körper spielt das Leiden des anderen nach, die Miene, die Haltung, der Schmerz in der Brust. Das ist derselbe Weg wie beim Nachäffen (siehe [[Grundlagen#Die Interessen der Dämonen|Das Nachäffen]]): Man spielt den anderen nach und fühlt ihn dadurch. | |||
:'''Sprüche.''' | |||
:* Der Arme! | |||
:* Das tut mir so leid. | |||
:* Wie schrecklich. | |||
:* Kann ich etwas tun? | |||
:* Ich fühle mit dir. | |||
:'''Vom Beschützer unterschieden.''' Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] handelt und stellt sich vor das Kind. Das Mitleid fühlt zuerst. Aus ihm kann das Handeln folgen, es muss aber nicht. | |||
:'''Nahrung für die Drama Queen.''' Wer Mitleid weckt, bekommt Zuwendung. Die [[#Drama Queen/Heulsuse|Drama Queen]] lebt davon. | |||
:'''Die Gegenstimmen.''' Schopenhauer macht das Mitleid zur Grundlage der Moral (''Über die Grundlage der Moral'', 1840). Nietzsche sieht darin eine Ansteckung, die das Leiden vermehrt. | |||
:'''Entgleisung.''' Das Mitleid wird zum Mitleiden ohne Ende, man trägt das Leid der anderen mit und geht daran zugrunde. Oder es wird herablassend: Man bedauert den anderen und stellt sich über ihn. | |||
== Narzist == | == Narzist == | ||
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== Drama Queen/Heulsuse == | == Drama Queen/Heulsuse == | ||
* Stammbaum: noch ohne Ort | * Stammbaum: noch ohne Ort | ||
* Beschreibung: | * Hunger: Tränen. Das Ergreifende, das Große, das Drama. | ||
* Trigger: Eine schlimme Nachricht oder etwas Widriges, das jemand getan oder unterlassen hat, zum Beispiel nicht zum Geburtstag gratuliert. | |||
* Bannung: offen | |||
* Haltung: Theatralisch. Die Hand an der Stirn oder auf der Brust, die Schultern fallen, der Kopf sinkt in die Hände. | |||
* Beschreibung: | |||
:'''Das Drama.''' Ein Problem wird extrem theatralisch groß aufgebauscht. Drama. Auch um andere zu etwas zu bewegen. | |||
:'''Kopftheater.''' Kopftheater über etwas Widriges, das jemand getan oder unterlassen hat, zum Beispiel nicht zum Geburtstag gratuliert. Endlose Gedanken und Überlegungen zu Vergeltung: „Ich bin dir als Mensch egal.“ „Ich tue nichts mehr für dich.“ | |||
:'''Der Mensch bezahlt.''' Dass ein Dämon sich von einem Gefühl ernährt, bedeutet nicht, dass der Mensch dieses Gefühl genießen muss. Die Drama Queen kann das Drama immer weiter antreiben, obwohl der Mensch darunter leidet. Ein Gedanke erzeugt Kränkung. Die Kränkung erzeugt neue Gedanken. Diese steigern wiederum die Kränkung. Man kommt aus dem Kopftheater nicht heraus, obwohl man sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich Ruhe zu haben. Der Dämon bekommt seine Nahrung. Der Mensch bezahlt dafür. | |||
:'''Das Drama als Inszenierung.''' Es gibt Menschen, die sich das Leben nehmen wegen des Dramas, das sie damit bei den anderen inszenieren. Es ist eine Art Rache, oder sie wollen Geltung. Sie spielen es wie ein Theaterstück durch, immer wieder. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] tut dasselbe. | |||
:Das gilt nicht für alle Suizide. Viele entstehen aus Schmerz und Hoffnungslosigkeit, ohne Zuschauer. | |||
:Beim Amok ist beides belegt. Die Täter spielen die Tat lange vorher in der Fantasie durch: In der Mehrzahl der untersuchten Fälle hatten jugendliche Täter intensive Gewaltfantasien und zuvor schwere Kränkungen erlebt, und die Opfer wählen sie nach der Art der Kränkung aus (Robertz 2007, nach dem [https://www.kriminalpraevention.de/infoangebote-des-dfk/news-archiv/news-im-detail/1175.html Forschungsüberblick des Deutschen Forums für Kriminalprävention]). Viele suchen dabei Ruhm: Lankford (2016) nennt sie [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1359178916300027 „fame-seeking rampage shooters“]. | |||
:'''Alles unnötig.''' Der andere hat gar nicht bemerkt, was er falsch gemacht hat. Menschen handeln halt unterschiedlich. | |||
:'''Passiv.''' Eine ganze Industrie erzeugt mit Drama und Cliffhanger Spannung: Literatur, Film, die Hälfte der Soap-Serien. Sie hat Erfolg, weil sie diesen Dämon nährt. | |||
:'''Dialoge und Inszenierungen.''' Die Drama Queen hat endlose Dialoge und Inszenierungen. Das kann zu einer Besessenheit werden ohne Pause, erst recht, wenn ein Groll sie befeuert. Wie in den Soap-Opera-Serien geht es um Ungerechtigkeiten und Intrigen. Alles, was aufregt. Die Autoren dieser Shows benutzen gezielt die Drama Queen, um das zu schreiben. | |||
:'''Theaterregisseur.''' Das ist so ergreifend. Das ist so großartig! Die Drama Queen denkt sich Handlungen aus mit dramatischem Wandel, sie ist so was von kreativ. Sie ist ein Theaterregisseur. Die ganze Literatur wäre ja so langweilig ohne Drama Queen. Die Drama Queen ist ein einziger Cliffhanger. | |||
:'''Sprüche.''' | |||
:* Das passiert immer mir! | |||
:* Ich kann nicht mehr! | |||
:* Ihr versteht mich nicht! | |||
:* Warum immer ich? | |||
:* Das ist das Ende! | |||
:'''Entgleisung.''' Die Umgebung gewöhnt sich daran und nimmt es nicht mehr ernst. Wenn dann wirklich etwas ist, glaubt es niemand (Fabel vom Hirtenjungen, der „Wolf!“ ruft). | |||
== Flegel == | == Flegel == | ||
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== Trotz == | == Trotz == | ||
* Stammbaum: | * Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]] · zu [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Quengler|Quengler]] | ||
* Der Trotz hat seine eigene Dynamik. | * Der Trotz hat seine eigene Dynamik. | ||
* Verwandt: Verachtung, Rache | * Verwandt: Verachtung, Rache | ||