Wesen 3: Beutetier: Unterschied zwischen den Versionen

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== Schreck ==
== Schreck ==
* Stammbaum: von Beutetier · zu Angst, Obacht, Grauen, Verwirrt, Horror, Pedant, Entsetzen, Mißtrauisch, Verbittert, Seufz
* Stammbaum: von Beutetier · zu Angst, Obacht, Grauen, Verwirrt, Horror, Pedant, Entsetzen, Seufz
* Beschreibung:  
* Beschreibung:  


== Angst ==
== Angst ==
* Stammbaum: von Schreck · zu –
* Stammbaum: von Schreck, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verlegener|Verlegener]] · zu Hass
* Beschreibung:  
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]], [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Abergläubischer]]
* Beschreibung: Paul Ekman zählte die Angst zu den Grundgefühlen, die man in allen Kulturen am Gesicht erkennt. Er und Wallace Friesen zeigten 1971 beim Volk der Fore in Neuguinea, das kaum Kontakt zur westlichen Welt hatte, Gesichter und erzählten dazu kleine Geschichten. Die Fore ordneten die meisten Gefühle richtig zu, Angst aber oft der Überraschung. Die Angst kommt vom [[#Schreck|Schreck]].
 
'''Der Feigling.''' Theophrast beschrieb ihn um 319 vor Christus in seinen ''Charakteren'': „Cowardice is a certain shrinking of the heart.“ Auf See hält der Feigling ferne Klippen für Piratenschiffe. In der Schlacht hat er angeblich sein Schwert vergessen, versteckt es unter dem Kissen und sucht es dann lange. Er pflegt lieber einen Verwundeten, als zu kämpfen. Danach beschmiert er sich mit dessen Blut und ruft: „I've saved a comrade!“ Der Feigling ist kein eigenes Wesen. Er hat Angst und ruft deshalb den [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], um sich zu schützen. Das ist eine normale Abfolge und keine Verschmelzung (siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Verschmelzung und Abfolge]]).


== Horror ==
== Horror ==
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== Entsetzen ==
== Entsetzen ==
* Stammbaum: von Schreck · zu –
* Beschreibung:
== Mißtrauisch ==
* Stammbaum: von Schreck · zu –
* Beschreibung:
== Verbittert ==
* Stammbaum: von Schreck · zu –
* Stammbaum: von Schreck · zu –
* Beschreibung:  
* Beschreibung:  
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== Verdammter ==
== Verdammter ==
* Steckbrief: [[Verdammter]]
* Steckbrief: [[Verdammter]]
* Stammbaum: von Grauen · zu Messi, Zombie, Sucht, Traurig
* Stammbaum: von Grauen · zu Messi, Zombie, Sucht, Traurig, Verbittert
* Beschreibung:  
* Beschreibung:  


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== Zombie ==
== Zombie ==
* Steckbrief: [[Zombie]]
* Steckbrief: [[Zombie]]
* Stammbaum: von Verdammter, Hexe/Psychopath · zu Zwerg/Gelehrter, Puppe, Selbstwiegender, Verzweiflung, Repro
* Stammbaum: von Verdammter, Verbittert, Hexe/Psychopath · zu Zwerg/Gelehrter, Puppe, Selbstwiegender, Verzweiflung, Repro
* Trigger: keine Bestätigung der eigenen Handlungen. Nicht Bejahung, sondern Bestätigung: Man wird wie ein Ding behandelt, wie ein Stein. Nichts, was man tut, hat Bedeutung. Alles wird nur ausgelegt. „Deine Meinung ist nicht relevant.“
* Trigger: keine Bestätigung der eigenen Handlungen. Nicht Bejahung, sondern Bestätigung: Man wird wie ein Ding behandelt, wie ein Stein. Nichts, was man tut, hat Bedeutung. Alles wird nur ausgelegt. „Deine Meinung ist nicht relevant.“
* Beschreibung: Das kann daran liegen, dass die Leute nicht schlau genug sind, einen zu verstehen. Oder sie sind so egozentrisch, dass nur Wert hat, was sie selbst tun. Oder sie wollen einen nicht wahrnehmen, weil es eine Gefahr ist, die Eigenart des anderen zu sehen.
* Beschreibung: Das kann daran liegen, dass die Leute nicht schlau genug sind, einen zu verstehen. Oder sie sind so egozentrisch, dass nur Wert hat, was sie selbst tun. Oder sie wollen einen nicht wahrnehmen, weil es eine Gefahr ist, die Eigenart des anderen zu sehen.
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:'''Das Erleben.''' Man funktioniert. Ein Zombie läuft noch tot durch die Gegend. Man kommt nach Hause, setzt sich in den Sessel und erstarrt zu Stein, starrt stundenlang auf die Wand, ohne Antrieb, sich zu bewegen, wie gelähmt. Der Steckbrief sagt: „leerer abwesender Blick“, „starrer festgefrorener Hals“, „lebt hinter einer Glaswand“.
:'''Das Erleben.''' Man funktioniert. Ein Zombie läuft noch tot durch die Gegend. Man kommt nach Hause, setzt sich in den Sessel und erstarrt zu Stein, starrt stundenlang auf die Wand, ohne Antrieb, sich zu bewegen, wie gelähmt. Der Steckbrief sagt: „leerer abwesender Blick“, „starrer festgefrorener Hals“, „lebt hinter einer Glaswand“.
:'''Belege.''' Im ''Still-Face''-Versuch (Edward Tronick, 1978) spielt eine Mutter mit ihrem Baby und macht dann plötzlich ein starres, unbewegtes Gesicht. Sie antwortet auf nichts mehr. Das Baby lächelt, zeigt, ruft, dann weint es, und nach zwei Minuten sackt es zusammen und wendet sich ab. Kipling Williams hat Menschen in einem Ballspiel am Computer ein paar Minuten lang einfach nicht mehr den Ball zugespielt. Schon das senkte messbar ihr Gefühl, dass ihr Dasein Bedeutung hat.
:'''Belege.''' Im ''Still-Face''-Versuch (Edward Tronick, 1978) spielt eine Mutter mit ihrem Baby und macht dann plötzlich ein starres, unbewegtes Gesicht. Sie antwortet auf nichts mehr. Das Baby lächelt, zeigt, ruft, dann weint es, und nach zwei Minuten sackt es zusammen und wendet sich ab. Kipling Williams hat Menschen in einem Ballspiel am Computer ein paar Minuten lang einfach nicht mehr den Ball zugespielt. Schon das senkte messbar ihr Gefühl, dass ihr Dasein Bedeutung hat.
== Verbittert ==
* Stammbaum: von Geltung, Groll, Verdammter · zu Zombie
* Verwandt: Antipode von Stolz
* Mimik: Der Mund zusammengekniffen, die Mundwinkel nach unten.
* Haltung: Leicht gebeugt, die Schultern hängen. Beim Stolz ist der Kopf erhoben und die Brust geweitet.
* Hunger: offen
* Trigger: Enttäuschung, nachdem man sehr viel in eine Herzensangelegenheit investiert hat: eine Aufgabe, ein Werk, eine Person. Man wurde hereingelegt, oder die Freundschaft wird nicht erlangt. Besonders, wenn man gerade keine anderen Projekte hat. Dazu kommen Erschöpfung und allgemeine Unlust an Tätigkeiten.
* Bannung: Erfolg. Es hilft, den Misserfolg auszublenden und sich auf kleine Aufgaben zu konzentrieren. Siehe auch [[Bannung#Der sichere Hafen|Der sichere Hafen]].
* Beschreibung: Ursprünglich will er Erfolg, Sieg oder Freundschaft, im Grunde Geltung. Das klappt nicht. Dann ist da auch ein kleiner Groll. Verbittert ist die Vorstufe des Zombies. Zum Zombie wird man, wenn man lange verbittert ist. Beim Verbitterten ist noch der Drang zum Ziel vorhanden, und das ist der Schmerz: der Drang und das Ziel trotzdem nicht zu erreichen. Der Zombie dagegen hat aufgegeben und ist ohne Hoffnung. Verbittert wird man, wenn man Erfolg will, aber scheitert. Wenn man da viel investiert hat. Der Dämon ist da noch am Arbeiten, aber lässt sich nicht einfach stoppen, weil der schon lange aktiv war. Das ist kein Hunger, schlechte Laune zu haben, wie beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]], der sich gerne ärgert. Der Groll ist verwirrt, wenn ihm sein Wunsch erfüllt wird. Verbitterung löst sich sofort auf, wenn der Wunsch plötzlich doch erfüllt wird.
:'''Wie es dazu kommt.''' Verbittert wird jemand aus Enttäuschung: von Personen, oder weil Ziele nicht erreicht werden, die wichtig sind. Und es gibt keinen Trostpreis, keine andere Erfüllung. Merkmal ist die Hoffnungslosigkeit. Dazu kommt der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]: der Ärger darüber, dass einem Unrecht geschehen ist. Die Verbitterung kann langsam wachsen, nach längerem Scheitern. Sie kann aber auch nach einem einzigen großen Schlag ausbrechen, nach der Kündigung nach vielen Jahren, der Scheidung, dem verlorenen Prozess. Diese Form beschrieb der Psychiater Michael Linden 2003 als „posttraumatische Verbitterungsstörung“: Hoffnungslosigkeit und Wut über die Ungerechtigkeit, oft mit Rachegedanken. Und man wird auch verbittert, wenn andere einen lange gedemütigt und misshandelt haben. Und unglücklich gemacht haben. Das ist enthalten. Da ist das Ziel Glück und Entfaltung, die man nicht erreicht. Also auch scheitern.
:'''Der Stolz.''' Der Stolz zeigt sich mit kleinem Lächeln, weiter Haltung und erhobenen Armen oder Händen in den Hüften (Tracy und Robins 2004).
:'''Wesen.''' Der Verbitterte hat mit der Welt eine Rechnung offen. Er glaubt, zu kurz gekommen zu sein, ungerecht behandelt oder um etwas betrogen worden zu sein, das ihm eigentlich zustand. Anders als der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der unmittelbar angreift, trägt der Verbitterte seine Verletzung über lange Zeit mit sich herum. Er kann ruhig, beherrscht und sogar höflich auftreten. Doch seine Gedanken kehren immer wieder zu dem zurück, was ihm angetan wurde. Er hat nicht einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Seine Enttäuschungen sind zum Maßstab geworden, an dem er neue Erfahrungen beurteilt.
:'''Was er denkt und fühlt.''' Seine Gedanken kreisen häufig um Sätze wie:
:* „Für andere ist immer alles einfacher.“
:* „Ich habe mich mein Leben lang angestrengt, und was habe ich davon?“
:* „Die Guten sind immer die Dummen.“
:* „Das wird sowieso wieder nichts.“
:* „Wenn die wüssten, wie die Welt wirklich ist.“
:* „Warum soll ausgerechnet der glücklich sein?“
:Dabei fühlt er nicht nur Traurigkeit, sondern auch Groll, Neid, Enttäuschung und eine eigentümliche Genugtuung, wenn seine schlechten Erwartungen bestätigt werden. Gerade diese Genugtuung ist wichtig: Der Verbitterte kann sich darüber freuen, dass etwas schlecht ausgeht, weil er dadurch recht behält. Sein Bedürfnis nach Rechtfertigung gerät in Konkurrenz zu seinem Bedürfnis nach Glück. Wieder aufgefrischt wird die Verbitterung durch fremdes Glück, mangelnde Anerkennung, erlebte Ungerechtigkeit und Erinnerungen an frühere Kränkungen.
:'''Seine Sicht auf die Welt.''' Der Verbitterte sieht besonders deutlich, was fehlt, misslingt oder ungerecht ist. Freundlichkeit erscheint ihm verdächtig. Erfolge anderer führt er auf Glück, Beziehungen oder unlautere Vorteile zurück. Gute Nachrichten hält er für Ausnahmen, schlechte für den Beweis einer allgemeinen Regel. Er kann durchaus scharfsinnig sein. Oft erkennt er tatsächliche Missstände, die andere übersehen oder verdrängen. Doch sein Blick ist einseitig geworden. Er sieht die Welt nicht mehr nur kritisch, sondern er erwartet von ihr, dass sie ihn enttäuscht.
:'''Der Kreislauf der Verbitterung.''' Hier liegt der entscheidende Mechanismus. Der Verbitterte erzeugt immer wieder die Erfahrungen, die seine Weltsicht bestätigen. Wer wenig Gutes erwartet, nimmt gute Erfahrungen schlechter wahr. Wer Freundlichkeit misstraut, weist sie zurück. Wer ständig klagt, kann andere Menschen vertreiben. Deren Rückzug bestätigt ihm wiederum, dass auf niemanden Verlass ist. Die Verbitterung erhält sich selbst, indem sie die Bedingungen ihrer eigenen Fortdauer schafft. Der Verbitterte bleibt nicht verbittert, weil er irgendwann einmal enttäuscht wurde. Er bleibt es, weil er seine Enttäuschung fortwährend erneuert.
:'''Sein Verhältnis zum Glück.''' Besonders tragisch ist, dass der Verbitterte sich nach Glück sehnen kann und es zugleich abwehrt. Eine kleine Freude genügt ihm nicht. Ein Erfolg zählt nicht, weil ein größerer möglich gewesen wäre. Eine Entschuldigung reicht nicht, weil sie zu spät kommt. Er verlangt mitunter eine Wiedergutmachung, die niemand mehr leisten kann. Und selbst wenn sie erfolgt, könnte er seine Verbitterung verlieren – und damit auch die Rechtfertigung, auf die er sein Selbstverständnis aufgebaut hat. So wird der Groll zu einem Besitz, den er nicht hergeben will.
:'''Verhalten gegenüber anderen.''' Der Verbitterte klagt, kritisiert, spottet und entwertet. Er kann die Begeisterung anderer durch einen einzigen abfälligen Satz ersticken. Manchmal möchte er, dass andere seine Enttäuschung teilen. Nicht unbedingt aus bewusster Bosheit: Ihre Zustimmung bestätigt ihm, dass seine Sicht auf die Welt richtig ist. Doch Verbitterung muss nicht laut sein. Manche Verbitterte ziehen sich zurück, werden schweigsam und lassen niemanden mehr an sich heran.
:'''Bannung, ausführlich.''' Dem Verbitterten mit dem Hinweis zu begegnen, er solle doch einfach positiv denken, hilft wenig. Er empfindet das leicht als Verkennung seiner Erfahrungen. Entscheidend ist, seinen Anspruch auf die ganze Welt zu begrenzen. Die erlittene Ungerechtigkeit darf wahr bleiben, ohne dass deshalb jede neue Erfahrung nach ihrem Muster beurteilt werden muss. Eine Möglichkeit ist, andere Dämonen zu wecken: Neugier, Humor, Freude, Zuneigung, Tatendrang. Sie müssen nicht beweisen, dass der Verbitterte unrecht hat. Sie müssen ihm nur wieder Erfahrungen ermöglichen, die er nicht beherrscht. Der Verbitterte will, dass die Welt endlich seine alte Rechnung begleicht. Seine Befreiung beginnt, wenn er wieder etwas anderes von ihr wollen kann. Dabei ist Verbitterung nicht mit berechtigter Empörung über Unrecht gleichzusetzen. Sie beginnt dort, wo die erlittene Verletzung das weitere Leben beherrscht und neue Möglichkeiten verschließt.
:'''Belege.''' Bei der Verbitterungsstörung können Rachegedanken Freude auslösen (Linden). Wer Zurückweisung erwartet, reagiert im Streit feindselig und ruft sie hervor (Downey u. a. 1998, siehe [[Stammbaum]]). Allgemeine positive Sätze können bei niedrigem Selbstwert nach hinten losgehen (Wood u. a. 2009, siehe [[#Tolpatsch|Tolpatsch]]).


== Puppe ==
== Puppe ==
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== Verwirrt ==
== Verwirrt ==
* Stammbaum: von Schreck · zu Tölpel, Zweifler, Zauderer, Tolpatsch
* Stammbaum: von Schreck · zu Zweifler, Zauderer, Tolpatsch
* Beschreibung:
 
== Tölpel ==
* Stammbaum: von Verwirrt · zu –
* Beschreibung:  
* Beschreibung:  


== Tolpatsch ==
== Tolpatsch ==
* Stammbaum: von Verwirrt · zu –
* Stammbaum: von Verwirrt · zu –
* Beschreibung:  
* Hunger: Für voll genommen werden. Eine selbständig handelnde Person sein, die respektiert wird. Daran wird er gehindert.
* Trigger: Jemand schaut zu, kontrolliert oder greift ein, während man etwas tut. Das wird zum Kreis: Später muss keiner mehr etwas sagen, man hört die Stimme. Die Unselbständigkeit und das Unvermögen bestätigen die Aussage. Ein Teufelskreis.
* Bannung: Echte Verantwortung: eine Aufgabe ohne Kontrolle ausführen, bei der nur das Ergebnis kontrolliert wird. Wenn man sich bewährt und es gelingt, verstummt die Stimme nicht unbedingt, aber man kann handeln. Gegen die Stimme hilft eine Gegenstimme: sich Sprüche vorsagen und einüben, „Ich darf das.“ „Ich kann das.“
* Beschreibung: Der Tolpatsch ist ungeschickt. Man ist ungeschickt, wenn man nicht frei Erfahrung und Fehler machen darf. Alles kommt darauf an, dass die Dämonen frei handeln können.
:'''Wie es dazu kommt.''' Wird das verhindert, durch ständige Kontrolle oder Gemecker, oder indem einem bei einer Handlung die Dinge aus der Hand gerissen werden („Komm, ich zeig dir, wie das richtig geht“), entsteht durch die ständige Unterbrechung Unsicherheit. Man fühlt sich ständig beobachtet. Dann ist es schwierig, sich auf die Handlung selbst zu konzentrieren. Dazu kommt oft eine innere Stimme: „Darfst du das?“
:'''Der Fluch.''' „Das darfst du noch nicht. Dazu hast du nicht genug Erfahrung.“ Erfahrung bekommt man nur durch Tun. Wer nicht tun darf, bleibt unerfahren, und der Satz bestätigt sich selbst.
:'''Was die Forschung dazu sagt.''' Wer einen eingeübten Ablauf bewusst überwacht, stört ihn (Beilock und Carr 2001). Überbehütete Studierende erleben weniger Autonomie und Kompetenz und sind häufiger depressiv (Schiffrin u. a. 2014).
:'''Selbstgespräch.''' Die Gegenstimme ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]]. Selbstgespräch verbessert die Leistung, mehr bei feinen Fertigkeiten und neuen Aufgaben (Hatzigeorgiadis u. a. 2011, 32 Studien). Allgemeine positive Sätze können bei niedrigem Selbstwert nach hinten losgehen (Wood u. a. 2009).


== Zauderer ==
== Zauderer ==
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== Pedant ==
== Pedant ==
* Stammbaum: von Schreck, Büßer · zu Moralist
* Stammbaum: von Schreck, Büßer · zu Moralist
* Beschreibung:  
* Hunger: Dass es richtig gemacht wird, und zwar von den anderen. Kein Fehler, keine Abweichung, nichts übersehen.
* Trigger: Eine Kleinigkeit ist nicht genau. Eine Zahl, ein Komma, ein Wort, ein Handgriff weicht von der Vorschrift ab.
* Bannung: Es ist korrigiert und stimmt. Oder der andere sagt: „Es ist gut so.“ Dann bleibt der Stachel.
* Mimik: Die Stirn ist gerunzelt, die Lippen sind schmal, der Blick geht auf das Detail. Die Brille wird mit dem Finger hochgeschoben.
* Haltung: Aufrecht und steif. Die Hand rückt Dinge gerade: Stifte, Papiere, Bilder. Der Finger zeigt auf die Stelle, die nicht stimmt.
* Beschreibung:
:'''Herkunft.''' Der Pedant beginnt bei der Angst vor dem Fehler. Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] meldet: Es kann etwas schiefgehen. Der [[Wesen 3: Beutetier#Büßer|Büßer]] erinnert daran, dass ein Fehler Schuld bedeutet. Der Pedant richtet diese Wachsamkeit auf andere und korrigiert sie.
:'''Sprüche.'''
:* Das heißt nicht „…“, sondern „…“.
:* Genau genommen …
:* Das stimmt so nicht ganz.
:* Nur der Ordnung halber …
:* Das muss man schon richtig machen.
:* Das steht aber anders in der Vorschrift.
:* Das ist aber nicht ganz korrekt.
:* Streng genommen stimmt das nicht.
:* Der Begriff ist hier falsch verwendet.
:* Das heißt nicht dasselbe.
:* Bevor wir weitermachen, müssen wir das erst einmal richtigstellen.
:* So kann man das nicht stehen lassen.
:* Das ist wissenschaftlich nicht exakt.
:* Es heißt wegen des Wetters, nicht wegen dem Wetter.
:'''Das Detail über der Sache.''' Der Pedant sieht die Kleinigkeit und verliert die Sache. Er korrigiert die Schreibweise und überhört, was gesagt wird. Das Ganze ist ihm weniger wichtig als der Fehler darin.
:'''Vom Perfektionisten unterschieden.''' Der Perfektionist will selbst etwas richtig machen. Der Pedant korrigiert andere.
:'''Zum Moralisten.''' Aus dem Korrigieren der Kleinigkeit wird das Urteil über den Menschen: Wer schlampt, ist schlecht. Dann ist es der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Moralist|Moralist]].
:'''Entgleisung.''' Der Pedant hält Abläufe auf, weil jede Abweichung ihn stört. Im Beruf wird er zum Bremser, in der Familie zum Dauerkorrigierer.
:'''Auf dem botanischen Kongress.''' Das ist ein interessantes Muster, weil hier die Korrektheit einer Nebensache wichtiger genommen wird als der eigentliche Zweck der Unterhaltung. Auf einem botanischen Kongress wollen Wissenschaftler Erkenntnisse austauschen. Einer berichtet von einer Entdeckung, aber ein anderer unterbricht ihn wegen einer ungenauen Bezeichnung, einer Kleinigkeit in der Methodik oder eines formalen Fehlers. Der Einwand kann vollkommen richtig sein. Trotzdem kann er die Diskussion zerstören.
:'''Der Pedant.'''
:* Handlungsweise: Er isoliert einen kleinen Fehler und behandelt ihn, als wäre er für die gesamte Sache entscheidend. Dabei verliert er den eigentlichen Zweck aus den Augen.
:'''Drei unterschiedliche Motive.''' Drei Typen können äußerlich dasselbe tun.
:* Der echte Pedant: Er empfindet Unordnung, Ungenauigkeit oder Regelverletzungen als unangenehm. Die Korrektur verschafft ihm Erleichterung. Er würde möglicherweise sogar einen Fehler korrigieren, wenn niemand zuschaut.
:* Der Geltungssüchtige: Er benutzt die Korrektur, um seine Kompetenz vorzuführen. Er will demonstrieren, dass er mehr weiß als der Vortragende. Seine eigentliche Botschaft lautet: „Seht her, ich habe einen Fehler entdeckt, den der Experte übersehen hat.“
:* Der destruktive Kritiker: Ihm geht es weniger um Korrektheit als darum, andere herabzusetzen oder ihre Autorität zu beschädigen. Er sucht gezielt nach Angriffspunkten. Ein winziger Fehler genügt, um einen ganzen Vortrag lächerlich zu machen. Hier gibt es eine Überschneidung mit dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Troll|Troll]].
:'''Ein bekannter psychologischer Mechanismus.''' Dazu passt das sogenannte Law of Triviality, auch Bikeshedding genannt, das C. Northcote Parkinson 1957 beschrieb. Menschen diskutieren manchmal unverhältnismäßig lange über leicht verständliche Nebensächlichkeiten, während komplexe, wichtige Fragen wenig Aufmerksamkeit bekommen. Ein Grund: Über Kleinigkeiten kann fast jeder mitreden. Bei anspruchsvollen Fragen fehlt vielen die Kompetenz, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Das könnte auch erklären, weshalb sich manche Kongressteilnehmer an unbedeutenden Details festbeißen. Allerdings muss man in der Wissenschaft unterscheiden: Ein scheinbar kleiner methodischer Fehler kann ein Forschungsergebnis tatsächlich entwerten. Entscheidend ist nicht die Größe des Fehlers, sondern seine Bedeutung für die Aussage.
:'''Der entscheidende Unterschied.''' Der gewissenhafte Wissenschaftler korrigiert einen Fehler, um die Erkenntnis zu verbessern. Der Pedant korrigiert einen Fehler, weil er den Fehler nicht ertragen kann. Der Geltungssüchtige korrigiert ihn, um sich selbst aufzuwerten. Der Troll korrigiert ihn, um eine Reaktion zu provozieren. Das sind vier verschiedene Motive hinter derselben Handlung. Und noch etwas: Der Pedant kann die Regeln perfekt beherrschen und trotzdem den Sinn der ganzen Veranstaltung verfehlen. Er sieht den Fehler, aber nicht das Ziel.


== Traurig ==
== Traurig ==