Wesen 5: Noch ohne Ort: Unterschied zwischen den Versionen

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K (Drama Queen/Heulsuse: Eintrag)
K (Drama Queen: Theaterregisseur)
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:'''Alles unnötig.''' Der andere hat gar nicht bemerkt, was er falsch gemacht hat. Menschen handeln halt unterschiedlich.
:'''Alles unnötig.''' Der andere hat gar nicht bemerkt, was er falsch gemacht hat. Menschen handeln halt unterschiedlich.
:'''Passiv.''' Eine ganze Industrie erzeugt mit Drama und Cliffhanger Spannung: Literatur, Film, die Hälfte der Soap-Serien. Sie hat Erfolg, weil sie diesen Dämon nährt.
:'''Passiv.''' Eine ganze Industrie erzeugt mit Drama und Cliffhanger Spannung: Literatur, Film, die Hälfte der Soap-Serien. Sie hat Erfolg, weil sie diesen Dämon nährt.
:'''Theaterregisseur.''' Das ist so ergreifend. Das ist so großartig! Die Drama Queen denkt sich Handlungen aus mit dramatischem Wandel, sie ist so was von kreativ. Sie ist ein Theaterregisseur. Die ganze Literatur wäre ja so langweilig ohne Drama Queen. Die Drama Queen ist ein einziger Cliffhanger.
:'''Sprüche.'''
:'''Sprüche.'''
:* Das passiert immer mir!
:* Das passiert immer mir!

Version vom 25. Oktober 2026, 04:28 Uhr

Sammlung der Wesen, Wesen, die noch keinen Ort im Stammbaum haben.

Wesen 1: Raubtier – Wüterich · Wesen 2: Raubtier – Vampir · Wesen 3: Beutetier · Wesen 4: Leib, Nest und Lust · Noch ohne Ort

  • Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe Grundlagen).

Heuchler

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Hunger: Anerkennung, Achtung und moralisches Ansehen, ohne die entsprechenden Ansprüche selbst erfüllen zu müssen.
  • Trigger: Eine Gelegenheit, durch die Darstellung eigener Tugend Ansehen oder Vorteile zu gewinnen.
  • Bannung: Der Ruf ist gesichert. Oder er wird entlarvt, dann folgen Leugnen und Gegenangriff.
  • Mimik: Mild und offen, die Augen weich, die Brauen betroffen hochgezogen. Das Lächeln bleibt, wenn der Blick kalt wird.
  • Haltung: Die Hand auf der Brust, der Kopf leicht geneigt, die Stimme gesenkt.
  • Beschreibung:
Zwei Gesichter. Der Heuchler zeigt vor Publikum, was gut ankommt, und handelt anders, wenn niemand hinsieht. Das Wort kommt vom griechischen hypokrites, dem Schauspieler. Er spielt eine Rolle.
Zwei Varianten.
1. Der Heuchler mit Gewissen. Er möchte als guter Mensch gelten, handelt aber entgegen seinen eigenen Maßstäben. Der Widerspruch erzeugt Unbehagen. Deshalb rechtfertigt er sein Verhalten, beschönigt es oder verdrängt unangenehme Tatsachen. Er muss nicht nur andere täuschen, sondern auch sich selbst.
2. Der skrupellose Heuchler. Für ihn ist die Tugend eine Maske, die er nach Bedarf aufsetzt. Er kann genau wissen, dass er seine eigenen Forderungen nicht erfüllt. Das stört ihn nicht, weil für ihn nur zählt, ob die Darstellung ihren Zweck erfüllt. Er muss sich nicht einmal als guten Menschen betrachten. Es genügt, wenn andere das tun.
Die entscheidende Besonderheit. Der Heuchler will den Lohn der Tugend ohne deren Kosten. Er möchte beispielsweise für Ehrlichkeit bewundert werden, ohne selbst auf die Vorteile des Lügens zu verzichten. Damit ist Heuchelei mehr als gewöhnliches Lügen: Sie benutzt gerade die moralischen Maßstäbe anderer Menschen als Mittel zum eigenen Vorteil.
Sein Verhältnis zur Wahrheit. Hier unterscheidet er sich vom Konstrukteur. Der Konstrukteur wählt Gründe danach aus, ob sie seine Überzeugung bestätigen. Er kann aufrichtig glauben, was er behauptet. Der Heuchler stellt dagegen Tugenden zur Schau, die sein tatsächliches Verhalten nicht bestimmen. Beide können zusammenwirken: Der Konstrukteur liefert die Rechtfertigungen, mit denen der Heuchler seine Widersprüche erklärt.
Sprüche.
  • Ich will ja niemanden verurteilen, aber …
  • Ich sage das nur, weil ich mir Sorgen mache.
  • Das würde ich nie tun.
  • Ich bin ja nicht so einer, aber …
Vom Prediger unterschieden. Der Prediger glaubt seine Regel, auch wenn er sie selbst nicht einhält. Der Heuchler benutzt die Regel als Maske. Beim Prediger ist es Schwäche, beim Heuchler ist es Absicht.
Doppelmoral. Für andere gilt der strenge Maßstab, für ihn der milde. Er verurteilt am lautesten, was er selbst tut.
Belege. Tartuffe in Molières gleichnamiger Komödie (1664) ist das Urbild. Im Neuen Testament nennt Jesus die Pharisäer „Heuchler“ (Matthäus 23).
Entgleisung. Er täuscht am Ende sich selbst. Er glaubt seine Rolle und hält sich für gut.

Konstrukteur

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Hunger: Auf der Meinung zu beharren und nicht umzudenken. Eine Form von Revierverteidigung.
  • Trigger: Ein Einwand, der seine Meinung in Frage stellt. Ein schlüssiges Gegenargument.
  • Bannung: Der Einwand ist abgewehrt und die Meinung steht. Oder das Gespräch ist zu Ende.
  • Mimik: Ruhig, die Miene verschlossen. Bei einem Einwand ein kurzes Kopfschütteln, der Blick geht zur Seite oder durch den anderen hindurch. Das Kinn ist leicht gehoben.
  • Haltung: Zurückgelehnt, die Arme verschränkt. Die Hand wischt den Einwand weg.
  • Beschreibung:
Die Wahrheit zurechtbiegen. Der Konstrukteur biegt die Wahrheit zurecht, wie es ihm passt. Im Gegensatz zum Heuchler ist es ihm gar nicht mehr bewusst. Er macht das automatisch.
Gründe nach der Meinung. Er hat eine Meinung, und die Gründe, die er vorbringt, richten sich danach. Wenn man ein schlüssiges Gegenargument bringt, wiederholt er einfach seine Meinung: „Aber ich bin der Überzeugung …“ Gründe sind für ihn nicht etwas, um einen Standpunkt zu belegen, sondern um auf Einwände etwas zu sagen.
Unbemerkt. Das Erstaunliche ist, dass die Leute in der Regel gar nicht bemerken, dass es keine stichhaltigen Gründe sind.
Wer ihn zeigt. Meist unintelligente Leute. Die können keine Logik aufbauen und haben gelernt, auf Argumente mit Lauten zu antworten. Unbelehrbare Leute sind unbelehrbar. Es gibt aber auch intelligente Menschen, die das praktizieren.
Ein Wesen? Ob hinter ihm ein einheitliches Motiv steht, ist offen. Der Typus ist so verbreitet, dass er aufgenommen wird.

Nachtragender

  • Stammbaum: von Groll · zu –
  • Hunger: Dass das erlittene Unrecht nicht vergessen wird und der andere dafür einsteht.
  • Trigger: Eine Kränkung oder ein Unrecht, das nie ausgeglichen wurde. Ein Anlass, der daran erinnert: dieselbe Person, derselbe Ton, ein Jahrestag.
  • Bannung: Der andere entschuldigt sich oder macht es wieder gut. Oder er leidet sichtbar. Ohne beides bleibt der Hunger.
  • Mimik: Der Mund ist zusammengepresst, der Blick kühl und abgewandt. Bei der Erinnerung ziehen sich die Augen zusammen.
  • Haltung: Abgewandt, die Arme verschränkt. Er schweigt und hält Abstand.
  • Beschreibung:
Gedächtnis. Der Nachtragende vergisst nichts. Er behält den Satz, den Tag und den Ton. Der andere hat es längst vergessen, für ihn ist es gegenwärtig.
Sprüche.
  • Das vergesse ich dir nie.
  • Weißt du noch, damals …
  • Ich sage ja nichts.
  • Ich bin nicht nachtragend, aber …
Vorwürfe. Außerdem macht er Vorwürfe.
  • Immer musst du …
  • Nie denkst du an mich.
  • Du hast damals …
  • Das hättest du wissen müssen.
  • Du bist schuld, dass …
  • Das ist wieder typisch für dich.
  • Nach allem, was ich für dich getan habe …
Der Vorwurf unterscheidet sich von der Kritik: Die Kritik gilt der Sache und will eine Änderung. Der Vorwurf gilt der Person und will Schuld festschreiben. Er verwendet „immer“ und „nie“ und macht aus einem einzelnen Vorfall eine Eigenschaft des anderen. Er knüpft an die alte Geschichte an, damit der andere sich nicht entlasten kann.
Von der Rache unterschieden. Die Rache handelt: Sie schlägt zurück. Der Nachtragende handelt nicht. Er hält fest und wartet. Er zeigt es durch Kälte, Schweigen und die alte Geschichte, die bei jedem Streit wieder auftaucht.
Das Buch. Er führt Buch über das, was der andere ihm schuldet. Jede neue Kränkung kommt dazu, und nichts wird abgeschrieben.
Entgleisung. Die Beziehung wird vergiftet. Der andere kann sich nicht mehr entlasten, weil er nicht weiß, was noch offen ist.

Spendabel

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Beschreibung:

Kamerad

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Beschreibung:

Mitleid

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Beschreibung:

Narzist

  • Dasselbe Wesen wie die Hexe, eine andere Ausprägung. Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.
  • Beschreibung: siehe Hexe.

Vasall

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Verwandt: Narzist, Geltung
  • Hunger: Teilhabe an der Macht.
  • Gegenspieler: die Souveränität (siehe Schmarotzer).
  • Beschreibung:

Er schmeichelt nicht, weil er bewundert, sondern weil er an der Macht teilhaben will. Er lobt immer nach oben. Er folgt nur so lange, wie die Macht da ist. Das unterscheidet ihn vom Fan, der den Menschen selbst verehrt, und von Wuff Wuff, der um Anerkennung für sich selbst bettelt. Der Vasall gibt Anerkennung und bekommt Macht dafür.

Am Hof. Der Senator Lindsey Graham nannte Donald Trump im Februar 2016 „a kook“, „crazy“ und „unfit for office“. Im Mai 2016 schrieb er: „If we nominate Trump, we will get destroyed.......and we will deserve it.“ Nach der Wahl wurde er einer von Trumps treuesten Verbündeten.
Theophrast hat ihn um 319 vor Christus als den Schmeichler beschrieben: Er geht mit seinem Gönner spazieren und sagt: „Sieh nur, wie die Leute dich anschauen!“ Er zupft ihm einen Fussel vom Mantel. Wenn der Gönner spricht, bringt er die anderen zum Schweigen und ruft als Erster „Bravo!“. Über einen abgestandenen Witz lacht er, bis er sich den Ärmel in den Mund stopft. Kauft der Gönner Schuhe, sagt er: „Der Fuß ist schöner als der Schuh.“
Nietzsche nennt unter dem, was die vornehme Art verachtet, „der bettelnde Schmeichler“ (Jenseits von Gut und Böse 260).

Schmarotzer

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Verwandt: Lästerer, Täuscher, Geltung
  • Hunger: Geltung, und den eigenen Vorteil.
  • Gegenspieler: die Souveränität. Ehre, Aufrichtigkeit, Wahrheit, direkt sein. Über andere lästert man nicht, außer über das, was wirklich falsch ist (siehe Achtung, Stolz). Nietzsche zählt zu dem, was die vornehme Art verachtet, „der bettelnde Schmeichler, vor Allem der Lügner“, und: „"Wir Wahrhaftigen" - so nannten sich im alten Griechenland die Adeligen.“ (Jenseits von Gut und Böse 260.)
  • Beschreibung:

Er nimmt und gibt nicht. Man gibt ihm, aber wenn man selbst etwas will, passiert nichts. Dazu lästert er über andere, die gerade nicht anwesend sind. Beides gehört zusammen.

Dahinter steht das Bedürfnis nach Geltung. Er weiß eigentlich, dass er nicht so gut ist, und das schmerzt. Diese Minderwertigkeitsgefühle muss er ausblenden, durch Lügen. Indem er andere kleiner macht, steht er selbst größer da. In der Gruppe kommt kaum jemand mit ihm aus, und keiner mag ihn.

Theophrast hat ihn um 319 vor Christus in den Charakteren beschrieben, als den Unverschämten: Er bestiehlt einen Mann und kommt dann wieder, um sich bei ihm Geld zu leihen. Er nimmt Freunde ins Theater mit, zahlt seinen Anteil nicht und bringt am nächsten Tag noch seine Kinder und deren Lehrer mit. Er leiht sich beim Nachbarn Gerste und verlangt, dass man sie ihm nach Hause bringt. Auch bei Theophrast gehört das Lästern dazu: Er beschreibt einen, der Leuten ins Gesicht schmeichelt, über die er hinter ihrem Rücken herzieht, und bei dem die Geschäfte immer dann schlecht laufen, wenn ein Freund etwas leihen will.

Eingeschnappt

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Hunger: Dass die Kränkung gesehen und anerkannt wird. Dass der andere merkt, was er angerichtet hat, und auf ihn zugeht.
  • Trigger: Eine Bemerkung, die als Zurücksetzung oder Kritik ankommt, auch wenn sie nicht so gemeint war. Ein Scherz auf seine Kosten. Eine Einladung, die er nicht bekommen hat.
  • Bannung: Der andere entschuldigt sich und geht auf ihn zu. Ohne das verfliegt es nach einiger Zeit von selbst, oft, ohne dass es angesprochen wird.
  • Mimik: Der Mund ist schmal, der Blick geht zu Boden oder an dem anderen vorbei. Die Mundwinkel hängen. Auf die Frage „Was ist los?“ kommt „Nichts.“
  • Haltung: Abgewandt, die Schultern leicht hochgezogen, die Arme verschränkt. Er zieht sich in eine Ecke zurück.
  • Beschreibung:
Der Rückzug. Der Eingeschnappte reagiert auf die Kränkung mit Rückzug. Er wird still, antwortet knapp und sucht keinen Streit. Der andere soll selbst merken, was los ist.
Sprüche.
  • Schon gut.
  • Mach nur.
  • Ich sage ja nichts.
  • Nein, nein, ist alles in Ordnung.
  • Ich bin nicht beleidigt.
  • Dann eben nicht.
Vom Nachtragenden unterschieden. Der Nachtragende hält die Kränkung fest, über Wochen und Jahre, und führt Buch. Der Eingeschnappte ist kurz beleidigt, und es geht vorbei. Beim einen steht die Vergangenheit im Mittelpunkt, beim anderen der Augenblick.
Vom Trotz unterschieden. Der Trotz verweigert, was verlangt wird. Der Eingeschnappte verweigert, was er sonst gibt: Gespräch, Lächeln, Nähe. Der Trotz ist laut, der Eingeschnappte ist leise.
Entgleisung. Der Eingeschnappte wird zum Dauergekränkten. Der andere muss immer auf der Hut sein und sagt am Ende gar nichts mehr.

Drama Queen/Heulsuse

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Hunger: Tränen. Das Ergreifende, das Große, das Drama.
  • Trigger: Eine schlimme Nachricht oder etwas Widriges, das jemand getan oder unterlassen hat, zum Beispiel nicht zum Geburtstag gratuliert.
  • Bannung: offen
  • Haltung: Theatralisch. Die Hand an der Stirn oder auf der Brust, die Schultern fallen, der Kopf sinkt in die Hände.
  • Beschreibung:
Das Drama. Ein Problem wird extrem theatralisch groß aufgebauscht. Drama. Auch um andere zu etwas zu bewegen.
Kopftheater. Kopftheater über etwas Widriges, das jemand getan oder unterlassen hat, zum Beispiel nicht zum Geburtstag gratuliert. Endlose Gedanken und Überlegungen zu Vergeltung: „Ich bin dir als Mensch egal.“ „Ich tue nichts mehr für dich.“
Alles unnötig. Der andere hat gar nicht bemerkt, was er falsch gemacht hat. Menschen handeln halt unterschiedlich.
Passiv. Eine ganze Industrie erzeugt mit Drama und Cliffhanger Spannung: Literatur, Film, die Hälfte der Soap-Serien. Sie hat Erfolg, weil sie diesen Dämon nährt.
Theaterregisseur. Das ist so ergreifend. Das ist so großartig! Die Drama Queen denkt sich Handlungen aus mit dramatischem Wandel, sie ist so was von kreativ. Sie ist ein Theaterregisseur. Die ganze Literatur wäre ja so langweilig ohne Drama Queen. Die Drama Queen ist ein einziger Cliffhanger.
Sprüche.
  • Das passiert immer mir!
  • Ich kann nicht mehr!
  • Ihr versteht mich nicht!
  • Warum immer ich?
  • Das ist das Ende!
Entgleisung. Die Umgebung gewöhnt sich daran und nimmt es nicht mehr ernst. Wenn dann wirklich etwas ist, glaubt es niemand (Fabel vom Hirtenjungen, der „Wolf!“ ruft).

Flegel

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Verwandt: Stammesbruder, Trotz, Grober
  • Hunger: Keiner eigener.
  • Trigger: Keiner. Die Belehrung, die ihm regelmäßig begegnet, weckt allenfalls den Trotz. Sie ist nicht der Trigger des Flegels.
  • Bannung: Nur durch Druck, wo er empfindlich ist. Was das ist, ist individuell und hängt davon ab, was ihm wichtig ist. Er kann Manieren lernen, weil er die Gunst der Maid erlangen will (Balz), oder weil die Gruppe ihn ausschließt (Stammesbruder). Belehrung dagegen weckt beim Flegel aus Trotz nur den Trotz.
  • Beschreibung: Dem Flegel fehlt die Form. Umgangsformen sind anerzogen, oder es gibt eine Veranlagung, sie sich selbst anzueignen. Er hat sie nie gelernt. Das Fehlen ist kein Motiv, aber der Typus ist verbreitet. Beim Flegel aus Trotz muss etwas da sein, das sich gegen Belehrung wehrt und abschottet.
Bei Theophrast. Er heißt dort Ἀγροικία: „Boorishness is ignorance of good form.“ Der Bauer in der Stadt trinkt starken Wein und geht dann in die Volksversammlung, spricht laut und trägt Stiefel, die zu groß sind. Er staunt über einen Ochsen oder eine Ziege, nascht aus der Speisekammer und trinkt den Wein unverdünnt. In der Stadt fragt er jeden Vorübergehenden nach dem Preis für Häute und Speck und singt im Bad.
Der Blick von oben. Wer die Form gelernt hat, trägt sie als Gespenst bei sich. Die Mutter hat einem beigebracht, beim Essen nicht den Ellbogen und Unterarm vor dem Teller aufzustützen: Wir sind keine Bauern. Wenn man es bei anderen sieht, steht das Gespenst daneben und sagt: Was für ein Pöbel. Die komplizierten Umgangsformen von Adel und Queen, Sitte und Etikette, sind die Steigerung davon.
Das Wort. Flegel hieß ursprünglich das Werkzeug zum Dreschen. Im 16. Jahrhundert wurde daraus der „Bauer, Grobian“, später „Mensch ohne Takt und Manieren, Lümmel“ (Pfeifer).
Zwei Arten. Der eine Flegel hat die Form nie gelernt. Er kennt sie nicht und braucht keinen Widerstand dafür. Der andere ist ein Flegel aus Trotz. Er wurde regelmäßig belehrt, auch von anderen, und hat sich jahrelang widersetzt. Dazu gehört viel Energie. Das wird zur Gewohnheit, und die Gewohnheit nennt man Charakter. Verwandt sind der Stammesbruder, der die eigene Art verteidigt, und der Trotz.

Trotz

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Der Trotz hat seine eigene Dynamik.
  • Verwandt: Verachtung, Rache
  • Trigger: Druck, ein Befehl, oder unterschätzt werden: „Das schaffst du nie.“
  • Bannung: offen.
  • Beschreibung:

Das Kind stampft mit dem Fuß auf und sagt: „Jetzt erst recht.“ Je mehr man es drängt, desto fester steht es.

Der Trotz sagt: „Euch zeige ich es.“ Er bettelt nicht um Anerkennung wie Wuff Wuff. Er will das Weltbild derer umwerfen, die sich überlegen fühlen, ohne verstanden zu haben.

  • Schopenhauer legte seine Vorlesung in Berlin absichtlich auf dieselbe Stunde wie Hegel. Zu Hegel kamen zweihundert Studenten, zu ihm fast keiner. Er schrieb trotzdem weiter, jahrzehntelang ohne Leser.
  • Wegener: Die Geologen lachten über seine wandernden Kontinente. Er hielt fest. Dreißig Jahre nach seinem Tod bewies die Plattentektonik, dass er recht hatte.

Menschenfreund

  • Stammbaum: noch ohne Ort
  • Gemeint ist der soziale Menschenfreund.
  • Verwandt: Beschützer, Tröster, Mitleid. Zu unterscheiden vom Moralisten.
  • Entgleisung: das Helfersyndrom im engen Sinn. Es braucht den Hilflosen, um sich wertvoll zu fühlen, und wird unruhig, wenn der andere selbständig wird. Selten.
  • Trigger: jemand in Not, ein Hilferuf.
  • Bannung: offen.
  • Beschreibung:

Gütige Menschenfreunde, die ungelogen Menschen Gutes tun wollen. Es gibt viele Ärzte und Pfleger, die es glücklich macht, anderen zu helfen.

Hunger: einem anderen helfen. Sättigung: Der Patient geht gesund nach Hause, und er freut sich.

Angelegt: Ein Erwachsener hängt Wäsche auf, lässt eine Klammer fallen und greift vergeblich danach. Ein anderthalbjähriges Kind krabbelt hin, hebt die Klammer auf und gibt sie ihm, ohne dass jemand es bittet oder lobt. Und in einem Versuch bekamen Leute morgens Geld, die einen sollten es für sich ausgeben, die anderen für jemand anderen. Am Abend waren die glücklicher, die es verschenkt hatten.

Henry Dunant geriet 1859 als Geschäftsreisender in die Schlacht von Solferino. Auf dem Schlachtfeld lagen Zehntausende Verwundete. Er organisierte Frauen aus den Dörfern, die sie versorgten, Freund und Feind gleich: „Tutti fratelli“, alle sind Brüder. Daraus wurde das Rote Kreuz. Dunant verarmte darüber und lebte zuletzt vergessen in einem Altersheim in der Schweiz. Dort erfuhr er, dass er 1901 den ersten Friedensnobelpreis bekam.

Drei verschiedene Wesen:

  • Der Moralist braucht einen Schuldigen. Gibt es keinen, sucht er einen. Er stammt über Folterer, Piesacker und Hexe vom Vampir ab. Nietzsche: „Misstraut Allen, in welchen der Trieb zu strafen mächtig ist!“
  • Der Menschenfreund braucht einen, der Hilfe braucht. Gibt es keinen, ist er zufrieden.
  • Das Helfersyndrom im engen Sinn braucht den Hilflosen, um sich wertvoll zu fühlen. Wird der andere selbständig, wird es unruhig (Wolfgang Schmidbauer, Die hilflosen Helfer, 1977). Eine seltene Entgleisung des Menschenfreunds, wie der Messi beim Sammler.

Prüfstein: Was tut er, wenn niemand schuldig ist und niemand Hilfe braucht?