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Nun ist es ausgerechnet mein Rationalismus der mich gezwungen hatte in der Hauptsache umzudenken. Genauer gesagt die Anwendung von Ockham`s Razor auf zwei anscheinend rationale Begriffe. Nämlich erstens auf den Begriff Materie und zweitens auf den Begriff Vergangenheit - insofern der Vergangenheit eine unabhängige Existenz außerhalb und gleichberechtigt mit der momentanen Gegenwart zugebilligt wird. | Nun ist es ausgerechnet mein Rationalismus der mich gezwungen hatte in der Hauptsache umzudenken. Genauer gesagt die Anwendung von Ockham`s Razor auf zwei anscheinend rationale Begriffe. Nämlich erstens auf den Begriff "Materie" und zweitens auf den Begriff "Vergangenheit" - insofern der Vergangenheit eine unabhängige Existenz außerhalb und gleichberechtigt mit der momentanen Gegenwart zugebilligt wird. | ||
Ich war verblüfft und verwirrt als ich feststellen musste, dass beide Begriffe ohne Inhalt sind jeglicher rationalen Begründung entbehren und genau die Art von esoterischer Spinnerei und Aberglaube darstellen für die ich eine solche Geringschätzung hege. | Ich war verblüfft und verwirrt als ich feststellen musste, dass beide Begriffe ohne Inhalt sind jeglicher rationalen Begründung entbehren und genau die Art von esoterischer Spinnerei und Aberglaube darstellen für die ich eine solche Geringschätzung hege. | ||
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Die Begründung. | Die Begründung. | ||
Jegliche Art von Begründung. | Jegliche Art von Begründung. <blockquote>''Der Boden fällt aus der Welt heraus.'' <br> | ||
[Brian M. Stableford | Man in a cage] </blockquote> | |||
== Das ist ZEN == | == Das ist ZEN == | ||
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Shenxiu schrieb folgenden Vers an die Klostermauern:<blockquote> | Shenxiu schrieb folgenden Vers an die Klostermauern:<blockquote> | ||
Dieser Leib ist der Bodhi-Baum | Dieser Leib ist der Bodhi-Baum<br>Die Seele ist ein klarer Spiegel<br>Poliere ihn allzeit mit Eifer<br>Lass keinen Staub daran haften</blockquote> | ||
Die Seele ist ein klarer Spiegel | |||
Poliere ihn allzeit mit Eifer | |||
Lass keinen Staub daran haften</blockquote> | |||
Der Dharma-Vorfahre bescheinigte dem Shenxiu, dass er das äußere Tor der Erkenntnis erreicht hätte, aber noch nicht eingetreten wäre. | Der Dharma-Vorfahre bescheinigte dem Shenxiu, dass er das äußere Tor der Erkenntnis erreicht hätte, aber noch nicht eingetreten wäre. | ||
Alle Mönche lasen das Gatha mit Bewunderung und wiederholten es. So kam es auch dem Küchengehilfen Huineng zu Ohren. Huineng ließ sich das Gatha noch einmal vorlesen, dichtete seinerseits einen Vers und bat einen vorbeikommenden Beamten, ihn daneben zu schreiben: | Alle Mönche lasen das Gatha mit Bewunderung und wiederholten es. So kam es auch dem Küchengehilfen Huineng zu Ohren. Huineng ließ sich das Gatha noch einmal vorlesen, dichtete seinerseits einen Vers und bat einen vorbeikommenden Beamten, ihn daneben zu schreiben: | ||
Nirgends strahlt der Glanz des Spiegels | <blockquote> | ||
Dieser Leib ist kein Bodhi-Baum<br>Nirgends strahlt der Glanz des Spiegels<br>Da nichts von Anbeginn existiert<br>Wo sollte Staub sich sammeln?</blockquote> | |||
Da nichts von Anbeginn existiert | |||
Wo sollte Staub sich sammeln?</blockquote> | |||
Als der Fünfte Dharma-Vorfahre dieses Gatha sah, wischte er es mit seinem Schuh ab, um bei den gebildeten Mönchen keine Eifersucht zu schüren. Später besuchte er Huineng in der Reismühle, übergab ihm zu Mitternacht im Geheimen die Robe und machte ihn zum Sechsten Dharma-Nachfolger. | Als der Fünfte Dharma-Vorfahre dieses Gatha sah, wischte er es mit seinem Schuh ab, um bei den gebildeten Mönchen keine Eifersucht zu schüren. Später besuchte er Huineng in der Reismühle, übergab ihm zu Mitternacht im Geheimen die Robe und machte ihn zum Sechsten Dharma-Nachfolger. | ||
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Nachdem mir theoretisch die fundamentale Bedeutung der Gegenwart klar geworden war entsann ich mich ein oder zwei Absätze, die ich flüchtig bei Henri Bergson gelesen hatte. | Nachdem mir theoretisch die fundamentale Bedeutung der Gegenwart klar geworden war, entsann ich mich ein oder zwei Absätze, die ich flüchtig bei Henri Bergson gelesen hatte. <br> | ||
[Denken und schöpferische Werden | Henri Bergson] | [Denken und schöpferische Werden | Henri Bergson] | ||
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Man muss nämlich wissen, dass ein Rationalist so rational gar nicht ist, sondern konservativ. | Man muss nämlich wissen, dass ein Rationalist so rational gar nicht ist, sondern konservativ. | ||
Er versteht sich vor allem darauf das schon bestehende mit guten Gründen zu verteidigen. | Er versteht sich vor allem darauf das schon bestehende mit guten Gründen zu verteidigen. <br> | ||
Er tut aber alles Neue leichtfertig als irrational ab. | Er tut aber alles Neue leichtfertig als irrational ab. <br> | ||
Er will vor allem eines: Sich sicher fühlen in seinem angestammten Revier. | Er will vor allem eines: Sich sicher fühlen in seinem angestammten Revier. <br> | ||
Und so geht es immer weiter, bis das Neue nicht mehr neu ist und da findet sich auch schon die nächste Generation von "Rationalisten", die es zu verteidigen weiß. | Und so geht es immer weiter, bis das Neue nicht mehr neu ist und da findet sich auch schon die nächste Generation von "Rationalisten", die es zu verteidigen weiß. | ||
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Für mich ist dies heute ein Beweis - neben vielen anderen ähnlichen Erfahrungen - wie die Lehre ihre eigene | |||
Für mich ist dies heute ein Beweis - neben vielen anderen ähnlichen Erfahrungen - wie die Lehre ihre eigene Wahrnehmung bestimmt. Wie das herrschende Paradigma filtert und die Weltsicht schafft die ihr entspricht und alle anderen ausschließt. | |||
Da ist keine objektive Datenquelle. Die Daten werden zuerst gesiebt. | |||
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Als erstes bemerkt man wohl das GLEIßEN ! | Als erstes bemerkt man wohl das GLEIßEN ! | ||
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Das ist das Schauen in einer noch magischen Welt. | Das ist das Schauen in einer noch magischen Welt. | ||
"Reflektion" ist ein rationaler Begriff hinter dem eine rationale Erklärung steht, zerhakt in einzelne Glieder, die nicht leben. | "Reflektion" ist ein rationaler Begriff hinter dem eine rationale Erklärung steht, zerhakt in einzelne Glieder, die nicht leben. | ||
Das ist nicht das einfache Schauen. | Das ist nicht das einfache Schauen. | ||
Da wird eine Präsenz, die Präsenz vom Gleißen <u>erklärt</u>, d. h. die Präsenz wird mit einem Etikett überklebt. Man sieht nicht mehr die Präsenz, sondern nur noch das Etikett. | |||
Da wird eine Präsenz, die Präsenz vom Gleißen <u>erklärt</u>, d. h. die Präsenz wird mit einem Etikett überklebt. <br> | |||
Man sieht nicht mehr die Präsenz, sondern nur noch das Etikett. | |||
Reflektion: | Reflektion: | ||
| Zeile 194: | Zeile 194: | ||
Man achte auch auf den ''magischen'' ''Bann'': Die Verwendung des Wortes '''nur'''. | Man achte auch auf den ''magischen'' ''Bann'': Die Verwendung des Wortes '''nur'''. | ||
Man sieht das Gleißen als erstes ! | Man sieht das Gleißen als erstes ! | ||
<blockquote>Inmitten bläulich aufgespannter Weite | <blockquote> | ||
''Inmitten bläulich aufgespannter Weite | |||
hält | hält stille Luft | ||
den kühlen Atem an | den kühlen Atem an | ||
fällt heiße Sonne | |||
zerklirrt in glühend Splitter | zerklirrt in glühend Splitter | ||
auf wild sich windend Haut von gläsern Wasser </blockquote> | |||
auf wild sich windend Haut | |||
von gläsern Wasser </blockquote> | |||
Die Sonne wird nicht reflektiert. | Die Sonne wird nicht reflektiert. | ||
| Zeile 217: | Zeile 214: | ||
Da tanzen glühende Splitter der Sonne auf dem Wasser. | Da tanzen glühende Splitter der Sonne auf dem Wasser. | ||
Das ist die Sicht, ''bevor'' die Welt durch Analyse zertrennt wurde. | Das ist die Sicht, ''bevor'' die Welt durch Analyse zertrennt wurde. | ||
<blockquote> | <blockquote> | ||
Surtur fährt von Süden mit flammendem Schwert, | ''Surtur fährt von Süden mit flammendem Schwert, <br> | ||
Von seiner Klinge scheint die Sonne der Götter.</blockquote> | ''Von seiner Klinge scheint die Sonne der Götter.''</blockquote> | ||
Als nächstes bemerkte ich wie die Bäume sich ''bewegten,'' kraftvoll ihre Äste schwangen. | Als nächstes bemerkte ich, wie die Bäume sich ''bewegten,'' kraftvoll ihre Äste schwangen. | ||
Ich will nicht sagen, dass ich den Bäumen eine aktive Bewegung wie bei den Tieren zuschrieb - und doch SAH ich doch, dass sie sich bewegten. | Ich will nicht sagen, dass ich den Bäumen eine aktive Bewegung wie bei den Tieren zuschrieb - und doch SAH ich doch, dass sie sich bewegten. | ||
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Man muss durchaus kein Schwachkopf sein, wenn man auch anderen Sichtweisen zugänglich ist. | Man muss durchaus kein Schwachkopf sein, wenn man auch anderen Sichtweisen zugänglich ist. | ||
Aber diese ''Erfahrung'' der lebendigen Natur war doch um so vieles '''reicher'''. | Aber diese ''Erfahrung'' der lebendigen Natur war doch um so vieles '''reicher'''. | ||
<blockquote>''Not as the plants and flowers of earth growing peacefully beneath a simple sun were the blossoms of the planet Lophaï. Coiling and uncoiling in double dawns; tossing tumultuously under vast suns of jade green and balas-ruby orange; swaying and weltering in rich twilights in aurora-curtained nights they resembled fields of rooted serpents that dance eternally to an other-worldly music.'' | <blockquote>''Not as the plants and flowers of earth growing peacefully beneath a simple sun were the blossoms of the planet Lophaï. Coiling and uncoiling in double dawns; tossing tumultuously under vast suns of jade green and balas-ruby orange; swaying and weltering in rich twilights in aurora-curtained nights they resembled fields of rooted serpents that dance eternally to an other-worldly music.'' <br> | ||
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[The demon of the flower | Clark Ashton Smith]</blockquote> | [The demon of the flower | Clark Ashton Smith]</blockquote> | ||
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Nun sagt der Rationalist gleich wieder: Das sei unwichtig nebensächlich irrational usw. - | Nun sagt der Rationalist gleich wieder: Das sei unwichtig nebensächlich irrational usw. - | ||
Lass ihn reden. Er kann nicht anders. | Lass ihn reden. Er kann nicht anders. <br> | ||
Denn um die Lebendigkeit und Gegenwärtigkeit nicht zu sehen und nicht zu erleben muß man zuvor seine ''eigene'' Gegenwärtigkeit und Lebendigkeit geopfert haben. | Denn um die Lebendigkeit und Gegenwärtigkeit nicht zu sehen und nicht zu erleben muß man zuvor seine ''eigene'' Gegenwärtigkeit und Lebendigkeit geopfert haben. | ||
Aus Schmerz. Um | Aus Schmerz. Um Schmerz zu vermeiden. | ||