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	<title>WikiDaemon - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_4:_Leib,_Nest_und_Lust&amp;diff=967</id>
		<title>Wesen 4: Leib, Nest und Lust</title>
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		<updated>2026-11-01T01:27:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Liebe: Absatz Verliebt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die übrigen Wurzeln unter HOMO.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · &#039;&#039;&#039;Leib, Nest und Lust&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wuff Wuff (betteln um Anerkennung) ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Streber&lt;br /&gt;
* Die bettelnde Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HOMO ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Odem, Durst, Sunny, Balz, Elter, Sammler, Putz, Urschlummer, Beutetier, Hunger/Schlemmer, Raubtier, Herde, Begehren, Elf&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Odem ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Durst ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sunny ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hunger/Schlemmer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekel, Schmauß, Schmatz, Schmack, Trank, Mijam&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Völlerei), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekel ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Ekel]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Horror, Öde, Verachtung, Nase rümpfen, Hass&lt;br /&gt;
* Spruch: „Pfui“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Verdorbene und Verunreinigte vom Mund und vom Körper fernhalten. Der Dämon will, dass es weg ist, oder dass man selbst weg ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kot, Erbrochenes, Aas, Schimmel, Maden, Schleim, fremde Körperflüssigkeiten. Dazu alles, was damit in Berührung kam.&lt;br /&gt;
* Bannung: Abstand oder Reinigung. Er beruhigt sich, wenn das Ekelhafte weg ist oder man sich gewaschen hat.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Nase ist gerümpft, die Oberlippe nach oben gezogen, der Mund verzogen, oft wird die Zunge herausgestreckt oder es würgt.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf geht zurück, der Körper dreht sich weg, die Hände wehren ab. Man hält Abstand.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rangordnung und Reinheit.&#039;&#039;&#039; In vielen Kulturen oder Religionen wird eine Rangordnung gemacht: Reinheit, oder der Reine, im Gegensatz zum Unreinen. Bevor sich das vergeistigt hat, war das nichts Symbolisches. Das steht schon bei Nietzsche. Jedenfalls beinhaltet der Ekel eine Abscheu mit Blick auf den Unreinen, und darin ist eine Rangordnung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ja und Nein.&#039;&#039;&#039; Man sagt Ja und Nein und hält das für logische Kategorien. Aber letztendlich stammt das von körperlichen Reaktionen und basiert darauf und erhält auch heute noch daher den Sinn. Ekel ist eine Abwehr. Bei einem stärkeren Nein ist da auch Verärgerung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche schreibt in der &#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; ([http://www.thenietzschechannel.com/works-pub/gm/gm-1g.htm 1887, erste Abhandlung, §6]), dass „rein“ und „unrein“ sich zum ersten Mal als Ständeabzeichen gegenüberstehen. Man solle die Begriffe nicht symbolisch nehmen: Sie seien anfangs „grob, plump, äusserlich, eng, geradezu und insbesondere unsymbolisch“ verstanden worden. Der „Reine“ sei von Anfang an bloß „ein Mensch, der sich wäscht, der sich gewisse Speisen verbietet, die Hautkrankheiten nach sich ziehen, der nicht mit den schmutzigen Weibern des niederen Volkes schläft, der einen Abscheu vor Blut hat“. Dumont ([https://books.google.com/books/about/Homo_Hierarchicus.html?id=XsOtRGdvIigC &#039;&#039;Homo Hierarchicus&#039;&#039;]) beschreibt das indische Kastensystem durch den Gegensatz von rein und unrein: Die Brahmanen stehen für höchste Reinheit, die Unberührbaren für höchste Unreinheit. Mary Douglas (1966) bestimmt Schmutz als „matter out of place“, als Stoff am falschen Platz. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10234846/ 1999]) ordnen drei Gefühle drei Moralordnungen zu: Ekel gehört zur Verletzung der Ordnung von Reinheit und Heiligkeit, Ärger zur Autonomie, Verachtung zur Gemeinschaft. Royzman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24866519/ 2014]) fanden bei Verletzungen der Reinheitsordnung ohne Krankheitsbezug vor allem Ärger und nicht Ekel. Ob Ekel und Ärger dabei zusammenwirken oder sich ersetzen, ist umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Schutz vor dem, was man in den Mund nehmen würde.&#039;&#039;&#039; Rozin und Fallon ([https://psycnet.apa.org/record/1987-12972-001 1987]) definieren Ekel als Abscheu vor dem Gedanken, etwas Anstößiges in den Mund zu nehmen. Curtis, de Barra und Aunger ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3013466/ 2011]) sehen ihn als ein System, das vor Ansteckung schützt. Der Dämon ist also eine Wache an der Tür des Körpers.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Berührung zählt.&#039;&#039;&#039; Rozin, Millman und Nemeroff ([https://cognitionandculture.net/wp-content/uploads/89LawsSympMagicJPSP86-1wzdvkv.pdf 1986]) ließen Versuchspersonen Saft trinken. Hatte eine sterilisierte tote Kakerlake ihn kurz berührt, wurde er abgelehnt. Auch Schokolade in der Form von Hundekot wollten viele nicht essen, obwohl sie wussten, was es war. Der Dämon fragt nicht nach Wissen. Er reagiert auf die Berührung und auf die Ähnlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel vor Menschen und Taten.&#039;&#039;&#039; Chapman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251631/ 2009]) fanden, dass bittere Geschmäcker, Bilder von Verschmutzung und unfaire Angebote in einem Spiel denselben Gesichtsmuskel (Levator labii) aktivierten, der die Oberlippe hebt. Moralischer Ekel benutzt also dieselbe Mimik wie Ekel vor Essen. Von dort kommt die Spur zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] und [[#Nase rümpfen|Nase rümpfen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird übertragen.&#039;&#039;&#039; Die Reaktion von Ekel wurde übertragen und zeigt sich nicht nur in Bezug auf Speisen oder Schmutz, sondern als Abscheu vor Verbrechern oder Minderheiten. Auch das Nase rümpfen gehört dazu. Eine ursprüngliche körperliche Reaktion wurde kultiviert und wird für verschiedene Funktionen eingesetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird gelernt.&#039;&#039;&#039; Interessant ist auch, dass das Objekt des Ekels teilweise erst durch die Mutter erlernt wird, zum Beispiel Regenwürmer oder Ausscheidung. „Iiiih. Das ist ekelhaft. Fass das nicht an.“ Das ist direktes Lernen. Das Kind sieht die körperliche Reaktion der Mutter, den Abscheu im Gesicht, und lernt den Ekel vor dem Objekt aus diesem Vorbild. So wird diese Verknüpfung erlernt.&lt;br /&gt;
:Rozin, Haidt und Fincher ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251619/ 2009], „From Oral to Moral“) vertreten, dass Ekel als Ablehnung schlechter Geschmäcker begann und sich zu einer abstrakten Emotion ausdehnte. Tybur u. a. ([https://www.ovid.com/00006832-201301000-00003 2013]) schreiben, dass Ekel zunächst die Vermeidung von Krankheitserregern motivierte und später für die Vermeidung von Sexualkontakt und für moralische Verstöße genutzt wurde. Die Fachwörter dafür sind „Preadaptation“ und „Co-optation“. Harris und Fiske ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17100784/ 2006]) zeigten Versuchspersonen im Scanner Bilder von Obdachlosen und Süchtigen. Nach den Zusammenfassungen fehlte dabei die übliche Aktivierung für das Denken über andere Menschen, dafür waren Amygdala und Insula aktiv; die Insula gilt als Ekelregion. Stevenson u. a. ([https://researchers.mq.edu.au/en/publications/childrens-response-to-adult-disgust-elicitors-development-and-acq/ 2010]) untersuchten Kinder von 0 bis 18 Jahren: Kernauslöser wie Kot erscheinen zuerst, Eltern kleiner Kinder zeigten ihren Kindern mehr Ekel und mehr Meidung, und die Reaktion der Kinder auf Tiere und auf sozial-moralische Auslöser entsprach der Reaktion der Eltern. Für Kot nennt die Zusammenfassung diesen Zusammenhang nicht, und kleine Kinder ohne Wissen über Ansteckung reagierten auf Kernauslöser ebenso stark wie Gleichaltrige mit diesem Wissen. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3740830/ 1986]) fanden bei Kindern ab 16 Monaten, dass die Jüngsten mehr Ekelhaftes annahmen, die Mehrheit aber das meiste ablehnte. Dass das Kind den Ekel von der Mimik der Mutter lernt, ist mit diesen Studien nicht direkt nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel ist angeboren.&#039;&#039;&#039; Der Ekel gehört natürlich zu den Urdämonen. Der Psychologe Paul Ekman hat bei Naturvölkern dieselbe Mimik des Ekels dokumentiert wie bei uns. Also ist sie angeboren. Jemand las einen Text. In Zeitlupe war im Gesicht die Mimik starker Abscheu zu sehen. Das war ein Mikroausdruck von Ekel: die Abwehr im Augenblick, in dem eine Textstelle nicht verstanden wurde.&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Mimik des Ekels und das Deuten dieser Mimik sind zu trennen. Zur Mimik: Matsumoto und Willingham ([https://www.eurekalert.org/news-releases/695433 2009]) fanden bei Athleten der Paralympics 2004, die von Geburt an blind waren, dieselben spontanen Gesichtsausdrücke wie bei sehenden Athleten. Ich kenne nur Zusammenfassungen. Ob Ekman bei den Fore auch selbst gezeigte Ekel-Mimik dokumentiert hat, konnte ich nicht belegen. Zum Deuten: Ekman, Sorenson und Friesen (1969, &#039;&#039;Science&#039;&#039; 164) ließen Fore und Sadong Gesichtsausdrücke zuordnen. Die Fore erkannten den Ausdruck für Ekel und Verachtung zu 29 % (Pidgin) bzw. 44 % (Fore-Sprache), die Sadong wählten am häufigsten „Trauer“ (26 %) und „Freude“ (23 %). Ekman und Friesen (1971, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 17) gaben den Fore Geschichten und drei Gesichter zur Wahl: Erwachsene wählten das Ekel-Gesicht zu 77 % bzw. 89 % (Zufall: 33 %), Kinder bei zwei Gesichtern zu 95 % bzw. 78 % (Zufall: 50 %). Ich kenne die Zahlen aus einem Lehrbuch (Yarwood), das die Tabellen wiedergibt. Das Deuten gelingt beim Ekel also schlechter als bei Freude. Gegenposition: Barrett u. a. (2019) bestreiten, dass sich Gefühle verlässlich aus dem Gesicht lesen lassen. Zum Mikroausdruck beim Nichtverstehen habe ich keine Studie gefunden. Rozin und Cohen ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12899317/ 2003]) fanden bei Amerikanern im Alltag häufig Ausdrücke, die sie als Verwirrung, Konzentration und Sorge deuteten; Verwirrung hat dort einen eigenen Ausdruck. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8014832/ 1994]) beschreiben verschiedene Ekel-Gesichter für verschiedene Auslöser. Pochedly u. a. fanden, dass das Gefühl, das man dem Naserümpfen zuschreibt, davon abhängt, welche Gesichter vorher gezeigt wurden. Ich kenne alle drei nur aus den Zusammenfassungen. Der Ekel beim Nichtverstehen bleibt damit eine Beobachtung; sie passt zu „Der Ekel wird übertragen“. Zu Urgefühlen, Mikroausdrücken und Verhör siehe [[Grundlagen#Das Unbewusste|Das Unbewusste]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kinder.&#039;&#039;&#039; [[#Öde|Öde]] ist der Ekel vor dem Geschmacklosen. [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] entsteht aus Ekel und [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; Wer Menschen mit „Ungeziefer“ oder „Dreck“ belegt, ruft den Ekel gegen sie. Dann wird aus der Hygiene eine Ausgrenzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Öde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Nörgler&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nase rümpfen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Lästerer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmauß ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmatz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmack ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mijam ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Balz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Liebe, Eifersucht&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aphrodite ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit und Anmut eines Menschen, ohne dass man den Akt beabsichtigt oder sich ihn ausmalt. Man fühlt sich in der Nähe dieses Menschen gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes. Schönheit stimuliert, und vielleicht gehört etwas Verliebtheit dazu. Man will für die Verehrte etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Aber etwas Nichtmaterielles will man doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Getrennt vom Begehren.&#039;&#039;&#039; Die sexuelle Absicht ist davon getrennt, auch wenn sie oft folgt. Umgekehrt gibt es Männer, die jede nehmen, die die Reize hat, unabhängig vom Charakter der Frau, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hindernisse.&#039;&#039;&#039; Was die Verehrung verhindern kann, ist bei jedem anders, etwa Falschheit oder Einbildung. Wer sie beim anderen findet, kann ihn nicht mehr verehren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Macht.&#039;&#039;&#039; Aphrodite ist mächtig und verbreitet. Die halbe Zivilisation hängt davon ab, von Mode und Kosmetik bis zu Kunst, Musik und Architektur, und es wird viel dafür getan, selbst bewundert zu werden oder Schönheit zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Liebe ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Beschützer, Verehrung/Bewunderung · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Liebe ist, dass einem der andere wichtig ist und man ihn schützen will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] hat dabei eine ganz starke Rolle. Die Liebe kann eine sexuelle Komponente haben, aber die kann auch fehlen. Die Mutter liebt ihr Kind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Liebe und Begehren.&#039;&#039;&#039; Begehren gibt es auch ohne Liebe, und Liebe auch ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Wo beides zusammenkommt, ist es [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Verliebt.&#039;&#039;&#039; Das Begehren will sexuelle Nähe und Lust. Wer verliebt ist, will einen bestimmten Menschen, dessen Aufmerksamkeit, Zuneigung und möglichst exklusive Bindung. Beides kann zugleich aktiv sein: Ein Mädchen kann sich stundenlang vorstellen, wie ein bestimmter Junge sie küsst, berührt und begehrt. Das ist nicht einfach unschuldige Romantik. Und ein Junge kann genauso von einer bestimmten Person schwärmen, ohne dass sexuelle Befriedigung sein vorrangiges Ziel ist. Beides sind eigenständige, evolutionär miteinander gekoppelte Wesen. Das Verliebtsein stammt nicht vom Begehren ab.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Und die Bewunderung.&#039;&#039;&#039; Die Liebe hat auch von der Verehrung etwas, vom Staunen über den anderen. Die Bewunderung der Schönheit ist [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eifersucht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Sammler, Zorn, Verehrung/Bewunderung, Revierverhalten/Gebiet, Elter · zu Stalker&lt;br /&gt;
* Der Kern ist das Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: der Rivale; der Blick des geliebten Menschen zu einem Dritten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kern:&#039;&#039;&#039; Die Gefahr, eine Bindung zu verlieren, und zwar an einen Rivalen. Das ist Revierverhalten: Ein Rivale dringt in mein Revier ein, und das Revier ist hier eine Bindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Älter als Balz und Besitz:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Die Mutter spielt liebevoll mit einer lebensechten Puppe statt mit ihrem sechs Monate alten Baby. Das Baby wird unruhig und unglücklich, deutlich mehr, als wenn die Mutter nur in ein Buch schaut. Ein Säugling hat keine Balz und keinen Begriff von Besitz.&lt;br /&gt;
* Der Besitzer streichelt einen Stoffhund, der bellt und mit dem Schwanz wedelt. Viele Hunde drängen sich dazwischen, manche schnappen nach dem Stoffhund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es gibt verschiedene Arten von Eifersucht, je nach Art der Bindung:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Liebenden&#039;&#039;&#039;, von der Balz: der Nebenbuhler. Das Kleinlibellen-Männchen hält das Weibchen nach der Paarung mit seinen Zangen am Hals fest und fliegt mit ihr im Tandem, während sie die Eier ablegt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Geschwistern&#039;&#039;&#039;, vom Elter: Ein Baby kommt nach Hause, und das ältere Kind, zwei oder drei Jahre alt, will plötzlich wieder die Flasche und macht wieder ins Bett. Josef: Jakob liebt ihn mehr als die anderen Söhne und schenkt ihm einen bunten Rock. Die Brüder werfen ihn in eine Grube und verkaufen ihn. Es geht um die Gunst des Vaters.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um Besitz&#039;&#039;&#039;, vom Sammler: „Er gehört mir.“ „Meine Frau.“ „Mein Schatz.“ Was man hat, gibt man nicht her.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um einen Verehrten&#039;&#039;&#039;, von der Verehrung: Der Lieblingsschüler des Meisters wird von den anderen beneidet. Der Fan ist eifersüchtig auf die Freundin des Stars.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Ausbruch&#039;&#039;&#039;, vom Zorn: wenn der Rivale da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wertlosigkeit und Zurückweisung:&#039;&#039;&#039; Man hat auch ein Gefühl der Wertlosigkeit, der Zurückweisung, wenn der besondere Mensch einen anderen vorzieht. Der Rivale nimmt nicht nur den Menschen weg. Er sagt durch seine bloße Existenz: Du bist weniger wert als ich. Im Kopf kreist die Frage: „Was hat er, was ich nicht habe?“ Man vergleicht sich und verliert. Das liegt nahe bei Schmach und Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eifersucht und Neid:&#039;&#039;&#039; Eifersucht fürchtet zu verlieren, was man hat, an einen Rivalen. Neid will haben, was der andere hat. Das Gefühl der Wertlosigkeit entsteht im Vergleich mit dem Rivalen. Da treffen sich beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird nicht bewertet. Eifersucht hat man in allen Kulturen gefunden, in denen man danach gesucht hat. Sie ist natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Venus ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Liebe, Mijam, Begehren, Kuschel · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Venus ist die Liebe mit Begehren. Zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] kommen das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]], der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Kuschel|Kuschel]] mit der Lust an der Berührung und der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Mijam|Mijam]] mit der Lust am Genuss. Alle diese Teile gibt es auch einzeln. Begehren gibt es ohne Liebe, und Liebe ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Venus ist der Fall, in dem alles zusammenkommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]] bewundert die Schönheit, ohne den Akt zu beabsichtigen. Das Begehren nimmt, was die Reize hat, ohne Rücksicht auf den Charakter. Venus verbindet die Liebe mit dem Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begehren ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekstase, Venus&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Wollust), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du gefällst mir.“ „Bleib noch.“ „Komm näher.“ „Du siehst heute gut aus.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Berührung, Nähe und Vereinigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Ekel|Ekel]] und [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]].&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Pupillen sind weit, die Lippen leicht geöffnet, der Blick bleibt hängen, wendet sich ab und kehrt zurück.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Körper wendet sich dem anderen zu, sucht Nähe und Berührung, die Stimme wird leiser und tiefer.&lt;br /&gt;
* Bannung: Befriedigung beruhigt das Begehren vorübergehend. Auch Ablenkung, das Vermeiden von Reizen und eine bewusste Neubewertung der Situation können seinen Einfluss vermindern. Das Verlangen ist aber kein Befehl. Man kann es empfinden, ohne ihm zu folgen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Begehren richtet den Menschen auf einen anderen Menschen aus und treibt ihn zur sexuellen Vereinigung. Ein Reiz weckt es, die Erfüllung stillt es.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trigger.&#039;&#039;&#039; Etwas fungiert als Trigger, was vorher keiner war. Begehren ist in der Entwicklung flüssig. Der Mensch hat gelernt, aufrecht zu gehen. Jetzt waren die Reize von hinten nicht mehr da, also brauchte es vorne auch Reize für die Stimulation. Außerdem wurde die Kindheit länger, also wurden die Milchdrüsen länger gebraucht. Auf einmal wurden Brüste sexy. Milchdrüsen haben auch Tiere, vielleicht waren es zuerst Fettreserven.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Form, Kontext, Schablone.&#039;&#039;&#039; Ein Trigger besteht aus drei Teilen: einem Merkmal, einem Zusammenhang und einer Richtung des Begehrens. Brustwarzen sehen bei Mann und Frau ähnlich aus und lösen doch nur im Zusammenspiel mit der Richtung aus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angeborene und gelernte Auslöser.&#039;&#039;&#039; Es gibt Auslöser, die bevorzugt wirken: ein Taille-Hüft-Verhältnis um 0,7, Jugend, Gesundheit. Daneben kann das Begehren auf andere Reize geprägt werden. Beim Fetischisten sind es Gummi, Büstenhalter oder Schuhe. Der geprägte Auslöser wirkt wie ein angeborener: Er erregt und er befriedigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Übernormale Reize.&#039;&#039;&#039; Ein Reiz kann stärker wirken als sein Vorbild: Lippenstift, Zucker, Fett, Bildbearbeitung. Die Silbermöwe brütet auf einem Ei, das größer ist als ihr eigenes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Reiz verspricht.&#039;&#039;&#039; Der Reiz verspricht den Vollzug und weckt den Dämon. Das ist seine Funktion. Der Duft macht Hunger auf Brötchen. Die Schachtel macht Japp auf den Kick vom Nikotin.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Trigger.&#039;&#039;&#039; Knappheit (nur noch zwei), Nachahmung (der andere will es, also will ich es auch), Neuheit (das Überraschungsei), Besitz (was mir gehört, wird wertvoll), Zeichen für Belohnung (die Verpackung, der Geruch aus der Bäckerei), Status (das Auto des Nachbarn).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sperre.&#039;&#039;&#039; Gegenspieler der Trigger ist die Gewöhnung. Wer als Kind zusammen aufwächst, findet sich später nicht mehr anziehend, und wer etwas zu lange hat, mag es nicht mehr.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Gas und Bremse.&#039;&#039;&#039; Das Begehren hat zwei getrennte Systeme: eines, das erregt, und eines, das hemmt. Menschen unterscheiden sich in beidem (Bancroft &amp;amp; Janssen 2000). Gehemmt wird durch die Angst zu versagen und durch die Angst vor den Folgen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Ekel als Gegenspieler.&#039;&#039;&#039; Speichel, Schweiß und Körpergerüche wecken außerhalb der Lust Ekel. Sexuelle Erregung schwächt den Ekel (PLoS ONE 2012). Umgekehrt dämpfen Zeichen von Krankheit und Schmutz die Erregung (PLoS ONE 2015).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust kommt oft erst beim Tun.&#039;&#039;&#039; Das Begehren muss nicht vor dem Reiz da sein. Oft entsteht es erst, wenn der Reiz wirkt. Basson hat das 2000 für Frauen beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Zeichen.&#039;&#039;&#039; Frauen steuern die Begegnung zwischen Fremden und entscheiden über deren Ausgang (Grammer u. a. 2000, Videoanalyse). Männer erkennen einen weiblichen Gesichtsausdruck zuverlässig als Flirt (Journal of Sex Research 2020).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Pupille.&#039;&#039;&#039; Die Pupille erweitert sich bei erotischen Bildern innerhalb einer halben Sekunde (Psychophysiology 2017). Bei heterosexuellen und schwulen Männern folgt sie klar der Ausrichtung des Begehrens, bei Frauen weniger deutlich (Rieger u. a. 2015; Meta-Analyse 2021). Sie verrät den Erregten. Schöner macht sie ihn nicht: Engere Pupillen wirken sogar attraktiver (Cognition 2024).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Stimme.&#039;&#039;&#039; Männer senken die Stimme, wenn eine Frau begehrt ist und wenn sie bei einer Verabredung die Frau gewählt haben (Proceedings B 2019). Bei Jägern und Sammlern haben Männer mit tiefer Stimme mehr Kinder (Apicella u. a. 2007).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Abwechslung.&#039;&#039;&#039; Begehren und Erregung sinken bei Gewöhnung an den Partner und steigen bei einem neuen (Übersicht 2014). In Versuchen zeigen Männer stärkere Vorliebe für sexuelle Abwechslung, den Coolidge-Effekt (Archives of Sexual Behavior 2020). Eine Befragung in 52 Ländern fand den Wunsch nach mehr Partnern bei Männern durchgehend (Schmitt 2003).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust, Anziehung, Bindung.&#039;&#039;&#039; Bei Säugetieren trennt Fisher (1998) drei Systeme: die Lust, die zur sexuellen Vereinigung treibt, die Anziehung zu einem bestimmten Partner und die Bindung. Das Begehren ist die erste. Die beiden anderen entsprechen [[#Venus|Venus]] und dem Wesen der [[#Liebe|Liebe]]. Der Kuss dient dabei auch der Prüfung des Partners, besonders bei Frauen (Hughes &amp;amp; Kruger 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Das Begehren lenkt die Aufmerksamkeit auf sexuelle Reize. Es verändert die Wahrnehmung: Ein Mensch wird plötzlich nicht mehr hauptsächlich als Gesprächspartner, sondern als begehrenswerter Körper wahrgenommen. Es kann Annäherungsverhalten, Flirten, Imponieren, Fantasieren und die Suche nach Intimität auslösen. Bei starker Aktivierung verändert es sogar die Bewertung von Risiken und Konsequenzen. Was vorher unvernünftig erschien, kann plötzlich verlockend wirken. Dabei ist es nicht zwangsläufig rücksichtslos. Sexuelles Begehren kann mit Zärtlichkeit, Rücksicht und gegenseitiger Lust verbunden sein. Es kann aber auch mit Besitzdenken, [[#Eifersucht|Eifersucht]] oder Dominanzstreben zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was es fühlt.&#039;&#039;&#039; Das charakteristische Gefühl ist Lust auf etwas, das noch nicht stattgefunden hat. Dazu gehören körperliche Erregung, Erwartung, Spannung, Ungeduld und ein starkes Hinziehen zum begehrten Menschen. Das unterscheidet es vom [[#Mijam|Mijam]]: Der Mijam erfreut sich an einer gegenwärtigen Empfindung. Das Begehren verlangt nach einer zukünftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Eigenleben.&#039;&#039;&#039; Sexuelles Begehren kann ohne bewusste Entscheidung entstehen. Ein Reiz aktiviert den Trieb, der anschließend selbst nach weiteren Reizen sucht. Er kann Erinnerungen hervorrufen, Fantasien entwickeln und die Aufmerksamkeit immer wieder auf sein Ziel zurücklenken. Das Begehren erzeugt damit teilweise selbst die Bedingungen für seine weitere Aktivierung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Verbindungen.&#039;&#039;&#039; Das Begehren kann sich mit anderen Wesen verbinden:&lt;br /&gt;
::* [[#Beschützer|Beschützer]]: Aus sexueller Anziehung entwickelt sich Zärtlichkeit und Fürsorge.&lt;br /&gt;
::* [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]: Der sexuelle Erfolg wird zum Beweis der eigenen Attraktivität.&lt;br /&gt;
::* [[#Eifersucht|Eifersucht]]: Das Begehren will verhindern, dass ein anderer bekommt, was es selbst begehrt.&lt;br /&gt;
::* [[#Venus|Venus]]: Das sexuelle Verlangen verbindet sich mit Idealisierung und dem Wunsch nach dauerhafter Nähe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lust, nicht Kinder.&#039;&#039;&#039; Das Begehren verfolgt kein bewusstes Fortpflanzungsziel. Evolutionär wurde der Trieb durch seinen Beitrag zur Fortpflanzung begünstigt. Aber das Wesen selbst will Lust, nicht Kinder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das eigene Wesen.&#039;&#039;&#039; Hier zeigt sich sehr deutlich, wie es ein eigenständiges Wesen ist. Es erwacht mit der Pubertät, kann aber vorher auch schon schwächer da sein. Aber dann beherrscht es die Gedanken. Da setzt ein bestimmtes Wesen die Ziele.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Reiz ohne Mögen.&#039;&#039;&#039; Man kann eine Person begehren, nur wegen der Trigger oder Reize, selbst wenn man die nicht mag, oder Bilder. Bilder werden zum Beispiel von der Pornographie genutzt. Das ist eine Milliardenindustrie, die den Bedarf nutzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachlassen.&#039;&#039;&#039; Später nimmt es ab, so ab 30 bis 50. Aber das ist individuell. Wenn der Trieb erlischt, hat man die Erinnerung, aber nicht mehr wirklich das Verständnis davon.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der wilde Herr.&#039;&#039;&#039; In Platons Politeia (Buch I) erzählt Kephalos, dass der Dichter Sophokles im Alter gefragt wurde, ob er noch zur Liebe fähig sei. Er antwortete sinngemäß, er sei ihr mit großer Freude entkommen, wie einem wilden und rasenden Herrn.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Heiß und kalt.&#039;&#039;&#039; Wer nicht im Zustand eines Triebs ist, unterschätzt, wie stark der Trieb wirkt, wenn er da ist. Loewenstein (1996) nennt das die Empathielücke zwischen heißen und kalten Zuständen. Sie gilt für Hunger, Durst, Zorn und sexuelle Erregung. Deshalb bleibt die Erinnerung, aber nicht das Verständnis.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Nachlassen im Verlauf.&#039;&#039;&#039; In der Massachusetts Male Aging Study wurden 1.085 Männer zwischen 40 und 70 neun Jahre lang beobachtet. Die sexuelle Funktion nahm ab, bei den Älteren stärker (2004).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie oft.&#039;&#039;&#039; Studierende zählten eine Woche lang ihre Gedanken. Männer kamen im Median auf knapp 19 Gedanken an Sex am Tag, Frauen auf knapp 10. Die Spanne reichte von 1 bis 388 bei Männern und von 1 bis 140 bei Frauen. Die Männer dachten auch öfter an Essen und Schlaf. Das Klischee „alle sieben Sekunden“ stimmt nicht (Fisher u. a., Journal of Sex Research 2012).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erregung gegen Urteil.&#039;&#039;&#039; Ariely und Loewenstein (2006) befragten Studenten einmal neutral und einmal erregt. Erregt hielten sie vieles für attraktiv, was sie neutral abgelehnt hatten. Sie waren auch eher bereit, ein „Nein“ zu übergehen (20 gegenüber 45 auf einer Skala von 0 bis 100), und die Bereitschaft zum Kondom sank. Es waren Selbstauskünfte von etwa 24 Männern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Körper folgt nicht, das Wesen bleibt.&#039;&#039;&#039; Von 76 Männern zwischen 69 und 80 Jahren unter Androgenentzug gaben 29 an, noch Interesse an Sex zu haben. Nur zwei waren noch aktiv (Fode u. a., Journal of Sexual Medicine 2020).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der große Dämon.&#039;&#039;&#039; In Platons Symposion sagt Diotima, Eros sei ein großer Dämon und stehe, wie alle Dämonen, zwischen dem Göttlichen und dem Sterblichen (202e).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekstase ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Begehren · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elter ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Beschützer, Nestbau, Eifersucht, Beschwichtiger&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschützer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Krieger · zu Liebe&lt;br /&gt;
* Hunger: Für ein Wesen sorgen. Das gibt Erfüllung und Sinn: Für jemand anderen zu sorgen, ist das, was die Frau meint, die verzweifelt Kinder bekommen möchte. Es ist auch ein Instinkt, der für den Fortbestand da ist. Eltern freuen sich über ihre Kinder. Auch der Enkel ist für die Großeltern ein großes Glück und eine Erfüllung. Eltern berichten etwas mehr Sinn im Leben als Nichteltern, bei Frauen deutlicher (Apostolou u. a. 2026). Eltern leben im Alter länger als Kinderlose, ab 60 etwa 2 Jahre bei Männern und 1,5 Jahre bei Frauen (Modig u. a. 2017). Großeltern, die Enkel betreuen, sind zufriedener (SHARE, 95.594 Befragte) und haben ein um 37 % niedrigeres Sterberisiko (Hilbrand u. a. 2017). Das Betreuen ist dabei der Faktor, nicht das bloße Dasein der Enkel.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit. Das Kindchenschema wirkt, die Bambi-Augen, auch bei Männern. Andere Tiere haben andere Trigger, bei Vögeln der aufgesperrte Schnabel der Jungen. Fremde Kinder sind auch süß, führen aber nicht zu dieser Fürsorge. Das hängt davon ab, ob man sich verbunden fühlt, und in der Regel gibt es am Anfang eine Prägung. Babys mit stärkerem Kindchenschema werden als süßer bewertet und wecken mehr Fürsorge (Glocker u. a. 2009). Bei Gull-Küken ist es der rote Fleck am Schnabel der Eltern (Tinbergen und Perdeck 1950). Mütter erkennen ihr Neugeborenes nach kurzem Kontakt am Geruch (Kaitz u. a. 1987). Bei Frauen wirken große Augen attraktiv (Cunningham 1986).&lt;br /&gt;
* Bannung: Durch Enttäuschung oder Zurückweisung. Eltern verstoßen ihren Sohn, wenn er in ihrer Vorstellung missraten ist: faul, frech, undankbar. Dazu gehört aber einiges. Meist bleibt die Mutterliebe trotzdem bestehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Pflege.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer pflegt die Nachkommen, das ist seine primäre Aktivität. Eltern opfern dafür sehr viel Zeit und Energie. Zu den Diensten gehören: Sicherheit im Heim (siehe [[#Nestbau|Nestbau]]), Ernährung, Lehre, Trost und Forderung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ernährung.&#039;&#039;&#039; Kohlmeisen-Eltern fliegen etwa 12 bis 15 Mal pro Stunde ans Nest (Barba u. a. 2009).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lehre.&#039;&#039;&#039; Bei Erdmännchen entschärfen Helfer Skorpione und geben den Jungen mit dem Alter lebendere Beute (Thornton und McAuliffe 2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trost.&#039;&#039;&#039; Junge Rhesusaffen klammerten sich an eine Stoffmutter und liefen bei Schreck zu ihr, auch wenn eine Drahtmutter sie fütterte (Harlow).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Forderung.&#039;&#039;&#039; Eltern, die warm sind und klare Regeln begründet fordern, haben die günstigsten Folgen für die Kinder (Baumrind).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Aufwand.&#039;&#039;&#039; Eltern von zwei Kindern wenden etwa 7,5 Stunden am Tag auf (Bryant und Zick 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verteidigung.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer spricht zuerst in Sorge:&lt;br /&gt;
:* Bist du warm genug angezogen?&lt;br /&gt;
:* Zieh dich warm an!&lt;br /&gt;
:* Isst du auch genug?&lt;br /&gt;
:* Fahr vorsichtig!&lt;br /&gt;
:* Ruf an, wenn du angekommen bist!&lt;br /&gt;
:* Warum meldest du dich nicht, ist was passiert?&lt;br /&gt;
:* Ich mach mir doch nur Sorgen.&lt;br /&gt;
:* Ich meine es doch nur gut mit dir.&lt;br /&gt;
:Dann in Zusagen:&lt;br /&gt;
:* Egal wann, egal von wo, egal was ist: Du rufst mich an und ich komme dich holen.&lt;br /&gt;
:* Du kannst IMMER nach Hause zurückkommen; wir werden immer für dich da sein!&lt;br /&gt;
:* Ganz egal, was passiert oder was du tust: Ich werde dich immer lieben!&lt;br /&gt;
:* Keine Angst, ich bin bei dir.&lt;br /&gt;
:* Dir passiert nichts, solange ich hier bin.&lt;br /&gt;
:* Ich passe auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Pass auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Du musst da nicht allein durch.&lt;br /&gt;
:* Komm, ich helfe dir.&lt;br /&gt;
:* Ich lasse dich nicht im Stich.&lt;br /&gt;
:* Du kannst dich auf mich verlassen.&lt;br /&gt;
:* Ich kümmere mich darum.&lt;br /&gt;
:* Solange ich da bin, wird keiner zurückgelassen.&lt;br /&gt;
:In der Verteidigung:&lt;br /&gt;
:* Lass ihn in Ruhe!&lt;br /&gt;
:* Niemand tut dir etwas.&lt;br /&gt;
:* Stell dich hinter mich.&lt;br /&gt;
:* Wenn du Streit willst, dann mit mir.&lt;br /&gt;
:* Leg dich mit jemandem an, der sich wehren kann!&lt;br /&gt;
:* Do not touch my kid.&lt;br /&gt;
:* don&#039;t touch peoples kids&lt;br /&gt;
:* yeah, I&#039;m not going to hand her over&lt;br /&gt;
:* ok but not HIS MOM&lt;br /&gt;
:Und wenn er zu weit geht:&lt;br /&gt;
:* Ich weiß, was gut für dich ist.&lt;br /&gt;
:* Das ist zu gefährlich für dich.&lt;br /&gt;
:* Lass mich das lieber machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mit dem Krieger.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer arbeitet mit dem Krieger zusammen. Eine Mutter kämpft auch gegen stärkere Feinde und entwickelt dabei Kräfte, die sie oft gewinnen lassen. Da schlägt auch ein Vogel einen starken Greifvogel in die Flucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überbehütung.&#039;&#039;&#039; Die Mutter will das Kind schützen und lässt ihm deshalb keinen Auslauf. Keine Erfahrung, die gefährlich sein könnte. Oder sie kaut ihm alles vor und schreibt ihm vor. Auch will sie nicht loslassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sie bewirkt.&#039;&#039;&#039; Das Kind lernt nicht, was es sich zutrauen kann. Wer nie hingefallen ist, kennt den Schmerz nicht und weiß nicht, wie man wieder aufsteht. Wer nie selbst entscheiden durfte, hat das Entscheiden nicht geübt und fragt weiter die Mutter. Es bleibt abhängig von ihr. Und weil sie nicht loslässt, kommt es auch später schwer los.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum sie nicht loslässt.&#039;&#039;&#039; Der Hunger des Beschützers bleibt, wenn das Kind selbstständig wird. Es fehlt ihm die Nahrung: jemand, für den er sorgen kann. Also hält die Mutter das Kind klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn die Kinder gehen.&#039;&#039;&#039; Die Kinder ziehen aus. Das Zimmer ist leer. Niemand muss mehr geweckt, bekocht und erinnert werden. Der Hunger bleibt, es fehlt die Nahrung. Manche Mütter rufen dann weiter täglich an und fragen, ob das Kind genug gegessen hat. Andere wenden sich den Enkeln zu, einem Haustier oder einer Aufgabe, in der sie für andere sorgen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn das Kind stirbt.&#039;&#039;&#039; Dann bleibt der Hunger bei einem Wesen, das nichts mehr zu versorgen hat. Manche Eltern lassen das Zimmer jahrelang so, wie es war. Das Sorgen hört nicht auf, es geht ins Leere. Viele Eltern sagen, das sei das Schlimmste, was ihnen geschehen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nestbau ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Sammler · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nest als Revier.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Das Gesetz kennt den Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird (§ 123 StGB).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es betreten wird.&#039;&#039;&#039; Einbruchsopfer reagieren mit Wut (72 %), Schlafstörungen (57 %) und Angst (39 %), viele fühlen sich verletzt (Victim Support 2005, 545 Opfer). Etwa ein Viertel ist ernsthaft erschüttert, nach über einem Monat hat sich nur ein Drittel erholt (British Journal of Criminology 1980, 322 Opfer).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Singvögel markieren ihr Revier mit Gesang, viele Säugetiere mit Duftmarken. Reicht die Ankündigung nicht, folgen Verfolgung und Kampf. Bei Möwen in Kolonien ist das Revier nur das Nest selbst. Wolfsrudel verteidigen das Gebiet, in dem sie jagen und leben (Britannica).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu.&#039;&#039;&#039; Das Revier dient der Brutpflege, ungestörter Paarung, der Nahrung für die Jungen und dem Abstand zu Artgenossen (Britannica).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschwichtiger ==&lt;br /&gt;
* Auch: Tröster&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe. Dass der Sturm sich legt, in einem selbst oder im anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Stress, Schmerz, Aufregung, die eigene oder die eines anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Das Kind hat sich wehgetan. Die Mutter nimmt es auf den Arm und sagt: „Ist ja gut, ist gleich vorbei.“ Das wiederholt sich, bis das Kind diese Stimme selbst hat. Der Beschwichtiger ist der Tröster, der nach innen gewandert ist. Er spricht zu einem selbst, wie damals die Eltern gesprochen haben. Weil man ihn hat, kann man ihn auch anderen leihen: Er tröstet, besänftigt, entschärft einen Streit. Er wirkt in beide Richtungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Wenn die Lage gespannt ist, gähnt der Hund, wendet den Kopf ab, schnüffelt am Boden oder leckt sich über die Nase. Die Hundetrainerin Turid Rugaas nennt das Beschwichtigungssignale. Schimpansen suchen nach einem Kampf den Kontakt: Die Gegner versöhnen sich mit einem Kuss, und ein Dritter umarmt den, der angegriffen wurde (de Waal und van Roosmalen 1979).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Die richtigen Sprüche sind wie ein Mantra und nehmen den Stress erst mal raus. Das muss man lernen und sich aneignen: Sich selbst in stressigen Momenten zu beruhigen.&lt;br /&gt;
:* Das ist ein lösbares Problem&lt;br /&gt;
:* Bleib cool&lt;br /&gt;
:* Morgen geht die Sonne auch noch auf&lt;br /&gt;
:* Es gibt Schlimmeres&lt;br /&gt;
:* Immer mit der Ruhe&lt;br /&gt;
:* Alles wird gut. Es wird alles gut.&lt;br /&gt;
:* Man muss das kosmisch sehen&lt;br /&gt;
:* Scheiß drauf&lt;br /&gt;
:* dumm gelaufen&lt;br /&gt;
:* Morgen lach` ich darüber&lt;br /&gt;
:* Immer schön der Reihe nach&lt;br /&gt;
:* Und wenn schon&lt;br /&gt;
:* Auch das geht vorbei&lt;br /&gt;
:* Irgend ne Scheiße hat man immer am Hacken&lt;br /&gt;
:* Eins nach dem Anderen&lt;br /&gt;
:* Erst mal schauen&lt;br /&gt;
:* Notfalls hole ich mir Hilfe&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie die Sprüche wirken.&#039;&#039;&#039; Sie schaffen Abstand. Abstand in der Zeit: „Morgen lach` ich darüber“, „Auch das geht vorbei“. Abstand im Raum: „Man muss das kosmisch sehen“, „Es gibt Schlimmeres“. Sie zerlegen den Berg: „Eins nach dem Anderen“, „Erst mal schauen“. Oder sie lassen los: „Scheiß drauf“, „Und wenn schon“. Bei „dumm gelaufen“ ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Kobold|Kobold]] nicht weit. Der Psychologe Ethan Kross hat gezeigt, dass schon die Form des Selbstgesprächs zählt: Wer unter Stress mit sich spricht wie mit einem anderen, mit dem eigenen Namen oder mit „du“ statt „ich“, hat weniger Angst und grübelt danach weniger (Kross u. a. 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne ihn.&#039;&#039;&#039; Ohne Beschwichtiger gerät man in Dauerstress oder Panik. Er beruhigt andere oder sich selbst. Auch Sportler sprechen sich vor der Leistung Mut zu. Muhammad Ali verkündete: „Ich bin der Größte.“ Er sagte, er habe es gesagt, noch bevor er es wusste, und es so oft wiederholt, bis die Welt es glaubte (Ali Center, „In His Own Words“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Stammesbruder&lt;br /&gt;
* Trigger: Gefahr, und vor allem die Flucht der anderen. Wenn einer rennt, rennen alle.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Die Herde ist die Wurzel und biologische Grundlage. Ohne diesen Instinkt gäbe es kein Stammesverhalten. Nietzsche nannte es den Herdentrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichheit schützt, Abweichung ist gefährlich:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Im Fischschwarm stößt niemand den Abweichler aus, das erledigt der Räuber. In einem Versuch wurden einige Fische farbig markiert. Die Raubfische schnappten bevorzugt die markierten, weil sie herausstachen. Darum suchen sich Fische Schwärme, in denen alle so aussehen wie sie selbst.&lt;br /&gt;
* Hat eine Henne eine Wunde oder einen roten Fleck, hacken die anderen darauf ein, manchmal bis zum Tod. Geflügelhalter hängen darum rotes Licht in den Stall.&lt;br /&gt;
* Am Eingang des Bienenstocks prüfen Wächterinnen den Geruch. Eine Biene mit fremdem Stockgeruch wird abgewehrt oder getötet. Reibt man eine Ameise mit dem Geruch eines fremden Nests ein, greifen ihre eigenen Schwestern sie an.&lt;br /&gt;
* E. O. Wilson bestrich lebende Ameisen mit Ölsäure, dem Geruch toter Ameisen. Die Schwestern trugen die lebende, zappelnde Ameise auf den Abfallhaufen. Sie kam zurück und wurde wieder hinausgetragen, bis der Geruch verflogen war. Das Kennzeichen zählt mehr als das, was man sieht.&lt;br /&gt;
* In Gombe brach 1966 Kinderlähmung aus. Jane Goodall beschrieb einen gelähmten Schimpansen, der sich nur noch schleppen konnte. Die anderen erschraken vor seiner fremden Bewegung, einige griffen ihn an, und sie wollten ihn nicht mehr lausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glück in der Menge:&#039;&#039;&#039; Die Herde ist die Anpassung an die Masse. Das Schaf ist glücklich in der Herde von Gleichgesinnten. Nach einem Konzert sagen die Leute: „Da war richtig viel los. Das war toll.“ Das ist pure Biologie.&lt;br /&gt;
* Émile Durkheim nannte es 1912 die kollektive Efferveszenz: Wenn eine Gemeinschaft zusammenkommt und gleichzeitig dasselbe denkt oder tut, wallt eine gemeinsame Energie auf, die den Einzelnen erregt und die Gruppe eint. Für Durkheim ist das die Wurzel der Religion: Die Energie der Versammlung geht auf ein Symbol oder einen Menschen über, und der wird heilig (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Fan|Fan]]).&lt;br /&gt;
* Bronwyn Tarr, Jacques Launay, Emma Cohen und Robin Dunbar ließen 2015 Menschen gemeinsam tanzen. Gleichzeitige Bewegung und Anstrengung erhöhten jede für sich die Schmerzschwelle, ein Zeichen für ausgeschüttete Endorphine, und stärkten die Bindung an die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Beim Pilgerfest Magh Mela in Indien hatten sich Gesundheit und Wohlbefinden der Pilger nach dem Fest verbessert (Tewari u. a. 2012). Wer die Menge als Gemeinschaft Gleichgesinnter erlebte, hatte ein besseres Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herde allein ist noch kein Stamm:&#039;&#039;&#039; Eine Gnuherde in der Serengeti zählt Hunderttausende Tiere. Keines kennt die anderen, kein Fremder wird ausgestoßen. Wer mitläuft, gehört dazu. Erst beim Wolfsrudel kennt jeder jeden, der Geruch ist das Kennzeichen, das Revier ist abgesteckt, und der fremde Wolf wird angegriffen. Im Yellowstone-Park ist der häufigste natürliche Tod eines Wolfs der Kampf mit einem fremden Rudel. Herde, dann Rudel und Revier, dann der [[#Stammesbruder|Stammesbruder]] mit Zeichen, Fahnen und Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nietzsche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* „Moralität ist Heerden-Instinct in dem Einzelnen.“ (Die fröhliche Wissenschaft, Aphorismus „Heerden-Instinct“)&lt;br /&gt;
* „Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in&#039;s Irrenhaus.“ (Also sprach Zarathustra, Vorrede)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geltung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Eitelkeit, Prahler, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]], [[Wesen 3: Beutetier#Verbittert|Verbittert]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Gerüchtemacher]]&lt;br /&gt;
* Hunger: etwas gelten, Bedeutung haben. Und wenn auch nur in einem Spezialgebiet oder vor bestimmten anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: übergangen werden, nicht beachtet werden; der eigene Platz in der Gruppe ist in Gefahr.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Jeder Mensch möchte Bedeutung haben, etwas gelten. Es geht um die Rangordnung in der Gruppe. Ein Einzelgänger hat keinen Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Hackordnung.&#039;&#039;&#039; Der Norweger Thorleif Schjelderup-Ebbe hat 1921 bei Hühnern die Hackordnung entdeckt: Jedes Huhn kennt seinen Platz, hackt die unter ihm und weicht denen über ihm aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Das Raubtier hat Geltung aus Stärke: Es hat Macht und Einfluss auf andere, auch gegen den Strom. Seinen Feinden erscheint es gefährlich. Die ihm folgen, tun es aus anderen Motiven, aus Achtung vor seinem Können und seiner Stärke. Das ist nicht der Gewaltherrscher, der gefürchtet und verachtet wird, sondern der vornehme Adlige. Überall gibt es Autoritäten, denen gefolgt wird wegen ihrer Entschlossenheit und ihres Könnens, in jeder Gruppe: im Sport, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Musik, in allem in Kultur und Zivilisation. Zwischen den Weltkriegen strömten junge Physiker zu Niels Bohr nach Kopenhagen; die Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten, galt als Privileg. Leonard Bernstein sagte über den Dirigenten Carlos Kleiber: „I have just heard the greatest living conductor in the world“. Und Kleiber selbst sagte einmal zu seinem Konzertmeister, als das Orchester ganz darauf konzentriert war, ihm zu folgen: „Let me follow you.“ Bei Apple sagte der Entwickler Bud Tribble 1981 über Steve Jobs: „Steve has a reality distortion field.“ Andy Hertzfeld beschrieb es als „a confounding melange of a charismatic rhetorical style, an indomitable will, and an eagerness to bend any fact to fit the purpose at hand“ (eine verwirrende Mischung aus einem charismatischen Redestil, einem unbeugsamen Willen und der Bereitschaft, jede Tatsache passend zu biegen). Gerade die Souveränen versuchen oft, was als unmöglich gilt. Es gehört immer Entschlossenheit dazu: neue Reviere erobern, auch kulturell (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]). Der Antrieb ist nicht die Anpassung. Am 9. Oktober 1903 schrieb die New York Times, eine Flugmaschine, die wirklich fliegt, könne in ein bis zehn Millionen Jahren entstehen. Am selben Tag schrieb Orville Wright in sein Tagebuch: „We started assembly today.“ 69 Tage später flogen die Brüder Wright. John F. Kennedy sagte 1962 in Houston: „We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard“; 1969 landeten Menschen auf dem Mond. Christo und Jeanne-Claude arbeiteten 24 Jahre daran, den Reichstag zu verhüllen, und trafen dafür 352 Abgeordnete; 1995 war er verhüllt. Ob ein Versuch gelingt oder scheitert, sagt nichts über die Haltung. Hinterher ist man immer schlauer: Wer den Ausgang kennt, hält ihn für viel wahrscheinlicher, als er es vorher getan hätte, und merkt es nicht (Fischhoff 1975). Max Weber nannte diese Herrschaft charismatisch: Sie beruht „auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person“. Nietzsche: „Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubthier, die prachtvolle nach Beute und Sieg lüstern schweifende blonde Bestie nicht zu verkennen; es bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung, das Thier muss wieder heraus, muss wieder in die Wildniss zurück“ (&#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; I 11; siehe [[Die Entstehung der Seele#Kanalisieren statt ausrotten|Kanalisieren statt ausrotten]]). Auch der Herdenmensch will Geltung haben, aber sie wird ihm durch die Zustimmung anderer gegeben: Preise und Auszeichnungen. Das ist die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]. Wer wenig Souveränität hat, holt sich Rang und Geltung von jemandem, dessen Meinung wichtig ist: [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]], die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]], der [[#Poser|Poser]]. Napoleon sagte 1802 zur Gründung der Ehrenlegion: „C&#039;est avec des hochets que l&#039;on mène les hommes.“ (Mit Rasseln lenkt man die Menschen.) Beides ist nicht eindeutig getrennt, sondern gemischt: Der französische Adel gab Unsummen für Kleider aus, und die Krone ist ein Symbol der Macht. Es gibt starke Persönlichkeiten, die die Auszeichnung haben wollen, und andere, die sie souverän ablehnen. Der Mathematiker Grigori Perelman lehnte 2006 die Fields-Medaille ab: „I&#039;m not interested in money or fame; I don&#039;t want to be on display like an animal in a zoo.“ La Rochefoucauld: „L&#039;orgueil se dédommage toujours, et ne perd rien, lors même qu&#039;il renonce à la vanité.“ (Der Stolz entschädigt sich immer und verliert nichts, selbst wenn er auf die Eitelkeit verzichtet.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geliehene Geltung.&#039;&#039;&#039; Die Herde tut etwas anderes. Der Herdenmensch erhält seine Geltung von jemandem, der Ansehen, Macht und Geltung hat. Das kann auch eine Institution oder eine Lehre sein. Es ist eine Unterordnung: der Diener im Haus des Adels, die Nonne im Schoß der Kirche. Der Diener würde es ablehnen, neureichem Pöbel zu dienen. Der Psychologe Robert Cialdini nannte das 1976 „basking in reflected glory“, sich im zurückgeworfenen Glanz sonnen: Nach einem Sieg ihrer Footballmannschaft trugen mehr Studenten Kleidung mit dem Namen ihrer Universität, und sie sagten „We won“. Nach einer Niederlage hieß es „They lost“. Das ist die flüchtige Form, nahe beim [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]]. Der Diener dagegen bleibt. Die Grenzen sind fließend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Grundbedürfnis.&#039;&#039;&#039; Cameron Anderson, John Hildreth und Laura Howland haben 2015 die Forschung zur Frage gesammelt, ob das Streben nach Status ein Grundbedürfnis ist. Ihr Ergebnis: ja, in allen Kulturen, bei Männern wie Frauen. Wer seinen Rang verliert, leidet darunter, auch wenn sich sonst nichts ändert. Und es zählt der Rang vor den Menschen, die einem wichtig sind, nicht vor allen. Der Philosoph William James schrieb schon 1890 sinngemäß: Eine teuflischere Strafe ließe sich nicht ausdenken, als dass man unter Menschen losgelassen würde und von allen völlig unbemerkt bliebe. Das ist der [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombie]], von der anderen Seite gesehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Keine Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß im älteren Deutsch „leer, nichtig“; man sagt noch „eitel Sonnenschein“, nichts als Sonnenschein. Die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]] will bewundert werden für die Oberfläche, sie ist die leere Form der Geltung. Die Geltung will etwas zählen für das, was man ist oder kann: der Handwerker, dessen Urteil auf der Baustelle gilt; der Briefmarkensammler, den die anderen Sammler fragen. „Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)“ ist ihre bettelnde Form.&lt;br /&gt;
:Die Geltung wirkt auch in anderen Wesen: im Hochgefühl des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amokläufers]], im [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Streber|Streber]], bei den [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieger.&#039;&#039;&#039; Geltung will ein Revier. Wird sie angegriffen, holt sie zur Verteidigung ihren Krieger, den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sammler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Nestbau, Messi, Eifersucht, Knauser&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Nehmer]]&lt;br /&gt;
* Mimik: keine. Der Sammler ist ein leiser Dämon, man sieht ihm nichts an.&lt;br /&gt;
* Griff: aufsammeln.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Brüder Collyer in New York wurden 1947 tot in ihrem Haus gefunden, unter mehr als hundert Tonnen Zeitungen, Klavieren und Gerümpel. Einer lag unter einem Stapel begraben, den er selbst als Falle gegen Einbrecher gebaut hatte. Der andere, blind und gelähmt, verhungerte danach.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: auch die Gier (Habgier), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Trigger: Knappheit und die Lücke (siehe Beschreibung).&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, Vorrat, Vollständigkeit. Nicht hergeben, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; Knappheit und die Lücke. Das leere Regal im Supermarkt. Der Winter, der kommt. Das eine Sammelbild, das im Album noch fehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Eichhörnchen vergräbt im Herbst Nüsse. Der Hamster stopft sich die Backen voll. Daher sagen wir „hamstern“.&lt;br /&gt;
* Am Anfang der Pandemie räumten die Leute das Klopapier aus den Regalen.&lt;br /&gt;
* Kinder stopfen sich die Hosentaschen mit Steinen und Kastanien voll. Niemand hat ihnen das beigebracht.&lt;br /&gt;
* Man gibt Leuten eine Kaffeetasse und fragt, für wie viel sie die Tasse verkaufen würden. Sie verlangen etwa das Doppelte von dem, was andere für dieselbe Tasse zahlen wollen. Was man hat, gibt man nicht her. Hier sitzt die Verbindung zur Eifersucht.&lt;br /&gt;
* Der Laubenvogel sammelt blaue Dinge, Federn, Beeren, Flaschendeckel, und legt sie vor seine Laube, um ein Weibchen anzulocken. Dort sind Sammler und Balz eins.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Wohnung ist bis zur Decke voll, nur schmale Gänge bleiben frei, und er kann nichts wegwerfen. Krankhaftes Horten ist seit 2013 eine eigene Diagnose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Revier.&#039;&#039;&#039; Der Sammler pflegt und verteidigt seine Sammlung. Er identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht. Seine Sammlung ist sein [[#Revierverhalten/Gebiet|Revier]]. Eine Sammlung gehört stärker zum Selbst als einzelne Gegenstände (Belk 1988, S. 154). Wer bestohlen wird, erlebt Eindringen und Verletzung (S. 142). Wird die Trennung erzwungen, bringt sie Trauer (S. 143). Ein Sammler, der seine Karten für das Studium der Tochter verkaufte, beschreibt den Verkauf als Trauer mit Leugnen, Wut und Niedergeschlagenheit (Warshaw 2023). Ein Briefmarkensammler, der seine Sammlung aufgeben muss, will es nicht überstürzen und behält ein Album (Briefmarken-Forum).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biologisch angelegt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Eibl-Eibesfeldt zog Eichhörnchen ohne Erde und ohne Nüsse auf. Als sie zum ersten Mal eine Nuss bekamen, kratzten sie auf dem nackten Boden ein Loch, das es nicht gab, legten die Nuss hinein, drückten sie mit der Schnauze fest und scharrten Erde darüber, die es nicht gab. Niemand hatte es ihnen gezeigt.&lt;br /&gt;
* Beim Menschen ist die Neigung zum Horten zum Teil erblich. Das zeigen Zwillingsstudien.&lt;br /&gt;
* Menschen mit einer Verletzung an einer bestimmten Stelle der Stirnhirnrinde fingen an, wertlosen Kram zu horten (Anderson, Damasio u. a., &#039;&#039;Brain&#039;&#039;, 2005). Der Sammler sitzt tiefer im Hirn, die Stirnhirnrinde hält ihn im Zaum. Fällt die Bremse weg, übernimmt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herkunft:&#039;&#039;&#039; vom Vorrat, vom Horten von Nahrung.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Einsammeln: Der Sammler aus „Jäger und Sammler“ pflückt Beeren, nimmt sie mit und isst sie. Morgen geht er wieder los. Mehr haben als nötig und nicht hergeben, das fehlt.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Nestbau: Der Vogel sammelt Zweige, bis das Nest fertig ist, dann hört er auf. Der Sammler hört nicht auf. Im Stammbaum steht der Nestbau als Kind unter Sammler und Elter: der Sammler im Dienst der Brut.&lt;br /&gt;
* Der Tannenhäher versteckt im Herbst Zehntausende Kiefernsamen an Tausenden Stellen und findet sie Monate später unter dem Schnee wieder. Viel mehr, als er im Winter fressen kann.&lt;br /&gt;
* Aesop: Die Ameise schleppt den ganzen Sommer Körner, die Grille singt. Im Winter hungert die Grille.&lt;br /&gt;
* Der Buschhäher versteckt Futter. Hat ihm ein anderer Häher dabei zugesehen, kommt er später zurück und versteckt alles neu. Das tun nur Häher, die selbst schon fremde Verstecke geplündert haben. Der Dieb kennt den Dieb. Da sitzen Eifersucht und Täuscher mit am Tisch.&lt;br /&gt;
* Bienen sammeln Honig, Ameisen legen Kornkammern an, der Hamster trägt seine Vorräte in den Bau. Das gibt es lange vor dem Menschen.&lt;br /&gt;
* Wer im Krieg gehungert hat, hebt sein Leben lang jedes Gummiband auf, und der Keller steht voller Einmachgläser.&lt;br /&gt;
Der Sammler sitzt nahe beim Schlemmer, beide kommen vom Hunger. Der Schlemmer isst jetzt. Der Sammler legt für später zurück. Er ist der Dämon, der an den Winter denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; Woher kommt die Vollständigkeit? Das fehlende Sammelbild, die 110 Messier-Objekte, alle 14 Achttausender. Der Vorrat erklärt das nicht. Ein Eichhörnchen will nicht alle Nusssorten haben. Ein späterer Zweig oder ein anderes Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angelegt ist der Hunger, nicht der Gegenstand. Briefmarken, Kunst oder Bitcoins sammelt niemand von Natur aus. Die Kultur liefert das Material, der Dämon den Hunger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wo der Sammler wirkt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Linné&#039;&#039;&#039; schickte seine Schüler in die ganze Welt, nach Amerika, Arabien, Japan, in die Südsee. Sie sollten Pflanzen sammeln und zurückbringen. Er nannte sie seine Apostel. Einige kamen nicht zurück. Aus dem Gesammelten wurde die Ordnung der Pflanzen und Tiere, mit der wir bis heute jedes Lebewesen benennen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Wunderkammern&#039;&#039;&#039;: Fürsten und Gelehrte stellten Muscheln, Korallen, ausgestopfte Krokodile, Einhorn-Hörner und Missgeburten in Glasschränke. Daraus wurden die Museen. Das British Museum begann 1753 mit der Sammlung eines einzigen Mannes, Hans Sloane, rund 71.000 Stücke.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Darwin&#039;&#039;&#039; sammelte als Student in Cambridge Käfer. Einmal hatte er in jeder Hand einen seltenen Käfer und sah einen dritten. Er steckte einen in den Mund, um die Hand frei zu haben. Der Käfer spritzte ihm eine brennende Flüssigkeit auf die Zunge, Darwin spuckte ihn aus, und der dritte war weg. Später sammelte er fünf Jahre lang auf der Beagle: Finken, Fossilien, Schildkröten. Erst danach kam die Theorie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Goethe&#039;&#039;&#039; hatte in Weimar eine Mineraliensammlung mit rund 18.000 Steinen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Mondlandung&#039;&#039;&#039;: Die Astronauten der Apollo-Flüge sammelten mit Zangen und Schaufeln Steine und Staub, zusammen rund 380 Kilogramm. Das teuerste Steinesammeln der Geschichte.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schmetterlinge&#039;&#039;&#039;: Nabokov, der Schriftsteller, zog mit dem Netz durch die Berge und sammelte Bläulinge. Er vermutete, dass sie in mehreren Wellen über die Beringstraße von Asien nach Amerika gekommen waren. Die Biologen nahmen ihn nicht ernst. 2011 bestätigte die Genetik seine Vermutung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Messier-Marathon&#039;&#039;&#039;: Charles Messier jagte im 18. Jahrhundert Kometen. Ihn störten verschwommene Flecken am Himmel, die aussahen wie Kometen, aber keine waren. Damit er nicht wieder darauf hereinfiel, schrieb er sie auf: 110 Stück. Die Liste war Abfall seiner Kometenjagd. Heute ist sie die berühmteste Liste der Astronomie. Jedes Jahr im März, wenn alle 110 in einer Nacht zu sehen sind, sitzen Amateure die ganze Nacht in der Kälte und haken eins nach dem anderen ab. Sie lernen nichts Neues, alle Objekte sind seit 250 Jahren bekannt, und niemand schaut ihnen zu. Das ist weder Neugier noch Anerkennung. Das ist der Sammler allein.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tycho und Kepler&#039;&#039;&#039;: Tycho Brahe hat über zwanzig Jahre lang jede Nacht die Stellung der Planeten gemessen, ohne Fernrohr, mit riesigen Messinstrumenten auf seiner Insel Ven. Ein Berg von Zahlen. Kepler bekam die Zahlen nach Tychos Tod und fand darin, dass die Planeten auf Ellipsen laufen. Tycho ist die Ameise, Kepler die Biene.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Rechnerinnen von Harvard&#039;&#039;&#039;: Um 1900 saßen Frauen an Tischen und gingen Hunderttausende Glasplatten mit Sternaufnahmen durch, Stern für Stern. Annie Jump Cannon sortierte von Hand rund 350.000 Sterne nach ihrem Licht. Henrietta Leavitt schrieb veränderliche Sterne auf und bemerkte: Je heller so ein Stern, desto langsamer blinkt er. Damit konnte man zum ersten Mal Entfernungen im Weltall messen, und Hubble zeigte damit, dass es andere Galaxien gibt. Erst die Sammlung, dann das Gesetz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Heute&#039;&#039;&#039;: Der Satellit Gaia hat fast zwei Milliarden Sterne vermessen. Über 5.000 Planeten um andere Sterne sind bestätigt, jeder neue kommt auf die Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neugier will schnell zur Antwort. Zwanzig Jahre Nacht für Nacht messen, Hunderttausende Platten durchsehen, das hält sie nicht durch. Der Sammler hat Geduld, denn jedes einzelne neue Stück sättigt ihn schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bacon&#039;&#039;&#039; hat das Bild dafür gefunden (Novum Organum, 1620). Die Ameise sammelt nur und frisst es auf. Die Spinne spinnt ihr Netz aus sich selbst heraus. Die Biene sammelt aus den Blüten und macht Honig daraus. Die Ameise ist der Sammler allein. Die Spinne ist der Zwerg, der aus dem Kopf Systeme spinnt. Die Biene ist der Sammler im Bund mit einem Dämon, der verarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sammler allein endet beim Messi: die Wohnung voll, aber keine Ordnung. Mit der Ordnung verbündet, wird er Linné. Mit der Neugier verbündet, wird er Darwin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Hochmut gegen den Sammler:&#039;&#039;&#039; Dem Physiker Rutherford wird der Satz zugeschrieben: „Alle Wissenschaft ist entweder Physik oder Briefmarkensammeln.“ Dabei steht jede Physik auf gesammelten Messwerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie mächtig der Sammler ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kunst&#039;&#039;&#039;: Der „Salvator Mundi“, Leonardo zugeschrieben, ging 2017 für 450 Millionen Dollar weg.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Autos&#039;&#039;&#039;: Der Musiker oder der Reiche mit dreißig teuren Autos in der Garage, die er nicht braucht. Jay Leno hat weit über hundert Autos in seinen Hallen. 2022 wurde ein Mercedes 300 SLR Uhlenhaut-Coupé für 135 Millionen Euro versteigert, das teuerste Auto der Welt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Baseballkarten&#039;&#039;&#039;: Eine Mickey-Mantle-Karte von 1952 brachte 2022 12,6 Millionen Dollar. Ein Stück Pappe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Briefmarken&#039;&#039;&#039;: Die British Guiana One-Cent Magenta, eine einzige Marke, wurde 2021 für rund 8 Millionen Dollar verkauft.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Pokémon&#039;&#039;&#039;: Der Werbespruch heißt „Schnapp sie dir alle!“. Das ist der Sammler wörtlich. Eine einzige Pikachu-Karte brachte 2022 über 5 Millionen Dollar.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Bild, das es nicht gibt&#039;&#039;&#039;: 2021 wurde eine Bilddatei des Künstlers Beeple als NFT für 69 Millionen Dollar verkauft. Jeder kann sie kopieren, aber nur einer „hat“ sie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tulpen&#039;&#039;&#039;: 1637 kostete in Holland eine einzige Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ so viel wie ein Haus in Amsterdam.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Reliquien&#039;&#039;&#039;: Friedrich der Weise sammelte in Wittenberg über 19.000 Reliquien: Knochen von Heiligen, Dornen aus der Krone Christi, Milch der Maria. Ausgerechnet dort schlug Luther 1517 seine Thesen an.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schuhe&#039;&#039;&#039;: Als Imelda Marcos aus dem Palast in Manila floh, fand man über tausend Paar Schuhe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gipfel&#039;&#039;&#039;: Reinhold Messner stand als Erster auf allen 14 Achttausendern. In Schottland haken Leute alle 282 Munros ab, die Berge über 3000 Fuß.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vögel&#039;&#039;&#039;: Phoebe Snetsinger hat über 8.000 Vogelarten mit eigenen Augen gesehen. Angefangen hat sie, als sie eine Krebsdiagnose bekam, und sie reiste noch zwanzig Jahre weiter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Saatgut&#039;&#039;&#039;: Im Eis von Spitzbergen liegt ein Tresor mit über einer Million Samenproben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Elemente&#039;&#039;&#039;: Die Chemiker jagen das Periodensystem voll. Das Element 118, Oganesson, existiert jeweils nur Bruchteile einer Sekunde, und trotzdem hat es einen Namen und einen Platz in der Tabelle.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nobelpreise&#039;&#039;&#039;: Marie Curie holte Polonium und Radium aus Tonnen von Pechblende und bekam 1911 den Nobelpreis. Für das Higgs-Teilchen gab es 2013 den Nobelpreis.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jagdtrophäen&#039;&#039;&#039;: Hörner und Köpfe an der Wand. Hier treffen sich Jagdtrieb und Sammler.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Geld&#039;&#039;&#039;: Der Milliardär, der mehr hat, als er in zehn Leben ausgeben könnte, und weiter sammelt. Dagobert Duck badet in seinem Geldspeicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baseballkarte, die Briefmarke, das NFT sind Millionen wert, weil andere Sammler sie haben wollen. Der Sammler macht den Wert selbst. Ohne ihn wäre die One-Cent Magenta ein Fetzen Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Knauser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Sammler|Sammler]] · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sammler kommt und geht, im Herbst, vor dem Winter, vor dem leeren Regal. Beim Knauser ist er chronisch geworden. Jede Ausgabe tut weh. Er hebt überall Geld auf. Das ist ein bekannter Typus. Wenn Leute Mangel erlebt haben wie im Krieg, werden sie manchmal so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; heißt es: „Meanness is undue sparing of expense.“ Der Knauser zählt beim Essen, wie viele Becher jeder Gast trinkt. Zerbricht ein Diener einen Topf, zieht er ihm den Wert von der Verpflegung ab. Verliert seine Frau eine kleine Münze, rückt er Möbel, Betten und Schränke und sucht in den Ritzen der Dielen. Seiner Frau verbietet er, Salz oder einen Lampendocht auszuleihen. Seine Geldtruhe ist schimmlig, weil sie nie geöffnet wird. Er hat eine volle Truhe und spart trotzdem: Fülle bannt den Knauser nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein zweiter Text.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt den Knauser noch einmal, als Ἀνελευθερία: „Penuriousness is the grudging of expense and is due to great love of money and little love of honor.“ Hier geht es um das Geld bei Ehrenpflichten. Nach einem Sieg auf der Bühne weiht er Dionysos einen hölzernen Kranz, auf den er seinen eigenen Namen schreibt. Wird öffentlich gesammelt, schweigt er oder geht, und sieht er einen sammelnden Freund kommen, schleicht er durch eine Seitengasse nach Hause. Bei der Hochzeit der Tochter verkauft er die Opfertiere und stellt nur Diener ein, die zu Hause essen. Bei einem Fest hält er die Kinder aus der Schule, um das Schulgeld zu sparen. Seiner Frau gibt er keine Magd, sondern ein gemietetes Kind. Das Wort heißt wörtlich Unfreiheit: Der Freie ist freigebig, der Geizige ist unfrei. Die Ehre wiegt bei ihm weniger als das Geld. Die [[#Geltung|Geltung]] überstimmt den Sammler nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geprägt vom Mangel.&#039;&#039;&#039; Ulrike Malmendier und Stefan Nagel untersuchten 2011 in ihrer Studie „Depression Babies“ Menschen, die schwere Wirtschaftskrisen erlebt haben. Wer selbst schlechte Zeiten erlebt hat, geht ein Leben lang weniger finanzielle Risiken ein und legt seltener Geld in Aktien an (siehe [[Bannung#Prägung|Prägung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Test:&#039;&#039;&#039; Beim Festessen nimmt die Tochter seine Börse und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle (siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]]). Und er missbilligt den Verschwender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Putz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO, Elf · zu Puppe&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Waschzwang. Menschen waschen sich die Hände, bis die Haut blutet, und fühlen sich danach immer noch schmutzig. Howard Hughes fasste am Ende Gegenstände nur noch mit Papiertüchern an und lebte abgeschottet in abgedunkelten Hotelzimmern.&lt;br /&gt;
* Ausfall: die Verwahrlosung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn der Putz ausfällt.&#039;&#039;&#039; Das Gegenstück zum Waschzwang ist, dass man sich nicht mehr pflegt. Theophrast nennt es Δυσχέρεια: „Grossness is such neglect of one’s person as gives offence to others.“ Sein Mann geht mit Ausschlag und schwarzen Zähnen auf den Markt und sagt, das sei erblich. Im Alltag kennt man den Ausfall bei schlechter Stimmung und wenig Antrieb. Im Extrem findet man ihn bei Menschen, die jede Hoffnung verloren haben: Scheitern in Schule und Beruf, Verachtung durch andere, Verlust des Rangs, eine Schuld, die man nicht tragen kann, vielleicht auch Selbstbestrafung. In Notunterkünften für Obdachlose gibt es Räume, in denen der Boden mit Müll und verfaultem Essen bedeckt ist. Der Rang ist dabei nicht alles. Bei Obdachlosen sind Sucht und psychische Erkrankungen häufig, mit großer Streuung (Fazel u. a. 2008, 29 Untersuchungen, 5.684 Personen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Selbstachtung.&#039;&#039;&#039; Der Putz dient auch der Selbstachtung, und die ist ein Spiegel der Achtung, die man von anderen erfährt (Cooley nannte das 1902 das „looking-glass self“). Wer in einer verachtenden Umgebung standhält, hat dafür einen imaginären Beifall. Als Bergen-Belsen im April 1945 befreit wurde, kam unaufgefordert eine große Lieferung Lippenstifte an. Der britische Sanitätsoffizier Mervin Gonin schrieb: „At last someone had done something to make them individuals again.“ Der Lippenstift sagt: Ich bin wer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elf ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Kuschel, Putz&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Fühl, Lausch, Schnupper, Kratz, Kitzel, Griff, Wurzel, Wohlig&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kuschel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elf · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Kuscheln ist Berührung und Umarmung, und es geht dabei um Geborgenheit und Sicherheit. Zwei Wurzeln sind denkbar. Die eine ist das Lausen der Affen: Gegenseitiges Streicheln und Lausen hält bei Primaten die Bindungen, über Hautnerven und Endorphine (Robin Dunbar 2022). Die andere ist die Verbindung von Mutter und Kind. Harry Harlows Rhesusaffen klammerten sich in den 1950er-Jahren an die Stoffmutter, auch wenn nur die Drahtmutter Milch gab. Der Körperkontakt war wichtiger als das Füttern. Beides kann zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die erotische Seite.&#039;&#039;&#039; Berührungen sind auch erregend. Dann geht das Kuscheln ins Begehren über und führt zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]]. Für den Menschen ist Sex ein Mittel zur Bindung geworden, heißt es oft, wichtig wegen der langen Kindheit. Das ist eine gängige, aber umstrittene These. Robert Quinlan (2008) sieht Paarbindungen als vielseitig, mit der Versorgung in der Stillzeit als am besten belegter Funktion, und prüft Sex als Bindungsmittel nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gefälliger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Geltung|Geltung]], [[#Elter|Elter]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Verehrung/Bewunderung|Verehrung/Bewunderung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: das Wohl und die Freude der anderen, und die Anerkennung dafür.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit oder Hilflosigkeit des anderen. Das Kindchenschema wirkt, zum Beispiel Bambi-Augen, es ist aber kein Muss. Es genügt, dass Hilfe gebraucht wird.&lt;br /&gt;
* Bannung: Wird kaum gewollt, denn er ist ein Kitt der Gemeinschaft. Gebannt wird nur seine Entgleisung. Wer sich verausgabt, den will der Ehepartner schützen. Wenn der Samariter die eigene Familie vernachlässigt, konkurriert er mit dem [[#Elter|Elter]], und dann hilft ein Arrangement, wem er wie viel gibt. Oakley und Kollegen nennen Hilfe, die ungewollt Schaden anrichtet, pathologischen Altruismus (2012).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gefällige will anderen Freude machen und freut sich an ihrer Freude. Deshalb macht man Geschenke. Sein Hauptinteresse ist das Wohl des anderen, das ihm wichtiger sein kann als das eigene. Das ist Eltern-Verhalten. Am stärksten gilt es dem, den er wertschätzt. Es reicht aber bis zum Fremden: Er gibt dem Bettler, den er nicht kennt, und er spendet an Empfänger, die er nie sehen wird. Die Freude des anderen und sein Dank sind dann nur vorgestellt. Er will auch Anerkennung, und beides gehört zusammen. Er ist ein wesentlicher Kitt jeder Gemeinschaft. Er ist nicht der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]], der nach oben lobt, um an der Macht teilzuhaben. Er ist auch nicht der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]], der Missfallen vermeiden will und dafür formal korrekt und höflich ist, vielleicht auch ein Streber. Der Gefällige tut anderen Gutes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was dafür spricht.&#039;&#039;&#039; Wer Geld für andere ausgibt, ist glücklicher als wer es für sich ausgibt (Dunn, Aknin und Norton 2008). Das fand sich in 120 von 136 Ländern (Aknin u. a. 2013). Gute Nachrichten zu teilen macht froh, und mehr, wenn das Gegenüber sich mitfreut, und es hängt bei Paaren mit besserer Beziehung zusammen (Gable u. a. 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch für Unbekannte.&#039;&#039;&#039; Schon anonymes freiwilliges Geben aktiviert die Belohnungsregionen stärker als die Zwangsabgabe (Harbaugh u. a. 2007, 19 Teilnehmerinnen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gefälligkeit nach oben.&#039;&#039;&#039; Wer einer Autorität einen Gefallen tut, um Anerkennung oder Wertschätzung zu bekommen, macht einen Tauschhandel. Das ist der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] oder das [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]]. Der Gefällige hilft auch, wenn es niemand erfährt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ἀρέσκεια: „Affability is a sort of demeanor that gives pleasure at the sacrifice of what is best.“ Er ruft einen Freund schon von weitem an, überschüttet ihn mit Lob und lässt ihn nicht los. Vor Gericht will er auch dem Gegner gefallen. Beim Essen lässt er die Kinder rufen, sagt, sie ähnelten dem Vater „as one fig is like another“, und spielt mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn er entgleist.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt die Entgleisung. Überwiegt die Anerkennung, wird aus dem Gefälligen der Schmeichler, der dem anderen Recht gibt, auch gegen die Wahrheit. Aristoteles unterscheidet den Gefallsüchtigen ohne Eigennutz vom Schmeichler aus Eigennutz. Die Psychologie nennt das Extrem Soziotropie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urschlummer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Gähn, Murmel, Mümmel&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gähn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Murmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mümmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neid ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Revierverhalten/Gebiet · zu Troll, Häme&lt;br /&gt;
* Es ist eine Form von Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Rivale, der mir nah ist, bekommt oder kann, was in meinem eigenen Gebiet zählt. Beim Fremden und beim Unerreichbaren entsteht kein Neid, sondern Bewunderung.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Neidkratzer. Jemand zieht mit dem Schlüssel eine lange Schramme in den Lack eines teuren Autos. Er hat nichts davon, außer dass der andere es auch nicht mehr hat.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Es ist eine Form von Revierverhalten. So wie Ziegen ihren Rivalen bei der Fütterung wegboxen: Am Futtertrog stoßen die ranghohen Tiere die anderen mit dem Kopf weg, auch wenn genug für alle da ist. Es geht nicht ums Sattwerden. Es geht darum, dass der andere nicht frisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man neidet, was der andere hat oder bekommt. Auch wenn man Fähigkeiten neidet, geht es darum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, was der andere hat. Oder wenigstens, dass der andere es auch nicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Trigger genau:&#039;&#039;&#039; Es ist mehr zwischen Bekannten, zwischen Rivalen. Und dann beherrscht es die Gedanken und führt zu Missgunst und zu Taten, um den anderen zu schädigen. Der Psychologe Abraham Tesser hat gezeigt, dass zwei Dinge zusammenkommen müssen: Der andere ist mir nah, Freund, Kollege, Bruder, Nachbar. Und er ist besser auf einem Gebiet, das für mich selbst zählt. Ist mein Freund ein besserer Schachspieler und mir ist Schach egal, freue ich mich für ihn. Ist er ein besserer Elektriker und ich bin Elektriker, dann sticht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Tat:&#039;&#039;&#039; In Tessers Versuchen durfte einer dem anderen bei einem Ratespiel Hinweise geben, leichte oder schwere. Hieß es, das Spiel sei belanglos, bekamen Freunde leichtere Hinweise als Fremde. Hieß es, das Spiel messe die Intelligenz, bekamen Freunde schwerere Hinweise als Fremde. Man bremst den Freund aus, nicht den Fremden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Promi ist etwas anderes:&#039;&#039;&#039; Wer weit weg und unerreichbar ist, an Reichtum, Ruhm oder Fähigkeit, den beneidet man nicht, man bewundert ihn. Das gehört zur Verehrung/Bewunderung und zum Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Formen:&#039;&#039;&#039; Der böse Neid will den anderen herunterziehen. Der gutartige Neid will selbst hinauf: „Das will ich auch schaffen.“ Er richtet sich oft auf jemanden, der ein Stück weiter, aber noch erreichbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Unter Gleichen:&#039;&#039;&#039; Aristoteles schreibt in seiner Rhetorik, man beneide die, die einem nahe sind an Zeit, Ort, Alter und Ansehen, und zitiert dafür Hesiod, um 700 vor Christus: „Der Töpfer grollt dem Töpfer, der Bettler dem Bettler, der Sänger dem Sänger.“ Man beneidet nicht den König, sondern den Nachbarn. Beide stehen am selben Trog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bilder:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Schneewittchen: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die Königin war die Schönste, bis der Spiegel eine andere nannte.&lt;br /&gt;
* Zwei Kinder bekommen verschieden große Kuchenstücke: „Der hat aber mehr!“&lt;br /&gt;
* Zwei Kapuzineraffen bekommen für dieselbe Aufgabe Gurke. Bekommt einer eine Weintraube, wirft der andere seine Gurke dem Forscher ins Gesicht.&lt;br /&gt;
* Das Gesetz von Jante, aus einem Roman von Aksel Sandemose, 1933, in Skandinavien sprichwörtlich: „Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Warum der und nicht ich?“&#039;&#039; → Der Vergleich. Der Anfang von allem.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hat doch nur Glück gehabt.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Der hat eben Beziehungen.“&#039;&#039; → Den Erfolg kleinreden. Wenn es Glück war, hat er es nicht selbst geschafft, und ich bin nicht schlechter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„So toll ist das auch nicht.“&#039;&#039; → Saure Trauben. Aesops Fuchs springt nach den Trauben, kommt nicht dran und sagt im Weggehen: „Die sind mir ohnehin zu sauer.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das hat der doch gar nicht verdient.“&#039;&#039; → Die Maske der Gerechtigkeit. Der Neid verkleidet sich als Gerechtigkeitssinn.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hält sich wohl für was Besseres.“&#039;&#039; → Das Gesetz von Jante. Niemand darf herausragen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Schön für dich.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Gönn ich dir.“&#039;&#039;, durch die Zähne gesagt → Das Heucheln. Der Glückwunsch, der keiner ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Dem wird das Lachen schon noch vergehen.“&#039;&#039; → Die Vorfreude auf den Fall.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Hab ich doch gleich gesagt.“&#039;&#039;, wenn es dann schiefgeht → Die Schadenfreude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Gehirn:&#039;&#039;&#039; Japanische Forscher ließen 2009 Versuchspersonen Geschichten über erfolgreiche Mitschüler lesen. Beim Neid war ein Bereich aktiv, der auch bei Schmerz arbeitet. Als dem Beneideten danach ein Unglück passierte, sprang ein Bereich an, der bei Belohnung arbeitet. Neid tut weh, Schadenfreude tut gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gute Neid:&#039;&#039;&#039; Hesiod unterscheidet zwei Göttinnen des Streits. Die schlechte Eris bringt Krieg. Die gute Eris treibt den Faulen an, wenn er sieht, wie reich der fleißige Nachbar wird, sodass er selbst pflügt und pflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verwandt:&#039;&#039;&#039; [[#Eifersucht|Eifersucht]] (die Eifersucht fürchtet zu verlieren, was sie hat; der Neid will haben, was der andere hat), [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Gerechtigkeitssinn|Gerechtigkeitssinn]], Häme, [[#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Alle drei, Stammesbruder, Eifersucht und Neid, stammen vom Revierverhalten: das Revier der Gruppe, das Revier der Bindung, das Revier am Futtertrog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Revierverhalten/Gebiet ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Stammesbruder, Eifersucht, Neid, [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]]&lt;br /&gt;
* Es ist der Kern der Eifersucht: Ein Rivale dringt in die Bindung ein. Beim Wolfsrudel: Man kennt die Gesichter, das Revier ist abgesteckt, der Fremde ist der Feind.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überall.&#039;&#039;&#039; Viel Verhalten von Menschen lässt sich nur verstehen, wenn man weiß, dass es Revierkämpfe sind. Bei Tieren sind Revierkämpfe oft Standard: Ziegen boxen, Elche kämpfen. Bei manchen ist das so ernst, dass es Verletzte und Tote gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dasselbe Zeichen.&#039;&#039;&#039; Der Bauer zäunt sein Feld ein. Der Goldsucher seinen Claim. Der Hund pisst an den Baum und Armstrong stellt die amerikanische Flagge auf. Das ist dasselbe.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Reviere werden vor allem gegen Artgenossen verteidigt und mit Duft, Gesang oder Schauflügen markiert. Der Besitz wird meist respektiert, auch ohne dass ihn jemand durchsetzt: Wer zuerst da war, wird selten herausgefordert (Sherratt und Mesterton-Gibbons 2015). Stake (2004) sieht in den Rechtsregeln über Besitz und Priorität Spuren dieser Strategien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sammler.&#039;&#039;&#039; Er pflegt und verteidigt seine Sammlung und identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eltern.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Man nennt es Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beschützer.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker. Bei Säugetieren und Vögeln ist das die Regel. Bei Fischen und Reptilien eher nicht. Ausnahmen gibt es: Der männliche Stichling bewacht das Nest und verteidigt Eier und Junge gegen Eindringlinge, ebenso die Männchen der Sonnenbarsche (Britannica; Juneau Empire). Auch hier zeigt sich der Dämon ohne Maske in ganzer Stärke, wenn man das Revier betritt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geltung.&#039;&#039;&#039; Das Revier ist hier der Rang. Es zeigt sich, wenn die Kompetenz angezweifelt wird, wenn der Rang oder die Stellung streitig gemacht wird oder wenn der Konkurrent sich mit fremden Federn schmückt. Auch die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] ist Revierverhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eitelkeit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Poser&lt;br /&gt;
* Varianten: Geck, Diva&lt;br /&gt;
* Die leere Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Geltung, die durch die Zustimmung anderer gegeben wird: Preise und Auszeichnungen (siehe [[#Geltung|Geltung]]). La Rochefoucauld: „La vertu n&#039;irait pas si loin si la vanité ne lui tenait compagnie.“ (Die Tugend käme nicht so weit, wenn die Eitelkeit ihr nicht Gesellschaft leistete.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß ursprünglich leer, nichtig (althochdeutsch &#039;&#039;ītal&#039;&#039;), so wie das lateinische &#039;&#039;vanitas&#039;&#039;. Die Leere steckt schon im Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ehrgeiz im Kleinen.&#039;&#039;&#039; Theophrast nennt den Eitlen Μικροφιλοτιμία, „Ehrgeiz im Kleinen“: „a striving for honor in small things“. Beim Essen will er neben dem Gastgeber sitzen. Er zahlt mit frisch geprägten Münzen. Seiner zahmen Dohle kauft er eine kleine Leiter und einen Schild aus Bronze. Stirbt sein Hund, setzt er ihm ein Denkmal: „Fido, Pure Maltese.“ Er kauft einen neuen Anzug, solange der alte noch gut ist, und seine Zähne sind immer weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von außen.&#039;&#039;&#039; Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er sagt, was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Die Eitelkeit lebt in der Lücke zwischen dem, was einer sagt, und dem, was er sich davon verspricht. Meist ist das keine Berechnung. Er glaubt selbst an das Bild, das er zeigt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Bescheidene&#039;&#039;&#039; sagt: „Ach, das war doch nichts Besonderes.“ Er hofft auf den Widerspruch: „Doch, das war großartig!“ So bekommt er das Lob und darf sich obendrein bescheiden fühlen. Manchmal verkleidet er das Angeben als Klage, etwa wenn er stöhnt, er komme vor lauter Einladungen zu nichts mehr. Die anderen durchschauen das meistens.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Erfolgreiche&#039;&#039;&#039; sagt: „Eigentlich wollte ich nie Karriere machen. Es hat sich so ergeben.“ Der Erfolg soll mühelos aussehen, und gerade dafür will er bewundert werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Gekränkte&#039;&#039;&#039; sagt: „Mir ist völlig egal, was andere über mich denken.“ Dann liegt er die halbe Nacht wach wegen einer einzigen Bemerkung. Wer am lautesten sagt, die Meinung der anderen sei ihm egal, hängt oft am stärksten an ihr.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Unauffällige&#039;&#039;&#039; sagt: „Ich brauche keine Aufmerksamkeit, ich mach einfach mein Ding.“ Er möchte gerade dafür bewundert werden. Seine Eitelkeit ist, keine zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl verrät, was der Satz verbirgt. Lob hebt ihn, ausbleibendes Lob enttäuscht ihn, Kritik kränkt ihn, und wer mehr Beachtung bekommt, wird zum Rivalen. Er sieht sich mit den Augen der anderen. Darum macht die Eitelkeit abhängig, obwohl sie sich überlegen fühlen will: Sie muss sich immer wieder neu beweisen, denn sicher ist man der Bewunderung nie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eitelkeit heute.&#039;&#039;&#039; Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schopenhauers Satz gilt noch: Die Eitelkeit ist gesprächig, der Stolz schweigsam. Young Jee Han, Joseph Nunes und Xavier Drèze fanden 2010: Wer reich ist und Geltung braucht, kauft die Tasche mit dem großen Logo, die jeder erkennt. Wer reich ist und sie nicht braucht, kauft die Tasche ohne Logo, die nur Kenner erkennen. Der eine spricht zu allen, der andere nur zu seinesgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039; „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Sehen und gesehen werden.“ – „Kleider machen Leute.“ – „Wer schön sein will, muss leiden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schauspieler.&#039;&#039;&#039; Wer davon lebt, gesehen zu werden, ist oft eitel. Drew Pinsky und Mark Young ließen 2006 zweihundert Prominente einen Narzissmus-Fragebogen ausfüllen. Die Prominenten lagen deutlich über dem Durchschnitt, am höchsten die Stars aus dem Reality-Fernsehen, dann Komiker, Schauspieler und Musiker. Viele waren schon so, bevor sie berühmt wurden: Der Beruf zieht die Eitlen an. In Billy Wilders Film &#039;&#039;Sunset Boulevard&#039;&#039; (1950) sagt man der gealterten Stummfilmdiva Norma Desmond: „You used to be big.“ Sie antwortet: „I am big. It&#039;s the pictures that got small.“ Am Ende steigt sie die Treppe hinab, auf die Kamera zu: „All right, Mr. DeMille, I&#039;m ready for my close-up.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen.&#039;&#039;&#039; Auf Reddit sprechen Menschen offen darüber, und manchmal spricht der Dämon selbst.&lt;br /&gt;
* Über sich selbst: „I&#039;m very vain in the sense I&#039;m always aware of how good or not I look […] I will leave any situation, job, place, person etc if it worsens my looks.“ – „When I look good I feel good, and I care way too much about how people see me.“ – „Yes, I strut and preen.“ – „Main character energy so yes.“ – „sometimes I&#039;m extremely vain and other times I feel inferior to everyone“ (r/Sagittarians, 2025). Im letzten Satz zeigt sich die Leere.&lt;br /&gt;
* Was andere hören: Eine Freundin begründet alles mit ihrem Aussehen: „I should have been invited to that party, I&#039;m hot.“ – „I don&#039;t understand why we have to wait in this line, most of the time hot people get let in early.“ Eine andere fragt nach dem Treffen mit den Freunden ihres Partners: „did anyone tell you how pretty I was“ (r/AskMen, 2024).&lt;br /&gt;
* Schopenhauers gesprächige Eitelkeit, ein Ratschlag an Männer: „Never mention your nice car, then pick her up for a 3rd date, hot. Mentioning it up front, tacky.“ (r/Bumble, 2026)&lt;br /&gt;
* Männer über sich selbst: „I like staring at my reflection in shop windows.“ – „Have to check the bathroom mirror to make sure my abs are still there.“ – „I definitely check myself out in bathroom mirrors, window reflections. I can&#039;t help it I&#039;m just too sexy“ – „I take a lot of satisfaction in the fact that I look good, then immediately feel guilty about it“ (r/AskMen, 2018).&lt;br /&gt;
* Die Eitelkeit missbilligt die, die nicht so sind wie sie. Ein Mann staunt, wie schlecht jüngere Männer aussehen: „When I look at men who are much younger than me and I&#039;m amazed at how bad they look“. Jemand fragt zurück: „So, your vanity expresses itself through judgement of others?“ Ein anderer: „Not OP but yes, absolutely. It&#039;s kinda shitty but it&#039;s a gut reaction.“ (r/AskMen, 2018; siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geck.&#039;&#039;&#039; Eine Variante der Eitelkeit kommt vom [[#Putz|Putz]]: die Eitelkeit auf das eigene Aussehen, auf Kleidung, Frisur und Körper. Das Wörterbuch nennt den Gecken einen „eitlen (jungen) Mann mit auffallend modischer Kleidung und auffälligem Benehmen“ (DWDS). Die weibliche Variante ist die Diva. Die Eitelkeit selbst ist weiter: Auch ein hässlicher Gelehrter kann auf seine Intelligenz eitel sein. Dann hängt sie allein an der [[#Geltung|Geltung]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Diva.&#039;&#039;&#039; Das Wort heißt auf Italienisch „die Göttliche“ und war im 19. Jahrhundert ein Ehrenname berühmter Sängerinnen (Pfeifer). Das Wörterbuch nennt die Diva eine gefeierte Künstlerin, einen Star (DWDS). Zu ihr gehören Starallüren: Sie ist launisch, kapriziös und unnahbar und hält sich für etwas Besseres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Poser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Eitelkeit · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Poser ist ein Schauspieler für das Publikum. Vielleicht kann er auch etwas. Aber er stellt sich hin und macht eine Pose, damit das Publikum sie sieht. Früher haben Fußballer nach einem Tor gejubelt. Das war echt, das war [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Jubel|Jubel]] nach dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Sieg|Sieg]]. Heute machen sie Posen: Jeder soll sehen, was für ein Held ich bin. Auch die Influencer machen Posen für die Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Siu.&#039;&#039;&#039; Cristiano Ronaldo sprang im August 2013 nach einem Tor gegen Chelsea in die Luft und rief „Siu“. Er sagt selbst, das sei spontan gewesen: „I just scored the goal and it came out. It was just natural. Since that, I started to do it more often.“ Aus echtem Jubel wurde durch Wiederholung eine Pose, sein Markenzeichen. Die Übergänge sind fließend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Vorderbühne.&#039;&#039;&#039; Erving Goffman beschrieb 1959 das Alltagsleben als Theater, mit einer Vorderbühne, auf der man vor Publikum spielt, und einer Hinterbühne, auf der man unbeobachtet ist (&#039;&#039;The Presentation of Self in Everyday Life&#039;&#039;). Der Poser lebt auf der Vorderbühne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; ist der Eitle auch schon Poser. Den Kopf des geopferten Ochsen nagelt er gegenüber der Haustür an, damit jeder Besucher sieht, was er geopfert hat. Nach der Reiterparade gibt er die Ausrüstung dem Knecht und stolziert in Sporen über den Markt. Bei Vorführungen in seiner eigenen Halle kommt er als Letzter herein, damit die Zuschauer sagen: „That&#039;s the gentleman to whom the place belongs.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen&#039;&#039;&#039; (Reddit): „Curates her life online to make it look more fun and exciting than it really is.“ (r/AskMen, 2024) – „Sometimes guys post unfriendly non-smiling gym photos of them staring at their own arm muscles“ (r/Bumble, 2026). Das Aufpumpen vor dem Auftritt: „Shit, I do push-ups before cutting the lawn shirtless!“ – „You don&#039;t keep dumbbells in your trunk to do a few curls right before picking up your dates?“ – „you never look as good as your pump.“ Einer nennt seine Schnellübung selbst „the douchebag session“ (r/Fitness, 2015). – „When I cosplay, I want my picture taken with everyone.“ (r/AskMen, 2018)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prahler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[#Geltung|Geltung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Auch: Angeber.&lt;br /&gt;
* Varianten: Aufschneider&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Aufschneider.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Prahlers ist der Aufschneider. Bei Theophrast heißt er Ἀλαζονεία: „Bragging is pretending to have excellences that one does not really possess.“ Er steht am Hafen und erzählt, wie viel Kapital er in Schiffen stecken hat, und schickt seinen Sklaven zur Bank, wo er eine Drachme hat. Er habe unter Alexander gedient und drei Briefe von Antipater bekommen, obwohl er nie aus seiner Stadt herausgekommen ist. In der Hungersnot habe er über fünf Talente für die Armen gegeben. Sein gemietetes Haus nennt er das Familienhaus und sagt, es sei zu klein für seine Freunde. Ob das Vermögen echt oder erfunden ist, ist für das Wesen irrelevant. Das Motiv ist dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Besser sein wollen.&#039;&#039;&#039; Geltung zu wollen ist an sich etwas Positives. Sie ist der Treibstoff für viele Errungenschaften und Leistungen. Beim Prahler geht es aber darum, besser zu sein als die anderen. Das ist traurig, denn er ist von den anderen abhängig. Ohne Vergleich gibt es keinen Rang. Dabei kann man den Rang und die Leistung anderer auch anerkennen, unabhängig davon, ob sie mehr haben oder können (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wenn ein anderer mehr hat.&#039;&#039;&#039; Hat ein Nachbar das größere Haus oder das größere Auto, kommt der [[#Neid|Neid]] ins Spiel, wenn der andere ihm nah ist und es ein Gebiet ist, das ihm selbst zählt. Dann legt der Prahler nach, zieht den anderen herunter oder meidet den Vergleich. Der Neid ist sein Bruder: Auch er ist auf den Vergleich fixiert, und sein eigener Rang hängt von den anderen ab. Nach einer Umfrage von Solnick und Hemenway lehnten 48 % es ab, dass alle reicher werden, wenn das den eigenen Rang senkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; erscheint er in zwei Gestalten. Der Übereifrige zeigt „an excess in saying or doing, — with good intentions, of course“ und verspricht öffentlich Dinge, die er nicht leisten kann. Der Prahler ist „pretending to have excellences that one does not really possess“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Justin Kruger und David Dunning ließen 1999 Studenten nach einem Test schätzen, wie gut sie waren. Das schlechteste Viertel lag im 12. Perzentil und schätzte sich im 62. ein. Der Titel ihrer Studie: „Unskilled and unaware of it“. Wie stark das im Durchschnitt gilt, ist umstritten (Gilles Gignac und Marcin Zajenkowski 2020). Den Typ gibt es trotzdem. William von Hippel und Robert Trivers schrieben 2011, Selbsttäuschung sei entstanden, um andere besser zu täuschen: „self-deceptive self-enhancement also allows people to display more confidence than is warranted.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urtümlich.&#039;&#039;&#039; Der Angeber ist alt. Der Pfau schlägt sein Rad vor der Henne. Andere Tiere machen sich vor dem Rivalen größer, als sie sind: fast eine Drohgebärde, aber schon im Vorfeld, um einzuschüchtern, bevor es zum Kampf kommt. Rothirsche röhren um die Wette, wo ein Kampf droht, und das Röhren verrät dem Rivalen die Kampfkraft (Tim Clutton-Brock und Steve Albon 1979). Verliert ein Männchen der Winkerkrabbe seine große Schere, wächst eine neue nach, die gleich groß aussieht, aber leichter und schwächer ist. Damit blufft es: „Regenerated claws effectively bluff fighting ability and deter potential opponents before they fight.“ Auch die Weibchen fallen darauf herein. Bis zu 44 % der Männchen tragen solche Scheren (Patricia Backwell und Kollegen 2000). Das ist der Angeber in reiner Form: mehr zeigen, als da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Balz ruft den Angeber.&#039;&#039;&#039; Ein Dämon kann innerhalb desselben Menschen einen anderen zu Hilfe rufen. Die Balz ruft den Angeber, so wie beim Feigling die Angst den Täuscher ruft. Das ist eine Abfolge, keine Abstammung. Ein Feldversuch: Junge Skateboarder wagten riskantere Tricks, wenn eine attraktive Frau zusah, und ihr Testosteron stieg (Richard Ronay und William von Hippel 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Angeber vor Frauen – und vor Rivalinnen.&#039;&#039;&#039; Beim Menschen ist das Muster verbreitet. Derselbe Mann wirkt auf Frauen attraktiver, wenn er in einem Bentley sitzt; bei einer Frau am Steuer wirkt das nicht (Dunn &amp;amp; Searle 2010). Männer spenden deutlich mehr, wenn eine attraktive Frau zusieht; Frauen vor einem attraktiven Mann nicht (Iredale, Van Vugt &amp;amp; Dunbar 2008). Frauen geben auch an, nur anders: Sie investieren in Wirkung, Kosmetik ist eine ganze Industrie. Und Luxus zeigen sie oft anderen Frauen, als Mittel im Wettbewerb unter Rivalinnen (Hudders et al. 2014). Das ist wieder das Tier, das sich vor dem Rivalen größer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht jede Schminke und nicht jede teure Tasche ist Angeberei. Frauen tun das auch für sich selbst, nicht nur, um zu beeindrucken. Dann spricht [[#Geltung|Geltung]]: &#039;&#039;Ich bin wer.&#039;&#039; Das ist das gute Gefühl eines sicheren Reviers, kein Täuschen. Dasselbe Verhalten kann von verschiedenen Wesen kommen. Der Angeber braucht einen Zuschauer, den er übertrumpfen will. Geltung genügt sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsicht bei der Literatur: Viele Studien, die das Angeben durch „Paarungsstimmung“ auslösen wollten, ließen sich nicht wiederholen (Shanks et al. 2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stammesbruder ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Herde, Revierverhalten/Gebiet, Jagdtrieb · zu –&lt;br /&gt;
* Die Herde bringt das Zusammenhalten und das Ausstoßen der Abweichler, der Jagdtrieb die gemeinsame Jagd auf Minderheiten: Wölfe jagen gemeinsam und töten fremde Wölfe, die Schimpansen von Gombe stellten die Abtrünnigen in Gruppen und töteten sie einzeln.&lt;br /&gt;
* Verwandt: Revierverhalten/Gebiet; Fan und Kamerad; Verachtung gegen die Fremden.&lt;br /&gt;
* Wirkt bei vielen Wesen mit: beim Streber, beim Held, beim Krieger, beim Zwerg. Darum ist er kein Elternteil des Zwergs, sondern ein eigener Dämon.&lt;br /&gt;
* Trigger: die Kennzeichen (Trikot, Fahne, Dialekt), eine Bedrohung von außen, ein Abweichler in den eigenen Reihen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stammesbruder ist fundamental&lt;br /&gt;
Das wirkt bei ziemlich allen Gruppen Bildungen mit auf denen Zivilisationen beruhen&lt;br /&gt;
In Wahrheit gibt es nicht Nationen oder Firmen oder Gesellschaften oder Kunst oder Wissenschaft als Verbindung von Menschen&lt;br /&gt;
Da verbinden sich Menschen zu einem Stamm mit 50 anderen Menschen die sie kennen&lt;br /&gt;
Das ist die wirkende Dynamik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es ein Thema braucht mit dem sich ein Stamm identifiziert&lt;br /&gt;
Eine Lehre&lt;br /&gt;
Eine Ideologie&lt;br /&gt;
Aber abgesehen von Sinn oder Unsinn&lt;br /&gt;
Was da passiert ist Stammesverhalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es einen Kanon an gemeinsamen Symbolen, Masken, Kleidung, Haarschnitt, Fahnen, Ritualen, Sprüchen , Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wird auch peinlich darauf geachtet dass das eingehalten wird von denen die dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind die die nicht dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die wird mindestens herab geschaut&lt;br /&gt;
Und wenn es schlimm kommt gibt es auch Krieg und Verfolgung&lt;br /&gt;
Das ist eine unschöne Seite davon&lt;br /&gt;
Oft werden da Minderheiten gesucht&lt;br /&gt;
Als Feind der die Gruppe bedroht&lt;br /&gt;
Um die Truppe folgsam zu machen gegen den gemeinsamen Feind&lt;br /&gt;
Der Dämon Stammesbruder übernimmt das Ruder und schaltet das kritische Denken aus&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand ist Mitglied vom Stamm. Stammesverhalten ist ein mächtiger Trieb, der sehr viel menschliches Verhalten erklärt. Überall bilden wir Gruppen mit einheitlichen Kennzeichen. Und um in die Gruppe aufgenommen zu werden, muss man Hürden überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie schnell er da ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Robbers Cave, 1954: Zwei Gruppen von Jungen im Ferienlager, die sich vorher nicht kannten. Nach wenigen Tagen hatten sie Namen, die „Adler“ und die „Klapperschlangen“, eigene Fahnen und eigene Regeln. Bald verbrannten sie die Fahne der anderen und überfielen deren Hütte.&lt;br /&gt;
* Tajfel, 1970er-Jahre: Schüler wurden angeblich danach eingeteilt, ob sie Bilder von Klee oder von Kandinsky lieber mögen. In Wahrheit war es Zufall. Trotzdem gaben sie beim Verteilen von Geld der eigenen Gruppe mehr und verzichteten sogar auf Geld, nur damit der Abstand zur anderen Gruppe größer wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Hürde:&#039;&#039;&#039; 1959 mussten Studentinnen, um in eine Diskussionsgruppe zu kommen, vor einem Mann peinliche Wörter laut vorlesen. Danach hörten alle dieselbe absichtlich langweilige Diskussion. Wer die peinliche Aufnahme durchgemacht hatte, fand die Gruppe besonders gut. Je höher die Hürde, desto wertvoller die Gruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen und Hürden:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Militär&#039;&#039;&#039;: Kopf kahl, Uniform, Grundausbildung, Drill. Der Einzelne wird abgelegt, die Truppe wird angezogen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fußball&#039;&#039;&#039;: Schal, Trikot, Fangesänge. Schalke und Dortmund liegen 30 Kilometer auseinander und hassen sich neunzig Minuten lang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Berufe&#039;&#039;&#039;: Der Zimmermann auf der Walz in schwarzer Kluft, drei Jahre und einen Tag unterwegs, nicht näher als 50 Kilometer an seinen Heimatort. Der Doktortitel bei den Akademikern. Die verschlüsselte Fachsprache des [[Zwerg]]s ist das Kennzeichen seines Stammes, der Aufnahmeritus.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Studentenverbindungen&#039;&#039;&#039;: der Schmiss von der Mensur, eine Narbe im Gesicht als Kennzeichen fürs Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alt:&#039;&#039;&#039; In Gombe in Tansania hat sich in den 1970er-Jahren eine Schimpansengruppe gespalten. Über vier Jahre hat die größere Gruppe die Männchen der abgespaltenen Gruppe einzeln aufgespürt und getötet. Vorher waren es Gruppenmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Stamm von 50:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der Anthropologe Robin Dunbar hat gezählt, wie groß menschliche Gruppen von selbst werden: etwa 5 enge Vertraute, 15 gute Freunde, 50 Leute, mit denen man lagert und jagt, 150, die man noch beim Namen kennt. Die 50 ist bei Jägern und Sammlern die Größe eines Lagers.&lt;br /&gt;
* Die Armeen haben das immer gewusst. Der Zug hat 30 bis 50 Mann, die Kompanie um die 150. Bei den Römern teilten sich 8 Mann ein Zelt.&lt;br /&gt;
* Shils und Janowitz befragten 1948 gefangene Wehrmachtssoldaten, warum sie bis zuletzt weiterkämpften, als der Krieg längst verloren war. Nicht die Ideologie hielt sie. Die meisten kämpften für die Männer neben ihnen im Graben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Thema ist austauschbar:&#039;&#039;&#039; Bei Tajfel reichte die Frage, ob einem Klee oder Kandinsky besser gefällt, und in Wahrheit nicht einmal das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Peinlich genau eingehalten:&#039;&#039;&#039; Wer aus der eigenen Gruppe abweicht, wird härter verurteilt als ein Fremder, der dasselbe tut. Die Psychologen nennen das den Schwarze-Schaf-Effekt. Der Abtrünnige ist schlimmer als der Feind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das kritische Denken ausgeschaltet:&#039;&#039;&#039; Solomon Asch, 1951. Eine Versuchsperson sitzt mit sieben anderen am Tisch, die heimlich eingeweiht sind. Alle sollen sagen, welche von drei Linien so lang ist wie eine vierte. Die Antwort ist offensichtlich. Aber die sieben sagen nacheinander laut die falsche. Etwa drei von vier Versuchspersonen haben mindestens einmal mitgemacht und gegen ihre eigenen Augen die falsche Linie genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gemeinsame Feind:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Wort Sündenbock kommt aus der Bibel. Am Versöhnungstag legte der Priester die Sünden des Volkes einem Ziegenbock auf und jagte ihn in die Wüste.&lt;br /&gt;
* Im Ferienlager von Robbers Cave wurden die verfeindeten Gruppen am Ende durch eine gemeinsame Bedrohung versöhnt: Die Wasserleitung des Lagers war angeblich sabotiert.&lt;br /&gt;
* Göring erklärte 1946 in Nürnberg dem Gefängnispsychologen Gilbert sinngemäß: Das Volk lässt sich immer zum Krieg bringen. Man muss ihm nur sagen, es werde angegriffen, und die Friedensfreunde als Vaterlandsverräter hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“&#039;&#039; → Freund oder Feind, kein Drittes.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das macht man bei uns nicht.“&#039;&#039; → Die Regel des Stammes, ohne Begründung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Die da.“&#039;&#039; → Der Fremde braucht keinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die andere Seite:&#039;&#039;&#039; Derselbe Dämon trägt den verletzten Kameraden aus dem Feuer. Ohne ihn gäbe es keine Feuerwehr und keine Bergwacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; sein Ruf-Name.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_4:_Leib,_Nest_und_Lust&amp;diff=966</id>
		<title>Wesen 4: Leib, Nest und Lust</title>
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		<updated>2026-11-01T01:16:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Begehren: Wie oft, Erregung gegen Urteil, Androgenentzug, Der große Dämon&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die übrigen Wurzeln unter HOMO.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · &#039;&#039;&#039;Leib, Nest und Lust&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wuff Wuff (betteln um Anerkennung) ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Streber&lt;br /&gt;
* Die bettelnde Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HOMO ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Odem, Durst, Sunny, Balz, Elter, Sammler, Putz, Urschlummer, Beutetier, Hunger/Schlemmer, Raubtier, Herde, Begehren, Elf&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Odem ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Durst ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sunny ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hunger/Schlemmer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekel, Schmauß, Schmatz, Schmack, Trank, Mijam&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Völlerei), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekel ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Ekel]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Horror, Öde, Verachtung, Nase rümpfen, Hass&lt;br /&gt;
* Spruch: „Pfui“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Verdorbene und Verunreinigte vom Mund und vom Körper fernhalten. Der Dämon will, dass es weg ist, oder dass man selbst weg ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kot, Erbrochenes, Aas, Schimmel, Maden, Schleim, fremde Körperflüssigkeiten. Dazu alles, was damit in Berührung kam.&lt;br /&gt;
* Bannung: Abstand oder Reinigung. Er beruhigt sich, wenn das Ekelhafte weg ist oder man sich gewaschen hat.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Nase ist gerümpft, die Oberlippe nach oben gezogen, der Mund verzogen, oft wird die Zunge herausgestreckt oder es würgt.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf geht zurück, der Körper dreht sich weg, die Hände wehren ab. Man hält Abstand.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rangordnung und Reinheit.&#039;&#039;&#039; In vielen Kulturen oder Religionen wird eine Rangordnung gemacht: Reinheit, oder der Reine, im Gegensatz zum Unreinen. Bevor sich das vergeistigt hat, war das nichts Symbolisches. Das steht schon bei Nietzsche. Jedenfalls beinhaltet der Ekel eine Abscheu mit Blick auf den Unreinen, und darin ist eine Rangordnung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ja und Nein.&#039;&#039;&#039; Man sagt Ja und Nein und hält das für logische Kategorien. Aber letztendlich stammt das von körperlichen Reaktionen und basiert darauf und erhält auch heute noch daher den Sinn. Ekel ist eine Abwehr. Bei einem stärkeren Nein ist da auch Verärgerung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche schreibt in der &#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; ([http://www.thenietzschechannel.com/works-pub/gm/gm-1g.htm 1887, erste Abhandlung, §6]), dass „rein“ und „unrein“ sich zum ersten Mal als Ständeabzeichen gegenüberstehen. Man solle die Begriffe nicht symbolisch nehmen: Sie seien anfangs „grob, plump, äusserlich, eng, geradezu und insbesondere unsymbolisch“ verstanden worden. Der „Reine“ sei von Anfang an bloß „ein Mensch, der sich wäscht, der sich gewisse Speisen verbietet, die Hautkrankheiten nach sich ziehen, der nicht mit den schmutzigen Weibern des niederen Volkes schläft, der einen Abscheu vor Blut hat“. Dumont ([https://books.google.com/books/about/Homo_Hierarchicus.html?id=XsOtRGdvIigC &#039;&#039;Homo Hierarchicus&#039;&#039;]) beschreibt das indische Kastensystem durch den Gegensatz von rein und unrein: Die Brahmanen stehen für höchste Reinheit, die Unberührbaren für höchste Unreinheit. Mary Douglas (1966) bestimmt Schmutz als „matter out of place“, als Stoff am falschen Platz. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10234846/ 1999]) ordnen drei Gefühle drei Moralordnungen zu: Ekel gehört zur Verletzung der Ordnung von Reinheit und Heiligkeit, Ärger zur Autonomie, Verachtung zur Gemeinschaft. Royzman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24866519/ 2014]) fanden bei Verletzungen der Reinheitsordnung ohne Krankheitsbezug vor allem Ärger und nicht Ekel. Ob Ekel und Ärger dabei zusammenwirken oder sich ersetzen, ist umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Schutz vor dem, was man in den Mund nehmen würde.&#039;&#039;&#039; Rozin und Fallon ([https://psycnet.apa.org/record/1987-12972-001 1987]) definieren Ekel als Abscheu vor dem Gedanken, etwas Anstößiges in den Mund zu nehmen. Curtis, de Barra und Aunger ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3013466/ 2011]) sehen ihn als ein System, das vor Ansteckung schützt. Der Dämon ist also eine Wache an der Tür des Körpers.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Berührung zählt.&#039;&#039;&#039; Rozin, Millman und Nemeroff ([https://cognitionandculture.net/wp-content/uploads/89LawsSympMagicJPSP86-1wzdvkv.pdf 1986]) ließen Versuchspersonen Saft trinken. Hatte eine sterilisierte tote Kakerlake ihn kurz berührt, wurde er abgelehnt. Auch Schokolade in der Form von Hundekot wollten viele nicht essen, obwohl sie wussten, was es war. Der Dämon fragt nicht nach Wissen. Er reagiert auf die Berührung und auf die Ähnlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel vor Menschen und Taten.&#039;&#039;&#039; Chapman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251631/ 2009]) fanden, dass bittere Geschmäcker, Bilder von Verschmutzung und unfaire Angebote in einem Spiel denselben Gesichtsmuskel (Levator labii) aktivierten, der die Oberlippe hebt. Moralischer Ekel benutzt also dieselbe Mimik wie Ekel vor Essen. Von dort kommt die Spur zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] und [[#Nase rümpfen|Nase rümpfen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird übertragen.&#039;&#039;&#039; Die Reaktion von Ekel wurde übertragen und zeigt sich nicht nur in Bezug auf Speisen oder Schmutz, sondern als Abscheu vor Verbrechern oder Minderheiten. Auch das Nase rümpfen gehört dazu. Eine ursprüngliche körperliche Reaktion wurde kultiviert und wird für verschiedene Funktionen eingesetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird gelernt.&#039;&#039;&#039; Interessant ist auch, dass das Objekt des Ekels teilweise erst durch die Mutter erlernt wird, zum Beispiel Regenwürmer oder Ausscheidung. „Iiiih. Das ist ekelhaft. Fass das nicht an.“ Das ist direktes Lernen. Das Kind sieht die körperliche Reaktion der Mutter, den Abscheu im Gesicht, und lernt den Ekel vor dem Objekt aus diesem Vorbild. So wird diese Verknüpfung erlernt.&lt;br /&gt;
:Rozin, Haidt und Fincher ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251619/ 2009], „From Oral to Moral“) vertreten, dass Ekel als Ablehnung schlechter Geschmäcker begann und sich zu einer abstrakten Emotion ausdehnte. Tybur u. a. ([https://www.ovid.com/00006832-201301000-00003 2013]) schreiben, dass Ekel zunächst die Vermeidung von Krankheitserregern motivierte und später für die Vermeidung von Sexualkontakt und für moralische Verstöße genutzt wurde. Die Fachwörter dafür sind „Preadaptation“ und „Co-optation“. Harris und Fiske ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17100784/ 2006]) zeigten Versuchspersonen im Scanner Bilder von Obdachlosen und Süchtigen. Nach den Zusammenfassungen fehlte dabei die übliche Aktivierung für das Denken über andere Menschen, dafür waren Amygdala und Insula aktiv; die Insula gilt als Ekelregion. Stevenson u. a. ([https://researchers.mq.edu.au/en/publications/childrens-response-to-adult-disgust-elicitors-development-and-acq/ 2010]) untersuchten Kinder von 0 bis 18 Jahren: Kernauslöser wie Kot erscheinen zuerst, Eltern kleiner Kinder zeigten ihren Kindern mehr Ekel und mehr Meidung, und die Reaktion der Kinder auf Tiere und auf sozial-moralische Auslöser entsprach der Reaktion der Eltern. Für Kot nennt die Zusammenfassung diesen Zusammenhang nicht, und kleine Kinder ohne Wissen über Ansteckung reagierten auf Kernauslöser ebenso stark wie Gleichaltrige mit diesem Wissen. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3740830/ 1986]) fanden bei Kindern ab 16 Monaten, dass die Jüngsten mehr Ekelhaftes annahmen, die Mehrheit aber das meiste ablehnte. Dass das Kind den Ekel von der Mimik der Mutter lernt, ist mit diesen Studien nicht direkt nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel ist angeboren.&#039;&#039;&#039; Der Ekel gehört natürlich zu den Urdämonen. Der Psychologe Paul Ekman hat bei Naturvölkern dieselbe Mimik des Ekels dokumentiert wie bei uns. Also ist sie angeboren. Jemand las einen Text. In Zeitlupe war im Gesicht die Mimik starker Abscheu zu sehen. Das war ein Mikroausdruck von Ekel: die Abwehr im Augenblick, in dem eine Textstelle nicht verstanden wurde.&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Mimik des Ekels und das Deuten dieser Mimik sind zu trennen. Zur Mimik: Matsumoto und Willingham ([https://www.eurekalert.org/news-releases/695433 2009]) fanden bei Athleten der Paralympics 2004, die von Geburt an blind waren, dieselben spontanen Gesichtsausdrücke wie bei sehenden Athleten. Ich kenne nur Zusammenfassungen. Ob Ekman bei den Fore auch selbst gezeigte Ekel-Mimik dokumentiert hat, konnte ich nicht belegen. Zum Deuten: Ekman, Sorenson und Friesen (1969, &#039;&#039;Science&#039;&#039; 164) ließen Fore und Sadong Gesichtsausdrücke zuordnen. Die Fore erkannten den Ausdruck für Ekel und Verachtung zu 29 % (Pidgin) bzw. 44 % (Fore-Sprache), die Sadong wählten am häufigsten „Trauer“ (26 %) und „Freude“ (23 %). Ekman und Friesen (1971, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 17) gaben den Fore Geschichten und drei Gesichter zur Wahl: Erwachsene wählten das Ekel-Gesicht zu 77 % bzw. 89 % (Zufall: 33 %), Kinder bei zwei Gesichtern zu 95 % bzw. 78 % (Zufall: 50 %). Ich kenne die Zahlen aus einem Lehrbuch (Yarwood), das die Tabellen wiedergibt. Das Deuten gelingt beim Ekel also schlechter als bei Freude. Gegenposition: Barrett u. a. (2019) bestreiten, dass sich Gefühle verlässlich aus dem Gesicht lesen lassen. Zum Mikroausdruck beim Nichtverstehen habe ich keine Studie gefunden. Rozin und Cohen ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12899317/ 2003]) fanden bei Amerikanern im Alltag häufig Ausdrücke, die sie als Verwirrung, Konzentration und Sorge deuteten; Verwirrung hat dort einen eigenen Ausdruck. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8014832/ 1994]) beschreiben verschiedene Ekel-Gesichter für verschiedene Auslöser. Pochedly u. a. fanden, dass das Gefühl, das man dem Naserümpfen zuschreibt, davon abhängt, welche Gesichter vorher gezeigt wurden. Ich kenne alle drei nur aus den Zusammenfassungen. Der Ekel beim Nichtverstehen bleibt damit eine Beobachtung; sie passt zu „Der Ekel wird übertragen“. Zu Urgefühlen, Mikroausdrücken und Verhör siehe [[Grundlagen#Das Unbewusste|Das Unbewusste]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kinder.&#039;&#039;&#039; [[#Öde|Öde]] ist der Ekel vor dem Geschmacklosen. [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] entsteht aus Ekel und [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; Wer Menschen mit „Ungeziefer“ oder „Dreck“ belegt, ruft den Ekel gegen sie. Dann wird aus der Hygiene eine Ausgrenzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Öde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Nörgler&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nase rümpfen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Lästerer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmauß ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmatz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmack ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mijam ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Balz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Liebe, Eifersucht&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aphrodite ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit und Anmut eines Menschen, ohne dass man den Akt beabsichtigt oder sich ihn ausmalt. Man fühlt sich in der Nähe dieses Menschen gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes. Schönheit stimuliert, und vielleicht gehört etwas Verliebtheit dazu. Man will für die Verehrte etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Aber etwas Nichtmaterielles will man doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Getrennt vom Begehren.&#039;&#039;&#039; Die sexuelle Absicht ist davon getrennt, auch wenn sie oft folgt. Umgekehrt gibt es Männer, die jede nehmen, die die Reize hat, unabhängig vom Charakter der Frau, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hindernisse.&#039;&#039;&#039; Was die Verehrung verhindern kann, ist bei jedem anders, etwa Falschheit oder Einbildung. Wer sie beim anderen findet, kann ihn nicht mehr verehren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Macht.&#039;&#039;&#039; Aphrodite ist mächtig und verbreitet. Die halbe Zivilisation hängt davon ab, von Mode und Kosmetik bis zu Kunst, Musik und Architektur, und es wird viel dafür getan, selbst bewundert zu werden oder Schönheit zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Liebe ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Beschützer, Verehrung/Bewunderung · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Liebe ist, dass einem der andere wichtig ist und man ihn schützen will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] hat dabei eine ganz starke Rolle. Die Liebe kann eine sexuelle Komponente haben, aber die kann auch fehlen. Die Mutter liebt ihr Kind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Liebe und Begehren.&#039;&#039;&#039; Begehren gibt es auch ohne Liebe, und Liebe auch ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Wo beides zusammenkommt, ist es [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Und die Bewunderung.&#039;&#039;&#039; Die Liebe hat auch von der Verehrung etwas, vom Staunen über den anderen. Die Bewunderung der Schönheit ist [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eifersucht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Sammler, Zorn, Verehrung/Bewunderung, Revierverhalten/Gebiet, Elter · zu Stalker&lt;br /&gt;
* Der Kern ist das Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: der Rivale; der Blick des geliebten Menschen zu einem Dritten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kern:&#039;&#039;&#039; Die Gefahr, eine Bindung zu verlieren, und zwar an einen Rivalen. Das ist Revierverhalten: Ein Rivale dringt in mein Revier ein, und das Revier ist hier eine Bindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Älter als Balz und Besitz:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Die Mutter spielt liebevoll mit einer lebensechten Puppe statt mit ihrem sechs Monate alten Baby. Das Baby wird unruhig und unglücklich, deutlich mehr, als wenn die Mutter nur in ein Buch schaut. Ein Säugling hat keine Balz und keinen Begriff von Besitz.&lt;br /&gt;
* Der Besitzer streichelt einen Stoffhund, der bellt und mit dem Schwanz wedelt. Viele Hunde drängen sich dazwischen, manche schnappen nach dem Stoffhund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es gibt verschiedene Arten von Eifersucht, je nach Art der Bindung:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Liebenden&#039;&#039;&#039;, von der Balz: der Nebenbuhler. Das Kleinlibellen-Männchen hält das Weibchen nach der Paarung mit seinen Zangen am Hals fest und fliegt mit ihr im Tandem, während sie die Eier ablegt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Geschwistern&#039;&#039;&#039;, vom Elter: Ein Baby kommt nach Hause, und das ältere Kind, zwei oder drei Jahre alt, will plötzlich wieder die Flasche und macht wieder ins Bett. Josef: Jakob liebt ihn mehr als die anderen Söhne und schenkt ihm einen bunten Rock. Die Brüder werfen ihn in eine Grube und verkaufen ihn. Es geht um die Gunst des Vaters.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um Besitz&#039;&#039;&#039;, vom Sammler: „Er gehört mir.“ „Meine Frau.“ „Mein Schatz.“ Was man hat, gibt man nicht her.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um einen Verehrten&#039;&#039;&#039;, von der Verehrung: Der Lieblingsschüler des Meisters wird von den anderen beneidet. Der Fan ist eifersüchtig auf die Freundin des Stars.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Ausbruch&#039;&#039;&#039;, vom Zorn: wenn der Rivale da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wertlosigkeit und Zurückweisung:&#039;&#039;&#039; Man hat auch ein Gefühl der Wertlosigkeit, der Zurückweisung, wenn der besondere Mensch einen anderen vorzieht. Der Rivale nimmt nicht nur den Menschen weg. Er sagt durch seine bloße Existenz: Du bist weniger wert als ich. Im Kopf kreist die Frage: „Was hat er, was ich nicht habe?“ Man vergleicht sich und verliert. Das liegt nahe bei Schmach und Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eifersucht und Neid:&#039;&#039;&#039; Eifersucht fürchtet zu verlieren, was man hat, an einen Rivalen. Neid will haben, was der andere hat. Das Gefühl der Wertlosigkeit entsteht im Vergleich mit dem Rivalen. Da treffen sich beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird nicht bewertet. Eifersucht hat man in allen Kulturen gefunden, in denen man danach gesucht hat. Sie ist natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Venus ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Liebe, Mijam, Begehren, Kuschel · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Venus ist die Liebe mit Begehren. Zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] kommen das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]], der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Kuschel|Kuschel]] mit der Lust an der Berührung und der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Mijam|Mijam]] mit der Lust am Genuss. Alle diese Teile gibt es auch einzeln. Begehren gibt es ohne Liebe, und Liebe ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Venus ist der Fall, in dem alles zusammenkommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]] bewundert die Schönheit, ohne den Akt zu beabsichtigen. Das Begehren nimmt, was die Reize hat, ohne Rücksicht auf den Charakter. Venus verbindet die Liebe mit dem Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begehren ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekstase, Venus&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Wollust), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du gefällst mir.“ „Bleib noch.“ „Komm näher.“ „Du siehst heute gut aus.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Berührung, Nähe und Vereinigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Ekel|Ekel]] und [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]].&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Pupillen sind weit, die Lippen leicht geöffnet, der Blick bleibt hängen, wendet sich ab und kehrt zurück.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Körper wendet sich dem anderen zu, sucht Nähe und Berührung, die Stimme wird leiser und tiefer.&lt;br /&gt;
* Bannung: Befriedigung beruhigt das Begehren vorübergehend. Auch Ablenkung, das Vermeiden von Reizen und eine bewusste Neubewertung der Situation können seinen Einfluss vermindern. Das Verlangen ist aber kein Befehl. Man kann es empfinden, ohne ihm zu folgen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Begehren richtet den Menschen auf einen anderen Menschen aus und treibt ihn zur sexuellen Vereinigung. Ein Reiz weckt es, die Erfüllung stillt es.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trigger.&#039;&#039;&#039; Etwas fungiert als Trigger, was vorher keiner war. Begehren ist in der Entwicklung flüssig. Der Mensch hat gelernt, aufrecht zu gehen. Jetzt waren die Reize von hinten nicht mehr da, also brauchte es vorne auch Reize für die Stimulation. Außerdem wurde die Kindheit länger, also wurden die Milchdrüsen länger gebraucht. Auf einmal wurden Brüste sexy. Milchdrüsen haben auch Tiere, vielleicht waren es zuerst Fettreserven.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Form, Kontext, Schablone.&#039;&#039;&#039; Ein Trigger besteht aus drei Teilen: einem Merkmal, einem Zusammenhang und einer Richtung des Begehrens. Brustwarzen sehen bei Mann und Frau ähnlich aus und lösen doch nur im Zusammenspiel mit der Richtung aus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angeborene und gelernte Auslöser.&#039;&#039;&#039; Es gibt Auslöser, die bevorzugt wirken: ein Taille-Hüft-Verhältnis um 0,7, Jugend, Gesundheit. Daneben kann das Begehren auf andere Reize geprägt werden. Beim Fetischisten sind es Gummi, Büstenhalter oder Schuhe. Der geprägte Auslöser wirkt wie ein angeborener: Er erregt und er befriedigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Übernormale Reize.&#039;&#039;&#039; Ein Reiz kann stärker wirken als sein Vorbild: Lippenstift, Zucker, Fett, Bildbearbeitung. Die Silbermöwe brütet auf einem Ei, das größer ist als ihr eigenes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Reiz verspricht.&#039;&#039;&#039; Der Reiz verspricht den Vollzug und weckt den Dämon. Das ist seine Funktion. Der Duft macht Hunger auf Brötchen. Die Schachtel macht Japp auf den Kick vom Nikotin.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Trigger.&#039;&#039;&#039; Knappheit (nur noch zwei), Nachahmung (der andere will es, also will ich es auch), Neuheit (das Überraschungsei), Besitz (was mir gehört, wird wertvoll), Zeichen für Belohnung (die Verpackung, der Geruch aus der Bäckerei), Status (das Auto des Nachbarn).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sperre.&#039;&#039;&#039; Gegenspieler der Trigger ist die Gewöhnung. Wer als Kind zusammen aufwächst, findet sich später nicht mehr anziehend, und wer etwas zu lange hat, mag es nicht mehr.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Gas und Bremse.&#039;&#039;&#039; Das Begehren hat zwei getrennte Systeme: eines, das erregt, und eines, das hemmt. Menschen unterscheiden sich in beidem (Bancroft &amp;amp; Janssen 2000). Gehemmt wird durch die Angst zu versagen und durch die Angst vor den Folgen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Ekel als Gegenspieler.&#039;&#039;&#039; Speichel, Schweiß und Körpergerüche wecken außerhalb der Lust Ekel. Sexuelle Erregung schwächt den Ekel (PLoS ONE 2012). Umgekehrt dämpfen Zeichen von Krankheit und Schmutz die Erregung (PLoS ONE 2015).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust kommt oft erst beim Tun.&#039;&#039;&#039; Das Begehren muss nicht vor dem Reiz da sein. Oft entsteht es erst, wenn der Reiz wirkt. Basson hat das 2000 für Frauen beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Zeichen.&#039;&#039;&#039; Frauen steuern die Begegnung zwischen Fremden und entscheiden über deren Ausgang (Grammer u. a. 2000, Videoanalyse). Männer erkennen einen weiblichen Gesichtsausdruck zuverlässig als Flirt (Journal of Sex Research 2020).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Pupille.&#039;&#039;&#039; Die Pupille erweitert sich bei erotischen Bildern innerhalb einer halben Sekunde (Psychophysiology 2017). Bei heterosexuellen und schwulen Männern folgt sie klar der Ausrichtung des Begehrens, bei Frauen weniger deutlich (Rieger u. a. 2015; Meta-Analyse 2021). Sie verrät den Erregten. Schöner macht sie ihn nicht: Engere Pupillen wirken sogar attraktiver (Cognition 2024).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Stimme.&#039;&#039;&#039; Männer senken die Stimme, wenn eine Frau begehrt ist und wenn sie bei einer Verabredung die Frau gewählt haben (Proceedings B 2019). Bei Jägern und Sammlern haben Männer mit tiefer Stimme mehr Kinder (Apicella u. a. 2007).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Abwechslung.&#039;&#039;&#039; Begehren und Erregung sinken bei Gewöhnung an den Partner und steigen bei einem neuen (Übersicht 2014). In Versuchen zeigen Männer stärkere Vorliebe für sexuelle Abwechslung, den Coolidge-Effekt (Archives of Sexual Behavior 2020). Eine Befragung in 52 Ländern fand den Wunsch nach mehr Partnern bei Männern durchgehend (Schmitt 2003).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust, Anziehung, Bindung.&#039;&#039;&#039; Bei Säugetieren trennt Fisher (1998) drei Systeme: die Lust, die zur sexuellen Vereinigung treibt, die Anziehung zu einem bestimmten Partner und die Bindung. Das Begehren ist die erste. Die beiden anderen entsprechen [[#Venus|Venus]] und dem Wesen der [[#Liebe|Liebe]]. Der Kuss dient dabei auch der Prüfung des Partners, besonders bei Frauen (Hughes &amp;amp; Kruger 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Das Begehren lenkt die Aufmerksamkeit auf sexuelle Reize. Es verändert die Wahrnehmung: Ein Mensch wird plötzlich nicht mehr hauptsächlich als Gesprächspartner, sondern als begehrenswerter Körper wahrgenommen. Es kann Annäherungsverhalten, Flirten, Imponieren, Fantasieren und die Suche nach Intimität auslösen. Bei starker Aktivierung verändert es sogar die Bewertung von Risiken und Konsequenzen. Was vorher unvernünftig erschien, kann plötzlich verlockend wirken. Dabei ist es nicht zwangsläufig rücksichtslos. Sexuelles Begehren kann mit Zärtlichkeit, Rücksicht und gegenseitiger Lust verbunden sein. Es kann aber auch mit Besitzdenken, [[#Eifersucht|Eifersucht]] oder Dominanzstreben zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was es fühlt.&#039;&#039;&#039; Das charakteristische Gefühl ist Lust auf etwas, das noch nicht stattgefunden hat. Dazu gehören körperliche Erregung, Erwartung, Spannung, Ungeduld und ein starkes Hinziehen zum begehrten Menschen. Das unterscheidet es vom [[#Mijam|Mijam]]: Der Mijam erfreut sich an einer gegenwärtigen Empfindung. Das Begehren verlangt nach einer zukünftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Eigenleben.&#039;&#039;&#039; Sexuelles Begehren kann ohne bewusste Entscheidung entstehen. Ein Reiz aktiviert den Trieb, der anschließend selbst nach weiteren Reizen sucht. Er kann Erinnerungen hervorrufen, Fantasien entwickeln und die Aufmerksamkeit immer wieder auf sein Ziel zurücklenken. Das Begehren erzeugt damit teilweise selbst die Bedingungen für seine weitere Aktivierung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Verbindungen.&#039;&#039;&#039; Das Begehren kann sich mit anderen Wesen verbinden:&lt;br /&gt;
::* [[#Beschützer|Beschützer]]: Aus sexueller Anziehung entwickelt sich Zärtlichkeit und Fürsorge.&lt;br /&gt;
::* [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]: Der sexuelle Erfolg wird zum Beweis der eigenen Attraktivität.&lt;br /&gt;
::* [[#Eifersucht|Eifersucht]]: Das Begehren will verhindern, dass ein anderer bekommt, was es selbst begehrt.&lt;br /&gt;
::* [[#Venus|Venus]]: Das sexuelle Verlangen verbindet sich mit Idealisierung und dem Wunsch nach dauerhafter Nähe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lust, nicht Kinder.&#039;&#039;&#039; Das Begehren verfolgt kein bewusstes Fortpflanzungsziel. Evolutionär wurde der Trieb durch seinen Beitrag zur Fortpflanzung begünstigt. Aber das Wesen selbst will Lust, nicht Kinder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das eigene Wesen.&#039;&#039;&#039; Hier zeigt sich sehr deutlich, wie es ein eigenständiges Wesen ist. Es erwacht mit der Pubertät, kann aber vorher auch schon schwächer da sein. Aber dann beherrscht es die Gedanken. Da setzt ein bestimmtes Wesen die Ziele.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Reiz ohne Mögen.&#039;&#039;&#039; Man kann eine Person begehren, nur wegen der Trigger oder Reize, selbst wenn man die nicht mag, oder Bilder. Bilder werden zum Beispiel von der Pornographie genutzt. Das ist eine Milliardenindustrie, die den Bedarf nutzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachlassen.&#039;&#039;&#039; Später nimmt es ab, so ab 30 bis 50. Aber das ist individuell. Wenn der Trieb erlischt, hat man die Erinnerung, aber nicht mehr wirklich das Verständnis davon.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der wilde Herr.&#039;&#039;&#039; In Platons Politeia (Buch I) erzählt Kephalos, dass der Dichter Sophokles im Alter gefragt wurde, ob er noch zur Liebe fähig sei. Er antwortete sinngemäß, er sei ihr mit großer Freude entkommen, wie einem wilden und rasenden Herrn.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Heiß und kalt.&#039;&#039;&#039; Wer nicht im Zustand eines Triebs ist, unterschätzt, wie stark der Trieb wirkt, wenn er da ist. Loewenstein (1996) nennt das die Empathielücke zwischen heißen und kalten Zuständen. Sie gilt für Hunger, Durst, Zorn und sexuelle Erregung. Deshalb bleibt die Erinnerung, aber nicht das Verständnis.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Nachlassen im Verlauf.&#039;&#039;&#039; In der Massachusetts Male Aging Study wurden 1.085 Männer zwischen 40 und 70 neun Jahre lang beobachtet. Die sexuelle Funktion nahm ab, bei den Älteren stärker (2004).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie oft.&#039;&#039;&#039; Studierende zählten eine Woche lang ihre Gedanken. Männer kamen im Median auf knapp 19 Gedanken an Sex am Tag, Frauen auf knapp 10. Die Spanne reichte von 1 bis 388 bei Männern und von 1 bis 140 bei Frauen. Die Männer dachten auch öfter an Essen und Schlaf. Das Klischee „alle sieben Sekunden“ stimmt nicht (Fisher u. a., Journal of Sex Research 2012).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erregung gegen Urteil.&#039;&#039;&#039; Ariely und Loewenstein (2006) befragten Studenten einmal neutral und einmal erregt. Erregt hielten sie vieles für attraktiv, was sie neutral abgelehnt hatten. Sie waren auch eher bereit, ein „Nein“ zu übergehen (20 gegenüber 45 auf einer Skala von 0 bis 100), und die Bereitschaft zum Kondom sank. Es waren Selbstauskünfte von etwa 24 Männern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Körper folgt nicht, das Wesen bleibt.&#039;&#039;&#039; Von 76 Männern zwischen 69 und 80 Jahren unter Androgenentzug gaben 29 an, noch Interesse an Sex zu haben. Nur zwei waren noch aktiv (Fode u. a., Journal of Sexual Medicine 2020).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der große Dämon.&#039;&#039;&#039; In Platons Symposion sagt Diotima, Eros sei ein großer Dämon und stehe, wie alle Dämonen, zwischen dem Göttlichen und dem Sterblichen (202e).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekstase ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Begehren · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elter ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Beschützer, Nestbau, Eifersucht, Beschwichtiger&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschützer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Krieger · zu Liebe&lt;br /&gt;
* Hunger: Für ein Wesen sorgen. Das gibt Erfüllung und Sinn: Für jemand anderen zu sorgen, ist das, was die Frau meint, die verzweifelt Kinder bekommen möchte. Es ist auch ein Instinkt, der für den Fortbestand da ist. Eltern freuen sich über ihre Kinder. Auch der Enkel ist für die Großeltern ein großes Glück und eine Erfüllung. Eltern berichten etwas mehr Sinn im Leben als Nichteltern, bei Frauen deutlicher (Apostolou u. a. 2026). Eltern leben im Alter länger als Kinderlose, ab 60 etwa 2 Jahre bei Männern und 1,5 Jahre bei Frauen (Modig u. a. 2017). Großeltern, die Enkel betreuen, sind zufriedener (SHARE, 95.594 Befragte) und haben ein um 37 % niedrigeres Sterberisiko (Hilbrand u. a. 2017). Das Betreuen ist dabei der Faktor, nicht das bloße Dasein der Enkel.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit. Das Kindchenschema wirkt, die Bambi-Augen, auch bei Männern. Andere Tiere haben andere Trigger, bei Vögeln der aufgesperrte Schnabel der Jungen. Fremde Kinder sind auch süß, führen aber nicht zu dieser Fürsorge. Das hängt davon ab, ob man sich verbunden fühlt, und in der Regel gibt es am Anfang eine Prägung. Babys mit stärkerem Kindchenschema werden als süßer bewertet und wecken mehr Fürsorge (Glocker u. a. 2009). Bei Gull-Küken ist es der rote Fleck am Schnabel der Eltern (Tinbergen und Perdeck 1950). Mütter erkennen ihr Neugeborenes nach kurzem Kontakt am Geruch (Kaitz u. a. 1987). Bei Frauen wirken große Augen attraktiv (Cunningham 1986).&lt;br /&gt;
* Bannung: Durch Enttäuschung oder Zurückweisung. Eltern verstoßen ihren Sohn, wenn er in ihrer Vorstellung missraten ist: faul, frech, undankbar. Dazu gehört aber einiges. Meist bleibt die Mutterliebe trotzdem bestehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Pflege.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer pflegt die Nachkommen, das ist seine primäre Aktivität. Eltern opfern dafür sehr viel Zeit und Energie. Zu den Diensten gehören: Sicherheit im Heim (siehe [[#Nestbau|Nestbau]]), Ernährung, Lehre, Trost und Forderung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ernährung.&#039;&#039;&#039; Kohlmeisen-Eltern fliegen etwa 12 bis 15 Mal pro Stunde ans Nest (Barba u. a. 2009).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lehre.&#039;&#039;&#039; Bei Erdmännchen entschärfen Helfer Skorpione und geben den Jungen mit dem Alter lebendere Beute (Thornton und McAuliffe 2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trost.&#039;&#039;&#039; Junge Rhesusaffen klammerten sich an eine Stoffmutter und liefen bei Schreck zu ihr, auch wenn eine Drahtmutter sie fütterte (Harlow).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Forderung.&#039;&#039;&#039; Eltern, die warm sind und klare Regeln begründet fordern, haben die günstigsten Folgen für die Kinder (Baumrind).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Aufwand.&#039;&#039;&#039; Eltern von zwei Kindern wenden etwa 7,5 Stunden am Tag auf (Bryant und Zick 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verteidigung.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer spricht zuerst in Sorge:&lt;br /&gt;
:* Bist du warm genug angezogen?&lt;br /&gt;
:* Zieh dich warm an!&lt;br /&gt;
:* Isst du auch genug?&lt;br /&gt;
:* Fahr vorsichtig!&lt;br /&gt;
:* Ruf an, wenn du angekommen bist!&lt;br /&gt;
:* Warum meldest du dich nicht, ist was passiert?&lt;br /&gt;
:* Ich mach mir doch nur Sorgen.&lt;br /&gt;
:* Ich meine es doch nur gut mit dir.&lt;br /&gt;
:Dann in Zusagen:&lt;br /&gt;
:* Egal wann, egal von wo, egal was ist: Du rufst mich an und ich komme dich holen.&lt;br /&gt;
:* Du kannst IMMER nach Hause zurückkommen; wir werden immer für dich da sein!&lt;br /&gt;
:* Ganz egal, was passiert oder was du tust: Ich werde dich immer lieben!&lt;br /&gt;
:* Keine Angst, ich bin bei dir.&lt;br /&gt;
:* Dir passiert nichts, solange ich hier bin.&lt;br /&gt;
:* Ich passe auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Pass auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Du musst da nicht allein durch.&lt;br /&gt;
:* Komm, ich helfe dir.&lt;br /&gt;
:* Ich lasse dich nicht im Stich.&lt;br /&gt;
:* Du kannst dich auf mich verlassen.&lt;br /&gt;
:* Ich kümmere mich darum.&lt;br /&gt;
:* Solange ich da bin, wird keiner zurückgelassen.&lt;br /&gt;
:In der Verteidigung:&lt;br /&gt;
:* Lass ihn in Ruhe!&lt;br /&gt;
:* Niemand tut dir etwas.&lt;br /&gt;
:* Stell dich hinter mich.&lt;br /&gt;
:* Wenn du Streit willst, dann mit mir.&lt;br /&gt;
:* Leg dich mit jemandem an, der sich wehren kann!&lt;br /&gt;
:* Do not touch my kid.&lt;br /&gt;
:* don&#039;t touch peoples kids&lt;br /&gt;
:* yeah, I&#039;m not going to hand her over&lt;br /&gt;
:* ok but not HIS MOM&lt;br /&gt;
:Und wenn er zu weit geht:&lt;br /&gt;
:* Ich weiß, was gut für dich ist.&lt;br /&gt;
:* Das ist zu gefährlich für dich.&lt;br /&gt;
:* Lass mich das lieber machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mit dem Krieger.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer arbeitet mit dem Krieger zusammen. Eine Mutter kämpft auch gegen stärkere Feinde und entwickelt dabei Kräfte, die sie oft gewinnen lassen. Da schlägt auch ein Vogel einen starken Greifvogel in die Flucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überbehütung.&#039;&#039;&#039; Die Mutter will das Kind schützen und lässt ihm deshalb keinen Auslauf. Keine Erfahrung, die gefährlich sein könnte. Oder sie kaut ihm alles vor und schreibt ihm vor. Auch will sie nicht loslassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sie bewirkt.&#039;&#039;&#039; Das Kind lernt nicht, was es sich zutrauen kann. Wer nie hingefallen ist, kennt den Schmerz nicht und weiß nicht, wie man wieder aufsteht. Wer nie selbst entscheiden durfte, hat das Entscheiden nicht geübt und fragt weiter die Mutter. Es bleibt abhängig von ihr. Und weil sie nicht loslässt, kommt es auch später schwer los.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum sie nicht loslässt.&#039;&#039;&#039; Der Hunger des Beschützers bleibt, wenn das Kind selbstständig wird. Es fehlt ihm die Nahrung: jemand, für den er sorgen kann. Also hält die Mutter das Kind klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn die Kinder gehen.&#039;&#039;&#039; Die Kinder ziehen aus. Das Zimmer ist leer. Niemand muss mehr geweckt, bekocht und erinnert werden. Der Hunger bleibt, es fehlt die Nahrung. Manche Mütter rufen dann weiter täglich an und fragen, ob das Kind genug gegessen hat. Andere wenden sich den Enkeln zu, einem Haustier oder einer Aufgabe, in der sie für andere sorgen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn das Kind stirbt.&#039;&#039;&#039; Dann bleibt der Hunger bei einem Wesen, das nichts mehr zu versorgen hat. Manche Eltern lassen das Zimmer jahrelang so, wie es war. Das Sorgen hört nicht auf, es geht ins Leere. Viele Eltern sagen, das sei das Schlimmste, was ihnen geschehen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nestbau ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Sammler · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nest als Revier.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Das Gesetz kennt den Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird (§ 123 StGB).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es betreten wird.&#039;&#039;&#039; Einbruchsopfer reagieren mit Wut (72 %), Schlafstörungen (57 %) und Angst (39 %), viele fühlen sich verletzt (Victim Support 2005, 545 Opfer). Etwa ein Viertel ist ernsthaft erschüttert, nach über einem Monat hat sich nur ein Drittel erholt (British Journal of Criminology 1980, 322 Opfer).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Singvögel markieren ihr Revier mit Gesang, viele Säugetiere mit Duftmarken. Reicht die Ankündigung nicht, folgen Verfolgung und Kampf. Bei Möwen in Kolonien ist das Revier nur das Nest selbst. Wolfsrudel verteidigen das Gebiet, in dem sie jagen und leben (Britannica).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu.&#039;&#039;&#039; Das Revier dient der Brutpflege, ungestörter Paarung, der Nahrung für die Jungen und dem Abstand zu Artgenossen (Britannica).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschwichtiger ==&lt;br /&gt;
* Auch: Tröster&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe. Dass der Sturm sich legt, in einem selbst oder im anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Stress, Schmerz, Aufregung, die eigene oder die eines anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Das Kind hat sich wehgetan. Die Mutter nimmt es auf den Arm und sagt: „Ist ja gut, ist gleich vorbei.“ Das wiederholt sich, bis das Kind diese Stimme selbst hat. Der Beschwichtiger ist der Tröster, der nach innen gewandert ist. Er spricht zu einem selbst, wie damals die Eltern gesprochen haben. Weil man ihn hat, kann man ihn auch anderen leihen: Er tröstet, besänftigt, entschärft einen Streit. Er wirkt in beide Richtungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Wenn die Lage gespannt ist, gähnt der Hund, wendet den Kopf ab, schnüffelt am Boden oder leckt sich über die Nase. Die Hundetrainerin Turid Rugaas nennt das Beschwichtigungssignale. Schimpansen suchen nach einem Kampf den Kontakt: Die Gegner versöhnen sich mit einem Kuss, und ein Dritter umarmt den, der angegriffen wurde (de Waal und van Roosmalen 1979).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Die richtigen Sprüche sind wie ein Mantra und nehmen den Stress erst mal raus. Das muss man lernen und sich aneignen: Sich selbst in stressigen Momenten zu beruhigen.&lt;br /&gt;
:* Das ist ein lösbares Problem&lt;br /&gt;
:* Bleib cool&lt;br /&gt;
:* Morgen geht die Sonne auch noch auf&lt;br /&gt;
:* Es gibt Schlimmeres&lt;br /&gt;
:* Immer mit der Ruhe&lt;br /&gt;
:* Alles wird gut. Es wird alles gut.&lt;br /&gt;
:* Man muss das kosmisch sehen&lt;br /&gt;
:* Scheiß drauf&lt;br /&gt;
:* dumm gelaufen&lt;br /&gt;
:* Morgen lach` ich darüber&lt;br /&gt;
:* Immer schön der Reihe nach&lt;br /&gt;
:* Und wenn schon&lt;br /&gt;
:* Auch das geht vorbei&lt;br /&gt;
:* Irgend ne Scheiße hat man immer am Hacken&lt;br /&gt;
:* Eins nach dem Anderen&lt;br /&gt;
:* Erst mal schauen&lt;br /&gt;
:* Notfalls hole ich mir Hilfe&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie die Sprüche wirken.&#039;&#039;&#039; Sie schaffen Abstand. Abstand in der Zeit: „Morgen lach` ich darüber“, „Auch das geht vorbei“. Abstand im Raum: „Man muss das kosmisch sehen“, „Es gibt Schlimmeres“. Sie zerlegen den Berg: „Eins nach dem Anderen“, „Erst mal schauen“. Oder sie lassen los: „Scheiß drauf“, „Und wenn schon“. Bei „dumm gelaufen“ ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Kobold|Kobold]] nicht weit. Der Psychologe Ethan Kross hat gezeigt, dass schon die Form des Selbstgesprächs zählt: Wer unter Stress mit sich spricht wie mit einem anderen, mit dem eigenen Namen oder mit „du“ statt „ich“, hat weniger Angst und grübelt danach weniger (Kross u. a. 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne ihn.&#039;&#039;&#039; Ohne Beschwichtiger gerät man in Dauerstress oder Panik. Er beruhigt andere oder sich selbst. Auch Sportler sprechen sich vor der Leistung Mut zu. Muhammad Ali verkündete: „Ich bin der Größte.“ Er sagte, er habe es gesagt, noch bevor er es wusste, und es so oft wiederholt, bis die Welt es glaubte (Ali Center, „In His Own Words“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Stammesbruder&lt;br /&gt;
* Trigger: Gefahr, und vor allem die Flucht der anderen. Wenn einer rennt, rennen alle.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Die Herde ist die Wurzel und biologische Grundlage. Ohne diesen Instinkt gäbe es kein Stammesverhalten. Nietzsche nannte es den Herdentrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichheit schützt, Abweichung ist gefährlich:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Im Fischschwarm stößt niemand den Abweichler aus, das erledigt der Räuber. In einem Versuch wurden einige Fische farbig markiert. Die Raubfische schnappten bevorzugt die markierten, weil sie herausstachen. Darum suchen sich Fische Schwärme, in denen alle so aussehen wie sie selbst.&lt;br /&gt;
* Hat eine Henne eine Wunde oder einen roten Fleck, hacken die anderen darauf ein, manchmal bis zum Tod. Geflügelhalter hängen darum rotes Licht in den Stall.&lt;br /&gt;
* Am Eingang des Bienenstocks prüfen Wächterinnen den Geruch. Eine Biene mit fremdem Stockgeruch wird abgewehrt oder getötet. Reibt man eine Ameise mit dem Geruch eines fremden Nests ein, greifen ihre eigenen Schwestern sie an.&lt;br /&gt;
* E. O. Wilson bestrich lebende Ameisen mit Ölsäure, dem Geruch toter Ameisen. Die Schwestern trugen die lebende, zappelnde Ameise auf den Abfallhaufen. Sie kam zurück und wurde wieder hinausgetragen, bis der Geruch verflogen war. Das Kennzeichen zählt mehr als das, was man sieht.&lt;br /&gt;
* In Gombe brach 1966 Kinderlähmung aus. Jane Goodall beschrieb einen gelähmten Schimpansen, der sich nur noch schleppen konnte. Die anderen erschraken vor seiner fremden Bewegung, einige griffen ihn an, und sie wollten ihn nicht mehr lausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glück in der Menge:&#039;&#039;&#039; Die Herde ist die Anpassung an die Masse. Das Schaf ist glücklich in der Herde von Gleichgesinnten. Nach einem Konzert sagen die Leute: „Da war richtig viel los. Das war toll.“ Das ist pure Biologie.&lt;br /&gt;
* Émile Durkheim nannte es 1912 die kollektive Efferveszenz: Wenn eine Gemeinschaft zusammenkommt und gleichzeitig dasselbe denkt oder tut, wallt eine gemeinsame Energie auf, die den Einzelnen erregt und die Gruppe eint. Für Durkheim ist das die Wurzel der Religion: Die Energie der Versammlung geht auf ein Symbol oder einen Menschen über, und der wird heilig (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Fan|Fan]]).&lt;br /&gt;
* Bronwyn Tarr, Jacques Launay, Emma Cohen und Robin Dunbar ließen 2015 Menschen gemeinsam tanzen. Gleichzeitige Bewegung und Anstrengung erhöhten jede für sich die Schmerzschwelle, ein Zeichen für ausgeschüttete Endorphine, und stärkten die Bindung an die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Beim Pilgerfest Magh Mela in Indien hatten sich Gesundheit und Wohlbefinden der Pilger nach dem Fest verbessert (Tewari u. a. 2012). Wer die Menge als Gemeinschaft Gleichgesinnter erlebte, hatte ein besseres Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herde allein ist noch kein Stamm:&#039;&#039;&#039; Eine Gnuherde in der Serengeti zählt Hunderttausende Tiere. Keines kennt die anderen, kein Fremder wird ausgestoßen. Wer mitläuft, gehört dazu. Erst beim Wolfsrudel kennt jeder jeden, der Geruch ist das Kennzeichen, das Revier ist abgesteckt, und der fremde Wolf wird angegriffen. Im Yellowstone-Park ist der häufigste natürliche Tod eines Wolfs der Kampf mit einem fremden Rudel. Herde, dann Rudel und Revier, dann der [[#Stammesbruder|Stammesbruder]] mit Zeichen, Fahnen und Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nietzsche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* „Moralität ist Heerden-Instinct in dem Einzelnen.“ (Die fröhliche Wissenschaft, Aphorismus „Heerden-Instinct“)&lt;br /&gt;
* „Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in&#039;s Irrenhaus.“ (Also sprach Zarathustra, Vorrede)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geltung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Eitelkeit, Prahler, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]], [[Wesen 3: Beutetier#Verbittert|Verbittert]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Gerüchtemacher]]&lt;br /&gt;
* Hunger: etwas gelten, Bedeutung haben. Und wenn auch nur in einem Spezialgebiet oder vor bestimmten anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: übergangen werden, nicht beachtet werden; der eigene Platz in der Gruppe ist in Gefahr.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Jeder Mensch möchte Bedeutung haben, etwas gelten. Es geht um die Rangordnung in der Gruppe. Ein Einzelgänger hat keinen Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Hackordnung.&#039;&#039;&#039; Der Norweger Thorleif Schjelderup-Ebbe hat 1921 bei Hühnern die Hackordnung entdeckt: Jedes Huhn kennt seinen Platz, hackt die unter ihm und weicht denen über ihm aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Das Raubtier hat Geltung aus Stärke: Es hat Macht und Einfluss auf andere, auch gegen den Strom. Seinen Feinden erscheint es gefährlich. Die ihm folgen, tun es aus anderen Motiven, aus Achtung vor seinem Können und seiner Stärke. Das ist nicht der Gewaltherrscher, der gefürchtet und verachtet wird, sondern der vornehme Adlige. Überall gibt es Autoritäten, denen gefolgt wird wegen ihrer Entschlossenheit und ihres Könnens, in jeder Gruppe: im Sport, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Musik, in allem in Kultur und Zivilisation. Zwischen den Weltkriegen strömten junge Physiker zu Niels Bohr nach Kopenhagen; die Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten, galt als Privileg. Leonard Bernstein sagte über den Dirigenten Carlos Kleiber: „I have just heard the greatest living conductor in the world“. Und Kleiber selbst sagte einmal zu seinem Konzertmeister, als das Orchester ganz darauf konzentriert war, ihm zu folgen: „Let me follow you.“ Bei Apple sagte der Entwickler Bud Tribble 1981 über Steve Jobs: „Steve has a reality distortion field.“ Andy Hertzfeld beschrieb es als „a confounding melange of a charismatic rhetorical style, an indomitable will, and an eagerness to bend any fact to fit the purpose at hand“ (eine verwirrende Mischung aus einem charismatischen Redestil, einem unbeugsamen Willen und der Bereitschaft, jede Tatsache passend zu biegen). Gerade die Souveränen versuchen oft, was als unmöglich gilt. Es gehört immer Entschlossenheit dazu: neue Reviere erobern, auch kulturell (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]). Der Antrieb ist nicht die Anpassung. Am 9. Oktober 1903 schrieb die New York Times, eine Flugmaschine, die wirklich fliegt, könne in ein bis zehn Millionen Jahren entstehen. Am selben Tag schrieb Orville Wright in sein Tagebuch: „We started assembly today.“ 69 Tage später flogen die Brüder Wright. John F. Kennedy sagte 1962 in Houston: „We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard“; 1969 landeten Menschen auf dem Mond. Christo und Jeanne-Claude arbeiteten 24 Jahre daran, den Reichstag zu verhüllen, und trafen dafür 352 Abgeordnete; 1995 war er verhüllt. Ob ein Versuch gelingt oder scheitert, sagt nichts über die Haltung. Hinterher ist man immer schlauer: Wer den Ausgang kennt, hält ihn für viel wahrscheinlicher, als er es vorher getan hätte, und merkt es nicht (Fischhoff 1975). Max Weber nannte diese Herrschaft charismatisch: Sie beruht „auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person“. Nietzsche: „Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubthier, die prachtvolle nach Beute und Sieg lüstern schweifende blonde Bestie nicht zu verkennen; es bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung, das Thier muss wieder heraus, muss wieder in die Wildniss zurück“ (&#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; I 11; siehe [[Die Entstehung der Seele#Kanalisieren statt ausrotten|Kanalisieren statt ausrotten]]). Auch der Herdenmensch will Geltung haben, aber sie wird ihm durch die Zustimmung anderer gegeben: Preise und Auszeichnungen. Das ist die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]. Wer wenig Souveränität hat, holt sich Rang und Geltung von jemandem, dessen Meinung wichtig ist: [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]], die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]], der [[#Poser|Poser]]. Napoleon sagte 1802 zur Gründung der Ehrenlegion: „C&#039;est avec des hochets que l&#039;on mène les hommes.“ (Mit Rasseln lenkt man die Menschen.) Beides ist nicht eindeutig getrennt, sondern gemischt: Der französische Adel gab Unsummen für Kleider aus, und die Krone ist ein Symbol der Macht. Es gibt starke Persönlichkeiten, die die Auszeichnung haben wollen, und andere, die sie souverän ablehnen. Der Mathematiker Grigori Perelman lehnte 2006 die Fields-Medaille ab: „I&#039;m not interested in money or fame; I don&#039;t want to be on display like an animal in a zoo.“ La Rochefoucauld: „L&#039;orgueil se dédommage toujours, et ne perd rien, lors même qu&#039;il renonce à la vanité.“ (Der Stolz entschädigt sich immer und verliert nichts, selbst wenn er auf die Eitelkeit verzichtet.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geliehene Geltung.&#039;&#039;&#039; Die Herde tut etwas anderes. Der Herdenmensch erhält seine Geltung von jemandem, der Ansehen, Macht und Geltung hat. Das kann auch eine Institution oder eine Lehre sein. Es ist eine Unterordnung: der Diener im Haus des Adels, die Nonne im Schoß der Kirche. Der Diener würde es ablehnen, neureichem Pöbel zu dienen. Der Psychologe Robert Cialdini nannte das 1976 „basking in reflected glory“, sich im zurückgeworfenen Glanz sonnen: Nach einem Sieg ihrer Footballmannschaft trugen mehr Studenten Kleidung mit dem Namen ihrer Universität, und sie sagten „We won“. Nach einer Niederlage hieß es „They lost“. Das ist die flüchtige Form, nahe beim [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]]. Der Diener dagegen bleibt. Die Grenzen sind fließend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Grundbedürfnis.&#039;&#039;&#039; Cameron Anderson, John Hildreth und Laura Howland haben 2015 die Forschung zur Frage gesammelt, ob das Streben nach Status ein Grundbedürfnis ist. Ihr Ergebnis: ja, in allen Kulturen, bei Männern wie Frauen. Wer seinen Rang verliert, leidet darunter, auch wenn sich sonst nichts ändert. Und es zählt der Rang vor den Menschen, die einem wichtig sind, nicht vor allen. Der Philosoph William James schrieb schon 1890 sinngemäß: Eine teuflischere Strafe ließe sich nicht ausdenken, als dass man unter Menschen losgelassen würde und von allen völlig unbemerkt bliebe. Das ist der [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombie]], von der anderen Seite gesehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Keine Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß im älteren Deutsch „leer, nichtig“; man sagt noch „eitel Sonnenschein“, nichts als Sonnenschein. Die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]] will bewundert werden für die Oberfläche, sie ist die leere Form der Geltung. Die Geltung will etwas zählen für das, was man ist oder kann: der Handwerker, dessen Urteil auf der Baustelle gilt; der Briefmarkensammler, den die anderen Sammler fragen. „Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)“ ist ihre bettelnde Form.&lt;br /&gt;
:Die Geltung wirkt auch in anderen Wesen: im Hochgefühl des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amokläufers]], im [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Streber|Streber]], bei den [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieger.&#039;&#039;&#039; Geltung will ein Revier. Wird sie angegriffen, holt sie zur Verteidigung ihren Krieger, den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sammler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Nestbau, Messi, Eifersucht, Knauser&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Nehmer]]&lt;br /&gt;
* Mimik: keine. Der Sammler ist ein leiser Dämon, man sieht ihm nichts an.&lt;br /&gt;
* Griff: aufsammeln.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Brüder Collyer in New York wurden 1947 tot in ihrem Haus gefunden, unter mehr als hundert Tonnen Zeitungen, Klavieren und Gerümpel. Einer lag unter einem Stapel begraben, den er selbst als Falle gegen Einbrecher gebaut hatte. Der andere, blind und gelähmt, verhungerte danach.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: auch die Gier (Habgier), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Trigger: Knappheit und die Lücke (siehe Beschreibung).&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, Vorrat, Vollständigkeit. Nicht hergeben, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; Knappheit und die Lücke. Das leere Regal im Supermarkt. Der Winter, der kommt. Das eine Sammelbild, das im Album noch fehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Eichhörnchen vergräbt im Herbst Nüsse. Der Hamster stopft sich die Backen voll. Daher sagen wir „hamstern“.&lt;br /&gt;
* Am Anfang der Pandemie räumten die Leute das Klopapier aus den Regalen.&lt;br /&gt;
* Kinder stopfen sich die Hosentaschen mit Steinen und Kastanien voll. Niemand hat ihnen das beigebracht.&lt;br /&gt;
* Man gibt Leuten eine Kaffeetasse und fragt, für wie viel sie die Tasse verkaufen würden. Sie verlangen etwa das Doppelte von dem, was andere für dieselbe Tasse zahlen wollen. Was man hat, gibt man nicht her. Hier sitzt die Verbindung zur Eifersucht.&lt;br /&gt;
* Der Laubenvogel sammelt blaue Dinge, Federn, Beeren, Flaschendeckel, und legt sie vor seine Laube, um ein Weibchen anzulocken. Dort sind Sammler und Balz eins.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Wohnung ist bis zur Decke voll, nur schmale Gänge bleiben frei, und er kann nichts wegwerfen. Krankhaftes Horten ist seit 2013 eine eigene Diagnose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Revier.&#039;&#039;&#039; Der Sammler pflegt und verteidigt seine Sammlung. Er identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht. Seine Sammlung ist sein [[#Revierverhalten/Gebiet|Revier]]. Eine Sammlung gehört stärker zum Selbst als einzelne Gegenstände (Belk 1988, S. 154). Wer bestohlen wird, erlebt Eindringen und Verletzung (S. 142). Wird die Trennung erzwungen, bringt sie Trauer (S. 143). Ein Sammler, der seine Karten für das Studium der Tochter verkaufte, beschreibt den Verkauf als Trauer mit Leugnen, Wut und Niedergeschlagenheit (Warshaw 2023). Ein Briefmarkensammler, der seine Sammlung aufgeben muss, will es nicht überstürzen und behält ein Album (Briefmarken-Forum).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biologisch angelegt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Eibl-Eibesfeldt zog Eichhörnchen ohne Erde und ohne Nüsse auf. Als sie zum ersten Mal eine Nuss bekamen, kratzten sie auf dem nackten Boden ein Loch, das es nicht gab, legten die Nuss hinein, drückten sie mit der Schnauze fest und scharrten Erde darüber, die es nicht gab. Niemand hatte es ihnen gezeigt.&lt;br /&gt;
* Beim Menschen ist die Neigung zum Horten zum Teil erblich. Das zeigen Zwillingsstudien.&lt;br /&gt;
* Menschen mit einer Verletzung an einer bestimmten Stelle der Stirnhirnrinde fingen an, wertlosen Kram zu horten (Anderson, Damasio u. a., &#039;&#039;Brain&#039;&#039;, 2005). Der Sammler sitzt tiefer im Hirn, die Stirnhirnrinde hält ihn im Zaum. Fällt die Bremse weg, übernimmt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herkunft:&#039;&#039;&#039; vom Vorrat, vom Horten von Nahrung.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Einsammeln: Der Sammler aus „Jäger und Sammler“ pflückt Beeren, nimmt sie mit und isst sie. Morgen geht er wieder los. Mehr haben als nötig und nicht hergeben, das fehlt.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Nestbau: Der Vogel sammelt Zweige, bis das Nest fertig ist, dann hört er auf. Der Sammler hört nicht auf. Im Stammbaum steht der Nestbau als Kind unter Sammler und Elter: der Sammler im Dienst der Brut.&lt;br /&gt;
* Der Tannenhäher versteckt im Herbst Zehntausende Kiefernsamen an Tausenden Stellen und findet sie Monate später unter dem Schnee wieder. Viel mehr, als er im Winter fressen kann.&lt;br /&gt;
* Aesop: Die Ameise schleppt den ganzen Sommer Körner, die Grille singt. Im Winter hungert die Grille.&lt;br /&gt;
* Der Buschhäher versteckt Futter. Hat ihm ein anderer Häher dabei zugesehen, kommt er später zurück und versteckt alles neu. Das tun nur Häher, die selbst schon fremde Verstecke geplündert haben. Der Dieb kennt den Dieb. Da sitzen Eifersucht und Täuscher mit am Tisch.&lt;br /&gt;
* Bienen sammeln Honig, Ameisen legen Kornkammern an, der Hamster trägt seine Vorräte in den Bau. Das gibt es lange vor dem Menschen.&lt;br /&gt;
* Wer im Krieg gehungert hat, hebt sein Leben lang jedes Gummiband auf, und der Keller steht voller Einmachgläser.&lt;br /&gt;
Der Sammler sitzt nahe beim Schlemmer, beide kommen vom Hunger. Der Schlemmer isst jetzt. Der Sammler legt für später zurück. Er ist der Dämon, der an den Winter denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; Woher kommt die Vollständigkeit? Das fehlende Sammelbild, die 110 Messier-Objekte, alle 14 Achttausender. Der Vorrat erklärt das nicht. Ein Eichhörnchen will nicht alle Nusssorten haben. Ein späterer Zweig oder ein anderes Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angelegt ist der Hunger, nicht der Gegenstand. Briefmarken, Kunst oder Bitcoins sammelt niemand von Natur aus. Die Kultur liefert das Material, der Dämon den Hunger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wo der Sammler wirkt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Linné&#039;&#039;&#039; schickte seine Schüler in die ganze Welt, nach Amerika, Arabien, Japan, in die Südsee. Sie sollten Pflanzen sammeln und zurückbringen. Er nannte sie seine Apostel. Einige kamen nicht zurück. Aus dem Gesammelten wurde die Ordnung der Pflanzen und Tiere, mit der wir bis heute jedes Lebewesen benennen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Wunderkammern&#039;&#039;&#039;: Fürsten und Gelehrte stellten Muscheln, Korallen, ausgestopfte Krokodile, Einhorn-Hörner und Missgeburten in Glasschränke. Daraus wurden die Museen. Das British Museum begann 1753 mit der Sammlung eines einzigen Mannes, Hans Sloane, rund 71.000 Stücke.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Darwin&#039;&#039;&#039; sammelte als Student in Cambridge Käfer. Einmal hatte er in jeder Hand einen seltenen Käfer und sah einen dritten. Er steckte einen in den Mund, um die Hand frei zu haben. Der Käfer spritzte ihm eine brennende Flüssigkeit auf die Zunge, Darwin spuckte ihn aus, und der dritte war weg. Später sammelte er fünf Jahre lang auf der Beagle: Finken, Fossilien, Schildkröten. Erst danach kam die Theorie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Goethe&#039;&#039;&#039; hatte in Weimar eine Mineraliensammlung mit rund 18.000 Steinen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Mondlandung&#039;&#039;&#039;: Die Astronauten der Apollo-Flüge sammelten mit Zangen und Schaufeln Steine und Staub, zusammen rund 380 Kilogramm. Das teuerste Steinesammeln der Geschichte.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schmetterlinge&#039;&#039;&#039;: Nabokov, der Schriftsteller, zog mit dem Netz durch die Berge und sammelte Bläulinge. Er vermutete, dass sie in mehreren Wellen über die Beringstraße von Asien nach Amerika gekommen waren. Die Biologen nahmen ihn nicht ernst. 2011 bestätigte die Genetik seine Vermutung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Messier-Marathon&#039;&#039;&#039;: Charles Messier jagte im 18. Jahrhundert Kometen. Ihn störten verschwommene Flecken am Himmel, die aussahen wie Kometen, aber keine waren. Damit er nicht wieder darauf hereinfiel, schrieb er sie auf: 110 Stück. Die Liste war Abfall seiner Kometenjagd. Heute ist sie die berühmteste Liste der Astronomie. Jedes Jahr im März, wenn alle 110 in einer Nacht zu sehen sind, sitzen Amateure die ganze Nacht in der Kälte und haken eins nach dem anderen ab. Sie lernen nichts Neues, alle Objekte sind seit 250 Jahren bekannt, und niemand schaut ihnen zu. Das ist weder Neugier noch Anerkennung. Das ist der Sammler allein.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tycho und Kepler&#039;&#039;&#039;: Tycho Brahe hat über zwanzig Jahre lang jede Nacht die Stellung der Planeten gemessen, ohne Fernrohr, mit riesigen Messinstrumenten auf seiner Insel Ven. Ein Berg von Zahlen. Kepler bekam die Zahlen nach Tychos Tod und fand darin, dass die Planeten auf Ellipsen laufen. Tycho ist die Ameise, Kepler die Biene.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Rechnerinnen von Harvard&#039;&#039;&#039;: Um 1900 saßen Frauen an Tischen und gingen Hunderttausende Glasplatten mit Sternaufnahmen durch, Stern für Stern. Annie Jump Cannon sortierte von Hand rund 350.000 Sterne nach ihrem Licht. Henrietta Leavitt schrieb veränderliche Sterne auf und bemerkte: Je heller so ein Stern, desto langsamer blinkt er. Damit konnte man zum ersten Mal Entfernungen im Weltall messen, und Hubble zeigte damit, dass es andere Galaxien gibt. Erst die Sammlung, dann das Gesetz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Heute&#039;&#039;&#039;: Der Satellit Gaia hat fast zwei Milliarden Sterne vermessen. Über 5.000 Planeten um andere Sterne sind bestätigt, jeder neue kommt auf die Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neugier will schnell zur Antwort. Zwanzig Jahre Nacht für Nacht messen, Hunderttausende Platten durchsehen, das hält sie nicht durch. Der Sammler hat Geduld, denn jedes einzelne neue Stück sättigt ihn schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bacon&#039;&#039;&#039; hat das Bild dafür gefunden (Novum Organum, 1620). Die Ameise sammelt nur und frisst es auf. Die Spinne spinnt ihr Netz aus sich selbst heraus. Die Biene sammelt aus den Blüten und macht Honig daraus. Die Ameise ist der Sammler allein. Die Spinne ist der Zwerg, der aus dem Kopf Systeme spinnt. Die Biene ist der Sammler im Bund mit einem Dämon, der verarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sammler allein endet beim Messi: die Wohnung voll, aber keine Ordnung. Mit der Ordnung verbündet, wird er Linné. Mit der Neugier verbündet, wird er Darwin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Hochmut gegen den Sammler:&#039;&#039;&#039; Dem Physiker Rutherford wird der Satz zugeschrieben: „Alle Wissenschaft ist entweder Physik oder Briefmarkensammeln.“ Dabei steht jede Physik auf gesammelten Messwerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie mächtig der Sammler ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kunst&#039;&#039;&#039;: Der „Salvator Mundi“, Leonardo zugeschrieben, ging 2017 für 450 Millionen Dollar weg.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Autos&#039;&#039;&#039;: Der Musiker oder der Reiche mit dreißig teuren Autos in der Garage, die er nicht braucht. Jay Leno hat weit über hundert Autos in seinen Hallen. 2022 wurde ein Mercedes 300 SLR Uhlenhaut-Coupé für 135 Millionen Euro versteigert, das teuerste Auto der Welt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Baseballkarten&#039;&#039;&#039;: Eine Mickey-Mantle-Karte von 1952 brachte 2022 12,6 Millionen Dollar. Ein Stück Pappe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Briefmarken&#039;&#039;&#039;: Die British Guiana One-Cent Magenta, eine einzige Marke, wurde 2021 für rund 8 Millionen Dollar verkauft.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Pokémon&#039;&#039;&#039;: Der Werbespruch heißt „Schnapp sie dir alle!“. Das ist der Sammler wörtlich. Eine einzige Pikachu-Karte brachte 2022 über 5 Millionen Dollar.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Bild, das es nicht gibt&#039;&#039;&#039;: 2021 wurde eine Bilddatei des Künstlers Beeple als NFT für 69 Millionen Dollar verkauft. Jeder kann sie kopieren, aber nur einer „hat“ sie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tulpen&#039;&#039;&#039;: 1637 kostete in Holland eine einzige Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ so viel wie ein Haus in Amsterdam.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Reliquien&#039;&#039;&#039;: Friedrich der Weise sammelte in Wittenberg über 19.000 Reliquien: Knochen von Heiligen, Dornen aus der Krone Christi, Milch der Maria. Ausgerechnet dort schlug Luther 1517 seine Thesen an.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schuhe&#039;&#039;&#039;: Als Imelda Marcos aus dem Palast in Manila floh, fand man über tausend Paar Schuhe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gipfel&#039;&#039;&#039;: Reinhold Messner stand als Erster auf allen 14 Achttausendern. In Schottland haken Leute alle 282 Munros ab, die Berge über 3000 Fuß.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vögel&#039;&#039;&#039;: Phoebe Snetsinger hat über 8.000 Vogelarten mit eigenen Augen gesehen. Angefangen hat sie, als sie eine Krebsdiagnose bekam, und sie reiste noch zwanzig Jahre weiter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Saatgut&#039;&#039;&#039;: Im Eis von Spitzbergen liegt ein Tresor mit über einer Million Samenproben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Elemente&#039;&#039;&#039;: Die Chemiker jagen das Periodensystem voll. Das Element 118, Oganesson, existiert jeweils nur Bruchteile einer Sekunde, und trotzdem hat es einen Namen und einen Platz in der Tabelle.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nobelpreise&#039;&#039;&#039;: Marie Curie holte Polonium und Radium aus Tonnen von Pechblende und bekam 1911 den Nobelpreis. Für das Higgs-Teilchen gab es 2013 den Nobelpreis.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jagdtrophäen&#039;&#039;&#039;: Hörner und Köpfe an der Wand. Hier treffen sich Jagdtrieb und Sammler.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Geld&#039;&#039;&#039;: Der Milliardär, der mehr hat, als er in zehn Leben ausgeben könnte, und weiter sammelt. Dagobert Duck badet in seinem Geldspeicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baseballkarte, die Briefmarke, das NFT sind Millionen wert, weil andere Sammler sie haben wollen. Der Sammler macht den Wert selbst. Ohne ihn wäre die One-Cent Magenta ein Fetzen Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Knauser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Sammler|Sammler]] · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sammler kommt und geht, im Herbst, vor dem Winter, vor dem leeren Regal. Beim Knauser ist er chronisch geworden. Jede Ausgabe tut weh. Er hebt überall Geld auf. Das ist ein bekannter Typus. Wenn Leute Mangel erlebt haben wie im Krieg, werden sie manchmal so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; heißt es: „Meanness is undue sparing of expense.“ Der Knauser zählt beim Essen, wie viele Becher jeder Gast trinkt. Zerbricht ein Diener einen Topf, zieht er ihm den Wert von der Verpflegung ab. Verliert seine Frau eine kleine Münze, rückt er Möbel, Betten und Schränke und sucht in den Ritzen der Dielen. Seiner Frau verbietet er, Salz oder einen Lampendocht auszuleihen. Seine Geldtruhe ist schimmlig, weil sie nie geöffnet wird. Er hat eine volle Truhe und spart trotzdem: Fülle bannt den Knauser nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein zweiter Text.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt den Knauser noch einmal, als Ἀνελευθερία: „Penuriousness is the grudging of expense and is due to great love of money and little love of honor.“ Hier geht es um das Geld bei Ehrenpflichten. Nach einem Sieg auf der Bühne weiht er Dionysos einen hölzernen Kranz, auf den er seinen eigenen Namen schreibt. Wird öffentlich gesammelt, schweigt er oder geht, und sieht er einen sammelnden Freund kommen, schleicht er durch eine Seitengasse nach Hause. Bei der Hochzeit der Tochter verkauft er die Opfertiere und stellt nur Diener ein, die zu Hause essen. Bei einem Fest hält er die Kinder aus der Schule, um das Schulgeld zu sparen. Seiner Frau gibt er keine Magd, sondern ein gemietetes Kind. Das Wort heißt wörtlich Unfreiheit: Der Freie ist freigebig, der Geizige ist unfrei. Die Ehre wiegt bei ihm weniger als das Geld. Die [[#Geltung|Geltung]] überstimmt den Sammler nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geprägt vom Mangel.&#039;&#039;&#039; Ulrike Malmendier und Stefan Nagel untersuchten 2011 in ihrer Studie „Depression Babies“ Menschen, die schwere Wirtschaftskrisen erlebt haben. Wer selbst schlechte Zeiten erlebt hat, geht ein Leben lang weniger finanzielle Risiken ein und legt seltener Geld in Aktien an (siehe [[Bannung#Prägung|Prägung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Test:&#039;&#039;&#039; Beim Festessen nimmt die Tochter seine Börse und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle (siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]]). Und er missbilligt den Verschwender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Putz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO, Elf · zu Puppe&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Waschzwang. Menschen waschen sich die Hände, bis die Haut blutet, und fühlen sich danach immer noch schmutzig. Howard Hughes fasste am Ende Gegenstände nur noch mit Papiertüchern an und lebte abgeschottet in abgedunkelten Hotelzimmern.&lt;br /&gt;
* Ausfall: die Verwahrlosung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn der Putz ausfällt.&#039;&#039;&#039; Das Gegenstück zum Waschzwang ist, dass man sich nicht mehr pflegt. Theophrast nennt es Δυσχέρεια: „Grossness is such neglect of one’s person as gives offence to others.“ Sein Mann geht mit Ausschlag und schwarzen Zähnen auf den Markt und sagt, das sei erblich. Im Alltag kennt man den Ausfall bei schlechter Stimmung und wenig Antrieb. Im Extrem findet man ihn bei Menschen, die jede Hoffnung verloren haben: Scheitern in Schule und Beruf, Verachtung durch andere, Verlust des Rangs, eine Schuld, die man nicht tragen kann, vielleicht auch Selbstbestrafung. In Notunterkünften für Obdachlose gibt es Räume, in denen der Boden mit Müll und verfaultem Essen bedeckt ist. Der Rang ist dabei nicht alles. Bei Obdachlosen sind Sucht und psychische Erkrankungen häufig, mit großer Streuung (Fazel u. a. 2008, 29 Untersuchungen, 5.684 Personen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Selbstachtung.&#039;&#039;&#039; Der Putz dient auch der Selbstachtung, und die ist ein Spiegel der Achtung, die man von anderen erfährt (Cooley nannte das 1902 das „looking-glass self“). Wer in einer verachtenden Umgebung standhält, hat dafür einen imaginären Beifall. Als Bergen-Belsen im April 1945 befreit wurde, kam unaufgefordert eine große Lieferung Lippenstifte an. Der britische Sanitätsoffizier Mervin Gonin schrieb: „At last someone had done something to make them individuals again.“ Der Lippenstift sagt: Ich bin wer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elf ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Kuschel, Putz&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Fühl, Lausch, Schnupper, Kratz, Kitzel, Griff, Wurzel, Wohlig&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kuschel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elf · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Kuscheln ist Berührung und Umarmung, und es geht dabei um Geborgenheit und Sicherheit. Zwei Wurzeln sind denkbar. Die eine ist das Lausen der Affen: Gegenseitiges Streicheln und Lausen hält bei Primaten die Bindungen, über Hautnerven und Endorphine (Robin Dunbar 2022). Die andere ist die Verbindung von Mutter und Kind. Harry Harlows Rhesusaffen klammerten sich in den 1950er-Jahren an die Stoffmutter, auch wenn nur die Drahtmutter Milch gab. Der Körperkontakt war wichtiger als das Füttern. Beides kann zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die erotische Seite.&#039;&#039;&#039; Berührungen sind auch erregend. Dann geht das Kuscheln ins Begehren über und führt zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]]. Für den Menschen ist Sex ein Mittel zur Bindung geworden, heißt es oft, wichtig wegen der langen Kindheit. Das ist eine gängige, aber umstrittene These. Robert Quinlan (2008) sieht Paarbindungen als vielseitig, mit der Versorgung in der Stillzeit als am besten belegter Funktion, und prüft Sex als Bindungsmittel nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gefälliger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Geltung|Geltung]], [[#Elter|Elter]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Verehrung/Bewunderung|Verehrung/Bewunderung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: das Wohl und die Freude der anderen, und die Anerkennung dafür.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit oder Hilflosigkeit des anderen. Das Kindchenschema wirkt, zum Beispiel Bambi-Augen, es ist aber kein Muss. Es genügt, dass Hilfe gebraucht wird.&lt;br /&gt;
* Bannung: Wird kaum gewollt, denn er ist ein Kitt der Gemeinschaft. Gebannt wird nur seine Entgleisung. Wer sich verausgabt, den will der Ehepartner schützen. Wenn der Samariter die eigene Familie vernachlässigt, konkurriert er mit dem [[#Elter|Elter]], und dann hilft ein Arrangement, wem er wie viel gibt. Oakley und Kollegen nennen Hilfe, die ungewollt Schaden anrichtet, pathologischen Altruismus (2012).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gefällige will anderen Freude machen und freut sich an ihrer Freude. Deshalb macht man Geschenke. Sein Hauptinteresse ist das Wohl des anderen, das ihm wichtiger sein kann als das eigene. Das ist Eltern-Verhalten. Am stärksten gilt es dem, den er wertschätzt. Es reicht aber bis zum Fremden: Er gibt dem Bettler, den er nicht kennt, und er spendet an Empfänger, die er nie sehen wird. Die Freude des anderen und sein Dank sind dann nur vorgestellt. Er will auch Anerkennung, und beides gehört zusammen. Er ist ein wesentlicher Kitt jeder Gemeinschaft. Er ist nicht der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]], der nach oben lobt, um an der Macht teilzuhaben. Er ist auch nicht der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]], der Missfallen vermeiden will und dafür formal korrekt und höflich ist, vielleicht auch ein Streber. Der Gefällige tut anderen Gutes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was dafür spricht.&#039;&#039;&#039; Wer Geld für andere ausgibt, ist glücklicher als wer es für sich ausgibt (Dunn, Aknin und Norton 2008). Das fand sich in 120 von 136 Ländern (Aknin u. a. 2013). Gute Nachrichten zu teilen macht froh, und mehr, wenn das Gegenüber sich mitfreut, und es hängt bei Paaren mit besserer Beziehung zusammen (Gable u. a. 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch für Unbekannte.&#039;&#039;&#039; Schon anonymes freiwilliges Geben aktiviert die Belohnungsregionen stärker als die Zwangsabgabe (Harbaugh u. a. 2007, 19 Teilnehmerinnen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gefälligkeit nach oben.&#039;&#039;&#039; Wer einer Autorität einen Gefallen tut, um Anerkennung oder Wertschätzung zu bekommen, macht einen Tauschhandel. Das ist der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] oder das [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]]. Der Gefällige hilft auch, wenn es niemand erfährt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ἀρέσκεια: „Affability is a sort of demeanor that gives pleasure at the sacrifice of what is best.“ Er ruft einen Freund schon von weitem an, überschüttet ihn mit Lob und lässt ihn nicht los. Vor Gericht will er auch dem Gegner gefallen. Beim Essen lässt er die Kinder rufen, sagt, sie ähnelten dem Vater „as one fig is like another“, und spielt mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn er entgleist.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt die Entgleisung. Überwiegt die Anerkennung, wird aus dem Gefälligen der Schmeichler, der dem anderen Recht gibt, auch gegen die Wahrheit. Aristoteles unterscheidet den Gefallsüchtigen ohne Eigennutz vom Schmeichler aus Eigennutz. Die Psychologie nennt das Extrem Soziotropie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urschlummer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Gähn, Murmel, Mümmel&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gähn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Murmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mümmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neid ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Revierverhalten/Gebiet · zu Troll, Häme&lt;br /&gt;
* Es ist eine Form von Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Rivale, der mir nah ist, bekommt oder kann, was in meinem eigenen Gebiet zählt. Beim Fremden und beim Unerreichbaren entsteht kein Neid, sondern Bewunderung.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Neidkratzer. Jemand zieht mit dem Schlüssel eine lange Schramme in den Lack eines teuren Autos. Er hat nichts davon, außer dass der andere es auch nicht mehr hat.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Es ist eine Form von Revierverhalten. So wie Ziegen ihren Rivalen bei der Fütterung wegboxen: Am Futtertrog stoßen die ranghohen Tiere die anderen mit dem Kopf weg, auch wenn genug für alle da ist. Es geht nicht ums Sattwerden. Es geht darum, dass der andere nicht frisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man neidet, was der andere hat oder bekommt. Auch wenn man Fähigkeiten neidet, geht es darum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, was der andere hat. Oder wenigstens, dass der andere es auch nicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Trigger genau:&#039;&#039;&#039; Es ist mehr zwischen Bekannten, zwischen Rivalen. Und dann beherrscht es die Gedanken und führt zu Missgunst und zu Taten, um den anderen zu schädigen. Der Psychologe Abraham Tesser hat gezeigt, dass zwei Dinge zusammenkommen müssen: Der andere ist mir nah, Freund, Kollege, Bruder, Nachbar. Und er ist besser auf einem Gebiet, das für mich selbst zählt. Ist mein Freund ein besserer Schachspieler und mir ist Schach egal, freue ich mich für ihn. Ist er ein besserer Elektriker und ich bin Elektriker, dann sticht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Tat:&#039;&#039;&#039; In Tessers Versuchen durfte einer dem anderen bei einem Ratespiel Hinweise geben, leichte oder schwere. Hieß es, das Spiel sei belanglos, bekamen Freunde leichtere Hinweise als Fremde. Hieß es, das Spiel messe die Intelligenz, bekamen Freunde schwerere Hinweise als Fremde. Man bremst den Freund aus, nicht den Fremden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Promi ist etwas anderes:&#039;&#039;&#039; Wer weit weg und unerreichbar ist, an Reichtum, Ruhm oder Fähigkeit, den beneidet man nicht, man bewundert ihn. Das gehört zur Verehrung/Bewunderung und zum Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Formen:&#039;&#039;&#039; Der böse Neid will den anderen herunterziehen. Der gutartige Neid will selbst hinauf: „Das will ich auch schaffen.“ Er richtet sich oft auf jemanden, der ein Stück weiter, aber noch erreichbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Unter Gleichen:&#039;&#039;&#039; Aristoteles schreibt in seiner Rhetorik, man beneide die, die einem nahe sind an Zeit, Ort, Alter und Ansehen, und zitiert dafür Hesiod, um 700 vor Christus: „Der Töpfer grollt dem Töpfer, der Bettler dem Bettler, der Sänger dem Sänger.“ Man beneidet nicht den König, sondern den Nachbarn. Beide stehen am selben Trog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bilder:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Schneewittchen: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die Königin war die Schönste, bis der Spiegel eine andere nannte.&lt;br /&gt;
* Zwei Kinder bekommen verschieden große Kuchenstücke: „Der hat aber mehr!“&lt;br /&gt;
* Zwei Kapuzineraffen bekommen für dieselbe Aufgabe Gurke. Bekommt einer eine Weintraube, wirft der andere seine Gurke dem Forscher ins Gesicht.&lt;br /&gt;
* Das Gesetz von Jante, aus einem Roman von Aksel Sandemose, 1933, in Skandinavien sprichwörtlich: „Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Warum der und nicht ich?“&#039;&#039; → Der Vergleich. Der Anfang von allem.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hat doch nur Glück gehabt.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Der hat eben Beziehungen.“&#039;&#039; → Den Erfolg kleinreden. Wenn es Glück war, hat er es nicht selbst geschafft, und ich bin nicht schlechter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„So toll ist das auch nicht.“&#039;&#039; → Saure Trauben. Aesops Fuchs springt nach den Trauben, kommt nicht dran und sagt im Weggehen: „Die sind mir ohnehin zu sauer.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das hat der doch gar nicht verdient.“&#039;&#039; → Die Maske der Gerechtigkeit. Der Neid verkleidet sich als Gerechtigkeitssinn.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hält sich wohl für was Besseres.“&#039;&#039; → Das Gesetz von Jante. Niemand darf herausragen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Schön für dich.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Gönn ich dir.“&#039;&#039;, durch die Zähne gesagt → Das Heucheln. Der Glückwunsch, der keiner ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Dem wird das Lachen schon noch vergehen.“&#039;&#039; → Die Vorfreude auf den Fall.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Hab ich doch gleich gesagt.“&#039;&#039;, wenn es dann schiefgeht → Die Schadenfreude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Gehirn:&#039;&#039;&#039; Japanische Forscher ließen 2009 Versuchspersonen Geschichten über erfolgreiche Mitschüler lesen. Beim Neid war ein Bereich aktiv, der auch bei Schmerz arbeitet. Als dem Beneideten danach ein Unglück passierte, sprang ein Bereich an, der bei Belohnung arbeitet. Neid tut weh, Schadenfreude tut gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gute Neid:&#039;&#039;&#039; Hesiod unterscheidet zwei Göttinnen des Streits. Die schlechte Eris bringt Krieg. Die gute Eris treibt den Faulen an, wenn er sieht, wie reich der fleißige Nachbar wird, sodass er selbst pflügt und pflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verwandt:&#039;&#039;&#039; [[#Eifersucht|Eifersucht]] (die Eifersucht fürchtet zu verlieren, was sie hat; der Neid will haben, was der andere hat), [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Gerechtigkeitssinn|Gerechtigkeitssinn]], Häme, [[#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Alle drei, Stammesbruder, Eifersucht und Neid, stammen vom Revierverhalten: das Revier der Gruppe, das Revier der Bindung, das Revier am Futtertrog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Revierverhalten/Gebiet ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Stammesbruder, Eifersucht, Neid, [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]]&lt;br /&gt;
* Es ist der Kern der Eifersucht: Ein Rivale dringt in die Bindung ein. Beim Wolfsrudel: Man kennt die Gesichter, das Revier ist abgesteckt, der Fremde ist der Feind.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überall.&#039;&#039;&#039; Viel Verhalten von Menschen lässt sich nur verstehen, wenn man weiß, dass es Revierkämpfe sind. Bei Tieren sind Revierkämpfe oft Standard: Ziegen boxen, Elche kämpfen. Bei manchen ist das so ernst, dass es Verletzte und Tote gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dasselbe Zeichen.&#039;&#039;&#039; Der Bauer zäunt sein Feld ein. Der Goldsucher seinen Claim. Der Hund pisst an den Baum und Armstrong stellt die amerikanische Flagge auf. Das ist dasselbe.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Reviere werden vor allem gegen Artgenossen verteidigt und mit Duft, Gesang oder Schauflügen markiert. Der Besitz wird meist respektiert, auch ohne dass ihn jemand durchsetzt: Wer zuerst da war, wird selten herausgefordert (Sherratt und Mesterton-Gibbons 2015). Stake (2004) sieht in den Rechtsregeln über Besitz und Priorität Spuren dieser Strategien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sammler.&#039;&#039;&#039; Er pflegt und verteidigt seine Sammlung und identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eltern.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Man nennt es Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beschützer.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker. Bei Säugetieren und Vögeln ist das die Regel. Bei Fischen und Reptilien eher nicht. Ausnahmen gibt es: Der männliche Stichling bewacht das Nest und verteidigt Eier und Junge gegen Eindringlinge, ebenso die Männchen der Sonnenbarsche (Britannica; Juneau Empire). Auch hier zeigt sich der Dämon ohne Maske in ganzer Stärke, wenn man das Revier betritt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geltung.&#039;&#039;&#039; Das Revier ist hier der Rang. Es zeigt sich, wenn die Kompetenz angezweifelt wird, wenn der Rang oder die Stellung streitig gemacht wird oder wenn der Konkurrent sich mit fremden Federn schmückt. Auch die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] ist Revierverhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eitelkeit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Poser&lt;br /&gt;
* Varianten: Geck, Diva&lt;br /&gt;
* Die leere Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Geltung, die durch die Zustimmung anderer gegeben wird: Preise und Auszeichnungen (siehe [[#Geltung|Geltung]]). La Rochefoucauld: „La vertu n&#039;irait pas si loin si la vanité ne lui tenait compagnie.“ (Die Tugend käme nicht so weit, wenn die Eitelkeit ihr nicht Gesellschaft leistete.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß ursprünglich leer, nichtig (althochdeutsch &#039;&#039;ītal&#039;&#039;), so wie das lateinische &#039;&#039;vanitas&#039;&#039;. Die Leere steckt schon im Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ehrgeiz im Kleinen.&#039;&#039;&#039; Theophrast nennt den Eitlen Μικροφιλοτιμία, „Ehrgeiz im Kleinen“: „a striving for honor in small things“. Beim Essen will er neben dem Gastgeber sitzen. Er zahlt mit frisch geprägten Münzen. Seiner zahmen Dohle kauft er eine kleine Leiter und einen Schild aus Bronze. Stirbt sein Hund, setzt er ihm ein Denkmal: „Fido, Pure Maltese.“ Er kauft einen neuen Anzug, solange der alte noch gut ist, und seine Zähne sind immer weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von außen.&#039;&#039;&#039; Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er sagt, was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Die Eitelkeit lebt in der Lücke zwischen dem, was einer sagt, und dem, was er sich davon verspricht. Meist ist das keine Berechnung. Er glaubt selbst an das Bild, das er zeigt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Bescheidene&#039;&#039;&#039; sagt: „Ach, das war doch nichts Besonderes.“ Er hofft auf den Widerspruch: „Doch, das war großartig!“ So bekommt er das Lob und darf sich obendrein bescheiden fühlen. Manchmal verkleidet er das Angeben als Klage, etwa wenn er stöhnt, er komme vor lauter Einladungen zu nichts mehr. Die anderen durchschauen das meistens.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Erfolgreiche&#039;&#039;&#039; sagt: „Eigentlich wollte ich nie Karriere machen. Es hat sich so ergeben.“ Der Erfolg soll mühelos aussehen, und gerade dafür will er bewundert werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Gekränkte&#039;&#039;&#039; sagt: „Mir ist völlig egal, was andere über mich denken.“ Dann liegt er die halbe Nacht wach wegen einer einzigen Bemerkung. Wer am lautesten sagt, die Meinung der anderen sei ihm egal, hängt oft am stärksten an ihr.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Unauffällige&#039;&#039;&#039; sagt: „Ich brauche keine Aufmerksamkeit, ich mach einfach mein Ding.“ Er möchte gerade dafür bewundert werden. Seine Eitelkeit ist, keine zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl verrät, was der Satz verbirgt. Lob hebt ihn, ausbleibendes Lob enttäuscht ihn, Kritik kränkt ihn, und wer mehr Beachtung bekommt, wird zum Rivalen. Er sieht sich mit den Augen der anderen. Darum macht die Eitelkeit abhängig, obwohl sie sich überlegen fühlen will: Sie muss sich immer wieder neu beweisen, denn sicher ist man der Bewunderung nie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eitelkeit heute.&#039;&#039;&#039; Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schopenhauers Satz gilt noch: Die Eitelkeit ist gesprächig, der Stolz schweigsam. Young Jee Han, Joseph Nunes und Xavier Drèze fanden 2010: Wer reich ist und Geltung braucht, kauft die Tasche mit dem großen Logo, die jeder erkennt. Wer reich ist und sie nicht braucht, kauft die Tasche ohne Logo, die nur Kenner erkennen. Der eine spricht zu allen, der andere nur zu seinesgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039; „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Sehen und gesehen werden.“ – „Kleider machen Leute.“ – „Wer schön sein will, muss leiden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schauspieler.&#039;&#039;&#039; Wer davon lebt, gesehen zu werden, ist oft eitel. Drew Pinsky und Mark Young ließen 2006 zweihundert Prominente einen Narzissmus-Fragebogen ausfüllen. Die Prominenten lagen deutlich über dem Durchschnitt, am höchsten die Stars aus dem Reality-Fernsehen, dann Komiker, Schauspieler und Musiker. Viele waren schon so, bevor sie berühmt wurden: Der Beruf zieht die Eitlen an. In Billy Wilders Film &#039;&#039;Sunset Boulevard&#039;&#039; (1950) sagt man der gealterten Stummfilmdiva Norma Desmond: „You used to be big.“ Sie antwortet: „I am big. It&#039;s the pictures that got small.“ Am Ende steigt sie die Treppe hinab, auf die Kamera zu: „All right, Mr. DeMille, I&#039;m ready for my close-up.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen.&#039;&#039;&#039; Auf Reddit sprechen Menschen offen darüber, und manchmal spricht der Dämon selbst.&lt;br /&gt;
* Über sich selbst: „I&#039;m very vain in the sense I&#039;m always aware of how good or not I look […] I will leave any situation, job, place, person etc if it worsens my looks.“ – „When I look good I feel good, and I care way too much about how people see me.“ – „Yes, I strut and preen.“ – „Main character energy so yes.“ – „sometimes I&#039;m extremely vain and other times I feel inferior to everyone“ (r/Sagittarians, 2025). Im letzten Satz zeigt sich die Leere.&lt;br /&gt;
* Was andere hören: Eine Freundin begründet alles mit ihrem Aussehen: „I should have been invited to that party, I&#039;m hot.“ – „I don&#039;t understand why we have to wait in this line, most of the time hot people get let in early.“ Eine andere fragt nach dem Treffen mit den Freunden ihres Partners: „did anyone tell you how pretty I was“ (r/AskMen, 2024).&lt;br /&gt;
* Schopenhauers gesprächige Eitelkeit, ein Ratschlag an Männer: „Never mention your nice car, then pick her up for a 3rd date, hot. Mentioning it up front, tacky.“ (r/Bumble, 2026)&lt;br /&gt;
* Männer über sich selbst: „I like staring at my reflection in shop windows.“ – „Have to check the bathroom mirror to make sure my abs are still there.“ – „I definitely check myself out in bathroom mirrors, window reflections. I can&#039;t help it I&#039;m just too sexy“ – „I take a lot of satisfaction in the fact that I look good, then immediately feel guilty about it“ (r/AskMen, 2018).&lt;br /&gt;
* Die Eitelkeit missbilligt die, die nicht so sind wie sie. Ein Mann staunt, wie schlecht jüngere Männer aussehen: „When I look at men who are much younger than me and I&#039;m amazed at how bad they look“. Jemand fragt zurück: „So, your vanity expresses itself through judgement of others?“ Ein anderer: „Not OP but yes, absolutely. It&#039;s kinda shitty but it&#039;s a gut reaction.“ (r/AskMen, 2018; siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geck.&#039;&#039;&#039; Eine Variante der Eitelkeit kommt vom [[#Putz|Putz]]: die Eitelkeit auf das eigene Aussehen, auf Kleidung, Frisur und Körper. Das Wörterbuch nennt den Gecken einen „eitlen (jungen) Mann mit auffallend modischer Kleidung und auffälligem Benehmen“ (DWDS). Die weibliche Variante ist die Diva. Die Eitelkeit selbst ist weiter: Auch ein hässlicher Gelehrter kann auf seine Intelligenz eitel sein. Dann hängt sie allein an der [[#Geltung|Geltung]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Diva.&#039;&#039;&#039; Das Wort heißt auf Italienisch „die Göttliche“ und war im 19. Jahrhundert ein Ehrenname berühmter Sängerinnen (Pfeifer). Das Wörterbuch nennt die Diva eine gefeierte Künstlerin, einen Star (DWDS). Zu ihr gehören Starallüren: Sie ist launisch, kapriziös und unnahbar und hält sich für etwas Besseres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Poser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Eitelkeit · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Poser ist ein Schauspieler für das Publikum. Vielleicht kann er auch etwas. Aber er stellt sich hin und macht eine Pose, damit das Publikum sie sieht. Früher haben Fußballer nach einem Tor gejubelt. Das war echt, das war [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Jubel|Jubel]] nach dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Sieg|Sieg]]. Heute machen sie Posen: Jeder soll sehen, was für ein Held ich bin. Auch die Influencer machen Posen für die Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Siu.&#039;&#039;&#039; Cristiano Ronaldo sprang im August 2013 nach einem Tor gegen Chelsea in die Luft und rief „Siu“. Er sagt selbst, das sei spontan gewesen: „I just scored the goal and it came out. It was just natural. Since that, I started to do it more often.“ Aus echtem Jubel wurde durch Wiederholung eine Pose, sein Markenzeichen. Die Übergänge sind fließend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Vorderbühne.&#039;&#039;&#039; Erving Goffman beschrieb 1959 das Alltagsleben als Theater, mit einer Vorderbühne, auf der man vor Publikum spielt, und einer Hinterbühne, auf der man unbeobachtet ist (&#039;&#039;The Presentation of Self in Everyday Life&#039;&#039;). Der Poser lebt auf der Vorderbühne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; ist der Eitle auch schon Poser. Den Kopf des geopferten Ochsen nagelt er gegenüber der Haustür an, damit jeder Besucher sieht, was er geopfert hat. Nach der Reiterparade gibt er die Ausrüstung dem Knecht und stolziert in Sporen über den Markt. Bei Vorführungen in seiner eigenen Halle kommt er als Letzter herein, damit die Zuschauer sagen: „That&#039;s the gentleman to whom the place belongs.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen&#039;&#039;&#039; (Reddit): „Curates her life online to make it look more fun and exciting than it really is.“ (r/AskMen, 2024) – „Sometimes guys post unfriendly non-smiling gym photos of them staring at their own arm muscles“ (r/Bumble, 2026). Das Aufpumpen vor dem Auftritt: „Shit, I do push-ups before cutting the lawn shirtless!“ – „You don&#039;t keep dumbbells in your trunk to do a few curls right before picking up your dates?“ – „you never look as good as your pump.“ Einer nennt seine Schnellübung selbst „the douchebag session“ (r/Fitness, 2015). – „When I cosplay, I want my picture taken with everyone.“ (r/AskMen, 2018)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prahler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[#Geltung|Geltung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Auch: Angeber.&lt;br /&gt;
* Varianten: Aufschneider&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Aufschneider.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Prahlers ist der Aufschneider. Bei Theophrast heißt er Ἀλαζονεία: „Bragging is pretending to have excellences that one does not really possess.“ Er steht am Hafen und erzählt, wie viel Kapital er in Schiffen stecken hat, und schickt seinen Sklaven zur Bank, wo er eine Drachme hat. Er habe unter Alexander gedient und drei Briefe von Antipater bekommen, obwohl er nie aus seiner Stadt herausgekommen ist. In der Hungersnot habe er über fünf Talente für die Armen gegeben. Sein gemietetes Haus nennt er das Familienhaus und sagt, es sei zu klein für seine Freunde. Ob das Vermögen echt oder erfunden ist, ist für das Wesen irrelevant. Das Motiv ist dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Besser sein wollen.&#039;&#039;&#039; Geltung zu wollen ist an sich etwas Positives. Sie ist der Treibstoff für viele Errungenschaften und Leistungen. Beim Prahler geht es aber darum, besser zu sein als die anderen. Das ist traurig, denn er ist von den anderen abhängig. Ohne Vergleich gibt es keinen Rang. Dabei kann man den Rang und die Leistung anderer auch anerkennen, unabhängig davon, ob sie mehr haben oder können (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wenn ein anderer mehr hat.&#039;&#039;&#039; Hat ein Nachbar das größere Haus oder das größere Auto, kommt der [[#Neid|Neid]] ins Spiel, wenn der andere ihm nah ist und es ein Gebiet ist, das ihm selbst zählt. Dann legt der Prahler nach, zieht den anderen herunter oder meidet den Vergleich. Der Neid ist sein Bruder: Auch er ist auf den Vergleich fixiert, und sein eigener Rang hängt von den anderen ab. Nach einer Umfrage von Solnick und Hemenway lehnten 48 % es ab, dass alle reicher werden, wenn das den eigenen Rang senkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; erscheint er in zwei Gestalten. Der Übereifrige zeigt „an excess in saying or doing, — with good intentions, of course“ und verspricht öffentlich Dinge, die er nicht leisten kann. Der Prahler ist „pretending to have excellences that one does not really possess“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Justin Kruger und David Dunning ließen 1999 Studenten nach einem Test schätzen, wie gut sie waren. Das schlechteste Viertel lag im 12. Perzentil und schätzte sich im 62. ein. Der Titel ihrer Studie: „Unskilled and unaware of it“. Wie stark das im Durchschnitt gilt, ist umstritten (Gilles Gignac und Marcin Zajenkowski 2020). Den Typ gibt es trotzdem. William von Hippel und Robert Trivers schrieben 2011, Selbsttäuschung sei entstanden, um andere besser zu täuschen: „self-deceptive self-enhancement also allows people to display more confidence than is warranted.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urtümlich.&#039;&#039;&#039; Der Angeber ist alt. Der Pfau schlägt sein Rad vor der Henne. Andere Tiere machen sich vor dem Rivalen größer, als sie sind: fast eine Drohgebärde, aber schon im Vorfeld, um einzuschüchtern, bevor es zum Kampf kommt. Rothirsche röhren um die Wette, wo ein Kampf droht, und das Röhren verrät dem Rivalen die Kampfkraft (Tim Clutton-Brock und Steve Albon 1979). Verliert ein Männchen der Winkerkrabbe seine große Schere, wächst eine neue nach, die gleich groß aussieht, aber leichter und schwächer ist. Damit blufft es: „Regenerated claws effectively bluff fighting ability and deter potential opponents before they fight.“ Auch die Weibchen fallen darauf herein. Bis zu 44 % der Männchen tragen solche Scheren (Patricia Backwell und Kollegen 2000). Das ist der Angeber in reiner Form: mehr zeigen, als da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Balz ruft den Angeber.&#039;&#039;&#039; Ein Dämon kann innerhalb desselben Menschen einen anderen zu Hilfe rufen. Die Balz ruft den Angeber, so wie beim Feigling die Angst den Täuscher ruft. Das ist eine Abfolge, keine Abstammung. Ein Feldversuch: Junge Skateboarder wagten riskantere Tricks, wenn eine attraktive Frau zusah, und ihr Testosteron stieg (Richard Ronay und William von Hippel 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Angeber vor Frauen – und vor Rivalinnen.&#039;&#039;&#039; Beim Menschen ist das Muster verbreitet. Derselbe Mann wirkt auf Frauen attraktiver, wenn er in einem Bentley sitzt; bei einer Frau am Steuer wirkt das nicht (Dunn &amp;amp; Searle 2010). Männer spenden deutlich mehr, wenn eine attraktive Frau zusieht; Frauen vor einem attraktiven Mann nicht (Iredale, Van Vugt &amp;amp; Dunbar 2008). Frauen geben auch an, nur anders: Sie investieren in Wirkung, Kosmetik ist eine ganze Industrie. Und Luxus zeigen sie oft anderen Frauen, als Mittel im Wettbewerb unter Rivalinnen (Hudders et al. 2014). Das ist wieder das Tier, das sich vor dem Rivalen größer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht jede Schminke und nicht jede teure Tasche ist Angeberei. Frauen tun das auch für sich selbst, nicht nur, um zu beeindrucken. Dann spricht [[#Geltung|Geltung]]: &#039;&#039;Ich bin wer.&#039;&#039; Das ist das gute Gefühl eines sicheren Reviers, kein Täuschen. Dasselbe Verhalten kann von verschiedenen Wesen kommen. Der Angeber braucht einen Zuschauer, den er übertrumpfen will. Geltung genügt sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsicht bei der Literatur: Viele Studien, die das Angeben durch „Paarungsstimmung“ auslösen wollten, ließen sich nicht wiederholen (Shanks et al. 2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stammesbruder ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Herde, Revierverhalten/Gebiet, Jagdtrieb · zu –&lt;br /&gt;
* Die Herde bringt das Zusammenhalten und das Ausstoßen der Abweichler, der Jagdtrieb die gemeinsame Jagd auf Minderheiten: Wölfe jagen gemeinsam und töten fremde Wölfe, die Schimpansen von Gombe stellten die Abtrünnigen in Gruppen und töteten sie einzeln.&lt;br /&gt;
* Verwandt: Revierverhalten/Gebiet; Fan und Kamerad; Verachtung gegen die Fremden.&lt;br /&gt;
* Wirkt bei vielen Wesen mit: beim Streber, beim Held, beim Krieger, beim Zwerg. Darum ist er kein Elternteil des Zwergs, sondern ein eigener Dämon.&lt;br /&gt;
* Trigger: die Kennzeichen (Trikot, Fahne, Dialekt), eine Bedrohung von außen, ein Abweichler in den eigenen Reihen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stammesbruder ist fundamental&lt;br /&gt;
Das wirkt bei ziemlich allen Gruppen Bildungen mit auf denen Zivilisationen beruhen&lt;br /&gt;
In Wahrheit gibt es nicht Nationen oder Firmen oder Gesellschaften oder Kunst oder Wissenschaft als Verbindung von Menschen&lt;br /&gt;
Da verbinden sich Menschen zu einem Stamm mit 50 anderen Menschen die sie kennen&lt;br /&gt;
Das ist die wirkende Dynamik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es ein Thema braucht mit dem sich ein Stamm identifiziert&lt;br /&gt;
Eine Lehre&lt;br /&gt;
Eine Ideologie&lt;br /&gt;
Aber abgesehen von Sinn oder Unsinn&lt;br /&gt;
Was da passiert ist Stammesverhalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es einen Kanon an gemeinsamen Symbolen, Masken, Kleidung, Haarschnitt, Fahnen, Ritualen, Sprüchen , Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wird auch peinlich darauf geachtet dass das eingehalten wird von denen die dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind die die nicht dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die wird mindestens herab geschaut&lt;br /&gt;
Und wenn es schlimm kommt gibt es auch Krieg und Verfolgung&lt;br /&gt;
Das ist eine unschöne Seite davon&lt;br /&gt;
Oft werden da Minderheiten gesucht&lt;br /&gt;
Als Feind der die Gruppe bedroht&lt;br /&gt;
Um die Truppe folgsam zu machen gegen den gemeinsamen Feind&lt;br /&gt;
Der Dämon Stammesbruder übernimmt das Ruder und schaltet das kritische Denken aus&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand ist Mitglied vom Stamm. Stammesverhalten ist ein mächtiger Trieb, der sehr viel menschliches Verhalten erklärt. Überall bilden wir Gruppen mit einheitlichen Kennzeichen. Und um in die Gruppe aufgenommen zu werden, muss man Hürden überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie schnell er da ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Robbers Cave, 1954: Zwei Gruppen von Jungen im Ferienlager, die sich vorher nicht kannten. Nach wenigen Tagen hatten sie Namen, die „Adler“ und die „Klapperschlangen“, eigene Fahnen und eigene Regeln. Bald verbrannten sie die Fahne der anderen und überfielen deren Hütte.&lt;br /&gt;
* Tajfel, 1970er-Jahre: Schüler wurden angeblich danach eingeteilt, ob sie Bilder von Klee oder von Kandinsky lieber mögen. In Wahrheit war es Zufall. Trotzdem gaben sie beim Verteilen von Geld der eigenen Gruppe mehr und verzichteten sogar auf Geld, nur damit der Abstand zur anderen Gruppe größer wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Hürde:&#039;&#039;&#039; 1959 mussten Studentinnen, um in eine Diskussionsgruppe zu kommen, vor einem Mann peinliche Wörter laut vorlesen. Danach hörten alle dieselbe absichtlich langweilige Diskussion. Wer die peinliche Aufnahme durchgemacht hatte, fand die Gruppe besonders gut. Je höher die Hürde, desto wertvoller die Gruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen und Hürden:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Militär&#039;&#039;&#039;: Kopf kahl, Uniform, Grundausbildung, Drill. Der Einzelne wird abgelegt, die Truppe wird angezogen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fußball&#039;&#039;&#039;: Schal, Trikot, Fangesänge. Schalke und Dortmund liegen 30 Kilometer auseinander und hassen sich neunzig Minuten lang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Berufe&#039;&#039;&#039;: Der Zimmermann auf der Walz in schwarzer Kluft, drei Jahre und einen Tag unterwegs, nicht näher als 50 Kilometer an seinen Heimatort. Der Doktortitel bei den Akademikern. Die verschlüsselte Fachsprache des [[Zwerg]]s ist das Kennzeichen seines Stammes, der Aufnahmeritus.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Studentenverbindungen&#039;&#039;&#039;: der Schmiss von der Mensur, eine Narbe im Gesicht als Kennzeichen fürs Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alt:&#039;&#039;&#039; In Gombe in Tansania hat sich in den 1970er-Jahren eine Schimpansengruppe gespalten. Über vier Jahre hat die größere Gruppe die Männchen der abgespaltenen Gruppe einzeln aufgespürt und getötet. Vorher waren es Gruppenmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Stamm von 50:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der Anthropologe Robin Dunbar hat gezählt, wie groß menschliche Gruppen von selbst werden: etwa 5 enge Vertraute, 15 gute Freunde, 50 Leute, mit denen man lagert und jagt, 150, die man noch beim Namen kennt. Die 50 ist bei Jägern und Sammlern die Größe eines Lagers.&lt;br /&gt;
* Die Armeen haben das immer gewusst. Der Zug hat 30 bis 50 Mann, die Kompanie um die 150. Bei den Römern teilten sich 8 Mann ein Zelt.&lt;br /&gt;
* Shils und Janowitz befragten 1948 gefangene Wehrmachtssoldaten, warum sie bis zuletzt weiterkämpften, als der Krieg längst verloren war. Nicht die Ideologie hielt sie. Die meisten kämpften für die Männer neben ihnen im Graben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Thema ist austauschbar:&#039;&#039;&#039; Bei Tajfel reichte die Frage, ob einem Klee oder Kandinsky besser gefällt, und in Wahrheit nicht einmal das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Peinlich genau eingehalten:&#039;&#039;&#039; Wer aus der eigenen Gruppe abweicht, wird härter verurteilt als ein Fremder, der dasselbe tut. Die Psychologen nennen das den Schwarze-Schaf-Effekt. Der Abtrünnige ist schlimmer als der Feind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das kritische Denken ausgeschaltet:&#039;&#039;&#039; Solomon Asch, 1951. Eine Versuchsperson sitzt mit sieben anderen am Tisch, die heimlich eingeweiht sind. Alle sollen sagen, welche von drei Linien so lang ist wie eine vierte. Die Antwort ist offensichtlich. Aber die sieben sagen nacheinander laut die falsche. Etwa drei von vier Versuchspersonen haben mindestens einmal mitgemacht und gegen ihre eigenen Augen die falsche Linie genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gemeinsame Feind:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Wort Sündenbock kommt aus der Bibel. Am Versöhnungstag legte der Priester die Sünden des Volkes einem Ziegenbock auf und jagte ihn in die Wüste.&lt;br /&gt;
* Im Ferienlager von Robbers Cave wurden die verfeindeten Gruppen am Ende durch eine gemeinsame Bedrohung versöhnt: Die Wasserleitung des Lagers war angeblich sabotiert.&lt;br /&gt;
* Göring erklärte 1946 in Nürnberg dem Gefängnispsychologen Gilbert sinngemäß: Das Volk lässt sich immer zum Krieg bringen. Man muss ihm nur sagen, es werde angegriffen, und die Friedensfreunde als Vaterlandsverräter hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“&#039;&#039; → Freund oder Feind, kein Drittes.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das macht man bei uns nicht.“&#039;&#039; → Die Regel des Stammes, ohne Begründung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Die da.“&#039;&#039; → Der Fremde braucht keinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die andere Seite:&#039;&#039;&#039; Derselbe Dämon trägt den verletzten Kameraden aus dem Feuer. Ohne ihn gäbe es keine Feuerwehr und keine Bergwacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; sein Ruf-Name.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_4:_Leib,_Nest_und_Lust&amp;diff=965</id>
		<title>Wesen 4: Leib, Nest und Lust</title>
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		<updated>2026-11-01T01:11:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Begehren: Das eigene Wesen, Reiz ohne Mögen, Nachlassen, Platon, Empathielücke, MMAS&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die übrigen Wurzeln unter HOMO.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · &#039;&#039;&#039;Leib, Nest und Lust&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wuff Wuff (betteln um Anerkennung) ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Streber&lt;br /&gt;
* Die bettelnde Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HOMO ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Odem, Durst, Sunny, Balz, Elter, Sammler, Putz, Urschlummer, Beutetier, Hunger/Schlemmer, Raubtier, Herde, Begehren, Elf&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Odem ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Durst ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sunny ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hunger/Schlemmer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekel, Schmauß, Schmatz, Schmack, Trank, Mijam&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Völlerei), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekel ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Ekel]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Horror, Öde, Verachtung, Nase rümpfen, Hass&lt;br /&gt;
* Spruch: „Pfui“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Verdorbene und Verunreinigte vom Mund und vom Körper fernhalten. Der Dämon will, dass es weg ist, oder dass man selbst weg ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kot, Erbrochenes, Aas, Schimmel, Maden, Schleim, fremde Körperflüssigkeiten. Dazu alles, was damit in Berührung kam.&lt;br /&gt;
* Bannung: Abstand oder Reinigung. Er beruhigt sich, wenn das Ekelhafte weg ist oder man sich gewaschen hat.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Nase ist gerümpft, die Oberlippe nach oben gezogen, der Mund verzogen, oft wird die Zunge herausgestreckt oder es würgt.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf geht zurück, der Körper dreht sich weg, die Hände wehren ab. Man hält Abstand.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rangordnung und Reinheit.&#039;&#039;&#039; In vielen Kulturen oder Religionen wird eine Rangordnung gemacht: Reinheit, oder der Reine, im Gegensatz zum Unreinen. Bevor sich das vergeistigt hat, war das nichts Symbolisches. Das steht schon bei Nietzsche. Jedenfalls beinhaltet der Ekel eine Abscheu mit Blick auf den Unreinen, und darin ist eine Rangordnung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ja und Nein.&#039;&#039;&#039; Man sagt Ja und Nein und hält das für logische Kategorien. Aber letztendlich stammt das von körperlichen Reaktionen und basiert darauf und erhält auch heute noch daher den Sinn. Ekel ist eine Abwehr. Bei einem stärkeren Nein ist da auch Verärgerung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche schreibt in der &#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; ([http://www.thenietzschechannel.com/works-pub/gm/gm-1g.htm 1887, erste Abhandlung, §6]), dass „rein“ und „unrein“ sich zum ersten Mal als Ständeabzeichen gegenüberstehen. Man solle die Begriffe nicht symbolisch nehmen: Sie seien anfangs „grob, plump, äusserlich, eng, geradezu und insbesondere unsymbolisch“ verstanden worden. Der „Reine“ sei von Anfang an bloß „ein Mensch, der sich wäscht, der sich gewisse Speisen verbietet, die Hautkrankheiten nach sich ziehen, der nicht mit den schmutzigen Weibern des niederen Volkes schläft, der einen Abscheu vor Blut hat“. Dumont ([https://books.google.com/books/about/Homo_Hierarchicus.html?id=XsOtRGdvIigC &#039;&#039;Homo Hierarchicus&#039;&#039;]) beschreibt das indische Kastensystem durch den Gegensatz von rein und unrein: Die Brahmanen stehen für höchste Reinheit, die Unberührbaren für höchste Unreinheit. Mary Douglas (1966) bestimmt Schmutz als „matter out of place“, als Stoff am falschen Platz. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10234846/ 1999]) ordnen drei Gefühle drei Moralordnungen zu: Ekel gehört zur Verletzung der Ordnung von Reinheit und Heiligkeit, Ärger zur Autonomie, Verachtung zur Gemeinschaft. Royzman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24866519/ 2014]) fanden bei Verletzungen der Reinheitsordnung ohne Krankheitsbezug vor allem Ärger und nicht Ekel. Ob Ekel und Ärger dabei zusammenwirken oder sich ersetzen, ist umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Schutz vor dem, was man in den Mund nehmen würde.&#039;&#039;&#039; Rozin und Fallon ([https://psycnet.apa.org/record/1987-12972-001 1987]) definieren Ekel als Abscheu vor dem Gedanken, etwas Anstößiges in den Mund zu nehmen. Curtis, de Barra und Aunger ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3013466/ 2011]) sehen ihn als ein System, das vor Ansteckung schützt. Der Dämon ist also eine Wache an der Tür des Körpers.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Berührung zählt.&#039;&#039;&#039; Rozin, Millman und Nemeroff ([https://cognitionandculture.net/wp-content/uploads/89LawsSympMagicJPSP86-1wzdvkv.pdf 1986]) ließen Versuchspersonen Saft trinken. Hatte eine sterilisierte tote Kakerlake ihn kurz berührt, wurde er abgelehnt. Auch Schokolade in der Form von Hundekot wollten viele nicht essen, obwohl sie wussten, was es war. Der Dämon fragt nicht nach Wissen. Er reagiert auf die Berührung und auf die Ähnlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel vor Menschen und Taten.&#039;&#039;&#039; Chapman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251631/ 2009]) fanden, dass bittere Geschmäcker, Bilder von Verschmutzung und unfaire Angebote in einem Spiel denselben Gesichtsmuskel (Levator labii) aktivierten, der die Oberlippe hebt. Moralischer Ekel benutzt also dieselbe Mimik wie Ekel vor Essen. Von dort kommt die Spur zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] und [[#Nase rümpfen|Nase rümpfen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird übertragen.&#039;&#039;&#039; Die Reaktion von Ekel wurde übertragen und zeigt sich nicht nur in Bezug auf Speisen oder Schmutz, sondern als Abscheu vor Verbrechern oder Minderheiten. Auch das Nase rümpfen gehört dazu. Eine ursprüngliche körperliche Reaktion wurde kultiviert und wird für verschiedene Funktionen eingesetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird gelernt.&#039;&#039;&#039; Interessant ist auch, dass das Objekt des Ekels teilweise erst durch die Mutter erlernt wird, zum Beispiel Regenwürmer oder Ausscheidung. „Iiiih. Das ist ekelhaft. Fass das nicht an.“ Das ist direktes Lernen. Das Kind sieht die körperliche Reaktion der Mutter, den Abscheu im Gesicht, und lernt den Ekel vor dem Objekt aus diesem Vorbild. So wird diese Verknüpfung erlernt.&lt;br /&gt;
:Rozin, Haidt und Fincher ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251619/ 2009], „From Oral to Moral“) vertreten, dass Ekel als Ablehnung schlechter Geschmäcker begann und sich zu einer abstrakten Emotion ausdehnte. Tybur u. a. ([https://www.ovid.com/00006832-201301000-00003 2013]) schreiben, dass Ekel zunächst die Vermeidung von Krankheitserregern motivierte und später für die Vermeidung von Sexualkontakt und für moralische Verstöße genutzt wurde. Die Fachwörter dafür sind „Preadaptation“ und „Co-optation“. Harris und Fiske ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17100784/ 2006]) zeigten Versuchspersonen im Scanner Bilder von Obdachlosen und Süchtigen. Nach den Zusammenfassungen fehlte dabei die übliche Aktivierung für das Denken über andere Menschen, dafür waren Amygdala und Insula aktiv; die Insula gilt als Ekelregion. Stevenson u. a. ([https://researchers.mq.edu.au/en/publications/childrens-response-to-adult-disgust-elicitors-development-and-acq/ 2010]) untersuchten Kinder von 0 bis 18 Jahren: Kernauslöser wie Kot erscheinen zuerst, Eltern kleiner Kinder zeigten ihren Kindern mehr Ekel und mehr Meidung, und die Reaktion der Kinder auf Tiere und auf sozial-moralische Auslöser entsprach der Reaktion der Eltern. Für Kot nennt die Zusammenfassung diesen Zusammenhang nicht, und kleine Kinder ohne Wissen über Ansteckung reagierten auf Kernauslöser ebenso stark wie Gleichaltrige mit diesem Wissen. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3740830/ 1986]) fanden bei Kindern ab 16 Monaten, dass die Jüngsten mehr Ekelhaftes annahmen, die Mehrheit aber das meiste ablehnte. Dass das Kind den Ekel von der Mimik der Mutter lernt, ist mit diesen Studien nicht direkt nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel ist angeboren.&#039;&#039;&#039; Der Ekel gehört natürlich zu den Urdämonen. Der Psychologe Paul Ekman hat bei Naturvölkern dieselbe Mimik des Ekels dokumentiert wie bei uns. Also ist sie angeboren. Jemand las einen Text. In Zeitlupe war im Gesicht die Mimik starker Abscheu zu sehen. Das war ein Mikroausdruck von Ekel: die Abwehr im Augenblick, in dem eine Textstelle nicht verstanden wurde.&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Mimik des Ekels und das Deuten dieser Mimik sind zu trennen. Zur Mimik: Matsumoto und Willingham ([https://www.eurekalert.org/news-releases/695433 2009]) fanden bei Athleten der Paralympics 2004, die von Geburt an blind waren, dieselben spontanen Gesichtsausdrücke wie bei sehenden Athleten. Ich kenne nur Zusammenfassungen. Ob Ekman bei den Fore auch selbst gezeigte Ekel-Mimik dokumentiert hat, konnte ich nicht belegen. Zum Deuten: Ekman, Sorenson und Friesen (1969, &#039;&#039;Science&#039;&#039; 164) ließen Fore und Sadong Gesichtsausdrücke zuordnen. Die Fore erkannten den Ausdruck für Ekel und Verachtung zu 29 % (Pidgin) bzw. 44 % (Fore-Sprache), die Sadong wählten am häufigsten „Trauer“ (26 %) und „Freude“ (23 %). Ekman und Friesen (1971, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 17) gaben den Fore Geschichten und drei Gesichter zur Wahl: Erwachsene wählten das Ekel-Gesicht zu 77 % bzw. 89 % (Zufall: 33 %), Kinder bei zwei Gesichtern zu 95 % bzw. 78 % (Zufall: 50 %). Ich kenne die Zahlen aus einem Lehrbuch (Yarwood), das die Tabellen wiedergibt. Das Deuten gelingt beim Ekel also schlechter als bei Freude. Gegenposition: Barrett u. a. (2019) bestreiten, dass sich Gefühle verlässlich aus dem Gesicht lesen lassen. Zum Mikroausdruck beim Nichtverstehen habe ich keine Studie gefunden. Rozin und Cohen ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12899317/ 2003]) fanden bei Amerikanern im Alltag häufig Ausdrücke, die sie als Verwirrung, Konzentration und Sorge deuteten; Verwirrung hat dort einen eigenen Ausdruck. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8014832/ 1994]) beschreiben verschiedene Ekel-Gesichter für verschiedene Auslöser. Pochedly u. a. fanden, dass das Gefühl, das man dem Naserümpfen zuschreibt, davon abhängt, welche Gesichter vorher gezeigt wurden. Ich kenne alle drei nur aus den Zusammenfassungen. Der Ekel beim Nichtverstehen bleibt damit eine Beobachtung; sie passt zu „Der Ekel wird übertragen“. Zu Urgefühlen, Mikroausdrücken und Verhör siehe [[Grundlagen#Das Unbewusste|Das Unbewusste]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kinder.&#039;&#039;&#039; [[#Öde|Öde]] ist der Ekel vor dem Geschmacklosen. [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] entsteht aus Ekel und [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; Wer Menschen mit „Ungeziefer“ oder „Dreck“ belegt, ruft den Ekel gegen sie. Dann wird aus der Hygiene eine Ausgrenzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Öde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Nörgler&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nase rümpfen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Lästerer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmauß ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmatz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmack ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mijam ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Balz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Liebe, Eifersucht&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aphrodite ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit und Anmut eines Menschen, ohne dass man den Akt beabsichtigt oder sich ihn ausmalt. Man fühlt sich in der Nähe dieses Menschen gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes. Schönheit stimuliert, und vielleicht gehört etwas Verliebtheit dazu. Man will für die Verehrte etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Aber etwas Nichtmaterielles will man doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Getrennt vom Begehren.&#039;&#039;&#039; Die sexuelle Absicht ist davon getrennt, auch wenn sie oft folgt. Umgekehrt gibt es Männer, die jede nehmen, die die Reize hat, unabhängig vom Charakter der Frau, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hindernisse.&#039;&#039;&#039; Was die Verehrung verhindern kann, ist bei jedem anders, etwa Falschheit oder Einbildung. Wer sie beim anderen findet, kann ihn nicht mehr verehren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Macht.&#039;&#039;&#039; Aphrodite ist mächtig und verbreitet. Die halbe Zivilisation hängt davon ab, von Mode und Kosmetik bis zu Kunst, Musik und Architektur, und es wird viel dafür getan, selbst bewundert zu werden oder Schönheit zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Liebe ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Beschützer, Verehrung/Bewunderung · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Liebe ist, dass einem der andere wichtig ist und man ihn schützen will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] hat dabei eine ganz starke Rolle. Die Liebe kann eine sexuelle Komponente haben, aber die kann auch fehlen. Die Mutter liebt ihr Kind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Liebe und Begehren.&#039;&#039;&#039; Begehren gibt es auch ohne Liebe, und Liebe auch ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Wo beides zusammenkommt, ist es [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Und die Bewunderung.&#039;&#039;&#039; Die Liebe hat auch von der Verehrung etwas, vom Staunen über den anderen. Die Bewunderung der Schönheit ist [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eifersucht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Sammler, Zorn, Verehrung/Bewunderung, Revierverhalten/Gebiet, Elter · zu Stalker&lt;br /&gt;
* Der Kern ist das Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: der Rivale; der Blick des geliebten Menschen zu einem Dritten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kern:&#039;&#039;&#039; Die Gefahr, eine Bindung zu verlieren, und zwar an einen Rivalen. Das ist Revierverhalten: Ein Rivale dringt in mein Revier ein, und das Revier ist hier eine Bindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Älter als Balz und Besitz:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Die Mutter spielt liebevoll mit einer lebensechten Puppe statt mit ihrem sechs Monate alten Baby. Das Baby wird unruhig und unglücklich, deutlich mehr, als wenn die Mutter nur in ein Buch schaut. Ein Säugling hat keine Balz und keinen Begriff von Besitz.&lt;br /&gt;
* Der Besitzer streichelt einen Stoffhund, der bellt und mit dem Schwanz wedelt. Viele Hunde drängen sich dazwischen, manche schnappen nach dem Stoffhund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es gibt verschiedene Arten von Eifersucht, je nach Art der Bindung:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Liebenden&#039;&#039;&#039;, von der Balz: der Nebenbuhler. Das Kleinlibellen-Männchen hält das Weibchen nach der Paarung mit seinen Zangen am Hals fest und fliegt mit ihr im Tandem, während sie die Eier ablegt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Geschwistern&#039;&#039;&#039;, vom Elter: Ein Baby kommt nach Hause, und das ältere Kind, zwei oder drei Jahre alt, will plötzlich wieder die Flasche und macht wieder ins Bett. Josef: Jakob liebt ihn mehr als die anderen Söhne und schenkt ihm einen bunten Rock. Die Brüder werfen ihn in eine Grube und verkaufen ihn. Es geht um die Gunst des Vaters.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um Besitz&#039;&#039;&#039;, vom Sammler: „Er gehört mir.“ „Meine Frau.“ „Mein Schatz.“ Was man hat, gibt man nicht her.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um einen Verehrten&#039;&#039;&#039;, von der Verehrung: Der Lieblingsschüler des Meisters wird von den anderen beneidet. Der Fan ist eifersüchtig auf die Freundin des Stars.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Ausbruch&#039;&#039;&#039;, vom Zorn: wenn der Rivale da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wertlosigkeit und Zurückweisung:&#039;&#039;&#039; Man hat auch ein Gefühl der Wertlosigkeit, der Zurückweisung, wenn der besondere Mensch einen anderen vorzieht. Der Rivale nimmt nicht nur den Menschen weg. Er sagt durch seine bloße Existenz: Du bist weniger wert als ich. Im Kopf kreist die Frage: „Was hat er, was ich nicht habe?“ Man vergleicht sich und verliert. Das liegt nahe bei Schmach und Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eifersucht und Neid:&#039;&#039;&#039; Eifersucht fürchtet zu verlieren, was man hat, an einen Rivalen. Neid will haben, was der andere hat. Das Gefühl der Wertlosigkeit entsteht im Vergleich mit dem Rivalen. Da treffen sich beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird nicht bewertet. Eifersucht hat man in allen Kulturen gefunden, in denen man danach gesucht hat. Sie ist natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Venus ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Liebe, Mijam, Begehren, Kuschel · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Venus ist die Liebe mit Begehren. Zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] kommen das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]], der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Kuschel|Kuschel]] mit der Lust an der Berührung und der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Mijam|Mijam]] mit der Lust am Genuss. Alle diese Teile gibt es auch einzeln. Begehren gibt es ohne Liebe, und Liebe ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Venus ist der Fall, in dem alles zusammenkommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]] bewundert die Schönheit, ohne den Akt zu beabsichtigen. Das Begehren nimmt, was die Reize hat, ohne Rücksicht auf den Charakter. Venus verbindet die Liebe mit dem Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begehren ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekstase, Venus&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Wollust), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du gefällst mir.“ „Bleib noch.“ „Komm näher.“ „Du siehst heute gut aus.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Berührung, Nähe und Vereinigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Ekel|Ekel]] und [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]].&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Pupillen sind weit, die Lippen leicht geöffnet, der Blick bleibt hängen, wendet sich ab und kehrt zurück.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Körper wendet sich dem anderen zu, sucht Nähe und Berührung, die Stimme wird leiser und tiefer.&lt;br /&gt;
* Bannung: Befriedigung beruhigt das Begehren vorübergehend. Auch Ablenkung, das Vermeiden von Reizen und eine bewusste Neubewertung der Situation können seinen Einfluss vermindern. Das Verlangen ist aber kein Befehl. Man kann es empfinden, ohne ihm zu folgen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Begehren richtet den Menschen auf einen anderen Menschen aus und treibt ihn zur sexuellen Vereinigung. Ein Reiz weckt es, die Erfüllung stillt es.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trigger.&#039;&#039;&#039; Etwas fungiert als Trigger, was vorher keiner war. Begehren ist in der Entwicklung flüssig. Der Mensch hat gelernt, aufrecht zu gehen. Jetzt waren die Reize von hinten nicht mehr da, also brauchte es vorne auch Reize für die Stimulation. Außerdem wurde die Kindheit länger, also wurden die Milchdrüsen länger gebraucht. Auf einmal wurden Brüste sexy. Milchdrüsen haben auch Tiere, vielleicht waren es zuerst Fettreserven.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Form, Kontext, Schablone.&#039;&#039;&#039; Ein Trigger besteht aus drei Teilen: einem Merkmal, einem Zusammenhang und einer Richtung des Begehrens. Brustwarzen sehen bei Mann und Frau ähnlich aus und lösen doch nur im Zusammenspiel mit der Richtung aus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angeborene und gelernte Auslöser.&#039;&#039;&#039; Es gibt Auslöser, die bevorzugt wirken: ein Taille-Hüft-Verhältnis um 0,7, Jugend, Gesundheit. Daneben kann das Begehren auf andere Reize geprägt werden. Beim Fetischisten sind es Gummi, Büstenhalter oder Schuhe. Der geprägte Auslöser wirkt wie ein angeborener: Er erregt und er befriedigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Übernormale Reize.&#039;&#039;&#039; Ein Reiz kann stärker wirken als sein Vorbild: Lippenstift, Zucker, Fett, Bildbearbeitung. Die Silbermöwe brütet auf einem Ei, das größer ist als ihr eigenes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Reiz verspricht.&#039;&#039;&#039; Der Reiz verspricht den Vollzug und weckt den Dämon. Das ist seine Funktion. Der Duft macht Hunger auf Brötchen. Die Schachtel macht Japp auf den Kick vom Nikotin.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Trigger.&#039;&#039;&#039; Knappheit (nur noch zwei), Nachahmung (der andere will es, also will ich es auch), Neuheit (das Überraschungsei), Besitz (was mir gehört, wird wertvoll), Zeichen für Belohnung (die Verpackung, der Geruch aus der Bäckerei), Status (das Auto des Nachbarn).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sperre.&#039;&#039;&#039; Gegenspieler der Trigger ist die Gewöhnung. Wer als Kind zusammen aufwächst, findet sich später nicht mehr anziehend, und wer etwas zu lange hat, mag es nicht mehr.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Gas und Bremse.&#039;&#039;&#039; Das Begehren hat zwei getrennte Systeme: eines, das erregt, und eines, das hemmt. Menschen unterscheiden sich in beidem (Bancroft &amp;amp; Janssen 2000). Gehemmt wird durch die Angst zu versagen und durch die Angst vor den Folgen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Ekel als Gegenspieler.&#039;&#039;&#039; Speichel, Schweiß und Körpergerüche wecken außerhalb der Lust Ekel. Sexuelle Erregung schwächt den Ekel (PLoS ONE 2012). Umgekehrt dämpfen Zeichen von Krankheit und Schmutz die Erregung (PLoS ONE 2015).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust kommt oft erst beim Tun.&#039;&#039;&#039; Das Begehren muss nicht vor dem Reiz da sein. Oft entsteht es erst, wenn der Reiz wirkt. Basson hat das 2000 für Frauen beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Zeichen.&#039;&#039;&#039; Frauen steuern die Begegnung zwischen Fremden und entscheiden über deren Ausgang (Grammer u. a. 2000, Videoanalyse). Männer erkennen einen weiblichen Gesichtsausdruck zuverlässig als Flirt (Journal of Sex Research 2020).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Pupille.&#039;&#039;&#039; Die Pupille erweitert sich bei erotischen Bildern innerhalb einer halben Sekunde (Psychophysiology 2017). Bei heterosexuellen und schwulen Männern folgt sie klar der Ausrichtung des Begehrens, bei Frauen weniger deutlich (Rieger u. a. 2015; Meta-Analyse 2021). Sie verrät den Erregten. Schöner macht sie ihn nicht: Engere Pupillen wirken sogar attraktiver (Cognition 2024).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Stimme.&#039;&#039;&#039; Männer senken die Stimme, wenn eine Frau begehrt ist und wenn sie bei einer Verabredung die Frau gewählt haben (Proceedings B 2019). Bei Jägern und Sammlern haben Männer mit tiefer Stimme mehr Kinder (Apicella u. a. 2007).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Abwechslung.&#039;&#039;&#039; Begehren und Erregung sinken bei Gewöhnung an den Partner und steigen bei einem neuen (Übersicht 2014). In Versuchen zeigen Männer stärkere Vorliebe für sexuelle Abwechslung, den Coolidge-Effekt (Archives of Sexual Behavior 2020). Eine Befragung in 52 Ländern fand den Wunsch nach mehr Partnern bei Männern durchgehend (Schmitt 2003).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust, Anziehung, Bindung.&#039;&#039;&#039; Bei Säugetieren trennt Fisher (1998) drei Systeme: die Lust, die zur sexuellen Vereinigung treibt, die Anziehung zu einem bestimmten Partner und die Bindung. Das Begehren ist die erste. Die beiden anderen entsprechen [[#Venus|Venus]] und dem Wesen der [[#Liebe|Liebe]]. Der Kuss dient dabei auch der Prüfung des Partners, besonders bei Frauen (Hughes &amp;amp; Kruger 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Das Begehren lenkt die Aufmerksamkeit auf sexuelle Reize. Es verändert die Wahrnehmung: Ein Mensch wird plötzlich nicht mehr hauptsächlich als Gesprächspartner, sondern als begehrenswerter Körper wahrgenommen. Es kann Annäherungsverhalten, Flirten, Imponieren, Fantasieren und die Suche nach Intimität auslösen. Bei starker Aktivierung verändert es sogar die Bewertung von Risiken und Konsequenzen. Was vorher unvernünftig erschien, kann plötzlich verlockend wirken. Dabei ist es nicht zwangsläufig rücksichtslos. Sexuelles Begehren kann mit Zärtlichkeit, Rücksicht und gegenseitiger Lust verbunden sein. Es kann aber auch mit Besitzdenken, [[#Eifersucht|Eifersucht]] oder Dominanzstreben zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was es fühlt.&#039;&#039;&#039; Das charakteristische Gefühl ist Lust auf etwas, das noch nicht stattgefunden hat. Dazu gehören körperliche Erregung, Erwartung, Spannung, Ungeduld und ein starkes Hinziehen zum begehrten Menschen. Das unterscheidet es vom [[#Mijam|Mijam]]: Der Mijam erfreut sich an einer gegenwärtigen Empfindung. Das Begehren verlangt nach einer zukünftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Eigenleben.&#039;&#039;&#039; Sexuelles Begehren kann ohne bewusste Entscheidung entstehen. Ein Reiz aktiviert den Trieb, der anschließend selbst nach weiteren Reizen sucht. Er kann Erinnerungen hervorrufen, Fantasien entwickeln und die Aufmerksamkeit immer wieder auf sein Ziel zurücklenken. Das Begehren erzeugt damit teilweise selbst die Bedingungen für seine weitere Aktivierung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Verbindungen.&#039;&#039;&#039; Das Begehren kann sich mit anderen Wesen verbinden:&lt;br /&gt;
::* [[#Beschützer|Beschützer]]: Aus sexueller Anziehung entwickelt sich Zärtlichkeit und Fürsorge.&lt;br /&gt;
::* [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]: Der sexuelle Erfolg wird zum Beweis der eigenen Attraktivität.&lt;br /&gt;
::* [[#Eifersucht|Eifersucht]]: Das Begehren will verhindern, dass ein anderer bekommt, was es selbst begehrt.&lt;br /&gt;
::* [[#Venus|Venus]]: Das sexuelle Verlangen verbindet sich mit Idealisierung und dem Wunsch nach dauerhafter Nähe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lust, nicht Kinder.&#039;&#039;&#039; Das Begehren verfolgt kein bewusstes Fortpflanzungsziel. Evolutionär wurde der Trieb durch seinen Beitrag zur Fortpflanzung begünstigt. Aber das Wesen selbst will Lust, nicht Kinder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das eigene Wesen.&#039;&#039;&#039; Hier zeigt sich sehr deutlich, wie es ein eigenständiges Wesen ist. Es erwacht mit der Pubertät, kann aber vorher auch schon schwächer da sein. Aber dann beherrscht es die Gedanken. Da setzt ein bestimmtes Wesen die Ziele.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Reiz ohne Mögen.&#039;&#039;&#039; Man kann eine Person begehren, nur wegen der Trigger oder Reize, selbst wenn man die nicht mag, oder Bilder. Bilder werden zum Beispiel von der Pornographie genutzt. Das ist eine Milliardenindustrie, die den Bedarf nutzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachlassen.&#039;&#039;&#039; Später nimmt es ab, so ab 30 bis 50. Aber das ist individuell. Wenn der Trieb erlischt, hat man die Erinnerung, aber nicht mehr wirklich das Verständnis davon.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der wilde Herr.&#039;&#039;&#039; In Platons Politeia (Buch I) erzählt Kephalos, dass der Dichter Sophokles im Alter gefragt wurde, ob er noch zur Liebe fähig sei. Er antwortete sinngemäß, er sei ihr mit großer Freude entkommen, wie einem wilden und rasenden Herrn.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Heiß und kalt.&#039;&#039;&#039; Wer nicht im Zustand eines Triebs ist, unterschätzt, wie stark der Trieb wirkt, wenn er da ist. Loewenstein (1996) nennt das die Empathielücke zwischen heißen und kalten Zuständen. Sie gilt für Hunger, Durst, Zorn und sexuelle Erregung. Deshalb bleibt die Erinnerung, aber nicht das Verständnis.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Nachlassen im Verlauf.&#039;&#039;&#039; In der Massachusetts Male Aging Study wurden 1.085 Männer zwischen 40 und 70 neun Jahre lang beobachtet. Die sexuelle Funktion nahm ab, bei den Älteren stärker (2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekstase ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Begehren · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elter ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Beschützer, Nestbau, Eifersucht, Beschwichtiger&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschützer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Krieger · zu Liebe&lt;br /&gt;
* Hunger: Für ein Wesen sorgen. Das gibt Erfüllung und Sinn: Für jemand anderen zu sorgen, ist das, was die Frau meint, die verzweifelt Kinder bekommen möchte. Es ist auch ein Instinkt, der für den Fortbestand da ist. Eltern freuen sich über ihre Kinder. Auch der Enkel ist für die Großeltern ein großes Glück und eine Erfüllung. Eltern berichten etwas mehr Sinn im Leben als Nichteltern, bei Frauen deutlicher (Apostolou u. a. 2026). Eltern leben im Alter länger als Kinderlose, ab 60 etwa 2 Jahre bei Männern und 1,5 Jahre bei Frauen (Modig u. a. 2017). Großeltern, die Enkel betreuen, sind zufriedener (SHARE, 95.594 Befragte) und haben ein um 37 % niedrigeres Sterberisiko (Hilbrand u. a. 2017). Das Betreuen ist dabei der Faktor, nicht das bloße Dasein der Enkel.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit. Das Kindchenschema wirkt, die Bambi-Augen, auch bei Männern. Andere Tiere haben andere Trigger, bei Vögeln der aufgesperrte Schnabel der Jungen. Fremde Kinder sind auch süß, führen aber nicht zu dieser Fürsorge. Das hängt davon ab, ob man sich verbunden fühlt, und in der Regel gibt es am Anfang eine Prägung. Babys mit stärkerem Kindchenschema werden als süßer bewertet und wecken mehr Fürsorge (Glocker u. a. 2009). Bei Gull-Küken ist es der rote Fleck am Schnabel der Eltern (Tinbergen und Perdeck 1950). Mütter erkennen ihr Neugeborenes nach kurzem Kontakt am Geruch (Kaitz u. a. 1987). Bei Frauen wirken große Augen attraktiv (Cunningham 1986).&lt;br /&gt;
* Bannung: Durch Enttäuschung oder Zurückweisung. Eltern verstoßen ihren Sohn, wenn er in ihrer Vorstellung missraten ist: faul, frech, undankbar. Dazu gehört aber einiges. Meist bleibt die Mutterliebe trotzdem bestehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Pflege.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer pflegt die Nachkommen, das ist seine primäre Aktivität. Eltern opfern dafür sehr viel Zeit und Energie. Zu den Diensten gehören: Sicherheit im Heim (siehe [[#Nestbau|Nestbau]]), Ernährung, Lehre, Trost und Forderung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ernährung.&#039;&#039;&#039; Kohlmeisen-Eltern fliegen etwa 12 bis 15 Mal pro Stunde ans Nest (Barba u. a. 2009).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lehre.&#039;&#039;&#039; Bei Erdmännchen entschärfen Helfer Skorpione und geben den Jungen mit dem Alter lebendere Beute (Thornton und McAuliffe 2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trost.&#039;&#039;&#039; Junge Rhesusaffen klammerten sich an eine Stoffmutter und liefen bei Schreck zu ihr, auch wenn eine Drahtmutter sie fütterte (Harlow).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Forderung.&#039;&#039;&#039; Eltern, die warm sind und klare Regeln begründet fordern, haben die günstigsten Folgen für die Kinder (Baumrind).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Aufwand.&#039;&#039;&#039; Eltern von zwei Kindern wenden etwa 7,5 Stunden am Tag auf (Bryant und Zick 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verteidigung.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer spricht zuerst in Sorge:&lt;br /&gt;
:* Bist du warm genug angezogen?&lt;br /&gt;
:* Zieh dich warm an!&lt;br /&gt;
:* Isst du auch genug?&lt;br /&gt;
:* Fahr vorsichtig!&lt;br /&gt;
:* Ruf an, wenn du angekommen bist!&lt;br /&gt;
:* Warum meldest du dich nicht, ist was passiert?&lt;br /&gt;
:* Ich mach mir doch nur Sorgen.&lt;br /&gt;
:* Ich meine es doch nur gut mit dir.&lt;br /&gt;
:Dann in Zusagen:&lt;br /&gt;
:* Egal wann, egal von wo, egal was ist: Du rufst mich an und ich komme dich holen.&lt;br /&gt;
:* Du kannst IMMER nach Hause zurückkommen; wir werden immer für dich da sein!&lt;br /&gt;
:* Ganz egal, was passiert oder was du tust: Ich werde dich immer lieben!&lt;br /&gt;
:* Keine Angst, ich bin bei dir.&lt;br /&gt;
:* Dir passiert nichts, solange ich hier bin.&lt;br /&gt;
:* Ich passe auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Pass auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Du musst da nicht allein durch.&lt;br /&gt;
:* Komm, ich helfe dir.&lt;br /&gt;
:* Ich lasse dich nicht im Stich.&lt;br /&gt;
:* Du kannst dich auf mich verlassen.&lt;br /&gt;
:* Ich kümmere mich darum.&lt;br /&gt;
:* Solange ich da bin, wird keiner zurückgelassen.&lt;br /&gt;
:In der Verteidigung:&lt;br /&gt;
:* Lass ihn in Ruhe!&lt;br /&gt;
:* Niemand tut dir etwas.&lt;br /&gt;
:* Stell dich hinter mich.&lt;br /&gt;
:* Wenn du Streit willst, dann mit mir.&lt;br /&gt;
:* Leg dich mit jemandem an, der sich wehren kann!&lt;br /&gt;
:* Do not touch my kid.&lt;br /&gt;
:* don&#039;t touch peoples kids&lt;br /&gt;
:* yeah, I&#039;m not going to hand her over&lt;br /&gt;
:* ok but not HIS MOM&lt;br /&gt;
:Und wenn er zu weit geht:&lt;br /&gt;
:* Ich weiß, was gut für dich ist.&lt;br /&gt;
:* Das ist zu gefährlich für dich.&lt;br /&gt;
:* Lass mich das lieber machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mit dem Krieger.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer arbeitet mit dem Krieger zusammen. Eine Mutter kämpft auch gegen stärkere Feinde und entwickelt dabei Kräfte, die sie oft gewinnen lassen. Da schlägt auch ein Vogel einen starken Greifvogel in die Flucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überbehütung.&#039;&#039;&#039; Die Mutter will das Kind schützen und lässt ihm deshalb keinen Auslauf. Keine Erfahrung, die gefährlich sein könnte. Oder sie kaut ihm alles vor und schreibt ihm vor. Auch will sie nicht loslassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sie bewirkt.&#039;&#039;&#039; Das Kind lernt nicht, was es sich zutrauen kann. Wer nie hingefallen ist, kennt den Schmerz nicht und weiß nicht, wie man wieder aufsteht. Wer nie selbst entscheiden durfte, hat das Entscheiden nicht geübt und fragt weiter die Mutter. Es bleibt abhängig von ihr. Und weil sie nicht loslässt, kommt es auch später schwer los.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum sie nicht loslässt.&#039;&#039;&#039; Der Hunger des Beschützers bleibt, wenn das Kind selbstständig wird. Es fehlt ihm die Nahrung: jemand, für den er sorgen kann. Also hält die Mutter das Kind klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn die Kinder gehen.&#039;&#039;&#039; Die Kinder ziehen aus. Das Zimmer ist leer. Niemand muss mehr geweckt, bekocht und erinnert werden. Der Hunger bleibt, es fehlt die Nahrung. Manche Mütter rufen dann weiter täglich an und fragen, ob das Kind genug gegessen hat. Andere wenden sich den Enkeln zu, einem Haustier oder einer Aufgabe, in der sie für andere sorgen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn das Kind stirbt.&#039;&#039;&#039; Dann bleibt der Hunger bei einem Wesen, das nichts mehr zu versorgen hat. Manche Eltern lassen das Zimmer jahrelang so, wie es war. Das Sorgen hört nicht auf, es geht ins Leere. Viele Eltern sagen, das sei das Schlimmste, was ihnen geschehen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nestbau ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Sammler · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nest als Revier.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Das Gesetz kennt den Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird (§ 123 StGB).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es betreten wird.&#039;&#039;&#039; Einbruchsopfer reagieren mit Wut (72 %), Schlafstörungen (57 %) und Angst (39 %), viele fühlen sich verletzt (Victim Support 2005, 545 Opfer). Etwa ein Viertel ist ernsthaft erschüttert, nach über einem Monat hat sich nur ein Drittel erholt (British Journal of Criminology 1980, 322 Opfer).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Singvögel markieren ihr Revier mit Gesang, viele Säugetiere mit Duftmarken. Reicht die Ankündigung nicht, folgen Verfolgung und Kampf. Bei Möwen in Kolonien ist das Revier nur das Nest selbst. Wolfsrudel verteidigen das Gebiet, in dem sie jagen und leben (Britannica).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu.&#039;&#039;&#039; Das Revier dient der Brutpflege, ungestörter Paarung, der Nahrung für die Jungen und dem Abstand zu Artgenossen (Britannica).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschwichtiger ==&lt;br /&gt;
* Auch: Tröster&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe. Dass der Sturm sich legt, in einem selbst oder im anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Stress, Schmerz, Aufregung, die eigene oder die eines anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Das Kind hat sich wehgetan. Die Mutter nimmt es auf den Arm und sagt: „Ist ja gut, ist gleich vorbei.“ Das wiederholt sich, bis das Kind diese Stimme selbst hat. Der Beschwichtiger ist der Tröster, der nach innen gewandert ist. Er spricht zu einem selbst, wie damals die Eltern gesprochen haben. Weil man ihn hat, kann man ihn auch anderen leihen: Er tröstet, besänftigt, entschärft einen Streit. Er wirkt in beide Richtungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Wenn die Lage gespannt ist, gähnt der Hund, wendet den Kopf ab, schnüffelt am Boden oder leckt sich über die Nase. Die Hundetrainerin Turid Rugaas nennt das Beschwichtigungssignale. Schimpansen suchen nach einem Kampf den Kontakt: Die Gegner versöhnen sich mit einem Kuss, und ein Dritter umarmt den, der angegriffen wurde (de Waal und van Roosmalen 1979).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Die richtigen Sprüche sind wie ein Mantra und nehmen den Stress erst mal raus. Das muss man lernen und sich aneignen: Sich selbst in stressigen Momenten zu beruhigen.&lt;br /&gt;
:* Das ist ein lösbares Problem&lt;br /&gt;
:* Bleib cool&lt;br /&gt;
:* Morgen geht die Sonne auch noch auf&lt;br /&gt;
:* Es gibt Schlimmeres&lt;br /&gt;
:* Immer mit der Ruhe&lt;br /&gt;
:* Alles wird gut. Es wird alles gut.&lt;br /&gt;
:* Man muss das kosmisch sehen&lt;br /&gt;
:* Scheiß drauf&lt;br /&gt;
:* dumm gelaufen&lt;br /&gt;
:* Morgen lach` ich darüber&lt;br /&gt;
:* Immer schön der Reihe nach&lt;br /&gt;
:* Und wenn schon&lt;br /&gt;
:* Auch das geht vorbei&lt;br /&gt;
:* Irgend ne Scheiße hat man immer am Hacken&lt;br /&gt;
:* Eins nach dem Anderen&lt;br /&gt;
:* Erst mal schauen&lt;br /&gt;
:* Notfalls hole ich mir Hilfe&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie die Sprüche wirken.&#039;&#039;&#039; Sie schaffen Abstand. Abstand in der Zeit: „Morgen lach` ich darüber“, „Auch das geht vorbei“. Abstand im Raum: „Man muss das kosmisch sehen“, „Es gibt Schlimmeres“. Sie zerlegen den Berg: „Eins nach dem Anderen“, „Erst mal schauen“. Oder sie lassen los: „Scheiß drauf“, „Und wenn schon“. Bei „dumm gelaufen“ ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Kobold|Kobold]] nicht weit. Der Psychologe Ethan Kross hat gezeigt, dass schon die Form des Selbstgesprächs zählt: Wer unter Stress mit sich spricht wie mit einem anderen, mit dem eigenen Namen oder mit „du“ statt „ich“, hat weniger Angst und grübelt danach weniger (Kross u. a. 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne ihn.&#039;&#039;&#039; Ohne Beschwichtiger gerät man in Dauerstress oder Panik. Er beruhigt andere oder sich selbst. Auch Sportler sprechen sich vor der Leistung Mut zu. Muhammad Ali verkündete: „Ich bin der Größte.“ Er sagte, er habe es gesagt, noch bevor er es wusste, und es so oft wiederholt, bis die Welt es glaubte (Ali Center, „In His Own Words“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Stammesbruder&lt;br /&gt;
* Trigger: Gefahr, und vor allem die Flucht der anderen. Wenn einer rennt, rennen alle.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Die Herde ist die Wurzel und biologische Grundlage. Ohne diesen Instinkt gäbe es kein Stammesverhalten. Nietzsche nannte es den Herdentrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichheit schützt, Abweichung ist gefährlich:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Im Fischschwarm stößt niemand den Abweichler aus, das erledigt der Räuber. In einem Versuch wurden einige Fische farbig markiert. Die Raubfische schnappten bevorzugt die markierten, weil sie herausstachen. Darum suchen sich Fische Schwärme, in denen alle so aussehen wie sie selbst.&lt;br /&gt;
* Hat eine Henne eine Wunde oder einen roten Fleck, hacken die anderen darauf ein, manchmal bis zum Tod. Geflügelhalter hängen darum rotes Licht in den Stall.&lt;br /&gt;
* Am Eingang des Bienenstocks prüfen Wächterinnen den Geruch. Eine Biene mit fremdem Stockgeruch wird abgewehrt oder getötet. Reibt man eine Ameise mit dem Geruch eines fremden Nests ein, greifen ihre eigenen Schwestern sie an.&lt;br /&gt;
* E. O. Wilson bestrich lebende Ameisen mit Ölsäure, dem Geruch toter Ameisen. Die Schwestern trugen die lebende, zappelnde Ameise auf den Abfallhaufen. Sie kam zurück und wurde wieder hinausgetragen, bis der Geruch verflogen war. Das Kennzeichen zählt mehr als das, was man sieht.&lt;br /&gt;
* In Gombe brach 1966 Kinderlähmung aus. Jane Goodall beschrieb einen gelähmten Schimpansen, der sich nur noch schleppen konnte. Die anderen erschraken vor seiner fremden Bewegung, einige griffen ihn an, und sie wollten ihn nicht mehr lausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glück in der Menge:&#039;&#039;&#039; Die Herde ist die Anpassung an die Masse. Das Schaf ist glücklich in der Herde von Gleichgesinnten. Nach einem Konzert sagen die Leute: „Da war richtig viel los. Das war toll.“ Das ist pure Biologie.&lt;br /&gt;
* Émile Durkheim nannte es 1912 die kollektive Efferveszenz: Wenn eine Gemeinschaft zusammenkommt und gleichzeitig dasselbe denkt oder tut, wallt eine gemeinsame Energie auf, die den Einzelnen erregt und die Gruppe eint. Für Durkheim ist das die Wurzel der Religion: Die Energie der Versammlung geht auf ein Symbol oder einen Menschen über, und der wird heilig (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Fan|Fan]]).&lt;br /&gt;
* Bronwyn Tarr, Jacques Launay, Emma Cohen und Robin Dunbar ließen 2015 Menschen gemeinsam tanzen. Gleichzeitige Bewegung und Anstrengung erhöhten jede für sich die Schmerzschwelle, ein Zeichen für ausgeschüttete Endorphine, und stärkten die Bindung an die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Beim Pilgerfest Magh Mela in Indien hatten sich Gesundheit und Wohlbefinden der Pilger nach dem Fest verbessert (Tewari u. a. 2012). Wer die Menge als Gemeinschaft Gleichgesinnter erlebte, hatte ein besseres Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herde allein ist noch kein Stamm:&#039;&#039;&#039; Eine Gnuherde in der Serengeti zählt Hunderttausende Tiere. Keines kennt die anderen, kein Fremder wird ausgestoßen. Wer mitläuft, gehört dazu. Erst beim Wolfsrudel kennt jeder jeden, der Geruch ist das Kennzeichen, das Revier ist abgesteckt, und der fremde Wolf wird angegriffen. Im Yellowstone-Park ist der häufigste natürliche Tod eines Wolfs der Kampf mit einem fremden Rudel. Herde, dann Rudel und Revier, dann der [[#Stammesbruder|Stammesbruder]] mit Zeichen, Fahnen und Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nietzsche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* „Moralität ist Heerden-Instinct in dem Einzelnen.“ (Die fröhliche Wissenschaft, Aphorismus „Heerden-Instinct“)&lt;br /&gt;
* „Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in&#039;s Irrenhaus.“ (Also sprach Zarathustra, Vorrede)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geltung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Eitelkeit, Prahler, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]], [[Wesen 3: Beutetier#Verbittert|Verbittert]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Gerüchtemacher]]&lt;br /&gt;
* Hunger: etwas gelten, Bedeutung haben. Und wenn auch nur in einem Spezialgebiet oder vor bestimmten anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: übergangen werden, nicht beachtet werden; der eigene Platz in der Gruppe ist in Gefahr.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Jeder Mensch möchte Bedeutung haben, etwas gelten. Es geht um die Rangordnung in der Gruppe. Ein Einzelgänger hat keinen Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Hackordnung.&#039;&#039;&#039; Der Norweger Thorleif Schjelderup-Ebbe hat 1921 bei Hühnern die Hackordnung entdeckt: Jedes Huhn kennt seinen Platz, hackt die unter ihm und weicht denen über ihm aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Das Raubtier hat Geltung aus Stärke: Es hat Macht und Einfluss auf andere, auch gegen den Strom. Seinen Feinden erscheint es gefährlich. Die ihm folgen, tun es aus anderen Motiven, aus Achtung vor seinem Können und seiner Stärke. Das ist nicht der Gewaltherrscher, der gefürchtet und verachtet wird, sondern der vornehme Adlige. Überall gibt es Autoritäten, denen gefolgt wird wegen ihrer Entschlossenheit und ihres Könnens, in jeder Gruppe: im Sport, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Musik, in allem in Kultur und Zivilisation. Zwischen den Weltkriegen strömten junge Physiker zu Niels Bohr nach Kopenhagen; die Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten, galt als Privileg. Leonard Bernstein sagte über den Dirigenten Carlos Kleiber: „I have just heard the greatest living conductor in the world“. Und Kleiber selbst sagte einmal zu seinem Konzertmeister, als das Orchester ganz darauf konzentriert war, ihm zu folgen: „Let me follow you.“ Bei Apple sagte der Entwickler Bud Tribble 1981 über Steve Jobs: „Steve has a reality distortion field.“ Andy Hertzfeld beschrieb es als „a confounding melange of a charismatic rhetorical style, an indomitable will, and an eagerness to bend any fact to fit the purpose at hand“ (eine verwirrende Mischung aus einem charismatischen Redestil, einem unbeugsamen Willen und der Bereitschaft, jede Tatsache passend zu biegen). Gerade die Souveränen versuchen oft, was als unmöglich gilt. Es gehört immer Entschlossenheit dazu: neue Reviere erobern, auch kulturell (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]). Der Antrieb ist nicht die Anpassung. Am 9. Oktober 1903 schrieb die New York Times, eine Flugmaschine, die wirklich fliegt, könne in ein bis zehn Millionen Jahren entstehen. Am selben Tag schrieb Orville Wright in sein Tagebuch: „We started assembly today.“ 69 Tage später flogen die Brüder Wright. John F. Kennedy sagte 1962 in Houston: „We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard“; 1969 landeten Menschen auf dem Mond. Christo und Jeanne-Claude arbeiteten 24 Jahre daran, den Reichstag zu verhüllen, und trafen dafür 352 Abgeordnete; 1995 war er verhüllt. Ob ein Versuch gelingt oder scheitert, sagt nichts über die Haltung. Hinterher ist man immer schlauer: Wer den Ausgang kennt, hält ihn für viel wahrscheinlicher, als er es vorher getan hätte, und merkt es nicht (Fischhoff 1975). Max Weber nannte diese Herrschaft charismatisch: Sie beruht „auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person“. Nietzsche: „Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubthier, die prachtvolle nach Beute und Sieg lüstern schweifende blonde Bestie nicht zu verkennen; es bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung, das Thier muss wieder heraus, muss wieder in die Wildniss zurück“ (&#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; I 11; siehe [[Die Entstehung der Seele#Kanalisieren statt ausrotten|Kanalisieren statt ausrotten]]). Auch der Herdenmensch will Geltung haben, aber sie wird ihm durch die Zustimmung anderer gegeben: Preise und Auszeichnungen. Das ist die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]. Wer wenig Souveränität hat, holt sich Rang und Geltung von jemandem, dessen Meinung wichtig ist: [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]], die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]], der [[#Poser|Poser]]. Napoleon sagte 1802 zur Gründung der Ehrenlegion: „C&#039;est avec des hochets que l&#039;on mène les hommes.“ (Mit Rasseln lenkt man die Menschen.) Beides ist nicht eindeutig getrennt, sondern gemischt: Der französische Adel gab Unsummen für Kleider aus, und die Krone ist ein Symbol der Macht. Es gibt starke Persönlichkeiten, die die Auszeichnung haben wollen, und andere, die sie souverän ablehnen. Der Mathematiker Grigori Perelman lehnte 2006 die Fields-Medaille ab: „I&#039;m not interested in money or fame; I don&#039;t want to be on display like an animal in a zoo.“ La Rochefoucauld: „L&#039;orgueil se dédommage toujours, et ne perd rien, lors même qu&#039;il renonce à la vanité.“ (Der Stolz entschädigt sich immer und verliert nichts, selbst wenn er auf die Eitelkeit verzichtet.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geliehene Geltung.&#039;&#039;&#039; Die Herde tut etwas anderes. Der Herdenmensch erhält seine Geltung von jemandem, der Ansehen, Macht und Geltung hat. Das kann auch eine Institution oder eine Lehre sein. Es ist eine Unterordnung: der Diener im Haus des Adels, die Nonne im Schoß der Kirche. Der Diener würde es ablehnen, neureichem Pöbel zu dienen. Der Psychologe Robert Cialdini nannte das 1976 „basking in reflected glory“, sich im zurückgeworfenen Glanz sonnen: Nach einem Sieg ihrer Footballmannschaft trugen mehr Studenten Kleidung mit dem Namen ihrer Universität, und sie sagten „We won“. Nach einer Niederlage hieß es „They lost“. Das ist die flüchtige Form, nahe beim [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]]. Der Diener dagegen bleibt. Die Grenzen sind fließend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Grundbedürfnis.&#039;&#039;&#039; Cameron Anderson, John Hildreth und Laura Howland haben 2015 die Forschung zur Frage gesammelt, ob das Streben nach Status ein Grundbedürfnis ist. Ihr Ergebnis: ja, in allen Kulturen, bei Männern wie Frauen. Wer seinen Rang verliert, leidet darunter, auch wenn sich sonst nichts ändert. Und es zählt der Rang vor den Menschen, die einem wichtig sind, nicht vor allen. Der Philosoph William James schrieb schon 1890 sinngemäß: Eine teuflischere Strafe ließe sich nicht ausdenken, als dass man unter Menschen losgelassen würde und von allen völlig unbemerkt bliebe. Das ist der [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombie]], von der anderen Seite gesehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Keine Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß im älteren Deutsch „leer, nichtig“; man sagt noch „eitel Sonnenschein“, nichts als Sonnenschein. Die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]] will bewundert werden für die Oberfläche, sie ist die leere Form der Geltung. Die Geltung will etwas zählen für das, was man ist oder kann: der Handwerker, dessen Urteil auf der Baustelle gilt; der Briefmarkensammler, den die anderen Sammler fragen. „Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)“ ist ihre bettelnde Form.&lt;br /&gt;
:Die Geltung wirkt auch in anderen Wesen: im Hochgefühl des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amokläufers]], im [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Streber|Streber]], bei den [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieger.&#039;&#039;&#039; Geltung will ein Revier. Wird sie angegriffen, holt sie zur Verteidigung ihren Krieger, den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sammler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Nestbau, Messi, Eifersucht, Knauser&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Nehmer]]&lt;br /&gt;
* Mimik: keine. Der Sammler ist ein leiser Dämon, man sieht ihm nichts an.&lt;br /&gt;
* Griff: aufsammeln.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Brüder Collyer in New York wurden 1947 tot in ihrem Haus gefunden, unter mehr als hundert Tonnen Zeitungen, Klavieren und Gerümpel. Einer lag unter einem Stapel begraben, den er selbst als Falle gegen Einbrecher gebaut hatte. Der andere, blind und gelähmt, verhungerte danach.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: auch die Gier (Habgier), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Trigger: Knappheit und die Lücke (siehe Beschreibung).&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, Vorrat, Vollständigkeit. Nicht hergeben, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; Knappheit und die Lücke. Das leere Regal im Supermarkt. Der Winter, der kommt. Das eine Sammelbild, das im Album noch fehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Eichhörnchen vergräbt im Herbst Nüsse. Der Hamster stopft sich die Backen voll. Daher sagen wir „hamstern“.&lt;br /&gt;
* Am Anfang der Pandemie räumten die Leute das Klopapier aus den Regalen.&lt;br /&gt;
* Kinder stopfen sich die Hosentaschen mit Steinen und Kastanien voll. Niemand hat ihnen das beigebracht.&lt;br /&gt;
* Man gibt Leuten eine Kaffeetasse und fragt, für wie viel sie die Tasse verkaufen würden. Sie verlangen etwa das Doppelte von dem, was andere für dieselbe Tasse zahlen wollen. Was man hat, gibt man nicht her. Hier sitzt die Verbindung zur Eifersucht.&lt;br /&gt;
* Der Laubenvogel sammelt blaue Dinge, Federn, Beeren, Flaschendeckel, und legt sie vor seine Laube, um ein Weibchen anzulocken. Dort sind Sammler und Balz eins.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Wohnung ist bis zur Decke voll, nur schmale Gänge bleiben frei, und er kann nichts wegwerfen. Krankhaftes Horten ist seit 2013 eine eigene Diagnose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Revier.&#039;&#039;&#039; Der Sammler pflegt und verteidigt seine Sammlung. Er identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht. Seine Sammlung ist sein [[#Revierverhalten/Gebiet|Revier]]. Eine Sammlung gehört stärker zum Selbst als einzelne Gegenstände (Belk 1988, S. 154). Wer bestohlen wird, erlebt Eindringen und Verletzung (S. 142). Wird die Trennung erzwungen, bringt sie Trauer (S. 143). Ein Sammler, der seine Karten für das Studium der Tochter verkaufte, beschreibt den Verkauf als Trauer mit Leugnen, Wut und Niedergeschlagenheit (Warshaw 2023). Ein Briefmarkensammler, der seine Sammlung aufgeben muss, will es nicht überstürzen und behält ein Album (Briefmarken-Forum).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biologisch angelegt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Eibl-Eibesfeldt zog Eichhörnchen ohne Erde und ohne Nüsse auf. Als sie zum ersten Mal eine Nuss bekamen, kratzten sie auf dem nackten Boden ein Loch, das es nicht gab, legten die Nuss hinein, drückten sie mit der Schnauze fest und scharrten Erde darüber, die es nicht gab. Niemand hatte es ihnen gezeigt.&lt;br /&gt;
* Beim Menschen ist die Neigung zum Horten zum Teil erblich. Das zeigen Zwillingsstudien.&lt;br /&gt;
* Menschen mit einer Verletzung an einer bestimmten Stelle der Stirnhirnrinde fingen an, wertlosen Kram zu horten (Anderson, Damasio u. a., &#039;&#039;Brain&#039;&#039;, 2005). Der Sammler sitzt tiefer im Hirn, die Stirnhirnrinde hält ihn im Zaum. Fällt die Bremse weg, übernimmt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herkunft:&#039;&#039;&#039; vom Vorrat, vom Horten von Nahrung.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Einsammeln: Der Sammler aus „Jäger und Sammler“ pflückt Beeren, nimmt sie mit und isst sie. Morgen geht er wieder los. Mehr haben als nötig und nicht hergeben, das fehlt.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Nestbau: Der Vogel sammelt Zweige, bis das Nest fertig ist, dann hört er auf. Der Sammler hört nicht auf. Im Stammbaum steht der Nestbau als Kind unter Sammler und Elter: der Sammler im Dienst der Brut.&lt;br /&gt;
* Der Tannenhäher versteckt im Herbst Zehntausende Kiefernsamen an Tausenden Stellen und findet sie Monate später unter dem Schnee wieder. Viel mehr, als er im Winter fressen kann.&lt;br /&gt;
* Aesop: Die Ameise schleppt den ganzen Sommer Körner, die Grille singt. Im Winter hungert die Grille.&lt;br /&gt;
* Der Buschhäher versteckt Futter. Hat ihm ein anderer Häher dabei zugesehen, kommt er später zurück und versteckt alles neu. Das tun nur Häher, die selbst schon fremde Verstecke geplündert haben. Der Dieb kennt den Dieb. Da sitzen Eifersucht und Täuscher mit am Tisch.&lt;br /&gt;
* Bienen sammeln Honig, Ameisen legen Kornkammern an, der Hamster trägt seine Vorräte in den Bau. Das gibt es lange vor dem Menschen.&lt;br /&gt;
* Wer im Krieg gehungert hat, hebt sein Leben lang jedes Gummiband auf, und der Keller steht voller Einmachgläser.&lt;br /&gt;
Der Sammler sitzt nahe beim Schlemmer, beide kommen vom Hunger. Der Schlemmer isst jetzt. Der Sammler legt für später zurück. Er ist der Dämon, der an den Winter denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; Woher kommt die Vollständigkeit? Das fehlende Sammelbild, die 110 Messier-Objekte, alle 14 Achttausender. Der Vorrat erklärt das nicht. Ein Eichhörnchen will nicht alle Nusssorten haben. Ein späterer Zweig oder ein anderes Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angelegt ist der Hunger, nicht der Gegenstand. Briefmarken, Kunst oder Bitcoins sammelt niemand von Natur aus. Die Kultur liefert das Material, der Dämon den Hunger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wo der Sammler wirkt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Linné&#039;&#039;&#039; schickte seine Schüler in die ganze Welt, nach Amerika, Arabien, Japan, in die Südsee. Sie sollten Pflanzen sammeln und zurückbringen. Er nannte sie seine Apostel. Einige kamen nicht zurück. Aus dem Gesammelten wurde die Ordnung der Pflanzen und Tiere, mit der wir bis heute jedes Lebewesen benennen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Wunderkammern&#039;&#039;&#039;: Fürsten und Gelehrte stellten Muscheln, Korallen, ausgestopfte Krokodile, Einhorn-Hörner und Missgeburten in Glasschränke. Daraus wurden die Museen. Das British Museum begann 1753 mit der Sammlung eines einzigen Mannes, Hans Sloane, rund 71.000 Stücke.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Darwin&#039;&#039;&#039; sammelte als Student in Cambridge Käfer. Einmal hatte er in jeder Hand einen seltenen Käfer und sah einen dritten. Er steckte einen in den Mund, um die Hand frei zu haben. Der Käfer spritzte ihm eine brennende Flüssigkeit auf die Zunge, Darwin spuckte ihn aus, und der dritte war weg. Später sammelte er fünf Jahre lang auf der Beagle: Finken, Fossilien, Schildkröten. Erst danach kam die Theorie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Goethe&#039;&#039;&#039; hatte in Weimar eine Mineraliensammlung mit rund 18.000 Steinen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Mondlandung&#039;&#039;&#039;: Die Astronauten der Apollo-Flüge sammelten mit Zangen und Schaufeln Steine und Staub, zusammen rund 380 Kilogramm. Das teuerste Steinesammeln der Geschichte.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schmetterlinge&#039;&#039;&#039;: Nabokov, der Schriftsteller, zog mit dem Netz durch die Berge und sammelte Bläulinge. Er vermutete, dass sie in mehreren Wellen über die Beringstraße von Asien nach Amerika gekommen waren. Die Biologen nahmen ihn nicht ernst. 2011 bestätigte die Genetik seine Vermutung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Messier-Marathon&#039;&#039;&#039;: Charles Messier jagte im 18. Jahrhundert Kometen. Ihn störten verschwommene Flecken am Himmel, die aussahen wie Kometen, aber keine waren. Damit er nicht wieder darauf hereinfiel, schrieb er sie auf: 110 Stück. Die Liste war Abfall seiner Kometenjagd. Heute ist sie die berühmteste Liste der Astronomie. Jedes Jahr im März, wenn alle 110 in einer Nacht zu sehen sind, sitzen Amateure die ganze Nacht in der Kälte und haken eins nach dem anderen ab. Sie lernen nichts Neues, alle Objekte sind seit 250 Jahren bekannt, und niemand schaut ihnen zu. Das ist weder Neugier noch Anerkennung. Das ist der Sammler allein.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tycho und Kepler&#039;&#039;&#039;: Tycho Brahe hat über zwanzig Jahre lang jede Nacht die Stellung der Planeten gemessen, ohne Fernrohr, mit riesigen Messinstrumenten auf seiner Insel Ven. Ein Berg von Zahlen. Kepler bekam die Zahlen nach Tychos Tod und fand darin, dass die Planeten auf Ellipsen laufen. Tycho ist die Ameise, Kepler die Biene.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Rechnerinnen von Harvard&#039;&#039;&#039;: Um 1900 saßen Frauen an Tischen und gingen Hunderttausende Glasplatten mit Sternaufnahmen durch, Stern für Stern. Annie Jump Cannon sortierte von Hand rund 350.000 Sterne nach ihrem Licht. Henrietta Leavitt schrieb veränderliche Sterne auf und bemerkte: Je heller so ein Stern, desto langsamer blinkt er. Damit konnte man zum ersten Mal Entfernungen im Weltall messen, und Hubble zeigte damit, dass es andere Galaxien gibt. Erst die Sammlung, dann das Gesetz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Heute&#039;&#039;&#039;: Der Satellit Gaia hat fast zwei Milliarden Sterne vermessen. Über 5.000 Planeten um andere Sterne sind bestätigt, jeder neue kommt auf die Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neugier will schnell zur Antwort. Zwanzig Jahre Nacht für Nacht messen, Hunderttausende Platten durchsehen, das hält sie nicht durch. Der Sammler hat Geduld, denn jedes einzelne neue Stück sättigt ihn schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bacon&#039;&#039;&#039; hat das Bild dafür gefunden (Novum Organum, 1620). Die Ameise sammelt nur und frisst es auf. Die Spinne spinnt ihr Netz aus sich selbst heraus. Die Biene sammelt aus den Blüten und macht Honig daraus. Die Ameise ist der Sammler allein. Die Spinne ist der Zwerg, der aus dem Kopf Systeme spinnt. Die Biene ist der Sammler im Bund mit einem Dämon, der verarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sammler allein endet beim Messi: die Wohnung voll, aber keine Ordnung. Mit der Ordnung verbündet, wird er Linné. Mit der Neugier verbündet, wird er Darwin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Hochmut gegen den Sammler:&#039;&#039;&#039; Dem Physiker Rutherford wird der Satz zugeschrieben: „Alle Wissenschaft ist entweder Physik oder Briefmarkensammeln.“ Dabei steht jede Physik auf gesammelten Messwerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie mächtig der Sammler ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kunst&#039;&#039;&#039;: Der „Salvator Mundi“, Leonardo zugeschrieben, ging 2017 für 450 Millionen Dollar weg.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Autos&#039;&#039;&#039;: Der Musiker oder der Reiche mit dreißig teuren Autos in der Garage, die er nicht braucht. Jay Leno hat weit über hundert Autos in seinen Hallen. 2022 wurde ein Mercedes 300 SLR Uhlenhaut-Coupé für 135 Millionen Euro versteigert, das teuerste Auto der Welt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Baseballkarten&#039;&#039;&#039;: Eine Mickey-Mantle-Karte von 1952 brachte 2022 12,6 Millionen Dollar. Ein Stück Pappe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Briefmarken&#039;&#039;&#039;: Die British Guiana One-Cent Magenta, eine einzige Marke, wurde 2021 für rund 8 Millionen Dollar verkauft.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Pokémon&#039;&#039;&#039;: Der Werbespruch heißt „Schnapp sie dir alle!“. Das ist der Sammler wörtlich. Eine einzige Pikachu-Karte brachte 2022 über 5 Millionen Dollar.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Bild, das es nicht gibt&#039;&#039;&#039;: 2021 wurde eine Bilddatei des Künstlers Beeple als NFT für 69 Millionen Dollar verkauft. Jeder kann sie kopieren, aber nur einer „hat“ sie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tulpen&#039;&#039;&#039;: 1637 kostete in Holland eine einzige Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ so viel wie ein Haus in Amsterdam.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Reliquien&#039;&#039;&#039;: Friedrich der Weise sammelte in Wittenberg über 19.000 Reliquien: Knochen von Heiligen, Dornen aus der Krone Christi, Milch der Maria. Ausgerechnet dort schlug Luther 1517 seine Thesen an.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schuhe&#039;&#039;&#039;: Als Imelda Marcos aus dem Palast in Manila floh, fand man über tausend Paar Schuhe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gipfel&#039;&#039;&#039;: Reinhold Messner stand als Erster auf allen 14 Achttausendern. In Schottland haken Leute alle 282 Munros ab, die Berge über 3000 Fuß.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vögel&#039;&#039;&#039;: Phoebe Snetsinger hat über 8.000 Vogelarten mit eigenen Augen gesehen. Angefangen hat sie, als sie eine Krebsdiagnose bekam, und sie reiste noch zwanzig Jahre weiter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Saatgut&#039;&#039;&#039;: Im Eis von Spitzbergen liegt ein Tresor mit über einer Million Samenproben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Elemente&#039;&#039;&#039;: Die Chemiker jagen das Periodensystem voll. Das Element 118, Oganesson, existiert jeweils nur Bruchteile einer Sekunde, und trotzdem hat es einen Namen und einen Platz in der Tabelle.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nobelpreise&#039;&#039;&#039;: Marie Curie holte Polonium und Radium aus Tonnen von Pechblende und bekam 1911 den Nobelpreis. Für das Higgs-Teilchen gab es 2013 den Nobelpreis.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jagdtrophäen&#039;&#039;&#039;: Hörner und Köpfe an der Wand. Hier treffen sich Jagdtrieb und Sammler.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Geld&#039;&#039;&#039;: Der Milliardär, der mehr hat, als er in zehn Leben ausgeben könnte, und weiter sammelt. Dagobert Duck badet in seinem Geldspeicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baseballkarte, die Briefmarke, das NFT sind Millionen wert, weil andere Sammler sie haben wollen. Der Sammler macht den Wert selbst. Ohne ihn wäre die One-Cent Magenta ein Fetzen Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Knauser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Sammler|Sammler]] · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sammler kommt und geht, im Herbst, vor dem Winter, vor dem leeren Regal. Beim Knauser ist er chronisch geworden. Jede Ausgabe tut weh. Er hebt überall Geld auf. Das ist ein bekannter Typus. Wenn Leute Mangel erlebt haben wie im Krieg, werden sie manchmal so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; heißt es: „Meanness is undue sparing of expense.“ Der Knauser zählt beim Essen, wie viele Becher jeder Gast trinkt. Zerbricht ein Diener einen Topf, zieht er ihm den Wert von der Verpflegung ab. Verliert seine Frau eine kleine Münze, rückt er Möbel, Betten und Schränke und sucht in den Ritzen der Dielen. Seiner Frau verbietet er, Salz oder einen Lampendocht auszuleihen. Seine Geldtruhe ist schimmlig, weil sie nie geöffnet wird. Er hat eine volle Truhe und spart trotzdem: Fülle bannt den Knauser nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein zweiter Text.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt den Knauser noch einmal, als Ἀνελευθερία: „Penuriousness is the grudging of expense and is due to great love of money and little love of honor.“ Hier geht es um das Geld bei Ehrenpflichten. Nach einem Sieg auf der Bühne weiht er Dionysos einen hölzernen Kranz, auf den er seinen eigenen Namen schreibt. Wird öffentlich gesammelt, schweigt er oder geht, und sieht er einen sammelnden Freund kommen, schleicht er durch eine Seitengasse nach Hause. Bei der Hochzeit der Tochter verkauft er die Opfertiere und stellt nur Diener ein, die zu Hause essen. Bei einem Fest hält er die Kinder aus der Schule, um das Schulgeld zu sparen. Seiner Frau gibt er keine Magd, sondern ein gemietetes Kind. Das Wort heißt wörtlich Unfreiheit: Der Freie ist freigebig, der Geizige ist unfrei. Die Ehre wiegt bei ihm weniger als das Geld. Die [[#Geltung|Geltung]] überstimmt den Sammler nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geprägt vom Mangel.&#039;&#039;&#039; Ulrike Malmendier und Stefan Nagel untersuchten 2011 in ihrer Studie „Depression Babies“ Menschen, die schwere Wirtschaftskrisen erlebt haben. Wer selbst schlechte Zeiten erlebt hat, geht ein Leben lang weniger finanzielle Risiken ein und legt seltener Geld in Aktien an (siehe [[Bannung#Prägung|Prägung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Test:&#039;&#039;&#039; Beim Festessen nimmt die Tochter seine Börse und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle (siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]]). Und er missbilligt den Verschwender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Putz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO, Elf · zu Puppe&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Waschzwang. Menschen waschen sich die Hände, bis die Haut blutet, und fühlen sich danach immer noch schmutzig. Howard Hughes fasste am Ende Gegenstände nur noch mit Papiertüchern an und lebte abgeschottet in abgedunkelten Hotelzimmern.&lt;br /&gt;
* Ausfall: die Verwahrlosung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn der Putz ausfällt.&#039;&#039;&#039; Das Gegenstück zum Waschzwang ist, dass man sich nicht mehr pflegt. Theophrast nennt es Δυσχέρεια: „Grossness is such neglect of one’s person as gives offence to others.“ Sein Mann geht mit Ausschlag und schwarzen Zähnen auf den Markt und sagt, das sei erblich. Im Alltag kennt man den Ausfall bei schlechter Stimmung und wenig Antrieb. Im Extrem findet man ihn bei Menschen, die jede Hoffnung verloren haben: Scheitern in Schule und Beruf, Verachtung durch andere, Verlust des Rangs, eine Schuld, die man nicht tragen kann, vielleicht auch Selbstbestrafung. In Notunterkünften für Obdachlose gibt es Räume, in denen der Boden mit Müll und verfaultem Essen bedeckt ist. Der Rang ist dabei nicht alles. Bei Obdachlosen sind Sucht und psychische Erkrankungen häufig, mit großer Streuung (Fazel u. a. 2008, 29 Untersuchungen, 5.684 Personen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Selbstachtung.&#039;&#039;&#039; Der Putz dient auch der Selbstachtung, und die ist ein Spiegel der Achtung, die man von anderen erfährt (Cooley nannte das 1902 das „looking-glass self“). Wer in einer verachtenden Umgebung standhält, hat dafür einen imaginären Beifall. Als Bergen-Belsen im April 1945 befreit wurde, kam unaufgefordert eine große Lieferung Lippenstifte an. Der britische Sanitätsoffizier Mervin Gonin schrieb: „At last someone had done something to make them individuals again.“ Der Lippenstift sagt: Ich bin wer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elf ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Kuschel, Putz&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Fühl, Lausch, Schnupper, Kratz, Kitzel, Griff, Wurzel, Wohlig&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kuschel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elf · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Kuscheln ist Berührung und Umarmung, und es geht dabei um Geborgenheit und Sicherheit. Zwei Wurzeln sind denkbar. Die eine ist das Lausen der Affen: Gegenseitiges Streicheln und Lausen hält bei Primaten die Bindungen, über Hautnerven und Endorphine (Robin Dunbar 2022). Die andere ist die Verbindung von Mutter und Kind. Harry Harlows Rhesusaffen klammerten sich in den 1950er-Jahren an die Stoffmutter, auch wenn nur die Drahtmutter Milch gab. Der Körperkontakt war wichtiger als das Füttern. Beides kann zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die erotische Seite.&#039;&#039;&#039; Berührungen sind auch erregend. Dann geht das Kuscheln ins Begehren über und führt zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]]. Für den Menschen ist Sex ein Mittel zur Bindung geworden, heißt es oft, wichtig wegen der langen Kindheit. Das ist eine gängige, aber umstrittene These. Robert Quinlan (2008) sieht Paarbindungen als vielseitig, mit der Versorgung in der Stillzeit als am besten belegter Funktion, und prüft Sex als Bindungsmittel nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gefälliger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Geltung|Geltung]], [[#Elter|Elter]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Verehrung/Bewunderung|Verehrung/Bewunderung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: das Wohl und die Freude der anderen, und die Anerkennung dafür.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit oder Hilflosigkeit des anderen. Das Kindchenschema wirkt, zum Beispiel Bambi-Augen, es ist aber kein Muss. Es genügt, dass Hilfe gebraucht wird.&lt;br /&gt;
* Bannung: Wird kaum gewollt, denn er ist ein Kitt der Gemeinschaft. Gebannt wird nur seine Entgleisung. Wer sich verausgabt, den will der Ehepartner schützen. Wenn der Samariter die eigene Familie vernachlässigt, konkurriert er mit dem [[#Elter|Elter]], und dann hilft ein Arrangement, wem er wie viel gibt. Oakley und Kollegen nennen Hilfe, die ungewollt Schaden anrichtet, pathologischen Altruismus (2012).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gefällige will anderen Freude machen und freut sich an ihrer Freude. Deshalb macht man Geschenke. Sein Hauptinteresse ist das Wohl des anderen, das ihm wichtiger sein kann als das eigene. Das ist Eltern-Verhalten. Am stärksten gilt es dem, den er wertschätzt. Es reicht aber bis zum Fremden: Er gibt dem Bettler, den er nicht kennt, und er spendet an Empfänger, die er nie sehen wird. Die Freude des anderen und sein Dank sind dann nur vorgestellt. Er will auch Anerkennung, und beides gehört zusammen. Er ist ein wesentlicher Kitt jeder Gemeinschaft. Er ist nicht der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]], der nach oben lobt, um an der Macht teilzuhaben. Er ist auch nicht der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]], der Missfallen vermeiden will und dafür formal korrekt und höflich ist, vielleicht auch ein Streber. Der Gefällige tut anderen Gutes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was dafür spricht.&#039;&#039;&#039; Wer Geld für andere ausgibt, ist glücklicher als wer es für sich ausgibt (Dunn, Aknin und Norton 2008). Das fand sich in 120 von 136 Ländern (Aknin u. a. 2013). Gute Nachrichten zu teilen macht froh, und mehr, wenn das Gegenüber sich mitfreut, und es hängt bei Paaren mit besserer Beziehung zusammen (Gable u. a. 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch für Unbekannte.&#039;&#039;&#039; Schon anonymes freiwilliges Geben aktiviert die Belohnungsregionen stärker als die Zwangsabgabe (Harbaugh u. a. 2007, 19 Teilnehmerinnen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gefälligkeit nach oben.&#039;&#039;&#039; Wer einer Autorität einen Gefallen tut, um Anerkennung oder Wertschätzung zu bekommen, macht einen Tauschhandel. Das ist der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] oder das [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]]. Der Gefällige hilft auch, wenn es niemand erfährt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ἀρέσκεια: „Affability is a sort of demeanor that gives pleasure at the sacrifice of what is best.“ Er ruft einen Freund schon von weitem an, überschüttet ihn mit Lob und lässt ihn nicht los. Vor Gericht will er auch dem Gegner gefallen. Beim Essen lässt er die Kinder rufen, sagt, sie ähnelten dem Vater „as one fig is like another“, und spielt mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn er entgleist.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt die Entgleisung. Überwiegt die Anerkennung, wird aus dem Gefälligen der Schmeichler, der dem anderen Recht gibt, auch gegen die Wahrheit. Aristoteles unterscheidet den Gefallsüchtigen ohne Eigennutz vom Schmeichler aus Eigennutz. Die Psychologie nennt das Extrem Soziotropie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urschlummer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Gähn, Murmel, Mümmel&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gähn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Murmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mümmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neid ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Revierverhalten/Gebiet · zu Troll, Häme&lt;br /&gt;
* Es ist eine Form von Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Rivale, der mir nah ist, bekommt oder kann, was in meinem eigenen Gebiet zählt. Beim Fremden und beim Unerreichbaren entsteht kein Neid, sondern Bewunderung.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Neidkratzer. Jemand zieht mit dem Schlüssel eine lange Schramme in den Lack eines teuren Autos. Er hat nichts davon, außer dass der andere es auch nicht mehr hat.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Es ist eine Form von Revierverhalten. So wie Ziegen ihren Rivalen bei der Fütterung wegboxen: Am Futtertrog stoßen die ranghohen Tiere die anderen mit dem Kopf weg, auch wenn genug für alle da ist. Es geht nicht ums Sattwerden. Es geht darum, dass der andere nicht frisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man neidet, was der andere hat oder bekommt. Auch wenn man Fähigkeiten neidet, geht es darum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, was der andere hat. Oder wenigstens, dass der andere es auch nicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Trigger genau:&#039;&#039;&#039; Es ist mehr zwischen Bekannten, zwischen Rivalen. Und dann beherrscht es die Gedanken und führt zu Missgunst und zu Taten, um den anderen zu schädigen. Der Psychologe Abraham Tesser hat gezeigt, dass zwei Dinge zusammenkommen müssen: Der andere ist mir nah, Freund, Kollege, Bruder, Nachbar. Und er ist besser auf einem Gebiet, das für mich selbst zählt. Ist mein Freund ein besserer Schachspieler und mir ist Schach egal, freue ich mich für ihn. Ist er ein besserer Elektriker und ich bin Elektriker, dann sticht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Tat:&#039;&#039;&#039; In Tessers Versuchen durfte einer dem anderen bei einem Ratespiel Hinweise geben, leichte oder schwere. Hieß es, das Spiel sei belanglos, bekamen Freunde leichtere Hinweise als Fremde. Hieß es, das Spiel messe die Intelligenz, bekamen Freunde schwerere Hinweise als Fremde. Man bremst den Freund aus, nicht den Fremden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Promi ist etwas anderes:&#039;&#039;&#039; Wer weit weg und unerreichbar ist, an Reichtum, Ruhm oder Fähigkeit, den beneidet man nicht, man bewundert ihn. Das gehört zur Verehrung/Bewunderung und zum Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Formen:&#039;&#039;&#039; Der böse Neid will den anderen herunterziehen. Der gutartige Neid will selbst hinauf: „Das will ich auch schaffen.“ Er richtet sich oft auf jemanden, der ein Stück weiter, aber noch erreichbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Unter Gleichen:&#039;&#039;&#039; Aristoteles schreibt in seiner Rhetorik, man beneide die, die einem nahe sind an Zeit, Ort, Alter und Ansehen, und zitiert dafür Hesiod, um 700 vor Christus: „Der Töpfer grollt dem Töpfer, der Bettler dem Bettler, der Sänger dem Sänger.“ Man beneidet nicht den König, sondern den Nachbarn. Beide stehen am selben Trog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bilder:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Schneewittchen: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die Königin war die Schönste, bis der Spiegel eine andere nannte.&lt;br /&gt;
* Zwei Kinder bekommen verschieden große Kuchenstücke: „Der hat aber mehr!“&lt;br /&gt;
* Zwei Kapuzineraffen bekommen für dieselbe Aufgabe Gurke. Bekommt einer eine Weintraube, wirft der andere seine Gurke dem Forscher ins Gesicht.&lt;br /&gt;
* Das Gesetz von Jante, aus einem Roman von Aksel Sandemose, 1933, in Skandinavien sprichwörtlich: „Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Warum der und nicht ich?“&#039;&#039; → Der Vergleich. Der Anfang von allem.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hat doch nur Glück gehabt.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Der hat eben Beziehungen.“&#039;&#039; → Den Erfolg kleinreden. Wenn es Glück war, hat er es nicht selbst geschafft, und ich bin nicht schlechter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„So toll ist das auch nicht.“&#039;&#039; → Saure Trauben. Aesops Fuchs springt nach den Trauben, kommt nicht dran und sagt im Weggehen: „Die sind mir ohnehin zu sauer.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das hat der doch gar nicht verdient.“&#039;&#039; → Die Maske der Gerechtigkeit. Der Neid verkleidet sich als Gerechtigkeitssinn.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hält sich wohl für was Besseres.“&#039;&#039; → Das Gesetz von Jante. Niemand darf herausragen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Schön für dich.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Gönn ich dir.“&#039;&#039;, durch die Zähne gesagt → Das Heucheln. Der Glückwunsch, der keiner ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Dem wird das Lachen schon noch vergehen.“&#039;&#039; → Die Vorfreude auf den Fall.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Hab ich doch gleich gesagt.“&#039;&#039;, wenn es dann schiefgeht → Die Schadenfreude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Gehirn:&#039;&#039;&#039; Japanische Forscher ließen 2009 Versuchspersonen Geschichten über erfolgreiche Mitschüler lesen. Beim Neid war ein Bereich aktiv, der auch bei Schmerz arbeitet. Als dem Beneideten danach ein Unglück passierte, sprang ein Bereich an, der bei Belohnung arbeitet. Neid tut weh, Schadenfreude tut gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gute Neid:&#039;&#039;&#039; Hesiod unterscheidet zwei Göttinnen des Streits. Die schlechte Eris bringt Krieg. Die gute Eris treibt den Faulen an, wenn er sieht, wie reich der fleißige Nachbar wird, sodass er selbst pflügt und pflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verwandt:&#039;&#039;&#039; [[#Eifersucht|Eifersucht]] (die Eifersucht fürchtet zu verlieren, was sie hat; der Neid will haben, was der andere hat), [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Gerechtigkeitssinn|Gerechtigkeitssinn]], Häme, [[#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Alle drei, Stammesbruder, Eifersucht und Neid, stammen vom Revierverhalten: das Revier der Gruppe, das Revier der Bindung, das Revier am Futtertrog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Revierverhalten/Gebiet ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Stammesbruder, Eifersucht, Neid, [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]]&lt;br /&gt;
* Es ist der Kern der Eifersucht: Ein Rivale dringt in die Bindung ein. Beim Wolfsrudel: Man kennt die Gesichter, das Revier ist abgesteckt, der Fremde ist der Feind.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überall.&#039;&#039;&#039; Viel Verhalten von Menschen lässt sich nur verstehen, wenn man weiß, dass es Revierkämpfe sind. Bei Tieren sind Revierkämpfe oft Standard: Ziegen boxen, Elche kämpfen. Bei manchen ist das so ernst, dass es Verletzte und Tote gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dasselbe Zeichen.&#039;&#039;&#039; Der Bauer zäunt sein Feld ein. Der Goldsucher seinen Claim. Der Hund pisst an den Baum und Armstrong stellt die amerikanische Flagge auf. Das ist dasselbe.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Reviere werden vor allem gegen Artgenossen verteidigt und mit Duft, Gesang oder Schauflügen markiert. Der Besitz wird meist respektiert, auch ohne dass ihn jemand durchsetzt: Wer zuerst da war, wird selten herausgefordert (Sherratt und Mesterton-Gibbons 2015). Stake (2004) sieht in den Rechtsregeln über Besitz und Priorität Spuren dieser Strategien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sammler.&#039;&#039;&#039; Er pflegt und verteidigt seine Sammlung und identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eltern.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Man nennt es Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beschützer.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker. Bei Säugetieren und Vögeln ist das die Regel. Bei Fischen und Reptilien eher nicht. Ausnahmen gibt es: Der männliche Stichling bewacht das Nest und verteidigt Eier und Junge gegen Eindringlinge, ebenso die Männchen der Sonnenbarsche (Britannica; Juneau Empire). Auch hier zeigt sich der Dämon ohne Maske in ganzer Stärke, wenn man das Revier betritt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geltung.&#039;&#039;&#039; Das Revier ist hier der Rang. Es zeigt sich, wenn die Kompetenz angezweifelt wird, wenn der Rang oder die Stellung streitig gemacht wird oder wenn der Konkurrent sich mit fremden Federn schmückt. Auch die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] ist Revierverhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eitelkeit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Poser&lt;br /&gt;
* Varianten: Geck, Diva&lt;br /&gt;
* Die leere Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Geltung, die durch die Zustimmung anderer gegeben wird: Preise und Auszeichnungen (siehe [[#Geltung|Geltung]]). La Rochefoucauld: „La vertu n&#039;irait pas si loin si la vanité ne lui tenait compagnie.“ (Die Tugend käme nicht so weit, wenn die Eitelkeit ihr nicht Gesellschaft leistete.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß ursprünglich leer, nichtig (althochdeutsch &#039;&#039;ītal&#039;&#039;), so wie das lateinische &#039;&#039;vanitas&#039;&#039;. Die Leere steckt schon im Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ehrgeiz im Kleinen.&#039;&#039;&#039; Theophrast nennt den Eitlen Μικροφιλοτιμία, „Ehrgeiz im Kleinen“: „a striving for honor in small things“. Beim Essen will er neben dem Gastgeber sitzen. Er zahlt mit frisch geprägten Münzen. Seiner zahmen Dohle kauft er eine kleine Leiter und einen Schild aus Bronze. Stirbt sein Hund, setzt er ihm ein Denkmal: „Fido, Pure Maltese.“ Er kauft einen neuen Anzug, solange der alte noch gut ist, und seine Zähne sind immer weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von außen.&#039;&#039;&#039; Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er sagt, was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Die Eitelkeit lebt in der Lücke zwischen dem, was einer sagt, und dem, was er sich davon verspricht. Meist ist das keine Berechnung. Er glaubt selbst an das Bild, das er zeigt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Bescheidene&#039;&#039;&#039; sagt: „Ach, das war doch nichts Besonderes.“ Er hofft auf den Widerspruch: „Doch, das war großartig!“ So bekommt er das Lob und darf sich obendrein bescheiden fühlen. Manchmal verkleidet er das Angeben als Klage, etwa wenn er stöhnt, er komme vor lauter Einladungen zu nichts mehr. Die anderen durchschauen das meistens.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Erfolgreiche&#039;&#039;&#039; sagt: „Eigentlich wollte ich nie Karriere machen. Es hat sich so ergeben.“ Der Erfolg soll mühelos aussehen, und gerade dafür will er bewundert werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Gekränkte&#039;&#039;&#039; sagt: „Mir ist völlig egal, was andere über mich denken.“ Dann liegt er die halbe Nacht wach wegen einer einzigen Bemerkung. Wer am lautesten sagt, die Meinung der anderen sei ihm egal, hängt oft am stärksten an ihr.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Unauffällige&#039;&#039;&#039; sagt: „Ich brauche keine Aufmerksamkeit, ich mach einfach mein Ding.“ Er möchte gerade dafür bewundert werden. Seine Eitelkeit ist, keine zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl verrät, was der Satz verbirgt. Lob hebt ihn, ausbleibendes Lob enttäuscht ihn, Kritik kränkt ihn, und wer mehr Beachtung bekommt, wird zum Rivalen. Er sieht sich mit den Augen der anderen. Darum macht die Eitelkeit abhängig, obwohl sie sich überlegen fühlen will: Sie muss sich immer wieder neu beweisen, denn sicher ist man der Bewunderung nie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eitelkeit heute.&#039;&#039;&#039; Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schopenhauers Satz gilt noch: Die Eitelkeit ist gesprächig, der Stolz schweigsam. Young Jee Han, Joseph Nunes und Xavier Drèze fanden 2010: Wer reich ist und Geltung braucht, kauft die Tasche mit dem großen Logo, die jeder erkennt. Wer reich ist und sie nicht braucht, kauft die Tasche ohne Logo, die nur Kenner erkennen. Der eine spricht zu allen, der andere nur zu seinesgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039; „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Sehen und gesehen werden.“ – „Kleider machen Leute.“ – „Wer schön sein will, muss leiden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schauspieler.&#039;&#039;&#039; Wer davon lebt, gesehen zu werden, ist oft eitel. Drew Pinsky und Mark Young ließen 2006 zweihundert Prominente einen Narzissmus-Fragebogen ausfüllen. Die Prominenten lagen deutlich über dem Durchschnitt, am höchsten die Stars aus dem Reality-Fernsehen, dann Komiker, Schauspieler und Musiker. Viele waren schon so, bevor sie berühmt wurden: Der Beruf zieht die Eitlen an. In Billy Wilders Film &#039;&#039;Sunset Boulevard&#039;&#039; (1950) sagt man der gealterten Stummfilmdiva Norma Desmond: „You used to be big.“ Sie antwortet: „I am big. It&#039;s the pictures that got small.“ Am Ende steigt sie die Treppe hinab, auf die Kamera zu: „All right, Mr. DeMille, I&#039;m ready for my close-up.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen.&#039;&#039;&#039; Auf Reddit sprechen Menschen offen darüber, und manchmal spricht der Dämon selbst.&lt;br /&gt;
* Über sich selbst: „I&#039;m very vain in the sense I&#039;m always aware of how good or not I look […] I will leave any situation, job, place, person etc if it worsens my looks.“ – „When I look good I feel good, and I care way too much about how people see me.“ – „Yes, I strut and preen.“ – „Main character energy so yes.“ – „sometimes I&#039;m extremely vain and other times I feel inferior to everyone“ (r/Sagittarians, 2025). Im letzten Satz zeigt sich die Leere.&lt;br /&gt;
* Was andere hören: Eine Freundin begründet alles mit ihrem Aussehen: „I should have been invited to that party, I&#039;m hot.“ – „I don&#039;t understand why we have to wait in this line, most of the time hot people get let in early.“ Eine andere fragt nach dem Treffen mit den Freunden ihres Partners: „did anyone tell you how pretty I was“ (r/AskMen, 2024).&lt;br /&gt;
* Schopenhauers gesprächige Eitelkeit, ein Ratschlag an Männer: „Never mention your nice car, then pick her up for a 3rd date, hot. Mentioning it up front, tacky.“ (r/Bumble, 2026)&lt;br /&gt;
* Männer über sich selbst: „I like staring at my reflection in shop windows.“ – „Have to check the bathroom mirror to make sure my abs are still there.“ – „I definitely check myself out in bathroom mirrors, window reflections. I can&#039;t help it I&#039;m just too sexy“ – „I take a lot of satisfaction in the fact that I look good, then immediately feel guilty about it“ (r/AskMen, 2018).&lt;br /&gt;
* Die Eitelkeit missbilligt die, die nicht so sind wie sie. Ein Mann staunt, wie schlecht jüngere Männer aussehen: „When I look at men who are much younger than me and I&#039;m amazed at how bad they look“. Jemand fragt zurück: „So, your vanity expresses itself through judgement of others?“ Ein anderer: „Not OP but yes, absolutely. It&#039;s kinda shitty but it&#039;s a gut reaction.“ (r/AskMen, 2018; siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geck.&#039;&#039;&#039; Eine Variante der Eitelkeit kommt vom [[#Putz|Putz]]: die Eitelkeit auf das eigene Aussehen, auf Kleidung, Frisur und Körper. Das Wörterbuch nennt den Gecken einen „eitlen (jungen) Mann mit auffallend modischer Kleidung und auffälligem Benehmen“ (DWDS). Die weibliche Variante ist die Diva. Die Eitelkeit selbst ist weiter: Auch ein hässlicher Gelehrter kann auf seine Intelligenz eitel sein. Dann hängt sie allein an der [[#Geltung|Geltung]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Diva.&#039;&#039;&#039; Das Wort heißt auf Italienisch „die Göttliche“ und war im 19. Jahrhundert ein Ehrenname berühmter Sängerinnen (Pfeifer). Das Wörterbuch nennt die Diva eine gefeierte Künstlerin, einen Star (DWDS). Zu ihr gehören Starallüren: Sie ist launisch, kapriziös und unnahbar und hält sich für etwas Besseres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Poser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Eitelkeit · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Poser ist ein Schauspieler für das Publikum. Vielleicht kann er auch etwas. Aber er stellt sich hin und macht eine Pose, damit das Publikum sie sieht. Früher haben Fußballer nach einem Tor gejubelt. Das war echt, das war [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Jubel|Jubel]] nach dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Sieg|Sieg]]. Heute machen sie Posen: Jeder soll sehen, was für ein Held ich bin. Auch die Influencer machen Posen für die Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Siu.&#039;&#039;&#039; Cristiano Ronaldo sprang im August 2013 nach einem Tor gegen Chelsea in die Luft und rief „Siu“. Er sagt selbst, das sei spontan gewesen: „I just scored the goal and it came out. It was just natural. Since that, I started to do it more often.“ Aus echtem Jubel wurde durch Wiederholung eine Pose, sein Markenzeichen. Die Übergänge sind fließend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Vorderbühne.&#039;&#039;&#039; Erving Goffman beschrieb 1959 das Alltagsleben als Theater, mit einer Vorderbühne, auf der man vor Publikum spielt, und einer Hinterbühne, auf der man unbeobachtet ist (&#039;&#039;The Presentation of Self in Everyday Life&#039;&#039;). Der Poser lebt auf der Vorderbühne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; ist der Eitle auch schon Poser. Den Kopf des geopferten Ochsen nagelt er gegenüber der Haustür an, damit jeder Besucher sieht, was er geopfert hat. Nach der Reiterparade gibt er die Ausrüstung dem Knecht und stolziert in Sporen über den Markt. Bei Vorführungen in seiner eigenen Halle kommt er als Letzter herein, damit die Zuschauer sagen: „That&#039;s the gentleman to whom the place belongs.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen&#039;&#039;&#039; (Reddit): „Curates her life online to make it look more fun and exciting than it really is.“ (r/AskMen, 2024) – „Sometimes guys post unfriendly non-smiling gym photos of them staring at their own arm muscles“ (r/Bumble, 2026). Das Aufpumpen vor dem Auftritt: „Shit, I do push-ups before cutting the lawn shirtless!“ – „You don&#039;t keep dumbbells in your trunk to do a few curls right before picking up your dates?“ – „you never look as good as your pump.“ Einer nennt seine Schnellübung selbst „the douchebag session“ (r/Fitness, 2015). – „When I cosplay, I want my picture taken with everyone.“ (r/AskMen, 2018)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prahler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[#Geltung|Geltung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Auch: Angeber.&lt;br /&gt;
* Varianten: Aufschneider&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Aufschneider.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Prahlers ist der Aufschneider. Bei Theophrast heißt er Ἀλαζονεία: „Bragging is pretending to have excellences that one does not really possess.“ Er steht am Hafen und erzählt, wie viel Kapital er in Schiffen stecken hat, und schickt seinen Sklaven zur Bank, wo er eine Drachme hat. Er habe unter Alexander gedient und drei Briefe von Antipater bekommen, obwohl er nie aus seiner Stadt herausgekommen ist. In der Hungersnot habe er über fünf Talente für die Armen gegeben. Sein gemietetes Haus nennt er das Familienhaus und sagt, es sei zu klein für seine Freunde. Ob das Vermögen echt oder erfunden ist, ist für das Wesen irrelevant. Das Motiv ist dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Besser sein wollen.&#039;&#039;&#039; Geltung zu wollen ist an sich etwas Positives. Sie ist der Treibstoff für viele Errungenschaften und Leistungen. Beim Prahler geht es aber darum, besser zu sein als die anderen. Das ist traurig, denn er ist von den anderen abhängig. Ohne Vergleich gibt es keinen Rang. Dabei kann man den Rang und die Leistung anderer auch anerkennen, unabhängig davon, ob sie mehr haben oder können (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wenn ein anderer mehr hat.&#039;&#039;&#039; Hat ein Nachbar das größere Haus oder das größere Auto, kommt der [[#Neid|Neid]] ins Spiel, wenn der andere ihm nah ist und es ein Gebiet ist, das ihm selbst zählt. Dann legt der Prahler nach, zieht den anderen herunter oder meidet den Vergleich. Der Neid ist sein Bruder: Auch er ist auf den Vergleich fixiert, und sein eigener Rang hängt von den anderen ab. Nach einer Umfrage von Solnick und Hemenway lehnten 48 % es ab, dass alle reicher werden, wenn das den eigenen Rang senkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; erscheint er in zwei Gestalten. Der Übereifrige zeigt „an excess in saying or doing, — with good intentions, of course“ und verspricht öffentlich Dinge, die er nicht leisten kann. Der Prahler ist „pretending to have excellences that one does not really possess“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Justin Kruger und David Dunning ließen 1999 Studenten nach einem Test schätzen, wie gut sie waren. Das schlechteste Viertel lag im 12. Perzentil und schätzte sich im 62. ein. Der Titel ihrer Studie: „Unskilled and unaware of it“. Wie stark das im Durchschnitt gilt, ist umstritten (Gilles Gignac und Marcin Zajenkowski 2020). Den Typ gibt es trotzdem. William von Hippel und Robert Trivers schrieben 2011, Selbsttäuschung sei entstanden, um andere besser zu täuschen: „self-deceptive self-enhancement also allows people to display more confidence than is warranted.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urtümlich.&#039;&#039;&#039; Der Angeber ist alt. Der Pfau schlägt sein Rad vor der Henne. Andere Tiere machen sich vor dem Rivalen größer, als sie sind: fast eine Drohgebärde, aber schon im Vorfeld, um einzuschüchtern, bevor es zum Kampf kommt. Rothirsche röhren um die Wette, wo ein Kampf droht, und das Röhren verrät dem Rivalen die Kampfkraft (Tim Clutton-Brock und Steve Albon 1979). Verliert ein Männchen der Winkerkrabbe seine große Schere, wächst eine neue nach, die gleich groß aussieht, aber leichter und schwächer ist. Damit blufft es: „Regenerated claws effectively bluff fighting ability and deter potential opponents before they fight.“ Auch die Weibchen fallen darauf herein. Bis zu 44 % der Männchen tragen solche Scheren (Patricia Backwell und Kollegen 2000). Das ist der Angeber in reiner Form: mehr zeigen, als da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Balz ruft den Angeber.&#039;&#039;&#039; Ein Dämon kann innerhalb desselben Menschen einen anderen zu Hilfe rufen. Die Balz ruft den Angeber, so wie beim Feigling die Angst den Täuscher ruft. Das ist eine Abfolge, keine Abstammung. Ein Feldversuch: Junge Skateboarder wagten riskantere Tricks, wenn eine attraktive Frau zusah, und ihr Testosteron stieg (Richard Ronay und William von Hippel 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Angeber vor Frauen – und vor Rivalinnen.&#039;&#039;&#039; Beim Menschen ist das Muster verbreitet. Derselbe Mann wirkt auf Frauen attraktiver, wenn er in einem Bentley sitzt; bei einer Frau am Steuer wirkt das nicht (Dunn &amp;amp; Searle 2010). Männer spenden deutlich mehr, wenn eine attraktive Frau zusieht; Frauen vor einem attraktiven Mann nicht (Iredale, Van Vugt &amp;amp; Dunbar 2008). Frauen geben auch an, nur anders: Sie investieren in Wirkung, Kosmetik ist eine ganze Industrie. Und Luxus zeigen sie oft anderen Frauen, als Mittel im Wettbewerb unter Rivalinnen (Hudders et al. 2014). Das ist wieder das Tier, das sich vor dem Rivalen größer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht jede Schminke und nicht jede teure Tasche ist Angeberei. Frauen tun das auch für sich selbst, nicht nur, um zu beeindrucken. Dann spricht [[#Geltung|Geltung]]: &#039;&#039;Ich bin wer.&#039;&#039; Das ist das gute Gefühl eines sicheren Reviers, kein Täuschen. Dasselbe Verhalten kann von verschiedenen Wesen kommen. Der Angeber braucht einen Zuschauer, den er übertrumpfen will. Geltung genügt sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsicht bei der Literatur: Viele Studien, die das Angeben durch „Paarungsstimmung“ auslösen wollten, ließen sich nicht wiederholen (Shanks et al. 2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stammesbruder ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Herde, Revierverhalten/Gebiet, Jagdtrieb · zu –&lt;br /&gt;
* Die Herde bringt das Zusammenhalten und das Ausstoßen der Abweichler, der Jagdtrieb die gemeinsame Jagd auf Minderheiten: Wölfe jagen gemeinsam und töten fremde Wölfe, die Schimpansen von Gombe stellten die Abtrünnigen in Gruppen und töteten sie einzeln.&lt;br /&gt;
* Verwandt: Revierverhalten/Gebiet; Fan und Kamerad; Verachtung gegen die Fremden.&lt;br /&gt;
* Wirkt bei vielen Wesen mit: beim Streber, beim Held, beim Krieger, beim Zwerg. Darum ist er kein Elternteil des Zwergs, sondern ein eigener Dämon.&lt;br /&gt;
* Trigger: die Kennzeichen (Trikot, Fahne, Dialekt), eine Bedrohung von außen, ein Abweichler in den eigenen Reihen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stammesbruder ist fundamental&lt;br /&gt;
Das wirkt bei ziemlich allen Gruppen Bildungen mit auf denen Zivilisationen beruhen&lt;br /&gt;
In Wahrheit gibt es nicht Nationen oder Firmen oder Gesellschaften oder Kunst oder Wissenschaft als Verbindung von Menschen&lt;br /&gt;
Da verbinden sich Menschen zu einem Stamm mit 50 anderen Menschen die sie kennen&lt;br /&gt;
Das ist die wirkende Dynamik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es ein Thema braucht mit dem sich ein Stamm identifiziert&lt;br /&gt;
Eine Lehre&lt;br /&gt;
Eine Ideologie&lt;br /&gt;
Aber abgesehen von Sinn oder Unsinn&lt;br /&gt;
Was da passiert ist Stammesverhalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es einen Kanon an gemeinsamen Symbolen, Masken, Kleidung, Haarschnitt, Fahnen, Ritualen, Sprüchen , Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wird auch peinlich darauf geachtet dass das eingehalten wird von denen die dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind die die nicht dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die wird mindestens herab geschaut&lt;br /&gt;
Und wenn es schlimm kommt gibt es auch Krieg und Verfolgung&lt;br /&gt;
Das ist eine unschöne Seite davon&lt;br /&gt;
Oft werden da Minderheiten gesucht&lt;br /&gt;
Als Feind der die Gruppe bedroht&lt;br /&gt;
Um die Truppe folgsam zu machen gegen den gemeinsamen Feind&lt;br /&gt;
Der Dämon Stammesbruder übernimmt das Ruder und schaltet das kritische Denken aus&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand ist Mitglied vom Stamm. Stammesverhalten ist ein mächtiger Trieb, der sehr viel menschliches Verhalten erklärt. Überall bilden wir Gruppen mit einheitlichen Kennzeichen. Und um in die Gruppe aufgenommen zu werden, muss man Hürden überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie schnell er da ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Robbers Cave, 1954: Zwei Gruppen von Jungen im Ferienlager, die sich vorher nicht kannten. Nach wenigen Tagen hatten sie Namen, die „Adler“ und die „Klapperschlangen“, eigene Fahnen und eigene Regeln. Bald verbrannten sie die Fahne der anderen und überfielen deren Hütte.&lt;br /&gt;
* Tajfel, 1970er-Jahre: Schüler wurden angeblich danach eingeteilt, ob sie Bilder von Klee oder von Kandinsky lieber mögen. In Wahrheit war es Zufall. Trotzdem gaben sie beim Verteilen von Geld der eigenen Gruppe mehr und verzichteten sogar auf Geld, nur damit der Abstand zur anderen Gruppe größer wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Hürde:&#039;&#039;&#039; 1959 mussten Studentinnen, um in eine Diskussionsgruppe zu kommen, vor einem Mann peinliche Wörter laut vorlesen. Danach hörten alle dieselbe absichtlich langweilige Diskussion. Wer die peinliche Aufnahme durchgemacht hatte, fand die Gruppe besonders gut. Je höher die Hürde, desto wertvoller die Gruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen und Hürden:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Militär&#039;&#039;&#039;: Kopf kahl, Uniform, Grundausbildung, Drill. Der Einzelne wird abgelegt, die Truppe wird angezogen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fußball&#039;&#039;&#039;: Schal, Trikot, Fangesänge. Schalke und Dortmund liegen 30 Kilometer auseinander und hassen sich neunzig Minuten lang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Berufe&#039;&#039;&#039;: Der Zimmermann auf der Walz in schwarzer Kluft, drei Jahre und einen Tag unterwegs, nicht näher als 50 Kilometer an seinen Heimatort. Der Doktortitel bei den Akademikern. Die verschlüsselte Fachsprache des [[Zwerg]]s ist das Kennzeichen seines Stammes, der Aufnahmeritus.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Studentenverbindungen&#039;&#039;&#039;: der Schmiss von der Mensur, eine Narbe im Gesicht als Kennzeichen fürs Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alt:&#039;&#039;&#039; In Gombe in Tansania hat sich in den 1970er-Jahren eine Schimpansengruppe gespalten. Über vier Jahre hat die größere Gruppe die Männchen der abgespaltenen Gruppe einzeln aufgespürt und getötet. Vorher waren es Gruppenmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Stamm von 50:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der Anthropologe Robin Dunbar hat gezählt, wie groß menschliche Gruppen von selbst werden: etwa 5 enge Vertraute, 15 gute Freunde, 50 Leute, mit denen man lagert und jagt, 150, die man noch beim Namen kennt. Die 50 ist bei Jägern und Sammlern die Größe eines Lagers.&lt;br /&gt;
* Die Armeen haben das immer gewusst. Der Zug hat 30 bis 50 Mann, die Kompanie um die 150. Bei den Römern teilten sich 8 Mann ein Zelt.&lt;br /&gt;
* Shils und Janowitz befragten 1948 gefangene Wehrmachtssoldaten, warum sie bis zuletzt weiterkämpften, als der Krieg längst verloren war. Nicht die Ideologie hielt sie. Die meisten kämpften für die Männer neben ihnen im Graben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Thema ist austauschbar:&#039;&#039;&#039; Bei Tajfel reichte die Frage, ob einem Klee oder Kandinsky besser gefällt, und in Wahrheit nicht einmal das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Peinlich genau eingehalten:&#039;&#039;&#039; Wer aus der eigenen Gruppe abweicht, wird härter verurteilt als ein Fremder, der dasselbe tut. Die Psychologen nennen das den Schwarze-Schaf-Effekt. Der Abtrünnige ist schlimmer als der Feind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das kritische Denken ausgeschaltet:&#039;&#039;&#039; Solomon Asch, 1951. Eine Versuchsperson sitzt mit sieben anderen am Tisch, die heimlich eingeweiht sind. Alle sollen sagen, welche von drei Linien so lang ist wie eine vierte. Die Antwort ist offensichtlich. Aber die sieben sagen nacheinander laut die falsche. Etwa drei von vier Versuchspersonen haben mindestens einmal mitgemacht und gegen ihre eigenen Augen die falsche Linie genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gemeinsame Feind:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Wort Sündenbock kommt aus der Bibel. Am Versöhnungstag legte der Priester die Sünden des Volkes einem Ziegenbock auf und jagte ihn in die Wüste.&lt;br /&gt;
* Im Ferienlager von Robbers Cave wurden die verfeindeten Gruppen am Ende durch eine gemeinsame Bedrohung versöhnt: Die Wasserleitung des Lagers war angeblich sabotiert.&lt;br /&gt;
* Göring erklärte 1946 in Nürnberg dem Gefängnispsychologen Gilbert sinngemäß: Das Volk lässt sich immer zum Krieg bringen. Man muss ihm nur sagen, es werde angegriffen, und die Friedensfreunde als Vaterlandsverräter hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“&#039;&#039; → Freund oder Feind, kein Drittes.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das macht man bei uns nicht.“&#039;&#039; → Die Regel des Stammes, ohne Begründung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Die da.“&#039;&#039; → Der Fremde braucht keinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die andere Seite:&#039;&#039;&#039; Derselbe Dämon trägt den verletzten Kameraden aus dem Feuer. Ohne ihn gäbe es keine Feuerwehr und keine Bergwacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; sein Ruf-Name.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_4:_Leib,_Nest_und_Lust&amp;diff=964</id>
		<title>Wesen 4: Leib, Nest und Lust</title>
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		<updated>2026-11-01T00:58:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Begehren: Bannung, Handlungsweise, Gefühl, Eigenleben, Verbindungen, Lust statt Kinder&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die übrigen Wurzeln unter HOMO.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · &#039;&#039;&#039;Leib, Nest und Lust&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wuff Wuff (betteln um Anerkennung) ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Streber&lt;br /&gt;
* Die bettelnde Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HOMO ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Odem, Durst, Sunny, Balz, Elter, Sammler, Putz, Urschlummer, Beutetier, Hunger/Schlemmer, Raubtier, Herde, Begehren, Elf&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Odem ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Durst ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sunny ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hunger/Schlemmer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekel, Schmauß, Schmatz, Schmack, Trank, Mijam&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Völlerei), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekel ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Ekel]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Horror, Öde, Verachtung, Nase rümpfen, Hass&lt;br /&gt;
* Spruch: „Pfui“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Verdorbene und Verunreinigte vom Mund und vom Körper fernhalten. Der Dämon will, dass es weg ist, oder dass man selbst weg ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kot, Erbrochenes, Aas, Schimmel, Maden, Schleim, fremde Körperflüssigkeiten. Dazu alles, was damit in Berührung kam.&lt;br /&gt;
* Bannung: Abstand oder Reinigung. Er beruhigt sich, wenn das Ekelhafte weg ist oder man sich gewaschen hat.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Nase ist gerümpft, die Oberlippe nach oben gezogen, der Mund verzogen, oft wird die Zunge herausgestreckt oder es würgt.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf geht zurück, der Körper dreht sich weg, die Hände wehren ab. Man hält Abstand.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rangordnung und Reinheit.&#039;&#039;&#039; In vielen Kulturen oder Religionen wird eine Rangordnung gemacht: Reinheit, oder der Reine, im Gegensatz zum Unreinen. Bevor sich das vergeistigt hat, war das nichts Symbolisches. Das steht schon bei Nietzsche. Jedenfalls beinhaltet der Ekel eine Abscheu mit Blick auf den Unreinen, und darin ist eine Rangordnung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ja und Nein.&#039;&#039;&#039; Man sagt Ja und Nein und hält das für logische Kategorien. Aber letztendlich stammt das von körperlichen Reaktionen und basiert darauf und erhält auch heute noch daher den Sinn. Ekel ist eine Abwehr. Bei einem stärkeren Nein ist da auch Verärgerung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche schreibt in der &#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; ([http://www.thenietzschechannel.com/works-pub/gm/gm-1g.htm 1887, erste Abhandlung, §6]), dass „rein“ und „unrein“ sich zum ersten Mal als Ständeabzeichen gegenüberstehen. Man solle die Begriffe nicht symbolisch nehmen: Sie seien anfangs „grob, plump, äusserlich, eng, geradezu und insbesondere unsymbolisch“ verstanden worden. Der „Reine“ sei von Anfang an bloß „ein Mensch, der sich wäscht, der sich gewisse Speisen verbietet, die Hautkrankheiten nach sich ziehen, der nicht mit den schmutzigen Weibern des niederen Volkes schläft, der einen Abscheu vor Blut hat“. Dumont ([https://books.google.com/books/about/Homo_Hierarchicus.html?id=XsOtRGdvIigC &#039;&#039;Homo Hierarchicus&#039;&#039;]) beschreibt das indische Kastensystem durch den Gegensatz von rein und unrein: Die Brahmanen stehen für höchste Reinheit, die Unberührbaren für höchste Unreinheit. Mary Douglas (1966) bestimmt Schmutz als „matter out of place“, als Stoff am falschen Platz. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10234846/ 1999]) ordnen drei Gefühle drei Moralordnungen zu: Ekel gehört zur Verletzung der Ordnung von Reinheit und Heiligkeit, Ärger zur Autonomie, Verachtung zur Gemeinschaft. Royzman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24866519/ 2014]) fanden bei Verletzungen der Reinheitsordnung ohne Krankheitsbezug vor allem Ärger und nicht Ekel. Ob Ekel und Ärger dabei zusammenwirken oder sich ersetzen, ist umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Schutz vor dem, was man in den Mund nehmen würde.&#039;&#039;&#039; Rozin und Fallon ([https://psycnet.apa.org/record/1987-12972-001 1987]) definieren Ekel als Abscheu vor dem Gedanken, etwas Anstößiges in den Mund zu nehmen. Curtis, de Barra und Aunger ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3013466/ 2011]) sehen ihn als ein System, das vor Ansteckung schützt. Der Dämon ist also eine Wache an der Tür des Körpers.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Berührung zählt.&#039;&#039;&#039; Rozin, Millman und Nemeroff ([https://cognitionandculture.net/wp-content/uploads/89LawsSympMagicJPSP86-1wzdvkv.pdf 1986]) ließen Versuchspersonen Saft trinken. Hatte eine sterilisierte tote Kakerlake ihn kurz berührt, wurde er abgelehnt. Auch Schokolade in der Form von Hundekot wollten viele nicht essen, obwohl sie wussten, was es war. Der Dämon fragt nicht nach Wissen. Er reagiert auf die Berührung und auf die Ähnlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel vor Menschen und Taten.&#039;&#039;&#039; Chapman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251631/ 2009]) fanden, dass bittere Geschmäcker, Bilder von Verschmutzung und unfaire Angebote in einem Spiel denselben Gesichtsmuskel (Levator labii) aktivierten, der die Oberlippe hebt. Moralischer Ekel benutzt also dieselbe Mimik wie Ekel vor Essen. Von dort kommt die Spur zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] und [[#Nase rümpfen|Nase rümpfen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird übertragen.&#039;&#039;&#039; Die Reaktion von Ekel wurde übertragen und zeigt sich nicht nur in Bezug auf Speisen oder Schmutz, sondern als Abscheu vor Verbrechern oder Minderheiten. Auch das Nase rümpfen gehört dazu. Eine ursprüngliche körperliche Reaktion wurde kultiviert und wird für verschiedene Funktionen eingesetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird gelernt.&#039;&#039;&#039; Interessant ist auch, dass das Objekt des Ekels teilweise erst durch die Mutter erlernt wird, zum Beispiel Regenwürmer oder Ausscheidung. „Iiiih. Das ist ekelhaft. Fass das nicht an.“ Das ist direktes Lernen. Das Kind sieht die körperliche Reaktion der Mutter, den Abscheu im Gesicht, und lernt den Ekel vor dem Objekt aus diesem Vorbild. So wird diese Verknüpfung erlernt.&lt;br /&gt;
:Rozin, Haidt und Fincher ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251619/ 2009], „From Oral to Moral“) vertreten, dass Ekel als Ablehnung schlechter Geschmäcker begann und sich zu einer abstrakten Emotion ausdehnte. Tybur u. a. ([https://www.ovid.com/00006832-201301000-00003 2013]) schreiben, dass Ekel zunächst die Vermeidung von Krankheitserregern motivierte und später für die Vermeidung von Sexualkontakt und für moralische Verstöße genutzt wurde. Die Fachwörter dafür sind „Preadaptation“ und „Co-optation“. Harris und Fiske ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17100784/ 2006]) zeigten Versuchspersonen im Scanner Bilder von Obdachlosen und Süchtigen. Nach den Zusammenfassungen fehlte dabei die übliche Aktivierung für das Denken über andere Menschen, dafür waren Amygdala und Insula aktiv; die Insula gilt als Ekelregion. Stevenson u. a. ([https://researchers.mq.edu.au/en/publications/childrens-response-to-adult-disgust-elicitors-development-and-acq/ 2010]) untersuchten Kinder von 0 bis 18 Jahren: Kernauslöser wie Kot erscheinen zuerst, Eltern kleiner Kinder zeigten ihren Kindern mehr Ekel und mehr Meidung, und die Reaktion der Kinder auf Tiere und auf sozial-moralische Auslöser entsprach der Reaktion der Eltern. Für Kot nennt die Zusammenfassung diesen Zusammenhang nicht, und kleine Kinder ohne Wissen über Ansteckung reagierten auf Kernauslöser ebenso stark wie Gleichaltrige mit diesem Wissen. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3740830/ 1986]) fanden bei Kindern ab 16 Monaten, dass die Jüngsten mehr Ekelhaftes annahmen, die Mehrheit aber das meiste ablehnte. Dass das Kind den Ekel von der Mimik der Mutter lernt, ist mit diesen Studien nicht direkt nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel ist angeboren.&#039;&#039;&#039; Der Ekel gehört natürlich zu den Urdämonen. Der Psychologe Paul Ekman hat bei Naturvölkern dieselbe Mimik des Ekels dokumentiert wie bei uns. Also ist sie angeboren. Jemand las einen Text. In Zeitlupe war im Gesicht die Mimik starker Abscheu zu sehen. Das war ein Mikroausdruck von Ekel: die Abwehr im Augenblick, in dem eine Textstelle nicht verstanden wurde.&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Mimik des Ekels und das Deuten dieser Mimik sind zu trennen. Zur Mimik: Matsumoto und Willingham ([https://www.eurekalert.org/news-releases/695433 2009]) fanden bei Athleten der Paralympics 2004, die von Geburt an blind waren, dieselben spontanen Gesichtsausdrücke wie bei sehenden Athleten. Ich kenne nur Zusammenfassungen. Ob Ekman bei den Fore auch selbst gezeigte Ekel-Mimik dokumentiert hat, konnte ich nicht belegen. Zum Deuten: Ekman, Sorenson und Friesen (1969, &#039;&#039;Science&#039;&#039; 164) ließen Fore und Sadong Gesichtsausdrücke zuordnen. Die Fore erkannten den Ausdruck für Ekel und Verachtung zu 29 % (Pidgin) bzw. 44 % (Fore-Sprache), die Sadong wählten am häufigsten „Trauer“ (26 %) und „Freude“ (23 %). Ekman und Friesen (1971, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 17) gaben den Fore Geschichten und drei Gesichter zur Wahl: Erwachsene wählten das Ekel-Gesicht zu 77 % bzw. 89 % (Zufall: 33 %), Kinder bei zwei Gesichtern zu 95 % bzw. 78 % (Zufall: 50 %). Ich kenne die Zahlen aus einem Lehrbuch (Yarwood), das die Tabellen wiedergibt. Das Deuten gelingt beim Ekel also schlechter als bei Freude. Gegenposition: Barrett u. a. (2019) bestreiten, dass sich Gefühle verlässlich aus dem Gesicht lesen lassen. Zum Mikroausdruck beim Nichtverstehen habe ich keine Studie gefunden. Rozin und Cohen ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12899317/ 2003]) fanden bei Amerikanern im Alltag häufig Ausdrücke, die sie als Verwirrung, Konzentration und Sorge deuteten; Verwirrung hat dort einen eigenen Ausdruck. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8014832/ 1994]) beschreiben verschiedene Ekel-Gesichter für verschiedene Auslöser. Pochedly u. a. fanden, dass das Gefühl, das man dem Naserümpfen zuschreibt, davon abhängt, welche Gesichter vorher gezeigt wurden. Ich kenne alle drei nur aus den Zusammenfassungen. Der Ekel beim Nichtverstehen bleibt damit eine Beobachtung; sie passt zu „Der Ekel wird übertragen“. Zu Urgefühlen, Mikroausdrücken und Verhör siehe [[Grundlagen#Das Unbewusste|Das Unbewusste]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kinder.&#039;&#039;&#039; [[#Öde|Öde]] ist der Ekel vor dem Geschmacklosen. [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] entsteht aus Ekel und [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; Wer Menschen mit „Ungeziefer“ oder „Dreck“ belegt, ruft den Ekel gegen sie. Dann wird aus der Hygiene eine Ausgrenzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Öde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Nörgler&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nase rümpfen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Lästerer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmauß ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmatz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmack ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mijam ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Balz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Liebe, Eifersucht&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aphrodite ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit und Anmut eines Menschen, ohne dass man den Akt beabsichtigt oder sich ihn ausmalt. Man fühlt sich in der Nähe dieses Menschen gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes. Schönheit stimuliert, und vielleicht gehört etwas Verliebtheit dazu. Man will für die Verehrte etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Aber etwas Nichtmaterielles will man doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Getrennt vom Begehren.&#039;&#039;&#039; Die sexuelle Absicht ist davon getrennt, auch wenn sie oft folgt. Umgekehrt gibt es Männer, die jede nehmen, die die Reize hat, unabhängig vom Charakter der Frau, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hindernisse.&#039;&#039;&#039; Was die Verehrung verhindern kann, ist bei jedem anders, etwa Falschheit oder Einbildung. Wer sie beim anderen findet, kann ihn nicht mehr verehren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Macht.&#039;&#039;&#039; Aphrodite ist mächtig und verbreitet. Die halbe Zivilisation hängt davon ab, von Mode und Kosmetik bis zu Kunst, Musik und Architektur, und es wird viel dafür getan, selbst bewundert zu werden oder Schönheit zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Liebe ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Beschützer, Verehrung/Bewunderung · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Liebe ist, dass einem der andere wichtig ist und man ihn schützen will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] hat dabei eine ganz starke Rolle. Die Liebe kann eine sexuelle Komponente haben, aber die kann auch fehlen. Die Mutter liebt ihr Kind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Liebe und Begehren.&#039;&#039;&#039; Begehren gibt es auch ohne Liebe, und Liebe auch ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Wo beides zusammenkommt, ist es [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Und die Bewunderung.&#039;&#039;&#039; Die Liebe hat auch von der Verehrung etwas, vom Staunen über den anderen. Die Bewunderung der Schönheit ist [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eifersucht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Sammler, Zorn, Verehrung/Bewunderung, Revierverhalten/Gebiet, Elter · zu Stalker&lt;br /&gt;
* Der Kern ist das Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: der Rivale; der Blick des geliebten Menschen zu einem Dritten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kern:&#039;&#039;&#039; Die Gefahr, eine Bindung zu verlieren, und zwar an einen Rivalen. Das ist Revierverhalten: Ein Rivale dringt in mein Revier ein, und das Revier ist hier eine Bindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Älter als Balz und Besitz:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Die Mutter spielt liebevoll mit einer lebensechten Puppe statt mit ihrem sechs Monate alten Baby. Das Baby wird unruhig und unglücklich, deutlich mehr, als wenn die Mutter nur in ein Buch schaut. Ein Säugling hat keine Balz und keinen Begriff von Besitz.&lt;br /&gt;
* Der Besitzer streichelt einen Stoffhund, der bellt und mit dem Schwanz wedelt. Viele Hunde drängen sich dazwischen, manche schnappen nach dem Stoffhund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es gibt verschiedene Arten von Eifersucht, je nach Art der Bindung:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Liebenden&#039;&#039;&#039;, von der Balz: der Nebenbuhler. Das Kleinlibellen-Männchen hält das Weibchen nach der Paarung mit seinen Zangen am Hals fest und fliegt mit ihr im Tandem, während sie die Eier ablegt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Geschwistern&#039;&#039;&#039;, vom Elter: Ein Baby kommt nach Hause, und das ältere Kind, zwei oder drei Jahre alt, will plötzlich wieder die Flasche und macht wieder ins Bett. Josef: Jakob liebt ihn mehr als die anderen Söhne und schenkt ihm einen bunten Rock. Die Brüder werfen ihn in eine Grube und verkaufen ihn. Es geht um die Gunst des Vaters.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um Besitz&#039;&#039;&#039;, vom Sammler: „Er gehört mir.“ „Meine Frau.“ „Mein Schatz.“ Was man hat, gibt man nicht her.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um einen Verehrten&#039;&#039;&#039;, von der Verehrung: Der Lieblingsschüler des Meisters wird von den anderen beneidet. Der Fan ist eifersüchtig auf die Freundin des Stars.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Ausbruch&#039;&#039;&#039;, vom Zorn: wenn der Rivale da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wertlosigkeit und Zurückweisung:&#039;&#039;&#039; Man hat auch ein Gefühl der Wertlosigkeit, der Zurückweisung, wenn der besondere Mensch einen anderen vorzieht. Der Rivale nimmt nicht nur den Menschen weg. Er sagt durch seine bloße Existenz: Du bist weniger wert als ich. Im Kopf kreist die Frage: „Was hat er, was ich nicht habe?“ Man vergleicht sich und verliert. Das liegt nahe bei Schmach und Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eifersucht und Neid:&#039;&#039;&#039; Eifersucht fürchtet zu verlieren, was man hat, an einen Rivalen. Neid will haben, was der andere hat. Das Gefühl der Wertlosigkeit entsteht im Vergleich mit dem Rivalen. Da treffen sich beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird nicht bewertet. Eifersucht hat man in allen Kulturen gefunden, in denen man danach gesucht hat. Sie ist natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Venus ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Liebe, Mijam, Begehren, Kuschel · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Venus ist die Liebe mit Begehren. Zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] kommen das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]], der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Kuschel|Kuschel]] mit der Lust an der Berührung und der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Mijam|Mijam]] mit der Lust am Genuss. Alle diese Teile gibt es auch einzeln. Begehren gibt es ohne Liebe, und Liebe ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Venus ist der Fall, in dem alles zusammenkommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]] bewundert die Schönheit, ohne den Akt zu beabsichtigen. Das Begehren nimmt, was die Reize hat, ohne Rücksicht auf den Charakter. Venus verbindet die Liebe mit dem Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begehren ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekstase, Venus&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Wollust), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du gefällst mir.“ „Bleib noch.“ „Komm näher.“ „Du siehst heute gut aus.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Berührung, Nähe und Vereinigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Ekel|Ekel]] und [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]].&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Pupillen sind weit, die Lippen leicht geöffnet, der Blick bleibt hängen, wendet sich ab und kehrt zurück.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Körper wendet sich dem anderen zu, sucht Nähe und Berührung, die Stimme wird leiser und tiefer.&lt;br /&gt;
* Bannung: Befriedigung beruhigt das Begehren vorübergehend. Auch Ablenkung, das Vermeiden von Reizen und eine bewusste Neubewertung der Situation können seinen Einfluss vermindern. Das Verlangen ist aber kein Befehl. Man kann es empfinden, ohne ihm zu folgen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Begehren richtet den Menschen auf einen anderen Menschen aus und treibt ihn zur sexuellen Vereinigung. Ein Reiz weckt es, die Erfüllung stillt es.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trigger.&#039;&#039;&#039; Etwas fungiert als Trigger, was vorher keiner war. Begehren ist in der Entwicklung flüssig. Der Mensch hat gelernt, aufrecht zu gehen. Jetzt waren die Reize von hinten nicht mehr da, also brauchte es vorne auch Reize für die Stimulation. Außerdem wurde die Kindheit länger, also wurden die Milchdrüsen länger gebraucht. Auf einmal wurden Brüste sexy. Milchdrüsen haben auch Tiere, vielleicht waren es zuerst Fettreserven.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Form, Kontext, Schablone.&#039;&#039;&#039; Ein Trigger besteht aus drei Teilen: einem Merkmal, einem Zusammenhang und einer Richtung des Begehrens. Brustwarzen sehen bei Mann und Frau ähnlich aus und lösen doch nur im Zusammenspiel mit der Richtung aus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angeborene und gelernte Auslöser.&#039;&#039;&#039; Es gibt Auslöser, die bevorzugt wirken: ein Taille-Hüft-Verhältnis um 0,7, Jugend, Gesundheit. Daneben kann das Begehren auf andere Reize geprägt werden. Beim Fetischisten sind es Gummi, Büstenhalter oder Schuhe. Der geprägte Auslöser wirkt wie ein angeborener: Er erregt und er befriedigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Übernormale Reize.&#039;&#039;&#039; Ein Reiz kann stärker wirken als sein Vorbild: Lippenstift, Zucker, Fett, Bildbearbeitung. Die Silbermöwe brütet auf einem Ei, das größer ist als ihr eigenes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Reiz verspricht.&#039;&#039;&#039; Der Reiz verspricht den Vollzug und weckt den Dämon. Das ist seine Funktion. Der Duft macht Hunger auf Brötchen. Die Schachtel macht Japp auf den Kick vom Nikotin.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Trigger.&#039;&#039;&#039; Knappheit (nur noch zwei), Nachahmung (der andere will es, also will ich es auch), Neuheit (das Überraschungsei), Besitz (was mir gehört, wird wertvoll), Zeichen für Belohnung (die Verpackung, der Geruch aus der Bäckerei), Status (das Auto des Nachbarn).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sperre.&#039;&#039;&#039; Gegenspieler der Trigger ist die Gewöhnung. Wer als Kind zusammen aufwächst, findet sich später nicht mehr anziehend, und wer etwas zu lange hat, mag es nicht mehr.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Gas und Bremse.&#039;&#039;&#039; Das Begehren hat zwei getrennte Systeme: eines, das erregt, und eines, das hemmt. Menschen unterscheiden sich in beidem (Bancroft &amp;amp; Janssen 2000). Gehemmt wird durch die Angst zu versagen und durch die Angst vor den Folgen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Ekel als Gegenspieler.&#039;&#039;&#039; Speichel, Schweiß und Körpergerüche wecken außerhalb der Lust Ekel. Sexuelle Erregung schwächt den Ekel (PLoS ONE 2012). Umgekehrt dämpfen Zeichen von Krankheit und Schmutz die Erregung (PLoS ONE 2015).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust kommt oft erst beim Tun.&#039;&#039;&#039; Das Begehren muss nicht vor dem Reiz da sein. Oft entsteht es erst, wenn der Reiz wirkt. Basson hat das 2000 für Frauen beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Zeichen.&#039;&#039;&#039; Frauen steuern die Begegnung zwischen Fremden und entscheiden über deren Ausgang (Grammer u. a. 2000, Videoanalyse). Männer erkennen einen weiblichen Gesichtsausdruck zuverlässig als Flirt (Journal of Sex Research 2020).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Pupille.&#039;&#039;&#039; Die Pupille erweitert sich bei erotischen Bildern innerhalb einer halben Sekunde (Psychophysiology 2017). Bei heterosexuellen und schwulen Männern folgt sie klar der Ausrichtung des Begehrens, bei Frauen weniger deutlich (Rieger u. a. 2015; Meta-Analyse 2021). Sie verrät den Erregten. Schöner macht sie ihn nicht: Engere Pupillen wirken sogar attraktiver (Cognition 2024).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Stimme.&#039;&#039;&#039; Männer senken die Stimme, wenn eine Frau begehrt ist und wenn sie bei einer Verabredung die Frau gewählt haben (Proceedings B 2019). Bei Jägern und Sammlern haben Männer mit tiefer Stimme mehr Kinder (Apicella u. a. 2007).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Abwechslung.&#039;&#039;&#039; Begehren und Erregung sinken bei Gewöhnung an den Partner und steigen bei einem neuen (Übersicht 2014). In Versuchen zeigen Männer stärkere Vorliebe für sexuelle Abwechslung, den Coolidge-Effekt (Archives of Sexual Behavior 2020). Eine Befragung in 52 Ländern fand den Wunsch nach mehr Partnern bei Männern durchgehend (Schmitt 2003).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust, Anziehung, Bindung.&#039;&#039;&#039; Bei Säugetieren trennt Fisher (1998) drei Systeme: die Lust, die zur sexuellen Vereinigung treibt, die Anziehung zu einem bestimmten Partner und die Bindung. Das Begehren ist die erste. Die beiden anderen entsprechen [[#Venus|Venus]] und dem Wesen der [[#Liebe|Liebe]]. Der Kuss dient dabei auch der Prüfung des Partners, besonders bei Frauen (Hughes &amp;amp; Kruger 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Das Begehren lenkt die Aufmerksamkeit auf sexuelle Reize. Es verändert die Wahrnehmung: Ein Mensch wird plötzlich nicht mehr hauptsächlich als Gesprächspartner, sondern als begehrenswerter Körper wahrgenommen. Es kann Annäherungsverhalten, Flirten, Imponieren, Fantasieren und die Suche nach Intimität auslösen. Bei starker Aktivierung verändert es sogar die Bewertung von Risiken und Konsequenzen. Was vorher unvernünftig erschien, kann plötzlich verlockend wirken. Dabei ist es nicht zwangsläufig rücksichtslos. Sexuelles Begehren kann mit Zärtlichkeit, Rücksicht und gegenseitiger Lust verbunden sein. Es kann aber auch mit Besitzdenken, [[#Eifersucht|Eifersucht]] oder Dominanzstreben zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was es fühlt.&#039;&#039;&#039; Das charakteristische Gefühl ist Lust auf etwas, das noch nicht stattgefunden hat. Dazu gehören körperliche Erregung, Erwartung, Spannung, Ungeduld und ein starkes Hinziehen zum begehrten Menschen. Das unterscheidet es vom [[#Mijam|Mijam]]: Der Mijam erfreut sich an einer gegenwärtigen Empfindung. Das Begehren verlangt nach einer zukünftigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Eigenleben.&#039;&#039;&#039; Sexuelles Begehren kann ohne bewusste Entscheidung entstehen. Ein Reiz aktiviert den Trieb, der anschließend selbst nach weiteren Reizen sucht. Er kann Erinnerungen hervorrufen, Fantasien entwickeln und die Aufmerksamkeit immer wieder auf sein Ziel zurücklenken. Das Begehren erzeugt damit teilweise selbst die Bedingungen für seine weitere Aktivierung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Verbindungen.&#039;&#039;&#039; Das Begehren kann sich mit anderen Wesen verbinden:&lt;br /&gt;
::* [[#Beschützer|Beschützer]]: Aus sexueller Anziehung entwickelt sich Zärtlichkeit und Fürsorge.&lt;br /&gt;
::* [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]: Der sexuelle Erfolg wird zum Beweis der eigenen Attraktivität.&lt;br /&gt;
::* [[#Eifersucht|Eifersucht]]: Das Begehren will verhindern, dass ein anderer bekommt, was es selbst begehrt.&lt;br /&gt;
::* [[#Venus|Venus]]: Das sexuelle Verlangen verbindet sich mit Idealisierung und dem Wunsch nach dauerhafter Nähe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lust, nicht Kinder.&#039;&#039;&#039; Das Begehren verfolgt kein bewusstes Fortpflanzungsziel. Evolutionär wurde der Trieb durch seinen Beitrag zur Fortpflanzung begünstigt. Aber das Wesen selbst will Lust, nicht Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekstase ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Begehren · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elter ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Beschützer, Nestbau, Eifersucht, Beschwichtiger&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschützer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Krieger · zu Liebe&lt;br /&gt;
* Hunger: Für ein Wesen sorgen. Das gibt Erfüllung und Sinn: Für jemand anderen zu sorgen, ist das, was die Frau meint, die verzweifelt Kinder bekommen möchte. Es ist auch ein Instinkt, der für den Fortbestand da ist. Eltern freuen sich über ihre Kinder. Auch der Enkel ist für die Großeltern ein großes Glück und eine Erfüllung. Eltern berichten etwas mehr Sinn im Leben als Nichteltern, bei Frauen deutlicher (Apostolou u. a. 2026). Eltern leben im Alter länger als Kinderlose, ab 60 etwa 2 Jahre bei Männern und 1,5 Jahre bei Frauen (Modig u. a. 2017). Großeltern, die Enkel betreuen, sind zufriedener (SHARE, 95.594 Befragte) und haben ein um 37 % niedrigeres Sterberisiko (Hilbrand u. a. 2017). Das Betreuen ist dabei der Faktor, nicht das bloße Dasein der Enkel.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit. Das Kindchenschema wirkt, die Bambi-Augen, auch bei Männern. Andere Tiere haben andere Trigger, bei Vögeln der aufgesperrte Schnabel der Jungen. Fremde Kinder sind auch süß, führen aber nicht zu dieser Fürsorge. Das hängt davon ab, ob man sich verbunden fühlt, und in der Regel gibt es am Anfang eine Prägung. Babys mit stärkerem Kindchenschema werden als süßer bewertet und wecken mehr Fürsorge (Glocker u. a. 2009). Bei Gull-Küken ist es der rote Fleck am Schnabel der Eltern (Tinbergen und Perdeck 1950). Mütter erkennen ihr Neugeborenes nach kurzem Kontakt am Geruch (Kaitz u. a. 1987). Bei Frauen wirken große Augen attraktiv (Cunningham 1986).&lt;br /&gt;
* Bannung: Durch Enttäuschung oder Zurückweisung. Eltern verstoßen ihren Sohn, wenn er in ihrer Vorstellung missraten ist: faul, frech, undankbar. Dazu gehört aber einiges. Meist bleibt die Mutterliebe trotzdem bestehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Pflege.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer pflegt die Nachkommen, das ist seine primäre Aktivität. Eltern opfern dafür sehr viel Zeit und Energie. Zu den Diensten gehören: Sicherheit im Heim (siehe [[#Nestbau|Nestbau]]), Ernährung, Lehre, Trost und Forderung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ernährung.&#039;&#039;&#039; Kohlmeisen-Eltern fliegen etwa 12 bis 15 Mal pro Stunde ans Nest (Barba u. a. 2009).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lehre.&#039;&#039;&#039; Bei Erdmännchen entschärfen Helfer Skorpione und geben den Jungen mit dem Alter lebendere Beute (Thornton und McAuliffe 2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trost.&#039;&#039;&#039; Junge Rhesusaffen klammerten sich an eine Stoffmutter und liefen bei Schreck zu ihr, auch wenn eine Drahtmutter sie fütterte (Harlow).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Forderung.&#039;&#039;&#039; Eltern, die warm sind und klare Regeln begründet fordern, haben die günstigsten Folgen für die Kinder (Baumrind).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Aufwand.&#039;&#039;&#039; Eltern von zwei Kindern wenden etwa 7,5 Stunden am Tag auf (Bryant und Zick 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verteidigung.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer spricht zuerst in Sorge:&lt;br /&gt;
:* Bist du warm genug angezogen?&lt;br /&gt;
:* Zieh dich warm an!&lt;br /&gt;
:* Isst du auch genug?&lt;br /&gt;
:* Fahr vorsichtig!&lt;br /&gt;
:* Ruf an, wenn du angekommen bist!&lt;br /&gt;
:* Warum meldest du dich nicht, ist was passiert?&lt;br /&gt;
:* Ich mach mir doch nur Sorgen.&lt;br /&gt;
:* Ich meine es doch nur gut mit dir.&lt;br /&gt;
:Dann in Zusagen:&lt;br /&gt;
:* Egal wann, egal von wo, egal was ist: Du rufst mich an und ich komme dich holen.&lt;br /&gt;
:* Du kannst IMMER nach Hause zurückkommen; wir werden immer für dich da sein!&lt;br /&gt;
:* Ganz egal, was passiert oder was du tust: Ich werde dich immer lieben!&lt;br /&gt;
:* Keine Angst, ich bin bei dir.&lt;br /&gt;
:* Dir passiert nichts, solange ich hier bin.&lt;br /&gt;
:* Ich passe auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Pass auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Du musst da nicht allein durch.&lt;br /&gt;
:* Komm, ich helfe dir.&lt;br /&gt;
:* Ich lasse dich nicht im Stich.&lt;br /&gt;
:* Du kannst dich auf mich verlassen.&lt;br /&gt;
:* Ich kümmere mich darum.&lt;br /&gt;
:* Solange ich da bin, wird keiner zurückgelassen.&lt;br /&gt;
:In der Verteidigung:&lt;br /&gt;
:* Lass ihn in Ruhe!&lt;br /&gt;
:* Niemand tut dir etwas.&lt;br /&gt;
:* Stell dich hinter mich.&lt;br /&gt;
:* Wenn du Streit willst, dann mit mir.&lt;br /&gt;
:* Leg dich mit jemandem an, der sich wehren kann!&lt;br /&gt;
:* Do not touch my kid.&lt;br /&gt;
:* don&#039;t touch peoples kids&lt;br /&gt;
:* yeah, I&#039;m not going to hand her over&lt;br /&gt;
:* ok but not HIS MOM&lt;br /&gt;
:Und wenn er zu weit geht:&lt;br /&gt;
:* Ich weiß, was gut für dich ist.&lt;br /&gt;
:* Das ist zu gefährlich für dich.&lt;br /&gt;
:* Lass mich das lieber machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mit dem Krieger.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer arbeitet mit dem Krieger zusammen. Eine Mutter kämpft auch gegen stärkere Feinde und entwickelt dabei Kräfte, die sie oft gewinnen lassen. Da schlägt auch ein Vogel einen starken Greifvogel in die Flucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überbehütung.&#039;&#039;&#039; Die Mutter will das Kind schützen und lässt ihm deshalb keinen Auslauf. Keine Erfahrung, die gefährlich sein könnte. Oder sie kaut ihm alles vor und schreibt ihm vor. Auch will sie nicht loslassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sie bewirkt.&#039;&#039;&#039; Das Kind lernt nicht, was es sich zutrauen kann. Wer nie hingefallen ist, kennt den Schmerz nicht und weiß nicht, wie man wieder aufsteht. Wer nie selbst entscheiden durfte, hat das Entscheiden nicht geübt und fragt weiter die Mutter. Es bleibt abhängig von ihr. Und weil sie nicht loslässt, kommt es auch später schwer los.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum sie nicht loslässt.&#039;&#039;&#039; Der Hunger des Beschützers bleibt, wenn das Kind selbstständig wird. Es fehlt ihm die Nahrung: jemand, für den er sorgen kann. Also hält die Mutter das Kind klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn die Kinder gehen.&#039;&#039;&#039; Die Kinder ziehen aus. Das Zimmer ist leer. Niemand muss mehr geweckt, bekocht und erinnert werden. Der Hunger bleibt, es fehlt die Nahrung. Manche Mütter rufen dann weiter täglich an und fragen, ob das Kind genug gegessen hat. Andere wenden sich den Enkeln zu, einem Haustier oder einer Aufgabe, in der sie für andere sorgen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn das Kind stirbt.&#039;&#039;&#039; Dann bleibt der Hunger bei einem Wesen, das nichts mehr zu versorgen hat. Manche Eltern lassen das Zimmer jahrelang so, wie es war. Das Sorgen hört nicht auf, es geht ins Leere. Viele Eltern sagen, das sei das Schlimmste, was ihnen geschehen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nestbau ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Sammler · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nest als Revier.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Das Gesetz kennt den Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird (§ 123 StGB).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es betreten wird.&#039;&#039;&#039; Einbruchsopfer reagieren mit Wut (72 %), Schlafstörungen (57 %) und Angst (39 %), viele fühlen sich verletzt (Victim Support 2005, 545 Opfer). Etwa ein Viertel ist ernsthaft erschüttert, nach über einem Monat hat sich nur ein Drittel erholt (British Journal of Criminology 1980, 322 Opfer).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Singvögel markieren ihr Revier mit Gesang, viele Säugetiere mit Duftmarken. Reicht die Ankündigung nicht, folgen Verfolgung und Kampf. Bei Möwen in Kolonien ist das Revier nur das Nest selbst. Wolfsrudel verteidigen das Gebiet, in dem sie jagen und leben (Britannica).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu.&#039;&#039;&#039; Das Revier dient der Brutpflege, ungestörter Paarung, der Nahrung für die Jungen und dem Abstand zu Artgenossen (Britannica).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschwichtiger ==&lt;br /&gt;
* Auch: Tröster&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe. Dass der Sturm sich legt, in einem selbst oder im anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Stress, Schmerz, Aufregung, die eigene oder die eines anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Das Kind hat sich wehgetan. Die Mutter nimmt es auf den Arm und sagt: „Ist ja gut, ist gleich vorbei.“ Das wiederholt sich, bis das Kind diese Stimme selbst hat. Der Beschwichtiger ist der Tröster, der nach innen gewandert ist. Er spricht zu einem selbst, wie damals die Eltern gesprochen haben. Weil man ihn hat, kann man ihn auch anderen leihen: Er tröstet, besänftigt, entschärft einen Streit. Er wirkt in beide Richtungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Wenn die Lage gespannt ist, gähnt der Hund, wendet den Kopf ab, schnüffelt am Boden oder leckt sich über die Nase. Die Hundetrainerin Turid Rugaas nennt das Beschwichtigungssignale. Schimpansen suchen nach einem Kampf den Kontakt: Die Gegner versöhnen sich mit einem Kuss, und ein Dritter umarmt den, der angegriffen wurde (de Waal und van Roosmalen 1979).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Die richtigen Sprüche sind wie ein Mantra und nehmen den Stress erst mal raus. Das muss man lernen und sich aneignen: Sich selbst in stressigen Momenten zu beruhigen.&lt;br /&gt;
:* Das ist ein lösbares Problem&lt;br /&gt;
:* Bleib cool&lt;br /&gt;
:* Morgen geht die Sonne auch noch auf&lt;br /&gt;
:* Es gibt Schlimmeres&lt;br /&gt;
:* Immer mit der Ruhe&lt;br /&gt;
:* Alles wird gut. Es wird alles gut.&lt;br /&gt;
:* Man muss das kosmisch sehen&lt;br /&gt;
:* Scheiß drauf&lt;br /&gt;
:* dumm gelaufen&lt;br /&gt;
:* Morgen lach` ich darüber&lt;br /&gt;
:* Immer schön der Reihe nach&lt;br /&gt;
:* Und wenn schon&lt;br /&gt;
:* Auch das geht vorbei&lt;br /&gt;
:* Irgend ne Scheiße hat man immer am Hacken&lt;br /&gt;
:* Eins nach dem Anderen&lt;br /&gt;
:* Erst mal schauen&lt;br /&gt;
:* Notfalls hole ich mir Hilfe&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie die Sprüche wirken.&#039;&#039;&#039; Sie schaffen Abstand. Abstand in der Zeit: „Morgen lach` ich darüber“, „Auch das geht vorbei“. Abstand im Raum: „Man muss das kosmisch sehen“, „Es gibt Schlimmeres“. Sie zerlegen den Berg: „Eins nach dem Anderen“, „Erst mal schauen“. Oder sie lassen los: „Scheiß drauf“, „Und wenn schon“. Bei „dumm gelaufen“ ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Kobold|Kobold]] nicht weit. Der Psychologe Ethan Kross hat gezeigt, dass schon die Form des Selbstgesprächs zählt: Wer unter Stress mit sich spricht wie mit einem anderen, mit dem eigenen Namen oder mit „du“ statt „ich“, hat weniger Angst und grübelt danach weniger (Kross u. a. 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne ihn.&#039;&#039;&#039; Ohne Beschwichtiger gerät man in Dauerstress oder Panik. Er beruhigt andere oder sich selbst. Auch Sportler sprechen sich vor der Leistung Mut zu. Muhammad Ali verkündete: „Ich bin der Größte.“ Er sagte, er habe es gesagt, noch bevor er es wusste, und es so oft wiederholt, bis die Welt es glaubte (Ali Center, „In His Own Words“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Stammesbruder&lt;br /&gt;
* Trigger: Gefahr, und vor allem die Flucht der anderen. Wenn einer rennt, rennen alle.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Die Herde ist die Wurzel und biologische Grundlage. Ohne diesen Instinkt gäbe es kein Stammesverhalten. Nietzsche nannte es den Herdentrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichheit schützt, Abweichung ist gefährlich:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Im Fischschwarm stößt niemand den Abweichler aus, das erledigt der Räuber. In einem Versuch wurden einige Fische farbig markiert. Die Raubfische schnappten bevorzugt die markierten, weil sie herausstachen. Darum suchen sich Fische Schwärme, in denen alle so aussehen wie sie selbst.&lt;br /&gt;
* Hat eine Henne eine Wunde oder einen roten Fleck, hacken die anderen darauf ein, manchmal bis zum Tod. Geflügelhalter hängen darum rotes Licht in den Stall.&lt;br /&gt;
* Am Eingang des Bienenstocks prüfen Wächterinnen den Geruch. Eine Biene mit fremdem Stockgeruch wird abgewehrt oder getötet. Reibt man eine Ameise mit dem Geruch eines fremden Nests ein, greifen ihre eigenen Schwestern sie an.&lt;br /&gt;
* E. O. Wilson bestrich lebende Ameisen mit Ölsäure, dem Geruch toter Ameisen. Die Schwestern trugen die lebende, zappelnde Ameise auf den Abfallhaufen. Sie kam zurück und wurde wieder hinausgetragen, bis der Geruch verflogen war. Das Kennzeichen zählt mehr als das, was man sieht.&lt;br /&gt;
* In Gombe brach 1966 Kinderlähmung aus. Jane Goodall beschrieb einen gelähmten Schimpansen, der sich nur noch schleppen konnte. Die anderen erschraken vor seiner fremden Bewegung, einige griffen ihn an, und sie wollten ihn nicht mehr lausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glück in der Menge:&#039;&#039;&#039; Die Herde ist die Anpassung an die Masse. Das Schaf ist glücklich in der Herde von Gleichgesinnten. Nach einem Konzert sagen die Leute: „Da war richtig viel los. Das war toll.“ Das ist pure Biologie.&lt;br /&gt;
* Émile Durkheim nannte es 1912 die kollektive Efferveszenz: Wenn eine Gemeinschaft zusammenkommt und gleichzeitig dasselbe denkt oder tut, wallt eine gemeinsame Energie auf, die den Einzelnen erregt und die Gruppe eint. Für Durkheim ist das die Wurzel der Religion: Die Energie der Versammlung geht auf ein Symbol oder einen Menschen über, und der wird heilig (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Fan|Fan]]).&lt;br /&gt;
* Bronwyn Tarr, Jacques Launay, Emma Cohen und Robin Dunbar ließen 2015 Menschen gemeinsam tanzen. Gleichzeitige Bewegung und Anstrengung erhöhten jede für sich die Schmerzschwelle, ein Zeichen für ausgeschüttete Endorphine, und stärkten die Bindung an die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Beim Pilgerfest Magh Mela in Indien hatten sich Gesundheit und Wohlbefinden der Pilger nach dem Fest verbessert (Tewari u. a. 2012). Wer die Menge als Gemeinschaft Gleichgesinnter erlebte, hatte ein besseres Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herde allein ist noch kein Stamm:&#039;&#039;&#039; Eine Gnuherde in der Serengeti zählt Hunderttausende Tiere. Keines kennt die anderen, kein Fremder wird ausgestoßen. Wer mitläuft, gehört dazu. Erst beim Wolfsrudel kennt jeder jeden, der Geruch ist das Kennzeichen, das Revier ist abgesteckt, und der fremde Wolf wird angegriffen. Im Yellowstone-Park ist der häufigste natürliche Tod eines Wolfs der Kampf mit einem fremden Rudel. Herde, dann Rudel und Revier, dann der [[#Stammesbruder|Stammesbruder]] mit Zeichen, Fahnen und Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nietzsche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* „Moralität ist Heerden-Instinct in dem Einzelnen.“ (Die fröhliche Wissenschaft, Aphorismus „Heerden-Instinct“)&lt;br /&gt;
* „Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in&#039;s Irrenhaus.“ (Also sprach Zarathustra, Vorrede)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geltung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Eitelkeit, Prahler, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]], [[Wesen 3: Beutetier#Verbittert|Verbittert]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Gerüchtemacher]]&lt;br /&gt;
* Hunger: etwas gelten, Bedeutung haben. Und wenn auch nur in einem Spezialgebiet oder vor bestimmten anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: übergangen werden, nicht beachtet werden; der eigene Platz in der Gruppe ist in Gefahr.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Jeder Mensch möchte Bedeutung haben, etwas gelten. Es geht um die Rangordnung in der Gruppe. Ein Einzelgänger hat keinen Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Hackordnung.&#039;&#039;&#039; Der Norweger Thorleif Schjelderup-Ebbe hat 1921 bei Hühnern die Hackordnung entdeckt: Jedes Huhn kennt seinen Platz, hackt die unter ihm und weicht denen über ihm aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Das Raubtier hat Geltung aus Stärke: Es hat Macht und Einfluss auf andere, auch gegen den Strom. Seinen Feinden erscheint es gefährlich. Die ihm folgen, tun es aus anderen Motiven, aus Achtung vor seinem Können und seiner Stärke. Das ist nicht der Gewaltherrscher, der gefürchtet und verachtet wird, sondern der vornehme Adlige. Überall gibt es Autoritäten, denen gefolgt wird wegen ihrer Entschlossenheit und ihres Könnens, in jeder Gruppe: im Sport, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Musik, in allem in Kultur und Zivilisation. Zwischen den Weltkriegen strömten junge Physiker zu Niels Bohr nach Kopenhagen; die Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten, galt als Privileg. Leonard Bernstein sagte über den Dirigenten Carlos Kleiber: „I have just heard the greatest living conductor in the world“. Und Kleiber selbst sagte einmal zu seinem Konzertmeister, als das Orchester ganz darauf konzentriert war, ihm zu folgen: „Let me follow you.“ Bei Apple sagte der Entwickler Bud Tribble 1981 über Steve Jobs: „Steve has a reality distortion field.“ Andy Hertzfeld beschrieb es als „a confounding melange of a charismatic rhetorical style, an indomitable will, and an eagerness to bend any fact to fit the purpose at hand“ (eine verwirrende Mischung aus einem charismatischen Redestil, einem unbeugsamen Willen und der Bereitschaft, jede Tatsache passend zu biegen). Gerade die Souveränen versuchen oft, was als unmöglich gilt. Es gehört immer Entschlossenheit dazu: neue Reviere erobern, auch kulturell (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]). Der Antrieb ist nicht die Anpassung. Am 9. Oktober 1903 schrieb die New York Times, eine Flugmaschine, die wirklich fliegt, könne in ein bis zehn Millionen Jahren entstehen. Am selben Tag schrieb Orville Wright in sein Tagebuch: „We started assembly today.“ 69 Tage später flogen die Brüder Wright. John F. Kennedy sagte 1962 in Houston: „We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard“; 1969 landeten Menschen auf dem Mond. Christo und Jeanne-Claude arbeiteten 24 Jahre daran, den Reichstag zu verhüllen, und trafen dafür 352 Abgeordnete; 1995 war er verhüllt. Ob ein Versuch gelingt oder scheitert, sagt nichts über die Haltung. Hinterher ist man immer schlauer: Wer den Ausgang kennt, hält ihn für viel wahrscheinlicher, als er es vorher getan hätte, und merkt es nicht (Fischhoff 1975). Max Weber nannte diese Herrschaft charismatisch: Sie beruht „auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person“. Nietzsche: „Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubthier, die prachtvolle nach Beute und Sieg lüstern schweifende blonde Bestie nicht zu verkennen; es bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung, das Thier muss wieder heraus, muss wieder in die Wildniss zurück“ (&#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; I 11; siehe [[Die Entstehung der Seele#Kanalisieren statt ausrotten|Kanalisieren statt ausrotten]]). Auch der Herdenmensch will Geltung haben, aber sie wird ihm durch die Zustimmung anderer gegeben: Preise und Auszeichnungen. Das ist die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]. Wer wenig Souveränität hat, holt sich Rang und Geltung von jemandem, dessen Meinung wichtig ist: [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]], die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]], der [[#Poser|Poser]]. Napoleon sagte 1802 zur Gründung der Ehrenlegion: „C&#039;est avec des hochets que l&#039;on mène les hommes.“ (Mit Rasseln lenkt man die Menschen.) Beides ist nicht eindeutig getrennt, sondern gemischt: Der französische Adel gab Unsummen für Kleider aus, und die Krone ist ein Symbol der Macht. Es gibt starke Persönlichkeiten, die die Auszeichnung haben wollen, und andere, die sie souverän ablehnen. Der Mathematiker Grigori Perelman lehnte 2006 die Fields-Medaille ab: „I&#039;m not interested in money or fame; I don&#039;t want to be on display like an animal in a zoo.“ La Rochefoucauld: „L&#039;orgueil se dédommage toujours, et ne perd rien, lors même qu&#039;il renonce à la vanité.“ (Der Stolz entschädigt sich immer und verliert nichts, selbst wenn er auf die Eitelkeit verzichtet.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geliehene Geltung.&#039;&#039;&#039; Die Herde tut etwas anderes. Der Herdenmensch erhält seine Geltung von jemandem, der Ansehen, Macht und Geltung hat. Das kann auch eine Institution oder eine Lehre sein. Es ist eine Unterordnung: der Diener im Haus des Adels, die Nonne im Schoß der Kirche. Der Diener würde es ablehnen, neureichem Pöbel zu dienen. Der Psychologe Robert Cialdini nannte das 1976 „basking in reflected glory“, sich im zurückgeworfenen Glanz sonnen: Nach einem Sieg ihrer Footballmannschaft trugen mehr Studenten Kleidung mit dem Namen ihrer Universität, und sie sagten „We won“. Nach einer Niederlage hieß es „They lost“. Das ist die flüchtige Form, nahe beim [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]]. Der Diener dagegen bleibt. Die Grenzen sind fließend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Grundbedürfnis.&#039;&#039;&#039; Cameron Anderson, John Hildreth und Laura Howland haben 2015 die Forschung zur Frage gesammelt, ob das Streben nach Status ein Grundbedürfnis ist. Ihr Ergebnis: ja, in allen Kulturen, bei Männern wie Frauen. Wer seinen Rang verliert, leidet darunter, auch wenn sich sonst nichts ändert. Und es zählt der Rang vor den Menschen, die einem wichtig sind, nicht vor allen. Der Philosoph William James schrieb schon 1890 sinngemäß: Eine teuflischere Strafe ließe sich nicht ausdenken, als dass man unter Menschen losgelassen würde und von allen völlig unbemerkt bliebe. Das ist der [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombie]], von der anderen Seite gesehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Keine Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß im älteren Deutsch „leer, nichtig“; man sagt noch „eitel Sonnenschein“, nichts als Sonnenschein. Die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]] will bewundert werden für die Oberfläche, sie ist die leere Form der Geltung. Die Geltung will etwas zählen für das, was man ist oder kann: der Handwerker, dessen Urteil auf der Baustelle gilt; der Briefmarkensammler, den die anderen Sammler fragen. „Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)“ ist ihre bettelnde Form.&lt;br /&gt;
:Die Geltung wirkt auch in anderen Wesen: im Hochgefühl des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amokläufers]], im [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Streber|Streber]], bei den [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieger.&#039;&#039;&#039; Geltung will ein Revier. Wird sie angegriffen, holt sie zur Verteidigung ihren Krieger, den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sammler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Nestbau, Messi, Eifersucht, Knauser&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Nehmer]]&lt;br /&gt;
* Mimik: keine. Der Sammler ist ein leiser Dämon, man sieht ihm nichts an.&lt;br /&gt;
* Griff: aufsammeln.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Brüder Collyer in New York wurden 1947 tot in ihrem Haus gefunden, unter mehr als hundert Tonnen Zeitungen, Klavieren und Gerümpel. Einer lag unter einem Stapel begraben, den er selbst als Falle gegen Einbrecher gebaut hatte. Der andere, blind und gelähmt, verhungerte danach.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: auch die Gier (Habgier), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Trigger: Knappheit und die Lücke (siehe Beschreibung).&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, Vorrat, Vollständigkeit. Nicht hergeben, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; Knappheit und die Lücke. Das leere Regal im Supermarkt. Der Winter, der kommt. Das eine Sammelbild, das im Album noch fehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Eichhörnchen vergräbt im Herbst Nüsse. Der Hamster stopft sich die Backen voll. Daher sagen wir „hamstern“.&lt;br /&gt;
* Am Anfang der Pandemie räumten die Leute das Klopapier aus den Regalen.&lt;br /&gt;
* Kinder stopfen sich die Hosentaschen mit Steinen und Kastanien voll. Niemand hat ihnen das beigebracht.&lt;br /&gt;
* Man gibt Leuten eine Kaffeetasse und fragt, für wie viel sie die Tasse verkaufen würden. Sie verlangen etwa das Doppelte von dem, was andere für dieselbe Tasse zahlen wollen. Was man hat, gibt man nicht her. Hier sitzt die Verbindung zur Eifersucht.&lt;br /&gt;
* Der Laubenvogel sammelt blaue Dinge, Federn, Beeren, Flaschendeckel, und legt sie vor seine Laube, um ein Weibchen anzulocken. Dort sind Sammler und Balz eins.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Wohnung ist bis zur Decke voll, nur schmale Gänge bleiben frei, und er kann nichts wegwerfen. Krankhaftes Horten ist seit 2013 eine eigene Diagnose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Revier.&#039;&#039;&#039; Der Sammler pflegt und verteidigt seine Sammlung. Er identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht. Seine Sammlung ist sein [[#Revierverhalten/Gebiet|Revier]]. Eine Sammlung gehört stärker zum Selbst als einzelne Gegenstände (Belk 1988, S. 154). Wer bestohlen wird, erlebt Eindringen und Verletzung (S. 142). Wird die Trennung erzwungen, bringt sie Trauer (S. 143). Ein Sammler, der seine Karten für das Studium der Tochter verkaufte, beschreibt den Verkauf als Trauer mit Leugnen, Wut und Niedergeschlagenheit (Warshaw 2023). Ein Briefmarkensammler, der seine Sammlung aufgeben muss, will es nicht überstürzen und behält ein Album (Briefmarken-Forum).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biologisch angelegt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Eibl-Eibesfeldt zog Eichhörnchen ohne Erde und ohne Nüsse auf. Als sie zum ersten Mal eine Nuss bekamen, kratzten sie auf dem nackten Boden ein Loch, das es nicht gab, legten die Nuss hinein, drückten sie mit der Schnauze fest und scharrten Erde darüber, die es nicht gab. Niemand hatte es ihnen gezeigt.&lt;br /&gt;
* Beim Menschen ist die Neigung zum Horten zum Teil erblich. Das zeigen Zwillingsstudien.&lt;br /&gt;
* Menschen mit einer Verletzung an einer bestimmten Stelle der Stirnhirnrinde fingen an, wertlosen Kram zu horten (Anderson, Damasio u. a., &#039;&#039;Brain&#039;&#039;, 2005). Der Sammler sitzt tiefer im Hirn, die Stirnhirnrinde hält ihn im Zaum. Fällt die Bremse weg, übernimmt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herkunft:&#039;&#039;&#039; vom Vorrat, vom Horten von Nahrung.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Einsammeln: Der Sammler aus „Jäger und Sammler“ pflückt Beeren, nimmt sie mit und isst sie. Morgen geht er wieder los. Mehr haben als nötig und nicht hergeben, das fehlt.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Nestbau: Der Vogel sammelt Zweige, bis das Nest fertig ist, dann hört er auf. Der Sammler hört nicht auf. Im Stammbaum steht der Nestbau als Kind unter Sammler und Elter: der Sammler im Dienst der Brut.&lt;br /&gt;
* Der Tannenhäher versteckt im Herbst Zehntausende Kiefernsamen an Tausenden Stellen und findet sie Monate später unter dem Schnee wieder. Viel mehr, als er im Winter fressen kann.&lt;br /&gt;
* Aesop: Die Ameise schleppt den ganzen Sommer Körner, die Grille singt. Im Winter hungert die Grille.&lt;br /&gt;
* Der Buschhäher versteckt Futter. Hat ihm ein anderer Häher dabei zugesehen, kommt er später zurück und versteckt alles neu. Das tun nur Häher, die selbst schon fremde Verstecke geplündert haben. Der Dieb kennt den Dieb. Da sitzen Eifersucht und Täuscher mit am Tisch.&lt;br /&gt;
* Bienen sammeln Honig, Ameisen legen Kornkammern an, der Hamster trägt seine Vorräte in den Bau. Das gibt es lange vor dem Menschen.&lt;br /&gt;
* Wer im Krieg gehungert hat, hebt sein Leben lang jedes Gummiband auf, und der Keller steht voller Einmachgläser.&lt;br /&gt;
Der Sammler sitzt nahe beim Schlemmer, beide kommen vom Hunger. Der Schlemmer isst jetzt. Der Sammler legt für später zurück. Er ist der Dämon, der an den Winter denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; Woher kommt die Vollständigkeit? Das fehlende Sammelbild, die 110 Messier-Objekte, alle 14 Achttausender. Der Vorrat erklärt das nicht. Ein Eichhörnchen will nicht alle Nusssorten haben. Ein späterer Zweig oder ein anderes Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angelegt ist der Hunger, nicht der Gegenstand. Briefmarken, Kunst oder Bitcoins sammelt niemand von Natur aus. Die Kultur liefert das Material, der Dämon den Hunger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wo der Sammler wirkt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Linné&#039;&#039;&#039; schickte seine Schüler in die ganze Welt, nach Amerika, Arabien, Japan, in die Südsee. Sie sollten Pflanzen sammeln und zurückbringen. Er nannte sie seine Apostel. Einige kamen nicht zurück. Aus dem Gesammelten wurde die Ordnung der Pflanzen und Tiere, mit der wir bis heute jedes Lebewesen benennen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Wunderkammern&#039;&#039;&#039;: Fürsten und Gelehrte stellten Muscheln, Korallen, ausgestopfte Krokodile, Einhorn-Hörner und Missgeburten in Glasschränke. Daraus wurden die Museen. Das British Museum begann 1753 mit der Sammlung eines einzigen Mannes, Hans Sloane, rund 71.000 Stücke.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Darwin&#039;&#039;&#039; sammelte als Student in Cambridge Käfer. Einmal hatte er in jeder Hand einen seltenen Käfer und sah einen dritten. Er steckte einen in den Mund, um die Hand frei zu haben. Der Käfer spritzte ihm eine brennende Flüssigkeit auf die Zunge, Darwin spuckte ihn aus, und der dritte war weg. Später sammelte er fünf Jahre lang auf der Beagle: Finken, Fossilien, Schildkröten. Erst danach kam die Theorie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Goethe&#039;&#039;&#039; hatte in Weimar eine Mineraliensammlung mit rund 18.000 Steinen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Mondlandung&#039;&#039;&#039;: Die Astronauten der Apollo-Flüge sammelten mit Zangen und Schaufeln Steine und Staub, zusammen rund 380 Kilogramm. Das teuerste Steinesammeln der Geschichte.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schmetterlinge&#039;&#039;&#039;: Nabokov, der Schriftsteller, zog mit dem Netz durch die Berge und sammelte Bläulinge. Er vermutete, dass sie in mehreren Wellen über die Beringstraße von Asien nach Amerika gekommen waren. Die Biologen nahmen ihn nicht ernst. 2011 bestätigte die Genetik seine Vermutung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Messier-Marathon&#039;&#039;&#039;: Charles Messier jagte im 18. Jahrhundert Kometen. Ihn störten verschwommene Flecken am Himmel, die aussahen wie Kometen, aber keine waren. Damit er nicht wieder darauf hereinfiel, schrieb er sie auf: 110 Stück. Die Liste war Abfall seiner Kometenjagd. Heute ist sie die berühmteste Liste der Astronomie. Jedes Jahr im März, wenn alle 110 in einer Nacht zu sehen sind, sitzen Amateure die ganze Nacht in der Kälte und haken eins nach dem anderen ab. Sie lernen nichts Neues, alle Objekte sind seit 250 Jahren bekannt, und niemand schaut ihnen zu. Das ist weder Neugier noch Anerkennung. Das ist der Sammler allein.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tycho und Kepler&#039;&#039;&#039;: Tycho Brahe hat über zwanzig Jahre lang jede Nacht die Stellung der Planeten gemessen, ohne Fernrohr, mit riesigen Messinstrumenten auf seiner Insel Ven. Ein Berg von Zahlen. Kepler bekam die Zahlen nach Tychos Tod und fand darin, dass die Planeten auf Ellipsen laufen. Tycho ist die Ameise, Kepler die Biene.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Rechnerinnen von Harvard&#039;&#039;&#039;: Um 1900 saßen Frauen an Tischen und gingen Hunderttausende Glasplatten mit Sternaufnahmen durch, Stern für Stern. Annie Jump Cannon sortierte von Hand rund 350.000 Sterne nach ihrem Licht. Henrietta Leavitt schrieb veränderliche Sterne auf und bemerkte: Je heller so ein Stern, desto langsamer blinkt er. Damit konnte man zum ersten Mal Entfernungen im Weltall messen, und Hubble zeigte damit, dass es andere Galaxien gibt. Erst die Sammlung, dann das Gesetz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Heute&#039;&#039;&#039;: Der Satellit Gaia hat fast zwei Milliarden Sterne vermessen. Über 5.000 Planeten um andere Sterne sind bestätigt, jeder neue kommt auf die Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neugier will schnell zur Antwort. Zwanzig Jahre Nacht für Nacht messen, Hunderttausende Platten durchsehen, das hält sie nicht durch. Der Sammler hat Geduld, denn jedes einzelne neue Stück sättigt ihn schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bacon&#039;&#039;&#039; hat das Bild dafür gefunden (Novum Organum, 1620). Die Ameise sammelt nur und frisst es auf. Die Spinne spinnt ihr Netz aus sich selbst heraus. Die Biene sammelt aus den Blüten und macht Honig daraus. Die Ameise ist der Sammler allein. Die Spinne ist der Zwerg, der aus dem Kopf Systeme spinnt. Die Biene ist der Sammler im Bund mit einem Dämon, der verarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sammler allein endet beim Messi: die Wohnung voll, aber keine Ordnung. Mit der Ordnung verbündet, wird er Linné. Mit der Neugier verbündet, wird er Darwin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Hochmut gegen den Sammler:&#039;&#039;&#039; Dem Physiker Rutherford wird der Satz zugeschrieben: „Alle Wissenschaft ist entweder Physik oder Briefmarkensammeln.“ Dabei steht jede Physik auf gesammelten Messwerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie mächtig der Sammler ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kunst&#039;&#039;&#039;: Der „Salvator Mundi“, Leonardo zugeschrieben, ging 2017 für 450 Millionen Dollar weg.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Autos&#039;&#039;&#039;: Der Musiker oder der Reiche mit dreißig teuren Autos in der Garage, die er nicht braucht. Jay Leno hat weit über hundert Autos in seinen Hallen. 2022 wurde ein Mercedes 300 SLR Uhlenhaut-Coupé für 135 Millionen Euro versteigert, das teuerste Auto der Welt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Baseballkarten&#039;&#039;&#039;: Eine Mickey-Mantle-Karte von 1952 brachte 2022 12,6 Millionen Dollar. Ein Stück Pappe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Briefmarken&#039;&#039;&#039;: Die British Guiana One-Cent Magenta, eine einzige Marke, wurde 2021 für rund 8 Millionen Dollar verkauft.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Pokémon&#039;&#039;&#039;: Der Werbespruch heißt „Schnapp sie dir alle!“. Das ist der Sammler wörtlich. Eine einzige Pikachu-Karte brachte 2022 über 5 Millionen Dollar.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Bild, das es nicht gibt&#039;&#039;&#039;: 2021 wurde eine Bilddatei des Künstlers Beeple als NFT für 69 Millionen Dollar verkauft. Jeder kann sie kopieren, aber nur einer „hat“ sie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tulpen&#039;&#039;&#039;: 1637 kostete in Holland eine einzige Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ so viel wie ein Haus in Amsterdam.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Reliquien&#039;&#039;&#039;: Friedrich der Weise sammelte in Wittenberg über 19.000 Reliquien: Knochen von Heiligen, Dornen aus der Krone Christi, Milch der Maria. Ausgerechnet dort schlug Luther 1517 seine Thesen an.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schuhe&#039;&#039;&#039;: Als Imelda Marcos aus dem Palast in Manila floh, fand man über tausend Paar Schuhe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gipfel&#039;&#039;&#039;: Reinhold Messner stand als Erster auf allen 14 Achttausendern. In Schottland haken Leute alle 282 Munros ab, die Berge über 3000 Fuß.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vögel&#039;&#039;&#039;: Phoebe Snetsinger hat über 8.000 Vogelarten mit eigenen Augen gesehen. Angefangen hat sie, als sie eine Krebsdiagnose bekam, und sie reiste noch zwanzig Jahre weiter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Saatgut&#039;&#039;&#039;: Im Eis von Spitzbergen liegt ein Tresor mit über einer Million Samenproben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Elemente&#039;&#039;&#039;: Die Chemiker jagen das Periodensystem voll. Das Element 118, Oganesson, existiert jeweils nur Bruchteile einer Sekunde, und trotzdem hat es einen Namen und einen Platz in der Tabelle.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nobelpreise&#039;&#039;&#039;: Marie Curie holte Polonium und Radium aus Tonnen von Pechblende und bekam 1911 den Nobelpreis. Für das Higgs-Teilchen gab es 2013 den Nobelpreis.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jagdtrophäen&#039;&#039;&#039;: Hörner und Köpfe an der Wand. Hier treffen sich Jagdtrieb und Sammler.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Geld&#039;&#039;&#039;: Der Milliardär, der mehr hat, als er in zehn Leben ausgeben könnte, und weiter sammelt. Dagobert Duck badet in seinem Geldspeicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baseballkarte, die Briefmarke, das NFT sind Millionen wert, weil andere Sammler sie haben wollen. Der Sammler macht den Wert selbst. Ohne ihn wäre die One-Cent Magenta ein Fetzen Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Knauser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Sammler|Sammler]] · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sammler kommt und geht, im Herbst, vor dem Winter, vor dem leeren Regal. Beim Knauser ist er chronisch geworden. Jede Ausgabe tut weh. Er hebt überall Geld auf. Das ist ein bekannter Typus. Wenn Leute Mangel erlebt haben wie im Krieg, werden sie manchmal so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; heißt es: „Meanness is undue sparing of expense.“ Der Knauser zählt beim Essen, wie viele Becher jeder Gast trinkt. Zerbricht ein Diener einen Topf, zieht er ihm den Wert von der Verpflegung ab. Verliert seine Frau eine kleine Münze, rückt er Möbel, Betten und Schränke und sucht in den Ritzen der Dielen. Seiner Frau verbietet er, Salz oder einen Lampendocht auszuleihen. Seine Geldtruhe ist schimmlig, weil sie nie geöffnet wird. Er hat eine volle Truhe und spart trotzdem: Fülle bannt den Knauser nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein zweiter Text.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt den Knauser noch einmal, als Ἀνελευθερία: „Penuriousness is the grudging of expense and is due to great love of money and little love of honor.“ Hier geht es um das Geld bei Ehrenpflichten. Nach einem Sieg auf der Bühne weiht er Dionysos einen hölzernen Kranz, auf den er seinen eigenen Namen schreibt. Wird öffentlich gesammelt, schweigt er oder geht, und sieht er einen sammelnden Freund kommen, schleicht er durch eine Seitengasse nach Hause. Bei der Hochzeit der Tochter verkauft er die Opfertiere und stellt nur Diener ein, die zu Hause essen. Bei einem Fest hält er die Kinder aus der Schule, um das Schulgeld zu sparen. Seiner Frau gibt er keine Magd, sondern ein gemietetes Kind. Das Wort heißt wörtlich Unfreiheit: Der Freie ist freigebig, der Geizige ist unfrei. Die Ehre wiegt bei ihm weniger als das Geld. Die [[#Geltung|Geltung]] überstimmt den Sammler nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geprägt vom Mangel.&#039;&#039;&#039; Ulrike Malmendier und Stefan Nagel untersuchten 2011 in ihrer Studie „Depression Babies“ Menschen, die schwere Wirtschaftskrisen erlebt haben. Wer selbst schlechte Zeiten erlebt hat, geht ein Leben lang weniger finanzielle Risiken ein und legt seltener Geld in Aktien an (siehe [[Bannung#Prägung|Prägung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Test:&#039;&#039;&#039; Beim Festessen nimmt die Tochter seine Börse und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle (siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]]). Und er missbilligt den Verschwender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Putz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO, Elf · zu Puppe&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Waschzwang. Menschen waschen sich die Hände, bis die Haut blutet, und fühlen sich danach immer noch schmutzig. Howard Hughes fasste am Ende Gegenstände nur noch mit Papiertüchern an und lebte abgeschottet in abgedunkelten Hotelzimmern.&lt;br /&gt;
* Ausfall: die Verwahrlosung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn der Putz ausfällt.&#039;&#039;&#039; Das Gegenstück zum Waschzwang ist, dass man sich nicht mehr pflegt. Theophrast nennt es Δυσχέρεια: „Grossness is such neglect of one’s person as gives offence to others.“ Sein Mann geht mit Ausschlag und schwarzen Zähnen auf den Markt und sagt, das sei erblich. Im Alltag kennt man den Ausfall bei schlechter Stimmung und wenig Antrieb. Im Extrem findet man ihn bei Menschen, die jede Hoffnung verloren haben: Scheitern in Schule und Beruf, Verachtung durch andere, Verlust des Rangs, eine Schuld, die man nicht tragen kann, vielleicht auch Selbstbestrafung. In Notunterkünften für Obdachlose gibt es Räume, in denen der Boden mit Müll und verfaultem Essen bedeckt ist. Der Rang ist dabei nicht alles. Bei Obdachlosen sind Sucht und psychische Erkrankungen häufig, mit großer Streuung (Fazel u. a. 2008, 29 Untersuchungen, 5.684 Personen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Selbstachtung.&#039;&#039;&#039; Der Putz dient auch der Selbstachtung, und die ist ein Spiegel der Achtung, die man von anderen erfährt (Cooley nannte das 1902 das „looking-glass self“). Wer in einer verachtenden Umgebung standhält, hat dafür einen imaginären Beifall. Als Bergen-Belsen im April 1945 befreit wurde, kam unaufgefordert eine große Lieferung Lippenstifte an. Der britische Sanitätsoffizier Mervin Gonin schrieb: „At last someone had done something to make them individuals again.“ Der Lippenstift sagt: Ich bin wer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elf ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Kuschel, Putz&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Fühl, Lausch, Schnupper, Kratz, Kitzel, Griff, Wurzel, Wohlig&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kuschel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elf · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Kuscheln ist Berührung und Umarmung, und es geht dabei um Geborgenheit und Sicherheit. Zwei Wurzeln sind denkbar. Die eine ist das Lausen der Affen: Gegenseitiges Streicheln und Lausen hält bei Primaten die Bindungen, über Hautnerven und Endorphine (Robin Dunbar 2022). Die andere ist die Verbindung von Mutter und Kind. Harry Harlows Rhesusaffen klammerten sich in den 1950er-Jahren an die Stoffmutter, auch wenn nur die Drahtmutter Milch gab. Der Körperkontakt war wichtiger als das Füttern. Beides kann zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die erotische Seite.&#039;&#039;&#039; Berührungen sind auch erregend. Dann geht das Kuscheln ins Begehren über und führt zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]]. Für den Menschen ist Sex ein Mittel zur Bindung geworden, heißt es oft, wichtig wegen der langen Kindheit. Das ist eine gängige, aber umstrittene These. Robert Quinlan (2008) sieht Paarbindungen als vielseitig, mit der Versorgung in der Stillzeit als am besten belegter Funktion, und prüft Sex als Bindungsmittel nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gefälliger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Geltung|Geltung]], [[#Elter|Elter]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Verehrung/Bewunderung|Verehrung/Bewunderung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: das Wohl und die Freude der anderen, und die Anerkennung dafür.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit oder Hilflosigkeit des anderen. Das Kindchenschema wirkt, zum Beispiel Bambi-Augen, es ist aber kein Muss. Es genügt, dass Hilfe gebraucht wird.&lt;br /&gt;
* Bannung: Wird kaum gewollt, denn er ist ein Kitt der Gemeinschaft. Gebannt wird nur seine Entgleisung. Wer sich verausgabt, den will der Ehepartner schützen. Wenn der Samariter die eigene Familie vernachlässigt, konkurriert er mit dem [[#Elter|Elter]], und dann hilft ein Arrangement, wem er wie viel gibt. Oakley und Kollegen nennen Hilfe, die ungewollt Schaden anrichtet, pathologischen Altruismus (2012).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gefällige will anderen Freude machen und freut sich an ihrer Freude. Deshalb macht man Geschenke. Sein Hauptinteresse ist das Wohl des anderen, das ihm wichtiger sein kann als das eigene. Das ist Eltern-Verhalten. Am stärksten gilt es dem, den er wertschätzt. Es reicht aber bis zum Fremden: Er gibt dem Bettler, den er nicht kennt, und er spendet an Empfänger, die er nie sehen wird. Die Freude des anderen und sein Dank sind dann nur vorgestellt. Er will auch Anerkennung, und beides gehört zusammen. Er ist ein wesentlicher Kitt jeder Gemeinschaft. Er ist nicht der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]], der nach oben lobt, um an der Macht teilzuhaben. Er ist auch nicht der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]], der Missfallen vermeiden will und dafür formal korrekt und höflich ist, vielleicht auch ein Streber. Der Gefällige tut anderen Gutes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was dafür spricht.&#039;&#039;&#039; Wer Geld für andere ausgibt, ist glücklicher als wer es für sich ausgibt (Dunn, Aknin und Norton 2008). Das fand sich in 120 von 136 Ländern (Aknin u. a. 2013). Gute Nachrichten zu teilen macht froh, und mehr, wenn das Gegenüber sich mitfreut, und es hängt bei Paaren mit besserer Beziehung zusammen (Gable u. a. 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch für Unbekannte.&#039;&#039;&#039; Schon anonymes freiwilliges Geben aktiviert die Belohnungsregionen stärker als die Zwangsabgabe (Harbaugh u. a. 2007, 19 Teilnehmerinnen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gefälligkeit nach oben.&#039;&#039;&#039; Wer einer Autorität einen Gefallen tut, um Anerkennung oder Wertschätzung zu bekommen, macht einen Tauschhandel. Das ist der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] oder das [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]]. Der Gefällige hilft auch, wenn es niemand erfährt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ἀρέσκεια: „Affability is a sort of demeanor that gives pleasure at the sacrifice of what is best.“ Er ruft einen Freund schon von weitem an, überschüttet ihn mit Lob und lässt ihn nicht los. Vor Gericht will er auch dem Gegner gefallen. Beim Essen lässt er die Kinder rufen, sagt, sie ähnelten dem Vater „as one fig is like another“, und spielt mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn er entgleist.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt die Entgleisung. Überwiegt die Anerkennung, wird aus dem Gefälligen der Schmeichler, der dem anderen Recht gibt, auch gegen die Wahrheit. Aristoteles unterscheidet den Gefallsüchtigen ohne Eigennutz vom Schmeichler aus Eigennutz. Die Psychologie nennt das Extrem Soziotropie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urschlummer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Gähn, Murmel, Mümmel&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gähn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Murmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mümmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neid ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Revierverhalten/Gebiet · zu Troll, Häme&lt;br /&gt;
* Es ist eine Form von Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Rivale, der mir nah ist, bekommt oder kann, was in meinem eigenen Gebiet zählt. Beim Fremden und beim Unerreichbaren entsteht kein Neid, sondern Bewunderung.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Neidkratzer. Jemand zieht mit dem Schlüssel eine lange Schramme in den Lack eines teuren Autos. Er hat nichts davon, außer dass der andere es auch nicht mehr hat.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Es ist eine Form von Revierverhalten. So wie Ziegen ihren Rivalen bei der Fütterung wegboxen: Am Futtertrog stoßen die ranghohen Tiere die anderen mit dem Kopf weg, auch wenn genug für alle da ist. Es geht nicht ums Sattwerden. Es geht darum, dass der andere nicht frisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man neidet, was der andere hat oder bekommt. Auch wenn man Fähigkeiten neidet, geht es darum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, was der andere hat. Oder wenigstens, dass der andere es auch nicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Trigger genau:&#039;&#039;&#039; Es ist mehr zwischen Bekannten, zwischen Rivalen. Und dann beherrscht es die Gedanken und führt zu Missgunst und zu Taten, um den anderen zu schädigen. Der Psychologe Abraham Tesser hat gezeigt, dass zwei Dinge zusammenkommen müssen: Der andere ist mir nah, Freund, Kollege, Bruder, Nachbar. Und er ist besser auf einem Gebiet, das für mich selbst zählt. Ist mein Freund ein besserer Schachspieler und mir ist Schach egal, freue ich mich für ihn. Ist er ein besserer Elektriker und ich bin Elektriker, dann sticht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Tat:&#039;&#039;&#039; In Tessers Versuchen durfte einer dem anderen bei einem Ratespiel Hinweise geben, leichte oder schwere. Hieß es, das Spiel sei belanglos, bekamen Freunde leichtere Hinweise als Fremde. Hieß es, das Spiel messe die Intelligenz, bekamen Freunde schwerere Hinweise als Fremde. Man bremst den Freund aus, nicht den Fremden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Promi ist etwas anderes:&#039;&#039;&#039; Wer weit weg und unerreichbar ist, an Reichtum, Ruhm oder Fähigkeit, den beneidet man nicht, man bewundert ihn. Das gehört zur Verehrung/Bewunderung und zum Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Formen:&#039;&#039;&#039; Der böse Neid will den anderen herunterziehen. Der gutartige Neid will selbst hinauf: „Das will ich auch schaffen.“ Er richtet sich oft auf jemanden, der ein Stück weiter, aber noch erreichbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Unter Gleichen:&#039;&#039;&#039; Aristoteles schreibt in seiner Rhetorik, man beneide die, die einem nahe sind an Zeit, Ort, Alter und Ansehen, und zitiert dafür Hesiod, um 700 vor Christus: „Der Töpfer grollt dem Töpfer, der Bettler dem Bettler, der Sänger dem Sänger.“ Man beneidet nicht den König, sondern den Nachbarn. Beide stehen am selben Trog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bilder:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Schneewittchen: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die Königin war die Schönste, bis der Spiegel eine andere nannte.&lt;br /&gt;
* Zwei Kinder bekommen verschieden große Kuchenstücke: „Der hat aber mehr!“&lt;br /&gt;
* Zwei Kapuzineraffen bekommen für dieselbe Aufgabe Gurke. Bekommt einer eine Weintraube, wirft der andere seine Gurke dem Forscher ins Gesicht.&lt;br /&gt;
* Das Gesetz von Jante, aus einem Roman von Aksel Sandemose, 1933, in Skandinavien sprichwörtlich: „Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Warum der und nicht ich?“&#039;&#039; → Der Vergleich. Der Anfang von allem.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hat doch nur Glück gehabt.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Der hat eben Beziehungen.“&#039;&#039; → Den Erfolg kleinreden. Wenn es Glück war, hat er es nicht selbst geschafft, und ich bin nicht schlechter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„So toll ist das auch nicht.“&#039;&#039; → Saure Trauben. Aesops Fuchs springt nach den Trauben, kommt nicht dran und sagt im Weggehen: „Die sind mir ohnehin zu sauer.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das hat der doch gar nicht verdient.“&#039;&#039; → Die Maske der Gerechtigkeit. Der Neid verkleidet sich als Gerechtigkeitssinn.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hält sich wohl für was Besseres.“&#039;&#039; → Das Gesetz von Jante. Niemand darf herausragen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Schön für dich.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Gönn ich dir.“&#039;&#039;, durch die Zähne gesagt → Das Heucheln. Der Glückwunsch, der keiner ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Dem wird das Lachen schon noch vergehen.“&#039;&#039; → Die Vorfreude auf den Fall.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Hab ich doch gleich gesagt.“&#039;&#039;, wenn es dann schiefgeht → Die Schadenfreude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Gehirn:&#039;&#039;&#039; Japanische Forscher ließen 2009 Versuchspersonen Geschichten über erfolgreiche Mitschüler lesen. Beim Neid war ein Bereich aktiv, der auch bei Schmerz arbeitet. Als dem Beneideten danach ein Unglück passierte, sprang ein Bereich an, der bei Belohnung arbeitet. Neid tut weh, Schadenfreude tut gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gute Neid:&#039;&#039;&#039; Hesiod unterscheidet zwei Göttinnen des Streits. Die schlechte Eris bringt Krieg. Die gute Eris treibt den Faulen an, wenn er sieht, wie reich der fleißige Nachbar wird, sodass er selbst pflügt und pflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verwandt:&#039;&#039;&#039; [[#Eifersucht|Eifersucht]] (die Eifersucht fürchtet zu verlieren, was sie hat; der Neid will haben, was der andere hat), [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Gerechtigkeitssinn|Gerechtigkeitssinn]], Häme, [[#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Alle drei, Stammesbruder, Eifersucht und Neid, stammen vom Revierverhalten: das Revier der Gruppe, das Revier der Bindung, das Revier am Futtertrog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Revierverhalten/Gebiet ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Stammesbruder, Eifersucht, Neid, [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]]&lt;br /&gt;
* Es ist der Kern der Eifersucht: Ein Rivale dringt in die Bindung ein. Beim Wolfsrudel: Man kennt die Gesichter, das Revier ist abgesteckt, der Fremde ist der Feind.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überall.&#039;&#039;&#039; Viel Verhalten von Menschen lässt sich nur verstehen, wenn man weiß, dass es Revierkämpfe sind. Bei Tieren sind Revierkämpfe oft Standard: Ziegen boxen, Elche kämpfen. Bei manchen ist das so ernst, dass es Verletzte und Tote gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dasselbe Zeichen.&#039;&#039;&#039; Der Bauer zäunt sein Feld ein. Der Goldsucher seinen Claim. Der Hund pisst an den Baum und Armstrong stellt die amerikanische Flagge auf. Das ist dasselbe.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Reviere werden vor allem gegen Artgenossen verteidigt und mit Duft, Gesang oder Schauflügen markiert. Der Besitz wird meist respektiert, auch ohne dass ihn jemand durchsetzt: Wer zuerst da war, wird selten herausgefordert (Sherratt und Mesterton-Gibbons 2015). Stake (2004) sieht in den Rechtsregeln über Besitz und Priorität Spuren dieser Strategien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sammler.&#039;&#039;&#039; Er pflegt und verteidigt seine Sammlung und identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eltern.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Man nennt es Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beschützer.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker. Bei Säugetieren und Vögeln ist das die Regel. Bei Fischen und Reptilien eher nicht. Ausnahmen gibt es: Der männliche Stichling bewacht das Nest und verteidigt Eier und Junge gegen Eindringlinge, ebenso die Männchen der Sonnenbarsche (Britannica; Juneau Empire). Auch hier zeigt sich der Dämon ohne Maske in ganzer Stärke, wenn man das Revier betritt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geltung.&#039;&#039;&#039; Das Revier ist hier der Rang. Es zeigt sich, wenn die Kompetenz angezweifelt wird, wenn der Rang oder die Stellung streitig gemacht wird oder wenn der Konkurrent sich mit fremden Federn schmückt. Auch die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] ist Revierverhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eitelkeit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Poser&lt;br /&gt;
* Varianten: Geck, Diva&lt;br /&gt;
* Die leere Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Geltung, die durch die Zustimmung anderer gegeben wird: Preise und Auszeichnungen (siehe [[#Geltung|Geltung]]). La Rochefoucauld: „La vertu n&#039;irait pas si loin si la vanité ne lui tenait compagnie.“ (Die Tugend käme nicht so weit, wenn die Eitelkeit ihr nicht Gesellschaft leistete.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß ursprünglich leer, nichtig (althochdeutsch &#039;&#039;ītal&#039;&#039;), so wie das lateinische &#039;&#039;vanitas&#039;&#039;. Die Leere steckt schon im Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ehrgeiz im Kleinen.&#039;&#039;&#039; Theophrast nennt den Eitlen Μικροφιλοτιμία, „Ehrgeiz im Kleinen“: „a striving for honor in small things“. Beim Essen will er neben dem Gastgeber sitzen. Er zahlt mit frisch geprägten Münzen. Seiner zahmen Dohle kauft er eine kleine Leiter und einen Schild aus Bronze. Stirbt sein Hund, setzt er ihm ein Denkmal: „Fido, Pure Maltese.“ Er kauft einen neuen Anzug, solange der alte noch gut ist, und seine Zähne sind immer weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von außen.&#039;&#039;&#039; Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er sagt, was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Die Eitelkeit lebt in der Lücke zwischen dem, was einer sagt, und dem, was er sich davon verspricht. Meist ist das keine Berechnung. Er glaubt selbst an das Bild, das er zeigt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Bescheidene&#039;&#039;&#039; sagt: „Ach, das war doch nichts Besonderes.“ Er hofft auf den Widerspruch: „Doch, das war großartig!“ So bekommt er das Lob und darf sich obendrein bescheiden fühlen. Manchmal verkleidet er das Angeben als Klage, etwa wenn er stöhnt, er komme vor lauter Einladungen zu nichts mehr. Die anderen durchschauen das meistens.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Erfolgreiche&#039;&#039;&#039; sagt: „Eigentlich wollte ich nie Karriere machen. Es hat sich so ergeben.“ Der Erfolg soll mühelos aussehen, und gerade dafür will er bewundert werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Gekränkte&#039;&#039;&#039; sagt: „Mir ist völlig egal, was andere über mich denken.“ Dann liegt er die halbe Nacht wach wegen einer einzigen Bemerkung. Wer am lautesten sagt, die Meinung der anderen sei ihm egal, hängt oft am stärksten an ihr.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Unauffällige&#039;&#039;&#039; sagt: „Ich brauche keine Aufmerksamkeit, ich mach einfach mein Ding.“ Er möchte gerade dafür bewundert werden. Seine Eitelkeit ist, keine zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl verrät, was der Satz verbirgt. Lob hebt ihn, ausbleibendes Lob enttäuscht ihn, Kritik kränkt ihn, und wer mehr Beachtung bekommt, wird zum Rivalen. Er sieht sich mit den Augen der anderen. Darum macht die Eitelkeit abhängig, obwohl sie sich überlegen fühlen will: Sie muss sich immer wieder neu beweisen, denn sicher ist man der Bewunderung nie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eitelkeit heute.&#039;&#039;&#039; Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schopenhauers Satz gilt noch: Die Eitelkeit ist gesprächig, der Stolz schweigsam. Young Jee Han, Joseph Nunes und Xavier Drèze fanden 2010: Wer reich ist und Geltung braucht, kauft die Tasche mit dem großen Logo, die jeder erkennt. Wer reich ist und sie nicht braucht, kauft die Tasche ohne Logo, die nur Kenner erkennen. Der eine spricht zu allen, der andere nur zu seinesgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039; „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Sehen und gesehen werden.“ – „Kleider machen Leute.“ – „Wer schön sein will, muss leiden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schauspieler.&#039;&#039;&#039; Wer davon lebt, gesehen zu werden, ist oft eitel. Drew Pinsky und Mark Young ließen 2006 zweihundert Prominente einen Narzissmus-Fragebogen ausfüllen. Die Prominenten lagen deutlich über dem Durchschnitt, am höchsten die Stars aus dem Reality-Fernsehen, dann Komiker, Schauspieler und Musiker. Viele waren schon so, bevor sie berühmt wurden: Der Beruf zieht die Eitlen an. In Billy Wilders Film &#039;&#039;Sunset Boulevard&#039;&#039; (1950) sagt man der gealterten Stummfilmdiva Norma Desmond: „You used to be big.“ Sie antwortet: „I am big. It&#039;s the pictures that got small.“ Am Ende steigt sie die Treppe hinab, auf die Kamera zu: „All right, Mr. DeMille, I&#039;m ready for my close-up.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen.&#039;&#039;&#039; Auf Reddit sprechen Menschen offen darüber, und manchmal spricht der Dämon selbst.&lt;br /&gt;
* Über sich selbst: „I&#039;m very vain in the sense I&#039;m always aware of how good or not I look […] I will leave any situation, job, place, person etc if it worsens my looks.“ – „When I look good I feel good, and I care way too much about how people see me.“ – „Yes, I strut and preen.“ – „Main character energy so yes.“ – „sometimes I&#039;m extremely vain and other times I feel inferior to everyone“ (r/Sagittarians, 2025). Im letzten Satz zeigt sich die Leere.&lt;br /&gt;
* Was andere hören: Eine Freundin begründet alles mit ihrem Aussehen: „I should have been invited to that party, I&#039;m hot.“ – „I don&#039;t understand why we have to wait in this line, most of the time hot people get let in early.“ Eine andere fragt nach dem Treffen mit den Freunden ihres Partners: „did anyone tell you how pretty I was“ (r/AskMen, 2024).&lt;br /&gt;
* Schopenhauers gesprächige Eitelkeit, ein Ratschlag an Männer: „Never mention your nice car, then pick her up for a 3rd date, hot. Mentioning it up front, tacky.“ (r/Bumble, 2026)&lt;br /&gt;
* Männer über sich selbst: „I like staring at my reflection in shop windows.“ – „Have to check the bathroom mirror to make sure my abs are still there.“ – „I definitely check myself out in bathroom mirrors, window reflections. I can&#039;t help it I&#039;m just too sexy“ – „I take a lot of satisfaction in the fact that I look good, then immediately feel guilty about it“ (r/AskMen, 2018).&lt;br /&gt;
* Die Eitelkeit missbilligt die, die nicht so sind wie sie. Ein Mann staunt, wie schlecht jüngere Männer aussehen: „When I look at men who are much younger than me and I&#039;m amazed at how bad they look“. Jemand fragt zurück: „So, your vanity expresses itself through judgement of others?“ Ein anderer: „Not OP but yes, absolutely. It&#039;s kinda shitty but it&#039;s a gut reaction.“ (r/AskMen, 2018; siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geck.&#039;&#039;&#039; Eine Variante der Eitelkeit kommt vom [[#Putz|Putz]]: die Eitelkeit auf das eigene Aussehen, auf Kleidung, Frisur und Körper. Das Wörterbuch nennt den Gecken einen „eitlen (jungen) Mann mit auffallend modischer Kleidung und auffälligem Benehmen“ (DWDS). Die weibliche Variante ist die Diva. Die Eitelkeit selbst ist weiter: Auch ein hässlicher Gelehrter kann auf seine Intelligenz eitel sein. Dann hängt sie allein an der [[#Geltung|Geltung]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Diva.&#039;&#039;&#039; Das Wort heißt auf Italienisch „die Göttliche“ und war im 19. Jahrhundert ein Ehrenname berühmter Sängerinnen (Pfeifer). Das Wörterbuch nennt die Diva eine gefeierte Künstlerin, einen Star (DWDS). Zu ihr gehören Starallüren: Sie ist launisch, kapriziös und unnahbar und hält sich für etwas Besseres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Poser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Eitelkeit · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Poser ist ein Schauspieler für das Publikum. Vielleicht kann er auch etwas. Aber er stellt sich hin und macht eine Pose, damit das Publikum sie sieht. Früher haben Fußballer nach einem Tor gejubelt. Das war echt, das war [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Jubel|Jubel]] nach dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Sieg|Sieg]]. Heute machen sie Posen: Jeder soll sehen, was für ein Held ich bin. Auch die Influencer machen Posen für die Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Siu.&#039;&#039;&#039; Cristiano Ronaldo sprang im August 2013 nach einem Tor gegen Chelsea in die Luft und rief „Siu“. Er sagt selbst, das sei spontan gewesen: „I just scored the goal and it came out. It was just natural. Since that, I started to do it more often.“ Aus echtem Jubel wurde durch Wiederholung eine Pose, sein Markenzeichen. Die Übergänge sind fließend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Vorderbühne.&#039;&#039;&#039; Erving Goffman beschrieb 1959 das Alltagsleben als Theater, mit einer Vorderbühne, auf der man vor Publikum spielt, und einer Hinterbühne, auf der man unbeobachtet ist (&#039;&#039;The Presentation of Self in Everyday Life&#039;&#039;). Der Poser lebt auf der Vorderbühne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; ist der Eitle auch schon Poser. Den Kopf des geopferten Ochsen nagelt er gegenüber der Haustür an, damit jeder Besucher sieht, was er geopfert hat. Nach der Reiterparade gibt er die Ausrüstung dem Knecht und stolziert in Sporen über den Markt. Bei Vorführungen in seiner eigenen Halle kommt er als Letzter herein, damit die Zuschauer sagen: „That&#039;s the gentleman to whom the place belongs.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen&#039;&#039;&#039; (Reddit): „Curates her life online to make it look more fun and exciting than it really is.“ (r/AskMen, 2024) – „Sometimes guys post unfriendly non-smiling gym photos of them staring at their own arm muscles“ (r/Bumble, 2026). Das Aufpumpen vor dem Auftritt: „Shit, I do push-ups before cutting the lawn shirtless!“ – „You don&#039;t keep dumbbells in your trunk to do a few curls right before picking up your dates?“ – „you never look as good as your pump.“ Einer nennt seine Schnellübung selbst „the douchebag session“ (r/Fitness, 2015). – „When I cosplay, I want my picture taken with everyone.“ (r/AskMen, 2018)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prahler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[#Geltung|Geltung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Auch: Angeber.&lt;br /&gt;
* Varianten: Aufschneider&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Aufschneider.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Prahlers ist der Aufschneider. Bei Theophrast heißt er Ἀλαζονεία: „Bragging is pretending to have excellences that one does not really possess.“ Er steht am Hafen und erzählt, wie viel Kapital er in Schiffen stecken hat, und schickt seinen Sklaven zur Bank, wo er eine Drachme hat. Er habe unter Alexander gedient und drei Briefe von Antipater bekommen, obwohl er nie aus seiner Stadt herausgekommen ist. In der Hungersnot habe er über fünf Talente für die Armen gegeben. Sein gemietetes Haus nennt er das Familienhaus und sagt, es sei zu klein für seine Freunde. Ob das Vermögen echt oder erfunden ist, ist für das Wesen irrelevant. Das Motiv ist dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Besser sein wollen.&#039;&#039;&#039; Geltung zu wollen ist an sich etwas Positives. Sie ist der Treibstoff für viele Errungenschaften und Leistungen. Beim Prahler geht es aber darum, besser zu sein als die anderen. Das ist traurig, denn er ist von den anderen abhängig. Ohne Vergleich gibt es keinen Rang. Dabei kann man den Rang und die Leistung anderer auch anerkennen, unabhängig davon, ob sie mehr haben oder können (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wenn ein anderer mehr hat.&#039;&#039;&#039; Hat ein Nachbar das größere Haus oder das größere Auto, kommt der [[#Neid|Neid]] ins Spiel, wenn der andere ihm nah ist und es ein Gebiet ist, das ihm selbst zählt. Dann legt der Prahler nach, zieht den anderen herunter oder meidet den Vergleich. Der Neid ist sein Bruder: Auch er ist auf den Vergleich fixiert, und sein eigener Rang hängt von den anderen ab. Nach einer Umfrage von Solnick und Hemenway lehnten 48 % es ab, dass alle reicher werden, wenn das den eigenen Rang senkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; erscheint er in zwei Gestalten. Der Übereifrige zeigt „an excess in saying or doing, — with good intentions, of course“ und verspricht öffentlich Dinge, die er nicht leisten kann. Der Prahler ist „pretending to have excellences that one does not really possess“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Justin Kruger und David Dunning ließen 1999 Studenten nach einem Test schätzen, wie gut sie waren. Das schlechteste Viertel lag im 12. Perzentil und schätzte sich im 62. ein. Der Titel ihrer Studie: „Unskilled and unaware of it“. Wie stark das im Durchschnitt gilt, ist umstritten (Gilles Gignac und Marcin Zajenkowski 2020). Den Typ gibt es trotzdem. William von Hippel und Robert Trivers schrieben 2011, Selbsttäuschung sei entstanden, um andere besser zu täuschen: „self-deceptive self-enhancement also allows people to display more confidence than is warranted.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urtümlich.&#039;&#039;&#039; Der Angeber ist alt. Der Pfau schlägt sein Rad vor der Henne. Andere Tiere machen sich vor dem Rivalen größer, als sie sind: fast eine Drohgebärde, aber schon im Vorfeld, um einzuschüchtern, bevor es zum Kampf kommt. Rothirsche röhren um die Wette, wo ein Kampf droht, und das Röhren verrät dem Rivalen die Kampfkraft (Tim Clutton-Brock und Steve Albon 1979). Verliert ein Männchen der Winkerkrabbe seine große Schere, wächst eine neue nach, die gleich groß aussieht, aber leichter und schwächer ist. Damit blufft es: „Regenerated claws effectively bluff fighting ability and deter potential opponents before they fight.“ Auch die Weibchen fallen darauf herein. Bis zu 44 % der Männchen tragen solche Scheren (Patricia Backwell und Kollegen 2000). Das ist der Angeber in reiner Form: mehr zeigen, als da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Balz ruft den Angeber.&#039;&#039;&#039; Ein Dämon kann innerhalb desselben Menschen einen anderen zu Hilfe rufen. Die Balz ruft den Angeber, so wie beim Feigling die Angst den Täuscher ruft. Das ist eine Abfolge, keine Abstammung. Ein Feldversuch: Junge Skateboarder wagten riskantere Tricks, wenn eine attraktive Frau zusah, und ihr Testosteron stieg (Richard Ronay und William von Hippel 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Angeber vor Frauen – und vor Rivalinnen.&#039;&#039;&#039; Beim Menschen ist das Muster verbreitet. Derselbe Mann wirkt auf Frauen attraktiver, wenn er in einem Bentley sitzt; bei einer Frau am Steuer wirkt das nicht (Dunn &amp;amp; Searle 2010). Männer spenden deutlich mehr, wenn eine attraktive Frau zusieht; Frauen vor einem attraktiven Mann nicht (Iredale, Van Vugt &amp;amp; Dunbar 2008). Frauen geben auch an, nur anders: Sie investieren in Wirkung, Kosmetik ist eine ganze Industrie. Und Luxus zeigen sie oft anderen Frauen, als Mittel im Wettbewerb unter Rivalinnen (Hudders et al. 2014). Das ist wieder das Tier, das sich vor dem Rivalen größer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht jede Schminke und nicht jede teure Tasche ist Angeberei. Frauen tun das auch für sich selbst, nicht nur, um zu beeindrucken. Dann spricht [[#Geltung|Geltung]]: &#039;&#039;Ich bin wer.&#039;&#039; Das ist das gute Gefühl eines sicheren Reviers, kein Täuschen. Dasselbe Verhalten kann von verschiedenen Wesen kommen. Der Angeber braucht einen Zuschauer, den er übertrumpfen will. Geltung genügt sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsicht bei der Literatur: Viele Studien, die das Angeben durch „Paarungsstimmung“ auslösen wollten, ließen sich nicht wiederholen (Shanks et al. 2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stammesbruder ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Herde, Revierverhalten/Gebiet, Jagdtrieb · zu –&lt;br /&gt;
* Die Herde bringt das Zusammenhalten und das Ausstoßen der Abweichler, der Jagdtrieb die gemeinsame Jagd auf Minderheiten: Wölfe jagen gemeinsam und töten fremde Wölfe, die Schimpansen von Gombe stellten die Abtrünnigen in Gruppen und töteten sie einzeln.&lt;br /&gt;
* Verwandt: Revierverhalten/Gebiet; Fan und Kamerad; Verachtung gegen die Fremden.&lt;br /&gt;
* Wirkt bei vielen Wesen mit: beim Streber, beim Held, beim Krieger, beim Zwerg. Darum ist er kein Elternteil des Zwergs, sondern ein eigener Dämon.&lt;br /&gt;
* Trigger: die Kennzeichen (Trikot, Fahne, Dialekt), eine Bedrohung von außen, ein Abweichler in den eigenen Reihen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stammesbruder ist fundamental&lt;br /&gt;
Das wirkt bei ziemlich allen Gruppen Bildungen mit auf denen Zivilisationen beruhen&lt;br /&gt;
In Wahrheit gibt es nicht Nationen oder Firmen oder Gesellschaften oder Kunst oder Wissenschaft als Verbindung von Menschen&lt;br /&gt;
Da verbinden sich Menschen zu einem Stamm mit 50 anderen Menschen die sie kennen&lt;br /&gt;
Das ist die wirkende Dynamik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es ein Thema braucht mit dem sich ein Stamm identifiziert&lt;br /&gt;
Eine Lehre&lt;br /&gt;
Eine Ideologie&lt;br /&gt;
Aber abgesehen von Sinn oder Unsinn&lt;br /&gt;
Was da passiert ist Stammesverhalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es einen Kanon an gemeinsamen Symbolen, Masken, Kleidung, Haarschnitt, Fahnen, Ritualen, Sprüchen , Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wird auch peinlich darauf geachtet dass das eingehalten wird von denen die dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind die die nicht dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die wird mindestens herab geschaut&lt;br /&gt;
Und wenn es schlimm kommt gibt es auch Krieg und Verfolgung&lt;br /&gt;
Das ist eine unschöne Seite davon&lt;br /&gt;
Oft werden da Minderheiten gesucht&lt;br /&gt;
Als Feind der die Gruppe bedroht&lt;br /&gt;
Um die Truppe folgsam zu machen gegen den gemeinsamen Feind&lt;br /&gt;
Der Dämon Stammesbruder übernimmt das Ruder und schaltet das kritische Denken aus&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand ist Mitglied vom Stamm. Stammesverhalten ist ein mächtiger Trieb, der sehr viel menschliches Verhalten erklärt. Überall bilden wir Gruppen mit einheitlichen Kennzeichen. Und um in die Gruppe aufgenommen zu werden, muss man Hürden überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie schnell er da ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Robbers Cave, 1954: Zwei Gruppen von Jungen im Ferienlager, die sich vorher nicht kannten. Nach wenigen Tagen hatten sie Namen, die „Adler“ und die „Klapperschlangen“, eigene Fahnen und eigene Regeln. Bald verbrannten sie die Fahne der anderen und überfielen deren Hütte.&lt;br /&gt;
* Tajfel, 1970er-Jahre: Schüler wurden angeblich danach eingeteilt, ob sie Bilder von Klee oder von Kandinsky lieber mögen. In Wahrheit war es Zufall. Trotzdem gaben sie beim Verteilen von Geld der eigenen Gruppe mehr und verzichteten sogar auf Geld, nur damit der Abstand zur anderen Gruppe größer wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Hürde:&#039;&#039;&#039; 1959 mussten Studentinnen, um in eine Diskussionsgruppe zu kommen, vor einem Mann peinliche Wörter laut vorlesen. Danach hörten alle dieselbe absichtlich langweilige Diskussion. Wer die peinliche Aufnahme durchgemacht hatte, fand die Gruppe besonders gut. Je höher die Hürde, desto wertvoller die Gruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen und Hürden:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Militär&#039;&#039;&#039;: Kopf kahl, Uniform, Grundausbildung, Drill. Der Einzelne wird abgelegt, die Truppe wird angezogen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fußball&#039;&#039;&#039;: Schal, Trikot, Fangesänge. Schalke und Dortmund liegen 30 Kilometer auseinander und hassen sich neunzig Minuten lang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Berufe&#039;&#039;&#039;: Der Zimmermann auf der Walz in schwarzer Kluft, drei Jahre und einen Tag unterwegs, nicht näher als 50 Kilometer an seinen Heimatort. Der Doktortitel bei den Akademikern. Die verschlüsselte Fachsprache des [[Zwerg]]s ist das Kennzeichen seines Stammes, der Aufnahmeritus.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Studentenverbindungen&#039;&#039;&#039;: der Schmiss von der Mensur, eine Narbe im Gesicht als Kennzeichen fürs Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alt:&#039;&#039;&#039; In Gombe in Tansania hat sich in den 1970er-Jahren eine Schimpansengruppe gespalten. Über vier Jahre hat die größere Gruppe die Männchen der abgespaltenen Gruppe einzeln aufgespürt und getötet. Vorher waren es Gruppenmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Stamm von 50:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der Anthropologe Robin Dunbar hat gezählt, wie groß menschliche Gruppen von selbst werden: etwa 5 enge Vertraute, 15 gute Freunde, 50 Leute, mit denen man lagert und jagt, 150, die man noch beim Namen kennt. Die 50 ist bei Jägern und Sammlern die Größe eines Lagers.&lt;br /&gt;
* Die Armeen haben das immer gewusst. Der Zug hat 30 bis 50 Mann, die Kompanie um die 150. Bei den Römern teilten sich 8 Mann ein Zelt.&lt;br /&gt;
* Shils und Janowitz befragten 1948 gefangene Wehrmachtssoldaten, warum sie bis zuletzt weiterkämpften, als der Krieg längst verloren war. Nicht die Ideologie hielt sie. Die meisten kämpften für die Männer neben ihnen im Graben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Thema ist austauschbar:&#039;&#039;&#039; Bei Tajfel reichte die Frage, ob einem Klee oder Kandinsky besser gefällt, und in Wahrheit nicht einmal das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Peinlich genau eingehalten:&#039;&#039;&#039; Wer aus der eigenen Gruppe abweicht, wird härter verurteilt als ein Fremder, der dasselbe tut. Die Psychologen nennen das den Schwarze-Schaf-Effekt. Der Abtrünnige ist schlimmer als der Feind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das kritische Denken ausgeschaltet:&#039;&#039;&#039; Solomon Asch, 1951. Eine Versuchsperson sitzt mit sieben anderen am Tisch, die heimlich eingeweiht sind. Alle sollen sagen, welche von drei Linien so lang ist wie eine vierte. Die Antwort ist offensichtlich. Aber die sieben sagen nacheinander laut die falsche. Etwa drei von vier Versuchspersonen haben mindestens einmal mitgemacht und gegen ihre eigenen Augen die falsche Linie genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gemeinsame Feind:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Wort Sündenbock kommt aus der Bibel. Am Versöhnungstag legte der Priester die Sünden des Volkes einem Ziegenbock auf und jagte ihn in die Wüste.&lt;br /&gt;
* Im Ferienlager von Robbers Cave wurden die verfeindeten Gruppen am Ende durch eine gemeinsame Bedrohung versöhnt: Die Wasserleitung des Lagers war angeblich sabotiert.&lt;br /&gt;
* Göring erklärte 1946 in Nürnberg dem Gefängnispsychologen Gilbert sinngemäß: Das Volk lässt sich immer zum Krieg bringen. Man muss ihm nur sagen, es werde angegriffen, und die Friedensfreunde als Vaterlandsverräter hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“&#039;&#039; → Freund oder Feind, kein Drittes.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das macht man bei uns nicht.“&#039;&#039; → Die Regel des Stammes, ohne Begründung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Die da.“&#039;&#039; → Der Fremde braucht keinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die andere Seite:&#039;&#039;&#039; Derselbe Dämon trägt den verletzten Kameraden aus dem Feuer. Ohne ihn gäbe es keine Feuerwehr und keine Bergwacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; sein Ruf-Name.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_4:_Leib,_Nest_und_Lust&amp;diff=963</id>
		<title>Wesen 4: Leib, Nest und Lust</title>
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		<updated>2026-11-01T00:52:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Begehren: Felder, Beschreibung und acht Absätze&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die übrigen Wurzeln unter HOMO.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · &#039;&#039;&#039;Leib, Nest und Lust&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wuff Wuff (betteln um Anerkennung) ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Streber&lt;br /&gt;
* Die bettelnde Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HOMO ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Odem, Durst, Sunny, Balz, Elter, Sammler, Putz, Urschlummer, Beutetier, Hunger/Schlemmer, Raubtier, Herde, Begehren, Elf&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Odem ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Durst ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sunny ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hunger/Schlemmer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekel, Schmauß, Schmatz, Schmack, Trank, Mijam&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Völlerei), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekel ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Ekel]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Horror, Öde, Verachtung, Nase rümpfen, Hass&lt;br /&gt;
* Spruch: „Pfui“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Verdorbene und Verunreinigte vom Mund und vom Körper fernhalten. Der Dämon will, dass es weg ist, oder dass man selbst weg ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kot, Erbrochenes, Aas, Schimmel, Maden, Schleim, fremde Körperflüssigkeiten. Dazu alles, was damit in Berührung kam.&lt;br /&gt;
* Bannung: Abstand oder Reinigung. Er beruhigt sich, wenn das Ekelhafte weg ist oder man sich gewaschen hat.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Nase ist gerümpft, die Oberlippe nach oben gezogen, der Mund verzogen, oft wird die Zunge herausgestreckt oder es würgt.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf geht zurück, der Körper dreht sich weg, die Hände wehren ab. Man hält Abstand.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rangordnung und Reinheit.&#039;&#039;&#039; In vielen Kulturen oder Religionen wird eine Rangordnung gemacht: Reinheit, oder der Reine, im Gegensatz zum Unreinen. Bevor sich das vergeistigt hat, war das nichts Symbolisches. Das steht schon bei Nietzsche. Jedenfalls beinhaltet der Ekel eine Abscheu mit Blick auf den Unreinen, und darin ist eine Rangordnung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ja und Nein.&#039;&#039;&#039; Man sagt Ja und Nein und hält das für logische Kategorien. Aber letztendlich stammt das von körperlichen Reaktionen und basiert darauf und erhält auch heute noch daher den Sinn. Ekel ist eine Abwehr. Bei einem stärkeren Nein ist da auch Verärgerung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche schreibt in der &#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; ([http://www.thenietzschechannel.com/works-pub/gm/gm-1g.htm 1887, erste Abhandlung, §6]), dass „rein“ und „unrein“ sich zum ersten Mal als Ständeabzeichen gegenüberstehen. Man solle die Begriffe nicht symbolisch nehmen: Sie seien anfangs „grob, plump, äusserlich, eng, geradezu und insbesondere unsymbolisch“ verstanden worden. Der „Reine“ sei von Anfang an bloß „ein Mensch, der sich wäscht, der sich gewisse Speisen verbietet, die Hautkrankheiten nach sich ziehen, der nicht mit den schmutzigen Weibern des niederen Volkes schläft, der einen Abscheu vor Blut hat“. Dumont ([https://books.google.com/books/about/Homo_Hierarchicus.html?id=XsOtRGdvIigC &#039;&#039;Homo Hierarchicus&#039;&#039;]) beschreibt das indische Kastensystem durch den Gegensatz von rein und unrein: Die Brahmanen stehen für höchste Reinheit, die Unberührbaren für höchste Unreinheit. Mary Douglas (1966) bestimmt Schmutz als „matter out of place“, als Stoff am falschen Platz. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10234846/ 1999]) ordnen drei Gefühle drei Moralordnungen zu: Ekel gehört zur Verletzung der Ordnung von Reinheit und Heiligkeit, Ärger zur Autonomie, Verachtung zur Gemeinschaft. Royzman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24866519/ 2014]) fanden bei Verletzungen der Reinheitsordnung ohne Krankheitsbezug vor allem Ärger und nicht Ekel. Ob Ekel und Ärger dabei zusammenwirken oder sich ersetzen, ist umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Schutz vor dem, was man in den Mund nehmen würde.&#039;&#039;&#039; Rozin und Fallon ([https://psycnet.apa.org/record/1987-12972-001 1987]) definieren Ekel als Abscheu vor dem Gedanken, etwas Anstößiges in den Mund zu nehmen. Curtis, de Barra und Aunger ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3013466/ 2011]) sehen ihn als ein System, das vor Ansteckung schützt. Der Dämon ist also eine Wache an der Tür des Körpers.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Berührung zählt.&#039;&#039;&#039; Rozin, Millman und Nemeroff ([https://cognitionandculture.net/wp-content/uploads/89LawsSympMagicJPSP86-1wzdvkv.pdf 1986]) ließen Versuchspersonen Saft trinken. Hatte eine sterilisierte tote Kakerlake ihn kurz berührt, wurde er abgelehnt. Auch Schokolade in der Form von Hundekot wollten viele nicht essen, obwohl sie wussten, was es war. Der Dämon fragt nicht nach Wissen. Er reagiert auf die Berührung und auf die Ähnlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel vor Menschen und Taten.&#039;&#039;&#039; Chapman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251631/ 2009]) fanden, dass bittere Geschmäcker, Bilder von Verschmutzung und unfaire Angebote in einem Spiel denselben Gesichtsmuskel (Levator labii) aktivierten, der die Oberlippe hebt. Moralischer Ekel benutzt also dieselbe Mimik wie Ekel vor Essen. Von dort kommt die Spur zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] und [[#Nase rümpfen|Nase rümpfen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird übertragen.&#039;&#039;&#039; Die Reaktion von Ekel wurde übertragen und zeigt sich nicht nur in Bezug auf Speisen oder Schmutz, sondern als Abscheu vor Verbrechern oder Minderheiten. Auch das Nase rümpfen gehört dazu. Eine ursprüngliche körperliche Reaktion wurde kultiviert und wird für verschiedene Funktionen eingesetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird gelernt.&#039;&#039;&#039; Interessant ist auch, dass das Objekt des Ekels teilweise erst durch die Mutter erlernt wird, zum Beispiel Regenwürmer oder Ausscheidung. „Iiiih. Das ist ekelhaft. Fass das nicht an.“ Das ist direktes Lernen. Das Kind sieht die körperliche Reaktion der Mutter, den Abscheu im Gesicht, und lernt den Ekel vor dem Objekt aus diesem Vorbild. So wird diese Verknüpfung erlernt.&lt;br /&gt;
:Rozin, Haidt und Fincher ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251619/ 2009], „From Oral to Moral“) vertreten, dass Ekel als Ablehnung schlechter Geschmäcker begann und sich zu einer abstrakten Emotion ausdehnte. Tybur u. a. ([https://www.ovid.com/00006832-201301000-00003 2013]) schreiben, dass Ekel zunächst die Vermeidung von Krankheitserregern motivierte und später für die Vermeidung von Sexualkontakt und für moralische Verstöße genutzt wurde. Die Fachwörter dafür sind „Preadaptation“ und „Co-optation“. Harris und Fiske ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17100784/ 2006]) zeigten Versuchspersonen im Scanner Bilder von Obdachlosen und Süchtigen. Nach den Zusammenfassungen fehlte dabei die übliche Aktivierung für das Denken über andere Menschen, dafür waren Amygdala und Insula aktiv; die Insula gilt als Ekelregion. Stevenson u. a. ([https://researchers.mq.edu.au/en/publications/childrens-response-to-adult-disgust-elicitors-development-and-acq/ 2010]) untersuchten Kinder von 0 bis 18 Jahren: Kernauslöser wie Kot erscheinen zuerst, Eltern kleiner Kinder zeigten ihren Kindern mehr Ekel und mehr Meidung, und die Reaktion der Kinder auf Tiere und auf sozial-moralische Auslöser entsprach der Reaktion der Eltern. Für Kot nennt die Zusammenfassung diesen Zusammenhang nicht, und kleine Kinder ohne Wissen über Ansteckung reagierten auf Kernauslöser ebenso stark wie Gleichaltrige mit diesem Wissen. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3740830/ 1986]) fanden bei Kindern ab 16 Monaten, dass die Jüngsten mehr Ekelhaftes annahmen, die Mehrheit aber das meiste ablehnte. Dass das Kind den Ekel von der Mimik der Mutter lernt, ist mit diesen Studien nicht direkt nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel ist angeboren.&#039;&#039;&#039; Der Ekel gehört natürlich zu den Urdämonen. Der Psychologe Paul Ekman hat bei Naturvölkern dieselbe Mimik des Ekels dokumentiert wie bei uns. Also ist sie angeboren. Jemand las einen Text. In Zeitlupe war im Gesicht die Mimik starker Abscheu zu sehen. Das war ein Mikroausdruck von Ekel: die Abwehr im Augenblick, in dem eine Textstelle nicht verstanden wurde.&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Mimik des Ekels und das Deuten dieser Mimik sind zu trennen. Zur Mimik: Matsumoto und Willingham ([https://www.eurekalert.org/news-releases/695433 2009]) fanden bei Athleten der Paralympics 2004, die von Geburt an blind waren, dieselben spontanen Gesichtsausdrücke wie bei sehenden Athleten. Ich kenne nur Zusammenfassungen. Ob Ekman bei den Fore auch selbst gezeigte Ekel-Mimik dokumentiert hat, konnte ich nicht belegen. Zum Deuten: Ekman, Sorenson und Friesen (1969, &#039;&#039;Science&#039;&#039; 164) ließen Fore und Sadong Gesichtsausdrücke zuordnen. Die Fore erkannten den Ausdruck für Ekel und Verachtung zu 29 % (Pidgin) bzw. 44 % (Fore-Sprache), die Sadong wählten am häufigsten „Trauer“ (26 %) und „Freude“ (23 %). Ekman und Friesen (1971, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 17) gaben den Fore Geschichten und drei Gesichter zur Wahl: Erwachsene wählten das Ekel-Gesicht zu 77 % bzw. 89 % (Zufall: 33 %), Kinder bei zwei Gesichtern zu 95 % bzw. 78 % (Zufall: 50 %). Ich kenne die Zahlen aus einem Lehrbuch (Yarwood), das die Tabellen wiedergibt. Das Deuten gelingt beim Ekel also schlechter als bei Freude. Gegenposition: Barrett u. a. (2019) bestreiten, dass sich Gefühle verlässlich aus dem Gesicht lesen lassen. Zum Mikroausdruck beim Nichtverstehen habe ich keine Studie gefunden. Rozin und Cohen ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12899317/ 2003]) fanden bei Amerikanern im Alltag häufig Ausdrücke, die sie als Verwirrung, Konzentration und Sorge deuteten; Verwirrung hat dort einen eigenen Ausdruck. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8014832/ 1994]) beschreiben verschiedene Ekel-Gesichter für verschiedene Auslöser. Pochedly u. a. fanden, dass das Gefühl, das man dem Naserümpfen zuschreibt, davon abhängt, welche Gesichter vorher gezeigt wurden. Ich kenne alle drei nur aus den Zusammenfassungen. Der Ekel beim Nichtverstehen bleibt damit eine Beobachtung; sie passt zu „Der Ekel wird übertragen“. Zu Urgefühlen, Mikroausdrücken und Verhör siehe [[Grundlagen#Das Unbewusste|Das Unbewusste]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kinder.&#039;&#039;&#039; [[#Öde|Öde]] ist der Ekel vor dem Geschmacklosen. [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] entsteht aus Ekel und [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; Wer Menschen mit „Ungeziefer“ oder „Dreck“ belegt, ruft den Ekel gegen sie. Dann wird aus der Hygiene eine Ausgrenzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Öde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Nörgler&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nase rümpfen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Lästerer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmauß ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmatz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmack ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mijam ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Balz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Liebe, Eifersucht&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aphrodite ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit und Anmut eines Menschen, ohne dass man den Akt beabsichtigt oder sich ihn ausmalt. Man fühlt sich in der Nähe dieses Menschen gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes. Schönheit stimuliert, und vielleicht gehört etwas Verliebtheit dazu. Man will für die Verehrte etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Aber etwas Nichtmaterielles will man doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Getrennt vom Begehren.&#039;&#039;&#039; Die sexuelle Absicht ist davon getrennt, auch wenn sie oft folgt. Umgekehrt gibt es Männer, die jede nehmen, die die Reize hat, unabhängig vom Charakter der Frau, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hindernisse.&#039;&#039;&#039; Was die Verehrung verhindern kann, ist bei jedem anders, etwa Falschheit oder Einbildung. Wer sie beim anderen findet, kann ihn nicht mehr verehren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Macht.&#039;&#039;&#039; Aphrodite ist mächtig und verbreitet. Die halbe Zivilisation hängt davon ab, von Mode und Kosmetik bis zu Kunst, Musik und Architektur, und es wird viel dafür getan, selbst bewundert zu werden oder Schönheit zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Liebe ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Beschützer, Verehrung/Bewunderung · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Liebe ist, dass einem der andere wichtig ist und man ihn schützen will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] hat dabei eine ganz starke Rolle. Die Liebe kann eine sexuelle Komponente haben, aber die kann auch fehlen. Die Mutter liebt ihr Kind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Liebe und Begehren.&#039;&#039;&#039; Begehren gibt es auch ohne Liebe, und Liebe auch ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Wo beides zusammenkommt, ist es [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Und die Bewunderung.&#039;&#039;&#039; Die Liebe hat auch von der Verehrung etwas, vom Staunen über den anderen. Die Bewunderung der Schönheit ist [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eifersucht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Sammler, Zorn, Verehrung/Bewunderung, Revierverhalten/Gebiet, Elter · zu Stalker&lt;br /&gt;
* Der Kern ist das Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: der Rivale; der Blick des geliebten Menschen zu einem Dritten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kern:&#039;&#039;&#039; Die Gefahr, eine Bindung zu verlieren, und zwar an einen Rivalen. Das ist Revierverhalten: Ein Rivale dringt in mein Revier ein, und das Revier ist hier eine Bindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Älter als Balz und Besitz:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Die Mutter spielt liebevoll mit einer lebensechten Puppe statt mit ihrem sechs Monate alten Baby. Das Baby wird unruhig und unglücklich, deutlich mehr, als wenn die Mutter nur in ein Buch schaut. Ein Säugling hat keine Balz und keinen Begriff von Besitz.&lt;br /&gt;
* Der Besitzer streichelt einen Stoffhund, der bellt und mit dem Schwanz wedelt. Viele Hunde drängen sich dazwischen, manche schnappen nach dem Stoffhund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es gibt verschiedene Arten von Eifersucht, je nach Art der Bindung:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Liebenden&#039;&#039;&#039;, von der Balz: der Nebenbuhler. Das Kleinlibellen-Männchen hält das Weibchen nach der Paarung mit seinen Zangen am Hals fest und fliegt mit ihr im Tandem, während sie die Eier ablegt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Geschwistern&#039;&#039;&#039;, vom Elter: Ein Baby kommt nach Hause, und das ältere Kind, zwei oder drei Jahre alt, will plötzlich wieder die Flasche und macht wieder ins Bett. Josef: Jakob liebt ihn mehr als die anderen Söhne und schenkt ihm einen bunten Rock. Die Brüder werfen ihn in eine Grube und verkaufen ihn. Es geht um die Gunst des Vaters.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um Besitz&#039;&#039;&#039;, vom Sammler: „Er gehört mir.“ „Meine Frau.“ „Mein Schatz.“ Was man hat, gibt man nicht her.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um einen Verehrten&#039;&#039;&#039;, von der Verehrung: Der Lieblingsschüler des Meisters wird von den anderen beneidet. Der Fan ist eifersüchtig auf die Freundin des Stars.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Ausbruch&#039;&#039;&#039;, vom Zorn: wenn der Rivale da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wertlosigkeit und Zurückweisung:&#039;&#039;&#039; Man hat auch ein Gefühl der Wertlosigkeit, der Zurückweisung, wenn der besondere Mensch einen anderen vorzieht. Der Rivale nimmt nicht nur den Menschen weg. Er sagt durch seine bloße Existenz: Du bist weniger wert als ich. Im Kopf kreist die Frage: „Was hat er, was ich nicht habe?“ Man vergleicht sich und verliert. Das liegt nahe bei Schmach und Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eifersucht und Neid:&#039;&#039;&#039; Eifersucht fürchtet zu verlieren, was man hat, an einen Rivalen. Neid will haben, was der andere hat. Das Gefühl der Wertlosigkeit entsteht im Vergleich mit dem Rivalen. Da treffen sich beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird nicht bewertet. Eifersucht hat man in allen Kulturen gefunden, in denen man danach gesucht hat. Sie ist natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Venus ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Liebe, Mijam, Begehren, Kuschel · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Venus ist die Liebe mit Begehren. Zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] kommen das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]], der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Kuschel|Kuschel]] mit der Lust an der Berührung und der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Mijam|Mijam]] mit der Lust am Genuss. Alle diese Teile gibt es auch einzeln. Begehren gibt es ohne Liebe, und Liebe ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Venus ist der Fall, in dem alles zusammenkommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]] bewundert die Schönheit, ohne den Akt zu beabsichtigen. Das Begehren nimmt, was die Reize hat, ohne Rücksicht auf den Charakter. Venus verbindet die Liebe mit dem Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begehren ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekstase, Venus&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Wollust), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du gefällst mir.“ „Bleib noch.“ „Komm näher.“ „Du siehst heute gut aus.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Berührung, Nähe und Vereinigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Ekel|Ekel]] und [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]].&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Pupillen sind weit, die Lippen leicht geöffnet, der Blick bleibt hängen, wendet sich ab und kehrt zurück.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Körper wendet sich dem anderen zu, sucht Nähe und Berührung, die Stimme wird leiser und tiefer.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Begehren richtet den Menschen auf einen anderen Menschen aus und treibt ihn zur sexuellen Vereinigung. Ein Reiz weckt es, die Erfüllung stillt es.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trigger.&#039;&#039;&#039; Etwas fungiert als Trigger, was vorher keiner war. Begehren ist in der Entwicklung flüssig. Der Mensch hat gelernt, aufrecht zu gehen. Jetzt waren die Reize von hinten nicht mehr da, also brauchte es vorne auch Reize für die Stimulation. Außerdem wurde die Kindheit länger, also wurden die Milchdrüsen länger gebraucht. Auf einmal wurden Brüste sexy. Milchdrüsen haben auch Tiere, vielleicht waren es zuerst Fettreserven.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Form, Kontext, Schablone.&#039;&#039;&#039; Ein Trigger besteht aus drei Teilen: einem Merkmal, einem Zusammenhang und einer Richtung des Begehrens. Brustwarzen sehen bei Mann und Frau ähnlich aus und lösen doch nur im Zusammenspiel mit der Richtung aus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angeborene und gelernte Auslöser.&#039;&#039;&#039; Es gibt Auslöser, die bevorzugt wirken: ein Taille-Hüft-Verhältnis um 0,7, Jugend, Gesundheit. Daneben kann das Begehren auf andere Reize geprägt werden. Beim Fetischisten sind es Gummi, Büstenhalter oder Schuhe. Der geprägte Auslöser wirkt wie ein angeborener: Er erregt und er befriedigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Übernormale Reize.&#039;&#039;&#039; Ein Reiz kann stärker wirken als sein Vorbild: Lippenstift, Zucker, Fett, Bildbearbeitung. Die Silbermöwe brütet auf einem Ei, das größer ist als ihr eigenes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Reiz verspricht.&#039;&#039;&#039; Der Reiz verspricht den Vollzug und weckt den Dämon. Das ist seine Funktion. Der Duft macht Hunger auf Brötchen. Die Schachtel macht Japp auf den Kick vom Nikotin.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Trigger.&#039;&#039;&#039; Knappheit (nur noch zwei), Nachahmung (der andere will es, also will ich es auch), Neuheit (das Überraschungsei), Besitz (was mir gehört, wird wertvoll), Zeichen für Belohnung (die Verpackung, der Geruch aus der Bäckerei), Status (das Auto des Nachbarn).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sperre.&#039;&#039;&#039; Gegenspieler der Trigger ist die Gewöhnung. Wer als Kind zusammen aufwächst, findet sich später nicht mehr anziehend, und wer etwas zu lange hat, mag es nicht mehr.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Gas und Bremse.&#039;&#039;&#039; Das Begehren hat zwei getrennte Systeme: eines, das erregt, und eines, das hemmt. Menschen unterscheiden sich in beidem (Bancroft &amp;amp; Janssen 2000). Gehemmt wird durch die Angst zu versagen und durch die Angst vor den Folgen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Ekel als Gegenspieler.&#039;&#039;&#039; Speichel, Schweiß und Körpergerüche wecken außerhalb der Lust Ekel. Sexuelle Erregung schwächt den Ekel (PLoS ONE 2012). Umgekehrt dämpfen Zeichen von Krankheit und Schmutz die Erregung (PLoS ONE 2015).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust kommt oft erst beim Tun.&#039;&#039;&#039; Das Begehren muss nicht vor dem Reiz da sein. Oft entsteht es erst, wenn der Reiz wirkt. Basson hat das 2000 für Frauen beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Zeichen.&#039;&#039;&#039; Frauen steuern die Begegnung zwischen Fremden und entscheiden über deren Ausgang (Grammer u. a. 2000, Videoanalyse). Männer erkennen einen weiblichen Gesichtsausdruck zuverlässig als Flirt (Journal of Sex Research 2020).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Pupille.&#039;&#039;&#039; Die Pupille erweitert sich bei erotischen Bildern innerhalb einer halben Sekunde (Psychophysiology 2017). Bei heterosexuellen und schwulen Männern folgt sie klar der Ausrichtung des Begehrens, bei Frauen weniger deutlich (Rieger u. a. 2015; Meta-Analyse 2021). Sie verrät den Erregten. Schöner macht sie ihn nicht: Engere Pupillen wirken sogar attraktiver (Cognition 2024).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Stimme.&#039;&#039;&#039; Männer senken die Stimme, wenn eine Frau begehrt ist und wenn sie bei einer Verabredung die Frau gewählt haben (Proceedings B 2019). Bei Jägern und Sammlern haben Männer mit tiefer Stimme mehr Kinder (Apicella u. a. 2007).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Abwechslung.&#039;&#039;&#039; Begehren und Erregung sinken bei Gewöhnung an den Partner und steigen bei einem neuen (Übersicht 2014). In Versuchen zeigen Männer stärkere Vorliebe für sexuelle Abwechslung, den Coolidge-Effekt (Archives of Sexual Behavior 2020). Eine Befragung in 52 Ländern fand den Wunsch nach mehr Partnern bei Männern durchgehend (Schmitt 2003).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Lust, Anziehung, Bindung.&#039;&#039;&#039; Bei Säugetieren trennt Fisher (1998) drei Systeme: die Lust, die zur sexuellen Vereinigung treibt, die Anziehung zu einem bestimmten Partner und die Bindung. Das Begehren ist die erste. Die beiden anderen entsprechen [[#Venus|Venus]] und dem Wesen der [[#Liebe|Liebe]]. Der Kuss dient dabei auch der Prüfung des Partners, besonders bei Frauen (Hughes &amp;amp; Kruger 2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekstase ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Begehren · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elter ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Beschützer, Nestbau, Eifersucht, Beschwichtiger&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschützer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Krieger · zu Liebe&lt;br /&gt;
* Hunger: Für ein Wesen sorgen. Das gibt Erfüllung und Sinn: Für jemand anderen zu sorgen, ist das, was die Frau meint, die verzweifelt Kinder bekommen möchte. Es ist auch ein Instinkt, der für den Fortbestand da ist. Eltern freuen sich über ihre Kinder. Auch der Enkel ist für die Großeltern ein großes Glück und eine Erfüllung. Eltern berichten etwas mehr Sinn im Leben als Nichteltern, bei Frauen deutlicher (Apostolou u. a. 2026). Eltern leben im Alter länger als Kinderlose, ab 60 etwa 2 Jahre bei Männern und 1,5 Jahre bei Frauen (Modig u. a. 2017). Großeltern, die Enkel betreuen, sind zufriedener (SHARE, 95.594 Befragte) und haben ein um 37 % niedrigeres Sterberisiko (Hilbrand u. a. 2017). Das Betreuen ist dabei der Faktor, nicht das bloße Dasein der Enkel.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit. Das Kindchenschema wirkt, die Bambi-Augen, auch bei Männern. Andere Tiere haben andere Trigger, bei Vögeln der aufgesperrte Schnabel der Jungen. Fremde Kinder sind auch süß, führen aber nicht zu dieser Fürsorge. Das hängt davon ab, ob man sich verbunden fühlt, und in der Regel gibt es am Anfang eine Prägung. Babys mit stärkerem Kindchenschema werden als süßer bewertet und wecken mehr Fürsorge (Glocker u. a. 2009). Bei Gull-Küken ist es der rote Fleck am Schnabel der Eltern (Tinbergen und Perdeck 1950). Mütter erkennen ihr Neugeborenes nach kurzem Kontakt am Geruch (Kaitz u. a. 1987). Bei Frauen wirken große Augen attraktiv (Cunningham 1986).&lt;br /&gt;
* Bannung: Durch Enttäuschung oder Zurückweisung. Eltern verstoßen ihren Sohn, wenn er in ihrer Vorstellung missraten ist: faul, frech, undankbar. Dazu gehört aber einiges. Meist bleibt die Mutterliebe trotzdem bestehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Pflege.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer pflegt die Nachkommen, das ist seine primäre Aktivität. Eltern opfern dafür sehr viel Zeit und Energie. Zu den Diensten gehören: Sicherheit im Heim (siehe [[#Nestbau|Nestbau]]), Ernährung, Lehre, Trost und Forderung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ernährung.&#039;&#039;&#039; Kohlmeisen-Eltern fliegen etwa 12 bis 15 Mal pro Stunde ans Nest (Barba u. a. 2009).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lehre.&#039;&#039;&#039; Bei Erdmännchen entschärfen Helfer Skorpione und geben den Jungen mit dem Alter lebendere Beute (Thornton und McAuliffe 2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trost.&#039;&#039;&#039; Junge Rhesusaffen klammerten sich an eine Stoffmutter und liefen bei Schreck zu ihr, auch wenn eine Drahtmutter sie fütterte (Harlow).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Forderung.&#039;&#039;&#039; Eltern, die warm sind und klare Regeln begründet fordern, haben die günstigsten Folgen für die Kinder (Baumrind).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Aufwand.&#039;&#039;&#039; Eltern von zwei Kindern wenden etwa 7,5 Stunden am Tag auf (Bryant und Zick 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verteidigung.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer spricht zuerst in Sorge:&lt;br /&gt;
:* Bist du warm genug angezogen?&lt;br /&gt;
:* Zieh dich warm an!&lt;br /&gt;
:* Isst du auch genug?&lt;br /&gt;
:* Fahr vorsichtig!&lt;br /&gt;
:* Ruf an, wenn du angekommen bist!&lt;br /&gt;
:* Warum meldest du dich nicht, ist was passiert?&lt;br /&gt;
:* Ich mach mir doch nur Sorgen.&lt;br /&gt;
:* Ich meine es doch nur gut mit dir.&lt;br /&gt;
:Dann in Zusagen:&lt;br /&gt;
:* Egal wann, egal von wo, egal was ist: Du rufst mich an und ich komme dich holen.&lt;br /&gt;
:* Du kannst IMMER nach Hause zurückkommen; wir werden immer für dich da sein!&lt;br /&gt;
:* Ganz egal, was passiert oder was du tust: Ich werde dich immer lieben!&lt;br /&gt;
:* Keine Angst, ich bin bei dir.&lt;br /&gt;
:* Dir passiert nichts, solange ich hier bin.&lt;br /&gt;
:* Ich passe auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Pass auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Du musst da nicht allein durch.&lt;br /&gt;
:* Komm, ich helfe dir.&lt;br /&gt;
:* Ich lasse dich nicht im Stich.&lt;br /&gt;
:* Du kannst dich auf mich verlassen.&lt;br /&gt;
:* Ich kümmere mich darum.&lt;br /&gt;
:* Solange ich da bin, wird keiner zurückgelassen.&lt;br /&gt;
:In der Verteidigung:&lt;br /&gt;
:* Lass ihn in Ruhe!&lt;br /&gt;
:* Niemand tut dir etwas.&lt;br /&gt;
:* Stell dich hinter mich.&lt;br /&gt;
:* Wenn du Streit willst, dann mit mir.&lt;br /&gt;
:* Leg dich mit jemandem an, der sich wehren kann!&lt;br /&gt;
:* Do not touch my kid.&lt;br /&gt;
:* don&#039;t touch peoples kids&lt;br /&gt;
:* yeah, I&#039;m not going to hand her over&lt;br /&gt;
:* ok but not HIS MOM&lt;br /&gt;
:Und wenn er zu weit geht:&lt;br /&gt;
:* Ich weiß, was gut für dich ist.&lt;br /&gt;
:* Das ist zu gefährlich für dich.&lt;br /&gt;
:* Lass mich das lieber machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mit dem Krieger.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer arbeitet mit dem Krieger zusammen. Eine Mutter kämpft auch gegen stärkere Feinde und entwickelt dabei Kräfte, die sie oft gewinnen lassen. Da schlägt auch ein Vogel einen starken Greifvogel in die Flucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überbehütung.&#039;&#039;&#039; Die Mutter will das Kind schützen und lässt ihm deshalb keinen Auslauf. Keine Erfahrung, die gefährlich sein könnte. Oder sie kaut ihm alles vor und schreibt ihm vor. Auch will sie nicht loslassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sie bewirkt.&#039;&#039;&#039; Das Kind lernt nicht, was es sich zutrauen kann. Wer nie hingefallen ist, kennt den Schmerz nicht und weiß nicht, wie man wieder aufsteht. Wer nie selbst entscheiden durfte, hat das Entscheiden nicht geübt und fragt weiter die Mutter. Es bleibt abhängig von ihr. Und weil sie nicht loslässt, kommt es auch später schwer los.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum sie nicht loslässt.&#039;&#039;&#039; Der Hunger des Beschützers bleibt, wenn das Kind selbstständig wird. Es fehlt ihm die Nahrung: jemand, für den er sorgen kann. Also hält die Mutter das Kind klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn die Kinder gehen.&#039;&#039;&#039; Die Kinder ziehen aus. Das Zimmer ist leer. Niemand muss mehr geweckt, bekocht und erinnert werden. Der Hunger bleibt, es fehlt die Nahrung. Manche Mütter rufen dann weiter täglich an und fragen, ob das Kind genug gegessen hat. Andere wenden sich den Enkeln zu, einem Haustier oder einer Aufgabe, in der sie für andere sorgen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn das Kind stirbt.&#039;&#039;&#039; Dann bleibt der Hunger bei einem Wesen, das nichts mehr zu versorgen hat. Manche Eltern lassen das Zimmer jahrelang so, wie es war. Das Sorgen hört nicht auf, es geht ins Leere. Viele Eltern sagen, das sei das Schlimmste, was ihnen geschehen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nestbau ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Sammler · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nest als Revier.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Das Gesetz kennt den Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird (§ 123 StGB).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es betreten wird.&#039;&#039;&#039; Einbruchsopfer reagieren mit Wut (72 %), Schlafstörungen (57 %) und Angst (39 %), viele fühlen sich verletzt (Victim Support 2005, 545 Opfer). Etwa ein Viertel ist ernsthaft erschüttert, nach über einem Monat hat sich nur ein Drittel erholt (British Journal of Criminology 1980, 322 Opfer).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Singvögel markieren ihr Revier mit Gesang, viele Säugetiere mit Duftmarken. Reicht die Ankündigung nicht, folgen Verfolgung und Kampf. Bei Möwen in Kolonien ist das Revier nur das Nest selbst. Wolfsrudel verteidigen das Gebiet, in dem sie jagen und leben (Britannica).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu.&#039;&#039;&#039; Das Revier dient der Brutpflege, ungestörter Paarung, der Nahrung für die Jungen und dem Abstand zu Artgenossen (Britannica).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschwichtiger ==&lt;br /&gt;
* Auch: Tröster&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe. Dass der Sturm sich legt, in einem selbst oder im anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Stress, Schmerz, Aufregung, die eigene oder die eines anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Das Kind hat sich wehgetan. Die Mutter nimmt es auf den Arm und sagt: „Ist ja gut, ist gleich vorbei.“ Das wiederholt sich, bis das Kind diese Stimme selbst hat. Der Beschwichtiger ist der Tröster, der nach innen gewandert ist. Er spricht zu einem selbst, wie damals die Eltern gesprochen haben. Weil man ihn hat, kann man ihn auch anderen leihen: Er tröstet, besänftigt, entschärft einen Streit. Er wirkt in beide Richtungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Wenn die Lage gespannt ist, gähnt der Hund, wendet den Kopf ab, schnüffelt am Boden oder leckt sich über die Nase. Die Hundetrainerin Turid Rugaas nennt das Beschwichtigungssignale. Schimpansen suchen nach einem Kampf den Kontakt: Die Gegner versöhnen sich mit einem Kuss, und ein Dritter umarmt den, der angegriffen wurde (de Waal und van Roosmalen 1979).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Die richtigen Sprüche sind wie ein Mantra und nehmen den Stress erst mal raus. Das muss man lernen und sich aneignen: Sich selbst in stressigen Momenten zu beruhigen.&lt;br /&gt;
:* Das ist ein lösbares Problem&lt;br /&gt;
:* Bleib cool&lt;br /&gt;
:* Morgen geht die Sonne auch noch auf&lt;br /&gt;
:* Es gibt Schlimmeres&lt;br /&gt;
:* Immer mit der Ruhe&lt;br /&gt;
:* Alles wird gut. Es wird alles gut.&lt;br /&gt;
:* Man muss das kosmisch sehen&lt;br /&gt;
:* Scheiß drauf&lt;br /&gt;
:* dumm gelaufen&lt;br /&gt;
:* Morgen lach` ich darüber&lt;br /&gt;
:* Immer schön der Reihe nach&lt;br /&gt;
:* Und wenn schon&lt;br /&gt;
:* Auch das geht vorbei&lt;br /&gt;
:* Irgend ne Scheiße hat man immer am Hacken&lt;br /&gt;
:* Eins nach dem Anderen&lt;br /&gt;
:* Erst mal schauen&lt;br /&gt;
:* Notfalls hole ich mir Hilfe&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie die Sprüche wirken.&#039;&#039;&#039; Sie schaffen Abstand. Abstand in der Zeit: „Morgen lach` ich darüber“, „Auch das geht vorbei“. Abstand im Raum: „Man muss das kosmisch sehen“, „Es gibt Schlimmeres“. Sie zerlegen den Berg: „Eins nach dem Anderen“, „Erst mal schauen“. Oder sie lassen los: „Scheiß drauf“, „Und wenn schon“. Bei „dumm gelaufen“ ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Kobold|Kobold]] nicht weit. Der Psychologe Ethan Kross hat gezeigt, dass schon die Form des Selbstgesprächs zählt: Wer unter Stress mit sich spricht wie mit einem anderen, mit dem eigenen Namen oder mit „du“ statt „ich“, hat weniger Angst und grübelt danach weniger (Kross u. a. 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne ihn.&#039;&#039;&#039; Ohne Beschwichtiger gerät man in Dauerstress oder Panik. Er beruhigt andere oder sich selbst. Auch Sportler sprechen sich vor der Leistung Mut zu. Muhammad Ali verkündete: „Ich bin der Größte.“ Er sagte, er habe es gesagt, noch bevor er es wusste, und es so oft wiederholt, bis die Welt es glaubte (Ali Center, „In His Own Words“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Stammesbruder&lt;br /&gt;
* Trigger: Gefahr, und vor allem die Flucht der anderen. Wenn einer rennt, rennen alle.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Die Herde ist die Wurzel und biologische Grundlage. Ohne diesen Instinkt gäbe es kein Stammesverhalten. Nietzsche nannte es den Herdentrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichheit schützt, Abweichung ist gefährlich:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Im Fischschwarm stößt niemand den Abweichler aus, das erledigt der Räuber. In einem Versuch wurden einige Fische farbig markiert. Die Raubfische schnappten bevorzugt die markierten, weil sie herausstachen. Darum suchen sich Fische Schwärme, in denen alle so aussehen wie sie selbst.&lt;br /&gt;
* Hat eine Henne eine Wunde oder einen roten Fleck, hacken die anderen darauf ein, manchmal bis zum Tod. Geflügelhalter hängen darum rotes Licht in den Stall.&lt;br /&gt;
* Am Eingang des Bienenstocks prüfen Wächterinnen den Geruch. Eine Biene mit fremdem Stockgeruch wird abgewehrt oder getötet. Reibt man eine Ameise mit dem Geruch eines fremden Nests ein, greifen ihre eigenen Schwestern sie an.&lt;br /&gt;
* E. O. Wilson bestrich lebende Ameisen mit Ölsäure, dem Geruch toter Ameisen. Die Schwestern trugen die lebende, zappelnde Ameise auf den Abfallhaufen. Sie kam zurück und wurde wieder hinausgetragen, bis der Geruch verflogen war. Das Kennzeichen zählt mehr als das, was man sieht.&lt;br /&gt;
* In Gombe brach 1966 Kinderlähmung aus. Jane Goodall beschrieb einen gelähmten Schimpansen, der sich nur noch schleppen konnte. Die anderen erschraken vor seiner fremden Bewegung, einige griffen ihn an, und sie wollten ihn nicht mehr lausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glück in der Menge:&#039;&#039;&#039; Die Herde ist die Anpassung an die Masse. Das Schaf ist glücklich in der Herde von Gleichgesinnten. Nach einem Konzert sagen die Leute: „Da war richtig viel los. Das war toll.“ Das ist pure Biologie.&lt;br /&gt;
* Émile Durkheim nannte es 1912 die kollektive Efferveszenz: Wenn eine Gemeinschaft zusammenkommt und gleichzeitig dasselbe denkt oder tut, wallt eine gemeinsame Energie auf, die den Einzelnen erregt und die Gruppe eint. Für Durkheim ist das die Wurzel der Religion: Die Energie der Versammlung geht auf ein Symbol oder einen Menschen über, und der wird heilig (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Fan|Fan]]).&lt;br /&gt;
* Bronwyn Tarr, Jacques Launay, Emma Cohen und Robin Dunbar ließen 2015 Menschen gemeinsam tanzen. Gleichzeitige Bewegung und Anstrengung erhöhten jede für sich die Schmerzschwelle, ein Zeichen für ausgeschüttete Endorphine, und stärkten die Bindung an die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Beim Pilgerfest Magh Mela in Indien hatten sich Gesundheit und Wohlbefinden der Pilger nach dem Fest verbessert (Tewari u. a. 2012). Wer die Menge als Gemeinschaft Gleichgesinnter erlebte, hatte ein besseres Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herde allein ist noch kein Stamm:&#039;&#039;&#039; Eine Gnuherde in der Serengeti zählt Hunderttausende Tiere. Keines kennt die anderen, kein Fremder wird ausgestoßen. Wer mitläuft, gehört dazu. Erst beim Wolfsrudel kennt jeder jeden, der Geruch ist das Kennzeichen, das Revier ist abgesteckt, und der fremde Wolf wird angegriffen. Im Yellowstone-Park ist der häufigste natürliche Tod eines Wolfs der Kampf mit einem fremden Rudel. Herde, dann Rudel und Revier, dann der [[#Stammesbruder|Stammesbruder]] mit Zeichen, Fahnen und Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nietzsche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* „Moralität ist Heerden-Instinct in dem Einzelnen.“ (Die fröhliche Wissenschaft, Aphorismus „Heerden-Instinct“)&lt;br /&gt;
* „Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in&#039;s Irrenhaus.“ (Also sprach Zarathustra, Vorrede)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geltung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Eitelkeit, Prahler, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]], [[Wesen 3: Beutetier#Verbittert|Verbittert]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Gerüchtemacher]]&lt;br /&gt;
* Hunger: etwas gelten, Bedeutung haben. Und wenn auch nur in einem Spezialgebiet oder vor bestimmten anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: übergangen werden, nicht beachtet werden; der eigene Platz in der Gruppe ist in Gefahr.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Jeder Mensch möchte Bedeutung haben, etwas gelten. Es geht um die Rangordnung in der Gruppe. Ein Einzelgänger hat keinen Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Hackordnung.&#039;&#039;&#039; Der Norweger Thorleif Schjelderup-Ebbe hat 1921 bei Hühnern die Hackordnung entdeckt: Jedes Huhn kennt seinen Platz, hackt die unter ihm und weicht denen über ihm aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Das Raubtier hat Geltung aus Stärke: Es hat Macht und Einfluss auf andere, auch gegen den Strom. Seinen Feinden erscheint es gefährlich. Die ihm folgen, tun es aus anderen Motiven, aus Achtung vor seinem Können und seiner Stärke. Das ist nicht der Gewaltherrscher, der gefürchtet und verachtet wird, sondern der vornehme Adlige. Überall gibt es Autoritäten, denen gefolgt wird wegen ihrer Entschlossenheit und ihres Könnens, in jeder Gruppe: im Sport, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Musik, in allem in Kultur und Zivilisation. Zwischen den Weltkriegen strömten junge Physiker zu Niels Bohr nach Kopenhagen; die Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten, galt als Privileg. Leonard Bernstein sagte über den Dirigenten Carlos Kleiber: „I have just heard the greatest living conductor in the world“. Und Kleiber selbst sagte einmal zu seinem Konzertmeister, als das Orchester ganz darauf konzentriert war, ihm zu folgen: „Let me follow you.“ Bei Apple sagte der Entwickler Bud Tribble 1981 über Steve Jobs: „Steve has a reality distortion field.“ Andy Hertzfeld beschrieb es als „a confounding melange of a charismatic rhetorical style, an indomitable will, and an eagerness to bend any fact to fit the purpose at hand“ (eine verwirrende Mischung aus einem charismatischen Redestil, einem unbeugsamen Willen und der Bereitschaft, jede Tatsache passend zu biegen). Gerade die Souveränen versuchen oft, was als unmöglich gilt. Es gehört immer Entschlossenheit dazu: neue Reviere erobern, auch kulturell (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]). Der Antrieb ist nicht die Anpassung. Am 9. Oktober 1903 schrieb die New York Times, eine Flugmaschine, die wirklich fliegt, könne in ein bis zehn Millionen Jahren entstehen. Am selben Tag schrieb Orville Wright in sein Tagebuch: „We started assembly today.“ 69 Tage später flogen die Brüder Wright. John F. Kennedy sagte 1962 in Houston: „We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard“; 1969 landeten Menschen auf dem Mond. Christo und Jeanne-Claude arbeiteten 24 Jahre daran, den Reichstag zu verhüllen, und trafen dafür 352 Abgeordnete; 1995 war er verhüllt. Ob ein Versuch gelingt oder scheitert, sagt nichts über die Haltung. Hinterher ist man immer schlauer: Wer den Ausgang kennt, hält ihn für viel wahrscheinlicher, als er es vorher getan hätte, und merkt es nicht (Fischhoff 1975). Max Weber nannte diese Herrschaft charismatisch: Sie beruht „auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person“. Nietzsche: „Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubthier, die prachtvolle nach Beute und Sieg lüstern schweifende blonde Bestie nicht zu verkennen; es bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung, das Thier muss wieder heraus, muss wieder in die Wildniss zurück“ (&#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; I 11; siehe [[Die Entstehung der Seele#Kanalisieren statt ausrotten|Kanalisieren statt ausrotten]]). Auch der Herdenmensch will Geltung haben, aber sie wird ihm durch die Zustimmung anderer gegeben: Preise und Auszeichnungen. Das ist die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]. Wer wenig Souveränität hat, holt sich Rang und Geltung von jemandem, dessen Meinung wichtig ist: [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]], die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]], der [[#Poser|Poser]]. Napoleon sagte 1802 zur Gründung der Ehrenlegion: „C&#039;est avec des hochets que l&#039;on mène les hommes.“ (Mit Rasseln lenkt man die Menschen.) Beides ist nicht eindeutig getrennt, sondern gemischt: Der französische Adel gab Unsummen für Kleider aus, und die Krone ist ein Symbol der Macht. Es gibt starke Persönlichkeiten, die die Auszeichnung haben wollen, und andere, die sie souverän ablehnen. Der Mathematiker Grigori Perelman lehnte 2006 die Fields-Medaille ab: „I&#039;m not interested in money or fame; I don&#039;t want to be on display like an animal in a zoo.“ La Rochefoucauld: „L&#039;orgueil se dédommage toujours, et ne perd rien, lors même qu&#039;il renonce à la vanité.“ (Der Stolz entschädigt sich immer und verliert nichts, selbst wenn er auf die Eitelkeit verzichtet.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geliehene Geltung.&#039;&#039;&#039; Die Herde tut etwas anderes. Der Herdenmensch erhält seine Geltung von jemandem, der Ansehen, Macht und Geltung hat. Das kann auch eine Institution oder eine Lehre sein. Es ist eine Unterordnung: der Diener im Haus des Adels, die Nonne im Schoß der Kirche. Der Diener würde es ablehnen, neureichem Pöbel zu dienen. Der Psychologe Robert Cialdini nannte das 1976 „basking in reflected glory“, sich im zurückgeworfenen Glanz sonnen: Nach einem Sieg ihrer Footballmannschaft trugen mehr Studenten Kleidung mit dem Namen ihrer Universität, und sie sagten „We won“. Nach einer Niederlage hieß es „They lost“. Das ist die flüchtige Form, nahe beim [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]]. Der Diener dagegen bleibt. Die Grenzen sind fließend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Grundbedürfnis.&#039;&#039;&#039; Cameron Anderson, John Hildreth und Laura Howland haben 2015 die Forschung zur Frage gesammelt, ob das Streben nach Status ein Grundbedürfnis ist. Ihr Ergebnis: ja, in allen Kulturen, bei Männern wie Frauen. Wer seinen Rang verliert, leidet darunter, auch wenn sich sonst nichts ändert. Und es zählt der Rang vor den Menschen, die einem wichtig sind, nicht vor allen. Der Philosoph William James schrieb schon 1890 sinngemäß: Eine teuflischere Strafe ließe sich nicht ausdenken, als dass man unter Menschen losgelassen würde und von allen völlig unbemerkt bliebe. Das ist der [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombie]], von der anderen Seite gesehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Keine Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß im älteren Deutsch „leer, nichtig“; man sagt noch „eitel Sonnenschein“, nichts als Sonnenschein. Die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]] will bewundert werden für die Oberfläche, sie ist die leere Form der Geltung. Die Geltung will etwas zählen für das, was man ist oder kann: der Handwerker, dessen Urteil auf der Baustelle gilt; der Briefmarkensammler, den die anderen Sammler fragen. „Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)“ ist ihre bettelnde Form.&lt;br /&gt;
:Die Geltung wirkt auch in anderen Wesen: im Hochgefühl des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amokläufers]], im [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Streber|Streber]], bei den [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieger.&#039;&#039;&#039; Geltung will ein Revier. Wird sie angegriffen, holt sie zur Verteidigung ihren Krieger, den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sammler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Nestbau, Messi, Eifersucht, Knauser&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Nehmer]]&lt;br /&gt;
* Mimik: keine. Der Sammler ist ein leiser Dämon, man sieht ihm nichts an.&lt;br /&gt;
* Griff: aufsammeln.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Brüder Collyer in New York wurden 1947 tot in ihrem Haus gefunden, unter mehr als hundert Tonnen Zeitungen, Klavieren und Gerümpel. Einer lag unter einem Stapel begraben, den er selbst als Falle gegen Einbrecher gebaut hatte. Der andere, blind und gelähmt, verhungerte danach.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: auch die Gier (Habgier), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Trigger: Knappheit und die Lücke (siehe Beschreibung).&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, Vorrat, Vollständigkeit. Nicht hergeben, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; Knappheit und die Lücke. Das leere Regal im Supermarkt. Der Winter, der kommt. Das eine Sammelbild, das im Album noch fehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Eichhörnchen vergräbt im Herbst Nüsse. Der Hamster stopft sich die Backen voll. Daher sagen wir „hamstern“.&lt;br /&gt;
* Am Anfang der Pandemie räumten die Leute das Klopapier aus den Regalen.&lt;br /&gt;
* Kinder stopfen sich die Hosentaschen mit Steinen und Kastanien voll. Niemand hat ihnen das beigebracht.&lt;br /&gt;
* Man gibt Leuten eine Kaffeetasse und fragt, für wie viel sie die Tasse verkaufen würden. Sie verlangen etwa das Doppelte von dem, was andere für dieselbe Tasse zahlen wollen. Was man hat, gibt man nicht her. Hier sitzt die Verbindung zur Eifersucht.&lt;br /&gt;
* Der Laubenvogel sammelt blaue Dinge, Federn, Beeren, Flaschendeckel, und legt sie vor seine Laube, um ein Weibchen anzulocken. Dort sind Sammler und Balz eins.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Wohnung ist bis zur Decke voll, nur schmale Gänge bleiben frei, und er kann nichts wegwerfen. Krankhaftes Horten ist seit 2013 eine eigene Diagnose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Revier.&#039;&#039;&#039; Der Sammler pflegt und verteidigt seine Sammlung. Er identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht. Seine Sammlung ist sein [[#Revierverhalten/Gebiet|Revier]]. Eine Sammlung gehört stärker zum Selbst als einzelne Gegenstände (Belk 1988, S. 154). Wer bestohlen wird, erlebt Eindringen und Verletzung (S. 142). Wird die Trennung erzwungen, bringt sie Trauer (S. 143). Ein Sammler, der seine Karten für das Studium der Tochter verkaufte, beschreibt den Verkauf als Trauer mit Leugnen, Wut und Niedergeschlagenheit (Warshaw 2023). Ein Briefmarkensammler, der seine Sammlung aufgeben muss, will es nicht überstürzen und behält ein Album (Briefmarken-Forum).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biologisch angelegt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Eibl-Eibesfeldt zog Eichhörnchen ohne Erde und ohne Nüsse auf. Als sie zum ersten Mal eine Nuss bekamen, kratzten sie auf dem nackten Boden ein Loch, das es nicht gab, legten die Nuss hinein, drückten sie mit der Schnauze fest und scharrten Erde darüber, die es nicht gab. Niemand hatte es ihnen gezeigt.&lt;br /&gt;
* Beim Menschen ist die Neigung zum Horten zum Teil erblich. Das zeigen Zwillingsstudien.&lt;br /&gt;
* Menschen mit einer Verletzung an einer bestimmten Stelle der Stirnhirnrinde fingen an, wertlosen Kram zu horten (Anderson, Damasio u. a., &#039;&#039;Brain&#039;&#039;, 2005). Der Sammler sitzt tiefer im Hirn, die Stirnhirnrinde hält ihn im Zaum. Fällt die Bremse weg, übernimmt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herkunft:&#039;&#039;&#039; vom Vorrat, vom Horten von Nahrung.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Einsammeln: Der Sammler aus „Jäger und Sammler“ pflückt Beeren, nimmt sie mit und isst sie. Morgen geht er wieder los. Mehr haben als nötig und nicht hergeben, das fehlt.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Nestbau: Der Vogel sammelt Zweige, bis das Nest fertig ist, dann hört er auf. Der Sammler hört nicht auf. Im Stammbaum steht der Nestbau als Kind unter Sammler und Elter: der Sammler im Dienst der Brut.&lt;br /&gt;
* Der Tannenhäher versteckt im Herbst Zehntausende Kiefernsamen an Tausenden Stellen und findet sie Monate später unter dem Schnee wieder. Viel mehr, als er im Winter fressen kann.&lt;br /&gt;
* Aesop: Die Ameise schleppt den ganzen Sommer Körner, die Grille singt. Im Winter hungert die Grille.&lt;br /&gt;
* Der Buschhäher versteckt Futter. Hat ihm ein anderer Häher dabei zugesehen, kommt er später zurück und versteckt alles neu. Das tun nur Häher, die selbst schon fremde Verstecke geplündert haben. Der Dieb kennt den Dieb. Da sitzen Eifersucht und Täuscher mit am Tisch.&lt;br /&gt;
* Bienen sammeln Honig, Ameisen legen Kornkammern an, der Hamster trägt seine Vorräte in den Bau. Das gibt es lange vor dem Menschen.&lt;br /&gt;
* Wer im Krieg gehungert hat, hebt sein Leben lang jedes Gummiband auf, und der Keller steht voller Einmachgläser.&lt;br /&gt;
Der Sammler sitzt nahe beim Schlemmer, beide kommen vom Hunger. Der Schlemmer isst jetzt. Der Sammler legt für später zurück. Er ist der Dämon, der an den Winter denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; Woher kommt die Vollständigkeit? Das fehlende Sammelbild, die 110 Messier-Objekte, alle 14 Achttausender. Der Vorrat erklärt das nicht. Ein Eichhörnchen will nicht alle Nusssorten haben. Ein späterer Zweig oder ein anderes Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angelegt ist der Hunger, nicht der Gegenstand. Briefmarken, Kunst oder Bitcoins sammelt niemand von Natur aus. Die Kultur liefert das Material, der Dämon den Hunger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wo der Sammler wirkt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Linné&#039;&#039;&#039; schickte seine Schüler in die ganze Welt, nach Amerika, Arabien, Japan, in die Südsee. Sie sollten Pflanzen sammeln und zurückbringen. Er nannte sie seine Apostel. Einige kamen nicht zurück. Aus dem Gesammelten wurde die Ordnung der Pflanzen und Tiere, mit der wir bis heute jedes Lebewesen benennen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Wunderkammern&#039;&#039;&#039;: Fürsten und Gelehrte stellten Muscheln, Korallen, ausgestopfte Krokodile, Einhorn-Hörner und Missgeburten in Glasschränke. Daraus wurden die Museen. Das British Museum begann 1753 mit der Sammlung eines einzigen Mannes, Hans Sloane, rund 71.000 Stücke.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Darwin&#039;&#039;&#039; sammelte als Student in Cambridge Käfer. Einmal hatte er in jeder Hand einen seltenen Käfer und sah einen dritten. Er steckte einen in den Mund, um die Hand frei zu haben. Der Käfer spritzte ihm eine brennende Flüssigkeit auf die Zunge, Darwin spuckte ihn aus, und der dritte war weg. Später sammelte er fünf Jahre lang auf der Beagle: Finken, Fossilien, Schildkröten. Erst danach kam die Theorie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Goethe&#039;&#039;&#039; hatte in Weimar eine Mineraliensammlung mit rund 18.000 Steinen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Mondlandung&#039;&#039;&#039;: Die Astronauten der Apollo-Flüge sammelten mit Zangen und Schaufeln Steine und Staub, zusammen rund 380 Kilogramm. Das teuerste Steinesammeln der Geschichte.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schmetterlinge&#039;&#039;&#039;: Nabokov, der Schriftsteller, zog mit dem Netz durch die Berge und sammelte Bläulinge. Er vermutete, dass sie in mehreren Wellen über die Beringstraße von Asien nach Amerika gekommen waren. Die Biologen nahmen ihn nicht ernst. 2011 bestätigte die Genetik seine Vermutung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Messier-Marathon&#039;&#039;&#039;: Charles Messier jagte im 18. Jahrhundert Kometen. Ihn störten verschwommene Flecken am Himmel, die aussahen wie Kometen, aber keine waren. Damit er nicht wieder darauf hereinfiel, schrieb er sie auf: 110 Stück. Die Liste war Abfall seiner Kometenjagd. Heute ist sie die berühmteste Liste der Astronomie. Jedes Jahr im März, wenn alle 110 in einer Nacht zu sehen sind, sitzen Amateure die ganze Nacht in der Kälte und haken eins nach dem anderen ab. Sie lernen nichts Neues, alle Objekte sind seit 250 Jahren bekannt, und niemand schaut ihnen zu. Das ist weder Neugier noch Anerkennung. Das ist der Sammler allein.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tycho und Kepler&#039;&#039;&#039;: Tycho Brahe hat über zwanzig Jahre lang jede Nacht die Stellung der Planeten gemessen, ohne Fernrohr, mit riesigen Messinstrumenten auf seiner Insel Ven. Ein Berg von Zahlen. Kepler bekam die Zahlen nach Tychos Tod und fand darin, dass die Planeten auf Ellipsen laufen. Tycho ist die Ameise, Kepler die Biene.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Rechnerinnen von Harvard&#039;&#039;&#039;: Um 1900 saßen Frauen an Tischen und gingen Hunderttausende Glasplatten mit Sternaufnahmen durch, Stern für Stern. Annie Jump Cannon sortierte von Hand rund 350.000 Sterne nach ihrem Licht. Henrietta Leavitt schrieb veränderliche Sterne auf und bemerkte: Je heller so ein Stern, desto langsamer blinkt er. Damit konnte man zum ersten Mal Entfernungen im Weltall messen, und Hubble zeigte damit, dass es andere Galaxien gibt. Erst die Sammlung, dann das Gesetz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Heute&#039;&#039;&#039;: Der Satellit Gaia hat fast zwei Milliarden Sterne vermessen. Über 5.000 Planeten um andere Sterne sind bestätigt, jeder neue kommt auf die Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neugier will schnell zur Antwort. Zwanzig Jahre Nacht für Nacht messen, Hunderttausende Platten durchsehen, das hält sie nicht durch. Der Sammler hat Geduld, denn jedes einzelne neue Stück sättigt ihn schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bacon&#039;&#039;&#039; hat das Bild dafür gefunden (Novum Organum, 1620). Die Ameise sammelt nur und frisst es auf. Die Spinne spinnt ihr Netz aus sich selbst heraus. Die Biene sammelt aus den Blüten und macht Honig daraus. Die Ameise ist der Sammler allein. Die Spinne ist der Zwerg, der aus dem Kopf Systeme spinnt. Die Biene ist der Sammler im Bund mit einem Dämon, der verarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sammler allein endet beim Messi: die Wohnung voll, aber keine Ordnung. Mit der Ordnung verbündet, wird er Linné. Mit der Neugier verbündet, wird er Darwin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Hochmut gegen den Sammler:&#039;&#039;&#039; Dem Physiker Rutherford wird der Satz zugeschrieben: „Alle Wissenschaft ist entweder Physik oder Briefmarkensammeln.“ Dabei steht jede Physik auf gesammelten Messwerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie mächtig der Sammler ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kunst&#039;&#039;&#039;: Der „Salvator Mundi“, Leonardo zugeschrieben, ging 2017 für 450 Millionen Dollar weg.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Autos&#039;&#039;&#039;: Der Musiker oder der Reiche mit dreißig teuren Autos in der Garage, die er nicht braucht. Jay Leno hat weit über hundert Autos in seinen Hallen. 2022 wurde ein Mercedes 300 SLR Uhlenhaut-Coupé für 135 Millionen Euro versteigert, das teuerste Auto der Welt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Baseballkarten&#039;&#039;&#039;: Eine Mickey-Mantle-Karte von 1952 brachte 2022 12,6 Millionen Dollar. Ein Stück Pappe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Briefmarken&#039;&#039;&#039;: Die British Guiana One-Cent Magenta, eine einzige Marke, wurde 2021 für rund 8 Millionen Dollar verkauft.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Pokémon&#039;&#039;&#039;: Der Werbespruch heißt „Schnapp sie dir alle!“. Das ist der Sammler wörtlich. Eine einzige Pikachu-Karte brachte 2022 über 5 Millionen Dollar.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Bild, das es nicht gibt&#039;&#039;&#039;: 2021 wurde eine Bilddatei des Künstlers Beeple als NFT für 69 Millionen Dollar verkauft. Jeder kann sie kopieren, aber nur einer „hat“ sie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tulpen&#039;&#039;&#039;: 1637 kostete in Holland eine einzige Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ so viel wie ein Haus in Amsterdam.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Reliquien&#039;&#039;&#039;: Friedrich der Weise sammelte in Wittenberg über 19.000 Reliquien: Knochen von Heiligen, Dornen aus der Krone Christi, Milch der Maria. Ausgerechnet dort schlug Luther 1517 seine Thesen an.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schuhe&#039;&#039;&#039;: Als Imelda Marcos aus dem Palast in Manila floh, fand man über tausend Paar Schuhe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gipfel&#039;&#039;&#039;: Reinhold Messner stand als Erster auf allen 14 Achttausendern. In Schottland haken Leute alle 282 Munros ab, die Berge über 3000 Fuß.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vögel&#039;&#039;&#039;: Phoebe Snetsinger hat über 8.000 Vogelarten mit eigenen Augen gesehen. Angefangen hat sie, als sie eine Krebsdiagnose bekam, und sie reiste noch zwanzig Jahre weiter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Saatgut&#039;&#039;&#039;: Im Eis von Spitzbergen liegt ein Tresor mit über einer Million Samenproben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Elemente&#039;&#039;&#039;: Die Chemiker jagen das Periodensystem voll. Das Element 118, Oganesson, existiert jeweils nur Bruchteile einer Sekunde, und trotzdem hat es einen Namen und einen Platz in der Tabelle.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nobelpreise&#039;&#039;&#039;: Marie Curie holte Polonium und Radium aus Tonnen von Pechblende und bekam 1911 den Nobelpreis. Für das Higgs-Teilchen gab es 2013 den Nobelpreis.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jagdtrophäen&#039;&#039;&#039;: Hörner und Köpfe an der Wand. Hier treffen sich Jagdtrieb und Sammler.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Geld&#039;&#039;&#039;: Der Milliardär, der mehr hat, als er in zehn Leben ausgeben könnte, und weiter sammelt. Dagobert Duck badet in seinem Geldspeicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baseballkarte, die Briefmarke, das NFT sind Millionen wert, weil andere Sammler sie haben wollen. Der Sammler macht den Wert selbst. Ohne ihn wäre die One-Cent Magenta ein Fetzen Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Knauser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Sammler|Sammler]] · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sammler kommt und geht, im Herbst, vor dem Winter, vor dem leeren Regal. Beim Knauser ist er chronisch geworden. Jede Ausgabe tut weh. Er hebt überall Geld auf. Das ist ein bekannter Typus. Wenn Leute Mangel erlebt haben wie im Krieg, werden sie manchmal so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; heißt es: „Meanness is undue sparing of expense.“ Der Knauser zählt beim Essen, wie viele Becher jeder Gast trinkt. Zerbricht ein Diener einen Topf, zieht er ihm den Wert von der Verpflegung ab. Verliert seine Frau eine kleine Münze, rückt er Möbel, Betten und Schränke und sucht in den Ritzen der Dielen. Seiner Frau verbietet er, Salz oder einen Lampendocht auszuleihen. Seine Geldtruhe ist schimmlig, weil sie nie geöffnet wird. Er hat eine volle Truhe und spart trotzdem: Fülle bannt den Knauser nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein zweiter Text.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt den Knauser noch einmal, als Ἀνελευθερία: „Penuriousness is the grudging of expense and is due to great love of money and little love of honor.“ Hier geht es um das Geld bei Ehrenpflichten. Nach einem Sieg auf der Bühne weiht er Dionysos einen hölzernen Kranz, auf den er seinen eigenen Namen schreibt. Wird öffentlich gesammelt, schweigt er oder geht, und sieht er einen sammelnden Freund kommen, schleicht er durch eine Seitengasse nach Hause. Bei der Hochzeit der Tochter verkauft er die Opfertiere und stellt nur Diener ein, die zu Hause essen. Bei einem Fest hält er die Kinder aus der Schule, um das Schulgeld zu sparen. Seiner Frau gibt er keine Magd, sondern ein gemietetes Kind. Das Wort heißt wörtlich Unfreiheit: Der Freie ist freigebig, der Geizige ist unfrei. Die Ehre wiegt bei ihm weniger als das Geld. Die [[#Geltung|Geltung]] überstimmt den Sammler nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geprägt vom Mangel.&#039;&#039;&#039; Ulrike Malmendier und Stefan Nagel untersuchten 2011 in ihrer Studie „Depression Babies“ Menschen, die schwere Wirtschaftskrisen erlebt haben. Wer selbst schlechte Zeiten erlebt hat, geht ein Leben lang weniger finanzielle Risiken ein und legt seltener Geld in Aktien an (siehe [[Bannung#Prägung|Prägung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Test:&#039;&#039;&#039; Beim Festessen nimmt die Tochter seine Börse und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle (siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]]). Und er missbilligt den Verschwender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Putz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO, Elf · zu Puppe&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Waschzwang. Menschen waschen sich die Hände, bis die Haut blutet, und fühlen sich danach immer noch schmutzig. Howard Hughes fasste am Ende Gegenstände nur noch mit Papiertüchern an und lebte abgeschottet in abgedunkelten Hotelzimmern.&lt;br /&gt;
* Ausfall: die Verwahrlosung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn der Putz ausfällt.&#039;&#039;&#039; Das Gegenstück zum Waschzwang ist, dass man sich nicht mehr pflegt. Theophrast nennt es Δυσχέρεια: „Grossness is such neglect of one’s person as gives offence to others.“ Sein Mann geht mit Ausschlag und schwarzen Zähnen auf den Markt und sagt, das sei erblich. Im Alltag kennt man den Ausfall bei schlechter Stimmung und wenig Antrieb. Im Extrem findet man ihn bei Menschen, die jede Hoffnung verloren haben: Scheitern in Schule und Beruf, Verachtung durch andere, Verlust des Rangs, eine Schuld, die man nicht tragen kann, vielleicht auch Selbstbestrafung. In Notunterkünften für Obdachlose gibt es Räume, in denen der Boden mit Müll und verfaultem Essen bedeckt ist. Der Rang ist dabei nicht alles. Bei Obdachlosen sind Sucht und psychische Erkrankungen häufig, mit großer Streuung (Fazel u. a. 2008, 29 Untersuchungen, 5.684 Personen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Selbstachtung.&#039;&#039;&#039; Der Putz dient auch der Selbstachtung, und die ist ein Spiegel der Achtung, die man von anderen erfährt (Cooley nannte das 1902 das „looking-glass self“). Wer in einer verachtenden Umgebung standhält, hat dafür einen imaginären Beifall. Als Bergen-Belsen im April 1945 befreit wurde, kam unaufgefordert eine große Lieferung Lippenstifte an. Der britische Sanitätsoffizier Mervin Gonin schrieb: „At last someone had done something to make them individuals again.“ Der Lippenstift sagt: Ich bin wer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elf ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Kuschel, Putz&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Fühl, Lausch, Schnupper, Kratz, Kitzel, Griff, Wurzel, Wohlig&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kuschel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elf · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Kuscheln ist Berührung und Umarmung, und es geht dabei um Geborgenheit und Sicherheit. Zwei Wurzeln sind denkbar. Die eine ist das Lausen der Affen: Gegenseitiges Streicheln und Lausen hält bei Primaten die Bindungen, über Hautnerven und Endorphine (Robin Dunbar 2022). Die andere ist die Verbindung von Mutter und Kind. Harry Harlows Rhesusaffen klammerten sich in den 1950er-Jahren an die Stoffmutter, auch wenn nur die Drahtmutter Milch gab. Der Körperkontakt war wichtiger als das Füttern. Beides kann zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die erotische Seite.&#039;&#039;&#039; Berührungen sind auch erregend. Dann geht das Kuscheln ins Begehren über und führt zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]]. Für den Menschen ist Sex ein Mittel zur Bindung geworden, heißt es oft, wichtig wegen der langen Kindheit. Das ist eine gängige, aber umstrittene These. Robert Quinlan (2008) sieht Paarbindungen als vielseitig, mit der Versorgung in der Stillzeit als am besten belegter Funktion, und prüft Sex als Bindungsmittel nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gefälliger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Geltung|Geltung]], [[#Elter|Elter]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Verehrung/Bewunderung|Verehrung/Bewunderung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: das Wohl und die Freude der anderen, und die Anerkennung dafür.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit oder Hilflosigkeit des anderen. Das Kindchenschema wirkt, zum Beispiel Bambi-Augen, es ist aber kein Muss. Es genügt, dass Hilfe gebraucht wird.&lt;br /&gt;
* Bannung: Wird kaum gewollt, denn er ist ein Kitt der Gemeinschaft. Gebannt wird nur seine Entgleisung. Wer sich verausgabt, den will der Ehepartner schützen. Wenn der Samariter die eigene Familie vernachlässigt, konkurriert er mit dem [[#Elter|Elter]], und dann hilft ein Arrangement, wem er wie viel gibt. Oakley und Kollegen nennen Hilfe, die ungewollt Schaden anrichtet, pathologischen Altruismus (2012).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gefällige will anderen Freude machen und freut sich an ihrer Freude. Deshalb macht man Geschenke. Sein Hauptinteresse ist das Wohl des anderen, das ihm wichtiger sein kann als das eigene. Das ist Eltern-Verhalten. Am stärksten gilt es dem, den er wertschätzt. Es reicht aber bis zum Fremden: Er gibt dem Bettler, den er nicht kennt, und er spendet an Empfänger, die er nie sehen wird. Die Freude des anderen und sein Dank sind dann nur vorgestellt. Er will auch Anerkennung, und beides gehört zusammen. Er ist ein wesentlicher Kitt jeder Gemeinschaft. Er ist nicht der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]], der nach oben lobt, um an der Macht teilzuhaben. Er ist auch nicht der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]], der Missfallen vermeiden will und dafür formal korrekt und höflich ist, vielleicht auch ein Streber. Der Gefällige tut anderen Gutes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was dafür spricht.&#039;&#039;&#039; Wer Geld für andere ausgibt, ist glücklicher als wer es für sich ausgibt (Dunn, Aknin und Norton 2008). Das fand sich in 120 von 136 Ländern (Aknin u. a. 2013). Gute Nachrichten zu teilen macht froh, und mehr, wenn das Gegenüber sich mitfreut, und es hängt bei Paaren mit besserer Beziehung zusammen (Gable u. a. 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch für Unbekannte.&#039;&#039;&#039; Schon anonymes freiwilliges Geben aktiviert die Belohnungsregionen stärker als die Zwangsabgabe (Harbaugh u. a. 2007, 19 Teilnehmerinnen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gefälligkeit nach oben.&#039;&#039;&#039; Wer einer Autorität einen Gefallen tut, um Anerkennung oder Wertschätzung zu bekommen, macht einen Tauschhandel. Das ist der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] oder das [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]]. Der Gefällige hilft auch, wenn es niemand erfährt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ἀρέσκεια: „Affability is a sort of demeanor that gives pleasure at the sacrifice of what is best.“ Er ruft einen Freund schon von weitem an, überschüttet ihn mit Lob und lässt ihn nicht los. Vor Gericht will er auch dem Gegner gefallen. Beim Essen lässt er die Kinder rufen, sagt, sie ähnelten dem Vater „as one fig is like another“, und spielt mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn er entgleist.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt die Entgleisung. Überwiegt die Anerkennung, wird aus dem Gefälligen der Schmeichler, der dem anderen Recht gibt, auch gegen die Wahrheit. Aristoteles unterscheidet den Gefallsüchtigen ohne Eigennutz vom Schmeichler aus Eigennutz. Die Psychologie nennt das Extrem Soziotropie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urschlummer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Gähn, Murmel, Mümmel&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gähn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Murmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mümmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neid ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Revierverhalten/Gebiet · zu Troll, Häme&lt;br /&gt;
* Es ist eine Form von Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Rivale, der mir nah ist, bekommt oder kann, was in meinem eigenen Gebiet zählt. Beim Fremden und beim Unerreichbaren entsteht kein Neid, sondern Bewunderung.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Neidkratzer. Jemand zieht mit dem Schlüssel eine lange Schramme in den Lack eines teuren Autos. Er hat nichts davon, außer dass der andere es auch nicht mehr hat.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Es ist eine Form von Revierverhalten. So wie Ziegen ihren Rivalen bei der Fütterung wegboxen: Am Futtertrog stoßen die ranghohen Tiere die anderen mit dem Kopf weg, auch wenn genug für alle da ist. Es geht nicht ums Sattwerden. Es geht darum, dass der andere nicht frisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man neidet, was der andere hat oder bekommt. Auch wenn man Fähigkeiten neidet, geht es darum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, was der andere hat. Oder wenigstens, dass der andere es auch nicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Trigger genau:&#039;&#039;&#039; Es ist mehr zwischen Bekannten, zwischen Rivalen. Und dann beherrscht es die Gedanken und führt zu Missgunst und zu Taten, um den anderen zu schädigen. Der Psychologe Abraham Tesser hat gezeigt, dass zwei Dinge zusammenkommen müssen: Der andere ist mir nah, Freund, Kollege, Bruder, Nachbar. Und er ist besser auf einem Gebiet, das für mich selbst zählt. Ist mein Freund ein besserer Schachspieler und mir ist Schach egal, freue ich mich für ihn. Ist er ein besserer Elektriker und ich bin Elektriker, dann sticht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Tat:&#039;&#039;&#039; In Tessers Versuchen durfte einer dem anderen bei einem Ratespiel Hinweise geben, leichte oder schwere. Hieß es, das Spiel sei belanglos, bekamen Freunde leichtere Hinweise als Fremde. Hieß es, das Spiel messe die Intelligenz, bekamen Freunde schwerere Hinweise als Fremde. Man bremst den Freund aus, nicht den Fremden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Promi ist etwas anderes:&#039;&#039;&#039; Wer weit weg und unerreichbar ist, an Reichtum, Ruhm oder Fähigkeit, den beneidet man nicht, man bewundert ihn. Das gehört zur Verehrung/Bewunderung und zum Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Formen:&#039;&#039;&#039; Der böse Neid will den anderen herunterziehen. Der gutartige Neid will selbst hinauf: „Das will ich auch schaffen.“ Er richtet sich oft auf jemanden, der ein Stück weiter, aber noch erreichbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Unter Gleichen:&#039;&#039;&#039; Aristoteles schreibt in seiner Rhetorik, man beneide die, die einem nahe sind an Zeit, Ort, Alter und Ansehen, und zitiert dafür Hesiod, um 700 vor Christus: „Der Töpfer grollt dem Töpfer, der Bettler dem Bettler, der Sänger dem Sänger.“ Man beneidet nicht den König, sondern den Nachbarn. Beide stehen am selben Trog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bilder:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Schneewittchen: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die Königin war die Schönste, bis der Spiegel eine andere nannte.&lt;br /&gt;
* Zwei Kinder bekommen verschieden große Kuchenstücke: „Der hat aber mehr!“&lt;br /&gt;
* Zwei Kapuzineraffen bekommen für dieselbe Aufgabe Gurke. Bekommt einer eine Weintraube, wirft der andere seine Gurke dem Forscher ins Gesicht.&lt;br /&gt;
* Das Gesetz von Jante, aus einem Roman von Aksel Sandemose, 1933, in Skandinavien sprichwörtlich: „Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Warum der und nicht ich?“&#039;&#039; → Der Vergleich. Der Anfang von allem.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hat doch nur Glück gehabt.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Der hat eben Beziehungen.“&#039;&#039; → Den Erfolg kleinreden. Wenn es Glück war, hat er es nicht selbst geschafft, und ich bin nicht schlechter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„So toll ist das auch nicht.“&#039;&#039; → Saure Trauben. Aesops Fuchs springt nach den Trauben, kommt nicht dran und sagt im Weggehen: „Die sind mir ohnehin zu sauer.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das hat der doch gar nicht verdient.“&#039;&#039; → Die Maske der Gerechtigkeit. Der Neid verkleidet sich als Gerechtigkeitssinn.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hält sich wohl für was Besseres.“&#039;&#039; → Das Gesetz von Jante. Niemand darf herausragen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Schön für dich.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Gönn ich dir.“&#039;&#039;, durch die Zähne gesagt → Das Heucheln. Der Glückwunsch, der keiner ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Dem wird das Lachen schon noch vergehen.“&#039;&#039; → Die Vorfreude auf den Fall.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Hab ich doch gleich gesagt.“&#039;&#039;, wenn es dann schiefgeht → Die Schadenfreude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Gehirn:&#039;&#039;&#039; Japanische Forscher ließen 2009 Versuchspersonen Geschichten über erfolgreiche Mitschüler lesen. Beim Neid war ein Bereich aktiv, der auch bei Schmerz arbeitet. Als dem Beneideten danach ein Unglück passierte, sprang ein Bereich an, der bei Belohnung arbeitet. Neid tut weh, Schadenfreude tut gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gute Neid:&#039;&#039;&#039; Hesiod unterscheidet zwei Göttinnen des Streits. Die schlechte Eris bringt Krieg. Die gute Eris treibt den Faulen an, wenn er sieht, wie reich der fleißige Nachbar wird, sodass er selbst pflügt und pflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verwandt:&#039;&#039;&#039; [[#Eifersucht|Eifersucht]] (die Eifersucht fürchtet zu verlieren, was sie hat; der Neid will haben, was der andere hat), [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Gerechtigkeitssinn|Gerechtigkeitssinn]], Häme, [[#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Alle drei, Stammesbruder, Eifersucht und Neid, stammen vom Revierverhalten: das Revier der Gruppe, das Revier der Bindung, das Revier am Futtertrog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Revierverhalten/Gebiet ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Stammesbruder, Eifersucht, Neid, [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]]&lt;br /&gt;
* Es ist der Kern der Eifersucht: Ein Rivale dringt in die Bindung ein. Beim Wolfsrudel: Man kennt die Gesichter, das Revier ist abgesteckt, der Fremde ist der Feind.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überall.&#039;&#039;&#039; Viel Verhalten von Menschen lässt sich nur verstehen, wenn man weiß, dass es Revierkämpfe sind. Bei Tieren sind Revierkämpfe oft Standard: Ziegen boxen, Elche kämpfen. Bei manchen ist das so ernst, dass es Verletzte und Tote gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dasselbe Zeichen.&#039;&#039;&#039; Der Bauer zäunt sein Feld ein. Der Goldsucher seinen Claim. Der Hund pisst an den Baum und Armstrong stellt die amerikanische Flagge auf. Das ist dasselbe.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Reviere werden vor allem gegen Artgenossen verteidigt und mit Duft, Gesang oder Schauflügen markiert. Der Besitz wird meist respektiert, auch ohne dass ihn jemand durchsetzt: Wer zuerst da war, wird selten herausgefordert (Sherratt und Mesterton-Gibbons 2015). Stake (2004) sieht in den Rechtsregeln über Besitz und Priorität Spuren dieser Strategien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sammler.&#039;&#039;&#039; Er pflegt und verteidigt seine Sammlung und identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eltern.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Man nennt es Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beschützer.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker. Bei Säugetieren und Vögeln ist das die Regel. Bei Fischen und Reptilien eher nicht. Ausnahmen gibt es: Der männliche Stichling bewacht das Nest und verteidigt Eier und Junge gegen Eindringlinge, ebenso die Männchen der Sonnenbarsche (Britannica; Juneau Empire). Auch hier zeigt sich der Dämon ohne Maske in ganzer Stärke, wenn man das Revier betritt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geltung.&#039;&#039;&#039; Das Revier ist hier der Rang. Es zeigt sich, wenn die Kompetenz angezweifelt wird, wenn der Rang oder die Stellung streitig gemacht wird oder wenn der Konkurrent sich mit fremden Federn schmückt. Auch die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] ist Revierverhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eitelkeit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Poser&lt;br /&gt;
* Varianten: Geck, Diva&lt;br /&gt;
* Die leere Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Geltung, die durch die Zustimmung anderer gegeben wird: Preise und Auszeichnungen (siehe [[#Geltung|Geltung]]). La Rochefoucauld: „La vertu n&#039;irait pas si loin si la vanité ne lui tenait compagnie.“ (Die Tugend käme nicht so weit, wenn die Eitelkeit ihr nicht Gesellschaft leistete.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß ursprünglich leer, nichtig (althochdeutsch &#039;&#039;ītal&#039;&#039;), so wie das lateinische &#039;&#039;vanitas&#039;&#039;. Die Leere steckt schon im Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ehrgeiz im Kleinen.&#039;&#039;&#039; Theophrast nennt den Eitlen Μικροφιλοτιμία, „Ehrgeiz im Kleinen“: „a striving for honor in small things“. Beim Essen will er neben dem Gastgeber sitzen. Er zahlt mit frisch geprägten Münzen. Seiner zahmen Dohle kauft er eine kleine Leiter und einen Schild aus Bronze. Stirbt sein Hund, setzt er ihm ein Denkmal: „Fido, Pure Maltese.“ Er kauft einen neuen Anzug, solange der alte noch gut ist, und seine Zähne sind immer weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von außen.&#039;&#039;&#039; Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er sagt, was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Die Eitelkeit lebt in der Lücke zwischen dem, was einer sagt, und dem, was er sich davon verspricht. Meist ist das keine Berechnung. Er glaubt selbst an das Bild, das er zeigt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Bescheidene&#039;&#039;&#039; sagt: „Ach, das war doch nichts Besonderes.“ Er hofft auf den Widerspruch: „Doch, das war großartig!“ So bekommt er das Lob und darf sich obendrein bescheiden fühlen. Manchmal verkleidet er das Angeben als Klage, etwa wenn er stöhnt, er komme vor lauter Einladungen zu nichts mehr. Die anderen durchschauen das meistens.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Erfolgreiche&#039;&#039;&#039; sagt: „Eigentlich wollte ich nie Karriere machen. Es hat sich so ergeben.“ Der Erfolg soll mühelos aussehen, und gerade dafür will er bewundert werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Gekränkte&#039;&#039;&#039; sagt: „Mir ist völlig egal, was andere über mich denken.“ Dann liegt er die halbe Nacht wach wegen einer einzigen Bemerkung. Wer am lautesten sagt, die Meinung der anderen sei ihm egal, hängt oft am stärksten an ihr.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Unauffällige&#039;&#039;&#039; sagt: „Ich brauche keine Aufmerksamkeit, ich mach einfach mein Ding.“ Er möchte gerade dafür bewundert werden. Seine Eitelkeit ist, keine zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl verrät, was der Satz verbirgt. Lob hebt ihn, ausbleibendes Lob enttäuscht ihn, Kritik kränkt ihn, und wer mehr Beachtung bekommt, wird zum Rivalen. Er sieht sich mit den Augen der anderen. Darum macht die Eitelkeit abhängig, obwohl sie sich überlegen fühlen will: Sie muss sich immer wieder neu beweisen, denn sicher ist man der Bewunderung nie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eitelkeit heute.&#039;&#039;&#039; Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schopenhauers Satz gilt noch: Die Eitelkeit ist gesprächig, der Stolz schweigsam. Young Jee Han, Joseph Nunes und Xavier Drèze fanden 2010: Wer reich ist und Geltung braucht, kauft die Tasche mit dem großen Logo, die jeder erkennt. Wer reich ist und sie nicht braucht, kauft die Tasche ohne Logo, die nur Kenner erkennen. Der eine spricht zu allen, der andere nur zu seinesgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039; „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Sehen und gesehen werden.“ – „Kleider machen Leute.“ – „Wer schön sein will, muss leiden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schauspieler.&#039;&#039;&#039; Wer davon lebt, gesehen zu werden, ist oft eitel. Drew Pinsky und Mark Young ließen 2006 zweihundert Prominente einen Narzissmus-Fragebogen ausfüllen. Die Prominenten lagen deutlich über dem Durchschnitt, am höchsten die Stars aus dem Reality-Fernsehen, dann Komiker, Schauspieler und Musiker. Viele waren schon so, bevor sie berühmt wurden: Der Beruf zieht die Eitlen an. In Billy Wilders Film &#039;&#039;Sunset Boulevard&#039;&#039; (1950) sagt man der gealterten Stummfilmdiva Norma Desmond: „You used to be big.“ Sie antwortet: „I am big. It&#039;s the pictures that got small.“ Am Ende steigt sie die Treppe hinab, auf die Kamera zu: „All right, Mr. DeMille, I&#039;m ready for my close-up.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen.&#039;&#039;&#039; Auf Reddit sprechen Menschen offen darüber, und manchmal spricht der Dämon selbst.&lt;br /&gt;
* Über sich selbst: „I&#039;m very vain in the sense I&#039;m always aware of how good or not I look […] I will leave any situation, job, place, person etc if it worsens my looks.“ – „When I look good I feel good, and I care way too much about how people see me.“ – „Yes, I strut and preen.“ – „Main character energy so yes.“ – „sometimes I&#039;m extremely vain and other times I feel inferior to everyone“ (r/Sagittarians, 2025). Im letzten Satz zeigt sich die Leere.&lt;br /&gt;
* Was andere hören: Eine Freundin begründet alles mit ihrem Aussehen: „I should have been invited to that party, I&#039;m hot.“ – „I don&#039;t understand why we have to wait in this line, most of the time hot people get let in early.“ Eine andere fragt nach dem Treffen mit den Freunden ihres Partners: „did anyone tell you how pretty I was“ (r/AskMen, 2024).&lt;br /&gt;
* Schopenhauers gesprächige Eitelkeit, ein Ratschlag an Männer: „Never mention your nice car, then pick her up for a 3rd date, hot. Mentioning it up front, tacky.“ (r/Bumble, 2026)&lt;br /&gt;
* Männer über sich selbst: „I like staring at my reflection in shop windows.“ – „Have to check the bathroom mirror to make sure my abs are still there.“ – „I definitely check myself out in bathroom mirrors, window reflections. I can&#039;t help it I&#039;m just too sexy“ – „I take a lot of satisfaction in the fact that I look good, then immediately feel guilty about it“ (r/AskMen, 2018).&lt;br /&gt;
* Die Eitelkeit missbilligt die, die nicht so sind wie sie. Ein Mann staunt, wie schlecht jüngere Männer aussehen: „When I look at men who are much younger than me and I&#039;m amazed at how bad they look“. Jemand fragt zurück: „So, your vanity expresses itself through judgement of others?“ Ein anderer: „Not OP but yes, absolutely. It&#039;s kinda shitty but it&#039;s a gut reaction.“ (r/AskMen, 2018; siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geck.&#039;&#039;&#039; Eine Variante der Eitelkeit kommt vom [[#Putz|Putz]]: die Eitelkeit auf das eigene Aussehen, auf Kleidung, Frisur und Körper. Das Wörterbuch nennt den Gecken einen „eitlen (jungen) Mann mit auffallend modischer Kleidung und auffälligem Benehmen“ (DWDS). Die weibliche Variante ist die Diva. Die Eitelkeit selbst ist weiter: Auch ein hässlicher Gelehrter kann auf seine Intelligenz eitel sein. Dann hängt sie allein an der [[#Geltung|Geltung]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Diva.&#039;&#039;&#039; Das Wort heißt auf Italienisch „die Göttliche“ und war im 19. Jahrhundert ein Ehrenname berühmter Sängerinnen (Pfeifer). Das Wörterbuch nennt die Diva eine gefeierte Künstlerin, einen Star (DWDS). Zu ihr gehören Starallüren: Sie ist launisch, kapriziös und unnahbar und hält sich für etwas Besseres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Poser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Eitelkeit · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Poser ist ein Schauspieler für das Publikum. Vielleicht kann er auch etwas. Aber er stellt sich hin und macht eine Pose, damit das Publikum sie sieht. Früher haben Fußballer nach einem Tor gejubelt. Das war echt, das war [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Jubel|Jubel]] nach dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Sieg|Sieg]]. Heute machen sie Posen: Jeder soll sehen, was für ein Held ich bin. Auch die Influencer machen Posen für die Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Siu.&#039;&#039;&#039; Cristiano Ronaldo sprang im August 2013 nach einem Tor gegen Chelsea in die Luft und rief „Siu“. Er sagt selbst, das sei spontan gewesen: „I just scored the goal and it came out. It was just natural. Since that, I started to do it more often.“ Aus echtem Jubel wurde durch Wiederholung eine Pose, sein Markenzeichen. Die Übergänge sind fließend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Vorderbühne.&#039;&#039;&#039; Erving Goffman beschrieb 1959 das Alltagsleben als Theater, mit einer Vorderbühne, auf der man vor Publikum spielt, und einer Hinterbühne, auf der man unbeobachtet ist (&#039;&#039;The Presentation of Self in Everyday Life&#039;&#039;). Der Poser lebt auf der Vorderbühne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; ist der Eitle auch schon Poser. Den Kopf des geopferten Ochsen nagelt er gegenüber der Haustür an, damit jeder Besucher sieht, was er geopfert hat. Nach der Reiterparade gibt er die Ausrüstung dem Knecht und stolziert in Sporen über den Markt. Bei Vorführungen in seiner eigenen Halle kommt er als Letzter herein, damit die Zuschauer sagen: „That&#039;s the gentleman to whom the place belongs.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen&#039;&#039;&#039; (Reddit): „Curates her life online to make it look more fun and exciting than it really is.“ (r/AskMen, 2024) – „Sometimes guys post unfriendly non-smiling gym photos of them staring at their own arm muscles“ (r/Bumble, 2026). Das Aufpumpen vor dem Auftritt: „Shit, I do push-ups before cutting the lawn shirtless!“ – „You don&#039;t keep dumbbells in your trunk to do a few curls right before picking up your dates?“ – „you never look as good as your pump.“ Einer nennt seine Schnellübung selbst „the douchebag session“ (r/Fitness, 2015). – „When I cosplay, I want my picture taken with everyone.“ (r/AskMen, 2018)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prahler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[#Geltung|Geltung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Auch: Angeber.&lt;br /&gt;
* Varianten: Aufschneider&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Aufschneider.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Prahlers ist der Aufschneider. Bei Theophrast heißt er Ἀλαζονεία: „Bragging is pretending to have excellences that one does not really possess.“ Er steht am Hafen und erzählt, wie viel Kapital er in Schiffen stecken hat, und schickt seinen Sklaven zur Bank, wo er eine Drachme hat. Er habe unter Alexander gedient und drei Briefe von Antipater bekommen, obwohl er nie aus seiner Stadt herausgekommen ist. In der Hungersnot habe er über fünf Talente für die Armen gegeben. Sein gemietetes Haus nennt er das Familienhaus und sagt, es sei zu klein für seine Freunde. Ob das Vermögen echt oder erfunden ist, ist für das Wesen irrelevant. Das Motiv ist dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Besser sein wollen.&#039;&#039;&#039; Geltung zu wollen ist an sich etwas Positives. Sie ist der Treibstoff für viele Errungenschaften und Leistungen. Beim Prahler geht es aber darum, besser zu sein als die anderen. Das ist traurig, denn er ist von den anderen abhängig. Ohne Vergleich gibt es keinen Rang. Dabei kann man den Rang und die Leistung anderer auch anerkennen, unabhängig davon, ob sie mehr haben oder können (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wenn ein anderer mehr hat.&#039;&#039;&#039; Hat ein Nachbar das größere Haus oder das größere Auto, kommt der [[#Neid|Neid]] ins Spiel, wenn der andere ihm nah ist und es ein Gebiet ist, das ihm selbst zählt. Dann legt der Prahler nach, zieht den anderen herunter oder meidet den Vergleich. Der Neid ist sein Bruder: Auch er ist auf den Vergleich fixiert, und sein eigener Rang hängt von den anderen ab. Nach einer Umfrage von Solnick und Hemenway lehnten 48 % es ab, dass alle reicher werden, wenn das den eigenen Rang senkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; erscheint er in zwei Gestalten. Der Übereifrige zeigt „an excess in saying or doing, — with good intentions, of course“ und verspricht öffentlich Dinge, die er nicht leisten kann. Der Prahler ist „pretending to have excellences that one does not really possess“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Justin Kruger und David Dunning ließen 1999 Studenten nach einem Test schätzen, wie gut sie waren. Das schlechteste Viertel lag im 12. Perzentil und schätzte sich im 62. ein. Der Titel ihrer Studie: „Unskilled and unaware of it“. Wie stark das im Durchschnitt gilt, ist umstritten (Gilles Gignac und Marcin Zajenkowski 2020). Den Typ gibt es trotzdem. William von Hippel und Robert Trivers schrieben 2011, Selbsttäuschung sei entstanden, um andere besser zu täuschen: „self-deceptive self-enhancement also allows people to display more confidence than is warranted.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urtümlich.&#039;&#039;&#039; Der Angeber ist alt. Der Pfau schlägt sein Rad vor der Henne. Andere Tiere machen sich vor dem Rivalen größer, als sie sind: fast eine Drohgebärde, aber schon im Vorfeld, um einzuschüchtern, bevor es zum Kampf kommt. Rothirsche röhren um die Wette, wo ein Kampf droht, und das Röhren verrät dem Rivalen die Kampfkraft (Tim Clutton-Brock und Steve Albon 1979). Verliert ein Männchen der Winkerkrabbe seine große Schere, wächst eine neue nach, die gleich groß aussieht, aber leichter und schwächer ist. Damit blufft es: „Regenerated claws effectively bluff fighting ability and deter potential opponents before they fight.“ Auch die Weibchen fallen darauf herein. Bis zu 44 % der Männchen tragen solche Scheren (Patricia Backwell und Kollegen 2000). Das ist der Angeber in reiner Form: mehr zeigen, als da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Balz ruft den Angeber.&#039;&#039;&#039; Ein Dämon kann innerhalb desselben Menschen einen anderen zu Hilfe rufen. Die Balz ruft den Angeber, so wie beim Feigling die Angst den Täuscher ruft. Das ist eine Abfolge, keine Abstammung. Ein Feldversuch: Junge Skateboarder wagten riskantere Tricks, wenn eine attraktive Frau zusah, und ihr Testosteron stieg (Richard Ronay und William von Hippel 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Angeber vor Frauen – und vor Rivalinnen.&#039;&#039;&#039; Beim Menschen ist das Muster verbreitet. Derselbe Mann wirkt auf Frauen attraktiver, wenn er in einem Bentley sitzt; bei einer Frau am Steuer wirkt das nicht (Dunn &amp;amp; Searle 2010). Männer spenden deutlich mehr, wenn eine attraktive Frau zusieht; Frauen vor einem attraktiven Mann nicht (Iredale, Van Vugt &amp;amp; Dunbar 2008). Frauen geben auch an, nur anders: Sie investieren in Wirkung, Kosmetik ist eine ganze Industrie. Und Luxus zeigen sie oft anderen Frauen, als Mittel im Wettbewerb unter Rivalinnen (Hudders et al. 2014). Das ist wieder das Tier, das sich vor dem Rivalen größer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht jede Schminke und nicht jede teure Tasche ist Angeberei. Frauen tun das auch für sich selbst, nicht nur, um zu beeindrucken. Dann spricht [[#Geltung|Geltung]]: &#039;&#039;Ich bin wer.&#039;&#039; Das ist das gute Gefühl eines sicheren Reviers, kein Täuschen. Dasselbe Verhalten kann von verschiedenen Wesen kommen. Der Angeber braucht einen Zuschauer, den er übertrumpfen will. Geltung genügt sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsicht bei der Literatur: Viele Studien, die das Angeben durch „Paarungsstimmung“ auslösen wollten, ließen sich nicht wiederholen (Shanks et al. 2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stammesbruder ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Herde, Revierverhalten/Gebiet, Jagdtrieb · zu –&lt;br /&gt;
* Die Herde bringt das Zusammenhalten und das Ausstoßen der Abweichler, der Jagdtrieb die gemeinsame Jagd auf Minderheiten: Wölfe jagen gemeinsam und töten fremde Wölfe, die Schimpansen von Gombe stellten die Abtrünnigen in Gruppen und töteten sie einzeln.&lt;br /&gt;
* Verwandt: Revierverhalten/Gebiet; Fan und Kamerad; Verachtung gegen die Fremden.&lt;br /&gt;
* Wirkt bei vielen Wesen mit: beim Streber, beim Held, beim Krieger, beim Zwerg. Darum ist er kein Elternteil des Zwergs, sondern ein eigener Dämon.&lt;br /&gt;
* Trigger: die Kennzeichen (Trikot, Fahne, Dialekt), eine Bedrohung von außen, ein Abweichler in den eigenen Reihen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stammesbruder ist fundamental&lt;br /&gt;
Das wirkt bei ziemlich allen Gruppen Bildungen mit auf denen Zivilisationen beruhen&lt;br /&gt;
In Wahrheit gibt es nicht Nationen oder Firmen oder Gesellschaften oder Kunst oder Wissenschaft als Verbindung von Menschen&lt;br /&gt;
Da verbinden sich Menschen zu einem Stamm mit 50 anderen Menschen die sie kennen&lt;br /&gt;
Das ist die wirkende Dynamik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es ein Thema braucht mit dem sich ein Stamm identifiziert&lt;br /&gt;
Eine Lehre&lt;br /&gt;
Eine Ideologie&lt;br /&gt;
Aber abgesehen von Sinn oder Unsinn&lt;br /&gt;
Was da passiert ist Stammesverhalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es einen Kanon an gemeinsamen Symbolen, Masken, Kleidung, Haarschnitt, Fahnen, Ritualen, Sprüchen , Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wird auch peinlich darauf geachtet dass das eingehalten wird von denen die dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind die die nicht dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die wird mindestens herab geschaut&lt;br /&gt;
Und wenn es schlimm kommt gibt es auch Krieg und Verfolgung&lt;br /&gt;
Das ist eine unschöne Seite davon&lt;br /&gt;
Oft werden da Minderheiten gesucht&lt;br /&gt;
Als Feind der die Gruppe bedroht&lt;br /&gt;
Um die Truppe folgsam zu machen gegen den gemeinsamen Feind&lt;br /&gt;
Der Dämon Stammesbruder übernimmt das Ruder und schaltet das kritische Denken aus&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand ist Mitglied vom Stamm. Stammesverhalten ist ein mächtiger Trieb, der sehr viel menschliches Verhalten erklärt. Überall bilden wir Gruppen mit einheitlichen Kennzeichen. Und um in die Gruppe aufgenommen zu werden, muss man Hürden überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie schnell er da ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Robbers Cave, 1954: Zwei Gruppen von Jungen im Ferienlager, die sich vorher nicht kannten. Nach wenigen Tagen hatten sie Namen, die „Adler“ und die „Klapperschlangen“, eigene Fahnen und eigene Regeln. Bald verbrannten sie die Fahne der anderen und überfielen deren Hütte.&lt;br /&gt;
* Tajfel, 1970er-Jahre: Schüler wurden angeblich danach eingeteilt, ob sie Bilder von Klee oder von Kandinsky lieber mögen. In Wahrheit war es Zufall. Trotzdem gaben sie beim Verteilen von Geld der eigenen Gruppe mehr und verzichteten sogar auf Geld, nur damit der Abstand zur anderen Gruppe größer wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Hürde:&#039;&#039;&#039; 1959 mussten Studentinnen, um in eine Diskussionsgruppe zu kommen, vor einem Mann peinliche Wörter laut vorlesen. Danach hörten alle dieselbe absichtlich langweilige Diskussion. Wer die peinliche Aufnahme durchgemacht hatte, fand die Gruppe besonders gut. Je höher die Hürde, desto wertvoller die Gruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen und Hürden:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Militär&#039;&#039;&#039;: Kopf kahl, Uniform, Grundausbildung, Drill. Der Einzelne wird abgelegt, die Truppe wird angezogen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fußball&#039;&#039;&#039;: Schal, Trikot, Fangesänge. Schalke und Dortmund liegen 30 Kilometer auseinander und hassen sich neunzig Minuten lang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Berufe&#039;&#039;&#039;: Der Zimmermann auf der Walz in schwarzer Kluft, drei Jahre und einen Tag unterwegs, nicht näher als 50 Kilometer an seinen Heimatort. Der Doktortitel bei den Akademikern. Die verschlüsselte Fachsprache des [[Zwerg]]s ist das Kennzeichen seines Stammes, der Aufnahmeritus.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Studentenverbindungen&#039;&#039;&#039;: der Schmiss von der Mensur, eine Narbe im Gesicht als Kennzeichen fürs Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alt:&#039;&#039;&#039; In Gombe in Tansania hat sich in den 1970er-Jahren eine Schimpansengruppe gespalten. Über vier Jahre hat die größere Gruppe die Männchen der abgespaltenen Gruppe einzeln aufgespürt und getötet. Vorher waren es Gruppenmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Stamm von 50:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der Anthropologe Robin Dunbar hat gezählt, wie groß menschliche Gruppen von selbst werden: etwa 5 enge Vertraute, 15 gute Freunde, 50 Leute, mit denen man lagert und jagt, 150, die man noch beim Namen kennt. Die 50 ist bei Jägern und Sammlern die Größe eines Lagers.&lt;br /&gt;
* Die Armeen haben das immer gewusst. Der Zug hat 30 bis 50 Mann, die Kompanie um die 150. Bei den Römern teilten sich 8 Mann ein Zelt.&lt;br /&gt;
* Shils und Janowitz befragten 1948 gefangene Wehrmachtssoldaten, warum sie bis zuletzt weiterkämpften, als der Krieg längst verloren war. Nicht die Ideologie hielt sie. Die meisten kämpften für die Männer neben ihnen im Graben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Thema ist austauschbar:&#039;&#039;&#039; Bei Tajfel reichte die Frage, ob einem Klee oder Kandinsky besser gefällt, und in Wahrheit nicht einmal das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Peinlich genau eingehalten:&#039;&#039;&#039; Wer aus der eigenen Gruppe abweicht, wird härter verurteilt als ein Fremder, der dasselbe tut. Die Psychologen nennen das den Schwarze-Schaf-Effekt. Der Abtrünnige ist schlimmer als der Feind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das kritische Denken ausgeschaltet:&#039;&#039;&#039; Solomon Asch, 1951. Eine Versuchsperson sitzt mit sieben anderen am Tisch, die heimlich eingeweiht sind. Alle sollen sagen, welche von drei Linien so lang ist wie eine vierte. Die Antwort ist offensichtlich. Aber die sieben sagen nacheinander laut die falsche. Etwa drei von vier Versuchspersonen haben mindestens einmal mitgemacht und gegen ihre eigenen Augen die falsche Linie genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gemeinsame Feind:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Wort Sündenbock kommt aus der Bibel. Am Versöhnungstag legte der Priester die Sünden des Volkes einem Ziegenbock auf und jagte ihn in die Wüste.&lt;br /&gt;
* Im Ferienlager von Robbers Cave wurden die verfeindeten Gruppen am Ende durch eine gemeinsame Bedrohung versöhnt: Die Wasserleitung des Lagers war angeblich sabotiert.&lt;br /&gt;
* Göring erklärte 1946 in Nürnberg dem Gefängnispsychologen Gilbert sinngemäß: Das Volk lässt sich immer zum Krieg bringen. Man muss ihm nur sagen, es werde angegriffen, und die Friedensfreunde als Vaterlandsverräter hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“&#039;&#039; → Freund oder Feind, kein Drittes.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das macht man bei uns nicht.“&#039;&#039; → Die Regel des Stammes, ohne Begründung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Die da.“&#039;&#039; → Der Fremde braucht keinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die andere Seite:&#039;&#039;&#039; Derselbe Dämon trägt den verletzten Kameraden aus dem Feuer. Ohne ihn gäbe es keine Feuerwehr und keine Bergwacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; sein Ruf-Name.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=962</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=962"/>
		<updated>2026-10-31T19:29:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quengler: Beispiel Autofahrer entfernt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Brauen sind gesenkt und zusammengezogen, die Stirn gefurcht, das Gesicht gerötet. Der Mund ist geöffnet, die Mundwinkel zeigen nach unten. Er hat schlechte Laune.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ruckt vor, eine Hand wird erhoben oder schlägt kurz durch die Luft, die Stimme ist laut und kurz. Dann ist es vorbei.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]] bannt ihn, auch Freude und Verständnis, eher wenn sie von einer anderen Person kommen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Ärgergesicht.&#039;&#039;&#039; Die Mimik des Ärgers ist angeboren und kulturübergreifend, auch blind geborene Kinder zeigen sie. Typisch sind gesenkte, zusammengezogene Brauen, angespannte Lider, schmale Lippen und ein vorgeschobenes Kinn. Sell, Cosmides und Tooby (2014) deuten sie als Drohgebärde, denn jedes dieser Merkmale lässt den Träger stärker wirken. Beim Mecker kommen der offene Mund zum Schimpfen und die herabgezogenen Mundwinkel der schlechten Laune hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mecker und Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Es kann auch sein, dass man meckert, weil man verbittert ist, als Ersatz für die Enttäuschung. Das ist keine Abstammung, sondern Politik.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“ „Jetzt stell dich doch nicht so an.“ „Das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt.“ „Warum kannst du mir nicht einfach den Gefallen tun?“ „Mir hilft ja sowieso keiner.“ „Immer muss ich alles alleine machen.“ „Wenn ich dir wichtig wäre, würdest du das tun.“ „Ist schon gut. Ich komme schon irgendwie zurecht.“ „Na, vielen Dank auch.“ „Schon gut, ich habe verstanden.“ „Mach doch, was du willst.“ „Ich sage lieber gar nichts mehr.“ „Hast du es dir inzwischen anders überlegt?“ „Und warum geht es jetzt nicht?“ „Ich verstehe immer noch nicht, was dagegen spricht.“ „Wir können doch noch mal darüber reden.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Revier.&#039;&#039;&#039; Er betrachtet das, was er haben will, als seinen Besitz. Es steht ihm zu. Es gehört ihm. Und dieses Revier verteidigt er.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz von klein auf.&#039;&#039;&#039; Kleinkinder beanspruchen ab etwa 18 bis 24 Monaten Dinge mit „Mein!“ und erleben das als unveräußerlich (Rochat 2011). Beim Einkaufen bittet die große Mehrheit der Kinder um etwas, etwa alle vier Minuten. Die Eltern lehnen etwa drei Viertel der Bitten ab, und weniger als ein Fünftel gibt nach (University of South Australia 2019).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der erwachsene Quengler.&#039;&#039;&#039; Erwachsene quengeln ebenfalls, und zwar nicht selten. Allerdings ist das Verhalten bei ihnen oft subtiler als bei Kindern. Der grundlegende Mechanismus bleibt derselbe: Der Quengler macht seine Unzufriedenheit so lange zum Problem anderer, bis diese nachgeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Typische Formen bei Erwachsenen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Der fordernde Quengler.&#039;&#039;&#039; Er möchte etwas haben und akzeptiert ein Nein nicht.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Der leidende Quengler.&#039;&#039;&#039; Er setzt auf Mitleid und schlechtes Gewissen.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Der beleidigte Quengler.&#039;&#039;&#039; Er zeigt demonstrativ seine Unzufriedenheit, ohne seine Forderung offen auszusprechen.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der hartnäckige Quengler.&#039;&#039;&#039; Er bringt dieselbe Forderung immer wieder vor, auch nachdem sie abgelehnt wurde.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltagsbeispiele.&#039;&#039;&#039; Bei Erwachsenen erkennt man Quengeln am besten an konkreten Alltagssituationen. Und es ist nicht immer eine offene Forderung. Oft ist es ein anhaltendes, klägliches Drängen, das den anderen mürbe macht.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Der quengelnde Partner.&#039;&#039;&#039; Ein Mann möchte, dass seine Frau mit ihm ausgeht. Sie ist müde. „Ach komm, wir machen doch sonst nie was.“ „Immer bist du müde.“ „Ich hatte mich so darauf gefreut.“ „Na toll. Dann sitzen wir eben wieder zu Hause.“ Eine halbe Stunde später: „Wir könnten doch wenigstens kurz hingehen.“ Er akzeptiert die Entscheidung nicht. Stattdessen hält er seine Enttäuschung so lange aufrecht, bis sie nachgibt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Der quengelnde Kunde.&#039;&#039;&#039; Ein Kunde will einen Preisnachlass, den der Verkäufer nicht geben darf. „Da lässt sich doch bestimmt was machen.“ „Jetzt fragen Sie doch wenigstens mal Ihren Chef.“ „Bei der Konkurrenz bekomme ich das billiger.“ „Aber ein kleines bisschen können Sie doch runtergehen.“ Er verlässt das Geschäft nicht, sondern wiederholt seine Bitte in immer neuen Varianten.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Der quengelnde Mitarbeiter.&#039;&#039;&#039; Ein Mitarbeiter möchte am Freitag früher gehen. Sein Chef lehnt ab. „Aber ich habe doch letzte Woche auch länger gemacht.“ „Die anderen dürfen doch auch.“ „Es sind doch nur zwei Stunden.“ „Muss ich denn wirklich bis zum Schluss bleiben?“ Bei jeder Gelegenheit bringt er das Thema erneut zur Sprache.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der quengelnde Kranke.&#039;&#039;&#039; Jemand hat eine Erkältung und möchte ständig umsorgt werden. „Mir geht&#039;s so schlecht.“ „Kannst du mir noch einen Tee bringen?“ „Jetzt ist mir wieder kalt.“ „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie elend ich mich fühle.“ „Du kümmerst dich überhaupt nicht um mich.“ Dabei ist nicht die Krankheit das Quengeln, sondern das wiederholte Einfordern von Zuwendung, gegebenenfalls über das tatsächlich benötigte Maß hinaus.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Der quengelnde Rentner.&#039;&#039;&#039; Ein älterer Mensch erwartet Besuch von seinen erwachsenen Kindern. „Du meldest dich ja überhaupt nicht mehr.“ „Früher hattest du mehr Zeit für mich.“ „Ich sitze hier den ganzen Tag allein.“ „Wenn ich erst mal nicht mehr da bin, wirst du es bereuen.“ Hier wird aus dem Wunsch nach Kontakt ein dauernder emotionaler Druck.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mann im Bus.&#039;&#039;&#039; Ein Mann stieg vorne in den Bus ein. Er hatte aber kein Geld. Der hat einfach gequengelt, dass er nach Hause muss. Der Busfahrer hat dem erklärt, dass er bezahlen oder aussteigen muss. Das ging fünf Minuten so. Schließlich hat jemand für ihn bezahlt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ist sein eigentliches Motiv?&#039;&#039;&#039; Bei Kindern ist Quengeln oft unmittelbarer Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses. Beim erwachsenen Quengler kann es sich dagegen um eine fest eingeübte Strategie zur Einflussnahme handeln. Er hat gelernt, dass Beharrlichkeit, Jammern und demonstrative Unzufriedenheit wirksamer sein können als Argumente. Dabei muss er nicht bewusst manipulieren. Das Verhalten kann längst automatisiert sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eine wichtige Besonderheit.&#039;&#039;&#039; Der erwachsene Quengler kann sogar Freude daran entwickeln, seinen Willen durchzusetzen. Dann ist nicht mehr nur die Erfüllung seines ursprünglichen Wunsches befriedigend, sondern auch die Erfahrung: „Ich habe ihn so lange bearbeitet, bis er nachgegeben hat.“ Damit bekommt das Quengeln ein Eigenleben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung zum Mecker.&#039;&#039;&#039; Der Mecker sucht Anlässe, sich über etwas zu ärgern. Seine Belohnung kann bereits das Meckern selbst sein. Der Quengler dagegen sucht zunächst die Erfüllung eines Wunsches. Er will eine Reaktion oder ein Zugeständnis erzwingen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Mit Eifersucht.&#039;&#039;&#039; Der Quengler arbeitet gelegentlich mit der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] zusammen. Ein Kind klimpert auf dem Klavier, solange Besuch da ist, und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, sodass kein Gespräch möglich ist. Beide treten zusammen oder getrennt auf, die Übergänge sind fließend. Ein eigenes Wesen wäre es erst, wenn der Bund stabil wird, wie bei der Flechte aus Pilz und Alge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=961</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=961"/>
		<updated>2026-10-31T19:12:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quengler: Alltagsbeispiele, Der Mann im Bus&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Brauen sind gesenkt und zusammengezogen, die Stirn gefurcht, das Gesicht gerötet. Der Mund ist geöffnet, die Mundwinkel zeigen nach unten. Er hat schlechte Laune.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ruckt vor, eine Hand wird erhoben oder schlägt kurz durch die Luft, die Stimme ist laut und kurz. Dann ist es vorbei.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]] bannt ihn, auch Freude und Verständnis, eher wenn sie von einer anderen Person kommen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Ärgergesicht.&#039;&#039;&#039; Die Mimik des Ärgers ist angeboren und kulturübergreifend, auch blind geborene Kinder zeigen sie. Typisch sind gesenkte, zusammengezogene Brauen, angespannte Lider, schmale Lippen und ein vorgeschobenes Kinn. Sell, Cosmides und Tooby (2014) deuten sie als Drohgebärde, denn jedes dieser Merkmale lässt den Träger stärker wirken. Beim Mecker kommen der offene Mund zum Schimpfen und die herabgezogenen Mundwinkel der schlechten Laune hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mecker und Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Es kann auch sein, dass man meckert, weil man verbittert ist, als Ersatz für die Enttäuschung. Das ist keine Abstammung, sondern Politik.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“ „Jetzt stell dich doch nicht so an.“ „Das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt.“ „Warum kannst du mir nicht einfach den Gefallen tun?“ „Mir hilft ja sowieso keiner.“ „Immer muss ich alles alleine machen.“ „Wenn ich dir wichtig wäre, würdest du das tun.“ „Ist schon gut. Ich komme schon irgendwie zurecht.“ „Na, vielen Dank auch.“ „Schon gut, ich habe verstanden.“ „Mach doch, was du willst.“ „Ich sage lieber gar nichts mehr.“ „Hast du es dir inzwischen anders überlegt?“ „Und warum geht es jetzt nicht?“ „Ich verstehe immer noch nicht, was dagegen spricht.“ „Wir können doch noch mal darüber reden.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Revier.&#039;&#039;&#039; Er betrachtet das, was er haben will, als seinen Besitz. Es steht ihm zu. Es gehört ihm. Und dieses Revier verteidigt er.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz von klein auf.&#039;&#039;&#039; Kleinkinder beanspruchen ab etwa 18 bis 24 Monaten Dinge mit „Mein!“ und erleben das als unveräußerlich (Rochat 2011). Beim Einkaufen bittet die große Mehrheit der Kinder um etwas, etwa alle vier Minuten. Die Eltern lehnen etwa drei Viertel der Bitten ab, und weniger als ein Fünftel gibt nach (University of South Australia 2019).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der erwachsene Quengler.&#039;&#039;&#039; Erwachsene quengeln ebenfalls, und zwar nicht selten. Allerdings ist das Verhalten bei ihnen oft subtiler als bei Kindern. Der grundlegende Mechanismus bleibt derselbe: Der Quengler macht seine Unzufriedenheit so lange zum Problem anderer, bis diese nachgeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Typische Formen bei Erwachsenen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Der fordernde Quengler.&#039;&#039;&#039; Er möchte etwas haben und akzeptiert ein Nein nicht.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Der leidende Quengler.&#039;&#039;&#039; Er setzt auf Mitleid und schlechtes Gewissen.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Der beleidigte Quengler.&#039;&#039;&#039; Er zeigt demonstrativ seine Unzufriedenheit, ohne seine Forderung offen auszusprechen.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der hartnäckige Quengler.&#039;&#039;&#039; Er bringt dieselbe Forderung immer wieder vor, auch nachdem sie abgelehnt wurde.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltagsbeispiele.&#039;&#039;&#039; Bei Erwachsenen erkennt man Quengeln am besten an konkreten Alltagssituationen. Und es ist nicht immer eine offene Forderung. Oft ist es ein anhaltendes, klägliches Drängen, das den anderen mürbe macht.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Der quengelnde Partner.&#039;&#039;&#039; Ein Mann möchte, dass seine Frau mit ihm ausgeht. Sie ist müde. „Ach komm, wir machen doch sonst nie was.“ „Immer bist du müde.“ „Ich hatte mich so darauf gefreut.“ „Na toll. Dann sitzen wir eben wieder zu Hause.“ Eine halbe Stunde später: „Wir könnten doch wenigstens kurz hingehen.“ Er akzeptiert die Entscheidung nicht. Stattdessen hält er seine Enttäuschung so lange aufrecht, bis sie nachgibt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Der quengelnde Kunde.&#039;&#039;&#039; Ein Kunde will einen Preisnachlass, den der Verkäufer nicht geben darf. „Da lässt sich doch bestimmt was machen.“ „Jetzt fragen Sie doch wenigstens mal Ihren Chef.“ „Bei der Konkurrenz bekomme ich das billiger.“ „Aber ein kleines bisschen können Sie doch runtergehen.“ Er verlässt das Geschäft nicht, sondern wiederholt seine Bitte in immer neuen Varianten.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Der quengelnde Mitarbeiter.&#039;&#039;&#039; Ein Mitarbeiter möchte am Freitag früher gehen. Sein Chef lehnt ab. „Aber ich habe doch letzte Woche auch länger gemacht.“ „Die anderen dürfen doch auch.“ „Es sind doch nur zwei Stunden.“ „Muss ich denn wirklich bis zum Schluss bleiben?“ Bei jeder Gelegenheit bringt er das Thema erneut zur Sprache.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der quengelnde Autofahrer.&#039;&#039;&#039; Ein Beifahrer beklagt sich während einer längeren Fahrt: „Wie lange dauert das denn noch?“ „Müssen wir wirklich hier lang?“ „Warum fährst du so langsam?“ „Können wir nicht endlich Pause machen?“ „Mir ist langweilig.“ Hier ist das Quengeln weniger eine gezielte Verhandlung als eine fortlaufende Äußerung von Unbehagen, das auf den Fahrer übertragen wird.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Der quengelnde Kranke.&#039;&#039;&#039; Jemand hat eine Erkältung und möchte ständig umsorgt werden. „Mir geht&#039;s so schlecht.“ „Kannst du mir noch einen Tee bringen?“ „Jetzt ist mir wieder kalt.“ „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie elend ich mich fühle.“ „Du kümmerst dich überhaupt nicht um mich.“ Dabei ist nicht die Krankheit das Quengeln, sondern das wiederholte Einfordern von Zuwendung, gegebenenfalls über das tatsächlich benötigte Maß hinaus.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Der quengelnde Rentner.&#039;&#039;&#039; Ein älterer Mensch erwartet Besuch von seinen erwachsenen Kindern. „Du meldest dich ja überhaupt nicht mehr.“ „Früher hattest du mehr Zeit für mich.“ „Ich sitze hier den ganzen Tag allein.“ „Wenn ich erst mal nicht mehr da bin, wirst du es bereuen.“ Hier wird aus dem Wunsch nach Kontakt ein dauernder emotionaler Druck.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mann im Bus.&#039;&#039;&#039; Ein Mann stieg vorne in den Bus ein. Er hatte aber kein Geld. Der hat einfach gequengelt, dass er nach Hause muss. Der Busfahrer hat dem erklärt, dass er bezahlen oder aussteigen muss. Das ging fünf Minuten so. Schließlich hat jemand für ihn bezahlt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ist sein eigentliches Motiv?&#039;&#039;&#039; Bei Kindern ist Quengeln oft unmittelbarer Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses. Beim erwachsenen Quengler kann es sich dagegen um eine fest eingeübte Strategie zur Einflussnahme handeln. Er hat gelernt, dass Beharrlichkeit, Jammern und demonstrative Unzufriedenheit wirksamer sein können als Argumente. Dabei muss er nicht bewusst manipulieren. Das Verhalten kann längst automatisiert sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eine wichtige Besonderheit.&#039;&#039;&#039; Der erwachsene Quengler kann sogar Freude daran entwickeln, seinen Willen durchzusetzen. Dann ist nicht mehr nur die Erfüllung seines ursprünglichen Wunsches befriedigend, sondern auch die Erfahrung: „Ich habe ihn so lange bearbeitet, bis er nachgegeben hat.“ Damit bekommt das Quengeln ein Eigenleben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung zum Mecker.&#039;&#039;&#039; Der Mecker sucht Anlässe, sich über etwas zu ärgern. Seine Belohnung kann bereits das Meckern selbst sein. Der Quengler dagegen sucht zunächst die Erfüllung eines Wunsches. Er will eine Reaktion oder ein Zugeständnis erzwingen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Mit Eifersucht.&#039;&#039;&#039; Der Quengler arbeitet gelegentlich mit der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] zusammen. Ein Kind klimpert auf dem Klavier, solange Besuch da ist, und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, sodass kein Gespräch möglich ist. Beide treten zusammen oder getrennt auf, die Übergänge sind fließend. Ein eigenes Wesen wäre es erst, wenn der Bund stabil wird, wie bei der Flechte aus Pilz und Alge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_4:_Leib,_Nest_und_Lust&amp;diff=960</id>
		<title>Wesen 4: Leib, Nest und Lust</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_4:_Leib,_Nest_und_Lust&amp;diff=960"/>
		<updated>2026-10-31T19:01:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Begehren: Abschnitt Trigger&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die übrigen Wurzeln unter HOMO.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · &#039;&#039;&#039;Leib, Nest und Lust&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wuff Wuff (betteln um Anerkennung) ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Streber&lt;br /&gt;
* Die bettelnde Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HOMO ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Odem, Durst, Sunny, Balz, Elter, Sammler, Putz, Urschlummer, Beutetier, Hunger/Schlemmer, Raubtier, Herde, Begehren, Elf&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Odem ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Durst ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sunny ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hunger/Schlemmer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekel, Schmauß, Schmatz, Schmack, Trank, Mijam&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Völlerei), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekel ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Ekel]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Horror, Öde, Verachtung, Nase rümpfen, Hass&lt;br /&gt;
* Spruch: „Pfui“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Verdorbene und Verunreinigte vom Mund und vom Körper fernhalten. Der Dämon will, dass es weg ist, oder dass man selbst weg ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kot, Erbrochenes, Aas, Schimmel, Maden, Schleim, fremde Körperflüssigkeiten. Dazu alles, was damit in Berührung kam.&lt;br /&gt;
* Bannung: Abstand oder Reinigung. Er beruhigt sich, wenn das Ekelhafte weg ist oder man sich gewaschen hat.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Nase ist gerümpft, die Oberlippe nach oben gezogen, der Mund verzogen, oft wird die Zunge herausgestreckt oder es würgt.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf geht zurück, der Körper dreht sich weg, die Hände wehren ab. Man hält Abstand.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rangordnung und Reinheit.&#039;&#039;&#039; In vielen Kulturen oder Religionen wird eine Rangordnung gemacht: Reinheit, oder der Reine, im Gegensatz zum Unreinen. Bevor sich das vergeistigt hat, war das nichts Symbolisches. Das steht schon bei Nietzsche. Jedenfalls beinhaltet der Ekel eine Abscheu mit Blick auf den Unreinen, und darin ist eine Rangordnung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ja und Nein.&#039;&#039;&#039; Man sagt Ja und Nein und hält das für logische Kategorien. Aber letztendlich stammt das von körperlichen Reaktionen und basiert darauf und erhält auch heute noch daher den Sinn. Ekel ist eine Abwehr. Bei einem stärkeren Nein ist da auch Verärgerung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche schreibt in der &#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; ([http://www.thenietzschechannel.com/works-pub/gm/gm-1g.htm 1887, erste Abhandlung, §6]), dass „rein“ und „unrein“ sich zum ersten Mal als Ständeabzeichen gegenüberstehen. Man solle die Begriffe nicht symbolisch nehmen: Sie seien anfangs „grob, plump, äusserlich, eng, geradezu und insbesondere unsymbolisch“ verstanden worden. Der „Reine“ sei von Anfang an bloß „ein Mensch, der sich wäscht, der sich gewisse Speisen verbietet, die Hautkrankheiten nach sich ziehen, der nicht mit den schmutzigen Weibern des niederen Volkes schläft, der einen Abscheu vor Blut hat“. Dumont ([https://books.google.com/books/about/Homo_Hierarchicus.html?id=XsOtRGdvIigC &#039;&#039;Homo Hierarchicus&#039;&#039;]) beschreibt das indische Kastensystem durch den Gegensatz von rein und unrein: Die Brahmanen stehen für höchste Reinheit, die Unberührbaren für höchste Unreinheit. Mary Douglas (1966) bestimmt Schmutz als „matter out of place“, als Stoff am falschen Platz. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10234846/ 1999]) ordnen drei Gefühle drei Moralordnungen zu: Ekel gehört zur Verletzung der Ordnung von Reinheit und Heiligkeit, Ärger zur Autonomie, Verachtung zur Gemeinschaft. Royzman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24866519/ 2014]) fanden bei Verletzungen der Reinheitsordnung ohne Krankheitsbezug vor allem Ärger und nicht Ekel. Ob Ekel und Ärger dabei zusammenwirken oder sich ersetzen, ist umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Schutz vor dem, was man in den Mund nehmen würde.&#039;&#039;&#039; Rozin und Fallon ([https://psycnet.apa.org/record/1987-12972-001 1987]) definieren Ekel als Abscheu vor dem Gedanken, etwas Anstößiges in den Mund zu nehmen. Curtis, de Barra und Aunger ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3013466/ 2011]) sehen ihn als ein System, das vor Ansteckung schützt. Der Dämon ist also eine Wache an der Tür des Körpers.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Berührung zählt.&#039;&#039;&#039; Rozin, Millman und Nemeroff ([https://cognitionandculture.net/wp-content/uploads/89LawsSympMagicJPSP86-1wzdvkv.pdf 1986]) ließen Versuchspersonen Saft trinken. Hatte eine sterilisierte tote Kakerlake ihn kurz berührt, wurde er abgelehnt. Auch Schokolade in der Form von Hundekot wollten viele nicht essen, obwohl sie wussten, was es war. Der Dämon fragt nicht nach Wissen. Er reagiert auf die Berührung und auf die Ähnlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel vor Menschen und Taten.&#039;&#039;&#039; Chapman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251631/ 2009]) fanden, dass bittere Geschmäcker, Bilder von Verschmutzung und unfaire Angebote in einem Spiel denselben Gesichtsmuskel (Levator labii) aktivierten, der die Oberlippe hebt. Moralischer Ekel benutzt also dieselbe Mimik wie Ekel vor Essen. Von dort kommt die Spur zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] und [[#Nase rümpfen|Nase rümpfen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird übertragen.&#039;&#039;&#039; Die Reaktion von Ekel wurde übertragen und zeigt sich nicht nur in Bezug auf Speisen oder Schmutz, sondern als Abscheu vor Verbrechern oder Minderheiten. Auch das Nase rümpfen gehört dazu. Eine ursprüngliche körperliche Reaktion wurde kultiviert und wird für verschiedene Funktionen eingesetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird gelernt.&#039;&#039;&#039; Interessant ist auch, dass das Objekt des Ekels teilweise erst durch die Mutter erlernt wird, zum Beispiel Regenwürmer oder Ausscheidung. „Iiiih. Das ist ekelhaft. Fass das nicht an.“ Das ist direktes Lernen. Das Kind sieht die körperliche Reaktion der Mutter, den Abscheu im Gesicht, und lernt den Ekel vor dem Objekt aus diesem Vorbild. So wird diese Verknüpfung erlernt.&lt;br /&gt;
:Rozin, Haidt und Fincher ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251619/ 2009], „From Oral to Moral“) vertreten, dass Ekel als Ablehnung schlechter Geschmäcker begann und sich zu einer abstrakten Emotion ausdehnte. Tybur u. a. ([https://www.ovid.com/00006832-201301000-00003 2013]) schreiben, dass Ekel zunächst die Vermeidung von Krankheitserregern motivierte und später für die Vermeidung von Sexualkontakt und für moralische Verstöße genutzt wurde. Die Fachwörter dafür sind „Preadaptation“ und „Co-optation“. Harris und Fiske ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17100784/ 2006]) zeigten Versuchspersonen im Scanner Bilder von Obdachlosen und Süchtigen. Nach den Zusammenfassungen fehlte dabei die übliche Aktivierung für das Denken über andere Menschen, dafür waren Amygdala und Insula aktiv; die Insula gilt als Ekelregion. Stevenson u. a. ([https://researchers.mq.edu.au/en/publications/childrens-response-to-adult-disgust-elicitors-development-and-acq/ 2010]) untersuchten Kinder von 0 bis 18 Jahren: Kernauslöser wie Kot erscheinen zuerst, Eltern kleiner Kinder zeigten ihren Kindern mehr Ekel und mehr Meidung, und die Reaktion der Kinder auf Tiere und auf sozial-moralische Auslöser entsprach der Reaktion der Eltern. Für Kot nennt die Zusammenfassung diesen Zusammenhang nicht, und kleine Kinder ohne Wissen über Ansteckung reagierten auf Kernauslöser ebenso stark wie Gleichaltrige mit diesem Wissen. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3740830/ 1986]) fanden bei Kindern ab 16 Monaten, dass die Jüngsten mehr Ekelhaftes annahmen, die Mehrheit aber das meiste ablehnte. Dass das Kind den Ekel von der Mimik der Mutter lernt, ist mit diesen Studien nicht direkt nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel ist angeboren.&#039;&#039;&#039; Der Ekel gehört natürlich zu den Urdämonen. Der Psychologe Paul Ekman hat bei Naturvölkern dieselbe Mimik des Ekels dokumentiert wie bei uns. Also ist sie angeboren. Jemand las einen Text. In Zeitlupe war im Gesicht die Mimik starker Abscheu zu sehen. Das war ein Mikroausdruck von Ekel: die Abwehr im Augenblick, in dem eine Textstelle nicht verstanden wurde.&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Mimik des Ekels und das Deuten dieser Mimik sind zu trennen. Zur Mimik: Matsumoto und Willingham ([https://www.eurekalert.org/news-releases/695433 2009]) fanden bei Athleten der Paralympics 2004, die von Geburt an blind waren, dieselben spontanen Gesichtsausdrücke wie bei sehenden Athleten. Ich kenne nur Zusammenfassungen. Ob Ekman bei den Fore auch selbst gezeigte Ekel-Mimik dokumentiert hat, konnte ich nicht belegen. Zum Deuten: Ekman, Sorenson und Friesen (1969, &#039;&#039;Science&#039;&#039; 164) ließen Fore und Sadong Gesichtsausdrücke zuordnen. Die Fore erkannten den Ausdruck für Ekel und Verachtung zu 29 % (Pidgin) bzw. 44 % (Fore-Sprache), die Sadong wählten am häufigsten „Trauer“ (26 %) und „Freude“ (23 %). Ekman und Friesen (1971, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 17) gaben den Fore Geschichten und drei Gesichter zur Wahl: Erwachsene wählten das Ekel-Gesicht zu 77 % bzw. 89 % (Zufall: 33 %), Kinder bei zwei Gesichtern zu 95 % bzw. 78 % (Zufall: 50 %). Ich kenne die Zahlen aus einem Lehrbuch (Yarwood), das die Tabellen wiedergibt. Das Deuten gelingt beim Ekel also schlechter als bei Freude. Gegenposition: Barrett u. a. (2019) bestreiten, dass sich Gefühle verlässlich aus dem Gesicht lesen lassen. Zum Mikroausdruck beim Nichtverstehen habe ich keine Studie gefunden. Rozin und Cohen ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12899317/ 2003]) fanden bei Amerikanern im Alltag häufig Ausdrücke, die sie als Verwirrung, Konzentration und Sorge deuteten; Verwirrung hat dort einen eigenen Ausdruck. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8014832/ 1994]) beschreiben verschiedene Ekel-Gesichter für verschiedene Auslöser. Pochedly u. a. fanden, dass das Gefühl, das man dem Naserümpfen zuschreibt, davon abhängt, welche Gesichter vorher gezeigt wurden. Ich kenne alle drei nur aus den Zusammenfassungen. Der Ekel beim Nichtverstehen bleibt damit eine Beobachtung; sie passt zu „Der Ekel wird übertragen“. Zu Urgefühlen, Mikroausdrücken und Verhör siehe [[Grundlagen#Das Unbewusste|Das Unbewusste]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kinder.&#039;&#039;&#039; [[#Öde|Öde]] ist der Ekel vor dem Geschmacklosen. [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] entsteht aus Ekel und [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; Wer Menschen mit „Ungeziefer“ oder „Dreck“ belegt, ruft den Ekel gegen sie. Dann wird aus der Hygiene eine Ausgrenzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Öde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Nörgler&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nase rümpfen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Lästerer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmauß ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmatz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmack ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mijam ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Balz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Liebe, Eifersucht&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aphrodite ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit und Anmut eines Menschen, ohne dass man den Akt beabsichtigt oder sich ihn ausmalt. Man fühlt sich in der Nähe dieses Menschen gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes. Schönheit stimuliert, und vielleicht gehört etwas Verliebtheit dazu. Man will für die Verehrte etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Aber etwas Nichtmaterielles will man doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Getrennt vom Begehren.&#039;&#039;&#039; Die sexuelle Absicht ist davon getrennt, auch wenn sie oft folgt. Umgekehrt gibt es Männer, die jede nehmen, die die Reize hat, unabhängig vom Charakter der Frau, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hindernisse.&#039;&#039;&#039; Was die Verehrung verhindern kann, ist bei jedem anders, etwa Falschheit oder Einbildung. Wer sie beim anderen findet, kann ihn nicht mehr verehren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Macht.&#039;&#039;&#039; Aphrodite ist mächtig und verbreitet. Die halbe Zivilisation hängt davon ab, von Mode und Kosmetik bis zu Kunst, Musik und Architektur, und es wird viel dafür getan, selbst bewundert zu werden oder Schönheit zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Liebe ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Beschützer, Verehrung/Bewunderung · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Liebe ist, dass einem der andere wichtig ist und man ihn schützen will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] hat dabei eine ganz starke Rolle. Die Liebe kann eine sexuelle Komponente haben, aber die kann auch fehlen. Die Mutter liebt ihr Kind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Liebe und Begehren.&#039;&#039;&#039; Begehren gibt es auch ohne Liebe, und Liebe auch ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Wo beides zusammenkommt, ist es [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Und die Bewunderung.&#039;&#039;&#039; Die Liebe hat auch von der Verehrung etwas, vom Staunen über den anderen. Die Bewunderung der Schönheit ist [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eifersucht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Sammler, Zorn, Verehrung/Bewunderung, Revierverhalten/Gebiet, Elter · zu Stalker&lt;br /&gt;
* Der Kern ist das Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: der Rivale; der Blick des geliebten Menschen zu einem Dritten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kern:&#039;&#039;&#039; Die Gefahr, eine Bindung zu verlieren, und zwar an einen Rivalen. Das ist Revierverhalten: Ein Rivale dringt in mein Revier ein, und das Revier ist hier eine Bindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Älter als Balz und Besitz:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Die Mutter spielt liebevoll mit einer lebensechten Puppe statt mit ihrem sechs Monate alten Baby. Das Baby wird unruhig und unglücklich, deutlich mehr, als wenn die Mutter nur in ein Buch schaut. Ein Säugling hat keine Balz und keinen Begriff von Besitz.&lt;br /&gt;
* Der Besitzer streichelt einen Stoffhund, der bellt und mit dem Schwanz wedelt. Viele Hunde drängen sich dazwischen, manche schnappen nach dem Stoffhund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es gibt verschiedene Arten von Eifersucht, je nach Art der Bindung:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Liebenden&#039;&#039;&#039;, von der Balz: der Nebenbuhler. Das Kleinlibellen-Männchen hält das Weibchen nach der Paarung mit seinen Zangen am Hals fest und fliegt mit ihr im Tandem, während sie die Eier ablegt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Geschwistern&#039;&#039;&#039;, vom Elter: Ein Baby kommt nach Hause, und das ältere Kind, zwei oder drei Jahre alt, will plötzlich wieder die Flasche und macht wieder ins Bett. Josef: Jakob liebt ihn mehr als die anderen Söhne und schenkt ihm einen bunten Rock. Die Brüder werfen ihn in eine Grube und verkaufen ihn. Es geht um die Gunst des Vaters.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um Besitz&#039;&#039;&#039;, vom Sammler: „Er gehört mir.“ „Meine Frau.“ „Mein Schatz.“ Was man hat, gibt man nicht her.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um einen Verehrten&#039;&#039;&#039;, von der Verehrung: Der Lieblingsschüler des Meisters wird von den anderen beneidet. Der Fan ist eifersüchtig auf die Freundin des Stars.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Ausbruch&#039;&#039;&#039;, vom Zorn: wenn der Rivale da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wertlosigkeit und Zurückweisung:&#039;&#039;&#039; Man hat auch ein Gefühl der Wertlosigkeit, der Zurückweisung, wenn der besondere Mensch einen anderen vorzieht. Der Rivale nimmt nicht nur den Menschen weg. Er sagt durch seine bloße Existenz: Du bist weniger wert als ich. Im Kopf kreist die Frage: „Was hat er, was ich nicht habe?“ Man vergleicht sich und verliert. Das liegt nahe bei Schmach und Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eifersucht und Neid:&#039;&#039;&#039; Eifersucht fürchtet zu verlieren, was man hat, an einen Rivalen. Neid will haben, was der andere hat. Das Gefühl der Wertlosigkeit entsteht im Vergleich mit dem Rivalen. Da treffen sich beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird nicht bewertet. Eifersucht hat man in allen Kulturen gefunden, in denen man danach gesucht hat. Sie ist natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Venus ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Liebe, Mijam, Begehren, Kuschel · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Venus ist die Liebe mit Begehren. Zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] kommen das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]], der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Kuschel|Kuschel]] mit der Lust an der Berührung und der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Mijam|Mijam]] mit der Lust am Genuss. Alle diese Teile gibt es auch einzeln. Begehren gibt es ohne Liebe, und Liebe ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Venus ist der Fall, in dem alles zusammenkommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]] bewundert die Schönheit, ohne den Akt zu beabsichtigen. Das Begehren nimmt, was die Reize hat, ohne Rücksicht auf den Charakter. Venus verbindet die Liebe mit dem Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begehren ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekstase, Venus&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Wollust), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trigger.&#039;&#039;&#039; Etwas fungiert als Trigger, was vorher keiner war. Begehren ist in der Entwicklung flüssig. Der Mensch hat gelernt, aufrecht zu gehen. Jetzt waren die Reize von hinten nicht mehr da, also brauchte es vorne auch Reize für die Stimulation. Außerdem wurde die Kindheit länger, also wurden die Milchdrüsen länger gebraucht. Auf einmal wurden Brüste sexy. Milchdrüsen haben auch Tiere, vielleicht waren es zuerst Fettreserven.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Form, Kontext, Schablone.&#039;&#039;&#039; Ein Trigger besteht aus drei Teilen: einem Merkmal, einem Zusammenhang und einer Richtung des Begehrens. Brustwarzen sehen bei Mann und Frau ähnlich aus und lösen doch nur im Zusammenspiel mit der Richtung aus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angeborene und gelernte Auslöser.&#039;&#039;&#039; Es gibt Auslöser, die bevorzugt wirken: ein Taille-Hüft-Verhältnis um 0,7, Jugend, Gesundheit. Daneben kann das Begehren auf andere Reize geprägt werden. Beim Fetischisten sind es Gummi, Büstenhalter oder Schuhe. Der geprägte Auslöser wirkt wie ein angeborener: Er erregt und er befriedigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Übernormale Reize.&#039;&#039;&#039; Ein Reiz kann stärker wirken als sein Vorbild: Lippenstift, Zucker, Fett, Bildbearbeitung. Die Silbermöwe brütet auf einem Ei, das größer ist als ihr eigenes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Reiz verspricht.&#039;&#039;&#039; Der Reiz verspricht den Vollzug und weckt den Dämon. Das ist seine Funktion. Der Duft macht Hunger auf Brötchen. Die Schachtel macht Japp auf den Kick vom Nikotin.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Trigger.&#039;&#039;&#039; Knappheit (nur noch zwei), Nachahmung (der andere will es, also will ich es auch), Neuheit (das Überraschungsei), Besitz (was mir gehört, wird wertvoll), Zeichen für Belohnung (die Verpackung, der Geruch aus der Bäckerei), Status (das Auto des Nachbarn).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sperre.&#039;&#039;&#039; Gegenspieler der Trigger ist die Gewöhnung. Wer als Kind zusammen aufwächst, findet sich später nicht mehr anziehend, und wer etwas zu lange hat, mag es nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekstase ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Begehren · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elter ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Beschützer, Nestbau, Eifersucht, Beschwichtiger&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschützer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Krieger · zu Liebe&lt;br /&gt;
* Hunger: Für ein Wesen sorgen. Das gibt Erfüllung und Sinn: Für jemand anderen zu sorgen, ist das, was die Frau meint, die verzweifelt Kinder bekommen möchte. Es ist auch ein Instinkt, der für den Fortbestand da ist. Eltern freuen sich über ihre Kinder. Auch der Enkel ist für die Großeltern ein großes Glück und eine Erfüllung. Eltern berichten etwas mehr Sinn im Leben als Nichteltern, bei Frauen deutlicher (Apostolou u. a. 2026). Eltern leben im Alter länger als Kinderlose, ab 60 etwa 2 Jahre bei Männern und 1,5 Jahre bei Frauen (Modig u. a. 2017). Großeltern, die Enkel betreuen, sind zufriedener (SHARE, 95.594 Befragte) und haben ein um 37 % niedrigeres Sterberisiko (Hilbrand u. a. 2017). Das Betreuen ist dabei der Faktor, nicht das bloße Dasein der Enkel.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit. Das Kindchenschema wirkt, die Bambi-Augen, auch bei Männern. Andere Tiere haben andere Trigger, bei Vögeln der aufgesperrte Schnabel der Jungen. Fremde Kinder sind auch süß, führen aber nicht zu dieser Fürsorge. Das hängt davon ab, ob man sich verbunden fühlt, und in der Regel gibt es am Anfang eine Prägung. Babys mit stärkerem Kindchenschema werden als süßer bewertet und wecken mehr Fürsorge (Glocker u. a. 2009). Bei Gull-Küken ist es der rote Fleck am Schnabel der Eltern (Tinbergen und Perdeck 1950). Mütter erkennen ihr Neugeborenes nach kurzem Kontakt am Geruch (Kaitz u. a. 1987). Bei Frauen wirken große Augen attraktiv (Cunningham 1986).&lt;br /&gt;
* Bannung: Durch Enttäuschung oder Zurückweisung. Eltern verstoßen ihren Sohn, wenn er in ihrer Vorstellung missraten ist: faul, frech, undankbar. Dazu gehört aber einiges. Meist bleibt die Mutterliebe trotzdem bestehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Pflege.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer pflegt die Nachkommen, das ist seine primäre Aktivität. Eltern opfern dafür sehr viel Zeit und Energie. Zu den Diensten gehören: Sicherheit im Heim (siehe [[#Nestbau|Nestbau]]), Ernährung, Lehre, Trost und Forderung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ernährung.&#039;&#039;&#039; Kohlmeisen-Eltern fliegen etwa 12 bis 15 Mal pro Stunde ans Nest (Barba u. a. 2009).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lehre.&#039;&#039;&#039; Bei Erdmännchen entschärfen Helfer Skorpione und geben den Jungen mit dem Alter lebendere Beute (Thornton und McAuliffe 2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trost.&#039;&#039;&#039; Junge Rhesusaffen klammerten sich an eine Stoffmutter und liefen bei Schreck zu ihr, auch wenn eine Drahtmutter sie fütterte (Harlow).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Forderung.&#039;&#039;&#039; Eltern, die warm sind und klare Regeln begründet fordern, haben die günstigsten Folgen für die Kinder (Baumrind).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Aufwand.&#039;&#039;&#039; Eltern von zwei Kindern wenden etwa 7,5 Stunden am Tag auf (Bryant und Zick 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verteidigung.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer spricht zuerst in Sorge:&lt;br /&gt;
:* Bist du warm genug angezogen?&lt;br /&gt;
:* Zieh dich warm an!&lt;br /&gt;
:* Isst du auch genug?&lt;br /&gt;
:* Fahr vorsichtig!&lt;br /&gt;
:* Ruf an, wenn du angekommen bist!&lt;br /&gt;
:* Warum meldest du dich nicht, ist was passiert?&lt;br /&gt;
:* Ich mach mir doch nur Sorgen.&lt;br /&gt;
:* Ich meine es doch nur gut mit dir.&lt;br /&gt;
:Dann in Zusagen:&lt;br /&gt;
:* Egal wann, egal von wo, egal was ist: Du rufst mich an und ich komme dich holen.&lt;br /&gt;
:* Du kannst IMMER nach Hause zurückkommen; wir werden immer für dich da sein!&lt;br /&gt;
:* Ganz egal, was passiert oder was du tust: Ich werde dich immer lieben!&lt;br /&gt;
:* Keine Angst, ich bin bei dir.&lt;br /&gt;
:* Dir passiert nichts, solange ich hier bin.&lt;br /&gt;
:* Ich passe auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Pass auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Du musst da nicht allein durch.&lt;br /&gt;
:* Komm, ich helfe dir.&lt;br /&gt;
:* Ich lasse dich nicht im Stich.&lt;br /&gt;
:* Du kannst dich auf mich verlassen.&lt;br /&gt;
:* Ich kümmere mich darum.&lt;br /&gt;
:* Solange ich da bin, wird keiner zurückgelassen.&lt;br /&gt;
:In der Verteidigung:&lt;br /&gt;
:* Lass ihn in Ruhe!&lt;br /&gt;
:* Niemand tut dir etwas.&lt;br /&gt;
:* Stell dich hinter mich.&lt;br /&gt;
:* Wenn du Streit willst, dann mit mir.&lt;br /&gt;
:* Leg dich mit jemandem an, der sich wehren kann!&lt;br /&gt;
:* Do not touch my kid.&lt;br /&gt;
:* don&#039;t touch peoples kids&lt;br /&gt;
:* yeah, I&#039;m not going to hand her over&lt;br /&gt;
:* ok but not HIS MOM&lt;br /&gt;
:Und wenn er zu weit geht:&lt;br /&gt;
:* Ich weiß, was gut für dich ist.&lt;br /&gt;
:* Das ist zu gefährlich für dich.&lt;br /&gt;
:* Lass mich das lieber machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mit dem Krieger.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer arbeitet mit dem Krieger zusammen. Eine Mutter kämpft auch gegen stärkere Feinde und entwickelt dabei Kräfte, die sie oft gewinnen lassen. Da schlägt auch ein Vogel einen starken Greifvogel in die Flucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überbehütung.&#039;&#039;&#039; Die Mutter will das Kind schützen und lässt ihm deshalb keinen Auslauf. Keine Erfahrung, die gefährlich sein könnte. Oder sie kaut ihm alles vor und schreibt ihm vor. Auch will sie nicht loslassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sie bewirkt.&#039;&#039;&#039; Das Kind lernt nicht, was es sich zutrauen kann. Wer nie hingefallen ist, kennt den Schmerz nicht und weiß nicht, wie man wieder aufsteht. Wer nie selbst entscheiden durfte, hat das Entscheiden nicht geübt und fragt weiter die Mutter. Es bleibt abhängig von ihr. Und weil sie nicht loslässt, kommt es auch später schwer los.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum sie nicht loslässt.&#039;&#039;&#039; Der Hunger des Beschützers bleibt, wenn das Kind selbstständig wird. Es fehlt ihm die Nahrung: jemand, für den er sorgen kann. Also hält die Mutter das Kind klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn die Kinder gehen.&#039;&#039;&#039; Die Kinder ziehen aus. Das Zimmer ist leer. Niemand muss mehr geweckt, bekocht und erinnert werden. Der Hunger bleibt, es fehlt die Nahrung. Manche Mütter rufen dann weiter täglich an und fragen, ob das Kind genug gegessen hat. Andere wenden sich den Enkeln zu, einem Haustier oder einer Aufgabe, in der sie für andere sorgen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn das Kind stirbt.&#039;&#039;&#039; Dann bleibt der Hunger bei einem Wesen, das nichts mehr zu versorgen hat. Manche Eltern lassen das Zimmer jahrelang so, wie es war. Das Sorgen hört nicht auf, es geht ins Leere. Viele Eltern sagen, das sei das Schlimmste, was ihnen geschehen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nestbau ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Sammler · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nest als Revier.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Das Gesetz kennt den Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird (§ 123 StGB).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es betreten wird.&#039;&#039;&#039; Einbruchsopfer reagieren mit Wut (72 %), Schlafstörungen (57 %) und Angst (39 %), viele fühlen sich verletzt (Victim Support 2005, 545 Opfer). Etwa ein Viertel ist ernsthaft erschüttert, nach über einem Monat hat sich nur ein Drittel erholt (British Journal of Criminology 1980, 322 Opfer).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Singvögel markieren ihr Revier mit Gesang, viele Säugetiere mit Duftmarken. Reicht die Ankündigung nicht, folgen Verfolgung und Kampf. Bei Möwen in Kolonien ist das Revier nur das Nest selbst. Wolfsrudel verteidigen das Gebiet, in dem sie jagen und leben (Britannica).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu.&#039;&#039;&#039; Das Revier dient der Brutpflege, ungestörter Paarung, der Nahrung für die Jungen und dem Abstand zu Artgenossen (Britannica).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschwichtiger ==&lt;br /&gt;
* Auch: Tröster&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe. Dass der Sturm sich legt, in einem selbst oder im anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Stress, Schmerz, Aufregung, die eigene oder die eines anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Das Kind hat sich wehgetan. Die Mutter nimmt es auf den Arm und sagt: „Ist ja gut, ist gleich vorbei.“ Das wiederholt sich, bis das Kind diese Stimme selbst hat. Der Beschwichtiger ist der Tröster, der nach innen gewandert ist. Er spricht zu einem selbst, wie damals die Eltern gesprochen haben. Weil man ihn hat, kann man ihn auch anderen leihen: Er tröstet, besänftigt, entschärft einen Streit. Er wirkt in beide Richtungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Wenn die Lage gespannt ist, gähnt der Hund, wendet den Kopf ab, schnüffelt am Boden oder leckt sich über die Nase. Die Hundetrainerin Turid Rugaas nennt das Beschwichtigungssignale. Schimpansen suchen nach einem Kampf den Kontakt: Die Gegner versöhnen sich mit einem Kuss, und ein Dritter umarmt den, der angegriffen wurde (de Waal und van Roosmalen 1979).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Die richtigen Sprüche sind wie ein Mantra und nehmen den Stress erst mal raus. Das muss man lernen und sich aneignen: Sich selbst in stressigen Momenten zu beruhigen.&lt;br /&gt;
:* Das ist ein lösbares Problem&lt;br /&gt;
:* Bleib cool&lt;br /&gt;
:* Morgen geht die Sonne auch noch auf&lt;br /&gt;
:* Es gibt Schlimmeres&lt;br /&gt;
:* Immer mit der Ruhe&lt;br /&gt;
:* Alles wird gut. Es wird alles gut.&lt;br /&gt;
:* Man muss das kosmisch sehen&lt;br /&gt;
:* Scheiß drauf&lt;br /&gt;
:* dumm gelaufen&lt;br /&gt;
:* Morgen lach` ich darüber&lt;br /&gt;
:* Immer schön der Reihe nach&lt;br /&gt;
:* Und wenn schon&lt;br /&gt;
:* Auch das geht vorbei&lt;br /&gt;
:* Irgend ne Scheiße hat man immer am Hacken&lt;br /&gt;
:* Eins nach dem Anderen&lt;br /&gt;
:* Erst mal schauen&lt;br /&gt;
:* Notfalls hole ich mir Hilfe&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie die Sprüche wirken.&#039;&#039;&#039; Sie schaffen Abstand. Abstand in der Zeit: „Morgen lach` ich darüber“, „Auch das geht vorbei“. Abstand im Raum: „Man muss das kosmisch sehen“, „Es gibt Schlimmeres“. Sie zerlegen den Berg: „Eins nach dem Anderen“, „Erst mal schauen“. Oder sie lassen los: „Scheiß drauf“, „Und wenn schon“. Bei „dumm gelaufen“ ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Kobold|Kobold]] nicht weit. Der Psychologe Ethan Kross hat gezeigt, dass schon die Form des Selbstgesprächs zählt: Wer unter Stress mit sich spricht wie mit einem anderen, mit dem eigenen Namen oder mit „du“ statt „ich“, hat weniger Angst und grübelt danach weniger (Kross u. a. 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne ihn.&#039;&#039;&#039; Ohne Beschwichtiger gerät man in Dauerstress oder Panik. Er beruhigt andere oder sich selbst. Auch Sportler sprechen sich vor der Leistung Mut zu. Muhammad Ali verkündete: „Ich bin der Größte.“ Er sagte, er habe es gesagt, noch bevor er es wusste, und es so oft wiederholt, bis die Welt es glaubte (Ali Center, „In His Own Words“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Stammesbruder&lt;br /&gt;
* Trigger: Gefahr, und vor allem die Flucht der anderen. Wenn einer rennt, rennen alle.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Die Herde ist die Wurzel und biologische Grundlage. Ohne diesen Instinkt gäbe es kein Stammesverhalten. Nietzsche nannte es den Herdentrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichheit schützt, Abweichung ist gefährlich:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Im Fischschwarm stößt niemand den Abweichler aus, das erledigt der Räuber. In einem Versuch wurden einige Fische farbig markiert. Die Raubfische schnappten bevorzugt die markierten, weil sie herausstachen. Darum suchen sich Fische Schwärme, in denen alle so aussehen wie sie selbst.&lt;br /&gt;
* Hat eine Henne eine Wunde oder einen roten Fleck, hacken die anderen darauf ein, manchmal bis zum Tod. Geflügelhalter hängen darum rotes Licht in den Stall.&lt;br /&gt;
* Am Eingang des Bienenstocks prüfen Wächterinnen den Geruch. Eine Biene mit fremdem Stockgeruch wird abgewehrt oder getötet. Reibt man eine Ameise mit dem Geruch eines fremden Nests ein, greifen ihre eigenen Schwestern sie an.&lt;br /&gt;
* E. O. Wilson bestrich lebende Ameisen mit Ölsäure, dem Geruch toter Ameisen. Die Schwestern trugen die lebende, zappelnde Ameise auf den Abfallhaufen. Sie kam zurück und wurde wieder hinausgetragen, bis der Geruch verflogen war. Das Kennzeichen zählt mehr als das, was man sieht.&lt;br /&gt;
* In Gombe brach 1966 Kinderlähmung aus. Jane Goodall beschrieb einen gelähmten Schimpansen, der sich nur noch schleppen konnte. Die anderen erschraken vor seiner fremden Bewegung, einige griffen ihn an, und sie wollten ihn nicht mehr lausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glück in der Menge:&#039;&#039;&#039; Die Herde ist die Anpassung an die Masse. Das Schaf ist glücklich in der Herde von Gleichgesinnten. Nach einem Konzert sagen die Leute: „Da war richtig viel los. Das war toll.“ Das ist pure Biologie.&lt;br /&gt;
* Émile Durkheim nannte es 1912 die kollektive Efferveszenz: Wenn eine Gemeinschaft zusammenkommt und gleichzeitig dasselbe denkt oder tut, wallt eine gemeinsame Energie auf, die den Einzelnen erregt und die Gruppe eint. Für Durkheim ist das die Wurzel der Religion: Die Energie der Versammlung geht auf ein Symbol oder einen Menschen über, und der wird heilig (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Fan|Fan]]).&lt;br /&gt;
* Bronwyn Tarr, Jacques Launay, Emma Cohen und Robin Dunbar ließen 2015 Menschen gemeinsam tanzen. Gleichzeitige Bewegung und Anstrengung erhöhten jede für sich die Schmerzschwelle, ein Zeichen für ausgeschüttete Endorphine, und stärkten die Bindung an die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Beim Pilgerfest Magh Mela in Indien hatten sich Gesundheit und Wohlbefinden der Pilger nach dem Fest verbessert (Tewari u. a. 2012). Wer die Menge als Gemeinschaft Gleichgesinnter erlebte, hatte ein besseres Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herde allein ist noch kein Stamm:&#039;&#039;&#039; Eine Gnuherde in der Serengeti zählt Hunderttausende Tiere. Keines kennt die anderen, kein Fremder wird ausgestoßen. Wer mitläuft, gehört dazu. Erst beim Wolfsrudel kennt jeder jeden, der Geruch ist das Kennzeichen, das Revier ist abgesteckt, und der fremde Wolf wird angegriffen. Im Yellowstone-Park ist der häufigste natürliche Tod eines Wolfs der Kampf mit einem fremden Rudel. Herde, dann Rudel und Revier, dann der [[#Stammesbruder|Stammesbruder]] mit Zeichen, Fahnen und Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nietzsche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* „Moralität ist Heerden-Instinct in dem Einzelnen.“ (Die fröhliche Wissenschaft, Aphorismus „Heerden-Instinct“)&lt;br /&gt;
* „Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in&#039;s Irrenhaus.“ (Also sprach Zarathustra, Vorrede)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geltung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Eitelkeit, Prahler, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]], [[Wesen 3: Beutetier#Verbittert|Verbittert]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Gerüchtemacher]]&lt;br /&gt;
* Hunger: etwas gelten, Bedeutung haben. Und wenn auch nur in einem Spezialgebiet oder vor bestimmten anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: übergangen werden, nicht beachtet werden; der eigene Platz in der Gruppe ist in Gefahr.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Jeder Mensch möchte Bedeutung haben, etwas gelten. Es geht um die Rangordnung in der Gruppe. Ein Einzelgänger hat keinen Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Hackordnung.&#039;&#039;&#039; Der Norweger Thorleif Schjelderup-Ebbe hat 1921 bei Hühnern die Hackordnung entdeckt: Jedes Huhn kennt seinen Platz, hackt die unter ihm und weicht denen über ihm aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Das Raubtier hat Geltung aus Stärke: Es hat Macht und Einfluss auf andere, auch gegen den Strom. Seinen Feinden erscheint es gefährlich. Die ihm folgen, tun es aus anderen Motiven, aus Achtung vor seinem Können und seiner Stärke. Das ist nicht der Gewaltherrscher, der gefürchtet und verachtet wird, sondern der vornehme Adlige. Überall gibt es Autoritäten, denen gefolgt wird wegen ihrer Entschlossenheit und ihres Könnens, in jeder Gruppe: im Sport, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Musik, in allem in Kultur und Zivilisation. Zwischen den Weltkriegen strömten junge Physiker zu Niels Bohr nach Kopenhagen; die Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten, galt als Privileg. Leonard Bernstein sagte über den Dirigenten Carlos Kleiber: „I have just heard the greatest living conductor in the world“. Und Kleiber selbst sagte einmal zu seinem Konzertmeister, als das Orchester ganz darauf konzentriert war, ihm zu folgen: „Let me follow you.“ Bei Apple sagte der Entwickler Bud Tribble 1981 über Steve Jobs: „Steve has a reality distortion field.“ Andy Hertzfeld beschrieb es als „a confounding melange of a charismatic rhetorical style, an indomitable will, and an eagerness to bend any fact to fit the purpose at hand“ (eine verwirrende Mischung aus einem charismatischen Redestil, einem unbeugsamen Willen und der Bereitschaft, jede Tatsache passend zu biegen). Gerade die Souveränen versuchen oft, was als unmöglich gilt. Es gehört immer Entschlossenheit dazu: neue Reviere erobern, auch kulturell (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]). Der Antrieb ist nicht die Anpassung. Am 9. Oktober 1903 schrieb die New York Times, eine Flugmaschine, die wirklich fliegt, könne in ein bis zehn Millionen Jahren entstehen. Am selben Tag schrieb Orville Wright in sein Tagebuch: „We started assembly today.“ 69 Tage später flogen die Brüder Wright. John F. Kennedy sagte 1962 in Houston: „We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard“; 1969 landeten Menschen auf dem Mond. Christo und Jeanne-Claude arbeiteten 24 Jahre daran, den Reichstag zu verhüllen, und trafen dafür 352 Abgeordnete; 1995 war er verhüllt. Ob ein Versuch gelingt oder scheitert, sagt nichts über die Haltung. Hinterher ist man immer schlauer: Wer den Ausgang kennt, hält ihn für viel wahrscheinlicher, als er es vorher getan hätte, und merkt es nicht (Fischhoff 1975). Max Weber nannte diese Herrschaft charismatisch: Sie beruht „auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person“. Nietzsche: „Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubthier, die prachtvolle nach Beute und Sieg lüstern schweifende blonde Bestie nicht zu verkennen; es bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung, das Thier muss wieder heraus, muss wieder in die Wildniss zurück“ (&#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; I 11; siehe [[Die Entstehung der Seele#Kanalisieren statt ausrotten|Kanalisieren statt ausrotten]]). Auch der Herdenmensch will Geltung haben, aber sie wird ihm durch die Zustimmung anderer gegeben: Preise und Auszeichnungen. Das ist die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]. Wer wenig Souveränität hat, holt sich Rang und Geltung von jemandem, dessen Meinung wichtig ist: [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]], die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]], der [[#Poser|Poser]]. Napoleon sagte 1802 zur Gründung der Ehrenlegion: „C&#039;est avec des hochets que l&#039;on mène les hommes.“ (Mit Rasseln lenkt man die Menschen.) Beides ist nicht eindeutig getrennt, sondern gemischt: Der französische Adel gab Unsummen für Kleider aus, und die Krone ist ein Symbol der Macht. Es gibt starke Persönlichkeiten, die die Auszeichnung haben wollen, und andere, die sie souverän ablehnen. Der Mathematiker Grigori Perelman lehnte 2006 die Fields-Medaille ab: „I&#039;m not interested in money or fame; I don&#039;t want to be on display like an animal in a zoo.“ La Rochefoucauld: „L&#039;orgueil se dédommage toujours, et ne perd rien, lors même qu&#039;il renonce à la vanité.“ (Der Stolz entschädigt sich immer und verliert nichts, selbst wenn er auf die Eitelkeit verzichtet.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geliehene Geltung.&#039;&#039;&#039; Die Herde tut etwas anderes. Der Herdenmensch erhält seine Geltung von jemandem, der Ansehen, Macht und Geltung hat. Das kann auch eine Institution oder eine Lehre sein. Es ist eine Unterordnung: der Diener im Haus des Adels, die Nonne im Schoß der Kirche. Der Diener würde es ablehnen, neureichem Pöbel zu dienen. Der Psychologe Robert Cialdini nannte das 1976 „basking in reflected glory“, sich im zurückgeworfenen Glanz sonnen: Nach einem Sieg ihrer Footballmannschaft trugen mehr Studenten Kleidung mit dem Namen ihrer Universität, und sie sagten „We won“. Nach einer Niederlage hieß es „They lost“. Das ist die flüchtige Form, nahe beim [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]]. Der Diener dagegen bleibt. Die Grenzen sind fließend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Grundbedürfnis.&#039;&#039;&#039; Cameron Anderson, John Hildreth und Laura Howland haben 2015 die Forschung zur Frage gesammelt, ob das Streben nach Status ein Grundbedürfnis ist. Ihr Ergebnis: ja, in allen Kulturen, bei Männern wie Frauen. Wer seinen Rang verliert, leidet darunter, auch wenn sich sonst nichts ändert. Und es zählt der Rang vor den Menschen, die einem wichtig sind, nicht vor allen. Der Philosoph William James schrieb schon 1890 sinngemäß: Eine teuflischere Strafe ließe sich nicht ausdenken, als dass man unter Menschen losgelassen würde und von allen völlig unbemerkt bliebe. Das ist der [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombie]], von der anderen Seite gesehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Keine Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß im älteren Deutsch „leer, nichtig“; man sagt noch „eitel Sonnenschein“, nichts als Sonnenschein. Die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]] will bewundert werden für die Oberfläche, sie ist die leere Form der Geltung. Die Geltung will etwas zählen für das, was man ist oder kann: der Handwerker, dessen Urteil auf der Baustelle gilt; der Briefmarkensammler, den die anderen Sammler fragen. „Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)“ ist ihre bettelnde Form.&lt;br /&gt;
:Die Geltung wirkt auch in anderen Wesen: im Hochgefühl des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amokläufers]], im [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Streber|Streber]], bei den [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieger.&#039;&#039;&#039; Geltung will ein Revier. Wird sie angegriffen, holt sie zur Verteidigung ihren Krieger, den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sammler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Nestbau, Messi, Eifersucht, Knauser&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Nehmer]]&lt;br /&gt;
* Mimik: keine. Der Sammler ist ein leiser Dämon, man sieht ihm nichts an.&lt;br /&gt;
* Griff: aufsammeln.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Brüder Collyer in New York wurden 1947 tot in ihrem Haus gefunden, unter mehr als hundert Tonnen Zeitungen, Klavieren und Gerümpel. Einer lag unter einem Stapel begraben, den er selbst als Falle gegen Einbrecher gebaut hatte. Der andere, blind und gelähmt, verhungerte danach.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: auch die Gier (Habgier), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Trigger: Knappheit und die Lücke (siehe Beschreibung).&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, Vorrat, Vollständigkeit. Nicht hergeben, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; Knappheit und die Lücke. Das leere Regal im Supermarkt. Der Winter, der kommt. Das eine Sammelbild, das im Album noch fehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Eichhörnchen vergräbt im Herbst Nüsse. Der Hamster stopft sich die Backen voll. Daher sagen wir „hamstern“.&lt;br /&gt;
* Am Anfang der Pandemie räumten die Leute das Klopapier aus den Regalen.&lt;br /&gt;
* Kinder stopfen sich die Hosentaschen mit Steinen und Kastanien voll. Niemand hat ihnen das beigebracht.&lt;br /&gt;
* Man gibt Leuten eine Kaffeetasse und fragt, für wie viel sie die Tasse verkaufen würden. Sie verlangen etwa das Doppelte von dem, was andere für dieselbe Tasse zahlen wollen. Was man hat, gibt man nicht her. Hier sitzt die Verbindung zur Eifersucht.&lt;br /&gt;
* Der Laubenvogel sammelt blaue Dinge, Federn, Beeren, Flaschendeckel, und legt sie vor seine Laube, um ein Weibchen anzulocken. Dort sind Sammler und Balz eins.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Wohnung ist bis zur Decke voll, nur schmale Gänge bleiben frei, und er kann nichts wegwerfen. Krankhaftes Horten ist seit 2013 eine eigene Diagnose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Revier.&#039;&#039;&#039; Der Sammler pflegt und verteidigt seine Sammlung. Er identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht. Seine Sammlung ist sein [[#Revierverhalten/Gebiet|Revier]]. Eine Sammlung gehört stärker zum Selbst als einzelne Gegenstände (Belk 1988, S. 154). Wer bestohlen wird, erlebt Eindringen und Verletzung (S. 142). Wird die Trennung erzwungen, bringt sie Trauer (S. 143). Ein Sammler, der seine Karten für das Studium der Tochter verkaufte, beschreibt den Verkauf als Trauer mit Leugnen, Wut und Niedergeschlagenheit (Warshaw 2023). Ein Briefmarkensammler, der seine Sammlung aufgeben muss, will es nicht überstürzen und behält ein Album (Briefmarken-Forum).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biologisch angelegt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Eibl-Eibesfeldt zog Eichhörnchen ohne Erde und ohne Nüsse auf. Als sie zum ersten Mal eine Nuss bekamen, kratzten sie auf dem nackten Boden ein Loch, das es nicht gab, legten die Nuss hinein, drückten sie mit der Schnauze fest und scharrten Erde darüber, die es nicht gab. Niemand hatte es ihnen gezeigt.&lt;br /&gt;
* Beim Menschen ist die Neigung zum Horten zum Teil erblich. Das zeigen Zwillingsstudien.&lt;br /&gt;
* Menschen mit einer Verletzung an einer bestimmten Stelle der Stirnhirnrinde fingen an, wertlosen Kram zu horten (Anderson, Damasio u. a., &#039;&#039;Brain&#039;&#039;, 2005). Der Sammler sitzt tiefer im Hirn, die Stirnhirnrinde hält ihn im Zaum. Fällt die Bremse weg, übernimmt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herkunft:&#039;&#039;&#039; vom Vorrat, vom Horten von Nahrung.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Einsammeln: Der Sammler aus „Jäger und Sammler“ pflückt Beeren, nimmt sie mit und isst sie. Morgen geht er wieder los. Mehr haben als nötig und nicht hergeben, das fehlt.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Nestbau: Der Vogel sammelt Zweige, bis das Nest fertig ist, dann hört er auf. Der Sammler hört nicht auf. Im Stammbaum steht der Nestbau als Kind unter Sammler und Elter: der Sammler im Dienst der Brut.&lt;br /&gt;
* Der Tannenhäher versteckt im Herbst Zehntausende Kiefernsamen an Tausenden Stellen und findet sie Monate später unter dem Schnee wieder. Viel mehr, als er im Winter fressen kann.&lt;br /&gt;
* Aesop: Die Ameise schleppt den ganzen Sommer Körner, die Grille singt. Im Winter hungert die Grille.&lt;br /&gt;
* Der Buschhäher versteckt Futter. Hat ihm ein anderer Häher dabei zugesehen, kommt er später zurück und versteckt alles neu. Das tun nur Häher, die selbst schon fremde Verstecke geplündert haben. Der Dieb kennt den Dieb. Da sitzen Eifersucht und Täuscher mit am Tisch.&lt;br /&gt;
* Bienen sammeln Honig, Ameisen legen Kornkammern an, der Hamster trägt seine Vorräte in den Bau. Das gibt es lange vor dem Menschen.&lt;br /&gt;
* Wer im Krieg gehungert hat, hebt sein Leben lang jedes Gummiband auf, und der Keller steht voller Einmachgläser.&lt;br /&gt;
Der Sammler sitzt nahe beim Schlemmer, beide kommen vom Hunger. Der Schlemmer isst jetzt. Der Sammler legt für später zurück. Er ist der Dämon, der an den Winter denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; Woher kommt die Vollständigkeit? Das fehlende Sammelbild, die 110 Messier-Objekte, alle 14 Achttausender. Der Vorrat erklärt das nicht. Ein Eichhörnchen will nicht alle Nusssorten haben. Ein späterer Zweig oder ein anderes Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angelegt ist der Hunger, nicht der Gegenstand. Briefmarken, Kunst oder Bitcoins sammelt niemand von Natur aus. Die Kultur liefert das Material, der Dämon den Hunger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wo der Sammler wirkt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Linné&#039;&#039;&#039; schickte seine Schüler in die ganze Welt, nach Amerika, Arabien, Japan, in die Südsee. Sie sollten Pflanzen sammeln und zurückbringen. Er nannte sie seine Apostel. Einige kamen nicht zurück. Aus dem Gesammelten wurde die Ordnung der Pflanzen und Tiere, mit der wir bis heute jedes Lebewesen benennen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Wunderkammern&#039;&#039;&#039;: Fürsten und Gelehrte stellten Muscheln, Korallen, ausgestopfte Krokodile, Einhorn-Hörner und Missgeburten in Glasschränke. Daraus wurden die Museen. Das British Museum begann 1753 mit der Sammlung eines einzigen Mannes, Hans Sloane, rund 71.000 Stücke.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Darwin&#039;&#039;&#039; sammelte als Student in Cambridge Käfer. Einmal hatte er in jeder Hand einen seltenen Käfer und sah einen dritten. Er steckte einen in den Mund, um die Hand frei zu haben. Der Käfer spritzte ihm eine brennende Flüssigkeit auf die Zunge, Darwin spuckte ihn aus, und der dritte war weg. Später sammelte er fünf Jahre lang auf der Beagle: Finken, Fossilien, Schildkröten. Erst danach kam die Theorie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Goethe&#039;&#039;&#039; hatte in Weimar eine Mineraliensammlung mit rund 18.000 Steinen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Mondlandung&#039;&#039;&#039;: Die Astronauten der Apollo-Flüge sammelten mit Zangen und Schaufeln Steine und Staub, zusammen rund 380 Kilogramm. Das teuerste Steinesammeln der Geschichte.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schmetterlinge&#039;&#039;&#039;: Nabokov, der Schriftsteller, zog mit dem Netz durch die Berge und sammelte Bläulinge. Er vermutete, dass sie in mehreren Wellen über die Beringstraße von Asien nach Amerika gekommen waren. Die Biologen nahmen ihn nicht ernst. 2011 bestätigte die Genetik seine Vermutung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Messier-Marathon&#039;&#039;&#039;: Charles Messier jagte im 18. Jahrhundert Kometen. Ihn störten verschwommene Flecken am Himmel, die aussahen wie Kometen, aber keine waren. Damit er nicht wieder darauf hereinfiel, schrieb er sie auf: 110 Stück. Die Liste war Abfall seiner Kometenjagd. Heute ist sie die berühmteste Liste der Astronomie. Jedes Jahr im März, wenn alle 110 in einer Nacht zu sehen sind, sitzen Amateure die ganze Nacht in der Kälte und haken eins nach dem anderen ab. Sie lernen nichts Neues, alle Objekte sind seit 250 Jahren bekannt, und niemand schaut ihnen zu. Das ist weder Neugier noch Anerkennung. Das ist der Sammler allein.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tycho und Kepler&#039;&#039;&#039;: Tycho Brahe hat über zwanzig Jahre lang jede Nacht die Stellung der Planeten gemessen, ohne Fernrohr, mit riesigen Messinstrumenten auf seiner Insel Ven. Ein Berg von Zahlen. Kepler bekam die Zahlen nach Tychos Tod und fand darin, dass die Planeten auf Ellipsen laufen. Tycho ist die Ameise, Kepler die Biene.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Rechnerinnen von Harvard&#039;&#039;&#039;: Um 1900 saßen Frauen an Tischen und gingen Hunderttausende Glasplatten mit Sternaufnahmen durch, Stern für Stern. Annie Jump Cannon sortierte von Hand rund 350.000 Sterne nach ihrem Licht. Henrietta Leavitt schrieb veränderliche Sterne auf und bemerkte: Je heller so ein Stern, desto langsamer blinkt er. Damit konnte man zum ersten Mal Entfernungen im Weltall messen, und Hubble zeigte damit, dass es andere Galaxien gibt. Erst die Sammlung, dann das Gesetz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Heute&#039;&#039;&#039;: Der Satellit Gaia hat fast zwei Milliarden Sterne vermessen. Über 5.000 Planeten um andere Sterne sind bestätigt, jeder neue kommt auf die Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neugier will schnell zur Antwort. Zwanzig Jahre Nacht für Nacht messen, Hunderttausende Platten durchsehen, das hält sie nicht durch. Der Sammler hat Geduld, denn jedes einzelne neue Stück sättigt ihn schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bacon&#039;&#039;&#039; hat das Bild dafür gefunden (Novum Organum, 1620). Die Ameise sammelt nur und frisst es auf. Die Spinne spinnt ihr Netz aus sich selbst heraus. Die Biene sammelt aus den Blüten und macht Honig daraus. Die Ameise ist der Sammler allein. Die Spinne ist der Zwerg, der aus dem Kopf Systeme spinnt. Die Biene ist der Sammler im Bund mit einem Dämon, der verarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sammler allein endet beim Messi: die Wohnung voll, aber keine Ordnung. Mit der Ordnung verbündet, wird er Linné. Mit der Neugier verbündet, wird er Darwin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Hochmut gegen den Sammler:&#039;&#039;&#039; Dem Physiker Rutherford wird der Satz zugeschrieben: „Alle Wissenschaft ist entweder Physik oder Briefmarkensammeln.“ Dabei steht jede Physik auf gesammelten Messwerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie mächtig der Sammler ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kunst&#039;&#039;&#039;: Der „Salvator Mundi“, Leonardo zugeschrieben, ging 2017 für 450 Millionen Dollar weg.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Autos&#039;&#039;&#039;: Der Musiker oder der Reiche mit dreißig teuren Autos in der Garage, die er nicht braucht. Jay Leno hat weit über hundert Autos in seinen Hallen. 2022 wurde ein Mercedes 300 SLR Uhlenhaut-Coupé für 135 Millionen Euro versteigert, das teuerste Auto der Welt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Baseballkarten&#039;&#039;&#039;: Eine Mickey-Mantle-Karte von 1952 brachte 2022 12,6 Millionen Dollar. Ein Stück Pappe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Briefmarken&#039;&#039;&#039;: Die British Guiana One-Cent Magenta, eine einzige Marke, wurde 2021 für rund 8 Millionen Dollar verkauft.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Pokémon&#039;&#039;&#039;: Der Werbespruch heißt „Schnapp sie dir alle!“. Das ist der Sammler wörtlich. Eine einzige Pikachu-Karte brachte 2022 über 5 Millionen Dollar.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Bild, das es nicht gibt&#039;&#039;&#039;: 2021 wurde eine Bilddatei des Künstlers Beeple als NFT für 69 Millionen Dollar verkauft. Jeder kann sie kopieren, aber nur einer „hat“ sie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tulpen&#039;&#039;&#039;: 1637 kostete in Holland eine einzige Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ so viel wie ein Haus in Amsterdam.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Reliquien&#039;&#039;&#039;: Friedrich der Weise sammelte in Wittenberg über 19.000 Reliquien: Knochen von Heiligen, Dornen aus der Krone Christi, Milch der Maria. Ausgerechnet dort schlug Luther 1517 seine Thesen an.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schuhe&#039;&#039;&#039;: Als Imelda Marcos aus dem Palast in Manila floh, fand man über tausend Paar Schuhe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gipfel&#039;&#039;&#039;: Reinhold Messner stand als Erster auf allen 14 Achttausendern. In Schottland haken Leute alle 282 Munros ab, die Berge über 3000 Fuß.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vögel&#039;&#039;&#039;: Phoebe Snetsinger hat über 8.000 Vogelarten mit eigenen Augen gesehen. Angefangen hat sie, als sie eine Krebsdiagnose bekam, und sie reiste noch zwanzig Jahre weiter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Saatgut&#039;&#039;&#039;: Im Eis von Spitzbergen liegt ein Tresor mit über einer Million Samenproben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Elemente&#039;&#039;&#039;: Die Chemiker jagen das Periodensystem voll. Das Element 118, Oganesson, existiert jeweils nur Bruchteile einer Sekunde, und trotzdem hat es einen Namen und einen Platz in der Tabelle.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nobelpreise&#039;&#039;&#039;: Marie Curie holte Polonium und Radium aus Tonnen von Pechblende und bekam 1911 den Nobelpreis. Für das Higgs-Teilchen gab es 2013 den Nobelpreis.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jagdtrophäen&#039;&#039;&#039;: Hörner und Köpfe an der Wand. Hier treffen sich Jagdtrieb und Sammler.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Geld&#039;&#039;&#039;: Der Milliardär, der mehr hat, als er in zehn Leben ausgeben könnte, und weiter sammelt. Dagobert Duck badet in seinem Geldspeicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baseballkarte, die Briefmarke, das NFT sind Millionen wert, weil andere Sammler sie haben wollen. Der Sammler macht den Wert selbst. Ohne ihn wäre die One-Cent Magenta ein Fetzen Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Knauser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Sammler|Sammler]] · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sammler kommt und geht, im Herbst, vor dem Winter, vor dem leeren Regal. Beim Knauser ist er chronisch geworden. Jede Ausgabe tut weh. Er hebt überall Geld auf. Das ist ein bekannter Typus. Wenn Leute Mangel erlebt haben wie im Krieg, werden sie manchmal so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; heißt es: „Meanness is undue sparing of expense.“ Der Knauser zählt beim Essen, wie viele Becher jeder Gast trinkt. Zerbricht ein Diener einen Topf, zieht er ihm den Wert von der Verpflegung ab. Verliert seine Frau eine kleine Münze, rückt er Möbel, Betten und Schränke und sucht in den Ritzen der Dielen. Seiner Frau verbietet er, Salz oder einen Lampendocht auszuleihen. Seine Geldtruhe ist schimmlig, weil sie nie geöffnet wird. Er hat eine volle Truhe und spart trotzdem: Fülle bannt den Knauser nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein zweiter Text.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt den Knauser noch einmal, als Ἀνελευθερία: „Penuriousness is the grudging of expense and is due to great love of money and little love of honor.“ Hier geht es um das Geld bei Ehrenpflichten. Nach einem Sieg auf der Bühne weiht er Dionysos einen hölzernen Kranz, auf den er seinen eigenen Namen schreibt. Wird öffentlich gesammelt, schweigt er oder geht, und sieht er einen sammelnden Freund kommen, schleicht er durch eine Seitengasse nach Hause. Bei der Hochzeit der Tochter verkauft er die Opfertiere und stellt nur Diener ein, die zu Hause essen. Bei einem Fest hält er die Kinder aus der Schule, um das Schulgeld zu sparen. Seiner Frau gibt er keine Magd, sondern ein gemietetes Kind. Das Wort heißt wörtlich Unfreiheit: Der Freie ist freigebig, der Geizige ist unfrei. Die Ehre wiegt bei ihm weniger als das Geld. Die [[#Geltung|Geltung]] überstimmt den Sammler nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geprägt vom Mangel.&#039;&#039;&#039; Ulrike Malmendier und Stefan Nagel untersuchten 2011 in ihrer Studie „Depression Babies“ Menschen, die schwere Wirtschaftskrisen erlebt haben. Wer selbst schlechte Zeiten erlebt hat, geht ein Leben lang weniger finanzielle Risiken ein und legt seltener Geld in Aktien an (siehe [[Bannung#Prägung|Prägung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Test:&#039;&#039;&#039; Beim Festessen nimmt die Tochter seine Börse und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle (siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]]). Und er missbilligt den Verschwender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Putz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO, Elf · zu Puppe&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Waschzwang. Menschen waschen sich die Hände, bis die Haut blutet, und fühlen sich danach immer noch schmutzig. Howard Hughes fasste am Ende Gegenstände nur noch mit Papiertüchern an und lebte abgeschottet in abgedunkelten Hotelzimmern.&lt;br /&gt;
* Ausfall: die Verwahrlosung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn der Putz ausfällt.&#039;&#039;&#039; Das Gegenstück zum Waschzwang ist, dass man sich nicht mehr pflegt. Theophrast nennt es Δυσχέρεια: „Grossness is such neglect of one’s person as gives offence to others.“ Sein Mann geht mit Ausschlag und schwarzen Zähnen auf den Markt und sagt, das sei erblich. Im Alltag kennt man den Ausfall bei schlechter Stimmung und wenig Antrieb. Im Extrem findet man ihn bei Menschen, die jede Hoffnung verloren haben: Scheitern in Schule und Beruf, Verachtung durch andere, Verlust des Rangs, eine Schuld, die man nicht tragen kann, vielleicht auch Selbstbestrafung. In Notunterkünften für Obdachlose gibt es Räume, in denen der Boden mit Müll und verfaultem Essen bedeckt ist. Der Rang ist dabei nicht alles. Bei Obdachlosen sind Sucht und psychische Erkrankungen häufig, mit großer Streuung (Fazel u. a. 2008, 29 Untersuchungen, 5.684 Personen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Selbstachtung.&#039;&#039;&#039; Der Putz dient auch der Selbstachtung, und die ist ein Spiegel der Achtung, die man von anderen erfährt (Cooley nannte das 1902 das „looking-glass self“). Wer in einer verachtenden Umgebung standhält, hat dafür einen imaginären Beifall. Als Bergen-Belsen im April 1945 befreit wurde, kam unaufgefordert eine große Lieferung Lippenstifte an. Der britische Sanitätsoffizier Mervin Gonin schrieb: „At last someone had done something to make them individuals again.“ Der Lippenstift sagt: Ich bin wer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elf ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Kuschel, Putz&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Fühl, Lausch, Schnupper, Kratz, Kitzel, Griff, Wurzel, Wohlig&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kuschel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elf · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Kuscheln ist Berührung und Umarmung, und es geht dabei um Geborgenheit und Sicherheit. Zwei Wurzeln sind denkbar. Die eine ist das Lausen der Affen: Gegenseitiges Streicheln und Lausen hält bei Primaten die Bindungen, über Hautnerven und Endorphine (Robin Dunbar 2022). Die andere ist die Verbindung von Mutter und Kind. Harry Harlows Rhesusaffen klammerten sich in den 1950er-Jahren an die Stoffmutter, auch wenn nur die Drahtmutter Milch gab. Der Körperkontakt war wichtiger als das Füttern. Beides kann zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die erotische Seite.&#039;&#039;&#039; Berührungen sind auch erregend. Dann geht das Kuscheln ins Begehren über und führt zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]]. Für den Menschen ist Sex ein Mittel zur Bindung geworden, heißt es oft, wichtig wegen der langen Kindheit. Das ist eine gängige, aber umstrittene These. Robert Quinlan (2008) sieht Paarbindungen als vielseitig, mit der Versorgung in der Stillzeit als am besten belegter Funktion, und prüft Sex als Bindungsmittel nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gefälliger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Geltung|Geltung]], [[#Elter|Elter]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Verehrung/Bewunderung|Verehrung/Bewunderung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: das Wohl und die Freude der anderen, und die Anerkennung dafür.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit oder Hilflosigkeit des anderen. Das Kindchenschema wirkt, zum Beispiel Bambi-Augen, es ist aber kein Muss. Es genügt, dass Hilfe gebraucht wird.&lt;br /&gt;
* Bannung: Wird kaum gewollt, denn er ist ein Kitt der Gemeinschaft. Gebannt wird nur seine Entgleisung. Wer sich verausgabt, den will der Ehepartner schützen. Wenn der Samariter die eigene Familie vernachlässigt, konkurriert er mit dem [[#Elter|Elter]], und dann hilft ein Arrangement, wem er wie viel gibt. Oakley und Kollegen nennen Hilfe, die ungewollt Schaden anrichtet, pathologischen Altruismus (2012).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gefällige will anderen Freude machen und freut sich an ihrer Freude. Deshalb macht man Geschenke. Sein Hauptinteresse ist das Wohl des anderen, das ihm wichtiger sein kann als das eigene. Das ist Eltern-Verhalten. Am stärksten gilt es dem, den er wertschätzt. Es reicht aber bis zum Fremden: Er gibt dem Bettler, den er nicht kennt, und er spendet an Empfänger, die er nie sehen wird. Die Freude des anderen und sein Dank sind dann nur vorgestellt. Er will auch Anerkennung, und beides gehört zusammen. Er ist ein wesentlicher Kitt jeder Gemeinschaft. Er ist nicht der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]], der nach oben lobt, um an der Macht teilzuhaben. Er ist auch nicht der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]], der Missfallen vermeiden will und dafür formal korrekt und höflich ist, vielleicht auch ein Streber. Der Gefällige tut anderen Gutes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was dafür spricht.&#039;&#039;&#039; Wer Geld für andere ausgibt, ist glücklicher als wer es für sich ausgibt (Dunn, Aknin und Norton 2008). Das fand sich in 120 von 136 Ländern (Aknin u. a. 2013). Gute Nachrichten zu teilen macht froh, und mehr, wenn das Gegenüber sich mitfreut, und es hängt bei Paaren mit besserer Beziehung zusammen (Gable u. a. 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch für Unbekannte.&#039;&#039;&#039; Schon anonymes freiwilliges Geben aktiviert die Belohnungsregionen stärker als die Zwangsabgabe (Harbaugh u. a. 2007, 19 Teilnehmerinnen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gefälligkeit nach oben.&#039;&#039;&#039; Wer einer Autorität einen Gefallen tut, um Anerkennung oder Wertschätzung zu bekommen, macht einen Tauschhandel. Das ist der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] oder das [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]]. Der Gefällige hilft auch, wenn es niemand erfährt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ἀρέσκεια: „Affability is a sort of demeanor that gives pleasure at the sacrifice of what is best.“ Er ruft einen Freund schon von weitem an, überschüttet ihn mit Lob und lässt ihn nicht los. Vor Gericht will er auch dem Gegner gefallen. Beim Essen lässt er die Kinder rufen, sagt, sie ähnelten dem Vater „as one fig is like another“, und spielt mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn er entgleist.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt die Entgleisung. Überwiegt die Anerkennung, wird aus dem Gefälligen der Schmeichler, der dem anderen Recht gibt, auch gegen die Wahrheit. Aristoteles unterscheidet den Gefallsüchtigen ohne Eigennutz vom Schmeichler aus Eigennutz. Die Psychologie nennt das Extrem Soziotropie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urschlummer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Gähn, Murmel, Mümmel&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gähn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Murmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mümmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neid ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Revierverhalten/Gebiet · zu Troll, Häme&lt;br /&gt;
* Es ist eine Form von Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Rivale, der mir nah ist, bekommt oder kann, was in meinem eigenen Gebiet zählt. Beim Fremden und beim Unerreichbaren entsteht kein Neid, sondern Bewunderung.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Neidkratzer. Jemand zieht mit dem Schlüssel eine lange Schramme in den Lack eines teuren Autos. Er hat nichts davon, außer dass der andere es auch nicht mehr hat.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Es ist eine Form von Revierverhalten. So wie Ziegen ihren Rivalen bei der Fütterung wegboxen: Am Futtertrog stoßen die ranghohen Tiere die anderen mit dem Kopf weg, auch wenn genug für alle da ist. Es geht nicht ums Sattwerden. Es geht darum, dass der andere nicht frisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man neidet, was der andere hat oder bekommt. Auch wenn man Fähigkeiten neidet, geht es darum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, was der andere hat. Oder wenigstens, dass der andere es auch nicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Trigger genau:&#039;&#039;&#039; Es ist mehr zwischen Bekannten, zwischen Rivalen. Und dann beherrscht es die Gedanken und führt zu Missgunst und zu Taten, um den anderen zu schädigen. Der Psychologe Abraham Tesser hat gezeigt, dass zwei Dinge zusammenkommen müssen: Der andere ist mir nah, Freund, Kollege, Bruder, Nachbar. Und er ist besser auf einem Gebiet, das für mich selbst zählt. Ist mein Freund ein besserer Schachspieler und mir ist Schach egal, freue ich mich für ihn. Ist er ein besserer Elektriker und ich bin Elektriker, dann sticht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Tat:&#039;&#039;&#039; In Tessers Versuchen durfte einer dem anderen bei einem Ratespiel Hinweise geben, leichte oder schwere. Hieß es, das Spiel sei belanglos, bekamen Freunde leichtere Hinweise als Fremde. Hieß es, das Spiel messe die Intelligenz, bekamen Freunde schwerere Hinweise als Fremde. Man bremst den Freund aus, nicht den Fremden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Promi ist etwas anderes:&#039;&#039;&#039; Wer weit weg und unerreichbar ist, an Reichtum, Ruhm oder Fähigkeit, den beneidet man nicht, man bewundert ihn. Das gehört zur Verehrung/Bewunderung und zum Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Formen:&#039;&#039;&#039; Der böse Neid will den anderen herunterziehen. Der gutartige Neid will selbst hinauf: „Das will ich auch schaffen.“ Er richtet sich oft auf jemanden, der ein Stück weiter, aber noch erreichbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Unter Gleichen:&#039;&#039;&#039; Aristoteles schreibt in seiner Rhetorik, man beneide die, die einem nahe sind an Zeit, Ort, Alter und Ansehen, und zitiert dafür Hesiod, um 700 vor Christus: „Der Töpfer grollt dem Töpfer, der Bettler dem Bettler, der Sänger dem Sänger.“ Man beneidet nicht den König, sondern den Nachbarn. Beide stehen am selben Trog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bilder:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Schneewittchen: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die Königin war die Schönste, bis der Spiegel eine andere nannte.&lt;br /&gt;
* Zwei Kinder bekommen verschieden große Kuchenstücke: „Der hat aber mehr!“&lt;br /&gt;
* Zwei Kapuzineraffen bekommen für dieselbe Aufgabe Gurke. Bekommt einer eine Weintraube, wirft der andere seine Gurke dem Forscher ins Gesicht.&lt;br /&gt;
* Das Gesetz von Jante, aus einem Roman von Aksel Sandemose, 1933, in Skandinavien sprichwörtlich: „Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Warum der und nicht ich?“&#039;&#039; → Der Vergleich. Der Anfang von allem.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hat doch nur Glück gehabt.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Der hat eben Beziehungen.“&#039;&#039; → Den Erfolg kleinreden. Wenn es Glück war, hat er es nicht selbst geschafft, und ich bin nicht schlechter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„So toll ist das auch nicht.“&#039;&#039; → Saure Trauben. Aesops Fuchs springt nach den Trauben, kommt nicht dran und sagt im Weggehen: „Die sind mir ohnehin zu sauer.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das hat der doch gar nicht verdient.“&#039;&#039; → Die Maske der Gerechtigkeit. Der Neid verkleidet sich als Gerechtigkeitssinn.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hält sich wohl für was Besseres.“&#039;&#039; → Das Gesetz von Jante. Niemand darf herausragen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Schön für dich.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Gönn ich dir.“&#039;&#039;, durch die Zähne gesagt → Das Heucheln. Der Glückwunsch, der keiner ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Dem wird das Lachen schon noch vergehen.“&#039;&#039; → Die Vorfreude auf den Fall.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Hab ich doch gleich gesagt.“&#039;&#039;, wenn es dann schiefgeht → Die Schadenfreude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Gehirn:&#039;&#039;&#039; Japanische Forscher ließen 2009 Versuchspersonen Geschichten über erfolgreiche Mitschüler lesen. Beim Neid war ein Bereich aktiv, der auch bei Schmerz arbeitet. Als dem Beneideten danach ein Unglück passierte, sprang ein Bereich an, der bei Belohnung arbeitet. Neid tut weh, Schadenfreude tut gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gute Neid:&#039;&#039;&#039; Hesiod unterscheidet zwei Göttinnen des Streits. Die schlechte Eris bringt Krieg. Die gute Eris treibt den Faulen an, wenn er sieht, wie reich der fleißige Nachbar wird, sodass er selbst pflügt und pflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verwandt:&#039;&#039;&#039; [[#Eifersucht|Eifersucht]] (die Eifersucht fürchtet zu verlieren, was sie hat; der Neid will haben, was der andere hat), [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Gerechtigkeitssinn|Gerechtigkeitssinn]], Häme, [[#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Alle drei, Stammesbruder, Eifersucht und Neid, stammen vom Revierverhalten: das Revier der Gruppe, das Revier der Bindung, das Revier am Futtertrog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Revierverhalten/Gebiet ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Stammesbruder, Eifersucht, Neid, [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]]&lt;br /&gt;
* Es ist der Kern der Eifersucht: Ein Rivale dringt in die Bindung ein. Beim Wolfsrudel: Man kennt die Gesichter, das Revier ist abgesteckt, der Fremde ist der Feind.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überall.&#039;&#039;&#039; Viel Verhalten von Menschen lässt sich nur verstehen, wenn man weiß, dass es Revierkämpfe sind. Bei Tieren sind Revierkämpfe oft Standard: Ziegen boxen, Elche kämpfen. Bei manchen ist das so ernst, dass es Verletzte und Tote gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dasselbe Zeichen.&#039;&#039;&#039; Der Bauer zäunt sein Feld ein. Der Goldsucher seinen Claim. Der Hund pisst an den Baum und Armstrong stellt die amerikanische Flagge auf. Das ist dasselbe.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Reviere werden vor allem gegen Artgenossen verteidigt und mit Duft, Gesang oder Schauflügen markiert. Der Besitz wird meist respektiert, auch ohne dass ihn jemand durchsetzt: Wer zuerst da war, wird selten herausgefordert (Sherratt und Mesterton-Gibbons 2015). Stake (2004) sieht in den Rechtsregeln über Besitz und Priorität Spuren dieser Strategien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sammler.&#039;&#039;&#039; Er pflegt und verteidigt seine Sammlung und identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eltern.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Man nennt es Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beschützer.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker. Bei Säugetieren und Vögeln ist das die Regel. Bei Fischen und Reptilien eher nicht. Ausnahmen gibt es: Der männliche Stichling bewacht das Nest und verteidigt Eier und Junge gegen Eindringlinge, ebenso die Männchen der Sonnenbarsche (Britannica; Juneau Empire). Auch hier zeigt sich der Dämon ohne Maske in ganzer Stärke, wenn man das Revier betritt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geltung.&#039;&#039;&#039; Das Revier ist hier der Rang. Es zeigt sich, wenn die Kompetenz angezweifelt wird, wenn der Rang oder die Stellung streitig gemacht wird oder wenn der Konkurrent sich mit fremden Federn schmückt. Auch die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] ist Revierverhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eitelkeit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Poser&lt;br /&gt;
* Varianten: Geck, Diva&lt;br /&gt;
* Die leere Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Geltung, die durch die Zustimmung anderer gegeben wird: Preise und Auszeichnungen (siehe [[#Geltung|Geltung]]). La Rochefoucauld: „La vertu n&#039;irait pas si loin si la vanité ne lui tenait compagnie.“ (Die Tugend käme nicht so weit, wenn die Eitelkeit ihr nicht Gesellschaft leistete.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß ursprünglich leer, nichtig (althochdeutsch &#039;&#039;ītal&#039;&#039;), so wie das lateinische &#039;&#039;vanitas&#039;&#039;. Die Leere steckt schon im Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ehrgeiz im Kleinen.&#039;&#039;&#039; Theophrast nennt den Eitlen Μικροφιλοτιμία, „Ehrgeiz im Kleinen“: „a striving for honor in small things“. Beim Essen will er neben dem Gastgeber sitzen. Er zahlt mit frisch geprägten Münzen. Seiner zahmen Dohle kauft er eine kleine Leiter und einen Schild aus Bronze. Stirbt sein Hund, setzt er ihm ein Denkmal: „Fido, Pure Maltese.“ Er kauft einen neuen Anzug, solange der alte noch gut ist, und seine Zähne sind immer weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von außen.&#039;&#039;&#039; Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er sagt, was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Die Eitelkeit lebt in der Lücke zwischen dem, was einer sagt, und dem, was er sich davon verspricht. Meist ist das keine Berechnung. Er glaubt selbst an das Bild, das er zeigt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Bescheidene&#039;&#039;&#039; sagt: „Ach, das war doch nichts Besonderes.“ Er hofft auf den Widerspruch: „Doch, das war großartig!“ So bekommt er das Lob und darf sich obendrein bescheiden fühlen. Manchmal verkleidet er das Angeben als Klage, etwa wenn er stöhnt, er komme vor lauter Einladungen zu nichts mehr. Die anderen durchschauen das meistens.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Erfolgreiche&#039;&#039;&#039; sagt: „Eigentlich wollte ich nie Karriere machen. Es hat sich so ergeben.“ Der Erfolg soll mühelos aussehen, und gerade dafür will er bewundert werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Gekränkte&#039;&#039;&#039; sagt: „Mir ist völlig egal, was andere über mich denken.“ Dann liegt er die halbe Nacht wach wegen einer einzigen Bemerkung. Wer am lautesten sagt, die Meinung der anderen sei ihm egal, hängt oft am stärksten an ihr.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Unauffällige&#039;&#039;&#039; sagt: „Ich brauche keine Aufmerksamkeit, ich mach einfach mein Ding.“ Er möchte gerade dafür bewundert werden. Seine Eitelkeit ist, keine zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl verrät, was der Satz verbirgt. Lob hebt ihn, ausbleibendes Lob enttäuscht ihn, Kritik kränkt ihn, und wer mehr Beachtung bekommt, wird zum Rivalen. Er sieht sich mit den Augen der anderen. Darum macht die Eitelkeit abhängig, obwohl sie sich überlegen fühlen will: Sie muss sich immer wieder neu beweisen, denn sicher ist man der Bewunderung nie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eitelkeit heute.&#039;&#039;&#039; Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schopenhauers Satz gilt noch: Die Eitelkeit ist gesprächig, der Stolz schweigsam. Young Jee Han, Joseph Nunes und Xavier Drèze fanden 2010: Wer reich ist und Geltung braucht, kauft die Tasche mit dem großen Logo, die jeder erkennt. Wer reich ist und sie nicht braucht, kauft die Tasche ohne Logo, die nur Kenner erkennen. Der eine spricht zu allen, der andere nur zu seinesgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039; „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Sehen und gesehen werden.“ – „Kleider machen Leute.“ – „Wer schön sein will, muss leiden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schauspieler.&#039;&#039;&#039; Wer davon lebt, gesehen zu werden, ist oft eitel. Drew Pinsky und Mark Young ließen 2006 zweihundert Prominente einen Narzissmus-Fragebogen ausfüllen. Die Prominenten lagen deutlich über dem Durchschnitt, am höchsten die Stars aus dem Reality-Fernsehen, dann Komiker, Schauspieler und Musiker. Viele waren schon so, bevor sie berühmt wurden: Der Beruf zieht die Eitlen an. In Billy Wilders Film &#039;&#039;Sunset Boulevard&#039;&#039; (1950) sagt man der gealterten Stummfilmdiva Norma Desmond: „You used to be big.“ Sie antwortet: „I am big. It&#039;s the pictures that got small.“ Am Ende steigt sie die Treppe hinab, auf die Kamera zu: „All right, Mr. DeMille, I&#039;m ready for my close-up.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen.&#039;&#039;&#039; Auf Reddit sprechen Menschen offen darüber, und manchmal spricht der Dämon selbst.&lt;br /&gt;
* Über sich selbst: „I&#039;m very vain in the sense I&#039;m always aware of how good or not I look […] I will leave any situation, job, place, person etc if it worsens my looks.“ – „When I look good I feel good, and I care way too much about how people see me.“ – „Yes, I strut and preen.“ – „Main character energy so yes.“ – „sometimes I&#039;m extremely vain and other times I feel inferior to everyone“ (r/Sagittarians, 2025). Im letzten Satz zeigt sich die Leere.&lt;br /&gt;
* Was andere hören: Eine Freundin begründet alles mit ihrem Aussehen: „I should have been invited to that party, I&#039;m hot.“ – „I don&#039;t understand why we have to wait in this line, most of the time hot people get let in early.“ Eine andere fragt nach dem Treffen mit den Freunden ihres Partners: „did anyone tell you how pretty I was“ (r/AskMen, 2024).&lt;br /&gt;
* Schopenhauers gesprächige Eitelkeit, ein Ratschlag an Männer: „Never mention your nice car, then pick her up for a 3rd date, hot. Mentioning it up front, tacky.“ (r/Bumble, 2026)&lt;br /&gt;
* Männer über sich selbst: „I like staring at my reflection in shop windows.“ – „Have to check the bathroom mirror to make sure my abs are still there.“ – „I definitely check myself out in bathroom mirrors, window reflections. I can&#039;t help it I&#039;m just too sexy“ – „I take a lot of satisfaction in the fact that I look good, then immediately feel guilty about it“ (r/AskMen, 2018).&lt;br /&gt;
* Die Eitelkeit missbilligt die, die nicht so sind wie sie. Ein Mann staunt, wie schlecht jüngere Männer aussehen: „When I look at men who are much younger than me and I&#039;m amazed at how bad they look“. Jemand fragt zurück: „So, your vanity expresses itself through judgement of others?“ Ein anderer: „Not OP but yes, absolutely. It&#039;s kinda shitty but it&#039;s a gut reaction.“ (r/AskMen, 2018; siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geck.&#039;&#039;&#039; Eine Variante der Eitelkeit kommt vom [[#Putz|Putz]]: die Eitelkeit auf das eigene Aussehen, auf Kleidung, Frisur und Körper. Das Wörterbuch nennt den Gecken einen „eitlen (jungen) Mann mit auffallend modischer Kleidung und auffälligem Benehmen“ (DWDS). Die weibliche Variante ist die Diva. Die Eitelkeit selbst ist weiter: Auch ein hässlicher Gelehrter kann auf seine Intelligenz eitel sein. Dann hängt sie allein an der [[#Geltung|Geltung]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Diva.&#039;&#039;&#039; Das Wort heißt auf Italienisch „die Göttliche“ und war im 19. Jahrhundert ein Ehrenname berühmter Sängerinnen (Pfeifer). Das Wörterbuch nennt die Diva eine gefeierte Künstlerin, einen Star (DWDS). Zu ihr gehören Starallüren: Sie ist launisch, kapriziös und unnahbar und hält sich für etwas Besseres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Poser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Eitelkeit · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Poser ist ein Schauspieler für das Publikum. Vielleicht kann er auch etwas. Aber er stellt sich hin und macht eine Pose, damit das Publikum sie sieht. Früher haben Fußballer nach einem Tor gejubelt. Das war echt, das war [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Jubel|Jubel]] nach dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Sieg|Sieg]]. Heute machen sie Posen: Jeder soll sehen, was für ein Held ich bin. Auch die Influencer machen Posen für die Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Siu.&#039;&#039;&#039; Cristiano Ronaldo sprang im August 2013 nach einem Tor gegen Chelsea in die Luft und rief „Siu“. Er sagt selbst, das sei spontan gewesen: „I just scored the goal and it came out. It was just natural. Since that, I started to do it more often.“ Aus echtem Jubel wurde durch Wiederholung eine Pose, sein Markenzeichen. Die Übergänge sind fließend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Vorderbühne.&#039;&#039;&#039; Erving Goffman beschrieb 1959 das Alltagsleben als Theater, mit einer Vorderbühne, auf der man vor Publikum spielt, und einer Hinterbühne, auf der man unbeobachtet ist (&#039;&#039;The Presentation of Self in Everyday Life&#039;&#039;). Der Poser lebt auf der Vorderbühne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; ist der Eitle auch schon Poser. Den Kopf des geopferten Ochsen nagelt er gegenüber der Haustür an, damit jeder Besucher sieht, was er geopfert hat. Nach der Reiterparade gibt er die Ausrüstung dem Knecht und stolziert in Sporen über den Markt. Bei Vorführungen in seiner eigenen Halle kommt er als Letzter herein, damit die Zuschauer sagen: „That&#039;s the gentleman to whom the place belongs.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen&#039;&#039;&#039; (Reddit): „Curates her life online to make it look more fun and exciting than it really is.“ (r/AskMen, 2024) – „Sometimes guys post unfriendly non-smiling gym photos of them staring at their own arm muscles“ (r/Bumble, 2026). Das Aufpumpen vor dem Auftritt: „Shit, I do push-ups before cutting the lawn shirtless!“ – „You don&#039;t keep dumbbells in your trunk to do a few curls right before picking up your dates?“ – „you never look as good as your pump.“ Einer nennt seine Schnellübung selbst „the douchebag session“ (r/Fitness, 2015). – „When I cosplay, I want my picture taken with everyone.“ (r/AskMen, 2018)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prahler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[#Geltung|Geltung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Auch: Angeber.&lt;br /&gt;
* Varianten: Aufschneider&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Aufschneider.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Prahlers ist der Aufschneider. Bei Theophrast heißt er Ἀλαζονεία: „Bragging is pretending to have excellences that one does not really possess.“ Er steht am Hafen und erzählt, wie viel Kapital er in Schiffen stecken hat, und schickt seinen Sklaven zur Bank, wo er eine Drachme hat. Er habe unter Alexander gedient und drei Briefe von Antipater bekommen, obwohl er nie aus seiner Stadt herausgekommen ist. In der Hungersnot habe er über fünf Talente für die Armen gegeben. Sein gemietetes Haus nennt er das Familienhaus und sagt, es sei zu klein für seine Freunde. Ob das Vermögen echt oder erfunden ist, ist für das Wesen irrelevant. Das Motiv ist dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Besser sein wollen.&#039;&#039;&#039; Geltung zu wollen ist an sich etwas Positives. Sie ist der Treibstoff für viele Errungenschaften und Leistungen. Beim Prahler geht es aber darum, besser zu sein als die anderen. Das ist traurig, denn er ist von den anderen abhängig. Ohne Vergleich gibt es keinen Rang. Dabei kann man den Rang und die Leistung anderer auch anerkennen, unabhängig davon, ob sie mehr haben oder können (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wenn ein anderer mehr hat.&#039;&#039;&#039; Hat ein Nachbar das größere Haus oder das größere Auto, kommt der [[#Neid|Neid]] ins Spiel, wenn der andere ihm nah ist und es ein Gebiet ist, das ihm selbst zählt. Dann legt der Prahler nach, zieht den anderen herunter oder meidet den Vergleich. Der Neid ist sein Bruder: Auch er ist auf den Vergleich fixiert, und sein eigener Rang hängt von den anderen ab. Nach einer Umfrage von Solnick und Hemenway lehnten 48 % es ab, dass alle reicher werden, wenn das den eigenen Rang senkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; erscheint er in zwei Gestalten. Der Übereifrige zeigt „an excess in saying or doing, — with good intentions, of course“ und verspricht öffentlich Dinge, die er nicht leisten kann. Der Prahler ist „pretending to have excellences that one does not really possess“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Justin Kruger und David Dunning ließen 1999 Studenten nach einem Test schätzen, wie gut sie waren. Das schlechteste Viertel lag im 12. Perzentil und schätzte sich im 62. ein. Der Titel ihrer Studie: „Unskilled and unaware of it“. Wie stark das im Durchschnitt gilt, ist umstritten (Gilles Gignac und Marcin Zajenkowski 2020). Den Typ gibt es trotzdem. William von Hippel und Robert Trivers schrieben 2011, Selbsttäuschung sei entstanden, um andere besser zu täuschen: „self-deceptive self-enhancement also allows people to display more confidence than is warranted.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urtümlich.&#039;&#039;&#039; Der Angeber ist alt. Der Pfau schlägt sein Rad vor der Henne. Andere Tiere machen sich vor dem Rivalen größer, als sie sind: fast eine Drohgebärde, aber schon im Vorfeld, um einzuschüchtern, bevor es zum Kampf kommt. Rothirsche röhren um die Wette, wo ein Kampf droht, und das Röhren verrät dem Rivalen die Kampfkraft (Tim Clutton-Brock und Steve Albon 1979). Verliert ein Männchen der Winkerkrabbe seine große Schere, wächst eine neue nach, die gleich groß aussieht, aber leichter und schwächer ist. Damit blufft es: „Regenerated claws effectively bluff fighting ability and deter potential opponents before they fight.“ Auch die Weibchen fallen darauf herein. Bis zu 44 % der Männchen tragen solche Scheren (Patricia Backwell und Kollegen 2000). Das ist der Angeber in reiner Form: mehr zeigen, als da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Balz ruft den Angeber.&#039;&#039;&#039; Ein Dämon kann innerhalb desselben Menschen einen anderen zu Hilfe rufen. Die Balz ruft den Angeber, so wie beim Feigling die Angst den Täuscher ruft. Das ist eine Abfolge, keine Abstammung. Ein Feldversuch: Junge Skateboarder wagten riskantere Tricks, wenn eine attraktive Frau zusah, und ihr Testosteron stieg (Richard Ronay und William von Hippel 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Angeber vor Frauen – und vor Rivalinnen.&#039;&#039;&#039; Beim Menschen ist das Muster verbreitet. Derselbe Mann wirkt auf Frauen attraktiver, wenn er in einem Bentley sitzt; bei einer Frau am Steuer wirkt das nicht (Dunn &amp;amp; Searle 2010). Männer spenden deutlich mehr, wenn eine attraktive Frau zusieht; Frauen vor einem attraktiven Mann nicht (Iredale, Van Vugt &amp;amp; Dunbar 2008). Frauen geben auch an, nur anders: Sie investieren in Wirkung, Kosmetik ist eine ganze Industrie. Und Luxus zeigen sie oft anderen Frauen, als Mittel im Wettbewerb unter Rivalinnen (Hudders et al. 2014). Das ist wieder das Tier, das sich vor dem Rivalen größer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht jede Schminke und nicht jede teure Tasche ist Angeberei. Frauen tun das auch für sich selbst, nicht nur, um zu beeindrucken. Dann spricht [[#Geltung|Geltung]]: &#039;&#039;Ich bin wer.&#039;&#039; Das ist das gute Gefühl eines sicheren Reviers, kein Täuschen. Dasselbe Verhalten kann von verschiedenen Wesen kommen. Der Angeber braucht einen Zuschauer, den er übertrumpfen will. Geltung genügt sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsicht bei der Literatur: Viele Studien, die das Angeben durch „Paarungsstimmung“ auslösen wollten, ließen sich nicht wiederholen (Shanks et al. 2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stammesbruder ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Herde, Revierverhalten/Gebiet, Jagdtrieb · zu –&lt;br /&gt;
* Die Herde bringt das Zusammenhalten und das Ausstoßen der Abweichler, der Jagdtrieb die gemeinsame Jagd auf Minderheiten: Wölfe jagen gemeinsam und töten fremde Wölfe, die Schimpansen von Gombe stellten die Abtrünnigen in Gruppen und töteten sie einzeln.&lt;br /&gt;
* Verwandt: Revierverhalten/Gebiet; Fan und Kamerad; Verachtung gegen die Fremden.&lt;br /&gt;
* Wirkt bei vielen Wesen mit: beim Streber, beim Held, beim Krieger, beim Zwerg. Darum ist er kein Elternteil des Zwergs, sondern ein eigener Dämon.&lt;br /&gt;
* Trigger: die Kennzeichen (Trikot, Fahne, Dialekt), eine Bedrohung von außen, ein Abweichler in den eigenen Reihen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stammesbruder ist fundamental&lt;br /&gt;
Das wirkt bei ziemlich allen Gruppen Bildungen mit auf denen Zivilisationen beruhen&lt;br /&gt;
In Wahrheit gibt es nicht Nationen oder Firmen oder Gesellschaften oder Kunst oder Wissenschaft als Verbindung von Menschen&lt;br /&gt;
Da verbinden sich Menschen zu einem Stamm mit 50 anderen Menschen die sie kennen&lt;br /&gt;
Das ist die wirkende Dynamik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es ein Thema braucht mit dem sich ein Stamm identifiziert&lt;br /&gt;
Eine Lehre&lt;br /&gt;
Eine Ideologie&lt;br /&gt;
Aber abgesehen von Sinn oder Unsinn&lt;br /&gt;
Was da passiert ist Stammesverhalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es einen Kanon an gemeinsamen Symbolen, Masken, Kleidung, Haarschnitt, Fahnen, Ritualen, Sprüchen , Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wird auch peinlich darauf geachtet dass das eingehalten wird von denen die dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind die die nicht dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die wird mindestens herab geschaut&lt;br /&gt;
Und wenn es schlimm kommt gibt es auch Krieg und Verfolgung&lt;br /&gt;
Das ist eine unschöne Seite davon&lt;br /&gt;
Oft werden da Minderheiten gesucht&lt;br /&gt;
Als Feind der die Gruppe bedroht&lt;br /&gt;
Um die Truppe folgsam zu machen gegen den gemeinsamen Feind&lt;br /&gt;
Der Dämon Stammesbruder übernimmt das Ruder und schaltet das kritische Denken aus&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand ist Mitglied vom Stamm. Stammesverhalten ist ein mächtiger Trieb, der sehr viel menschliches Verhalten erklärt. Überall bilden wir Gruppen mit einheitlichen Kennzeichen. Und um in die Gruppe aufgenommen zu werden, muss man Hürden überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie schnell er da ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Robbers Cave, 1954: Zwei Gruppen von Jungen im Ferienlager, die sich vorher nicht kannten. Nach wenigen Tagen hatten sie Namen, die „Adler“ und die „Klapperschlangen“, eigene Fahnen und eigene Regeln. Bald verbrannten sie die Fahne der anderen und überfielen deren Hütte.&lt;br /&gt;
* Tajfel, 1970er-Jahre: Schüler wurden angeblich danach eingeteilt, ob sie Bilder von Klee oder von Kandinsky lieber mögen. In Wahrheit war es Zufall. Trotzdem gaben sie beim Verteilen von Geld der eigenen Gruppe mehr und verzichteten sogar auf Geld, nur damit der Abstand zur anderen Gruppe größer wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Hürde:&#039;&#039;&#039; 1959 mussten Studentinnen, um in eine Diskussionsgruppe zu kommen, vor einem Mann peinliche Wörter laut vorlesen. Danach hörten alle dieselbe absichtlich langweilige Diskussion. Wer die peinliche Aufnahme durchgemacht hatte, fand die Gruppe besonders gut. Je höher die Hürde, desto wertvoller die Gruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen und Hürden:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Militär&#039;&#039;&#039;: Kopf kahl, Uniform, Grundausbildung, Drill. Der Einzelne wird abgelegt, die Truppe wird angezogen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fußball&#039;&#039;&#039;: Schal, Trikot, Fangesänge. Schalke und Dortmund liegen 30 Kilometer auseinander und hassen sich neunzig Minuten lang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Berufe&#039;&#039;&#039;: Der Zimmermann auf der Walz in schwarzer Kluft, drei Jahre und einen Tag unterwegs, nicht näher als 50 Kilometer an seinen Heimatort. Der Doktortitel bei den Akademikern. Die verschlüsselte Fachsprache des [[Zwerg]]s ist das Kennzeichen seines Stammes, der Aufnahmeritus.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Studentenverbindungen&#039;&#039;&#039;: der Schmiss von der Mensur, eine Narbe im Gesicht als Kennzeichen fürs Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alt:&#039;&#039;&#039; In Gombe in Tansania hat sich in den 1970er-Jahren eine Schimpansengruppe gespalten. Über vier Jahre hat die größere Gruppe die Männchen der abgespaltenen Gruppe einzeln aufgespürt und getötet. Vorher waren es Gruppenmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Stamm von 50:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der Anthropologe Robin Dunbar hat gezählt, wie groß menschliche Gruppen von selbst werden: etwa 5 enge Vertraute, 15 gute Freunde, 50 Leute, mit denen man lagert und jagt, 150, die man noch beim Namen kennt. Die 50 ist bei Jägern und Sammlern die Größe eines Lagers.&lt;br /&gt;
* Die Armeen haben das immer gewusst. Der Zug hat 30 bis 50 Mann, die Kompanie um die 150. Bei den Römern teilten sich 8 Mann ein Zelt.&lt;br /&gt;
* Shils und Janowitz befragten 1948 gefangene Wehrmachtssoldaten, warum sie bis zuletzt weiterkämpften, als der Krieg längst verloren war. Nicht die Ideologie hielt sie. Die meisten kämpften für die Männer neben ihnen im Graben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Thema ist austauschbar:&#039;&#039;&#039; Bei Tajfel reichte die Frage, ob einem Klee oder Kandinsky besser gefällt, und in Wahrheit nicht einmal das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Peinlich genau eingehalten:&#039;&#039;&#039; Wer aus der eigenen Gruppe abweicht, wird härter verurteilt als ein Fremder, der dasselbe tut. Die Psychologen nennen das den Schwarze-Schaf-Effekt. Der Abtrünnige ist schlimmer als der Feind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das kritische Denken ausgeschaltet:&#039;&#039;&#039; Solomon Asch, 1951. Eine Versuchsperson sitzt mit sieben anderen am Tisch, die heimlich eingeweiht sind. Alle sollen sagen, welche von drei Linien so lang ist wie eine vierte. Die Antwort ist offensichtlich. Aber die sieben sagen nacheinander laut die falsche. Etwa drei von vier Versuchspersonen haben mindestens einmal mitgemacht und gegen ihre eigenen Augen die falsche Linie genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gemeinsame Feind:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Wort Sündenbock kommt aus der Bibel. Am Versöhnungstag legte der Priester die Sünden des Volkes einem Ziegenbock auf und jagte ihn in die Wüste.&lt;br /&gt;
* Im Ferienlager von Robbers Cave wurden die verfeindeten Gruppen am Ende durch eine gemeinsame Bedrohung versöhnt: Die Wasserleitung des Lagers war angeblich sabotiert.&lt;br /&gt;
* Göring erklärte 1946 in Nürnberg dem Gefängnispsychologen Gilbert sinngemäß: Das Volk lässt sich immer zum Krieg bringen. Man muss ihm nur sagen, es werde angegriffen, und die Friedensfreunde als Vaterlandsverräter hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“&#039;&#039; → Freund oder Feind, kein Drittes.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das macht man bei uns nicht.“&#039;&#039; → Die Regel des Stammes, ohne Begründung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Die da.“&#039;&#039; → Der Fremde braucht keinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die andere Seite:&#039;&#039;&#039; Derselbe Dämon trägt den verletzten Kameraden aus dem Feuer. Ohne ihn gäbe es keine Feuerwehr und keine Bergwacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; sein Ruf-Name.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum/Quelltext&amp;diff=959</id>
		<title>Stammbaum/Quelltext</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum/Quelltext&amp;diff=959"/>
		<updated>2026-10-31T17:43:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quelltext: Trotz im Stammbaum, Rammler heißt Begehren&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Quelltext des [[Stammbaum|Stammbaums]] (Graphviz). Daraus wird das Bild [[:Datei:Stammbaum der Seele.png]] erzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ändern: Wesen und Linien hier anpassen, dann mit Graphviz (&amp;lt;code&amp;gt;dot -Tpng&amp;lt;/code&amp;gt;) neu zeichnen und das Bild als neue Version hochladen. Eine Zeile &amp;lt;code&amp;gt;&amp;quot;A&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;B&amp;quot;;&amp;lt;/code&amp;gt; heißt: B stammt von A oder wird von A erzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;syntaxhighlight lang=&amp;quot;dot&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
digraph Stammbaum {&lt;br /&gt;
 graph [rankdir=TB, splines=true, nodesep=0.25, ranksep=0.9, fontname=&amp;quot;Helvetica&amp;quot;, fontsize=28,&lt;br /&gt;
        label=&amp;quot;STAMMBAUM DER MENSCHLICHEN SEELE\n &amp;quot;, labelloc=t, bgcolor=white, pad=0.4];&lt;br /&gt;
 node [shape=ellipse, fontname=&amp;quot;Helvetica&amp;quot;, fontsize=13, style=filled, fillcolor=white, color=&amp;quot;#333333&amp;quot;, penwidth=1.2];&lt;br /&gt;
 edge [color=&amp;quot;#333333&amp;quot;, arrowsize=0.7, penwidth=1.1];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Aphrodite&amp;quot; [label=&amp;quot;Aphrodite&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; [label=&amp;quot;HOMO&amp;quot;, fontsize=22, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Odem&amp;quot; [label=&amp;quot;Odem&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Durst&amp;quot; [label=&amp;quot;Durst&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sunny&amp;quot; [label=&amp;quot;Sunny&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; [label=&amp;quot;Balz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; [label=&amp;quot;Elter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; [label=&amp;quot;Sammler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; [label=&amp;quot;Putz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; [label=&amp;quot;Urschlummer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; [label=&amp;quot;Beutetier&amp;quot;, fontsize=17, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; [label=&amp;quot;Hunger\nSchlemmer&amp;quot;, fontsize=15, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; [label=&amp;quot;Raubtier&amp;quot;, fontsize=17, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Liebe&amp;quot; [label=&amp;quot;Liebe&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eifersucht&amp;quot; [label=&amp;quot;Eifersucht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschützer&amp;quot; [label=&amp;quot;Beschützer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nestbau&amp;quot; [label=&amp;quot;Nestbau&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Messi&amp;quot; [label=&amp;quot;Messi&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gähn&amp;quot; [label=&amp;quot;Gähn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; [label=&amp;quot;Schreck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; [label=&amp;quot;Angst&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; [label=&amp;quot;Obacht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grauen&amp;quot; [label=&amp;quot;Grauen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; [label=&amp;quot;Verwirrt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Horror&amp;quot; [label=&amp;quot;Horror&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verblüffung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; [label=&amp;quot;Staun&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; [label=&amp;quot;Neugier&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Ekel&amp;quot; [label=&amp;quot;Ekel&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Öde&amp;quot; [label=&amp;quot;Öde&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verachtung&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; [label=&amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; [label=&amp;quot;Wüterich&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; [label=&amp;quot;Vampir&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; [label=&amp;quot;Zorn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Choleriker&amp;quot; [label=&amp;quot;Choleriker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmach&amp;quot;, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; [label=&amp;quot;Ärger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; [label=&amp;quot;Groll&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Scham&amp;quot; [label=&amp;quot;Scham&amp;quot;, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; [label=&amp;quot;Büßer&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hohn&amp;quot; [label=&amp;quot;Hohn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zynisch&amp;quot; [label=&amp;quot;Zynisch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Arroganz&amp;quot; [label=&amp;quot;Arroganz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Spötter&amp;quot; [label=&amp;quot;Spötter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Häme&amp;quot; [label=&amp;quot;Häme&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kobold&amp;quot; [label=&amp;quot;Kobold&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; [label=&amp;quot;Piesacker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hass&amp;quot; [label=&amp;quot;Hass&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gewissheit&amp;quot; [label=&amp;quot;Gewissheit&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; [label=&amp;quot;Sieg&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; [label=&amp;quot;Hexe\nPsychopath\nNarzist&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; [label=&amp;quot;Täuscher&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dank&amp;quot; [label=&amp;quot;Dank&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jubel&amp;quot; [label=&amp;quot;Jubel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stolz&amp;quot; [label=&amp;quot;Stolz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; [label=&amp;quot;Triumph&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mut&amp;quot; [label=&amp;quot;Mut&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Held&amp;quot; [label=&amp;quot;Held&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Achtung&amp;quot; [label=&amp;quot;Achtung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot; [label=&amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; [label=&amp;quot;Gelassen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot; [label=&amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Streber&amp;quot; [label=&amp;quot;Streber&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot; [label=&amp;quot;Wuff Wuff\nbetteln um\nAnerkennung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; [label=&amp;quot;Formal&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Herde&amp;quot; [label=&amp;quot;Herde&amp;quot;, fontsize=15, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot; [label=&amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; [label=&amp;quot;Revierverhalten\nGebiet&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; [label=&amp;quot;Neid&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Amok&amp;quot; [label=&amp;quot;Amok&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; [label=&amp;quot;Geltung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; [label=&amp;quot;Eitelkeit&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Poser&amp;quot; [label=&amp;quot;Poser&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prahler&amp;quot; [label=&amp;quot;Prahler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; [label=&amp;quot;Perfektionist&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; [label=&amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot;, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Troll&amp;quot; [label=&amp;quot;Troll&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Empörung&amp;quot; [label=&amp;quot;Empörung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pedant&amp;quot; [label=&amp;quot;Pedant&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Traurig&amp;quot; [label=&amp;quot;Traurig&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Feierlich&amp;quot; [label=&amp;quot;Feierlich&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; [label=&amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Bestätiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Bestätiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Demütiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Demütiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Drohender&amp;quot; [label=&amp;quot;Drohender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egal&amp;quot; [label=&amp;quot;Egal&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitel&amp;quot; [label=&amp;quot;Eitel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekstase&amp;quot; [label=&amp;quot;Ekstase&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; [label=&amp;quot;Elf&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Entsetzen&amp;quot; [label=&amp;quot;Entsetzen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; [label=&amp;quot;Fan&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stalker&amp;quot; [label=&amp;quot;Stalker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Höriger&amp;quot; [label=&amp;quot;Höriger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Folterer&amp;quot; [label=&amp;quot;Folterer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Knauser&amp;quot; [label=&amp;quot;Knauser&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Krieger&amp;quot; [label=&amp;quot;Krieger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kuschel&amp;quot; [label=&amp;quot;Kuschel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Laster&amp;quot; [label=&amp;quot;Laster&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lausch&amp;quot; [label=&amp;quot;Lausch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lästerer&amp;quot; [label=&amp;quot;Lästerer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mijam&amp;quot; [label=&amp;quot;Mijam&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Moralist&amp;quot; [label=&amp;quot;Moralist&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Murmel&amp;quot; [label=&amp;quot;Murmel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mümmel&amp;quot; [label=&amp;quot;Mümmel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot; [label=&amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neck&amp;quot; [label=&amp;quot;Neck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nörgler&amp;quot; [label=&amp;quot;Nörgler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Quengler&amp;quot; [label=&amp;quot;Quengler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Paragraph&amp;quot; [label=&amp;quot;Paragraph&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; [label=&amp;quot;Prediger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Puppe&amp;quot; [label=&amp;quot;Puppe&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pädagoge&amp;quot; [label=&amp;quot;Pädagoge&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rache&amp;quot; [label=&amp;quot;Rache&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grober&amp;quot; [label=&amp;quot;Grober&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gefälliger&amp;quot; [label=&amp;quot;Gefälliger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [label=&amp;quot;Unverschämter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Begehren&amp;quot; [label=&amp;quot;Begehren&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Repro&amp;quot; [label=&amp;quot;Repro&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rückgrat&amp;quot; [label=&amp;quot;Rückgrat&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schlimm&amp;quot; [label=&amp;quot;Schlimm&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmack&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmack&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmatz&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmatz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmauß&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmauß&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot; [label=&amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Seufz&amp;quot; [label=&amp;quot;Seufz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sklave&amp;quot; [label=&amp;quot;Sklave&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Spielebär&amp;quot; [label=&amp;quot;Spielebär&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stutzig&amp;quot; [label=&amp;quot;Stutzig&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sucht&amp;quot; [label=&amp;quot;Sucht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Tolpatsch&amp;quot; [label=&amp;quot;Tolpatsch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Trank&amp;quot; [label=&amp;quot;Trank&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Venus&amp;quot; [label=&amp;quot;Venus&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verbittert&amp;quot; [label=&amp;quot;Verbittert&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdutzt&amp;quot; [label=&amp;quot;Verdutzt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verlegener&amp;quot; [label=&amp;quot;Verlegener&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verzweiflung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot; [label=&amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zauderer&amp;quot; [label=&amp;quot;Zauderer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Odem&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Durst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sunny&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Balz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Elter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sammler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Putz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Urschlummer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beutetier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Raubtier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschützer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nestbau&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschützer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nestbau&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Messi&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gähn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schreck&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Angst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Obacht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grauen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verwirrt&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Horror&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verblüffung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Staun&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neugier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verdammter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Messi&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zweifler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ekel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Horror&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Öde&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verachtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Wüterich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Vampir&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Achtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zorn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Choleriker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmach&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verachtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ärger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Groll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Scham&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Scham&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Büßer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hohn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zynisch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Arroganz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spötter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Kobold&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Piesacker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gewissheit&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sieg&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kobold&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spötter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zweifler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Jubel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stolz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Triumph&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mut&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mut&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Held&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dank&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Achtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Held&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gelassen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gelassen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Herde&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Herde&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neid&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zorn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geltung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot;;&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Arroganz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nachtragender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verbittert&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prahler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Formal&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mecker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; [constraint=false];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Trotz&amp;quot; [label=&amp;quot;Trotz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Trotz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Trotz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Quengler&amp;quot; [constraint=false];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Häme&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Folterer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Folterer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Piesacker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jubel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feierlich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feierlich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stolz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rückgrat&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Aphrodite&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Egal&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Bestätiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pedant&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pedant&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lästerer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lästerer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Empörung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schlimm&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Demütiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neck&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nörgler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Drohender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Krieger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschützer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Liebe&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prediger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pädagoge&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verlegener&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verlegener&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Angst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rache&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rache&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Begehren&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ekstase&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pedant&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spielebär&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stutzig&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verdutzt&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Achtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fan&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stalker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eifersucht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stalker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Höriger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Höriger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Demütiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lausch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Puppe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sklave&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sklave&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eitel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Entsetzen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Seufz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zauderer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Repro&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sucht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Laster&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Traurig&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Knauser&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Tolpatsch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Öde&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nörgler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lästerer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmauß&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmatz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmack&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Trank&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mijam&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mijam&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Begehren&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Begehren&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Paragraph&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Elf&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Dank&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Kuschel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kuschel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Putz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Puppe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Murmel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mümmel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zynisch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 // Varianten (gestrichelt)&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; [label=&amp;quot;Egozentriker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schwätzer&amp;quot; [label=&amp;quot;Schwätzer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dozent&amp;quot; [label=&amp;quot;Dozent&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [label=&amp;quot;Nehmer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Feigling&amp;quot; [label=&amp;quot;Feigling&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Abergläubischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Abergläubischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; [label=&amp;quot;Misstrauen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mürrischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Mürrischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Misstrauischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot; [label=&amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mecker&amp;quot; [label=&amp;quot;Mecker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geck&amp;quot; [label=&amp;quot;Geck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Diva&amp;quot; [label=&amp;quot;Diva&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Aufschneider&amp;quot; [label=&amp;quot;Aufschneider&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schwätzer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Dozent&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feigling&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feigling&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Abergläubischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mürrischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Troll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mecker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Moralist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mecker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geck&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geck&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Diva&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Diva&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prahler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Aufschneider&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 subgraph cluster_lose { label=&amp;quot;noch ohne Ort&amp;quot;; fontsize=16; style=rounded; color=&amp;quot;#999999&amp;quot;;&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmarotzer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot; [label=&amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Drama Queen/Heulsuse&amp;quot; [label=&amp;quot;Drama Queen\nHeulsuse&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Menschenfreund&amp;quot; [label=&amp;quot;Menschenfreund&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Heuchler&amp;quot; [label=&amp;quot;Heuchler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Nachtragender&amp;quot; [label=&amp;quot;Nachtragender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Spendabel&amp;quot; [label=&amp;quot;Spendabel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Kamerad&amp;quot; [label=&amp;quot;Kamerad&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Mitleid&amp;quot; [label=&amp;quot;Mitleid&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Vasall&amp;quot; [label=&amp;quot;Vasall&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  { rank=same; &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; &amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot; &amp;quot;Drama Queen/Heulsuse&amp;quot; &amp;quot;Menschenfreund&amp;quot; }&lt;br /&gt;
  { rank=same; &amp;quot;Heuchler&amp;quot; &amp;quot;Nachtragender&amp;quot; &amp;quot;Spendabel&amp;quot; &amp;quot;Kamerad&amp;quot; &amp;quot;Mitleid&amp;quot; &amp;quot;Vasall&amp;quot; }&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Heuchler&amp;quot; [style=invis];&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; [style=invis];&lt;br /&gt;
 subgraph cluster_leg { label=&amp;quot;Legende&amp;quot;; fontsize=14; style=rounded; color=&amp;quot;#999999&amp;quot;;&lt;br /&gt;
  legA [label=&amp;quot;Steckbrief im Wiki&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
  legW [label=&amp;quot;Wesen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  legV [label=&amp;quot;Variante&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  legW -&amp;gt; legV [style=dashed];&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/syntaxhighlight&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Datei:Stammbaum_der_Seele.png&amp;diff=958</id>
		<title>Datei:Stammbaum der Seele.png</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Datei:Stammbaum_der_Seele.png&amp;diff=958"/>
		<updated>2026-10-31T17:42:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Admin lud eine neue Version von Datei:Stammbaum der Seele.png hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Stammbaum der menschlichen Seele, nachgezeichnet nach [[Datei:Stammbaum jpg.jpg]] (Bild 2023). Quelltext: [[Stammbaum/Quelltext]].&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum&amp;diff=957</id>
		<title>Stammbaum</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum&amp;diff=957"/>
		<updated>2026-10-31T17:40:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Rammler heißt jetzt Begehren&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Category:Daemon]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Dies ist der Stammbaum der menschlichen Seele&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmt ist das nicht ohne Fehler. Und gewiss ist das auch nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist ein erster Ansatz. Es ist ein Entwurf, der zeigt wie man die Entwicklung der Seele aus den heute lebenden Dämonen ablesen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin ein Empath. Ich schaue den Menschen direkt auf den Grund ihrer Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe etwas getan, dass zuvor Niemand sonst außer mir jemals getan hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe &#039;&#039;dem Menschen&#039;&#039; auf den Grund seiner Seele geschaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stammbaum ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum der Seele.png|rahmenlos|1150px|Stammbaum der menschlichen Seele]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Pfeil heißt: Das untere Wesen stammt vom oberen ab oder wird von ihm erzeugt. Wut erzeugt Scham, innere Wut. Die Hexe erzeugt den Hörigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Farbig hinterlegt: Wesen mit Steckbrief im Wiki. Im Kasten „noch ohne Ort“ stehen Wesen, die noch nicht eingeordnet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestricheltes Oval: Wesen, das sich nach innen richtet, gegen den eigenen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelltext zum Ändern: [[Stammbaum/Quelltext]]. Die Wesen mit ihren Beschreibungen: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br style=&amp;quot;clear:both&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie neue Dämonen entstehen ==&lt;br /&gt;
Neue Dämonen bilden sich zuerst in Einzelnen und verbreiten sich von da aus. Allerdings muss der Boden dafür da sein, dass die Pflanze wächst. Letztlich sind es Meme, die sich verbreiten wie Mode. Wobei das natürlich noch mehr ist: Ein Dämon hat Hunger und handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Gleichnis vom Sämann&#039;&#039;&#039; (Matthäus 13): Ein Teil der Saat fällt auf den Weg, und die Vögel fressen ihn. Ein Teil fällt auf felsigen Grund, geht schnell auf und verdorrt, weil er keine Wurzeln hat. Ein Teil fällt unter die Dornen und wird erstickt. Ein Teil fällt auf guten Boden und bringt hundertfach Frucht. Derselbe Same, verschiedener Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Same ohne Boden:&#039;&#039;&#039; Aristarch von Samos sagte im 3. Jahrhundert vor Christus, dass die Erde um die Sonne kreist. Niemand folgte ihm. 1.800 Jahre später sagte Kopernikus dasselbe, und diesmal wuchs es: Buchdruck, Seefahrt, Zweifel an der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einer fängt an, der Boden ist bereit:&#039;&#039;&#039; Im Juli 1518 begann in Straßburg eine Frau namens Troffea auf der Straße zu tanzen und hörte tagelang nicht auf. Nach einer Woche tanzten Dutzende, nach einem Monat Hunderte, einige bis zur Erschöpfung. Der Boden: Hungerjahre, Seuchen und der Glaube, dass der heilige Veit einen mit Tanzwut verfluchen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Mann und sein Dämon:&#039;&#039;&#039; Franz von Assisi warf um 1206 seine Kleider vor dem Bischof auf den Boden und gab seinem reichen Vater alles zurück. Zwanzig Jahre später hatte sein Orden Tausende Brüder in ganz Europa. Der Boden: eine reiche Kirche, über die viele unglücklich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie in der Biologie:&#039;&#039;&#039; Jede Mutation entsteht zuerst in einem einzigen Tier. Ob sie sich verbreitet, entscheidet die Umgebung. Ein neuer Dämon ist wie eine neue Art. Richard Dawkins hat 1976 für Ideen, die sich so verbreiten, das Wort „Mem“ erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Symbiose ===&lt;br /&gt;
Am Stammbaum sieht man: Viele Wesen haben zwei oder mehr Eltern. Der Zwerg kommt von Neugier, Zombie und Formal, die Hexe von Piesacker und Täuscher, die Verachtung von Zorn und Ekel, der Streber von Ehrgeiz und Wuff Wuff, der Stammesbruder von Herde und Revierverhalten. Neue Dämonen entstehen durch Symbiose, und dafür gelten dieselben Regeln wie für die biologische Symbiose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Symbiose wird zuerst von einem Einzelnen entdeckt, und dann verbreitet sie sich durch Nachahmung. Wobei es noch mehr ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Der erste Satz der Dämonologie (siehe [[Hauptseite]], „Dämon hört Dämon spricht“): &#039;&#039;Die Gegenwart eines Dämon beschwört ihn in Anderen herauf.&#039;&#039; Gähnen ist ansteckend. Lachen ist ansteckend. Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spiegelneuronen sind die entscheidende Basis von menschlicher Kultur und Kommunikation. Wenn man eine Musik hört, hat man automatisch die Empfindungen. Damit werden Stimmungen, also Dämonen, beschworen. Es überträgt sich vollautomatisch, es ist ansteckend. Neben einem depressiven Menschen wird man traurig. Da braucht es ein funktionierendes Immunsystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein neuer Dämon entsteht, muss die Umgebung diese Konfiguration begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Spiegelneuronen wurden in den 1990er-Jahren in Parma bei Makaken entdeckt: Nervenzellen, die feuerten, wenn der Affe nach einer Erdnuss griff, und ebenso, wenn er nur sah, wie der Forscher danach griff. Beim Menschen ist der Nachweis indirekter, und wie viel genau auf diesen Zellen beruht, ist umstritten. Die Ansteckung selbst ist gut belegt. Die Spiegelneuronen sind ein Argument. Wir sind aber davon nicht abhängig, weil das Phänomen empirisch belegt ist, egal was die Ursache ist.&lt;br /&gt;
* Gähnen: Es reicht, über Gähnen zu lesen.&lt;br /&gt;
* Die Lachepidemie von Tanganjika, 1962: In einem Mädcheninternat am Victoriasee fingen drei Schülerinnen an zu lachen und konnten nicht mehr aufhören. Es breitete sich auf die halbe Schule aus und dann auf Dörfer in der Umgebung. Schulen mussten monatelang schließen.&lt;br /&gt;
* Eine große amerikanische Studie verfolgte über zwanzig Jahre Tausende Menschen in einer Kleinstadt. Wer einen glücklichen Freund in der Nähe hatte, wurde selbst wahrscheinlicher glücklich, und das wirkte noch über den Freund des Freundes.&lt;br /&gt;
* Das Immunsystem: Die Behexung ist wie das AIDS-Virus, sie befällt ausgerechnet die Abwehr (siehe [[Hexe]]). Der gefährlichste Dämon ist der, der die Abwehr selbst angreift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Aus zwei wird etwas Neues, das keiner allein kann.&#039;&#039;&#039; Die Flechte auf dem Felsen ist ein Pilz und eine Alge. Der Pilz allein verhungert auf dem Stein, die Alge allein vertrocknet. Zusammen wachsen sie auf nacktem Fels. Die Flechte sieht ganz anders aus als jeder ihrer Eltern.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Partner bleiben erkennbar.&#039;&#039;&#039; Die Kraftwerke in jeder unserer Zellen, die Mitochondrien, waren einmal freilebende Bakterien. Eine größere Zelle hat sie verschluckt und nicht verdaut. Bis heute haben sie ihr eigenes Erbgut (Lynn Margulis, 1967). So sieht man im Zwerg noch die Neugier, die fragt, und den Zombie, der nicht mehr lebendig ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Partner verlieren, was sie nicht mehr brauchen.&#039;&#039;&#039; Die Mitochondrien haben den größten Teil ihres Erbguts verloren und können allein nicht mehr leben. Die Neugier im Zwerg hat ihre Spontanität verloren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Bund kann kippen.&#039;&#039;&#039; Beide gewinnen, oder einer gewinnt und dem anderen ist es gleich, oder einer gewinnt auf Kosten des anderen: der Parasit, der Schmarotzer.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Unter Druck zerbricht der Bund.&#039;&#039;&#039; Die Koralle lebt mit winzigen Algen, die ihr die Farbe geben. Wird das Wasser zu warm, stößt sie die Algen aus, wird weiß und stirbt oft daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einer entdeckt, die anderen machen nach:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Imo&#039;&#039;&#039;: 1953 wusch ein junges Affenweibchen auf der japanischen Insel Koshima zum ersten Mal eine sandige Süßkartoffel im Bach. Zuerst machten es ihre Mutter und ihre Spielgefährten nach, dann die anderen Jungen und deren Mütter. Die alten Männchen lernten es fast nie. Später wusch Imo im Meer, und die Kartoffeln schmeckten salzig. Auch das breitete sich aus.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Meisen&#039;&#039;&#039;: Ab 1921 pickten in einem Ort in Südengland Meisen die Deckel der Milchflaschen auf, die morgens vor den Haustüren standen, und tranken den Rahm. In den folgenden Jahrzehnten tauchte das an immer mehr Orten in England auf, von Meise zu Meise abgeschaut.&lt;br /&gt;
Ein Einzelner entdeckt den Bund. Der Boden muss da sein: ohne Kartoffeln am Strand, ohne Flaschen vor der Tür nichts zu entdecken. Die Jungen übernehmen zuerst, die Alten zuletzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Äußere Politik wird innere Politik.&#039;&#039;&#039; Nach dem Prozess gegen Galilei gab es ein Patt zwischen Religion und Wissenschaft. Jede Partei hat ihr Revier und betritt nicht das Revier des Rivalen, wobei es immer wieder Ausnahmen gibt. Die politischen Verhältnisse übertragen sich nach innen. Und so kann ein Kosmologe zugleich Christ sein. Auf der Seite [[Dämonologie]] steht dazu: „Vernunft ist im wesentlichen und nichts anderes als das Ergebnis der Machtkämpfe und Bündnisse von Dämonen - Ergebnis ihrer Politik.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Galilei&#039;&#039;&#039; veröffentlichte 1632 seinen „Dialog“. Die Lehre der Kirche vertritt darin eine Figur namens Simplicio, auf Deutsch ungefähr „Einfaltspinsel“. Papst Urban VIII., vorher Galileis Förderer, fand seine eigenen Argumente im Mund dieses Einfaltspinsels und fühlte sich verspottet. 1633 musste Galilei abschwören und lebte danach unter Hausarrest. Erst 1992 erklärte Papst Johannes Paul II., die Kirche habe sich geirrt. Da waren auch Spötter und gekränkter Stolz am Werk.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Das Patt hat einen Namen.&#039;&#039;&#039; Der Biologe Stephen Jay Gould schlug 1997 vor, Wissenschaft und Religion als zwei getrennte Lehrgebiete zu sehen, die sich nicht überschneiden: die Wissenschaft für die Frage, wie die Welt gebaut ist, die Religion für Sinn und Moral. Das Revierverhalten als Friedensvertrag.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kosmologe als Christ:&#039;&#039;&#039; Georges Lemaître war katholischer Priester und Physiker. 1927 und 1931 schlug er vor, dass das Weltall sich ausdehnt und aus einem „Uratom“ hervorging. Daraus wurde die Urknall-Theorie. Als Papst Pius XII. 1951 erklärte, der Urknall bestätige die Schöpfung, war Lemaître darüber nicht glücklich. Er hielt die Reviere getrennt, auch in sich selbst. In ihm haben der Kosmologe und der Priester einen Vertrag geschlossen, wie draußen Kirche und Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Baum oder Netz:&#039;&#039;&#039; Darwin zeichnete einen Baum, dessen Äste sich nur teilen. Margulis zeigte, dass das Leben auch durch Verschmelzen neue Formen schafft. Der Stammbaum der Seele mit seinen kreuzenden Linien ist eher ein Netz als ein Baum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Nische ===&lt;br /&gt;
Manche Dämonen entstehen, weil sie eine unbesetzte Lücke füllen. Natürlich geht es dabei um alte Kräfte wie Geltung und eigene Macht. Aber die bestimmte Zusammensetzung entsteht, weil die Lücke sie verlangt. In der Biologie heißt das Nische. Dieselbe Nische bringt dieselbe Gestalt hervor, auch bei Tieren, die nicht verwandt sind: Hai, Delfin und Ichthyosaurier haben dieselbe Stromlinienform, obwohl der eine ein Fisch ist, der andere ein Säugetier und der dritte ein Reptil. Der Beutelwolf in Tasmanien sah aus wie ein Wolf und war ein Beuteltier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] keine sichtbare Abstammung. Er entsteht, wo es einen Hof gibt, und verschwindet, wenn die Macht verschwindet. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] braucht einen Wirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verschmelzung und Abfolge ===&lt;br /&gt;
Es gibt viele Mischungen von Gefühlen. Wir beschreiben aber die gängigen Typen, sonst wären es 1000 Wesen statt 100. Und eine Mischung macht noch kein neues Wesen aus. Ein neues Wesen entsteht erst, wenn zwei verschmelzen: wenn sie verbunden auftreten und nicht nur zugleich. Der [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] ist so ein eigenes, selbstständiges Wesen. Er ist klar abgegrenzt von Angst und Ekel, und doch treten die beiden in ihm verbunden auf. Man muss gut hinschauen, um ihn zu analysieren. Der Philosoph Noël Carroll beschrieb den Horror 1990 als Antwort auf etwas, das zugleich bedrohlich und unrein ist (&#039;&#039;The Philosophy of Horror&#039;&#039;). Ob das eine Mischung ist, ein bloßes Zugleich oder etwas Eigenes, hat er offengelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders der Feigling. Er hat [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] und ruft deshalb den [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], um sich zu schützen. Das ist eine normale Abfolge und keine Verschmelzung. Darum ist der Feigling kein eigenes Wesen. Die Übergänge sind allerdings fließend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was kein eigenes Wesen ist.&#039;&#039;&#039; Damit es keine Missverständnisse gibt, für alle, die diese Arbeit fortsetzen wollen: Nicht jeder Typ, den man im Leben oder in den alten Charakterbildern findet, ist ein eigener Dämon.&lt;br /&gt;
* Ein &#039;&#039;&#039;Mangel&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen. Dem Taktlosen fehlt etwas, nämlich das Lesen des anderen (siehe [[Die Entstehung der Seele#Den anderen lesen|Den anderen lesen]]). Er hat keinen eigenen Hunger.&lt;br /&gt;
* Auch der &#039;&#039;&#039;Stumpfe&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen. Ihm fehlen aktive Dämonen. Bei Theophrast: „Stupidity one may define as sluggishness in what a man says or does.“ Das kann Anlage sein oder fehlende Vitalität. Es kann aber auch das Ergebnis der Erziehung sein: fehlendes Training und fehlende Anregung in der Jugend. Manche sind auch nur für bestimmte Trigger stumpf. Bei der sexuellen Erregbarkeit gibt es große Unterschiede. John Bancroft und Erick Janssen beschreiben dafür zwei getrennte Systeme, ein Gaspedal und eine Bremse. Wer wenig erregt wird, kann ein schwaches Gaspedal haben, dann ist er stumpf. Oder er hat eine starke Bremse, dann hält ihn ein anderer Dämon zurück. Von außen sieht beides gleich aus. Das Altertum führte ihn unter den vier Temperamenten: den Phlegmatiker, neben Choleriker, Sanguiniker und Melancholiker.&lt;br /&gt;
* Eine &#039;&#039;&#039;Abfolge&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen. Der Feigling hat Angst und ruft deshalb den Täuscher.&lt;br /&gt;
* Ein &#039;&#039;&#039;Verhalten&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen. Der Gerüchtemacher erfindet Neuigkeiten über andere. Der Dämon dahinter ist die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]].&lt;br /&gt;
* Auch &#039;&#039;&#039;Misstrauen&#039;&#039;&#039; ist kein eigenes Wesen. Es ist Wut, im Zaum gehalten und chronisch. Die Ursache gehört dazu: Man wurde reingelegt oder enttäuscht. Oder man hat es übernommen, unbewusst, durch lange Gegenwart und Vorbild. Wer unter einer misstrauischen Mutter aufwächst, wird auch misstrauisch, ohne dass ihm jemand persönlich geschadet hat. Der Dämon wandert zwischen den Wirten, wie eine Melodie, die auf verschiedenen Instrumenten gespielt wird. Der Mensch hält sich für ein festes Ich, wie eine Statue aus Stein. Die Musik beweist das Gegenteil, und jeder kennt das aus Erfahrung: Wie leicht überträgt der Musiker Gefühle auf den Hörer. Wobei die Persönlichkeit mehr oder weniger empfänglich ist (siehe [[Die Entstehung der Seele#Nachahmen und Ansteckung|Nachahmen und Ansteckung]] und [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Rhesusaffen aus dem Labor, die nie eine Schlange gesehen hatten, lernten die Angst vor Schlangen, indem sie wilden Artgenossen bei ihrer Angst zusahen (Susan Mineka und Kollegen 1984). Wird der Misstrauische wieder reingelegt, bricht die Wut heraus: „Ich hab&#039;s doch gewusst!“ Theophrasts Mürrischer verflucht sogar den Stein, über den er stolpert, und er nimmt nicht einmal Geschenke an: „Timeo Danaos et dona ferentes“ (Vergil). Geraldine Downey und Kollegen zeigten 1998: Wer Zurückweisung erwartet, reagiert im Streit feindselig und ruft damit die Zurückweisung hervor. Es ist ein geschlossener Kreis, aber es bleibt die Wut, nur an einem anderen Standort. Theophrasts Misstrauischer ist das leisere Gesicht: „Suspicion is a kind of belief that everybody is fraudulent.“ Er schickt einem Diener einen zweiten hinterher, zählt sein Geld alle hundert Schritte nach und steht nachts auf, um den Riegel zu prüfen, obwohl die Frau Ja gesagt hat. Auch das ist Wut, weniger aggressiv als beim Mürrischen: Er ärgert sich, dass alle unzuverlässig sind. Eine weitere Quelle ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]: Die anderen erfüllen seine Maßstäbe von richtig nicht. Wäre es ihm egal, müsste er nicht kontrollieren.&lt;br /&gt;
* Auch der &#039;&#039;&#039;Abergläubische&#039;&#039;&#039; ist kein eigenes Wesen. Es ist Angst. Bei Theophrast heißt er Δεισιδαιμονία, wörtlich „Dämonenfurcht“: „Superstition is a crouching fear of unseen powers.“ Läuft ihm ein Wiesel über den Weg, geht er keinen Schritt weiter. Hört er eine Eule, erschrickt er. Ihm fehlt nicht der Mythos, er hat ihn ganz. Aber er sieht davon nur, was ihm Angst macht. Der Mutige sieht im selben Mythos die Heldengeschichten, der Hoffende die mit dem glücklichen Ende. So verändert die Herrschaft eines Dämons die Sicht und damit die Welt selbst (siehe [[Grundlagen]]). Er nimmt an der Welt nur seine Trigger wahr und übersieht die anderen. Colin MacLeod, Andrew Mathews und Philip Tata zeigten 1986: Ängstliche richten ihre Aufmerksamkeit unwillkürlich auf bedrohliche Wörter.&lt;br /&gt;
* Eine bloße &#039;&#039;&#039;Mischung&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen.&lt;br /&gt;
Verbreitete Formen, die kein eigenes Wesen sind, beschreiben wir trotzdem, als &#039;&#039;&#039;Varianten&#039;&#039;&#039; beim Elternwesen. Im Stammbaum sind sie gestrichelt verbunden.&lt;br /&gt;
Ein eigenes Wesen entsteht durch Verschmelzung, wie beim Horror, oder wenn ein Kreis chronisch und in sich geschlossen wird, wie beim [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Prahler|Prahler]]: Er hat Täuscher und Geltung als Eltern, aber er ist keine Abfolge der beiden, sondern ein stabiler Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Art und Wuchs.&#039;&#039;&#039; Ob ein Typ ein eigenes Wesen ist, entscheidet keine Regel, sondern das Gefühl dafür, wie eigenständig er ist. Es ist wie im Wald: Die Blätter verschiedener Arten unterscheidet man leicht. Aber dieselbe Art kann an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Umständen ganz verschieden wachsen. An der Baumgrenze wachsen Bäume niedrig und verkrüppelt, im Tal hoch und gerade, und es bleibt dieselbe Art. So kann man auf alles Mögliche wütend sein, auf Menschen, Dinge, Situationen. Es ist immer dieselbe Reaktion: laut werden, aggressiv werden. Das ist derselbe Dämon. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Prahler|Prahler]] dagegen tut in denselben Situationen etwas ganz anderes: Er gibt an. Er will Geltung, aber was er tut und was die Welt sieht, ist sehr spezifisch. Und der Typ ist gleichförmig und verbreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Entgleisung: die Gier.&#039;&#039;&#039; Gier ist kein eigener Dämon, sondern eine bestimmte Entgleisung. Gier ist immer haben wollen. Sie kann verschiedene Wesen treffen: den [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]], den [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Hunger/Schlemmer|Schlemmer]], das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]]. Die alten Todsünden haben die Gier schon nach ihrem Gegenstand aufgeteilt: avaritia, gula, luxuria, also Habgier, Völlerei, Wollust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gier hat zwei Gestalten.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Das Fass ohne Boden.&#039;&#039;&#039; Die Sättigung fällt aus. Ein gesunder Dämon hat Hunger, wird satt und gibt Ruhe, wie ein Thermostat. Hier kommt das Stopp-Signal nicht mehr. Die Suchtforscher Kent Berridge und Terry Robinson trennen das Wollen („wanting“) vom Genießen („liking“): In der Sucht wächst das Wollen, der Genuss nicht. Dieser Gierige hat nicht mehr Freude, aber mehr Hunger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kick.&#039;&#039;&#039; Die Befriedigung ist so groß und unwiderstehlich, dass man sie immer wieder haben muss. Hier ist der Genuss nicht verschwunden, sondern übergroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jede Entgleisung ist Gier. Der Messi kann nichts hergeben, aber er will nicht immer mehr haben. Was er hortet, ist nicht einmal wertvoll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt der Gierige Αἰσχροκέρδεια, „schändlicher Gewinn“: „Avarice is greedy love of gain.“ Er holt sich den Gewinn von anderen. Er lädt dem Träger mehr auf, als der tragen kann, und gibt ihm die kleinste Ration. Dem Freund verkauft er gepanschten Wein. Da ruft die Gier den Täuscher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Test ===&lt;br /&gt;
Ob ein Dämon dahintersteckt, zeigt sich, wenn man ihn in seinem Revier angreift. Vorher ist er unscheinbar, friedlich unter der Oberfläche. Dann gibt es plötzlich eine heftige Reaktion, er verteidigt sein Revier und übernimmt das Steuer. Dann ist sein Ziel das Wichtigste. Nimm ihm seine Nahrung weg. Wer verdurstet, für den ist nichts so wichtig wie Trinken. Spann einem die Frau aus, und er kämpft wie ein Berserker. Schlafentzug. Greif seinen Kameraden an. Beim [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Knauser|Knauser]] reicht ein Festessen, bei dem die Tochter seine Börse nimmt und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Minnesota-Hungerexperiment ließen Ancel Keys und seine Kollegen 1944 und 1945 junge Kriegsdienstverweigerer monatelang hungern. Das Essen übernahm das Steuer. Die Männer dachten nur noch daran, lasen Kochbücher, sammelten Rezepte, wachten eifersüchtig über ihre Teller, durchwühlten den Müll nach Essbarem und ertrugen es nicht, wenn etwas verschwendet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Test zeigt, dass ein Dämon da ist, aber nicht immer, welcher. Dann muss man die Probe abwandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Missbilligung.&#039;&#039;&#039; Zum Test gehört auch die Missbilligung von anderen, die nicht sind wie er selbst. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Menschenfreund|Menschenfreund]] missbilligt den, der andere boshaft schädigt. Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Psychopath]] schätzt Normalos gering, als schwach. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kamerad]] verachtet den [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]]. Liebende [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Elter|Eltern]] missbilligen, wenn andere Eltern ihre Kinder schikanieren. Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]] missbilligt die Schlamperei. Die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbrüder]] missbilligen den Abweichler. Der Mutige verachtet den Feigling, der Stolze den Kriecher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernst Fehr und Simon Gächter zeigten 2002: Menschen bestrafen Trittbrettfahrer, auch wenn die Strafe sie selbst etwas kostet und nichts einbringt. Treibende Kraft sind negative Gefühle gegen die Abweichler. Paul Hewitt und Gordon Flett beschrieben 1991 Perfektionisten, die „unrealistic standards for significant others“ haben. José Marques, Vincent Yzerbyt und Jacques-Philippe Leyens fanden 1988 den „black sheep effect“: Ein unsympathisches Mitglied der eigenen Gruppe wird härter verurteilt als dasselbe Verhalten bei einem Fremden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am deutlichsten ist das bei den Dämonen, bei denen es um die Gruppe geht. Aber es greift bei allen, die einen Maßstab haben, wie man sein oder leben soll: Auch der Knauser missbilligt den Verschwender. Bei den Leib-Dämonen greift es nicht. Wer Durst hat, verachtet nicht den, der keinen hat. Auffällig ist: Gegensätzliche Dämonen missbilligen einander gegenseitig. Der Knauser missbilligt den Verschwender, der Spendable den Knauser. Daran lassen sich [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]] erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gut und Böse aus einer Wurzel ==&lt;br /&gt;
Wir machen hier das personifizierte Böse zum Vater der Seele. Das vornehme Raubtier, steht bei Nietzsche. Was ist, wenn die guten und bösen Triebe miteinander verwoben sind, vielleicht gar wesensgleich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nietzsche&#039;&#039;&#039;, Jenseits von Gut und Böse, Abschnitt 2: „Es wäre sogar noch möglich, dass was den Werth jener guten und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Genealogie der Moral sagt Nietzsche, auf dem Grund aller vornehmen Menschen sei „das Raubthier“ nicht zu verkennen. Er nennt es auch die „blonde Bestie“ und meint damit den Löwen mit seiner Mähne, nicht die Germanen, wie die Nazis es später missbraucht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Stammbaum zeigt es:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Vom Raubtier über den Vampir zum Sieg, vom Sieg zum Dank, vom Dank zur Verehrung, von der Verehrung zur Liebe. Die Liebe hat unter anderem den Vampir als Ahnen.&lt;br /&gt;
* Wüterich → Krieger → Beschützer. Der Beschützer, der sein Kind verteidigt, stammt vom Wüterich ab.&lt;br /&gt;
* Vom Sieg kommen der Held, der Stolz und der Mut.&lt;br /&gt;
Gut und Böse sitzen nicht auf verschiedenen Ästen. Sie wachsen aus derselben Wurzel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bindungshormon Oxytocin macht in Versuchen freundlicher und vertrauensvoller gegenüber der eigenen Gruppe und zugleich abwehrbereiter gegen Fremde (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
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	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=956</id>
		<title>Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=956"/>
		<updated>2026-10-31T17:40:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Rammler heißt jetzt Begehren&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Begehren, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Alter der Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Panksepp.&#039;&#039;&#039; Jaak Panksepp beschrieb in &#039;&#039;Affective Neuroscience&#039;&#039; (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zweierlei Staunen.&#039;&#039;&#039; Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrfurcht|Ehrfurcht]]: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Ordnung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultivierung.&#039;&#039;&#039; Die Entwicklung eines komplexen Seelenlebens musste kultiviert werden, so wie auch die Geschichte der Musik. Da gibt es einerseits Regeln und andererseits viele Stimmen und Dynamik. Und menschliche Kultur hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Es ist nämlich sonst instabil.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Mittel.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Gesetze&lt;br /&gt;
::* Mythen als Vorbild&lt;br /&gt;
::* Erziehung&lt;br /&gt;
::* Kultur, zum Beispiel Musik&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gelernt, nicht vorgegeben.&#039;&#039;&#039; Man kann einwenden, ein solches Seelenleben wäre instabil. Das ist ein Strohmann-Argument, weil es die Komplexität erst durch Kultur erlernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Älter als die Zivilisation.&#039;&#039;&#039; Das kam nicht erst mit der Zivilisation. Der größte Teil dieser sozialen Kultur wurde vermutlich schon vor dem Ackerbau entwickelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor dem Ackerbau.&#039;&#039;&#039; Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (um 9500 v. Chr.) zeigt große Steinkreise, die Jäger und Sammler vor dem Ackerbau errichtet haben. Christopher Boehm beschrieb 1999 in &#039;&#039;Hierarchy in the Forest&#039;&#039;, dass Jäger-Sammler-Gruppen Gleichheit durch Spott und Ächtung erzwingen. Smith u. a. fanden 2017 in &#039;&#039;Nature Communications&#039;&#039; bei den Agta, dass gute Geschichtenerzähler als Partner bevorzugt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Junge mit den Perlen.&#039;&#039;&#039; Bei Jägern und Sammlern gibt es ein Grab, in dem einem Jungen Perlen mitgegeben wurden, deren Herstellung etwa drei Jahre Arbeit entsprach. Das ist ein Beweis für die Herrschaft von Mythen. Diese Ausdauer ist nur möglich, wenn man an eine Geschichte glaubt. Status, Trauer und Pflicht können nur so lange anhalten, wenn es eine fortdauernde Geschichte dazu gibt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sungir.&#039;&#039;&#039; Das Grab liegt bei Sungir (Sunghir) in Russland und ist über 30.000 Jahre alt. Zwei Jugendliche liegen dort kopf an kopf, mit Elfenbeinperlen, Elfenbeinspeeren und rotem Ocker. Die Genetik zeigt, dass auch der als Mädchen gedeutete Jugendliche männlich war.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Grundlage der Kultur.&#039;&#039;&#039; Mythen sind die Grundlage jeder Kultur. Dadurch wird auch das Wissen weitergegeben. Das ist heute nicht anders: Bücher erzählen Geschichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erzählend gespeichert.&#039;&#039;&#039; Walter Ong beschrieb 1982 in &#039;&#039;Orality and Literacy&#039;&#039;, dass Kulturen ohne Schrift ihr Wissen in Erzählungen, Formeln und Rhythmus bewahren, weil man sich Geschichten merken kann. Nunn und Reid (2016) fanden in australischen Küstenerzählungen Erinnerungen an den Meeresanstieg, die mehr als 7.000 Jahre zurückreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Ich als Geschichte.&#039;&#039;&#039; Was man das Ich benennt, ist nur eine Geschichte, die sich im Laufe der Zeit aus den Erfahrungen gebildet hat. Und Menschen erzählen sich am Tag andauernd selbst, wer sie sind. Siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erzählte Identität.&#039;&#039;&#039; Dan McAdams beschrieb in &#039;&#039;The Stories We Live By&#039;&#039; (1993) die Identität als innere Lebensgeschichte, die ein Mensch fortlaufend schreibt. Daniel Dennett nannte das Selbst 1991 einen „Schwerpunkt der Erzählung“ (center of narrative gravity).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist das Begehren und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_5:_Noch_ohne_Ort&amp;diff=955</id>
		<title>Wesen 5: Noch ohne Ort</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_5:_Noch_ohne_Ort&amp;diff=955"/>
		<updated>2026-10-31T17:38:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Trotz: Stammbaum von Revierverhalten, zu Quengler&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, Wesen, die noch keinen Ort im Stammbaum haben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · &#039;&#039;&#039;Noch ohne Ort&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heuchler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, Achtung und moralisches Ansehen, ohne die entsprechenden Ansprüche selbst erfüllen zu müssen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gelegenheit, durch die Darstellung eigener Tugend Ansehen oder Vorteile zu gewinnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der Ruf ist gesichert. Oder er wird entlarvt, dann folgen Leugnen und Gegenangriff.&lt;br /&gt;
* Mimik: Mild und offen, die Augen weich, die Brauen betroffen hochgezogen. Das Lächeln bleibt, wenn der Blick kalt wird.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Hand auf der Brust, der Kopf leicht geneigt, die Stimme gesenkt.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Gesichter.&#039;&#039;&#039; Der Heuchler zeigt vor Publikum, was gut ankommt, und handelt anders, wenn niemand hinsieht. Das Wort kommt vom griechischen &#039;&#039;hypokrites&#039;&#039;, dem Schauspieler. Er spielt eine Rolle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Der Heuchler mit Gewissen.&#039;&#039;&#039; Er möchte als guter Mensch gelten, handelt aber entgegen seinen eigenen Maßstäben. Der Widerspruch erzeugt Unbehagen. Deshalb rechtfertigt er sein Verhalten, beschönigt es oder verdrängt unangenehme Tatsachen. Er muss nicht nur andere täuschen, sondern auch sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Der skrupellose Heuchler.&#039;&#039;&#039; Für ihn ist die Tugend eine Maske, die er nach Bedarf aufsetzt. Er kann genau wissen, dass er seine eigenen Forderungen nicht erfüllt. Das stört ihn nicht, weil für ihn nur zählt, ob die Darstellung ihren Zweck erfüllt. Er muss sich nicht einmal als guten Menschen betrachten. Es genügt, wenn andere das tun.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die entscheidende Besonderheit.&#039;&#039;&#039; Der Heuchler will den Lohn der Tugend ohne deren Kosten. Er möchte beispielsweise für Ehrlichkeit bewundert werden, ohne selbst auf die Vorteile des Lügens zu verzichten. Damit ist Heuchelei mehr als gewöhnliches Lügen: Sie benutzt gerade die moralischen Maßstäbe anderer Menschen als Mittel zum eigenen Vorteil.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Verhältnis zur Wahrheit.&#039;&#039;&#039; Hier unterscheidet er sich vom [[#Konstrukteur|Konstrukteur]]. Der Konstrukteur wählt Gründe danach aus, ob sie seine Überzeugung bestätigen. Er kann aufrichtig glauben, was er behauptet. Der Heuchler stellt dagegen Tugenden zur Schau, die sein tatsächliches Verhalten nicht bestimmen. Beide können zusammenwirken: Der Konstrukteur liefert die Rechtfertigungen, mit denen der Heuchler seine Widersprüche erklärt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Ich will ja niemanden verurteilen, aber …&lt;br /&gt;
:* Ich sage das nur, weil ich mir Sorgen mache.&lt;br /&gt;
:* Das würde ich nie tun.&lt;br /&gt;
:* Ich bin ja nicht so einer, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Prediger|Prediger]] glaubt seine Regel, auch wenn er sie selbst nicht einhält. Der Heuchler benutzt die Regel als Maske. Beim Prediger ist es Schwäche, beim Heuchler ist es Absicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Doppelmoral.&#039;&#039;&#039; Für andere gilt der strenge Maßstab, für ihn der milde. Er verurteilt am lautesten, was er selbst tut.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tartuffe in Molières gleichnamiger Komödie (1664) ist das Urbild. Im Neuen Testament nennt Jesus die Pharisäer „Heuchler“ (Matthäus 23).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Er täuscht am Ende sich selbst. Er glaubt seine Rolle und hält sich für gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Konstrukteur ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Hunger: Auf der Meinung zu beharren und nicht umzudenken. Eine Form von Revierverteidigung.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Einwand, der seine Meinung in Frage stellt. Ein schlüssiges Gegenargument.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der Einwand ist abgewehrt und die Meinung steht. Oder das Gespräch ist zu Ende.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ruhig, die Miene verschlossen. Bei einem Einwand ein kurzes Kopfschütteln, der Blick geht zur Seite oder durch den anderen hindurch. Das Kinn ist leicht gehoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Zurückgelehnt, die Arme verschränkt. Die Hand wischt den Einwand weg.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wahrheit zurechtbiegen.&#039;&#039;&#039; Der Konstrukteur biegt die Wahrheit zurecht, wie es ihm passt. Im Gegensatz zum [[#Heuchler|Heuchler]] ist es ihm gar nicht mehr bewusst. Er macht das automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gründe nach der Meinung.&#039;&#039;&#039; Er hat eine Meinung, und die Gründe, die er vorbringt, richten sich danach. Wenn man ein schlüssiges Gegenargument bringt, wiederholt er einfach seine Meinung: „Aber ich bin der Überzeugung …“ Gründe sind für ihn nicht etwas, um einen Standpunkt zu belegen, sondern um auf Einwände etwas zu sagen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Unbemerkt.&#039;&#039;&#039; Das Erstaunliche ist, dass die Leute in der Regel gar nicht bemerken, dass es keine stichhaltigen Gründe sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wer ihn zeigt.&#039;&#039;&#039; Meist unintelligente Leute. Die können keine Logik aufbauen und haben gelernt, auf Argumente mit Lauten zu antworten. Unbelehrbare Leute sind unbelehrbar. Es gibt aber auch intelligente Menschen, die das praktizieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Wesen?&#039;&#039;&#039; Ob hinter ihm ein einheitliches Motiv steht, ist offen. Der Typus ist so verbreitet, dass er aufgenommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nachtragender ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Dass das erlittene Unrecht nicht vergessen wird und der andere dafür einsteht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Kränkung oder ein Unrecht, das nie ausgeglichen wurde. Ein Anlass, der daran erinnert: dieselbe Person, derselbe Ton, ein Jahrestag.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der andere entschuldigt sich oder macht es wieder gut. Oder er leidet sichtbar. Ohne beides bleibt der Hunger.&lt;br /&gt;
* Mimik: Der Mund ist zusammengepresst, der Blick kühl und abgewandt. Bei der Erinnerung ziehen sich die Augen zusammen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Abgewandt, die Arme verschränkt. Er schweigt und hält Abstand.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gedächtnis.&#039;&#039;&#039; Der Nachtragende vergisst nichts. Er behält den Satz, den Tag und den Ton. Der andere hat es längst vergessen, für ihn ist es gegenwärtig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Das vergesse ich dir nie.&lt;br /&gt;
:* Weißt du noch, damals …&lt;br /&gt;
:* Ich sage ja nichts.&lt;br /&gt;
:* Ich bin nicht nachtragend, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vorwürfe.&#039;&#039;&#039; Außerdem macht er Vorwürfe.&lt;br /&gt;
:* Immer musst du …&lt;br /&gt;
:* Nie denkst du an mich.&lt;br /&gt;
:* Du hast damals …&lt;br /&gt;
:* Das hättest du wissen müssen.&lt;br /&gt;
:* Du bist schuld, dass …&lt;br /&gt;
:* Das ist wieder typisch für dich.&lt;br /&gt;
:* Nach allem, was ich für dich getan habe …&lt;br /&gt;
:Der Vorwurf unterscheidet sich von der Kritik: Die Kritik gilt der Sache und will eine Änderung. Der Vorwurf gilt der Person und will Schuld festschreiben. Er verwendet „immer“ und „nie“ und macht aus einem einzelnen Vorfall eine Eigenschaft des anderen. Er knüpft an die alte Geschichte an, damit der andere sich nicht entlasten kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Von der Rache unterschieden.&#039;&#039;&#039; Die Rache handelt: Sie schlägt zurück. Der Nachtragende handelt nicht. Er hält fest und wartet. Er zeigt es durch Kälte, Schweigen und die alte Geschichte, die bei jedem Streit wieder auftaucht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Buch.&#039;&#039;&#039; Er führt Buch über das, was der andere ihm schuldet. Jede neue Kränkung kommt dazu, und nichts wird abgeschrieben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Die Beziehung wird vergiftet. Der andere kann sich nicht mehr entlasten, weil er nicht weiß, was noch offen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spendabel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Hunger: Geben und dafür gesehen, bewundert oder geliebt werden. Die Freude daran, dass der andere sich freut.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Anlass zum Schenken: ein Fest, ein Gast, ein Wiedersehen. Eine Runde, die jemand ausgeben kann. Ein Publikum, das zusieht.&lt;br /&gt;
* Bannung: Die Gabe ist angenommen, der andere freut sich. Oder das Geld ist alle.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht strahlt, die Augen sind weit, ein breites Lächeln. Der Blick sucht die Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Offen, die Arme weit, die Handflächen nach oben. Die Hand greift zur Brieftasche oder zur Flasche.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Geben.&#039;&#039;&#039; Der Spendabel gibt mehr, als nötig wäre, und gibt gern. Er lädt ein, zahlt die Runde, schenkt mehr, als man erwartet. Das Geben selbst macht ihm Freude, nicht erst die Gegengabe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Das geht auf mich!&lt;br /&gt;
:* Lass mal, ich mach das.&lt;br /&gt;
:* Nimm doch, ich hab genug.&lt;br /&gt;
:* Ich lade dich ein.&lt;br /&gt;
:* Kein Problem, das schaff ich schon.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sammler unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben. Der Spendabel will geben. Beim Sammler ist die Entgleisung der Messi, beim Spendabel der Verschwender.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Preis.&#039;&#039;&#039; Wer gibt, schafft Bindung und Ansehen. Das ist der alte Brauch des Geschenks: Wer schenkt, verpflichtet den anderen. Marcel Mauss beschreibt das in „Die Gabe“ (1925).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Der Spendabel gibt über seine Verhältnisse. Er wird ausgenutzt, oder er bindet andere durch Schuld, ohne es zu wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kamerad ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Hunger: Zusammengehören durch das gemeinsame Tun. Sich aufeinander verlassen können, einer für den anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine gemeinsame Aufgabe, Gefahr oder Anstrengung. Zusammen etwas durchstehen: Dienst, Schicht, Training, Baustelle, Krieg.&lt;br /&gt;
* Bannung: Die Aufgabe endet und man geht auseinander. Oder man wird verraten. Dann zerfällt die Kameradschaft.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offen und ruhig, ein kurzes Nicken, ein trockenes Lächeln. Der Blick sagt: Ich bin da.&lt;br /&gt;
* Haltung: Schulter an Schulter, ein Klaps auf den Rücken, ein Handschlag. Man steht nebeneinander und nicht gegenüber.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verlässlichkeit.&#039;&#039;&#039; Der Kamerad hilft, ohne dass man bitten muss. Man lässt keinen zurück. Das gilt als selbstverständlich und wird nicht aufgerechnet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Ich bin dabei.&lt;br /&gt;
:* Ich hab dich.&lt;br /&gt;
:* Wir ziehen das zusammen durch.&lt;br /&gt;
:* Keiner bleibt zurück.&lt;br /&gt;
:* Einer für alle, alle für einen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Stammesbruder unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]] gehört zur selben Gruppe, durch Trikot, Fahne oder Dialekt, und stößt die Fremden aus. Der Kamerad gehört durch das gemeinsame Tun dazu und braucht keinen Feind außerhalb. Zwei Fremde können in einer Schicht Kameraden werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aus der Gefahr.&#039;&#039;&#039; Kameradschaft entsteht besonders unter Druck. Soldaten, Bergsteiger, Feuerwehrleute und Mannschaften beschreiben eine Bindung, die es sonst nicht gibt. Sie hält oft ein Leben lang, auch wenn man sich selten sieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Die Kameradschaft deckt Fehler. Man schweigt über das, was einer der Gruppe getan hat, und wer meldet, gilt als Verräter. Aus dem Zusammenhalt wird das Gesetz des Schweigens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mitleid ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Hunger: Dass das Leiden des anderen aufhört.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Leid eines anderen sehen oder hören: Weinen, eine Verletzung, ein Hilferuf. Besonders bei Kindern, Tieren und Schwachen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Man hilft oder tröstet, und das Leid hört auf. Oder man wendet sich ab, dann stumpft es ab.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Stirn ist gerunzelt, die Brauen sind innen hochgezogen, die Augen feucht. Der Kopf ist leicht geneigt.&lt;br /&gt;
* Haltung: Zugewandt und vorgebeugt. Die Hand liegt auf dem Arm des anderen oder auf der eigenen Brust.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Mitleiden.&#039;&#039;&#039; Man leidet mit. Der Körper spielt das Leiden des anderen nach, die Miene, die Haltung, der Schmerz in der Brust. Das ist derselbe Weg wie beim Nachäffen (siehe [[Grundlagen#Die Interessen der Dämonen|Das Nachäffen]]): Man spielt den anderen nach und fühlt ihn dadurch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Der Arme!&lt;br /&gt;
:* Das tut mir so leid.&lt;br /&gt;
:* Wie schrecklich.&lt;br /&gt;
:* Kann ich etwas tun?&lt;br /&gt;
:* Ich fühle mit dir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Beschützer unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] handelt und stellt sich vor das Kind. Das Mitleid fühlt zuerst. Aus ihm kann das Handeln folgen, es muss aber nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nahrung für die Drama Queen.&#039;&#039;&#039; Wer Mitleid weckt, bekommt Zuwendung. Die [[#Drama Queen/Heulsuse|Drama Queen]] lebt davon.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Gegenstimmen.&#039;&#039;&#039; Schopenhauer macht das Mitleid zur Grundlage der Moral (&#039;&#039;Über die Grundlage der Moral&#039;&#039;, 1840). Nietzsche sieht darin eine Ansteckung, die das Leiden vermehrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Das Mitleid wird zum Mitleiden ohne Ende, man trägt das Leid der anderen mit und geht daran zugrunde. Oder es wird herablassend: Man bedauert den anderen und stellt sich über ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Narzist ==&lt;br /&gt;
* Dasselbe Wesen wie die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]], eine andere Ausprägung. Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vasall ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Narzist|Narzist]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]&lt;br /&gt;
* Hunger: Teilhabe an der Macht.&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Souveränität (siehe [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Er schmeichelt nicht, weil er bewundert, sondern weil er an der Macht teilhaben will. Er lobt immer nach oben. Er folgt nur so lange, wie die Macht da ist. Das unterscheidet ihn vom [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Fan|Fan]], der den Menschen selbst verehrt, und von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]], der um Anerkennung für sich selbst bettelt. Der Vasall gibt Anerkennung und bekommt Macht dafür.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Am Hof.&#039;&#039;&#039; Der Senator Lindsey Graham nannte Donald Trump im Februar 2016 „a kook“, „crazy“ und „unfit for office“. Im Mai 2016 schrieb er: „If we nominate Trump, we will get destroyed.......and we will deserve it.“ Nach der Wahl wurde er einer von Trumps treuesten Verbündeten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Theophrast&#039;&#039;&#039; hat ihn um 319 vor Christus als den Schmeichler beschrieben: Er geht mit seinem Gönner spazieren und sagt: „Sieh nur, wie die Leute dich anschauen!“ Er zupft ihm einen Fussel vom Mantel. Wenn der Gönner spricht, bringt er die anderen zum Schweigen und ruft als Erster „Bravo!“. Über einen abgestandenen Witz lacht er, bis er sich den Ärmel in den Mund stopft. Kauft der Gönner Schuhe, sagt er: „Der Fuß ist schöner als der Schuh.“&lt;br /&gt;
:Nietzsche nennt unter dem, was die vornehme Art verachtet, „der bettelnde Schmeichler“ (&#039;&#039;Jenseits von Gut und Böse&#039;&#039; 260).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmarotzer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Lästerer|Lästerer]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]&lt;br /&gt;
* Hunger: Geltung, und den eigenen Vorteil.&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Souveränität. Ehre, Aufrichtigkeit, Wahrheit, direkt sein. Über andere lästert man nicht, außer über das, was wirklich falsch ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]]). Nietzsche zählt zu dem, was die vornehme Art verachtet, „der bettelnde Schmeichler, vor Allem der Lügner“, und: „&amp;quot;Wir Wahrhaftigen&amp;quot; - so nannten sich im alten Griechenland die Adeligen.“ (&#039;&#039;Jenseits von Gut und Böse&#039;&#039; 260.)&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Er nimmt und gibt nicht. Man gibt ihm, aber wenn man selbst etwas will, passiert nichts. Dazu lästert er über andere, die gerade nicht anwesend sind. Beides gehört zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahinter steht das Bedürfnis nach Geltung. Er weiß eigentlich, dass er nicht so gut ist, und das schmerzt. Diese Minderwertigkeitsgefühle muss er ausblenden, durch Lügen. Indem er andere kleiner macht, steht er selbst größer da. In der Gruppe kommt kaum jemand mit ihm aus, und keiner mag ihn.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Theophrast&#039;&#039;&#039; hat ihn um 319 vor Christus in den &#039;&#039;Charakteren&#039;&#039; beschrieben, als den Unverschämten: Er bestiehlt einen Mann und kommt dann wieder, um sich bei ihm Geld zu leihen. Er nimmt Freunde ins Theater mit, zahlt seinen Anteil nicht und bringt am nächsten Tag noch seine Kinder und deren Lehrer mit. Er leiht sich beim Nachbarn Gerste und verlangt, dass man sie ihm nach Hause bringt. Auch bei Theophrast gehört das Lästern dazu: Er beschreibt einen, der Leuten ins Gesicht schmeichelt, über die er hinter ihrem Rücken herzieht, und bei dem die Geschäfte immer dann schlecht laufen, wenn ein Freund etwas leihen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eingeschnappt ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Hunger: Dass die Kränkung gesehen und anerkannt wird. Dass der andere merkt, was er angerichtet hat, und auf ihn zugeht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Bemerkung, die als Zurücksetzung oder Kritik ankommt, auch wenn sie nicht so gemeint war. Ein Scherz auf seine Kosten. Eine Einladung, die er nicht bekommen hat.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der andere entschuldigt sich und geht auf ihn zu. Ohne das verfliegt es nach einiger Zeit von selbst, oft, ohne dass es angesprochen wird.&lt;br /&gt;
* Mimik: Der Mund ist schmal, der Blick geht zu Boden oder an dem anderen vorbei. Die Mundwinkel hängen. Auf die Frage „Was ist los?“ kommt „Nichts.“&lt;br /&gt;
* Haltung: Abgewandt, die Schultern leicht hochgezogen, die Arme verschränkt. Er zieht sich in eine Ecke zurück.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Rückzug.&#039;&#039;&#039; Der Eingeschnappte reagiert auf die Kränkung mit Rückzug. Er wird still, antwortet knapp und sucht keinen Streit. Der andere soll selbst merken, was los ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Schon gut.&lt;br /&gt;
:* Mach nur.&lt;br /&gt;
:* Ich sage ja nichts.&lt;br /&gt;
:* Nein, nein, ist alles in Ordnung.&lt;br /&gt;
:* Ich bin nicht beleidigt.&lt;br /&gt;
:* Dann eben nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Nachtragenden unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der [[#Nachtragender|Nachtragende]] hält die Kränkung fest, über Wochen und Jahre, und führt Buch. Der Eingeschnappte ist kurz beleidigt, und es geht vorbei. Beim einen steht die Vergangenheit im Mittelpunkt, beim anderen der Augenblick.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Trotz unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Trotz verweigert, was verlangt wird. Der Eingeschnappte verweigert, was er sonst gibt: Gespräch, Lächeln, Nähe. Der Trotz ist laut, der Eingeschnappte ist leise.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Der Eingeschnappte wird zum Dauergekränkten. Der andere muss immer auf der Hut sein und sagt am Ende gar nichts mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drama Queen/Heulsuse ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Hunger: Tränen. Das Ergreifende, das Große, das Drama.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine schlimme Nachricht oder etwas Widriges, das jemand getan oder unterlassen hat, zum Beispiel nicht zum Geburtstag gratuliert.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen&lt;br /&gt;
* Haltung: Theatralisch. Die Hand an der Stirn oder auf der Brust, die Schultern fallen, der Kopf sinkt in die Hände.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Drama.&#039;&#039;&#039; Ein Problem wird extrem theatralisch groß aufgebauscht. Drama. Auch um andere zu etwas zu bewegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kopftheater.&#039;&#039;&#039; Kopftheater über etwas Widriges, das jemand getan oder unterlassen hat, zum Beispiel nicht zum Geburtstag gratuliert. Endlose Gedanken und Überlegungen zu Vergeltung: „Ich bin dir als Mensch egal.“ „Ich tue nichts mehr für dich.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mensch bezahlt.&#039;&#039;&#039; Dass ein Dämon sich von einem Gefühl ernährt, bedeutet nicht, dass der Mensch dieses Gefühl genießen muss. Die Drama Queen kann das Drama immer weiter antreiben, obwohl der Mensch darunter leidet. Ein Gedanke erzeugt Kränkung. Die Kränkung erzeugt neue Gedanken. Diese steigern wiederum die Kränkung. Man kommt aus dem Kopftheater nicht heraus, obwohl man sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich Ruhe zu haben. Der Dämon bekommt seine Nahrung. Der Mensch bezahlt dafür.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Drama als Inszenierung.&#039;&#039;&#039; Es gibt Menschen, die sich das Leben nehmen wegen des Dramas, das sie damit bei den anderen inszenieren. Es ist eine Art Rache, oder sie wollen Geltung. Sie spielen es wie ein Theaterstück durch, immer wieder. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] tut dasselbe.&lt;br /&gt;
:Das gilt nicht für alle Suizide. Viele entstehen aus Schmerz und Hoffnungslosigkeit, ohne Zuschauer.&lt;br /&gt;
:Beim Amok ist beides belegt. Die Täter spielen die Tat lange vorher in der Fantasie durch: In der Mehrzahl der untersuchten Fälle hatten jugendliche Täter intensive Gewaltfantasien und zuvor schwere Kränkungen erlebt, und die Opfer wählen sie nach der Art der Kränkung aus (Robertz 2007, nach dem [https://www.kriminalpraevention.de/infoangebote-des-dfk/news-archiv/news-im-detail/1175.html Forschungsüberblick des Deutschen Forums für Kriminalprävention]). Viele suchen dabei Ruhm: Lankford (2016) nennt sie [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1359178916300027 „fame-seeking rampage shooters“].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alles unnötig.&#039;&#039;&#039; Der andere hat gar nicht bemerkt, was er falsch gemacht hat. Menschen handeln halt unterschiedlich.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Passiv.&#039;&#039;&#039; Eine ganze Industrie erzeugt mit Drama und Cliffhanger Spannung: Literatur, Film, die Hälfte der Soap-Serien. Sie hat Erfolg, weil sie diesen Dämon nährt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dialoge und Inszenierungen.&#039;&#039;&#039; Die Drama Queen hat endlose Dialoge und Inszenierungen. Das kann zu einer Besessenheit werden ohne Pause, erst recht, wenn ein Groll sie befeuert. Wie in den Soap-Opera-Serien geht es um Ungerechtigkeiten und Intrigen. Alles, was aufregt. Die Autoren dieser Shows benutzen gezielt die Drama Queen, um das zu schreiben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Theaterregisseur.&#039;&#039;&#039; Das ist so ergreifend. Das ist so großartig! Die Drama Queen denkt sich Handlungen aus mit dramatischem Wandel, sie ist so was von kreativ. Sie ist ein Theaterregisseur. Die ganze Literatur wäre ja so langweilig ohne Drama Queen. Die Drama Queen ist ein einziger Cliffhanger.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Das passiert immer mir!&lt;br /&gt;
:* Ich kann nicht mehr!&lt;br /&gt;
:* Ihr versteht mich nicht!&lt;br /&gt;
:* Warum immer ich?&lt;br /&gt;
:* Das ist das Ende!&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Die Umgebung gewöhnt sich daran und nimmt es nicht mehr ernst. Wenn dann wirklich etwas ist, glaubt es niemand (Fabel vom Hirtenjungen, der „Wolf!“ ruft).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Flegel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]], [[#Trotz|Trotz]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Grober]]&lt;br /&gt;
* Hunger: Keiner eigener.&lt;br /&gt;
* Trigger: Keiner. Die Belehrung, die ihm regelmäßig begegnet, weckt allenfalls den Trotz. Sie ist nicht der Trigger des Flegels.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nur durch Druck, wo er empfindlich ist. Was das ist, ist individuell und hängt davon ab, was ihm wichtig ist. Er kann Manieren lernen, weil er die Gunst der Maid erlangen will ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Balz|Balz]]), oder weil die Gruppe ihn ausschließt ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]). Belehrung dagegen weckt beim Flegel aus Trotz nur den Trotz.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Dem Flegel fehlt die Form. Umgangsformen sind anerzogen, oder es gibt eine Veranlagung, sie sich selbst anzueignen. Er hat sie nie gelernt. Das Fehlen ist kein Motiv, aber der Typus ist verbreitet. Beim Flegel aus Trotz muss etwas da sein, das sich gegen Belehrung wehrt und abschottet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ἀγροικία: „Boorishness is ignorance of good form.“ Der Bauer in der Stadt trinkt starken Wein und geht dann in die Volksversammlung, spricht laut und trägt Stiefel, die zu groß sind. Er staunt über einen Ochsen oder eine Ziege, nascht aus der Speisekammer und trinkt den Wein unverdünnt. In der Stadt fragt er jeden Vorübergehenden nach dem Preis für Häute und Speck und singt im Bad.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Blick von oben.&#039;&#039;&#039; Wer die Form gelernt hat, trägt sie als Gespenst bei sich. Die Mutter hat einem beigebracht, beim Essen nicht den Ellbogen und Unterarm vor dem Teller aufzustützen: Wir sind keine Bauern. Wenn man es bei anderen sieht, steht das Gespenst daneben und sagt: Was für ein Pöbel. Die komplizierten Umgangsformen von Adel und Queen, Sitte und Etikette, sind die Steigerung davon.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Flegel hieß ursprünglich das Werkzeug zum Dreschen. Im 16. Jahrhundert wurde daraus der „Bauer, Grobian“, später „Mensch ohne Takt und Manieren, Lümmel“ (Pfeifer).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der eine Flegel hat die Form nie gelernt. Er kennt sie nicht und braucht keinen Widerstand dafür. Der andere ist ein Flegel aus Trotz. Er wurde regelmäßig belehrt, auch von anderen, und hat sich jahrelang widersetzt. Dazu gehört viel Energie. Das wird zur Gewohnheit, und die Gewohnheit nennt man Charakter. Verwandt sind der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]], der die eigene Art verteidigt, und der [[#Trotz|Trotz]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trotz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]] · zu [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Quengler|Quengler]]&lt;br /&gt;
* Der Trotz hat seine eigene Dynamik.&lt;br /&gt;
* Verwandt: Verachtung, Rache&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, ein Befehl, oder unterschätzt werden: „Das schaffst du nie.“&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Das Kind stampft mit dem Fuß auf und sagt: „Jetzt erst recht.“ Je mehr man es drängt, desto fester steht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Trotz sagt: „Euch zeige ich es.“ Er bettelt nicht um Anerkennung wie Wuff Wuff. Er will das Weltbild derer umwerfen, die sich überlegen fühlen, ohne verstanden zu haben.&lt;br /&gt;
* Schopenhauer legte seine Vorlesung in Berlin absichtlich auf dieselbe Stunde wie Hegel. Zu Hegel kamen zweihundert Studenten, zu ihm fast keiner. Er schrieb trotzdem weiter, jahrzehntelang ohne Leser.&lt;br /&gt;
* Wegener: Die Geologen lachten über seine wandernden Kontinente. Er hielt fest. Dreißig Jahre nach seinem Tod bewies die Plattentektonik, dass er recht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Menschenfreund ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: noch ohne Ort&lt;br /&gt;
* Gemeint ist der soziale Menschenfreund.&lt;br /&gt;
* Verwandt: Beschützer, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Tröster]], Mitleid. Zu unterscheiden vom Moralisten.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: das Helfersyndrom im engen Sinn. Es braucht den Hilflosen, um sich wertvoll zu fühlen, und wird unruhig, wenn der andere selbständig wird. Selten.&lt;br /&gt;
* Trigger: jemand in Not, ein Hilferuf.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Gütige Menschenfreunde, die ungelogen Menschen Gutes tun wollen. Es gibt viele Ärzte und Pfleger, die es glücklich macht, anderen zu helfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; einem anderen helfen. &#039;&#039;&#039;Sättigung:&#039;&#039;&#039; Der Patient geht gesund nach Hause, und er freut sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angelegt:&#039;&#039;&#039; Ein Erwachsener hängt Wäsche auf, lässt eine Klammer fallen und greift vergeblich danach. Ein anderthalbjähriges Kind krabbelt hin, hebt die Klammer auf und gibt sie ihm, ohne dass jemand es bittet oder lobt. Und in einem Versuch bekamen Leute morgens Geld, die einen sollten es für sich ausgeben, die anderen für jemand anderen. Am Abend waren die glücklicher, die es verschenkt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Henry Dunant&#039;&#039;&#039; geriet 1859 als Geschäftsreisender in die Schlacht von Solferino. Auf dem Schlachtfeld lagen Zehntausende Verwundete. Er organisierte Frauen aus den Dörfern, die sie versorgten, Freund und Feind gleich: „Tutti fratelli“, alle sind Brüder. Daraus wurde das Rote Kreuz. Dunant verarmte darüber und lebte zuletzt vergessen in einem Altersheim in der Schweiz. Dort erfuhr er, dass er 1901 den ersten Friedensnobelpreis bekam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Drei verschiedene Wesen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der Moralist braucht einen Schuldigen. Gibt es keinen, sucht er einen. Er stammt über Folterer, Piesacker und Hexe vom Vampir ab. Nietzsche: „Misstraut Allen, in welchen der Trieb zu strafen mächtig ist!“&lt;br /&gt;
* Der Menschenfreund braucht einen, der Hilfe braucht. Gibt es keinen, ist er zufrieden.&lt;br /&gt;
* Das Helfersyndrom im engen Sinn braucht den Hilflosen, um sich wertvoll zu fühlen. Wird der andere selbständig, wird es unruhig (Wolfgang Schmidbauer, Die hilflosen Helfer, 1977). Eine seltene Entgleisung des Menschenfreunds, wie der Messi beim Sammler.&lt;br /&gt;
Prüfstein: Was tut er, wenn niemand schuldig ist und niemand Hilfe braucht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_4:_Leib,_Nest_und_Lust&amp;diff=954</id>
		<title>Wesen 4: Leib, Nest und Lust</title>
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		<updated>2026-10-31T17:38:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Rammler heißt jetzt Begehren; Revierverhalten: Dasselbe Zeichen, Besitz im Tierreich; zu Trotz&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die übrigen Wurzeln unter HOMO.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · &#039;&#039;&#039;Leib, Nest und Lust&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wuff Wuff (betteln um Anerkennung) ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Streber&lt;br /&gt;
* Die bettelnde Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HOMO ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Odem, Durst, Sunny, Balz, Elter, Sammler, Putz, Urschlummer, Beutetier, Hunger/Schlemmer, Raubtier, Herde, Begehren, Elf&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Odem ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Durst ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sunny ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hunger/Schlemmer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekel, Schmauß, Schmatz, Schmack, Trank, Mijam&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Völlerei), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekel ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Ekel]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Horror, Öde, Verachtung, Nase rümpfen, Hass&lt;br /&gt;
* Spruch: „Pfui“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Verdorbene und Verunreinigte vom Mund und vom Körper fernhalten. Der Dämon will, dass es weg ist, oder dass man selbst weg ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kot, Erbrochenes, Aas, Schimmel, Maden, Schleim, fremde Körperflüssigkeiten. Dazu alles, was damit in Berührung kam.&lt;br /&gt;
* Bannung: Abstand oder Reinigung. Er beruhigt sich, wenn das Ekelhafte weg ist oder man sich gewaschen hat.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Nase ist gerümpft, die Oberlippe nach oben gezogen, der Mund verzogen, oft wird die Zunge herausgestreckt oder es würgt.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf geht zurück, der Körper dreht sich weg, die Hände wehren ab. Man hält Abstand.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rangordnung und Reinheit.&#039;&#039;&#039; In vielen Kulturen oder Religionen wird eine Rangordnung gemacht: Reinheit, oder der Reine, im Gegensatz zum Unreinen. Bevor sich das vergeistigt hat, war das nichts Symbolisches. Das steht schon bei Nietzsche. Jedenfalls beinhaltet der Ekel eine Abscheu mit Blick auf den Unreinen, und darin ist eine Rangordnung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ja und Nein.&#039;&#039;&#039; Man sagt Ja und Nein und hält das für logische Kategorien. Aber letztendlich stammt das von körperlichen Reaktionen und basiert darauf und erhält auch heute noch daher den Sinn. Ekel ist eine Abwehr. Bei einem stärkeren Nein ist da auch Verärgerung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche schreibt in der &#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; ([http://www.thenietzschechannel.com/works-pub/gm/gm-1g.htm 1887, erste Abhandlung, §6]), dass „rein“ und „unrein“ sich zum ersten Mal als Ständeabzeichen gegenüberstehen. Man solle die Begriffe nicht symbolisch nehmen: Sie seien anfangs „grob, plump, äusserlich, eng, geradezu und insbesondere unsymbolisch“ verstanden worden. Der „Reine“ sei von Anfang an bloß „ein Mensch, der sich wäscht, der sich gewisse Speisen verbietet, die Hautkrankheiten nach sich ziehen, der nicht mit den schmutzigen Weibern des niederen Volkes schläft, der einen Abscheu vor Blut hat“. Dumont ([https://books.google.com/books/about/Homo_Hierarchicus.html?id=XsOtRGdvIigC &#039;&#039;Homo Hierarchicus&#039;&#039;]) beschreibt das indische Kastensystem durch den Gegensatz von rein und unrein: Die Brahmanen stehen für höchste Reinheit, die Unberührbaren für höchste Unreinheit. Mary Douglas (1966) bestimmt Schmutz als „matter out of place“, als Stoff am falschen Platz. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10234846/ 1999]) ordnen drei Gefühle drei Moralordnungen zu: Ekel gehört zur Verletzung der Ordnung von Reinheit und Heiligkeit, Ärger zur Autonomie, Verachtung zur Gemeinschaft. Royzman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24866519/ 2014]) fanden bei Verletzungen der Reinheitsordnung ohne Krankheitsbezug vor allem Ärger und nicht Ekel. Ob Ekel und Ärger dabei zusammenwirken oder sich ersetzen, ist umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Schutz vor dem, was man in den Mund nehmen würde.&#039;&#039;&#039; Rozin und Fallon ([https://psycnet.apa.org/record/1987-12972-001 1987]) definieren Ekel als Abscheu vor dem Gedanken, etwas Anstößiges in den Mund zu nehmen. Curtis, de Barra und Aunger ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3013466/ 2011]) sehen ihn als ein System, das vor Ansteckung schützt. Der Dämon ist also eine Wache an der Tür des Körpers.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Berührung zählt.&#039;&#039;&#039; Rozin, Millman und Nemeroff ([https://cognitionandculture.net/wp-content/uploads/89LawsSympMagicJPSP86-1wzdvkv.pdf 1986]) ließen Versuchspersonen Saft trinken. Hatte eine sterilisierte tote Kakerlake ihn kurz berührt, wurde er abgelehnt. Auch Schokolade in der Form von Hundekot wollten viele nicht essen, obwohl sie wussten, was es war. Der Dämon fragt nicht nach Wissen. Er reagiert auf die Berührung und auf die Ähnlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel vor Menschen und Taten.&#039;&#039;&#039; Chapman u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251631/ 2009]) fanden, dass bittere Geschmäcker, Bilder von Verschmutzung und unfaire Angebote in einem Spiel denselben Gesichtsmuskel (Levator labii) aktivierten, der die Oberlippe hebt. Moralischer Ekel benutzt also dieselbe Mimik wie Ekel vor Essen. Von dort kommt die Spur zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] und [[#Nase rümpfen|Nase rümpfen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird übertragen.&#039;&#039;&#039; Die Reaktion von Ekel wurde übertragen und zeigt sich nicht nur in Bezug auf Speisen oder Schmutz, sondern als Abscheu vor Verbrechern oder Minderheiten. Auch das Nase rümpfen gehört dazu. Eine ursprüngliche körperliche Reaktion wurde kultiviert und wird für verschiedene Funktionen eingesetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel wird gelernt.&#039;&#039;&#039; Interessant ist auch, dass das Objekt des Ekels teilweise erst durch die Mutter erlernt wird, zum Beispiel Regenwürmer oder Ausscheidung. „Iiiih. Das ist ekelhaft. Fass das nicht an.“ Das ist direktes Lernen. Das Kind sieht die körperliche Reaktion der Mutter, den Abscheu im Gesicht, und lernt den Ekel vor dem Objekt aus diesem Vorbild. So wird diese Verknüpfung erlernt.&lt;br /&gt;
:Rozin, Haidt und Fincher ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19251619/ 2009], „From Oral to Moral“) vertreten, dass Ekel als Ablehnung schlechter Geschmäcker begann und sich zu einer abstrakten Emotion ausdehnte. Tybur u. a. ([https://www.ovid.com/00006832-201301000-00003 2013]) schreiben, dass Ekel zunächst die Vermeidung von Krankheitserregern motivierte und später für die Vermeidung von Sexualkontakt und für moralische Verstöße genutzt wurde. Die Fachwörter dafür sind „Preadaptation“ und „Co-optation“. Harris und Fiske ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17100784/ 2006]) zeigten Versuchspersonen im Scanner Bilder von Obdachlosen und Süchtigen. Nach den Zusammenfassungen fehlte dabei die übliche Aktivierung für das Denken über andere Menschen, dafür waren Amygdala und Insula aktiv; die Insula gilt als Ekelregion. Stevenson u. a. ([https://researchers.mq.edu.au/en/publications/childrens-response-to-adult-disgust-elicitors-development-and-acq/ 2010]) untersuchten Kinder von 0 bis 18 Jahren: Kernauslöser wie Kot erscheinen zuerst, Eltern kleiner Kinder zeigten ihren Kindern mehr Ekel und mehr Meidung, und die Reaktion der Kinder auf Tiere und auf sozial-moralische Auslöser entsprach der Reaktion der Eltern. Für Kot nennt die Zusammenfassung diesen Zusammenhang nicht, und kleine Kinder ohne Wissen über Ansteckung reagierten auf Kernauslöser ebenso stark wie Gleichaltrige mit diesem Wissen. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3740830/ 1986]) fanden bei Kindern ab 16 Monaten, dass die Jüngsten mehr Ekelhaftes annahmen, die Mehrheit aber das meiste ablehnte. Dass das Kind den Ekel von der Mimik der Mutter lernt, ist mit diesen Studien nicht direkt nachgewiesen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ekel ist angeboren.&#039;&#039;&#039; Der Ekel gehört natürlich zu den Urdämonen. Der Psychologe Paul Ekman hat bei Naturvölkern dieselbe Mimik des Ekels dokumentiert wie bei uns. Also ist sie angeboren. Jemand las einen Text. In Zeitlupe war im Gesicht die Mimik starker Abscheu zu sehen. Das war ein Mikroausdruck von Ekel: die Abwehr im Augenblick, in dem eine Textstelle nicht verstanden wurde.&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Mimik des Ekels und das Deuten dieser Mimik sind zu trennen. Zur Mimik: Matsumoto und Willingham ([https://www.eurekalert.org/news-releases/695433 2009]) fanden bei Athleten der Paralympics 2004, die von Geburt an blind waren, dieselben spontanen Gesichtsausdrücke wie bei sehenden Athleten. Ich kenne nur Zusammenfassungen. Ob Ekman bei den Fore auch selbst gezeigte Ekel-Mimik dokumentiert hat, konnte ich nicht belegen. Zum Deuten: Ekman, Sorenson und Friesen (1969, &#039;&#039;Science&#039;&#039; 164) ließen Fore und Sadong Gesichtsausdrücke zuordnen. Die Fore erkannten den Ausdruck für Ekel und Verachtung zu 29 % (Pidgin) bzw. 44 % (Fore-Sprache), die Sadong wählten am häufigsten „Trauer“ (26 %) und „Freude“ (23 %). Ekman und Friesen (1971, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 17) gaben den Fore Geschichten und drei Gesichter zur Wahl: Erwachsene wählten das Ekel-Gesicht zu 77 % bzw. 89 % (Zufall: 33 %), Kinder bei zwei Gesichtern zu 95 % bzw. 78 % (Zufall: 50 %). Ich kenne die Zahlen aus einem Lehrbuch (Yarwood), das die Tabellen wiedergibt. Das Deuten gelingt beim Ekel also schlechter als bei Freude. Gegenposition: Barrett u. a. (2019) bestreiten, dass sich Gefühle verlässlich aus dem Gesicht lesen lassen. Zum Mikroausdruck beim Nichtverstehen habe ich keine Studie gefunden. Rozin und Cohen ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12899317/ 2003]) fanden bei Amerikanern im Alltag häufig Ausdrücke, die sie als Verwirrung, Konzentration und Sorge deuteten; Verwirrung hat dort einen eigenen Ausdruck. Rozin u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8014832/ 1994]) beschreiben verschiedene Ekel-Gesichter für verschiedene Auslöser. Pochedly u. a. fanden, dass das Gefühl, das man dem Naserümpfen zuschreibt, davon abhängt, welche Gesichter vorher gezeigt wurden. Ich kenne alle drei nur aus den Zusammenfassungen. Der Ekel beim Nichtverstehen bleibt damit eine Beobachtung; sie passt zu „Der Ekel wird übertragen“. Zu Urgefühlen, Mikroausdrücken und Verhör siehe [[Grundlagen#Das Unbewusste|Das Unbewusste]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kinder.&#039;&#039;&#039; [[#Öde|Öde]] ist der Ekel vor dem Geschmacklosen. [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] entsteht aus Ekel und [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; Wer Menschen mit „Ungeziefer“ oder „Dreck“ belegt, ruft den Ekel gegen sie. Dann wird aus der Hygiene eine Ausgrenzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Öde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Nörgler&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nase rümpfen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel · zu Lästerer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmauß ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmatz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmack ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mijam ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hunger/Schlemmer · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Balz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Liebe, Eifersucht&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aphrodite ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit und Anmut eines Menschen, ohne dass man den Akt beabsichtigt oder sich ihn ausmalt. Man fühlt sich in der Nähe dieses Menschen gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes. Schönheit stimuliert, und vielleicht gehört etwas Verliebtheit dazu. Man will für die Verehrte etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Aber etwas Nichtmaterielles will man doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Getrennt vom Begehren.&#039;&#039;&#039; Die sexuelle Absicht ist davon getrennt, auch wenn sie oft folgt. Umgekehrt gibt es Männer, die jede nehmen, die die Reize hat, unabhängig vom Charakter der Frau, sobald die Gelegenheit da ist. Das ist das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hindernisse.&#039;&#039;&#039; Was die Verehrung verhindern kann, ist bei jedem anders, etwa Falschheit oder Einbildung. Wer sie beim anderen findet, kann ihn nicht mehr verehren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Macht.&#039;&#039;&#039; Aphrodite ist mächtig und verbreitet. Die halbe Zivilisation hängt davon ab, von Mode und Kosmetik bis zu Kunst, Musik und Architektur, und es wird viel dafür getan, selbst bewundert zu werden oder Schönheit zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Liebe ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Beschützer, Verehrung/Bewunderung · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Liebe ist, dass einem der andere wichtig ist und man ihn schützen will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] hat dabei eine ganz starke Rolle. Die Liebe kann eine sexuelle Komponente haben, aber die kann auch fehlen. Die Mutter liebt ihr Kind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Liebe und Begehren.&#039;&#039;&#039; Begehren gibt es auch ohne Liebe, und Liebe auch ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Wo beides zusammenkommt, ist es [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Und die Bewunderung.&#039;&#039;&#039; Die Liebe hat auch von der Verehrung etwas, vom Staunen über den anderen. Die Bewunderung der Schönheit ist [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eifersucht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Balz, Sammler, Zorn, Verehrung/Bewunderung, Revierverhalten/Gebiet, Elter · zu Stalker&lt;br /&gt;
* Der Kern ist das Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: der Rivale; der Blick des geliebten Menschen zu einem Dritten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kern:&#039;&#039;&#039; Die Gefahr, eine Bindung zu verlieren, und zwar an einen Rivalen. Das ist Revierverhalten: Ein Rivale dringt in mein Revier ein, und das Revier ist hier eine Bindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Älter als Balz und Besitz:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Die Mutter spielt liebevoll mit einer lebensechten Puppe statt mit ihrem sechs Monate alten Baby. Das Baby wird unruhig und unglücklich, deutlich mehr, als wenn die Mutter nur in ein Buch schaut. Ein Säugling hat keine Balz und keinen Begriff von Besitz.&lt;br /&gt;
* Der Besitzer streichelt einen Stoffhund, der bellt und mit dem Schwanz wedelt. Viele Hunde drängen sich dazwischen, manche schnappen nach dem Stoffhund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es gibt verschiedene Arten von Eifersucht, je nach Art der Bindung:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Liebenden&#039;&#039;&#039;, von der Balz: der Nebenbuhler. Das Kleinlibellen-Männchen hält das Weibchen nach der Paarung mit seinen Zangen am Hals fest und fliegt mit ihr im Tandem, während sie die Eier ablegt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen Geschwistern&#039;&#039;&#039;, vom Elter: Ein Baby kommt nach Hause, und das ältere Kind, zwei oder drei Jahre alt, will plötzlich wieder die Flasche und macht wieder ins Bett. Josef: Jakob liebt ihn mehr als die anderen Söhne und schenkt ihm einen bunten Rock. Die Brüder werfen ihn in eine Grube und verkaufen ihn. Es geht um die Gunst des Vaters.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um Besitz&#039;&#039;&#039;, vom Sammler: „Er gehört mir.“ „Meine Frau.“ „Mein Schatz.“ Was man hat, gibt man nicht her.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Um einen Verehrten&#039;&#039;&#039;, von der Verehrung: Der Lieblingsschüler des Meisters wird von den anderen beneidet. Der Fan ist eifersüchtig auf die Freundin des Stars.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Ausbruch&#039;&#039;&#039;, vom Zorn: wenn der Rivale da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wertlosigkeit und Zurückweisung:&#039;&#039;&#039; Man hat auch ein Gefühl der Wertlosigkeit, der Zurückweisung, wenn der besondere Mensch einen anderen vorzieht. Der Rivale nimmt nicht nur den Menschen weg. Er sagt durch seine bloße Existenz: Du bist weniger wert als ich. Im Kopf kreist die Frage: „Was hat er, was ich nicht habe?“ Man vergleicht sich und verliert. Das liegt nahe bei Schmach und Scham.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eifersucht und Neid:&#039;&#039;&#039; Eifersucht fürchtet zu verlieren, was man hat, an einen Rivalen. Neid will haben, was der andere hat. Das Gefühl der Wertlosigkeit entsteht im Vergleich mit dem Rivalen. Da treffen sich beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird nicht bewertet. Eifersucht hat man in allen Kulturen gefunden, in denen man danach gesucht hat. Sie ist natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Venus ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Liebe, Mijam, Begehren, Kuschel · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Venus ist die Liebe mit Begehren. Zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] kommen das [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Begehren|Begehren]], der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Kuschel|Kuschel]] mit der Lust an der Berührung und der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Mijam|Mijam]] mit der Lust am Genuss. Alle diese Teile gibt es auch einzeln. Begehren gibt es ohne Liebe, und Liebe ohne Begehren. Das eine kann dem anderen folgen oder ausbleiben. Begehren kann die Liebe verstärken. Venus ist der Fall, in dem alles zusammenkommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]] bewundert die Schönheit, ohne den Akt zu beabsichtigen. Das Begehren nimmt, was die Reize hat, ohne Rücksicht auf den Charakter. Venus verbindet die Liebe mit dem Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begehren ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Ekstase, Venus&lt;br /&gt;
* Entgleisung: die Gier (Wollust), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ekstase ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Begehren · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elter ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Beschützer, Nestbau, Eifersucht, Beschwichtiger&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschützer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Krieger · zu Liebe&lt;br /&gt;
* Hunger: Für ein Wesen sorgen. Das gibt Erfüllung und Sinn: Für jemand anderen zu sorgen, ist das, was die Frau meint, die verzweifelt Kinder bekommen möchte. Es ist auch ein Instinkt, der für den Fortbestand da ist. Eltern freuen sich über ihre Kinder. Auch der Enkel ist für die Großeltern ein großes Glück und eine Erfüllung. Eltern berichten etwas mehr Sinn im Leben als Nichteltern, bei Frauen deutlicher (Apostolou u. a. 2026). Eltern leben im Alter länger als Kinderlose, ab 60 etwa 2 Jahre bei Männern und 1,5 Jahre bei Frauen (Modig u. a. 2017). Großeltern, die Enkel betreuen, sind zufriedener (SHARE, 95.594 Befragte) und haben ein um 37 % niedrigeres Sterberisiko (Hilbrand u. a. 2017). Das Betreuen ist dabei der Faktor, nicht das bloße Dasein der Enkel.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit. Das Kindchenschema wirkt, die Bambi-Augen, auch bei Männern. Andere Tiere haben andere Trigger, bei Vögeln der aufgesperrte Schnabel der Jungen. Fremde Kinder sind auch süß, führen aber nicht zu dieser Fürsorge. Das hängt davon ab, ob man sich verbunden fühlt, und in der Regel gibt es am Anfang eine Prägung. Babys mit stärkerem Kindchenschema werden als süßer bewertet und wecken mehr Fürsorge (Glocker u. a. 2009). Bei Gull-Küken ist es der rote Fleck am Schnabel der Eltern (Tinbergen und Perdeck 1950). Mütter erkennen ihr Neugeborenes nach kurzem Kontakt am Geruch (Kaitz u. a. 1987). Bei Frauen wirken große Augen attraktiv (Cunningham 1986).&lt;br /&gt;
* Bannung: Durch Enttäuschung oder Zurückweisung. Eltern verstoßen ihren Sohn, wenn er in ihrer Vorstellung missraten ist: faul, frech, undankbar. Dazu gehört aber einiges. Meist bleibt die Mutterliebe trotzdem bestehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Pflege.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer pflegt die Nachkommen, das ist seine primäre Aktivität. Eltern opfern dafür sehr viel Zeit und Energie. Zu den Diensten gehören: Sicherheit im Heim (siehe [[#Nestbau|Nestbau]]), Ernährung, Lehre, Trost und Forderung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ernährung.&#039;&#039;&#039; Kohlmeisen-Eltern fliegen etwa 12 bis 15 Mal pro Stunde ans Nest (Barba u. a. 2009).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lehre.&#039;&#039;&#039; Bei Erdmännchen entschärfen Helfer Skorpione und geben den Jungen mit dem Alter lebendere Beute (Thornton und McAuliffe 2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trost.&#039;&#039;&#039; Junge Rhesusaffen klammerten sich an eine Stoffmutter und liefen bei Schreck zu ihr, auch wenn eine Drahtmutter sie fütterte (Harlow).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Forderung.&#039;&#039;&#039; Eltern, die warm sind und klare Regeln begründet fordern, haben die günstigsten Folgen für die Kinder (Baumrind).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Aufwand.&#039;&#039;&#039; Eltern von zwei Kindern wenden etwa 7,5 Stunden am Tag auf (Bryant und Zick 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verteidigung.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer spricht zuerst in Sorge:&lt;br /&gt;
:* Bist du warm genug angezogen?&lt;br /&gt;
:* Zieh dich warm an!&lt;br /&gt;
:* Isst du auch genug?&lt;br /&gt;
:* Fahr vorsichtig!&lt;br /&gt;
:* Ruf an, wenn du angekommen bist!&lt;br /&gt;
:* Warum meldest du dich nicht, ist was passiert?&lt;br /&gt;
:* Ich mach mir doch nur Sorgen.&lt;br /&gt;
:* Ich meine es doch nur gut mit dir.&lt;br /&gt;
:Dann in Zusagen:&lt;br /&gt;
:* Egal wann, egal von wo, egal was ist: Du rufst mich an und ich komme dich holen.&lt;br /&gt;
:* Du kannst IMMER nach Hause zurückkommen; wir werden immer für dich da sein!&lt;br /&gt;
:* Ganz egal, was passiert oder was du tust: Ich werde dich immer lieben!&lt;br /&gt;
:* Keine Angst, ich bin bei dir.&lt;br /&gt;
:* Dir passiert nichts, solange ich hier bin.&lt;br /&gt;
:* Ich passe auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Pass auf dich auf.&lt;br /&gt;
:* Du musst da nicht allein durch.&lt;br /&gt;
:* Komm, ich helfe dir.&lt;br /&gt;
:* Ich lasse dich nicht im Stich.&lt;br /&gt;
:* Du kannst dich auf mich verlassen.&lt;br /&gt;
:* Ich kümmere mich darum.&lt;br /&gt;
:* Solange ich da bin, wird keiner zurückgelassen.&lt;br /&gt;
:In der Verteidigung:&lt;br /&gt;
:* Lass ihn in Ruhe!&lt;br /&gt;
:* Niemand tut dir etwas.&lt;br /&gt;
:* Stell dich hinter mich.&lt;br /&gt;
:* Wenn du Streit willst, dann mit mir.&lt;br /&gt;
:* Leg dich mit jemandem an, der sich wehren kann!&lt;br /&gt;
:* Do not touch my kid.&lt;br /&gt;
:* don&#039;t touch peoples kids&lt;br /&gt;
:* yeah, I&#039;m not going to hand her over&lt;br /&gt;
:* ok but not HIS MOM&lt;br /&gt;
:Und wenn er zu weit geht:&lt;br /&gt;
:* Ich weiß, was gut für dich ist.&lt;br /&gt;
:* Das ist zu gefährlich für dich.&lt;br /&gt;
:* Lass mich das lieber machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mit dem Krieger.&#039;&#039;&#039; Der Beschützer arbeitet mit dem Krieger zusammen. Eine Mutter kämpft auch gegen stärkere Feinde und entwickelt dabei Kräfte, die sie oft gewinnen lassen. Da schlägt auch ein Vogel einen starken Greifvogel in die Flucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überbehütung.&#039;&#039;&#039; Die Mutter will das Kind schützen und lässt ihm deshalb keinen Auslauf. Keine Erfahrung, die gefährlich sein könnte. Oder sie kaut ihm alles vor und schreibt ihm vor. Auch will sie nicht loslassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sie bewirkt.&#039;&#039;&#039; Das Kind lernt nicht, was es sich zutrauen kann. Wer nie hingefallen ist, kennt den Schmerz nicht und weiß nicht, wie man wieder aufsteht. Wer nie selbst entscheiden durfte, hat das Entscheiden nicht geübt und fragt weiter die Mutter. Es bleibt abhängig von ihr. Und weil sie nicht loslässt, kommt es auch später schwer los.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum sie nicht loslässt.&#039;&#039;&#039; Der Hunger des Beschützers bleibt, wenn das Kind selbstständig wird. Es fehlt ihm die Nahrung: jemand, für den er sorgen kann. Also hält die Mutter das Kind klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn die Kinder gehen.&#039;&#039;&#039; Die Kinder ziehen aus. Das Zimmer ist leer. Niemand muss mehr geweckt, bekocht und erinnert werden. Der Hunger bleibt, es fehlt die Nahrung. Manche Mütter rufen dann weiter täglich an und fragen, ob das Kind genug gegessen hat. Andere wenden sich den Enkeln zu, einem Haustier oder einer Aufgabe, in der sie für andere sorgen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn das Kind stirbt.&#039;&#039;&#039; Dann bleibt der Hunger bei einem Wesen, das nichts mehr zu versorgen hat. Manche Eltern lassen das Zimmer jahrelang so, wie es war. Das Sorgen hört nicht auf, es geht ins Leere. Viele Eltern sagen, das sei das Schlimmste, was ihnen geschehen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nestbau ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter, Sammler · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nest als Revier.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Das Gesetz kennt den Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird (§ 123 StGB).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es betreten wird.&#039;&#039;&#039; Einbruchsopfer reagieren mit Wut (72 %), Schlafstörungen (57 %) und Angst (39 %), viele fühlen sich verletzt (Victim Support 2005, 545 Opfer). Etwa ein Viertel ist ernsthaft erschüttert, nach über einem Monat hat sich nur ein Drittel erholt (British Journal of Criminology 1980, 322 Opfer).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Singvögel markieren ihr Revier mit Gesang, viele Säugetiere mit Duftmarken. Reicht die Ankündigung nicht, folgen Verfolgung und Kampf. Bei Möwen in Kolonien ist das Revier nur das Nest selbst. Wolfsrudel verteidigen das Gebiet, in dem sie jagen und leben (Britannica).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu.&#039;&#039;&#039; Das Revier dient der Brutpflege, ungestörter Paarung, der Nahrung für die Jungen und dem Abstand zu Artgenossen (Britannica).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschwichtiger ==&lt;br /&gt;
* Auch: Tröster&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elter · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe. Dass der Sturm sich legt, in einem selbst oder im anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Stress, Schmerz, Aufregung, die eigene oder die eines anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Das Kind hat sich wehgetan. Die Mutter nimmt es auf den Arm und sagt: „Ist ja gut, ist gleich vorbei.“ Das wiederholt sich, bis das Kind diese Stimme selbst hat. Der Beschwichtiger ist der Tröster, der nach innen gewandert ist. Er spricht zu einem selbst, wie damals die Eltern gesprochen haben. Weil man ihn hat, kann man ihn auch anderen leihen: Er tröstet, besänftigt, entschärft einen Streit. Er wirkt in beide Richtungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei den Tieren.&#039;&#039;&#039; Wenn die Lage gespannt ist, gähnt der Hund, wendet den Kopf ab, schnüffelt am Boden oder leckt sich über die Nase. Die Hundetrainerin Turid Rugaas nennt das Beschwichtigungssignale. Schimpansen suchen nach einem Kampf den Kontakt: Die Gegner versöhnen sich mit einem Kuss, und ein Dritter umarmt den, der angegriffen wurde (de Waal und van Roosmalen 1979).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Die richtigen Sprüche sind wie ein Mantra und nehmen den Stress erst mal raus. Das muss man lernen und sich aneignen: Sich selbst in stressigen Momenten zu beruhigen.&lt;br /&gt;
:* Das ist ein lösbares Problem&lt;br /&gt;
:* Bleib cool&lt;br /&gt;
:* Morgen geht die Sonne auch noch auf&lt;br /&gt;
:* Es gibt Schlimmeres&lt;br /&gt;
:* Immer mit der Ruhe&lt;br /&gt;
:* Alles wird gut. Es wird alles gut.&lt;br /&gt;
:* Man muss das kosmisch sehen&lt;br /&gt;
:* Scheiß drauf&lt;br /&gt;
:* dumm gelaufen&lt;br /&gt;
:* Morgen lach` ich darüber&lt;br /&gt;
:* Immer schön der Reihe nach&lt;br /&gt;
:* Und wenn schon&lt;br /&gt;
:* Auch das geht vorbei&lt;br /&gt;
:* Irgend ne Scheiße hat man immer am Hacken&lt;br /&gt;
:* Eins nach dem Anderen&lt;br /&gt;
:* Erst mal schauen&lt;br /&gt;
:* Notfalls hole ich mir Hilfe&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie die Sprüche wirken.&#039;&#039;&#039; Sie schaffen Abstand. Abstand in der Zeit: „Morgen lach` ich darüber“, „Auch das geht vorbei“. Abstand im Raum: „Man muss das kosmisch sehen“, „Es gibt Schlimmeres“. Sie zerlegen den Berg: „Eins nach dem Anderen“, „Erst mal schauen“. Oder sie lassen los: „Scheiß drauf“, „Und wenn schon“. Bei „dumm gelaufen“ ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Kobold|Kobold]] nicht weit. Der Psychologe Ethan Kross hat gezeigt, dass schon die Form des Selbstgesprächs zählt: Wer unter Stress mit sich spricht wie mit einem anderen, mit dem eigenen Namen oder mit „du“ statt „ich“, hat weniger Angst und grübelt danach weniger (Kross u. a. 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne ihn.&#039;&#039;&#039; Ohne Beschwichtiger gerät man in Dauerstress oder Panik. Er beruhigt andere oder sich selbst. Auch Sportler sprechen sich vor der Leistung Mut zu. Muhammad Ali verkündete: „Ich bin der Größte.“ Er sagte, er habe es gesagt, noch bevor er es wusste, und es so oft wiederholt, bis die Welt es glaubte (Ali Center, „In His Own Words“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herde ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Stammesbruder&lt;br /&gt;
* Trigger: Gefahr, und vor allem die Flucht der anderen. Wenn einer rennt, rennen alle.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Die Herde ist die Wurzel und biologische Grundlage. Ohne diesen Instinkt gäbe es kein Stammesverhalten. Nietzsche nannte es den Herdentrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gleichheit schützt, Abweichung ist gefährlich:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Im Fischschwarm stößt niemand den Abweichler aus, das erledigt der Räuber. In einem Versuch wurden einige Fische farbig markiert. Die Raubfische schnappten bevorzugt die markierten, weil sie herausstachen. Darum suchen sich Fische Schwärme, in denen alle so aussehen wie sie selbst.&lt;br /&gt;
* Hat eine Henne eine Wunde oder einen roten Fleck, hacken die anderen darauf ein, manchmal bis zum Tod. Geflügelhalter hängen darum rotes Licht in den Stall.&lt;br /&gt;
* Am Eingang des Bienenstocks prüfen Wächterinnen den Geruch. Eine Biene mit fremdem Stockgeruch wird abgewehrt oder getötet. Reibt man eine Ameise mit dem Geruch eines fremden Nests ein, greifen ihre eigenen Schwestern sie an.&lt;br /&gt;
* E. O. Wilson bestrich lebende Ameisen mit Ölsäure, dem Geruch toter Ameisen. Die Schwestern trugen die lebende, zappelnde Ameise auf den Abfallhaufen. Sie kam zurück und wurde wieder hinausgetragen, bis der Geruch verflogen war. Das Kennzeichen zählt mehr als das, was man sieht.&lt;br /&gt;
* In Gombe brach 1966 Kinderlähmung aus. Jane Goodall beschrieb einen gelähmten Schimpansen, der sich nur noch schleppen konnte. Die anderen erschraken vor seiner fremden Bewegung, einige griffen ihn an, und sie wollten ihn nicht mehr lausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Glück in der Menge:&#039;&#039;&#039; Die Herde ist die Anpassung an die Masse. Das Schaf ist glücklich in der Herde von Gleichgesinnten. Nach einem Konzert sagen die Leute: „Da war richtig viel los. Das war toll.“ Das ist pure Biologie.&lt;br /&gt;
* Émile Durkheim nannte es 1912 die kollektive Efferveszenz: Wenn eine Gemeinschaft zusammenkommt und gleichzeitig dasselbe denkt oder tut, wallt eine gemeinsame Energie auf, die den Einzelnen erregt und die Gruppe eint. Für Durkheim ist das die Wurzel der Religion: Die Energie der Versammlung geht auf ein Symbol oder einen Menschen über, und der wird heilig (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Fan|Fan]]).&lt;br /&gt;
* Bronwyn Tarr, Jacques Launay, Emma Cohen und Robin Dunbar ließen 2015 Menschen gemeinsam tanzen. Gleichzeitige Bewegung und Anstrengung erhöhten jede für sich die Schmerzschwelle, ein Zeichen für ausgeschüttete Endorphine, und stärkten die Bindung an die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Beim Pilgerfest Magh Mela in Indien hatten sich Gesundheit und Wohlbefinden der Pilger nach dem Fest verbessert (Tewari u. a. 2012). Wer die Menge als Gemeinschaft Gleichgesinnter erlebte, hatte ein besseres Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herde allein ist noch kein Stamm:&#039;&#039;&#039; Eine Gnuherde in der Serengeti zählt Hunderttausende Tiere. Keines kennt die anderen, kein Fremder wird ausgestoßen. Wer mitläuft, gehört dazu. Erst beim Wolfsrudel kennt jeder jeden, der Geruch ist das Kennzeichen, das Revier ist abgesteckt, und der fremde Wolf wird angegriffen. Im Yellowstone-Park ist der häufigste natürliche Tod eines Wolfs der Kampf mit einem fremden Rudel. Herde, dann Rudel und Revier, dann der [[#Stammesbruder|Stammesbruder]] mit Zeichen, Fahnen und Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nietzsche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* „Moralität ist Heerden-Instinct in dem Einzelnen.“ (Die fröhliche Wissenschaft, Aphorismus „Heerden-Instinct“)&lt;br /&gt;
* „Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in&#039;s Irrenhaus.“ (Also sprach Zarathustra, Vorrede)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geltung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Eitelkeit, Prahler, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]], [[Wesen 3: Beutetier#Verbittert|Verbittert]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Gerüchtemacher]]&lt;br /&gt;
* Hunger: etwas gelten, Bedeutung haben. Und wenn auch nur in einem Spezialgebiet oder vor bestimmten anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: übergangen werden, nicht beachtet werden; der eigene Platz in der Gruppe ist in Gefahr.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Jeder Mensch möchte Bedeutung haben, etwas gelten. Es geht um die Rangordnung in der Gruppe. Ein Einzelgänger hat keinen Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Hackordnung.&#039;&#039;&#039; Der Norweger Thorleif Schjelderup-Ebbe hat 1921 bei Hühnern die Hackordnung entdeckt: Jedes Huhn kennt seinen Platz, hackt die unter ihm und weicht denen über ihm aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Das Raubtier hat Geltung aus Stärke: Es hat Macht und Einfluss auf andere, auch gegen den Strom. Seinen Feinden erscheint es gefährlich. Die ihm folgen, tun es aus anderen Motiven, aus Achtung vor seinem Können und seiner Stärke. Das ist nicht der Gewaltherrscher, der gefürchtet und verachtet wird, sondern der vornehme Adlige. Überall gibt es Autoritäten, denen gefolgt wird wegen ihrer Entschlossenheit und ihres Könnens, in jeder Gruppe: im Sport, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Musik, in allem in Kultur und Zivilisation. Zwischen den Weltkriegen strömten junge Physiker zu Niels Bohr nach Kopenhagen; die Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten, galt als Privileg. Leonard Bernstein sagte über den Dirigenten Carlos Kleiber: „I have just heard the greatest living conductor in the world“. Und Kleiber selbst sagte einmal zu seinem Konzertmeister, als das Orchester ganz darauf konzentriert war, ihm zu folgen: „Let me follow you.“ Bei Apple sagte der Entwickler Bud Tribble 1981 über Steve Jobs: „Steve has a reality distortion field.“ Andy Hertzfeld beschrieb es als „a confounding melange of a charismatic rhetorical style, an indomitable will, and an eagerness to bend any fact to fit the purpose at hand“ (eine verwirrende Mischung aus einem charismatischen Redestil, einem unbeugsamen Willen und der Bereitschaft, jede Tatsache passend zu biegen). Gerade die Souveränen versuchen oft, was als unmöglich gilt. Es gehört immer Entschlossenheit dazu: neue Reviere erobern, auch kulturell (siehe [[#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]). Der Antrieb ist nicht die Anpassung. Am 9. Oktober 1903 schrieb die New York Times, eine Flugmaschine, die wirklich fliegt, könne in ein bis zehn Millionen Jahren entstehen. Am selben Tag schrieb Orville Wright in sein Tagebuch: „We started assembly today.“ 69 Tage später flogen die Brüder Wright. John F. Kennedy sagte 1962 in Houston: „We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard“; 1969 landeten Menschen auf dem Mond. Christo und Jeanne-Claude arbeiteten 24 Jahre daran, den Reichstag zu verhüllen, und trafen dafür 352 Abgeordnete; 1995 war er verhüllt. Ob ein Versuch gelingt oder scheitert, sagt nichts über die Haltung. Hinterher ist man immer schlauer: Wer den Ausgang kennt, hält ihn für viel wahrscheinlicher, als er es vorher getan hätte, und merkt es nicht (Fischhoff 1975). Max Weber nannte diese Herrschaft charismatisch: Sie beruht „auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person“. Nietzsche: „Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubthier, die prachtvolle nach Beute und Sieg lüstern schweifende blonde Bestie nicht zu verkennen; es bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung, das Thier muss wieder heraus, muss wieder in die Wildniss zurück“ (&#039;&#039;Genealogie der Moral&#039;&#039; I 11; siehe [[Die Entstehung der Seele#Kanalisieren statt ausrotten|Kanalisieren statt ausrotten]]). Auch der Herdenmensch will Geltung haben, aber sie wird ihm durch die Zustimmung anderer gegeben: Preise und Auszeichnungen. Das ist die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]]. Wer wenig Souveränität hat, holt sich Rang und Geltung von jemandem, dessen Meinung wichtig ist: [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]], die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]], der [[#Poser|Poser]]. Napoleon sagte 1802 zur Gründung der Ehrenlegion: „C&#039;est avec des hochets que l&#039;on mène les hommes.“ (Mit Rasseln lenkt man die Menschen.) Beides ist nicht eindeutig getrennt, sondern gemischt: Der französische Adel gab Unsummen für Kleider aus, und die Krone ist ein Symbol der Macht. Es gibt starke Persönlichkeiten, die die Auszeichnung haben wollen, und andere, die sie souverän ablehnen. Der Mathematiker Grigori Perelman lehnte 2006 die Fields-Medaille ab: „I&#039;m not interested in money or fame; I don&#039;t want to be on display like an animal in a zoo.“ La Rochefoucauld: „L&#039;orgueil se dédommage toujours, et ne perd rien, lors même qu&#039;il renonce à la vanité.“ (Der Stolz entschädigt sich immer und verliert nichts, selbst wenn er auf die Eitelkeit verzichtet.)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geliehene Geltung.&#039;&#039;&#039; Die Herde tut etwas anderes. Der Herdenmensch erhält seine Geltung von jemandem, der Ansehen, Macht und Geltung hat. Das kann auch eine Institution oder eine Lehre sein. Es ist eine Unterordnung: der Diener im Haus des Adels, die Nonne im Schoß der Kirche. Der Diener würde es ablehnen, neureichem Pöbel zu dienen. Der Psychologe Robert Cialdini nannte das 1976 „basking in reflected glory“, sich im zurückgeworfenen Glanz sonnen: Nach einem Sieg ihrer Footballmannschaft trugen mehr Studenten Kleidung mit dem Namen ihrer Universität, und sie sagten „We won“. Nach einer Niederlage hieß es „They lost“. Das ist die flüchtige Form, nahe beim [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]]. Der Diener dagegen bleibt. Die Grenzen sind fließend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein Grundbedürfnis.&#039;&#039;&#039; Cameron Anderson, John Hildreth und Laura Howland haben 2015 die Forschung zur Frage gesammelt, ob das Streben nach Status ein Grundbedürfnis ist. Ihr Ergebnis: ja, in allen Kulturen, bei Männern wie Frauen. Wer seinen Rang verliert, leidet darunter, auch wenn sich sonst nichts ändert. Und es zählt der Rang vor den Menschen, die einem wichtig sind, nicht vor allen. Der Philosoph William James schrieb schon 1890 sinngemäß: Eine teuflischere Strafe ließe sich nicht ausdenken, als dass man unter Menschen losgelassen würde und von allen völlig unbemerkt bliebe. Das ist der [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombie]], von der anderen Seite gesehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Keine Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß im älteren Deutsch „leer, nichtig“; man sagt noch „eitel Sonnenschein“, nichts als Sonnenschein. Die [[#Eitelkeit|Eitelkeit]] will bewundert werden für die Oberfläche, sie ist die leere Form der Geltung. Die Geltung will etwas zählen für das, was man ist oder kann: der Handwerker, dessen Urteil auf der Baustelle gilt; der Briefmarkensammler, den die anderen Sammler fragen. „Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)“ ist ihre bettelnde Form.&lt;br /&gt;
:Die Geltung wirkt auch in anderen Wesen: im Hochgefühl des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amokläufers]], im [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Streber|Streber]], bei den [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieger.&#039;&#039;&#039; Geltung will ein Revier. Wird sie angegriffen, holt sie zur Verteidigung ihren Krieger, den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sammler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Nestbau, Messi, Eifersucht, Knauser&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Nehmer]]&lt;br /&gt;
* Mimik: keine. Der Sammler ist ein leiser Dämon, man sieht ihm nichts an.&lt;br /&gt;
* Griff: aufsammeln.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Brüder Collyer in New York wurden 1947 tot in ihrem Haus gefunden, unter mehr als hundert Tonnen Zeitungen, Klavieren und Gerümpel. Einer lag unter einem Stapel begraben, den er selbst als Falle gegen Einbrecher gebaut hatte. Der andere, blind und gelähmt, verhungerte danach.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: auch die Gier (Habgier), siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Was kein eigenes Wesen ist]].&lt;br /&gt;
* Trigger: Knappheit und die Lücke (siehe Beschreibung).&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, Vorrat, Vollständigkeit. Nicht hergeben, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; Knappheit und die Lücke. Das leere Regal im Supermarkt. Der Winter, der kommt. Das eine Sammelbild, das im Album noch fehlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Eichhörnchen vergräbt im Herbst Nüsse. Der Hamster stopft sich die Backen voll. Daher sagen wir „hamstern“.&lt;br /&gt;
* Am Anfang der Pandemie räumten die Leute das Klopapier aus den Regalen.&lt;br /&gt;
* Kinder stopfen sich die Hosentaschen mit Steinen und Kastanien voll. Niemand hat ihnen das beigebracht.&lt;br /&gt;
* Man gibt Leuten eine Kaffeetasse und fragt, für wie viel sie die Tasse verkaufen würden. Sie verlangen etwa das Doppelte von dem, was andere für dieselbe Tasse zahlen wollen. Was man hat, gibt man nicht her. Hier sitzt die Verbindung zur Eifersucht.&lt;br /&gt;
* Der Laubenvogel sammelt blaue Dinge, Federn, Beeren, Flaschendeckel, und legt sie vor seine Laube, um ein Weibchen anzulocken. Dort sind Sammler und Balz eins.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Messi. Die Wohnung ist bis zur Decke voll, nur schmale Gänge bleiben frei, und er kann nichts wegwerfen. Krankhaftes Horten ist seit 2013 eine eigene Diagnose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Revier.&#039;&#039;&#039; Der Sammler pflegt und verteidigt seine Sammlung. Er identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht. Seine Sammlung ist sein [[#Revierverhalten/Gebiet|Revier]]. Eine Sammlung gehört stärker zum Selbst als einzelne Gegenstände (Belk 1988, S. 154). Wer bestohlen wird, erlebt Eindringen und Verletzung (S. 142). Wird die Trennung erzwungen, bringt sie Trauer (S. 143). Ein Sammler, der seine Karten für das Studium der Tochter verkaufte, beschreibt den Verkauf als Trauer mit Leugnen, Wut und Niedergeschlagenheit (Warshaw 2023). Ein Briefmarkensammler, der seine Sammlung aufgeben muss, will es nicht überstürzen und behält ein Album (Briefmarken-Forum).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Biologisch angelegt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Eibl-Eibesfeldt zog Eichhörnchen ohne Erde und ohne Nüsse auf. Als sie zum ersten Mal eine Nuss bekamen, kratzten sie auf dem nackten Boden ein Loch, das es nicht gab, legten die Nuss hinein, drückten sie mit der Schnauze fest und scharrten Erde darüber, die es nicht gab. Niemand hatte es ihnen gezeigt.&lt;br /&gt;
* Beim Menschen ist die Neigung zum Horten zum Teil erblich. Das zeigen Zwillingsstudien.&lt;br /&gt;
* Menschen mit einer Verletzung an einer bestimmten Stelle der Stirnhirnrinde fingen an, wertlosen Kram zu horten (Anderson, Damasio u. a., &#039;&#039;Brain&#039;&#039;, 2005). Der Sammler sitzt tiefer im Hirn, die Stirnhirnrinde hält ihn im Zaum. Fällt die Bremse weg, übernimmt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herkunft:&#039;&#039;&#039; vom Vorrat, vom Horten von Nahrung.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Einsammeln: Der Sammler aus „Jäger und Sammler“ pflückt Beeren, nimmt sie mit und isst sie. Morgen geht er wieder los. Mehr haben als nötig und nicht hergeben, das fehlt.&lt;br /&gt;
* Nicht vom Nestbau: Der Vogel sammelt Zweige, bis das Nest fertig ist, dann hört er auf. Der Sammler hört nicht auf. Im Stammbaum steht der Nestbau als Kind unter Sammler und Elter: der Sammler im Dienst der Brut.&lt;br /&gt;
* Der Tannenhäher versteckt im Herbst Zehntausende Kiefernsamen an Tausenden Stellen und findet sie Monate später unter dem Schnee wieder. Viel mehr, als er im Winter fressen kann.&lt;br /&gt;
* Aesop: Die Ameise schleppt den ganzen Sommer Körner, die Grille singt. Im Winter hungert die Grille.&lt;br /&gt;
* Der Buschhäher versteckt Futter. Hat ihm ein anderer Häher dabei zugesehen, kommt er später zurück und versteckt alles neu. Das tun nur Häher, die selbst schon fremde Verstecke geplündert haben. Der Dieb kennt den Dieb. Da sitzen Eifersucht und Täuscher mit am Tisch.&lt;br /&gt;
* Bienen sammeln Honig, Ameisen legen Kornkammern an, der Hamster trägt seine Vorräte in den Bau. Das gibt es lange vor dem Menschen.&lt;br /&gt;
* Wer im Krieg gehungert hat, hebt sein Leben lang jedes Gummiband auf, und der Keller steht voller Einmachgläser.&lt;br /&gt;
Der Sammler sitzt nahe beim Schlemmer, beide kommen vom Hunger. Der Schlemmer isst jetzt. Der Sammler legt für später zurück. Er ist der Dämon, der an den Winter denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; Woher kommt die Vollständigkeit? Das fehlende Sammelbild, die 110 Messier-Objekte, alle 14 Achttausender. Der Vorrat erklärt das nicht. Ein Eichhörnchen will nicht alle Nusssorten haben. Ein späterer Zweig oder ein anderes Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angelegt ist der Hunger, nicht der Gegenstand. Briefmarken, Kunst oder Bitcoins sammelt niemand von Natur aus. Die Kultur liefert das Material, der Dämon den Hunger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wo der Sammler wirkt:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Linné&#039;&#039;&#039; schickte seine Schüler in die ganze Welt, nach Amerika, Arabien, Japan, in die Südsee. Sie sollten Pflanzen sammeln und zurückbringen. Er nannte sie seine Apostel. Einige kamen nicht zurück. Aus dem Gesammelten wurde die Ordnung der Pflanzen und Tiere, mit der wir bis heute jedes Lebewesen benennen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Wunderkammern&#039;&#039;&#039;: Fürsten und Gelehrte stellten Muscheln, Korallen, ausgestopfte Krokodile, Einhorn-Hörner und Missgeburten in Glasschränke. Daraus wurden die Museen. Das British Museum begann 1753 mit der Sammlung eines einzigen Mannes, Hans Sloane, rund 71.000 Stücke.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Darwin&#039;&#039;&#039; sammelte als Student in Cambridge Käfer. Einmal hatte er in jeder Hand einen seltenen Käfer und sah einen dritten. Er steckte einen in den Mund, um die Hand frei zu haben. Der Käfer spritzte ihm eine brennende Flüssigkeit auf die Zunge, Darwin spuckte ihn aus, und der dritte war weg. Später sammelte er fünf Jahre lang auf der Beagle: Finken, Fossilien, Schildkröten. Erst danach kam die Theorie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Goethe&#039;&#039;&#039; hatte in Weimar eine Mineraliensammlung mit rund 18.000 Steinen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Mondlandung&#039;&#039;&#039;: Die Astronauten der Apollo-Flüge sammelten mit Zangen und Schaufeln Steine und Staub, zusammen rund 380 Kilogramm. Das teuerste Steinesammeln der Geschichte.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schmetterlinge&#039;&#039;&#039;: Nabokov, der Schriftsteller, zog mit dem Netz durch die Berge und sammelte Bläulinge. Er vermutete, dass sie in mehreren Wellen über die Beringstraße von Asien nach Amerika gekommen waren. Die Biologen nahmen ihn nicht ernst. 2011 bestätigte die Genetik seine Vermutung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Messier-Marathon&#039;&#039;&#039;: Charles Messier jagte im 18. Jahrhundert Kometen. Ihn störten verschwommene Flecken am Himmel, die aussahen wie Kometen, aber keine waren. Damit er nicht wieder darauf hereinfiel, schrieb er sie auf: 110 Stück. Die Liste war Abfall seiner Kometenjagd. Heute ist sie die berühmteste Liste der Astronomie. Jedes Jahr im März, wenn alle 110 in einer Nacht zu sehen sind, sitzen Amateure die ganze Nacht in der Kälte und haken eins nach dem anderen ab. Sie lernen nichts Neues, alle Objekte sind seit 250 Jahren bekannt, und niemand schaut ihnen zu. Das ist weder Neugier noch Anerkennung. Das ist der Sammler allein.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tycho und Kepler&#039;&#039;&#039;: Tycho Brahe hat über zwanzig Jahre lang jede Nacht die Stellung der Planeten gemessen, ohne Fernrohr, mit riesigen Messinstrumenten auf seiner Insel Ven. Ein Berg von Zahlen. Kepler bekam die Zahlen nach Tychos Tod und fand darin, dass die Planeten auf Ellipsen laufen. Tycho ist die Ameise, Kepler die Biene.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Rechnerinnen von Harvard&#039;&#039;&#039;: Um 1900 saßen Frauen an Tischen und gingen Hunderttausende Glasplatten mit Sternaufnahmen durch, Stern für Stern. Annie Jump Cannon sortierte von Hand rund 350.000 Sterne nach ihrem Licht. Henrietta Leavitt schrieb veränderliche Sterne auf und bemerkte: Je heller so ein Stern, desto langsamer blinkt er. Damit konnte man zum ersten Mal Entfernungen im Weltall messen, und Hubble zeigte damit, dass es andere Galaxien gibt. Erst die Sammlung, dann das Gesetz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Heute&#039;&#039;&#039;: Der Satellit Gaia hat fast zwei Milliarden Sterne vermessen. Über 5.000 Planeten um andere Sterne sind bestätigt, jeder neue kommt auf die Liste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neugier will schnell zur Antwort. Zwanzig Jahre Nacht für Nacht messen, Hunderttausende Platten durchsehen, das hält sie nicht durch. Der Sammler hat Geduld, denn jedes einzelne neue Stück sättigt ihn schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bacon&#039;&#039;&#039; hat das Bild dafür gefunden (Novum Organum, 1620). Die Ameise sammelt nur und frisst es auf. Die Spinne spinnt ihr Netz aus sich selbst heraus. Die Biene sammelt aus den Blüten und macht Honig daraus. Die Ameise ist der Sammler allein. Die Spinne ist der Zwerg, der aus dem Kopf Systeme spinnt. Die Biene ist der Sammler im Bund mit einem Dämon, der verarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sammler allein endet beim Messi: die Wohnung voll, aber keine Ordnung. Mit der Ordnung verbündet, wird er Linné. Mit der Neugier verbündet, wird er Darwin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Hochmut gegen den Sammler:&#039;&#039;&#039; Dem Physiker Rutherford wird der Satz zugeschrieben: „Alle Wissenschaft ist entweder Physik oder Briefmarkensammeln.“ Dabei steht jede Physik auf gesammelten Messwerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie mächtig der Sammler ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kunst&#039;&#039;&#039;: Der „Salvator Mundi“, Leonardo zugeschrieben, ging 2017 für 450 Millionen Dollar weg.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Autos&#039;&#039;&#039;: Der Musiker oder der Reiche mit dreißig teuren Autos in der Garage, die er nicht braucht. Jay Leno hat weit über hundert Autos in seinen Hallen. 2022 wurde ein Mercedes 300 SLR Uhlenhaut-Coupé für 135 Millionen Euro versteigert, das teuerste Auto der Welt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Baseballkarten&#039;&#039;&#039;: Eine Mickey-Mantle-Karte von 1952 brachte 2022 12,6 Millionen Dollar. Ein Stück Pappe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Briefmarken&#039;&#039;&#039;: Die British Guiana One-Cent Magenta, eine einzige Marke, wurde 2021 für rund 8 Millionen Dollar verkauft.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Pokémon&#039;&#039;&#039;: Der Werbespruch heißt „Schnapp sie dir alle!“. Das ist der Sammler wörtlich. Eine einzige Pikachu-Karte brachte 2022 über 5 Millionen Dollar.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Bild, das es nicht gibt&#039;&#039;&#039;: 2021 wurde eine Bilddatei des Künstlers Beeple als NFT für 69 Millionen Dollar verkauft. Jeder kann sie kopieren, aber nur einer „hat“ sie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tulpen&#039;&#039;&#039;: 1637 kostete in Holland eine einzige Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ so viel wie ein Haus in Amsterdam.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Reliquien&#039;&#039;&#039;: Friedrich der Weise sammelte in Wittenberg über 19.000 Reliquien: Knochen von Heiligen, Dornen aus der Krone Christi, Milch der Maria. Ausgerechnet dort schlug Luther 1517 seine Thesen an.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schuhe&#039;&#039;&#039;: Als Imelda Marcos aus dem Palast in Manila floh, fand man über tausend Paar Schuhe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gipfel&#039;&#039;&#039;: Reinhold Messner stand als Erster auf allen 14 Achttausendern. In Schottland haken Leute alle 282 Munros ab, die Berge über 3000 Fuß.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vögel&#039;&#039;&#039;: Phoebe Snetsinger hat über 8.000 Vogelarten mit eigenen Augen gesehen. Angefangen hat sie, als sie eine Krebsdiagnose bekam, und sie reiste noch zwanzig Jahre weiter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Saatgut&#039;&#039;&#039;: Im Eis von Spitzbergen liegt ein Tresor mit über einer Million Samenproben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Elemente&#039;&#039;&#039;: Die Chemiker jagen das Periodensystem voll. Das Element 118, Oganesson, existiert jeweils nur Bruchteile einer Sekunde, und trotzdem hat es einen Namen und einen Platz in der Tabelle.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nobelpreise&#039;&#039;&#039;: Marie Curie holte Polonium und Radium aus Tonnen von Pechblende und bekam 1911 den Nobelpreis. Für das Higgs-Teilchen gab es 2013 den Nobelpreis.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jagdtrophäen&#039;&#039;&#039;: Hörner und Köpfe an der Wand. Hier treffen sich Jagdtrieb und Sammler.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Geld&#039;&#039;&#039;: Der Milliardär, der mehr hat, als er in zehn Leben ausgeben könnte, und weiter sammelt. Dagobert Duck badet in seinem Geldspeicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baseballkarte, die Briefmarke, das NFT sind Millionen wert, weil andere Sammler sie haben wollen. Der Sammler macht den Wert selbst. Ohne ihn wäre die One-Cent Magenta ein Fetzen Papier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Knauser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Sammler|Sammler]] · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sammler kommt und geht, im Herbst, vor dem Winter, vor dem leeren Regal. Beim Knauser ist er chronisch geworden. Jede Ausgabe tut weh. Er hebt überall Geld auf. Das ist ein bekannter Typus. Wenn Leute Mangel erlebt haben wie im Krieg, werden sie manchmal so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; heißt es: „Meanness is undue sparing of expense.“ Der Knauser zählt beim Essen, wie viele Becher jeder Gast trinkt. Zerbricht ein Diener einen Topf, zieht er ihm den Wert von der Verpflegung ab. Verliert seine Frau eine kleine Münze, rückt er Möbel, Betten und Schränke und sucht in den Ritzen der Dielen. Seiner Frau verbietet er, Salz oder einen Lampendocht auszuleihen. Seine Geldtruhe ist schimmlig, weil sie nie geöffnet wird. Er hat eine volle Truhe und spart trotzdem: Fülle bannt den Knauser nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein zweiter Text.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt den Knauser noch einmal, als Ἀνελευθερία: „Penuriousness is the grudging of expense and is due to great love of money and little love of honor.“ Hier geht es um das Geld bei Ehrenpflichten. Nach einem Sieg auf der Bühne weiht er Dionysos einen hölzernen Kranz, auf den er seinen eigenen Namen schreibt. Wird öffentlich gesammelt, schweigt er oder geht, und sieht er einen sammelnden Freund kommen, schleicht er durch eine Seitengasse nach Hause. Bei der Hochzeit der Tochter verkauft er die Opfertiere und stellt nur Diener ein, die zu Hause essen. Bei einem Fest hält er die Kinder aus der Schule, um das Schulgeld zu sparen. Seiner Frau gibt er keine Magd, sondern ein gemietetes Kind. Das Wort heißt wörtlich Unfreiheit: Der Freie ist freigebig, der Geizige ist unfrei. Die Ehre wiegt bei ihm weniger als das Geld. Die [[#Geltung|Geltung]] überstimmt den Sammler nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Geprägt vom Mangel.&#039;&#039;&#039; Ulrike Malmendier und Stefan Nagel untersuchten 2011 in ihrer Studie „Depression Babies“ Menschen, die schwere Wirtschaftskrisen erlebt haben. Wer selbst schlechte Zeiten erlebt hat, geht ein Leben lang weniger finanzielle Risiken ein und legt seltener Geld in Aktien an (siehe [[Bannung#Prägung|Prägung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Test:&#039;&#039;&#039; Beim Festessen nimmt die Tochter seine Börse und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle (siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]]). Und er missbilligt den Verschwender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Putz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO, Elf · zu Puppe&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Waschzwang. Menschen waschen sich die Hände, bis die Haut blutet, und fühlen sich danach immer noch schmutzig. Howard Hughes fasste am Ende Gegenstände nur noch mit Papiertüchern an und lebte abgeschottet in abgedunkelten Hotelzimmern.&lt;br /&gt;
* Ausfall: die Verwahrlosung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn der Putz ausfällt.&#039;&#039;&#039; Das Gegenstück zum Waschzwang ist, dass man sich nicht mehr pflegt. Theophrast nennt es Δυσχέρεια: „Grossness is such neglect of one’s person as gives offence to others.“ Sein Mann geht mit Ausschlag und schwarzen Zähnen auf den Markt und sagt, das sei erblich. Im Alltag kennt man den Ausfall bei schlechter Stimmung und wenig Antrieb. Im Extrem findet man ihn bei Menschen, die jede Hoffnung verloren haben: Scheitern in Schule und Beruf, Verachtung durch andere, Verlust des Rangs, eine Schuld, die man nicht tragen kann, vielleicht auch Selbstbestrafung. In Notunterkünften für Obdachlose gibt es Räume, in denen der Boden mit Müll und verfaultem Essen bedeckt ist. Der Rang ist dabei nicht alles. Bei Obdachlosen sind Sucht und psychische Erkrankungen häufig, mit großer Streuung (Fazel u. a. 2008, 29 Untersuchungen, 5.684 Personen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Selbstachtung.&#039;&#039;&#039; Der Putz dient auch der Selbstachtung, und die ist ein Spiegel der Achtung, die man von anderen erfährt (Cooley nannte das 1902 das „looking-glass self“). Wer in einer verachtenden Umgebung standhält, hat dafür einen imaginären Beifall. Als Bergen-Belsen im April 1945 befreit wurde, kam unaufgefordert eine große Lieferung Lippenstifte an. Der britische Sanitätsoffizier Mervin Gonin schrieb: „At last someone had done something to make them individuals again.“ Der Lippenstift sagt: Ich bin wer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elf ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Kuschel, Putz&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Fühl, Lausch, Schnupper, Kratz, Kitzel, Griff, Wurzel, Wohlig&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kuschel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Elf · zu Venus&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Kuscheln ist Berührung und Umarmung, und es geht dabei um Geborgenheit und Sicherheit. Zwei Wurzeln sind denkbar. Die eine ist das Lausen der Affen: Gegenseitiges Streicheln und Lausen hält bei Primaten die Bindungen, über Hautnerven und Endorphine (Robin Dunbar 2022). Die andere ist die Verbindung von Mutter und Kind. Harry Harlows Rhesusaffen klammerten sich in den 1950er-Jahren an die Stoffmutter, auch wenn nur die Drahtmutter Milch gab. Der Körperkontakt war wichtiger als das Füttern. Beides kann zusammenwirken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die erotische Seite.&#039;&#039;&#039; Berührungen sind auch erregend. Dann geht das Kuscheln ins Begehren über und führt zur [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Venus|Venus]]. Für den Menschen ist Sex ein Mittel zur Bindung geworden, heißt es oft, wichtig wegen der langen Kindheit. Das ist eine gängige, aber umstrittene These. Robert Quinlan (2008) sieht Paarbindungen als vielseitig, mit der Versorgung in der Stillzeit als am besten belegter Funktion, und prüft Sex als Bindungsmittel nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gefälliger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[#Geltung|Geltung]], [[#Elter|Elter]], [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Verehrung/Bewunderung|Verehrung/Bewunderung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: das Wohl und die Freude der anderen, und die Anerkennung dafür.&lt;br /&gt;
* Trigger: Hilfsbedürftigkeit oder Hilflosigkeit des anderen. Das Kindchenschema wirkt, zum Beispiel Bambi-Augen, es ist aber kein Muss. Es genügt, dass Hilfe gebraucht wird.&lt;br /&gt;
* Bannung: Wird kaum gewollt, denn er ist ein Kitt der Gemeinschaft. Gebannt wird nur seine Entgleisung. Wer sich verausgabt, den will der Ehepartner schützen. Wenn der Samariter die eigene Familie vernachlässigt, konkurriert er mit dem [[#Elter|Elter]], und dann hilft ein Arrangement, wem er wie viel gibt. Oakley und Kollegen nennen Hilfe, die ungewollt Schaden anrichtet, pathologischen Altruismus (2012).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gefällige will anderen Freude machen und freut sich an ihrer Freude. Deshalb macht man Geschenke. Sein Hauptinteresse ist das Wohl des anderen, das ihm wichtiger sein kann als das eigene. Das ist Eltern-Verhalten. Am stärksten gilt es dem, den er wertschätzt. Es reicht aber bis zum Fremden: Er gibt dem Bettler, den er nicht kennt, und er spendet an Empfänger, die er nie sehen wird. Die Freude des anderen und sein Dank sind dann nur vorgestellt. Er will auch Anerkennung, und beides gehört zusammen. Er ist ein wesentlicher Kitt jeder Gemeinschaft. Er ist nicht der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]], der nach oben lobt, um an der Macht teilzuhaben. Er ist auch nicht der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]], der Missfallen vermeiden will und dafür formal korrekt und höflich ist, vielleicht auch ein Streber. Der Gefällige tut anderen Gutes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was dafür spricht.&#039;&#039;&#039; Wer Geld für andere ausgibt, ist glücklicher als wer es für sich ausgibt (Dunn, Aknin und Norton 2008). Das fand sich in 120 von 136 Ländern (Aknin u. a. 2013). Gute Nachrichten zu teilen macht froh, und mehr, wenn das Gegenüber sich mitfreut, und es hängt bei Paaren mit besserer Beziehung zusammen (Gable u. a. 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch für Unbekannte.&#039;&#039;&#039; Schon anonymes freiwilliges Geben aktiviert die Belohnungsregionen stärker als die Zwangsabgabe (Harbaugh u. a. 2007, 19 Teilnehmerinnen).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gefälligkeit nach oben.&#039;&#039;&#039; Wer einer Autorität einen Gefallen tut, um Anerkennung oder Wertschätzung zu bekommen, macht einen Tauschhandel. Das ist der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] oder das [[#Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)|Wuff Wuff]]. Der Gefällige hilft auch, wenn es niemand erfährt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ἀρέσκεια: „Affability is a sort of demeanor that gives pleasure at the sacrifice of what is best.“ Er ruft einen Freund schon von weitem an, überschüttet ihn mit Lob und lässt ihn nicht los. Vor Gericht will er auch dem Gegner gefallen. Beim Essen lässt er die Kinder rufen, sagt, sie ähnelten dem Vater „as one fig is like another“, und spielt mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn er entgleist.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschreibt die Entgleisung. Überwiegt die Anerkennung, wird aus dem Gefälligen der Schmeichler, der dem anderen Recht gibt, auch gegen die Wahrheit. Aristoteles unterscheidet den Gefallsüchtigen ohne Eigennutz vom Schmeichler aus Eigennutz. Die Psychologie nennt das Extrem Soziotropie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urschlummer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Gähn, Murmel, Mümmel&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gähn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Murmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mümmel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Urschlummer · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neid ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Revierverhalten/Gebiet · zu Troll, Häme&lt;br /&gt;
* Es ist eine Form von Revierverhalten.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Rivale, der mir nah ist, bekommt oder kann, was in meinem eigenen Gebiet zählt. Beim Fremden und beim Unerreichbaren entsteht kein Neid, sondern Bewunderung.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Neidkratzer. Jemand zieht mit dem Schlüssel eine lange Schramme in den Lack eines teuren Autos. Er hat nichts davon, außer dass der andere es auch nicht mehr hat.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Es ist eine Form von Revierverhalten. So wie Ziegen ihren Rivalen bei der Fütterung wegboxen: Am Futtertrog stoßen die ranghohen Tiere die anderen mit dem Kopf weg, auch wenn genug für alle da ist. Es geht nicht ums Sattwerden. Es geht darum, dass der andere nicht frisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man neidet, was der andere hat oder bekommt. Auch wenn man Fähigkeiten neidet, geht es darum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; haben, was der andere hat. Oder wenigstens, dass der andere es auch nicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Trigger genau:&#039;&#039;&#039; Es ist mehr zwischen Bekannten, zwischen Rivalen. Und dann beherrscht es die Gedanken und führt zu Missgunst und zu Taten, um den anderen zu schädigen. Der Psychologe Abraham Tesser hat gezeigt, dass zwei Dinge zusammenkommen müssen: Der andere ist mir nah, Freund, Kollege, Bruder, Nachbar. Und er ist besser auf einem Gebiet, das für mich selbst zählt. Ist mein Freund ein besserer Schachspieler und mir ist Schach egal, freue ich mich für ihn. Ist er ein besserer Elektriker und ich bin Elektriker, dann sticht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Tat:&#039;&#039;&#039; In Tessers Versuchen durfte einer dem anderen bei einem Ratespiel Hinweise geben, leichte oder schwere. Hieß es, das Spiel sei belanglos, bekamen Freunde leichtere Hinweise als Fremde. Hieß es, das Spiel messe die Intelligenz, bekamen Freunde schwerere Hinweise als Fremde. Man bremst den Freund aus, nicht den Fremden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Promi ist etwas anderes:&#039;&#039;&#039; Wer weit weg und unerreichbar ist, an Reichtum, Ruhm oder Fähigkeit, den beneidet man nicht, man bewundert ihn. Das gehört zur Verehrung/Bewunderung und zum Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Formen:&#039;&#039;&#039; Der böse Neid will den anderen herunterziehen. Der gutartige Neid will selbst hinauf: „Das will ich auch schaffen.“ Er richtet sich oft auf jemanden, der ein Stück weiter, aber noch erreichbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Unter Gleichen:&#039;&#039;&#039; Aristoteles schreibt in seiner Rhetorik, man beneide die, die einem nahe sind an Zeit, Ort, Alter und Ansehen, und zitiert dafür Hesiod, um 700 vor Christus: „Der Töpfer grollt dem Töpfer, der Bettler dem Bettler, der Sänger dem Sänger.“ Man beneidet nicht den König, sondern den Nachbarn. Beide stehen am selben Trog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bilder:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Schneewittchen: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die Königin war die Schönste, bis der Spiegel eine andere nannte.&lt;br /&gt;
* Zwei Kinder bekommen verschieden große Kuchenstücke: „Der hat aber mehr!“&lt;br /&gt;
* Zwei Kapuzineraffen bekommen für dieselbe Aufgabe Gurke. Bekommt einer eine Weintraube, wirft der andere seine Gurke dem Forscher ins Gesicht.&lt;br /&gt;
* Das Gesetz von Jante, aus einem Roman von Aksel Sandemose, 1933, in Skandinavien sprichwörtlich: „Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Warum der und nicht ich?“&#039;&#039; → Der Vergleich. Der Anfang von allem.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hat doch nur Glück gehabt.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Der hat eben Beziehungen.“&#039;&#039; → Den Erfolg kleinreden. Wenn es Glück war, hat er es nicht selbst geschafft, und ich bin nicht schlechter.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„So toll ist das auch nicht.“&#039;&#039; → Saure Trauben. Aesops Fuchs springt nach den Trauben, kommt nicht dran und sagt im Weggehen: „Die sind mir ohnehin zu sauer.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das hat der doch gar nicht verdient.“&#039;&#039; → Die Maske der Gerechtigkeit. Der Neid verkleidet sich als Gerechtigkeitssinn.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Der hält sich wohl für was Besseres.“&#039;&#039; → Das Gesetz von Jante. Niemand darf herausragen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Schön für dich.“&#039;&#039; / &#039;&#039;„Gönn ich dir.“&#039;&#039;, durch die Zähne gesagt → Das Heucheln. Der Glückwunsch, der keiner ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Dem wird das Lachen schon noch vergehen.“&#039;&#039; → Die Vorfreude auf den Fall.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Hab ich doch gleich gesagt.“&#039;&#039;, wenn es dann schiefgeht → Die Schadenfreude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Gehirn:&#039;&#039;&#039; Japanische Forscher ließen 2009 Versuchspersonen Geschichten über erfolgreiche Mitschüler lesen. Beim Neid war ein Bereich aktiv, der auch bei Schmerz arbeitet. Als dem Beneideten danach ein Unglück passierte, sprang ein Bereich an, der bei Belohnung arbeitet. Neid tut weh, Schadenfreude tut gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gute Neid:&#039;&#039;&#039; Hesiod unterscheidet zwei Göttinnen des Streits. Die schlechte Eris bringt Krieg. Die gute Eris treibt den Faulen an, wenn er sieht, wie reich der fleißige Nachbar wird, sodass er selbst pflügt und pflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verwandt:&#039;&#039;&#039; [[#Eifersucht|Eifersucht]] (die Eifersucht fürchtet zu verlieren, was sie hat; der Neid will haben, was der andere hat), [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Gerechtigkeitssinn|Gerechtigkeitssinn]], Häme, [[#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Alle drei, Stammesbruder, Eifersucht und Neid, stammen vom Revierverhalten: das Revier der Gruppe, das Revier der Bindung, das Revier am Futtertrog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Revierverhalten/Gebiet ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Stammesbruder, Eifersucht, Neid, [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]]&lt;br /&gt;
* Es ist der Kern der Eifersucht: Ein Rivale dringt in die Bindung ein. Beim Wolfsrudel: Man kennt die Gesichter, das Revier ist abgesteckt, der Fremde ist der Feind.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überall.&#039;&#039;&#039; Viel Verhalten von Menschen lässt sich nur verstehen, wenn man weiß, dass es Revierkämpfe sind. Bei Tieren sind Revierkämpfe oft Standard: Ziegen boxen, Elche kämpfen. Bei manchen ist das so ernst, dass es Verletzte und Tote gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dasselbe Zeichen.&#039;&#039;&#039; Der Bauer zäunt sein Feld ein. Der Goldsucher seinen Claim. Der Hund pisst an den Baum und Armstrong stellt die amerikanische Flagge auf. Das ist dasselbe.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Reviere werden vor allem gegen Artgenossen verteidigt und mit Duft, Gesang oder Schauflügen markiert. Der Besitz wird meist respektiert, auch ohne dass ihn jemand durchsetzt: Wer zuerst da war, wird selten herausgefordert (Sherratt und Mesterton-Gibbons 2015). Stake (2004) sieht in den Rechtsregeln über Besitz und Priorität Spuren dieser Strategien.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sammler.&#039;&#039;&#039; Er pflegt und verteidigt seine Sammlung und identifiziert sich damit. Es fällt ihm schwer, etwas herzugeben, selbst wenn er Geld braucht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eltern.&#039;&#039;&#039; Das Nest ist das Revier per se, nicht nur im Verhalten, sondern als Ort mit Mauer oder Zaun. Man nennt es Hausfriedensbruch, wenn es unerlaubt betreten wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beschützer.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand die Kinder angreift, wird eine Mutter zum Berserker. Bei Säugetieren und Vögeln ist das die Regel. Bei Fischen und Reptilien eher nicht. Ausnahmen gibt es: Der männliche Stichling bewacht das Nest und verteidigt Eier und Junge gegen Eindringlinge, ebenso die Männchen der Sonnenbarsche (Britannica; Juneau Empire). Auch hier zeigt sich der Dämon ohne Maske in ganzer Stärke, wenn man das Revier betritt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geltung.&#039;&#039;&#039; Das Revier ist hier der Rang. Es zeigt sich, wenn die Kompetenz angezweifelt wird, wenn der Rang oder die Stellung streitig gemacht wird oder wenn der Konkurrent sich mit fremden Federn schmückt. Auch die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] ist Revierverhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eitelkeit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung · zu Poser&lt;br /&gt;
* Varianten: Geck, Diva&lt;br /&gt;
* Die leere Form der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Geltung, die durch die Zustimmung anderer gegeben wird: Preise und Auszeichnungen (siehe [[#Geltung|Geltung]]). La Rochefoucauld: „La vertu n&#039;irait pas si loin si la vanité ne lui tenait compagnie.“ (Die Tugend käme nicht so weit, wenn die Eitelkeit ihr nicht Gesellschaft leistete.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; „Eitel“ hieß ursprünglich leer, nichtig (althochdeutsch &#039;&#039;ītal&#039;&#039;), so wie das lateinische &#039;&#039;vanitas&#039;&#039;. Die Leere steckt schon im Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ehrgeiz im Kleinen.&#039;&#039;&#039; Theophrast nennt den Eitlen Μικροφιλοτιμία, „Ehrgeiz im Kleinen“: „a striving for honor in small things“. Beim Essen will er neben dem Gastgeber sitzen. Er zahlt mit frisch geprägten Münzen. Seiner zahmen Dohle kauft er eine kleine Leiter und einen Schild aus Bronze. Stirbt sein Hund, setzt er ihm ein Denkmal: „Fido, Pure Maltese.“ Er kauft einen neuen Anzug, solange der alte noch gut ist, und seine Zähne sind immer weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von außen.&#039;&#039;&#039; Schopenhauer: „Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst; hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen. Dem entsprechend macht die Eitelkeit gesprächig, der Stolz schweigsam.“ Jane Austen: „Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er sagt, was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Die Eitelkeit lebt in der Lücke zwischen dem, was einer sagt, und dem, was er sich davon verspricht. Meist ist das keine Berechnung. Er glaubt selbst an das Bild, das er zeigt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Bescheidene&#039;&#039;&#039; sagt: „Ach, das war doch nichts Besonderes.“ Er hofft auf den Widerspruch: „Doch, das war großartig!“ So bekommt er das Lob und darf sich obendrein bescheiden fühlen. Manchmal verkleidet er das Angeben als Klage, etwa wenn er stöhnt, er komme vor lauter Einladungen zu nichts mehr. Die anderen durchschauen das meistens.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Erfolgreiche&#039;&#039;&#039; sagt: „Eigentlich wollte ich nie Karriere machen. Es hat sich so ergeben.“ Der Erfolg soll mühelos aussehen, und gerade dafür will er bewundert werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Gekränkte&#039;&#039;&#039; sagt: „Mir ist völlig egal, was andere über mich denken.“ Dann liegt er die halbe Nacht wach wegen einer einzigen Bemerkung. Wer am lautesten sagt, die Meinung der anderen sei ihm egal, hängt oft am stärksten an ihr.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Unauffällige&#039;&#039;&#039; sagt: „Ich brauche keine Aufmerksamkeit, ich mach einfach mein Ding.“ Er möchte gerade dafür bewundert werden. Seine Eitelkeit ist, keine zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühl verrät, was der Satz verbirgt. Lob hebt ihn, ausbleibendes Lob enttäuscht ihn, Kritik kränkt ihn, und wer mehr Beachtung bekommt, wird zum Rivalen. Er sieht sich mit den Augen der anderen. Darum macht die Eitelkeit abhängig, obwohl sie sich überlegen fühlen will: Sie muss sich immer wieder neu beweisen, denn sicher ist man der Bewunderung nie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Eitelkeit heute.&#039;&#039;&#039; Der Spiegel der Königin hängt heute in jeder Hosentasche. Man fotografiert sich selbst, legt einen Filter darüber, der die Haut glättet und die Augen größer macht, stellt das Bild aus und wartet, ob der Spiegel antwortet. Die Antwort heißt Like. Lauren Sherman und Kollegen zeigten 2016 Jugendlichen im Hirnscanner Instagram-Fotos: Bilder mit vielen Likes erregten die Belohnungsregionen stärker, und die Jugendlichen gaben solchen Bildern auch selbst eher ein Like. Inzwischen lügt der Spiegel schöner, als die Wirklichkeit ist. Schönheitschirurgen berichten, dass Patienten nicht mehr mit Fotos von Stars kommen, sondern mit gefilterten Fotos von sich selbst. Sie wollen aussehen wie ihr eigenes Selfie (Susruthi Rajanala und Kollegen 2018, „Snapchat dysmorphia“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schopenhauers Satz gilt noch: Die Eitelkeit ist gesprächig, der Stolz schweigsam. Young Jee Han, Joseph Nunes und Xavier Drèze fanden 2010: Wer reich ist und Geltung braucht, kauft die Tasche mit dem großen Logo, die jeder erkennt. Wer reich ist und sie nicht braucht, kauft die Tasche ohne Logo, die nur Kenner erkennen. Der eine spricht zu allen, der andere nur zu seinesgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039; „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Sehen und gesehen werden.“ – „Kleider machen Leute.“ – „Wer schön sein will, muss leiden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schauspieler.&#039;&#039;&#039; Wer davon lebt, gesehen zu werden, ist oft eitel. Drew Pinsky und Mark Young ließen 2006 zweihundert Prominente einen Narzissmus-Fragebogen ausfüllen. Die Prominenten lagen deutlich über dem Durchschnitt, am höchsten die Stars aus dem Reality-Fernsehen, dann Komiker, Schauspieler und Musiker. Viele waren schon so, bevor sie berühmt wurden: Der Beruf zieht die Eitlen an. In Billy Wilders Film &#039;&#039;Sunset Boulevard&#039;&#039; (1950) sagt man der gealterten Stummfilmdiva Norma Desmond: „You used to be big.“ Sie antwortet: „I am big. It&#039;s the pictures that got small.“ Am Ende steigt sie die Treppe hinab, auf die Kamera zu: „All right, Mr. DeMille, I&#039;m ready for my close-up.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen.&#039;&#039;&#039; Auf Reddit sprechen Menschen offen darüber, und manchmal spricht der Dämon selbst.&lt;br /&gt;
* Über sich selbst: „I&#039;m very vain in the sense I&#039;m always aware of how good or not I look […] I will leave any situation, job, place, person etc if it worsens my looks.“ – „When I look good I feel good, and I care way too much about how people see me.“ – „Yes, I strut and preen.“ – „Main character energy so yes.“ – „sometimes I&#039;m extremely vain and other times I feel inferior to everyone“ (r/Sagittarians, 2025). Im letzten Satz zeigt sich die Leere.&lt;br /&gt;
* Was andere hören: Eine Freundin begründet alles mit ihrem Aussehen: „I should have been invited to that party, I&#039;m hot.“ – „I don&#039;t understand why we have to wait in this line, most of the time hot people get let in early.“ Eine andere fragt nach dem Treffen mit den Freunden ihres Partners: „did anyone tell you how pretty I was“ (r/AskMen, 2024).&lt;br /&gt;
* Schopenhauers gesprächige Eitelkeit, ein Ratschlag an Männer: „Never mention your nice car, then pick her up for a 3rd date, hot. Mentioning it up front, tacky.“ (r/Bumble, 2026)&lt;br /&gt;
* Männer über sich selbst: „I like staring at my reflection in shop windows.“ – „Have to check the bathroom mirror to make sure my abs are still there.“ – „I definitely check myself out in bathroom mirrors, window reflections. I can&#039;t help it I&#039;m just too sexy“ – „I take a lot of satisfaction in the fact that I look good, then immediately feel guilty about it“ (r/AskMen, 2018).&lt;br /&gt;
* Die Eitelkeit missbilligt die, die nicht so sind wie sie. Ein Mann staunt, wie schlecht jüngere Männer aussehen: „When I look at men who are much younger than me and I&#039;m amazed at how bad they look“. Jemand fragt zurück: „So, your vanity expresses itself through judgement of others?“ Ein anderer: „Not OP but yes, absolutely. It&#039;s kinda shitty but it&#039;s a gut reaction.“ (r/AskMen, 2018; siehe [[Stammbaum#Der Test|Der Test]])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geck.&#039;&#039;&#039; Eine Variante der Eitelkeit kommt vom [[#Putz|Putz]]: die Eitelkeit auf das eigene Aussehen, auf Kleidung, Frisur und Körper. Das Wörterbuch nennt den Gecken einen „eitlen (jungen) Mann mit auffallend modischer Kleidung und auffälligem Benehmen“ (DWDS). Die weibliche Variante ist die Diva. Die Eitelkeit selbst ist weiter: Auch ein hässlicher Gelehrter kann auf seine Intelligenz eitel sein. Dann hängt sie allein an der [[#Geltung|Geltung]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Diva.&#039;&#039;&#039; Das Wort heißt auf Italienisch „die Göttliche“ und war im 19. Jahrhundert ein Ehrenname berühmter Sängerinnen (Pfeifer). Das Wörterbuch nennt die Diva eine gefeierte Künstlerin, einen Star (DWDS). Zu ihr gehören Starallüren: Sie ist launisch, kapriziös und unnahbar und hält sich für etwas Besseres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Poser ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Eitelkeit · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Poser ist ein Schauspieler für das Publikum. Vielleicht kann er auch etwas. Aber er stellt sich hin und macht eine Pose, damit das Publikum sie sieht. Früher haben Fußballer nach einem Tor gejubelt. Das war echt, das war [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Jubel|Jubel]] nach dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Sieg|Sieg]]. Heute machen sie Posen: Jeder soll sehen, was für ein Held ich bin. Auch die Influencer machen Posen für die Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Siu.&#039;&#039;&#039; Cristiano Ronaldo sprang im August 2013 nach einem Tor gegen Chelsea in die Luft und rief „Siu“. Er sagt selbst, das sei spontan gewesen: „I just scored the goal and it came out. It was just natural. Since that, I started to do it more often.“ Aus echtem Jubel wurde durch Wiederholung eine Pose, sein Markenzeichen. Die Übergänge sind fließend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Vorderbühne.&#039;&#039;&#039; Erving Goffman beschrieb 1959 das Alltagsleben als Theater, mit einer Vorderbühne, auf der man vor Publikum spielt, und einer Hinterbühne, auf der man unbeobachtet ist (&#039;&#039;The Presentation of Self in Everyday Life&#039;&#039;). Der Poser lebt auf der Vorderbühne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; ist der Eitle auch schon Poser. Den Kopf des geopferten Ochsen nagelt er gegenüber der Haustür an, damit jeder Besucher sieht, was er geopfert hat. Nach der Reiterparade gibt er die Ausrüstung dem Knecht und stolziert in Sporen über den Markt. Bei Vorführungen in seiner eigenen Halle kommt er als Letzter herein, damit die Zuschauer sagen: „That&#039;s the gentleman to whom the place belongs.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Stimmen&#039;&#039;&#039; (Reddit): „Curates her life online to make it look more fun and exciting than it really is.“ (r/AskMen, 2024) – „Sometimes guys post unfriendly non-smiling gym photos of them staring at their own arm muscles“ (r/Bumble, 2026). Das Aufpumpen vor dem Auftritt: „Shit, I do push-ups before cutting the lawn shirtless!“ – „You don&#039;t keep dumbbells in your trunk to do a few curls right before picking up your dates?“ – „you never look as good as your pump.“ Einer nennt seine Schnellübung selbst „the douchebag session“ (r/Fitness, 2015). – „When I cosplay, I want my picture taken with everyone.“ (r/AskMen, 2018)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prahler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], [[#Geltung|Geltung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Auch: Angeber.&lt;br /&gt;
* Varianten: Aufschneider&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Prahler behauptet mehr, als er kann, und tut auch mehr, als er kann. Er erkennt die Rangordnung im Können nicht an und glaubt, er stehe mit dem Meister auf einer Stufe. Gemeint ist das Können, nicht der menschliche Wert. Er gibt Phantasie-Erklärungen ab. Das ist keine bewusste Täuschung. Er lebt in einer Phantasiewelt und täuscht auch sich selbst. Diese Welt musste nie vor der Realität bestehen, da wäre sie gescheitert. Ihm wurde oft gesagt, dass er falsch liegt und unfähig ist. Aber das blendet er aus und erfindet von sich ein besseres Bild. Das ist chronisch: ein geschlossener Kreis (siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Aufschneider.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Prahlers ist der Aufschneider. Bei Theophrast heißt er Ἀλαζονεία: „Bragging is pretending to have excellences that one does not really possess.“ Er steht am Hafen und erzählt, wie viel Kapital er in Schiffen stecken hat, und schickt seinen Sklaven zur Bank, wo er eine Drachme hat. Er habe unter Alexander gedient und drei Briefe von Antipater bekommen, obwohl er nie aus seiner Stadt herausgekommen ist. In der Hungersnot habe er über fünf Talente für die Armen gegeben. Sein gemietetes Haus nennt er das Familienhaus und sagt, es sei zu klein für seine Freunde. Ob das Vermögen echt oder erfunden ist, ist für das Wesen irrelevant. Das Motiv ist dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Besser sein wollen.&#039;&#039;&#039; Geltung zu wollen ist an sich etwas Positives. Sie ist der Treibstoff für viele Errungenschaften und Leistungen. Beim Prahler geht es aber darum, besser zu sein als die anderen. Das ist traurig, denn er ist von den anderen abhängig. Ohne Vergleich gibt es keinen Rang. Dabei kann man den Rang und die Leistung anderer auch anerkennen, unabhängig davon, ob sie mehr haben oder können (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Achtung|Achtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wenn ein anderer mehr hat.&#039;&#039;&#039; Hat ein Nachbar das größere Haus oder das größere Auto, kommt der [[#Neid|Neid]] ins Spiel, wenn der andere ihm nah ist und es ein Gebiet ist, das ihm selbst zählt. Dann legt der Prahler nach, zieht den anderen herunter oder meidet den Vergleich. Der Neid ist sein Bruder: Auch er ist auf den Vergleich fixiert, und sein eigener Rang hängt von den anderen ab. Nach einer Umfrage von Solnick und Hemenway lehnten 48 % es ab, dass alle reicher werden, wenn das den eigenen Rang senkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast&#039;&#039;&#039; erscheint er in zwei Gestalten. Der Übereifrige zeigt „an excess in saying or doing, — with good intentions, of course“ und verspricht öffentlich Dinge, die er nicht leisten kann. Der Prahler ist „pretending to have excellences that one does not really possess“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Justin Kruger und David Dunning ließen 1999 Studenten nach einem Test schätzen, wie gut sie waren. Das schlechteste Viertel lag im 12. Perzentil und schätzte sich im 62. ein. Der Titel ihrer Studie: „Unskilled and unaware of it“. Wie stark das im Durchschnitt gilt, ist umstritten (Gilles Gignac und Marcin Zajenkowski 2020). Den Typ gibt es trotzdem. William von Hippel und Robert Trivers schrieben 2011, Selbsttäuschung sei entstanden, um andere besser zu täuschen: „self-deceptive self-enhancement also allows people to display more confidence than is warranted.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urtümlich.&#039;&#039;&#039; Der Angeber ist alt. Der Pfau schlägt sein Rad vor der Henne. Andere Tiere machen sich vor dem Rivalen größer, als sie sind: fast eine Drohgebärde, aber schon im Vorfeld, um einzuschüchtern, bevor es zum Kampf kommt. Rothirsche röhren um die Wette, wo ein Kampf droht, und das Röhren verrät dem Rivalen die Kampfkraft (Tim Clutton-Brock und Steve Albon 1979). Verliert ein Männchen der Winkerkrabbe seine große Schere, wächst eine neue nach, die gleich groß aussieht, aber leichter und schwächer ist. Damit blufft es: „Regenerated claws effectively bluff fighting ability and deter potential opponents before they fight.“ Auch die Weibchen fallen darauf herein. Bis zu 44 % der Männchen tragen solche Scheren (Patricia Backwell und Kollegen 2000). Das ist der Angeber in reiner Form: mehr zeigen, als da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Balz ruft den Angeber.&#039;&#039;&#039; Ein Dämon kann innerhalb desselben Menschen einen anderen zu Hilfe rufen. Die Balz ruft den Angeber, so wie beim Feigling die Angst den Täuscher ruft. Das ist eine Abfolge, keine Abstammung. Ein Feldversuch: Junge Skateboarder wagten riskantere Tricks, wenn eine attraktive Frau zusah, und ihr Testosteron stieg (Richard Ronay und William von Hippel 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Angeber vor Frauen – und vor Rivalinnen.&#039;&#039;&#039; Beim Menschen ist das Muster verbreitet. Derselbe Mann wirkt auf Frauen attraktiver, wenn er in einem Bentley sitzt; bei einer Frau am Steuer wirkt das nicht (Dunn &amp;amp; Searle 2010). Männer spenden deutlich mehr, wenn eine attraktive Frau zusieht; Frauen vor einem attraktiven Mann nicht (Iredale, Van Vugt &amp;amp; Dunbar 2008). Frauen geben auch an, nur anders: Sie investieren in Wirkung, Kosmetik ist eine ganze Industrie. Und Luxus zeigen sie oft anderen Frauen, als Mittel im Wettbewerb unter Rivalinnen (Hudders et al. 2014). Das ist wieder das Tier, das sich vor dem Rivalen größer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht jede Schminke und nicht jede teure Tasche ist Angeberei. Frauen tun das auch für sich selbst, nicht nur, um zu beeindrucken. Dann spricht [[#Geltung|Geltung]]: &#039;&#039;Ich bin wer.&#039;&#039; Das ist das gute Gefühl eines sicheren Reviers, kein Täuschen. Dasselbe Verhalten kann von verschiedenen Wesen kommen. Der Angeber braucht einen Zuschauer, den er übertrumpfen will. Geltung genügt sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsicht bei der Literatur: Viele Studien, die das Angeben durch „Paarungsstimmung“ auslösen wollten, ließen sich nicht wiederholen (Shanks et al. 2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stammesbruder ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Herde, Revierverhalten/Gebiet, Jagdtrieb · zu –&lt;br /&gt;
* Die Herde bringt das Zusammenhalten und das Ausstoßen der Abweichler, der Jagdtrieb die gemeinsame Jagd auf Minderheiten: Wölfe jagen gemeinsam und töten fremde Wölfe, die Schimpansen von Gombe stellten die Abtrünnigen in Gruppen und töteten sie einzeln.&lt;br /&gt;
* Verwandt: Revierverhalten/Gebiet; Fan und Kamerad; Verachtung gegen die Fremden.&lt;br /&gt;
* Wirkt bei vielen Wesen mit: beim Streber, beim Held, beim Krieger, beim Zwerg. Darum ist er kein Elternteil des Zwergs, sondern ein eigener Dämon.&lt;br /&gt;
* Trigger: die Kennzeichen (Trikot, Fahne, Dialekt), eine Bedrohung von außen, ein Abweichler in den eigenen Reihen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stammesbruder ist fundamental&lt;br /&gt;
Das wirkt bei ziemlich allen Gruppen Bildungen mit auf denen Zivilisationen beruhen&lt;br /&gt;
In Wahrheit gibt es nicht Nationen oder Firmen oder Gesellschaften oder Kunst oder Wissenschaft als Verbindung von Menschen&lt;br /&gt;
Da verbinden sich Menschen zu einem Stamm mit 50 anderen Menschen die sie kennen&lt;br /&gt;
Das ist die wirkende Dynamik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es ein Thema braucht mit dem sich ein Stamm identifiziert&lt;br /&gt;
Eine Lehre&lt;br /&gt;
Eine Ideologie&lt;br /&gt;
Aber abgesehen von Sinn oder Unsinn&lt;br /&gt;
Was da passiert ist Stammesverhalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es einen Kanon an gemeinsamen Symbolen, Masken, Kleidung, Haarschnitt, Fahnen, Ritualen, Sprüchen , Sprache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wird auch peinlich darauf geachtet dass das eingehalten wird von denen die dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sind die die nicht dazu gehören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die wird mindestens herab geschaut&lt;br /&gt;
Und wenn es schlimm kommt gibt es auch Krieg und Verfolgung&lt;br /&gt;
Das ist eine unschöne Seite davon&lt;br /&gt;
Oft werden da Minderheiten gesucht&lt;br /&gt;
Als Feind der die Gruppe bedroht&lt;br /&gt;
Um die Truppe folgsam zu machen gegen den gemeinsamen Feind&lt;br /&gt;
Der Dämon Stammesbruder übernimmt das Ruder und schaltet das kritische Denken aus&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand ist Mitglied vom Stamm. Stammesverhalten ist ein mächtiger Trieb, der sehr viel menschliches Verhalten erklärt. Überall bilden wir Gruppen mit einheitlichen Kennzeichen. Und um in die Gruppe aufgenommen zu werden, muss man Hürden überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie schnell er da ist:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Robbers Cave, 1954: Zwei Gruppen von Jungen im Ferienlager, die sich vorher nicht kannten. Nach wenigen Tagen hatten sie Namen, die „Adler“ und die „Klapperschlangen“, eigene Fahnen und eigene Regeln. Bald verbrannten sie die Fahne der anderen und überfielen deren Hütte.&lt;br /&gt;
* Tajfel, 1970er-Jahre: Schüler wurden angeblich danach eingeteilt, ob sie Bilder von Klee oder von Kandinsky lieber mögen. In Wahrheit war es Zufall. Trotzdem gaben sie beim Verteilen von Geld der eigenen Gruppe mehr und verzichteten sogar auf Geld, nur damit der Abstand zur anderen Gruppe größer wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Hürde:&#039;&#039;&#039; 1959 mussten Studentinnen, um in eine Diskussionsgruppe zu kommen, vor einem Mann peinliche Wörter laut vorlesen. Danach hörten alle dieselbe absichtlich langweilige Diskussion. Wer die peinliche Aufnahme durchgemacht hatte, fand die Gruppe besonders gut. Je höher die Hürde, desto wertvoller die Gruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen und Hürden:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Militär&#039;&#039;&#039;: Kopf kahl, Uniform, Grundausbildung, Drill. Der Einzelne wird abgelegt, die Truppe wird angezogen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fußball&#039;&#039;&#039;: Schal, Trikot, Fangesänge. Schalke und Dortmund liegen 30 Kilometer auseinander und hassen sich neunzig Minuten lang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Berufe&#039;&#039;&#039;: Der Zimmermann auf der Walz in schwarzer Kluft, drei Jahre und einen Tag unterwegs, nicht näher als 50 Kilometer an seinen Heimatort. Der Doktortitel bei den Akademikern. Die verschlüsselte Fachsprache des [[Zwerg]]s ist das Kennzeichen seines Stammes, der Aufnahmeritus.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Studentenverbindungen&#039;&#039;&#039;: der Schmiss von der Mensur, eine Narbe im Gesicht als Kennzeichen fürs Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Alt:&#039;&#039;&#039; In Gombe in Tansania hat sich in den 1970er-Jahren eine Schimpansengruppe gespalten. Über vier Jahre hat die größere Gruppe die Männchen der abgespaltenen Gruppe einzeln aufgespürt und getötet. Vorher waren es Gruppenmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Stamm von 50:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der Anthropologe Robin Dunbar hat gezählt, wie groß menschliche Gruppen von selbst werden: etwa 5 enge Vertraute, 15 gute Freunde, 50 Leute, mit denen man lagert und jagt, 150, die man noch beim Namen kennt. Die 50 ist bei Jägern und Sammlern die Größe eines Lagers.&lt;br /&gt;
* Die Armeen haben das immer gewusst. Der Zug hat 30 bis 50 Mann, die Kompanie um die 150. Bei den Römern teilten sich 8 Mann ein Zelt.&lt;br /&gt;
* Shils und Janowitz befragten 1948 gefangene Wehrmachtssoldaten, warum sie bis zuletzt weiterkämpften, als der Krieg längst verloren war. Nicht die Ideologie hielt sie. Die meisten kämpften für die Männer neben ihnen im Graben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Thema ist austauschbar:&#039;&#039;&#039; Bei Tajfel reichte die Frage, ob einem Klee oder Kandinsky besser gefällt, und in Wahrheit nicht einmal das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Peinlich genau eingehalten:&#039;&#039;&#039; Wer aus der eigenen Gruppe abweicht, wird härter verurteilt als ein Fremder, der dasselbe tut. Die Psychologen nennen das den Schwarze-Schaf-Effekt. Der Abtrünnige ist schlimmer als der Feind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das kritische Denken ausgeschaltet:&#039;&#039;&#039; Solomon Asch, 1951. Eine Versuchsperson sitzt mit sieben anderen am Tisch, die heimlich eingeweiht sind. Alle sollen sagen, welche von drei Linien so lang ist wie eine vierte. Die Antwort ist offensichtlich. Aber die sieben sagen nacheinander laut die falsche. Etwa drei von vier Versuchspersonen haben mindestens einmal mitgemacht und gegen ihre eigenen Augen die falsche Linie genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gemeinsame Feind:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Das Wort Sündenbock kommt aus der Bibel. Am Versöhnungstag legte der Priester die Sünden des Volkes einem Ziegenbock auf und jagte ihn in die Wüste.&lt;br /&gt;
* Im Ferienlager von Robbers Cave wurden die verfeindeten Gruppen am Ende durch eine gemeinsame Bedrohung versöhnt: Die Wasserleitung des Lagers war angeblich sabotiert.&lt;br /&gt;
* Göring erklärte 1946 in Nürnberg dem Gefängnispsychologen Gilbert sinngemäß: Das Volk lässt sich immer zum Krieg bringen. Man muss ihm nur sagen, es werde angegriffen, und die Friedensfreunde als Vaterlandsverräter hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“&#039;&#039; → Freund oder Feind, kein Drittes.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Das macht man bei uns nicht.“&#039;&#039; → Die Regel des Stammes, ohne Begründung.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Die da.“&#039;&#039; → Der Fremde braucht keinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die andere Seite:&#039;&#039;&#039; Derselbe Dämon trägt den verletzten Kameraden aus dem Feuer. Ohne ihn gäbe es keine Feuerwehr und keine Bergwacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Offen:&#039;&#039;&#039; sein Ruf-Name.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=953</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=953"/>
		<updated>2026-10-31T14:18:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quengler: erwachsener Quengler, Formen, Motiv, Abgrenzung zum Mecker; Sprüche ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Brauen sind gesenkt und zusammengezogen, die Stirn gefurcht, das Gesicht gerötet. Der Mund ist geöffnet, die Mundwinkel zeigen nach unten. Er hat schlechte Laune.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ruckt vor, eine Hand wird erhoben oder schlägt kurz durch die Luft, die Stimme ist laut und kurz. Dann ist es vorbei.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]] bannt ihn, auch Freude und Verständnis, eher wenn sie von einer anderen Person kommen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Ärgergesicht.&#039;&#039;&#039; Die Mimik des Ärgers ist angeboren und kulturübergreifend, auch blind geborene Kinder zeigen sie. Typisch sind gesenkte, zusammengezogene Brauen, angespannte Lider, schmale Lippen und ein vorgeschobenes Kinn. Sell, Cosmides und Tooby (2014) deuten sie als Drohgebärde, denn jedes dieser Merkmale lässt den Träger stärker wirken. Beim Mecker kommen der offene Mund zum Schimpfen und die herabgezogenen Mundwinkel der schlechten Laune hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mecker und Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Es kann auch sein, dass man meckert, weil man verbittert ist, als Ersatz für die Enttäuschung. Das ist keine Abstammung, sondern Politik.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“ „Jetzt stell dich doch nicht so an.“ „Das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt.“ „Warum kannst du mir nicht einfach den Gefallen tun?“ „Mir hilft ja sowieso keiner.“ „Immer muss ich alles alleine machen.“ „Wenn ich dir wichtig wäre, würdest du das tun.“ „Ist schon gut. Ich komme schon irgendwie zurecht.“ „Na, vielen Dank auch.“ „Schon gut, ich habe verstanden.“ „Mach doch, was du willst.“ „Ich sage lieber gar nichts mehr.“ „Hast du es dir inzwischen anders überlegt?“ „Und warum geht es jetzt nicht?“ „Ich verstehe immer noch nicht, was dagegen spricht.“ „Wir können doch noch mal darüber reden.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Revier.&#039;&#039;&#039; Er betrachtet das, was er haben will, als seinen Besitz. Es steht ihm zu. Es gehört ihm. Und dieses Revier verteidigt er.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz von klein auf.&#039;&#039;&#039; Kleinkinder beanspruchen ab etwa 18 bis 24 Monaten Dinge mit „Mein!“ und erleben das als unveräußerlich (Rochat 2011). Beim Einkaufen bittet die große Mehrheit der Kinder um etwas, etwa alle vier Minuten. Die Eltern lehnen etwa drei Viertel der Bitten ab, und weniger als ein Fünftel gibt nach (University of South Australia 2019).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der erwachsene Quengler.&#039;&#039;&#039; Erwachsene quengeln ebenfalls, und zwar nicht selten. Allerdings ist das Verhalten bei ihnen oft subtiler als bei Kindern. Der grundlegende Mechanismus bleibt derselbe: Der Quengler macht seine Unzufriedenheit so lange zum Problem anderer, bis diese nachgeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Typische Formen bei Erwachsenen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Der fordernde Quengler.&#039;&#039;&#039; Er möchte etwas haben und akzeptiert ein Nein nicht.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Der leidende Quengler.&#039;&#039;&#039; Er setzt auf Mitleid und schlechtes Gewissen.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Der beleidigte Quengler.&#039;&#039;&#039; Er zeigt demonstrativ seine Unzufriedenheit, ohne seine Forderung offen auszusprechen.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der hartnäckige Quengler.&#039;&#039;&#039; Er bringt dieselbe Forderung immer wieder vor, auch nachdem sie abgelehnt wurde.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ist sein eigentliches Motiv?&#039;&#039;&#039; Bei Kindern ist Quengeln oft unmittelbarer Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses. Beim erwachsenen Quengler kann es sich dagegen um eine fest eingeübte Strategie zur Einflussnahme handeln. Er hat gelernt, dass Beharrlichkeit, Jammern und demonstrative Unzufriedenheit wirksamer sein können als Argumente. Dabei muss er nicht bewusst manipulieren. Das Verhalten kann längst automatisiert sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Eine wichtige Besonderheit.&#039;&#039;&#039; Der erwachsene Quengler kann sogar Freude daran entwickeln, seinen Willen durchzusetzen. Dann ist nicht mehr nur die Erfüllung seines ursprünglichen Wunsches befriedigend, sondern auch die Erfahrung: „Ich habe ihn so lange bearbeitet, bis er nachgegeben hat.“ Damit bekommt das Quengeln ein Eigenleben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung zum Mecker.&#039;&#039;&#039; Der Mecker sucht Anlässe, sich über etwas zu ärgern. Seine Belohnung kann bereits das Meckern selbst sein. Der Quengler dagegen sucht zunächst die Erfüllung eines Wunsches. Er will eine Reaktion oder ein Zugeständnis erzwingen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Mit Eifersucht.&#039;&#039;&#039; Der Quengler arbeitet gelegentlich mit der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] zusammen. Ein Kind klimpert auf dem Klavier, solange Besuch da ist, und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, sodass kein Gespräch möglich ist. Beide treten zusammen oder getrennt auf, die Übergänge sind fließend. Ein eigenes Wesen wäre es erst, wenn der Bund stabil wird, wie bei der Flechte aus Pilz und Alge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Stammbaum/Quelltext</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum/Quelltext&amp;diff=952"/>
		<updated>2026-10-31T14:16:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quelltext: Pfeil Trotz → Quengler&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Quelltext des [[Stammbaum|Stammbaums]] (Graphviz). Daraus wird das Bild [[:Datei:Stammbaum der Seele.png]] erzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ändern: Wesen und Linien hier anpassen, dann mit Graphviz (&amp;lt;code&amp;gt;dot -Tpng&amp;lt;/code&amp;gt;) neu zeichnen und das Bild als neue Version hochladen. Eine Zeile &amp;lt;code&amp;gt;&amp;quot;A&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;B&amp;quot;;&amp;lt;/code&amp;gt; heißt: B stammt von A oder wird von A erzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;syntaxhighlight lang=&amp;quot;dot&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
digraph Stammbaum {&lt;br /&gt;
 graph [rankdir=TB, splines=true, nodesep=0.25, ranksep=0.9, fontname=&amp;quot;Helvetica&amp;quot;, fontsize=28,&lt;br /&gt;
        label=&amp;quot;STAMMBAUM DER MENSCHLICHEN SEELE\n &amp;quot;, labelloc=t, bgcolor=white, pad=0.4];&lt;br /&gt;
 node [shape=ellipse, fontname=&amp;quot;Helvetica&amp;quot;, fontsize=13, style=filled, fillcolor=white, color=&amp;quot;#333333&amp;quot;, penwidth=1.2];&lt;br /&gt;
 edge [color=&amp;quot;#333333&amp;quot;, arrowsize=0.7, penwidth=1.1];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Aphrodite&amp;quot; [label=&amp;quot;Aphrodite&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; [label=&amp;quot;HOMO&amp;quot;, fontsize=22, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Odem&amp;quot; [label=&amp;quot;Odem&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Durst&amp;quot; [label=&amp;quot;Durst&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sunny&amp;quot; [label=&amp;quot;Sunny&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; [label=&amp;quot;Balz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; [label=&amp;quot;Elter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; [label=&amp;quot;Sammler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; [label=&amp;quot;Putz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; [label=&amp;quot;Urschlummer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; [label=&amp;quot;Beutetier&amp;quot;, fontsize=17, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; [label=&amp;quot;Hunger\nSchlemmer&amp;quot;, fontsize=15, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; [label=&amp;quot;Raubtier&amp;quot;, fontsize=17, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Liebe&amp;quot; [label=&amp;quot;Liebe&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eifersucht&amp;quot; [label=&amp;quot;Eifersucht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschützer&amp;quot; [label=&amp;quot;Beschützer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nestbau&amp;quot; [label=&amp;quot;Nestbau&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Messi&amp;quot; [label=&amp;quot;Messi&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gähn&amp;quot; [label=&amp;quot;Gähn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; [label=&amp;quot;Schreck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; [label=&amp;quot;Angst&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; [label=&amp;quot;Obacht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grauen&amp;quot; [label=&amp;quot;Grauen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; [label=&amp;quot;Verwirrt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Horror&amp;quot; [label=&amp;quot;Horror&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verblüffung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; [label=&amp;quot;Staun&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; [label=&amp;quot;Neugier&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verehrung\nBewunderung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot; [label=&amp;quot;Zwerg\nGelehrter&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; [label=&amp;quot;Verdammter&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; [label=&amp;quot;Zombie&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zweifler&amp;quot; [label=&amp;quot;Zweifler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; [label=&amp;quot;Ekel&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Öde&amp;quot; [label=&amp;quot;Öde&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verachtung&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; [label=&amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; [label=&amp;quot;Wüterich&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; [label=&amp;quot;Vampir&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; [label=&amp;quot;Zorn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Choleriker&amp;quot; [label=&amp;quot;Choleriker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmach&amp;quot;, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; [label=&amp;quot;Ärger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; [label=&amp;quot;Groll&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Scham&amp;quot; [label=&amp;quot;Scham&amp;quot;, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; [label=&amp;quot;Büßer&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hohn&amp;quot; [label=&amp;quot;Hohn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zynisch&amp;quot; [label=&amp;quot;Zynisch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Arroganz&amp;quot; [label=&amp;quot;Arroganz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Spötter&amp;quot; [label=&amp;quot;Spötter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Häme&amp;quot; [label=&amp;quot;Häme&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kobold&amp;quot; [label=&amp;quot;Kobold&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; [label=&amp;quot;Piesacker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hass&amp;quot; [label=&amp;quot;Hass&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gewissheit&amp;quot; [label=&amp;quot;Gewissheit&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; [label=&amp;quot;Sieg&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; [label=&amp;quot;Hexe\nPsychopath\nNarzist&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; [label=&amp;quot;Täuscher&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dank&amp;quot; [label=&amp;quot;Dank&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jubel&amp;quot; [label=&amp;quot;Jubel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stolz&amp;quot; [label=&amp;quot;Stolz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; [label=&amp;quot;Triumph&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mut&amp;quot; [label=&amp;quot;Mut&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Held&amp;quot; [label=&amp;quot;Held&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Achtung&amp;quot; [label=&amp;quot;Achtung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot; [label=&amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; [label=&amp;quot;Gelassen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot; [label=&amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Streber&amp;quot; [label=&amp;quot;Streber&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot; [label=&amp;quot;Wuff Wuff\nbetteln um\nAnerkennung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; [label=&amp;quot;Formal&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Herde&amp;quot; [label=&amp;quot;Herde&amp;quot;, fontsize=15, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot; [label=&amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; [label=&amp;quot;Revierverhalten\nGebiet&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; [label=&amp;quot;Neid&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Amok&amp;quot; [label=&amp;quot;Amok&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; [label=&amp;quot;Geltung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; [label=&amp;quot;Eitelkeit&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Poser&amp;quot; [label=&amp;quot;Poser&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prahler&amp;quot; [label=&amp;quot;Prahler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; [label=&amp;quot;Perfektionist&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; [label=&amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot;, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Troll&amp;quot; [label=&amp;quot;Troll&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Empörung&amp;quot; [label=&amp;quot;Empörung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pedant&amp;quot; [label=&amp;quot;Pedant&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Traurig&amp;quot; [label=&amp;quot;Traurig&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Feierlich&amp;quot; [label=&amp;quot;Feierlich&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; [label=&amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Bestätiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Bestätiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Demütiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Demütiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Drohender&amp;quot; [label=&amp;quot;Drohender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egal&amp;quot; [label=&amp;quot;Egal&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitel&amp;quot; [label=&amp;quot;Eitel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekstase&amp;quot; [label=&amp;quot;Ekstase&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; [label=&amp;quot;Elf&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Entsetzen&amp;quot; [label=&amp;quot;Entsetzen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; [label=&amp;quot;Fan&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stalker&amp;quot; [label=&amp;quot;Stalker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Höriger&amp;quot; [label=&amp;quot;Höriger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Folterer&amp;quot; [label=&amp;quot;Folterer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Knauser&amp;quot; [label=&amp;quot;Knauser&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Krieger&amp;quot; [label=&amp;quot;Krieger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kuschel&amp;quot; [label=&amp;quot;Kuschel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Laster&amp;quot; [label=&amp;quot;Laster&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lausch&amp;quot; [label=&amp;quot;Lausch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lästerer&amp;quot; [label=&amp;quot;Lästerer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mijam&amp;quot; [label=&amp;quot;Mijam&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Moralist&amp;quot; [label=&amp;quot;Moralist&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Murmel&amp;quot; [label=&amp;quot;Murmel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mümmel&amp;quot; [label=&amp;quot;Mümmel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot; [label=&amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neck&amp;quot; [label=&amp;quot;Neck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nörgler&amp;quot; [label=&amp;quot;Nörgler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Quengler&amp;quot; [label=&amp;quot;Quengler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Paragraph&amp;quot; [label=&amp;quot;Paragraph&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; [label=&amp;quot;Prediger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Puppe&amp;quot; [label=&amp;quot;Puppe&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pädagoge&amp;quot; [label=&amp;quot;Pädagoge&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rache&amp;quot; [label=&amp;quot;Rache&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grober&amp;quot; [label=&amp;quot;Grober&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gefälliger&amp;quot; [label=&amp;quot;Gefälliger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [label=&amp;quot;Unverschämter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rammler&amp;quot; [label=&amp;quot;Rammler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Repro&amp;quot; [label=&amp;quot;Repro&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rückgrat&amp;quot; [label=&amp;quot;Rückgrat&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schlimm&amp;quot; [label=&amp;quot;Schlimm&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmack&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmack&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmatz&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmatz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmauß&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmauß&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot; [label=&amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Seufz&amp;quot; [label=&amp;quot;Seufz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sklave&amp;quot; [label=&amp;quot;Sklave&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Spielebär&amp;quot; [label=&amp;quot;Spielebär&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stutzig&amp;quot; [label=&amp;quot;Stutzig&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sucht&amp;quot; [label=&amp;quot;Sucht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Tolpatsch&amp;quot; [label=&amp;quot;Tolpatsch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Trank&amp;quot; [label=&amp;quot;Trank&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Venus&amp;quot; [label=&amp;quot;Venus&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verbittert&amp;quot; [label=&amp;quot;Verbittert&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdutzt&amp;quot; [label=&amp;quot;Verdutzt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verlegener&amp;quot; [label=&amp;quot;Verlegener&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verzweiflung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot; [label=&amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zauderer&amp;quot; [label=&amp;quot;Zauderer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Odem&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Durst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sunny&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Balz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Elter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sammler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Putz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Urschlummer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beutetier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Raubtier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschützer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nestbau&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschützer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nestbau&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Messi&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gähn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schreck&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Angst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Obacht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grauen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verwirrt&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Horror&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verblüffung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Staun&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neugier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ekel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Öde&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verachtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Wüterich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Vampir&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Achtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zorn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Choleriker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmach&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verachtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ärger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Groll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Scham&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Scham&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Büßer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hohn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zynisch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Arroganz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spötter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Kobold&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Piesacker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gewissheit&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sieg&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kobold&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spötter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zweifler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Jubel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stolz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Triumph&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mut&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mut&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Held&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dank&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Achtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Held&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gelassen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gelassen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Herde&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Herde&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neid&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zorn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geltung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Poser&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prahler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Arroganz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nachtragender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verbittert&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prahler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Formal&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mecker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; [constraint=false];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Trotz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Quengler&amp;quot; [constraint=false];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Häme&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Folterer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Folterer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Piesacker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jubel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feierlich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feierlich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stolz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rückgrat&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Aphrodite&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Egal&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Bestätiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pedant&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pedant&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lästerer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lästerer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Empörung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schlimm&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Demütiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neck&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nörgler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Drohender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Krieger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschützer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Liebe&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prediger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pädagoge&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verlegener&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verlegener&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Angst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rache&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rache&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ekstase&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pedant&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spielebär&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stutzig&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verdutzt&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Achtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fan&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stalker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eifersucht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stalker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Höriger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Höriger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Demütiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lausch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Puppe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sklave&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sklave&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eitel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Entsetzen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Seufz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zauderer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Repro&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sucht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Laster&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Traurig&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Knauser&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Tolpatsch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Öde&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nörgler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lästerer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmauß&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmatz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmack&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Trank&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mijam&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mijam&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rammler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Paragraph&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Elf&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Dank&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Kuschel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kuschel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Putz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Puppe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Murmel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mümmel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zynisch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 // Varianten (gestrichelt)&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; [label=&amp;quot;Egozentriker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schwätzer&amp;quot; [label=&amp;quot;Schwätzer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dozent&amp;quot; [label=&amp;quot;Dozent&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [label=&amp;quot;Nehmer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Feigling&amp;quot; [label=&amp;quot;Feigling&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Abergläubischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Abergläubischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; [label=&amp;quot;Misstrauen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mürrischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Mürrischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Misstrauischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot; [label=&amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mecker&amp;quot; [label=&amp;quot;Mecker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geck&amp;quot; [label=&amp;quot;Geck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Diva&amp;quot; [label=&amp;quot;Diva&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Aufschneider&amp;quot; [label=&amp;quot;Aufschneider&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schwätzer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Dozent&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feigling&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feigling&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Abergläubischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mürrischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Troll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mecker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Moralist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mecker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geck&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geck&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Diva&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Diva&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prahler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Aufschneider&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 subgraph cluster_lose { label=&amp;quot;noch ohne Ort&amp;quot;; fontsize=16; style=rounded; color=&amp;quot;#999999&amp;quot;;&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmarotzer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot; [label=&amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Drama Queen/Heulsuse&amp;quot; [label=&amp;quot;Drama Queen\nHeulsuse&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Trotz&amp;quot; [label=&amp;quot;Trotz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Menschenfreund&amp;quot; [label=&amp;quot;Menschenfreund&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Heuchler&amp;quot; [label=&amp;quot;Heuchler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Nachtragender&amp;quot; [label=&amp;quot;Nachtragender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Spendabel&amp;quot; [label=&amp;quot;Spendabel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Kamerad&amp;quot; [label=&amp;quot;Kamerad&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Mitleid&amp;quot; [label=&amp;quot;Mitleid&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Vasall&amp;quot; [label=&amp;quot;Vasall&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  { rank=same; &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; &amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot; &amp;quot;Drama Queen/Heulsuse&amp;quot; &amp;quot;Trotz&amp;quot; &amp;quot;Menschenfreund&amp;quot; }&lt;br /&gt;
  { rank=same; &amp;quot;Heuchler&amp;quot; &amp;quot;Nachtragender&amp;quot; &amp;quot;Spendabel&amp;quot; &amp;quot;Kamerad&amp;quot; &amp;quot;Mitleid&amp;quot; &amp;quot;Vasall&amp;quot; }&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Heuchler&amp;quot; [style=invis];&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; [style=invis];&lt;br /&gt;
 subgraph cluster_leg { label=&amp;quot;Legende&amp;quot;; fontsize=14; style=rounded; color=&amp;quot;#999999&amp;quot;;&lt;br /&gt;
  legA [label=&amp;quot;Steckbrief im Wiki&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
  legW [label=&amp;quot;Wesen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  legV [label=&amp;quot;Variante&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  legW -&amp;gt; legV [style=dashed];&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/syntaxhighlight&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
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		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Datei:Stammbaum_der_Seele.png&amp;diff=951</id>
		<title>Datei:Stammbaum der Seele.png</title>
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		<updated>2026-10-31T14:16:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Admin lud eine neue Version von Datei:Stammbaum der Seele.png hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Stammbaum der menschlichen Seele, nachgezeichnet nach [[Datei:Stammbaum jpg.jpg]] (Bild 2023). Quelltext: [[Stammbaum/Quelltext]].&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=950</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=950"/>
		<updated>2026-10-31T14:16:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quengler: Stammbaum von Trotz, Das Revier, Besitz von klein auf&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Brauen sind gesenkt und zusammengezogen, die Stirn gefurcht, das Gesicht gerötet. Der Mund ist geöffnet, die Mundwinkel zeigen nach unten. Er hat schlechte Laune.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ruckt vor, eine Hand wird erhoben oder schlägt kurz durch die Luft, die Stimme ist laut und kurz. Dann ist es vorbei.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]] bannt ihn, auch Freude und Verständnis, eher wenn sie von einer anderen Person kommen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Ärgergesicht.&#039;&#039;&#039; Die Mimik des Ärgers ist angeboren und kulturübergreifend, auch blind geborene Kinder zeigen sie. Typisch sind gesenkte, zusammengezogene Brauen, angespannte Lider, schmale Lippen und ein vorgeschobenes Kinn. Sell, Cosmides und Tooby (2014) deuten sie als Drohgebärde, denn jedes dieser Merkmale lässt den Träger stärker wirken. Beim Mecker kommen der offene Mund zum Schimpfen und die herabgezogenen Mundwinkel der schlechten Laune hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mecker und Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Es kann auch sein, dass man meckert, weil man verbittert ist, als Ersatz für die Enttäuschung. Das ist keine Abstammung, sondern Politik.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Trotz|Trotz]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Revier.&#039;&#039;&#039; Er betrachtet das, was er haben will, als seinen Besitz. Es steht ihm zu. Es gehört ihm. Und dieses Revier verteidigt er.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Besitz von klein auf.&#039;&#039;&#039; Kleinkinder beanspruchen ab etwa 18 bis 24 Monaten Dinge mit „Mein!“ und erleben das als unveräußerlich (Rochat 2011). Beim Einkaufen bittet die große Mehrheit der Kinder um etwas, etwa alle vier Minuten. Die Eltern lehnen etwa drei Viertel der Bitten ab, und weniger als ein Fünftel gibt nach (University of South Australia 2019).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Mit Eifersucht.&#039;&#039;&#039; Der Quengler arbeitet gelegentlich mit der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] zusammen. Ein Kind klimpert auf dem Klavier, solange Besuch da ist, und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, sodass kein Gespräch möglich ist. Beide treten zusammen oder getrennt auf, die Übergänge sind fließend. Ein eigenes Wesen wäre es erst, wenn der Bund stabil wird, wie bei der Flechte aus Pilz und Alge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=949</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=949"/>
		<updated>2026-10-31T14:04:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quengler: Mit Eifersucht&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Brauen sind gesenkt und zusammengezogen, die Stirn gefurcht, das Gesicht gerötet. Der Mund ist geöffnet, die Mundwinkel zeigen nach unten. Er hat schlechte Laune.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ruckt vor, eine Hand wird erhoben oder schlägt kurz durch die Luft, die Stimme ist laut und kurz. Dann ist es vorbei.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]] bannt ihn, auch Freude und Verständnis, eher wenn sie von einer anderen Person kommen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Ärgergesicht.&#039;&#039;&#039; Die Mimik des Ärgers ist angeboren und kulturübergreifend, auch blind geborene Kinder zeigen sie. Typisch sind gesenkte, zusammengezogene Brauen, angespannte Lider, schmale Lippen und ein vorgeschobenes Kinn. Sell, Cosmides und Tooby (2014) deuten sie als Drohgebärde, denn jedes dieser Merkmale lässt den Träger stärker wirken. Beim Mecker kommen der offene Mund zum Schimpfen und die herabgezogenen Mundwinkel der schlechten Laune hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mecker und Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Es kann auch sein, dass man meckert, weil man verbittert ist, als Ersatz für die Enttäuschung. Das ist keine Abstammung, sondern Politik.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Mit Eifersucht.&#039;&#039;&#039; Der Quengler arbeitet gelegentlich mit der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] zusammen. Ein Kind klimpert auf dem Klavier, solange Besuch da ist, und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, sodass kein Gespräch möglich ist. Beide treten zusammen oder getrennt auf, die Übergänge sind fließend. Ein eigenes Wesen wäre es erst, wenn der Bund stabil wird, wie bei der Flechte aus Pilz und Alge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=948</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=948"/>
		<updated>2026-10-31T09:51:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Mecker: Mecker und Verbitterter (ersetzt Kette)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Brauen sind gesenkt und zusammengezogen, die Stirn gefurcht, das Gesicht gerötet. Der Mund ist geöffnet, die Mundwinkel zeigen nach unten. Er hat schlechte Laune.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ruckt vor, eine Hand wird erhoben oder schlägt kurz durch die Luft, die Stimme ist laut und kurz. Dann ist es vorbei.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]] bannt ihn, auch Freude und Verständnis, eher wenn sie von einer anderen Person kommen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Ärgergesicht.&#039;&#039;&#039; Die Mimik des Ärgers ist angeboren und kulturübergreifend, auch blind geborene Kinder zeigen sie. Typisch sind gesenkte, zusammengezogene Brauen, angespannte Lider, schmale Lippen und ein vorgeschobenes Kinn. Sell, Cosmides und Tooby (2014) deuten sie als Drohgebärde, denn jedes dieser Merkmale lässt den Träger stärker wirken. Beim Mecker kommen der offene Mund zum Schimpfen und die herabgezogenen Mundwinkel der schlechten Laune hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mecker und Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Es kann auch sein, dass man meckert, weil man verbittert ist, als Ersatz für die Enttäuschung. Das ist keine Abstammung, sondern Politik.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum&amp;diff=947</id>
		<title>Stammbaum</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum&amp;diff=947"/>
		<updated>2026-10-31T08:37:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Legende: gestricheltes Oval&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Category:Daemon]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Dies ist der Stammbaum der menschlichen Seele&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmt ist das nicht ohne Fehler. Und gewiss ist das auch nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist ein erster Ansatz. Es ist ein Entwurf, der zeigt wie man die Entwicklung der Seele aus den heute lebenden Dämonen ablesen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin ein Empath. Ich schaue den Menschen direkt auf den Grund ihrer Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe etwas getan, dass zuvor Niemand sonst außer mir jemals getan hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe &#039;&#039;dem Menschen&#039;&#039; auf den Grund seiner Seele geschaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stammbaum ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum der Seele.png|rahmenlos|1150px|Stammbaum der menschlichen Seele]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Pfeil heißt: Das untere Wesen stammt vom oberen ab oder wird von ihm erzeugt. Wut erzeugt Scham, innere Wut. Die Hexe erzeugt den Hörigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Farbig hinterlegt: Wesen mit Steckbrief im Wiki. Im Kasten „noch ohne Ort“ stehen Wesen, die noch nicht eingeordnet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestricheltes Oval: Wesen, das sich nach innen richtet, gegen den eigenen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelltext zum Ändern: [[Stammbaum/Quelltext]]. Die Wesen mit ihren Beschreibungen: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br style=&amp;quot;clear:both&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie neue Dämonen entstehen ==&lt;br /&gt;
Neue Dämonen bilden sich zuerst in Einzelnen und verbreiten sich von da aus. Allerdings muss der Boden dafür da sein, dass die Pflanze wächst. Letztlich sind es Meme, die sich verbreiten wie Mode. Wobei das natürlich noch mehr ist: Ein Dämon hat Hunger und handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Gleichnis vom Sämann&#039;&#039;&#039; (Matthäus 13): Ein Teil der Saat fällt auf den Weg, und die Vögel fressen ihn. Ein Teil fällt auf felsigen Grund, geht schnell auf und verdorrt, weil er keine Wurzeln hat. Ein Teil fällt unter die Dornen und wird erstickt. Ein Teil fällt auf guten Boden und bringt hundertfach Frucht. Derselbe Same, verschiedener Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Same ohne Boden:&#039;&#039;&#039; Aristarch von Samos sagte im 3. Jahrhundert vor Christus, dass die Erde um die Sonne kreist. Niemand folgte ihm. 1.800 Jahre später sagte Kopernikus dasselbe, und diesmal wuchs es: Buchdruck, Seefahrt, Zweifel an der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einer fängt an, der Boden ist bereit:&#039;&#039;&#039; Im Juli 1518 begann in Straßburg eine Frau namens Troffea auf der Straße zu tanzen und hörte tagelang nicht auf. Nach einer Woche tanzten Dutzende, nach einem Monat Hunderte, einige bis zur Erschöpfung. Der Boden: Hungerjahre, Seuchen und der Glaube, dass der heilige Veit einen mit Tanzwut verfluchen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ein Mann und sein Dämon:&#039;&#039;&#039; Franz von Assisi warf um 1206 seine Kleider vor dem Bischof auf den Boden und gab seinem reichen Vater alles zurück. Zwanzig Jahre später hatte sein Orden Tausende Brüder in ganz Europa. Der Boden: eine reiche Kirche, über die viele unglücklich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie in der Biologie:&#039;&#039;&#039; Jede Mutation entsteht zuerst in einem einzigen Tier. Ob sie sich verbreitet, entscheidet die Umgebung. Ein neuer Dämon ist wie eine neue Art. Richard Dawkins hat 1976 für Ideen, die sich so verbreiten, das Wort „Mem“ erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Symbiose ===&lt;br /&gt;
Am Stammbaum sieht man: Viele Wesen haben zwei oder mehr Eltern. Der Zwerg kommt von Neugier, Zombie und Formal, die Hexe von Piesacker und Täuscher, die Verachtung von Zorn und Ekel, der Streber von Ehrgeiz und Wuff Wuff, der Stammesbruder von Herde und Revierverhalten. Neue Dämonen entstehen durch Symbiose, und dafür gelten dieselben Regeln wie für die biologische Symbiose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Symbiose wird zuerst von einem Einzelnen entdeckt, und dann verbreitet sie sich durch Nachahmung. Wobei es noch mehr ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Der erste Satz der Dämonologie (siehe [[Hauptseite]], „Dämon hört Dämon spricht“): &#039;&#039;Die Gegenwart eines Dämon beschwört ihn in Anderen herauf.&#039;&#039; Gähnen ist ansteckend. Lachen ist ansteckend. Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spiegelneuronen sind die entscheidende Basis von menschlicher Kultur und Kommunikation. Wenn man eine Musik hört, hat man automatisch die Empfindungen. Damit werden Stimmungen, also Dämonen, beschworen. Es überträgt sich vollautomatisch, es ist ansteckend. Neben einem depressiven Menschen wird man traurig. Da braucht es ein funktionierendes Immunsystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein neuer Dämon entsteht, muss die Umgebung diese Konfiguration begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Spiegelneuronen wurden in den 1990er-Jahren in Parma bei Makaken entdeckt: Nervenzellen, die feuerten, wenn der Affe nach einer Erdnuss griff, und ebenso, wenn er nur sah, wie der Forscher danach griff. Beim Menschen ist der Nachweis indirekter, und wie viel genau auf diesen Zellen beruht, ist umstritten. Die Ansteckung selbst ist gut belegt. Die Spiegelneuronen sind ein Argument. Wir sind aber davon nicht abhängig, weil das Phänomen empirisch belegt ist, egal was die Ursache ist.&lt;br /&gt;
* Gähnen: Es reicht, über Gähnen zu lesen.&lt;br /&gt;
* Die Lachepidemie von Tanganjika, 1962: In einem Mädcheninternat am Victoriasee fingen drei Schülerinnen an zu lachen und konnten nicht mehr aufhören. Es breitete sich auf die halbe Schule aus und dann auf Dörfer in der Umgebung. Schulen mussten monatelang schließen.&lt;br /&gt;
* Eine große amerikanische Studie verfolgte über zwanzig Jahre Tausende Menschen in einer Kleinstadt. Wer einen glücklichen Freund in der Nähe hatte, wurde selbst wahrscheinlicher glücklich, und das wirkte noch über den Freund des Freundes.&lt;br /&gt;
* Das Immunsystem: Die Behexung ist wie das AIDS-Virus, sie befällt ausgerechnet die Abwehr (siehe [[Hexe]]). Der gefährlichste Dämon ist der, der die Abwehr selbst angreift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Aus zwei wird etwas Neues, das keiner allein kann.&#039;&#039;&#039; Die Flechte auf dem Felsen ist ein Pilz und eine Alge. Der Pilz allein verhungert auf dem Stein, die Alge allein vertrocknet. Zusammen wachsen sie auf nacktem Fels. Die Flechte sieht ganz anders aus als jeder ihrer Eltern.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Partner bleiben erkennbar.&#039;&#039;&#039; Die Kraftwerke in jeder unserer Zellen, die Mitochondrien, waren einmal freilebende Bakterien. Eine größere Zelle hat sie verschluckt und nicht verdaut. Bis heute haben sie ihr eigenes Erbgut (Lynn Margulis, 1967). So sieht man im Zwerg noch die Neugier, die fragt, und den Zombie, der nicht mehr lebendig ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Partner verlieren, was sie nicht mehr brauchen.&#039;&#039;&#039; Die Mitochondrien haben den größten Teil ihres Erbguts verloren und können allein nicht mehr leben. Die Neugier im Zwerg hat ihre Spontanität verloren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Bund kann kippen.&#039;&#039;&#039; Beide gewinnen, oder einer gewinnt und dem anderen ist es gleich, oder einer gewinnt auf Kosten des anderen: der Parasit, der Schmarotzer.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Unter Druck zerbricht der Bund.&#039;&#039;&#039; Die Koralle lebt mit winzigen Algen, die ihr die Farbe geben. Wird das Wasser zu warm, stößt sie die Algen aus, wird weiß und stirbt oft daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Einer entdeckt, die anderen machen nach:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Imo&#039;&#039;&#039;: 1953 wusch ein junges Affenweibchen auf der japanischen Insel Koshima zum ersten Mal eine sandige Süßkartoffel im Bach. Zuerst machten es ihre Mutter und ihre Spielgefährten nach, dann die anderen Jungen und deren Mütter. Die alten Männchen lernten es fast nie. Später wusch Imo im Meer, und die Kartoffeln schmeckten salzig. Auch das breitete sich aus.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Meisen&#039;&#039;&#039;: Ab 1921 pickten in einem Ort in Südengland Meisen die Deckel der Milchflaschen auf, die morgens vor den Haustüren standen, und tranken den Rahm. In den folgenden Jahrzehnten tauchte das an immer mehr Orten in England auf, von Meise zu Meise abgeschaut.&lt;br /&gt;
Ein Einzelner entdeckt den Bund. Der Boden muss da sein: ohne Kartoffeln am Strand, ohne Flaschen vor der Tür nichts zu entdecken. Die Jungen übernehmen zuerst, die Alten zuletzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Äußere Politik wird innere Politik.&#039;&#039;&#039; Nach dem Prozess gegen Galilei gab es ein Patt zwischen Religion und Wissenschaft. Jede Partei hat ihr Revier und betritt nicht das Revier des Rivalen, wobei es immer wieder Ausnahmen gibt. Die politischen Verhältnisse übertragen sich nach innen. Und so kann ein Kosmologe zugleich Christ sein. Auf der Seite [[Dämonologie]] steht dazu: „Vernunft ist im wesentlichen und nichts anderes als das Ergebnis der Machtkämpfe und Bündnisse von Dämonen - Ergebnis ihrer Politik.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Galilei&#039;&#039;&#039; veröffentlichte 1632 seinen „Dialog“. Die Lehre der Kirche vertritt darin eine Figur namens Simplicio, auf Deutsch ungefähr „Einfaltspinsel“. Papst Urban VIII., vorher Galileis Förderer, fand seine eigenen Argumente im Mund dieses Einfaltspinsels und fühlte sich verspottet. 1633 musste Galilei abschwören und lebte danach unter Hausarrest. Erst 1992 erklärte Papst Johannes Paul II., die Kirche habe sich geirrt. Da waren auch Spötter und gekränkter Stolz am Werk.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Das Patt hat einen Namen.&#039;&#039;&#039; Der Biologe Stephen Jay Gould schlug 1997 vor, Wissenschaft und Religion als zwei getrennte Lehrgebiete zu sehen, die sich nicht überschneiden: die Wissenschaft für die Frage, wie die Welt gebaut ist, die Religion für Sinn und Moral. Das Revierverhalten als Friedensvertrag.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kosmologe als Christ:&#039;&#039;&#039; Georges Lemaître war katholischer Priester und Physiker. 1927 und 1931 schlug er vor, dass das Weltall sich ausdehnt und aus einem „Uratom“ hervorging. Daraus wurde die Urknall-Theorie. Als Papst Pius XII. 1951 erklärte, der Urknall bestätige die Schöpfung, war Lemaître darüber nicht glücklich. Er hielt die Reviere getrennt, auch in sich selbst. In ihm haben der Kosmologe und der Priester einen Vertrag geschlossen, wie draußen Kirche und Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Baum oder Netz:&#039;&#039;&#039; Darwin zeichnete einen Baum, dessen Äste sich nur teilen. Margulis zeigte, dass das Leben auch durch Verschmelzen neue Formen schafft. Der Stammbaum der Seele mit seinen kreuzenden Linien ist eher ein Netz als ein Baum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Nische ===&lt;br /&gt;
Manche Dämonen entstehen, weil sie eine unbesetzte Lücke füllen. Natürlich geht es dabei um alte Kräfte wie Geltung und eigene Macht. Aber die bestimmte Zusammensetzung entsteht, weil die Lücke sie verlangt. In der Biologie heißt das Nische. Dieselbe Nische bringt dieselbe Gestalt hervor, auch bei Tieren, die nicht verwandt sind: Hai, Delfin und Ichthyosaurier haben dieselbe Stromlinienform, obwohl der eine ein Fisch ist, der andere ein Säugetier und der dritte ein Reptil. Der Beutelwolf in Tasmanien sah aus wie ein Wolf und war ein Beuteltier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasall]] keine sichtbare Abstammung. Er entsteht, wo es einen Hof gibt, und verschwindet, wenn die Macht verschwindet. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] braucht einen Wirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verschmelzung und Abfolge ===&lt;br /&gt;
Es gibt viele Mischungen von Gefühlen. Wir beschreiben aber die gängigen Typen, sonst wären es 1000 Wesen statt 100. Und eine Mischung macht noch kein neues Wesen aus. Ein neues Wesen entsteht erst, wenn zwei verschmelzen: wenn sie verbunden auftreten und nicht nur zugleich. Der [[Wesen 3: Beutetier#Horror|Horror]] ist so ein eigenes, selbstständiges Wesen. Er ist klar abgegrenzt von Angst und Ekel, und doch treten die beiden in ihm verbunden auf. Man muss gut hinschauen, um ihn zu analysieren. Der Philosoph Noël Carroll beschrieb den Horror 1990 als Antwort auf etwas, das zugleich bedrohlich und unrein ist (&#039;&#039;The Philosophy of Horror&#039;&#039;). Ob das eine Mischung ist, ein bloßes Zugleich oder etwas Eigenes, hat er offengelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders der Feigling. Er hat [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] und ruft deshalb den [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], um sich zu schützen. Das ist eine normale Abfolge und keine Verschmelzung. Darum ist der Feigling kein eigenes Wesen. Die Übergänge sind allerdings fließend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was kein eigenes Wesen ist.&#039;&#039;&#039; Damit es keine Missverständnisse gibt, für alle, die diese Arbeit fortsetzen wollen: Nicht jeder Typ, den man im Leben oder in den alten Charakterbildern findet, ist ein eigener Dämon.&lt;br /&gt;
* Ein &#039;&#039;&#039;Mangel&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen. Dem Taktlosen fehlt etwas, nämlich das Lesen des anderen (siehe [[Die Entstehung der Seele#Den anderen lesen|Den anderen lesen]]). Er hat keinen eigenen Hunger.&lt;br /&gt;
* Auch der &#039;&#039;&#039;Stumpfe&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen. Ihm fehlen aktive Dämonen. Bei Theophrast: „Stupidity one may define as sluggishness in what a man says or does.“ Das kann Anlage sein oder fehlende Vitalität. Es kann aber auch das Ergebnis der Erziehung sein: fehlendes Training und fehlende Anregung in der Jugend. Manche sind auch nur für bestimmte Trigger stumpf. Bei der sexuellen Erregbarkeit gibt es große Unterschiede. John Bancroft und Erick Janssen beschreiben dafür zwei getrennte Systeme, ein Gaspedal und eine Bremse. Wer wenig erregt wird, kann ein schwaches Gaspedal haben, dann ist er stumpf. Oder er hat eine starke Bremse, dann hält ihn ein anderer Dämon zurück. Von außen sieht beides gleich aus. Das Altertum führte ihn unter den vier Temperamenten: den Phlegmatiker, neben Choleriker, Sanguiniker und Melancholiker.&lt;br /&gt;
* Eine &#039;&#039;&#039;Abfolge&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen. Der Feigling hat Angst und ruft deshalb den Täuscher.&lt;br /&gt;
* Ein &#039;&#039;&#039;Verhalten&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen. Der Gerüchtemacher erfindet Neuigkeiten über andere. Der Dämon dahinter ist die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]].&lt;br /&gt;
* Auch &#039;&#039;&#039;Misstrauen&#039;&#039;&#039; ist kein eigenes Wesen. Es ist Wut, im Zaum gehalten und chronisch. Die Ursache gehört dazu: Man wurde reingelegt oder enttäuscht. Oder man hat es übernommen, unbewusst, durch lange Gegenwart und Vorbild. Wer unter einer misstrauischen Mutter aufwächst, wird auch misstrauisch, ohne dass ihm jemand persönlich geschadet hat. Der Dämon wandert zwischen den Wirten, wie eine Melodie, die auf verschiedenen Instrumenten gespielt wird. Der Mensch hält sich für ein festes Ich, wie eine Statue aus Stein. Die Musik beweist das Gegenteil, und jeder kennt das aus Erfahrung: Wie leicht überträgt der Musiker Gefühle auf den Hörer. Wobei die Persönlichkeit mehr oder weniger empfänglich ist (siehe [[Die Entstehung der Seele#Nachahmen und Ansteckung|Nachahmen und Ansteckung]] und [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Rhesusaffen aus dem Labor, die nie eine Schlange gesehen hatten, lernten die Angst vor Schlangen, indem sie wilden Artgenossen bei ihrer Angst zusahen (Susan Mineka und Kollegen 1984). Wird der Misstrauische wieder reingelegt, bricht die Wut heraus: „Ich hab&#039;s doch gewusst!“ Theophrasts Mürrischer verflucht sogar den Stein, über den er stolpert, und er nimmt nicht einmal Geschenke an: „Timeo Danaos et dona ferentes“ (Vergil). Geraldine Downey und Kollegen zeigten 1998: Wer Zurückweisung erwartet, reagiert im Streit feindselig und ruft damit die Zurückweisung hervor. Es ist ein geschlossener Kreis, aber es bleibt die Wut, nur an einem anderen Standort. Theophrasts Misstrauischer ist das leisere Gesicht: „Suspicion is a kind of belief that everybody is fraudulent.“ Er schickt einem Diener einen zweiten hinterher, zählt sein Geld alle hundert Schritte nach und steht nachts auf, um den Riegel zu prüfen, obwohl die Frau Ja gesagt hat. Auch das ist Wut, weniger aggressiv als beim Mürrischen: Er ärgert sich, dass alle unzuverlässig sind. Eine weitere Quelle ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]: Die anderen erfüllen seine Maßstäbe von richtig nicht. Wäre es ihm egal, müsste er nicht kontrollieren.&lt;br /&gt;
* Auch der &#039;&#039;&#039;Abergläubische&#039;&#039;&#039; ist kein eigenes Wesen. Es ist Angst. Bei Theophrast heißt er Δεισιδαιμονία, wörtlich „Dämonenfurcht“: „Superstition is a crouching fear of unseen powers.“ Läuft ihm ein Wiesel über den Weg, geht er keinen Schritt weiter. Hört er eine Eule, erschrickt er. Ihm fehlt nicht der Mythos, er hat ihn ganz. Aber er sieht davon nur, was ihm Angst macht. Der Mutige sieht im selben Mythos die Heldengeschichten, der Hoffende die mit dem glücklichen Ende. So verändert die Herrschaft eines Dämons die Sicht und damit die Welt selbst (siehe [[Grundlagen]]). Er nimmt an der Welt nur seine Trigger wahr und übersieht die anderen. Colin MacLeod, Andrew Mathews und Philip Tata zeigten 1986: Ängstliche richten ihre Aufmerksamkeit unwillkürlich auf bedrohliche Wörter.&lt;br /&gt;
* Eine bloße &#039;&#039;&#039;Mischung&#039;&#039;&#039; ist kein Wesen.&lt;br /&gt;
Verbreitete Formen, die kein eigenes Wesen sind, beschreiben wir trotzdem, als &#039;&#039;&#039;Varianten&#039;&#039;&#039; beim Elternwesen. Im Stammbaum sind sie gestrichelt verbunden.&lt;br /&gt;
Ein eigenes Wesen entsteht durch Verschmelzung, wie beim Horror, oder wenn ein Kreis chronisch und in sich geschlossen wird, wie beim [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Prahler|Prahler]]: Er hat Täuscher und Geltung als Eltern, aber er ist keine Abfolge der beiden, sondern ein stabiler Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Art und Wuchs.&#039;&#039;&#039; Ob ein Typ ein eigenes Wesen ist, entscheidet keine Regel, sondern das Gefühl dafür, wie eigenständig er ist. Es ist wie im Wald: Die Blätter verschiedener Arten unterscheidet man leicht. Aber dieselbe Art kann an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Umständen ganz verschieden wachsen. An der Baumgrenze wachsen Bäume niedrig und verkrüppelt, im Tal hoch und gerade, und es bleibt dieselbe Art. So kann man auf alles Mögliche wütend sein, auf Menschen, Dinge, Situationen. Es ist immer dieselbe Reaktion: laut werden, aggressiv werden. Das ist derselbe Dämon. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Prahler|Prahler]] dagegen tut in denselben Situationen etwas ganz anderes: Er gibt an. Er will Geltung, aber was er tut und was die Welt sieht, ist sehr spezifisch. Und der Typ ist gleichförmig und verbreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Entgleisung: die Gier.&#039;&#039;&#039; Gier ist kein eigener Dämon, sondern eine bestimmte Entgleisung. Gier ist immer haben wollen. Sie kann verschiedene Wesen treffen: den [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]], den [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Hunger/Schlemmer|Schlemmer]], den [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]]. Die alten Todsünden haben die Gier schon nach ihrem Gegenstand aufgeteilt: avaritia, gula, luxuria, also Habgier, Völlerei, Wollust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gier hat zwei Gestalten.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Das Fass ohne Boden.&#039;&#039;&#039; Die Sättigung fällt aus. Ein gesunder Dämon hat Hunger, wird satt und gibt Ruhe, wie ein Thermostat. Hier kommt das Stopp-Signal nicht mehr. Die Suchtforscher Kent Berridge und Terry Robinson trennen das Wollen („wanting“) vom Genießen („liking“): In der Sucht wächst das Wollen, der Genuss nicht. Dieser Gierige hat nicht mehr Freude, aber mehr Hunger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kick.&#039;&#039;&#039; Die Befriedigung ist so groß und unwiderstehlich, dass man sie immer wieder haben muss. Hier ist der Genuss nicht verschwunden, sondern übergroß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jede Entgleisung ist Gier. Der Messi kann nichts hergeben, aber er will nicht immer mehr haben. Was er hortet, ist nicht einmal wertvoll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt der Gierige Αἰσχροκέρδεια, „schändlicher Gewinn“: „Avarice is greedy love of gain.“ Er holt sich den Gewinn von anderen. Er lädt dem Träger mehr auf, als der tragen kann, und gibt ihm die kleinste Ration. Dem Freund verkauft er gepanschten Wein. Da ruft die Gier den Täuscher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Test ===&lt;br /&gt;
Ob ein Dämon dahintersteckt, zeigt sich, wenn man ihn in seinem Revier angreift. Vorher ist er unscheinbar, friedlich unter der Oberfläche. Dann gibt es plötzlich eine heftige Reaktion, er verteidigt sein Revier und übernimmt das Steuer. Dann ist sein Ziel das Wichtigste. Nimm ihm seine Nahrung weg. Wer verdurstet, für den ist nichts so wichtig wie Trinken. Spann einem die Frau aus, und er kämpft wie ein Berserker. Schlafentzug. Greif seinen Kameraden an. Beim [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Knauser|Knauser]] reicht ein Festessen, bei dem die Tochter seine Börse nimmt und sagt, sie bezahle mit seinem Geld für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Minnesota-Hungerexperiment ließen Ancel Keys und seine Kollegen 1944 und 1945 junge Kriegsdienstverweigerer monatelang hungern. Das Essen übernahm das Steuer. Die Männer dachten nur noch daran, lasen Kochbücher, sammelten Rezepte, wachten eifersüchtig über ihre Teller, durchwühlten den Müll nach Essbarem und ertrugen es nicht, wenn etwas verschwendet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Test zeigt, dass ein Dämon da ist, aber nicht immer, welcher. Dann muss man die Probe abwandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Missbilligung.&#039;&#039;&#039; Zum Test gehört auch die Missbilligung von anderen, die nicht sind wie er selbst. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Menschenfreund|Menschenfreund]] missbilligt den, der andere boshaft schädigt. Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Psychopath]] schätzt Normalos gering, als schwach. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kamerad]] verachtet den [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]]. Liebende [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Elter|Eltern]] missbilligen, wenn andere Eltern ihre Kinder schikanieren. Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]] missbilligt die Schlamperei. Die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbrüder]] missbilligen den Abweichler. Der Mutige verachtet den Feigling, der Stolze den Kriecher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernst Fehr und Simon Gächter zeigten 2002: Menschen bestrafen Trittbrettfahrer, auch wenn die Strafe sie selbst etwas kostet und nichts einbringt. Treibende Kraft sind negative Gefühle gegen die Abweichler. Paul Hewitt und Gordon Flett beschrieben 1991 Perfektionisten, die „unrealistic standards for significant others“ haben. José Marques, Vincent Yzerbyt und Jacques-Philippe Leyens fanden 1988 den „black sheep effect“: Ein unsympathisches Mitglied der eigenen Gruppe wird härter verurteilt als dasselbe Verhalten bei einem Fremden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am deutlichsten ist das bei den Dämonen, bei denen es um die Gruppe geht. Aber es greift bei allen, die einen Maßstab haben, wie man sein oder leben soll: Auch der Knauser missbilligt den Verschwender. Bei den Leib-Dämonen greift es nicht. Wer Durst hat, verachtet nicht den, der keinen hat. Auffällig ist: Gegensätzliche Dämonen missbilligen einander gegenseitig. Der Knauser missbilligt den Verschwender, der Spendable den Knauser. Daran lassen sich [[Bannung#Gegendämonen|Gegendämonen]] erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gut und Böse aus einer Wurzel ==&lt;br /&gt;
Wir machen hier das personifizierte Böse zum Vater der Seele. Das vornehme Raubtier, steht bei Nietzsche. Was ist, wenn die guten und bösen Triebe miteinander verwoben sind, vielleicht gar wesensgleich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nietzsche&#039;&#039;&#039;, Jenseits von Gut und Böse, Abschnitt 2: „Es wäre sogar noch möglich, dass was den Werth jener guten und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Genealogie der Moral sagt Nietzsche, auf dem Grund aller vornehmen Menschen sei „das Raubthier“ nicht zu verkennen. Er nennt es auch die „blonde Bestie“ und meint damit den Löwen mit seiner Mähne, nicht die Germanen, wie die Nazis es später missbraucht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Stammbaum zeigt es:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Vom Raubtier über den Vampir zum Sieg, vom Sieg zum Dank, vom Dank zur Verehrung, von der Verehrung zur Liebe. Die Liebe hat unter anderem den Vampir als Ahnen.&lt;br /&gt;
* Wüterich → Krieger → Beschützer. Der Beschützer, der sein Kind verteidigt, stammt vom Wüterich ab.&lt;br /&gt;
* Vom Sieg kommen der Held, der Stolz und der Mut.&lt;br /&gt;
Gut und Böse sitzen nicht auf verschiedenen Ästen. Sie wachsen aus derselben Wurzel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bindungshormon Oxytocin macht in Versuchen freundlicher und vertrauensvoller gegenüber der eigenen Gruppe und zugleich abwehrbereiter gegen Fremde (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum/Quelltext&amp;diff=946</id>
		<title>Stammbaum/Quelltext</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum/Quelltext&amp;diff=946"/>
		<updated>2026-10-31T08:37:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quelltext: gestricheltes Oval für nach innen gerichtete Wesen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Quelltext des [[Stammbaum|Stammbaums]] (Graphviz). Daraus wird das Bild [[:Datei:Stammbaum der Seele.png]] erzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ändern: Wesen und Linien hier anpassen, dann mit Graphviz (&amp;lt;code&amp;gt;dot -Tpng&amp;lt;/code&amp;gt;) neu zeichnen und das Bild als neue Version hochladen. Eine Zeile &amp;lt;code&amp;gt;&amp;quot;A&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;B&amp;quot;;&amp;lt;/code&amp;gt; heißt: B stammt von A oder wird von A erzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;syntaxhighlight lang=&amp;quot;dot&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
digraph Stammbaum {&lt;br /&gt;
 graph [rankdir=TB, splines=true, nodesep=0.25, ranksep=0.9, fontname=&amp;quot;Helvetica&amp;quot;, fontsize=28,&lt;br /&gt;
        label=&amp;quot;STAMMBAUM DER MENSCHLICHEN SEELE\n &amp;quot;, labelloc=t, bgcolor=white, pad=0.4];&lt;br /&gt;
 node [shape=ellipse, fontname=&amp;quot;Helvetica&amp;quot;, fontsize=13, style=filled, fillcolor=white, color=&amp;quot;#333333&amp;quot;, penwidth=1.2];&lt;br /&gt;
 edge [color=&amp;quot;#333333&amp;quot;, arrowsize=0.7, penwidth=1.1];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Aphrodite&amp;quot; [label=&amp;quot;Aphrodite&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; [label=&amp;quot;HOMO&amp;quot;, fontsize=22, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Odem&amp;quot; [label=&amp;quot;Odem&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Durst&amp;quot; [label=&amp;quot;Durst&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sunny&amp;quot; [label=&amp;quot;Sunny&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; [label=&amp;quot;Balz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; [label=&amp;quot;Elter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; [label=&amp;quot;Sammler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; [label=&amp;quot;Putz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; [label=&amp;quot;Urschlummer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; [label=&amp;quot;Beutetier&amp;quot;, fontsize=17, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; [label=&amp;quot;Hunger\nSchlemmer&amp;quot;, fontsize=15, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Liebe&amp;quot; [label=&amp;quot;Liebe&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eifersucht&amp;quot; [label=&amp;quot;Eifersucht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschützer&amp;quot; [label=&amp;quot;Beschützer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nestbau&amp;quot; [label=&amp;quot;Nestbau&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Messi&amp;quot; [label=&amp;quot;Messi&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gähn&amp;quot; [label=&amp;quot;Gähn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; [label=&amp;quot;Schreck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; [label=&amp;quot;Angst&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; [label=&amp;quot;Obacht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grauen&amp;quot; [label=&amp;quot;Grauen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; [label=&amp;quot;Verwirrt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Horror&amp;quot; [label=&amp;quot;Horror&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verblüffung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; [label=&amp;quot;Staun&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; [label=&amp;quot;Neugier&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verehrung\nBewunderung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot; [label=&amp;quot;Zwerg\nGelehrter&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Öde&amp;quot; [label=&amp;quot;Öde&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; [label=&amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; [label=&amp;quot;Wüterich&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; [label=&amp;quot;Vampir&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; [label=&amp;quot;Zorn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Choleriker&amp;quot; [label=&amp;quot;Choleriker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Ärger&amp;quot; [label=&amp;quot;Ärger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; [label=&amp;quot;Groll&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Scham&amp;quot; [label=&amp;quot;Scham&amp;quot;, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; [label=&amp;quot;Büßer&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hohn&amp;quot; [label=&amp;quot;Hohn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zynisch&amp;quot; [label=&amp;quot;Zynisch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Arroganz&amp;quot; [label=&amp;quot;Arroganz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Spötter&amp;quot; [label=&amp;quot;Spötter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Häme&amp;quot; [label=&amp;quot;Häme&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kobold&amp;quot; [label=&amp;quot;Kobold&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; [label=&amp;quot;Piesacker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hass&amp;quot; [label=&amp;quot;Hass&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gewissheit&amp;quot; [label=&amp;quot;Gewissheit&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; [label=&amp;quot;Sieg&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; [label=&amp;quot;Hexe\nPsychopath\nNarzist&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; [label=&amp;quot;Täuscher&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dank&amp;quot; [label=&amp;quot;Dank&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jubel&amp;quot; [label=&amp;quot;Jubel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stolz&amp;quot; [label=&amp;quot;Stolz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; [label=&amp;quot;Triumph&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mut&amp;quot; [label=&amp;quot;Mut&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Held&amp;quot; [label=&amp;quot;Held&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Achtung&amp;quot; [label=&amp;quot;Achtung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot; [label=&amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; [label=&amp;quot;Gelassen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot; [label=&amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Streber&amp;quot; [label=&amp;quot;Streber&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot; [label=&amp;quot;Wuff Wuff\nbetteln um\nAnerkennung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; [label=&amp;quot;Formal&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Herde&amp;quot; [label=&amp;quot;Herde&amp;quot;, fontsize=15, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot; [label=&amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; [label=&amp;quot;Revierverhalten\nGebiet&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; [label=&amp;quot;Neid&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Amok&amp;quot; [label=&amp;quot;Amok&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; [label=&amp;quot;Geltung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; [label=&amp;quot;Eitelkeit&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Poser&amp;quot; [label=&amp;quot;Poser&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prahler&amp;quot; [label=&amp;quot;Prahler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; [label=&amp;quot;Perfektionist&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; [label=&amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot;, style=&amp;quot;filled,dashed&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Troll&amp;quot; [label=&amp;quot;Troll&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Empörung&amp;quot; [label=&amp;quot;Empörung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pedant&amp;quot; [label=&amp;quot;Pedant&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Traurig&amp;quot; [label=&amp;quot;Traurig&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Feierlich&amp;quot; [label=&amp;quot;Feierlich&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; [label=&amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Bestätiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Bestätiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Demütiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Demütiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Drohender&amp;quot; [label=&amp;quot;Drohender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egal&amp;quot; [label=&amp;quot;Egal&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitel&amp;quot; [label=&amp;quot;Eitel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekstase&amp;quot; [label=&amp;quot;Ekstase&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; [label=&amp;quot;Elf&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Entsetzen&amp;quot; [label=&amp;quot;Entsetzen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; [label=&amp;quot;Fan&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stalker&amp;quot; [label=&amp;quot;Stalker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Höriger&amp;quot; [label=&amp;quot;Höriger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Folterer&amp;quot; [label=&amp;quot;Folterer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Kuschel&amp;quot; [label=&amp;quot;Kuschel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Lausch&amp;quot; [label=&amp;quot;Lausch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Grober&amp;quot; [label=&amp;quot;Grober&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Rückgrat&amp;quot; [label=&amp;quot;Rückgrat&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schlimm&amp;quot; [label=&amp;quot;Schlimm&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Sucht&amp;quot; [label=&amp;quot;Sucht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Tolpatsch&amp;quot; [label=&amp;quot;Tolpatsch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Trank&amp;quot; [label=&amp;quot;Trank&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Venus&amp;quot; [label=&amp;quot;Venus&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verbittert&amp;quot; [label=&amp;quot;Verbittert&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdutzt&amp;quot; [label=&amp;quot;Verdutzt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verlegener&amp;quot; [label=&amp;quot;Verlegener&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verzweiflung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot; [label=&amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zauderer&amp;quot; [label=&amp;quot;Zauderer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Odem&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Durst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sunny&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Balz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Elter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sammler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Putz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Urschlummer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beutetier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Raubtier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschützer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nestbau&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschützer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nestbau&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Messi&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gähn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schreck&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Angst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Obacht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grauen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verwirrt&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Horror&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verblüffung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Staun&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neugier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verdammter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Messi&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zweifler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ekel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Horror&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Öde&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verachtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Wüterich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Vampir&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Achtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zorn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Choleriker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmach&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verachtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ärger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Groll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Scham&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Scham&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Büßer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hohn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zynisch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Arroganz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spötter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Kobold&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Piesacker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gewissheit&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sieg&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kobold&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spötter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zweifler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Jubel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stolz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Triumph&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mut&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mut&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Held&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dank&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Achtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Held&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gelassen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gelassen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Herde&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Herde&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neid&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zorn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geltung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Poser&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prahler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Arroganz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nachtragender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verbittert&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prahler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Formal&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mecker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; [constraint=false];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Häme&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Folterer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Folterer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Piesacker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jubel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feierlich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feierlich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stolz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rückgrat&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Aphrodite&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Egal&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Bestätiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pedant&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pedant&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lästerer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lästerer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Empörung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schlimm&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Demütiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neck&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nörgler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Drohender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Liebe&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prediger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pädagoge&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verlegener&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verlegener&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Angst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rache&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rache&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ekstase&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pedant&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spielebär&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stutzig&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verdutzt&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Achtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fan&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stalker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eifersucht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stalker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Höriger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Höriger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Demütiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lausch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Puppe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sklave&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sklave&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eitel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Entsetzen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Seufz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zauderer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Repro&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sucht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Laster&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Traurig&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Knauser&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Tolpatsch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Öde&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nörgler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lästerer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmauß&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmatz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmack&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Trank&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mijam&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mijam&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rammler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Paragraph&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Elf&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Dank&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Kuschel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kuschel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Putz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Puppe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Murmel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mümmel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zynisch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 // Varianten (gestrichelt)&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; [label=&amp;quot;Egozentriker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schwätzer&amp;quot; [label=&amp;quot;Schwätzer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dozent&amp;quot; [label=&amp;quot;Dozent&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [label=&amp;quot;Nehmer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Feigling&amp;quot; [label=&amp;quot;Feigling&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Abergläubischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Abergläubischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; [label=&amp;quot;Misstrauen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mürrischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Mürrischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Misstrauischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot; [label=&amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mecker&amp;quot; [label=&amp;quot;Mecker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geck&amp;quot; [label=&amp;quot;Geck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Diva&amp;quot; [label=&amp;quot;Diva&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Aufschneider&amp;quot; [label=&amp;quot;Aufschneider&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schwätzer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Dozent&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feigling&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feigling&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Abergläubischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mürrischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Troll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mecker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Moralist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mecker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geck&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geck&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Diva&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Diva&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prahler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Aufschneider&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 subgraph cluster_lose { label=&amp;quot;noch ohne Ort&amp;quot;; fontsize=16; style=rounded; color=&amp;quot;#999999&amp;quot;;&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmarotzer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot; [label=&amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Drama Queen/Heulsuse&amp;quot; [label=&amp;quot;Drama Queen\nHeulsuse&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Trotz&amp;quot; [label=&amp;quot;Trotz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Menschenfreund&amp;quot; [label=&amp;quot;Menschenfreund&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Heuchler&amp;quot; [label=&amp;quot;Heuchler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Nachtragender&amp;quot; [label=&amp;quot;Nachtragender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Spendabel&amp;quot; [label=&amp;quot;Spendabel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Kamerad&amp;quot; [label=&amp;quot;Kamerad&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Mitleid&amp;quot; [label=&amp;quot;Mitleid&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Vasall&amp;quot; [label=&amp;quot;Vasall&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  { rank=same; &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; &amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot; &amp;quot;Drama Queen/Heulsuse&amp;quot; &amp;quot;Trotz&amp;quot; &amp;quot;Menschenfreund&amp;quot; }&lt;br /&gt;
  { rank=same; &amp;quot;Heuchler&amp;quot; &amp;quot;Nachtragender&amp;quot; &amp;quot;Spendabel&amp;quot; &amp;quot;Kamerad&amp;quot; &amp;quot;Mitleid&amp;quot; &amp;quot;Vasall&amp;quot; }&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Heuchler&amp;quot; [style=invis];&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; [style=invis];&lt;br /&gt;
 subgraph cluster_leg { label=&amp;quot;Legende&amp;quot;; fontsize=14; style=rounded; color=&amp;quot;#999999&amp;quot;;&lt;br /&gt;
  legA [label=&amp;quot;Steckbrief im Wiki&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
  legW [label=&amp;quot;Wesen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  legV [label=&amp;quot;Variante&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  legW -&amp;gt; legV [style=dashed];&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/syntaxhighlight&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Datei:Stammbaum_der_Seele.png&amp;diff=945</id>
		<title>Datei:Stammbaum der Seele.png</title>
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		<updated>2026-10-31T08:37:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Admin lud eine neue Version von Datei:Stammbaum der Seele.png hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Stammbaum der menschlichen Seele, nachgezeichnet nach [[Datei:Stammbaum jpg.jpg]] (Bild 2023). Quelltext: [[Stammbaum/Quelltext]].&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=944</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=944"/>
		<updated>2026-10-31T08:21:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Mecker: Bannung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Brauen sind gesenkt und zusammengezogen, die Stirn gefurcht, das Gesicht gerötet. Der Mund ist geöffnet, die Mundwinkel zeigen nach unten. Er hat schlechte Laune.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ruckt vor, eine Hand wird erhoben oder schlägt kurz durch die Luft, die Stimme ist laut und kurz. Dann ist es vorbei.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]] bannt ihn, auch Freude und Verständnis, eher wenn sie von einer anderen Person kommen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Ärgergesicht.&#039;&#039;&#039; Die Mimik des Ärgers ist angeboren und kulturübergreifend, auch blind geborene Kinder zeigen sie. Typisch sind gesenkte, zusammengezogene Brauen, angespannte Lider, schmale Lippen und ein vorgeschobenes Kinn. Sell, Cosmides und Tooby (2014) deuten sie als Drohgebärde, denn jedes dieser Merkmale lässt den Träger stärker wirken. Beim Mecker kommen der offene Mund zum Schimpfen und die herabgezogenen Mundwinkel der schlechten Laune hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wüterich, Mecker, Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Wüterich → Mecker → Verbitterter. Der Wüterich reagiert auf einen konkreten Anlass. Der Mecker hält den Ärger durch neue Anlässe am Leben. Der Verbitterte könnte daraus eine dauerhafte negative Erwartungshaltung entwickeln. Das ist zunächst eine Hypothese, keine wissenschaftlich gesicherte Entwicklungsfolge.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=943</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=943"/>
		<updated>2026-10-31T08:17:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Mecker: Das Ärgergesicht&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Brauen sind gesenkt und zusammengezogen, die Stirn gefurcht, das Gesicht gerötet. Der Mund ist geöffnet, die Mundwinkel zeigen nach unten. Er hat schlechte Laune.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ruckt vor, eine Hand wird erhoben oder schlägt kurz durch die Luft, die Stimme ist laut und kurz. Dann ist es vorbei.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Ärgergesicht.&#039;&#039;&#039; Die Mimik des Ärgers ist angeboren und kulturübergreifend, auch blind geborene Kinder zeigen sie. Typisch sind gesenkte, zusammengezogene Brauen, angespannte Lider, schmale Lippen und ein vorgeschobenes Kinn. Sell, Cosmides und Tooby (2014) deuten sie als Drohgebärde, denn jedes dieser Merkmale lässt den Träger stärker wirken. Beim Mecker kommen der offene Mund zum Schimpfen und die herabgezogenen Mundwinkel der schlechten Laune hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wüterich, Mecker, Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Wüterich → Mecker → Verbitterter. Der Wüterich reagiert auf einen konkreten Anlass. Der Mecker hält den Ärger durch neue Anlässe am Leben. Der Verbitterte könnte daraus eine dauerhafte negative Erwartungshaltung entwickeln. Das ist zunächst eine Hypothese, keine wissenschaftlich gesicherte Entwicklungsfolge.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=942</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=942"/>
		<updated>2026-10-31T08:07:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Mecker: Mimik, Haltung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Brauen sind gesenkt und zusammengezogen, die Stirn gefurcht, das Gesicht gerötet. Der Mund ist geöffnet, die Mundwinkel zeigen nach unten. Er hat schlechte Laune.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ruckt vor, eine Hand wird erhoben oder schlägt kurz durch die Luft, die Stimme ist laut und kurz. Dann ist es vorbei.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wüterich, Mecker, Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Wüterich → Mecker → Verbitterter. Der Wüterich reagiert auf einen konkreten Anlass. Der Mecker hält den Ärger durch neue Anlässe am Leben. Der Verbitterte könnte daraus eine dauerhafte negative Erwartungshaltung entwickeln. Das ist zunächst eine Hypothese, keine wissenschaftlich gesicherte Entwicklungsfolge.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=941</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=941"/>
		<updated>2026-10-31T02:28:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Mecker: Zwei Eltern, Die Regel&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von mir: &#039;&#039;&#039;Zwei Eltern.&#039;&#039;&#039; Im Mecker laufen zwei Dämonen zusammen. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]] lässt Dampf ab, wenn eine Regel verletzt wird. Der [[#Moralist|Moralist]] will sich überlegen fühlen, weil er die Regel einhält und die anderen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Regel.&#039;&#039;&#039; Die anderen kennen die Regel oder sollten sie kennen. Das lernt man in der Fahrschule.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wüterich, Mecker, Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Wüterich → Mecker → Verbitterter. Der Wüterich reagiert auf einen konkreten Anlass. Der Mecker hält den Ärger durch neue Anlässe am Leben. Der Verbitterte könnte daraus eine dauerhafte negative Erwartungshaltung entwickeln. Das ist zunächst eine Hypothese, keine wissenschaftlich gesicherte Entwicklungsfolge.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=940</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=940"/>
		<updated>2026-10-31T02:25:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Mecker: Meckerer zu Mecker vereinheitlicht&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Mecker reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmecker.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Mecker wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Mecker muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmecker dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wüterich, Mecker, Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Wüterich → Mecker → Verbitterter. Der Wüterich reagiert auf einen konkreten Anlass. Der Mecker hält den Ärger durch neue Anlässe am Leben. Der Verbitterte könnte daraus eine dauerhafte negative Erwartungshaltung entwickeln. Das ist zunächst eine Hypothese, keine wissenschaftlich gesicherte Entwicklungsfolge.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Mecker ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Mecker und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Mecker braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Mecker nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Mecker nützt, schadet dem Menschen. Der Mecker gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=939</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=939"/>
		<updated>2026-10-31T02:22:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Mecker: Hunger, Trigger, Eigendynamik, Belohnung, innerer Monolog (Text von ChatGPT, von Daniel angehängt)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ärgernisse, über die er sich beschweren kann.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Fehler, eine Belästigung, Rücksichtslosigkeit oder etwas, das nicht so funktioniert, wie es sollte.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Eigendynamik.&#039;&#039;&#039; Der Meckerer reagiert nicht nur auf Ärgernisse. Einmal aktiviert, sucht er selbstständig nach neuen Anlässen. Er besitzt damit eine Art Eigendynamik. Der ursprüngliche Auslöser ist längst verschwunden, aber der emotionale Zustand bleibt aktiv und beeinflusst, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gewohnheitsmeckerer.&#039;&#039;&#039; Ein Autofahrer fährt zu dicht auf. Der Meckerer wird aktiviert. Anschließend bemerkt er auch den Fahrer, der nicht blinkt, den anderen, der die Spur blockiert, und den nächsten, der zu langsam anfährt. Jeder neue Anlass verlängert seine Aktivität. Das Bemerkenswerte: Er muss sich nicht bewusst entscheiden, nach Fehlern zu suchen. Die Suche läuft automatisch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Psychologie dazu kennt.&#039;&#039;&#039; Hier passen mehrere gut untersuchte Mechanismen zusammen:&lt;br /&gt;
::* Aufmerksamkeitsbias: Der aktuelle emotionale Zustand beeinflusst, welche Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;
::* Stimmungskongruente Wahrnehmung: Wer verärgert ist, bemerkt leichter Dinge, die zu seinem Ärger passen.&lt;br /&gt;
::* Rumination: Das wiederholte gedankliche Beschäftigen mit Ärger hält die Emotion aufrecht.&lt;br /&gt;
::* Gewohnheitsbildung: Häufig wiederholte Reaktionen können zunehmend automatisch ablaufen.&lt;br /&gt;
::* Selbstverstärkung: Ärger lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Ärgernisse, die wiederum neuen Ärger auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Frage nach dem Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Meckerer muss sich nicht unbedingt über das Meckern freuen. Möglicherweise ist seine eigentliche Funktion, die Umgebung auf Störungen zu überwachen. Er hat ursprünglich eine sinnvolle Aufgabe: Missstände erkennen. Aber einmal aktiviert, arbeitet er weiter, obwohl seine Aufgabe längst erledigt ist. Das wäre eine wichtige Unterscheidung zum Geltungssüchtigen, der sich durch Kritik überlegen fühlen möchte, oder zum Gerechtigkeitssinn, der ein Unrecht beseitigen will. Der Gewohnheitsmeckerer dagegen produziert fortlaufend neue Beschwerden, ohne dass daraus eine Handlung oder Verbesserung folgen muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wüterich, Meckerer, Verbitterter.&#039;&#039;&#039; Wüterich → Meckerer → Verbitterter. Der Wüterich reagiert auf einen konkreten Anlass. Der Meckerer hält den Ärger durch neue Anlässe am Leben. Der Verbitterte könnte daraus eine dauerhafte negative Erwartungshaltung entwickeln. Das ist zunächst eine Hypothese, keine wissenschaftlich gesicherte Entwicklungsfolge.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der Meckerer ist ein eigenständiges, sich selbst erhaltendes Programm, dessen Belohnung das Gefühl der Überlegenheit ist. Dabei muss man zwischen dem Meckerer und dem Menschen unterscheiden, in dem er aktiv ist.&lt;br /&gt;
::* Der Meckerer findet Fehler, wertet andere ab und fühlt sich dadurch überlegen.&lt;br /&gt;
::* Der Mensch bekommt schlechte Laune, weil seine Wahrnehmung ständig auf Ärgernisse gerichtet wird.&lt;br /&gt;
::* Der Meckerer braucht kein Publikum. Seine Belohnung entsteht bereits durch sein eigenes Urteil.&lt;br /&gt;
::* Eine Verbesserung ist nicht sein Ziel. Würden alle Missstände verschwinden, wäre seine Beschäftigung beendet.&lt;br /&gt;
:Das erklärt auch, warum der Meckerer nicht aufhört, sobald der ursprüngliche Anlass verschwunden ist. Er sucht weiter, weil jeder neue Fehler seine Überlegenheit erneut bestätigt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der innere Monolog.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* „Was für ein Idiot!“&lt;br /&gt;
::* „Kann denn keiner mehr richtig fahren?“&lt;br /&gt;
::* „Das sieht doch ein Blinder!“&lt;br /&gt;
::* „Bin ich denn der Einzige, der noch mitdenkt?“&lt;br /&gt;
::* „Lauter unfähige Leute!“&lt;br /&gt;
:Das Gemeinsame ist nicht einfach Ärger, sondern die implizite Botschaft: Ich erkenne, was die anderen falsch machen. Ich bin ihnen überlegen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologische Einordnung.&#039;&#039;&#039; Dazu passt der Begriff abwärtsgerichteter sozialer Vergleich (downward social comparison): Man wertet sich selbst auf, indem man andere als schlechter oder unfähiger beurteilt. Auch selbstwertdienliche Verzerrungen passen dazu: Die eigenen Fähigkeiten werden günstiger beurteilt als die fremden. Dieses Modell beschreibt aber nicht nur eine Denkverzerrung, sondern einen sich selbst stabilisierenden emotionalen Akteur. Und dabei entsteht ein bemerkenswerter Interessenkonflikt: Was dem Meckerer nützt, schadet dem Menschen. Der Meckerer gewinnt Überlegenheit, während der Mensch seine gute Laune verliert. Das wäre auch ein schönes Beispiel für die These, dass ein stabiler emotionaler Typus eigene Ziele verfolgen kann, die nicht mit dem Wohlbefinden des gesamten Menschen übereinstimmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=938</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=938"/>
		<updated>2026-10-31T02:12:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Mecker: aggressiv, nicht gehässig&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: offen.&lt;br /&gt;
* Trigger: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Er ist aggressiv, aber nicht gehässig, denn gehässig wäre hinterlistig. Er greift offen an und nicht heimlich oder böswillig. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=937</id>
		<title>Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=937"/>
		<updated>2026-10-30T19:46:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Das Ich als Geschichte, benennt statt nennt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Alter der Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Panksepp.&#039;&#039;&#039; Jaak Panksepp beschrieb in &#039;&#039;Affective Neuroscience&#039;&#039; (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zweierlei Staunen.&#039;&#039;&#039; Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrfurcht|Ehrfurcht]]: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Ordnung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultivierung.&#039;&#039;&#039; Die Entwicklung eines komplexen Seelenlebens musste kultiviert werden, so wie auch die Geschichte der Musik. Da gibt es einerseits Regeln und andererseits viele Stimmen und Dynamik. Und menschliche Kultur hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Es ist nämlich sonst instabil.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Mittel.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Gesetze&lt;br /&gt;
::* Mythen als Vorbild&lt;br /&gt;
::* Erziehung&lt;br /&gt;
::* Kultur, zum Beispiel Musik&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gelernt, nicht vorgegeben.&#039;&#039;&#039; Man kann einwenden, ein solches Seelenleben wäre instabil. Das ist ein Strohmann-Argument, weil es die Komplexität erst durch Kultur erlernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Älter als die Zivilisation.&#039;&#039;&#039; Das kam nicht erst mit der Zivilisation. Der größte Teil dieser sozialen Kultur wurde vermutlich schon vor dem Ackerbau entwickelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor dem Ackerbau.&#039;&#039;&#039; Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (um 9500 v. Chr.) zeigt große Steinkreise, die Jäger und Sammler vor dem Ackerbau errichtet haben. Christopher Boehm beschrieb 1999 in &#039;&#039;Hierarchy in the Forest&#039;&#039;, dass Jäger-Sammler-Gruppen Gleichheit durch Spott und Ächtung erzwingen. Smith u. a. fanden 2017 in &#039;&#039;Nature Communications&#039;&#039; bei den Agta, dass gute Geschichtenerzähler als Partner bevorzugt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Junge mit den Perlen.&#039;&#039;&#039; Bei Jägern und Sammlern gibt es ein Grab, in dem einem Jungen Perlen mitgegeben wurden, deren Herstellung etwa drei Jahre Arbeit entsprach. Das ist ein Beweis für die Herrschaft von Mythen. Diese Ausdauer ist nur möglich, wenn man an eine Geschichte glaubt. Status, Trauer und Pflicht können nur so lange anhalten, wenn es eine fortdauernde Geschichte dazu gibt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sungir.&#039;&#039;&#039; Das Grab liegt bei Sungir (Sunghir) in Russland und ist über 30.000 Jahre alt. Zwei Jugendliche liegen dort kopf an kopf, mit Elfenbeinperlen, Elfenbeinspeeren und rotem Ocker. Die Genetik zeigt, dass auch der als Mädchen gedeutete Jugendliche männlich war.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Grundlage der Kultur.&#039;&#039;&#039; Mythen sind die Grundlage jeder Kultur. Dadurch wird auch das Wissen weitergegeben. Das ist heute nicht anders: Bücher erzählen Geschichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erzählend gespeichert.&#039;&#039;&#039; Walter Ong beschrieb 1982 in &#039;&#039;Orality and Literacy&#039;&#039;, dass Kulturen ohne Schrift ihr Wissen in Erzählungen, Formeln und Rhythmus bewahren, weil man sich Geschichten merken kann. Nunn und Reid (2016) fanden in australischen Küstenerzählungen Erinnerungen an den Meeresanstieg, die mehr als 7.000 Jahre zurückreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Ich als Geschichte.&#039;&#039;&#039; Was man das Ich benennt, ist nur eine Geschichte, die sich im Laufe der Zeit aus den Erfahrungen gebildet hat. Und Menschen erzählen sich am Tag andauernd selbst, wer sie sind. Siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erzählte Identität.&#039;&#039;&#039; Dan McAdams beschrieb in &#039;&#039;The Stories We Live By&#039;&#039; (1993) die Identität als innere Lebensgeschichte, die ein Mensch fortlaufend schreibt. Daniel Dennett nannte das Selbst 1991 einen „Schwerpunkt der Erzählung“ (center of narrative gravity).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=936</id>
		<title>Grundlagen</title>
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		<updated>2026-10-30T19:42:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Das Ich als Geschichte, Erzählte Identität&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Alter der Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Panksepp.&#039;&#039;&#039; Jaak Panksepp beschrieb in &#039;&#039;Affective Neuroscience&#039;&#039; (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zweierlei Staunen.&#039;&#039;&#039; Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrfurcht|Ehrfurcht]]: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Ordnung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultivierung.&#039;&#039;&#039; Die Entwicklung eines komplexen Seelenlebens musste kultiviert werden, so wie auch die Geschichte der Musik. Da gibt es einerseits Regeln und andererseits viele Stimmen und Dynamik. Und menschliche Kultur hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Es ist nämlich sonst instabil.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Mittel.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Gesetze&lt;br /&gt;
::* Mythen als Vorbild&lt;br /&gt;
::* Erziehung&lt;br /&gt;
::* Kultur, zum Beispiel Musik&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gelernt, nicht vorgegeben.&#039;&#039;&#039; Man kann einwenden, ein solches Seelenleben wäre instabil. Das ist ein Strohmann-Argument, weil es die Komplexität erst durch Kultur erlernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Älter als die Zivilisation.&#039;&#039;&#039; Das kam nicht erst mit der Zivilisation. Der größte Teil dieser sozialen Kultur wurde vermutlich schon vor dem Ackerbau entwickelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor dem Ackerbau.&#039;&#039;&#039; Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (um 9500 v. Chr.) zeigt große Steinkreise, die Jäger und Sammler vor dem Ackerbau errichtet haben. Christopher Boehm beschrieb 1999 in &#039;&#039;Hierarchy in the Forest&#039;&#039;, dass Jäger-Sammler-Gruppen Gleichheit durch Spott und Ächtung erzwingen. Smith u. a. fanden 2017 in &#039;&#039;Nature Communications&#039;&#039; bei den Agta, dass gute Geschichtenerzähler als Partner bevorzugt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Junge mit den Perlen.&#039;&#039;&#039; Bei Jägern und Sammlern gibt es ein Grab, in dem einem Jungen Perlen mitgegeben wurden, deren Herstellung etwa drei Jahre Arbeit entsprach. Das ist ein Beweis für die Herrschaft von Mythen. Diese Ausdauer ist nur möglich, wenn man an eine Geschichte glaubt. Status, Trauer und Pflicht können nur so lange anhalten, wenn es eine fortdauernde Geschichte dazu gibt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sungir.&#039;&#039;&#039; Das Grab liegt bei Sungir (Sunghir) in Russland und ist über 30.000 Jahre alt. Zwei Jugendliche liegen dort kopf an kopf, mit Elfenbeinperlen, Elfenbeinspeeren und rotem Ocker. Die Genetik zeigt, dass auch der als Mädchen gedeutete Jugendliche männlich war.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Grundlage der Kultur.&#039;&#039;&#039; Mythen sind die Grundlage jeder Kultur. Dadurch wird auch das Wissen weitergegeben. Das ist heute nicht anders: Bücher erzählen Geschichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erzählend gespeichert.&#039;&#039;&#039; Walter Ong beschrieb 1982 in &#039;&#039;Orality and Literacy&#039;&#039;, dass Kulturen ohne Schrift ihr Wissen in Erzählungen, Formeln und Rhythmus bewahren, weil man sich Geschichten merken kann. Nunn und Reid (2016) fanden in australischen Küstenerzählungen Erinnerungen an den Meeresanstieg, die mehr als 7.000 Jahre zurückreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Ich als Geschichte.&#039;&#039;&#039; Was man das Ich nennt, ist nur eine Geschichte, die sich im Laufe der Zeit aus den Erfahrungen gebildet hat. Und Menschen erzählen sich am Tag andauernd selbst, wer sie sind. Siehe [[Die Entstehung der Seele#Die Erfindung des Ich|Die Erfindung des Ich]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erzählte Identität.&#039;&#039;&#039; Dan McAdams beschrieb in &#039;&#039;The Stories We Live By&#039;&#039; (1993) die Identität als innere Lebensgeschichte, die ein Mensch fortlaufend schreibt. Daniel Dennett nannte das Selbst 1991 einen „Schwerpunkt der Erzählung“ (center of narrative gravity).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=935</id>
		<title>Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=935"/>
		<updated>2026-10-30T18:23:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Die Grundlage der Kultur, Erzählend gespeichert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Alter der Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Panksepp.&#039;&#039;&#039; Jaak Panksepp beschrieb in &#039;&#039;Affective Neuroscience&#039;&#039; (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zweierlei Staunen.&#039;&#039;&#039; Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrfurcht|Ehrfurcht]]: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Ordnung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultivierung.&#039;&#039;&#039; Die Entwicklung eines komplexen Seelenlebens musste kultiviert werden, so wie auch die Geschichte der Musik. Da gibt es einerseits Regeln und andererseits viele Stimmen und Dynamik. Und menschliche Kultur hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Es ist nämlich sonst instabil.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Mittel.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Gesetze&lt;br /&gt;
::* Mythen als Vorbild&lt;br /&gt;
::* Erziehung&lt;br /&gt;
::* Kultur, zum Beispiel Musik&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gelernt, nicht vorgegeben.&#039;&#039;&#039; Man kann einwenden, ein solches Seelenleben wäre instabil. Das ist ein Strohmann-Argument, weil es die Komplexität erst durch Kultur erlernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Älter als die Zivilisation.&#039;&#039;&#039; Das kam nicht erst mit der Zivilisation. Der größte Teil dieser sozialen Kultur wurde vermutlich schon vor dem Ackerbau entwickelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor dem Ackerbau.&#039;&#039;&#039; Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (um 9500 v. Chr.) zeigt große Steinkreise, die Jäger und Sammler vor dem Ackerbau errichtet haben. Christopher Boehm beschrieb 1999 in &#039;&#039;Hierarchy in the Forest&#039;&#039;, dass Jäger-Sammler-Gruppen Gleichheit durch Spott und Ächtung erzwingen. Smith u. a. fanden 2017 in &#039;&#039;Nature Communications&#039;&#039; bei den Agta, dass gute Geschichtenerzähler als Partner bevorzugt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Junge mit den Perlen.&#039;&#039;&#039; Bei Jägern und Sammlern gibt es ein Grab, in dem einem Jungen Perlen mitgegeben wurden, deren Herstellung etwa drei Jahre Arbeit entsprach. Das ist ein Beweis für die Herrschaft von Mythen. Diese Ausdauer ist nur möglich, wenn man an eine Geschichte glaubt. Status, Trauer und Pflicht können nur so lange anhalten, wenn es eine fortdauernde Geschichte dazu gibt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sungir.&#039;&#039;&#039; Das Grab liegt bei Sungir (Sunghir) in Russland und ist über 30.000 Jahre alt. Zwei Jugendliche liegen dort kopf an kopf, mit Elfenbeinperlen, Elfenbeinspeeren und rotem Ocker. Die Genetik zeigt, dass auch der als Mädchen gedeutete Jugendliche männlich war.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Grundlage der Kultur.&#039;&#039;&#039; Mythen sind die Grundlage jeder Kultur. Dadurch wird auch das Wissen weitergegeben. Das ist heute nicht anders: Bücher erzählen Geschichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erzählend gespeichert.&#039;&#039;&#039; Walter Ong beschrieb 1982 in &#039;&#039;Orality and Literacy&#039;&#039;, dass Kulturen ohne Schrift ihr Wissen in Erzählungen, Formeln und Rhythmus bewahren, weil man sich Geschichten merken kann. Nunn und Reid (2016) fanden in australischen Küstenerzählungen Erinnerungen an den Meeresanstieg, die mehr als 7.000 Jahre zurückreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=934</id>
		<title>Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=934"/>
		<updated>2026-10-30T18:22:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Junge mit den Perlen, Satz zu Status, Trauer, Pflicht&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Alter der Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Panksepp.&#039;&#039;&#039; Jaak Panksepp beschrieb in &#039;&#039;Affective Neuroscience&#039;&#039; (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zweierlei Staunen.&#039;&#039;&#039; Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrfurcht|Ehrfurcht]]: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Ordnung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultivierung.&#039;&#039;&#039; Die Entwicklung eines komplexen Seelenlebens musste kultiviert werden, so wie auch die Geschichte der Musik. Da gibt es einerseits Regeln und andererseits viele Stimmen und Dynamik. Und menschliche Kultur hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Es ist nämlich sonst instabil.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Mittel.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Gesetze&lt;br /&gt;
::* Mythen als Vorbild&lt;br /&gt;
::* Erziehung&lt;br /&gt;
::* Kultur, zum Beispiel Musik&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gelernt, nicht vorgegeben.&#039;&#039;&#039; Man kann einwenden, ein solches Seelenleben wäre instabil. Das ist ein Strohmann-Argument, weil es die Komplexität erst durch Kultur erlernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Älter als die Zivilisation.&#039;&#039;&#039; Das kam nicht erst mit der Zivilisation. Der größte Teil dieser sozialen Kultur wurde vermutlich schon vor dem Ackerbau entwickelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor dem Ackerbau.&#039;&#039;&#039; Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (um 9500 v. Chr.) zeigt große Steinkreise, die Jäger und Sammler vor dem Ackerbau errichtet haben. Christopher Boehm beschrieb 1999 in &#039;&#039;Hierarchy in the Forest&#039;&#039;, dass Jäger-Sammler-Gruppen Gleichheit durch Spott und Ächtung erzwingen. Smith u. a. fanden 2017 in &#039;&#039;Nature Communications&#039;&#039; bei den Agta, dass gute Geschichtenerzähler als Partner bevorzugt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Junge mit den Perlen.&#039;&#039;&#039; Bei Jägern und Sammlern gibt es ein Grab, in dem einem Jungen Perlen mitgegeben wurden, deren Herstellung etwa drei Jahre Arbeit entsprach. Das ist ein Beweis für die Herrschaft von Mythen. Diese Ausdauer ist nur möglich, wenn man an eine Geschichte glaubt. Status, Trauer und Pflicht können nur so lange anhalten, wenn es eine fortdauernde Geschichte dazu gibt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sungir.&#039;&#039;&#039; Das Grab liegt bei Sungir (Sunghir) in Russland und ist über 30.000 Jahre alt. Zwei Jugendliche liegen dort kopf an kopf, mit Elfenbeinperlen, Elfenbeinspeeren und rotem Ocker. Die Genetik zeigt, dass auch der als Mädchen gedeutete Jugendliche männlich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=933</id>
		<title>Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=933"/>
		<updated>2026-10-30T18:20:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Der Junge mit den Perlen, Sungir&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Alter der Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Panksepp.&#039;&#039;&#039; Jaak Panksepp beschrieb in &#039;&#039;Affective Neuroscience&#039;&#039; (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zweierlei Staunen.&#039;&#039;&#039; Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrfurcht|Ehrfurcht]]: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Ordnung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultivierung.&#039;&#039;&#039; Die Entwicklung eines komplexen Seelenlebens musste kultiviert werden, so wie auch die Geschichte der Musik. Da gibt es einerseits Regeln und andererseits viele Stimmen und Dynamik. Und menschliche Kultur hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Es ist nämlich sonst instabil.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Mittel.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Gesetze&lt;br /&gt;
::* Mythen als Vorbild&lt;br /&gt;
::* Erziehung&lt;br /&gt;
::* Kultur, zum Beispiel Musik&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gelernt, nicht vorgegeben.&#039;&#039;&#039; Man kann einwenden, ein solches Seelenleben wäre instabil. Das ist ein Strohmann-Argument, weil es die Komplexität erst durch Kultur erlernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Älter als die Zivilisation.&#039;&#039;&#039; Das kam nicht erst mit der Zivilisation. Der größte Teil dieser sozialen Kultur wurde vermutlich schon vor dem Ackerbau entwickelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor dem Ackerbau.&#039;&#039;&#039; Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (um 9500 v. Chr.) zeigt große Steinkreise, die Jäger und Sammler vor dem Ackerbau errichtet haben. Christopher Boehm beschrieb 1999 in &#039;&#039;Hierarchy in the Forest&#039;&#039;, dass Jäger-Sammler-Gruppen Gleichheit durch Spott und Ächtung erzwingen. Smith u. a. fanden 2017 in &#039;&#039;Nature Communications&#039;&#039; bei den Agta, dass gute Geschichtenerzähler als Partner bevorzugt werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Junge mit den Perlen.&#039;&#039;&#039; Bei Jägern und Sammlern gibt es ein Grab, in dem einem Jungen Perlen mitgegeben wurden, deren Herstellung etwa drei Jahre Arbeit entsprach. Das ist ein Beweis für die Herrschaft von Mythen. Diese Ausdauer ist nur möglich, wenn man an eine Geschichte glaubt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sungir.&#039;&#039;&#039; Das Grab liegt bei Sungir (Sunghir) in Russland und ist über 30.000 Jahre alt. Zwei Jugendliche liegen dort kopf an kopf, mit Elfenbeinperlen, Elfenbeinspeeren und rotem Ocker. Die Genetik zeigt, dass auch der als Mädchen gedeutete Jugendliche männlich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=932</id>
		<title>Grundlagen</title>
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		<updated>2026-10-30T18:14:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Kultur und Ordnung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Alter der Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Panksepp.&#039;&#039;&#039; Jaak Panksepp beschrieb in &#039;&#039;Affective Neuroscience&#039;&#039; (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zweierlei Staunen.&#039;&#039;&#039; Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrfurcht|Ehrfurcht]]: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Ordnung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultivierung.&#039;&#039;&#039; Die Entwicklung eines komplexen Seelenlebens musste kultiviert werden, so wie auch die Geschichte der Musik. Da gibt es einerseits Regeln und andererseits viele Stimmen und Dynamik. Und menschliche Kultur hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Es ist nämlich sonst instabil.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Mittel.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Gesetze&lt;br /&gt;
::* Mythen als Vorbild&lt;br /&gt;
::* Erziehung&lt;br /&gt;
::* Kultur, zum Beispiel Musik&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gelernt, nicht vorgegeben.&#039;&#039;&#039; Man kann einwenden, ein solches Seelenleben wäre instabil. Das ist ein Strohmann-Argument, weil es die Komplexität erst durch Kultur erlernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Älter als die Zivilisation.&#039;&#039;&#039; Das kam nicht erst mit der Zivilisation. Der größte Teil dieser sozialen Kultur wurde vermutlich schon vor dem Ackerbau entwickelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor dem Ackerbau.&#039;&#039;&#039; Göbekli Tepe in der heutigen Türkei (um 9500 v. Chr.) zeigt große Steinkreise, die Jäger und Sammler vor dem Ackerbau errichtet haben. Christopher Boehm beschrieb 1999 in &#039;&#039;Hierarchy in the Forest&#039;&#039;, dass Jäger-Sammler-Gruppen Gleichheit durch Spott und Ächtung erzwingen. Smith u. a. fanden 2017 in &#039;&#039;Nature Communications&#039;&#039; bei den Agta, dass gute Geschichtenerzähler als Partner bevorzugt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=931</id>
		<title>Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=931"/>
		<updated>2026-10-30T17:17:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Zweierlei Staunen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Alter der Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Panksepp.&#039;&#039;&#039; Jaak Panksepp beschrieb in &#039;&#039;Affective Neuroscience&#039;&#039; (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zweierlei Staunen.&#039;&#039;&#039; Beides ist richtig. Vielleicht hängt es davon ab, ob man von wahrer Größe beeindruckt ist oder durch Machtanspruch eingeschüchtert wird. Vor wahrer Größe steht die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrfurcht|Ehrfurcht]]: Man fühlt sich nicht kleiner. Der Machtanspruch schüchtert ein, und man kommt sich klein vor.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=930</id>
		<title>Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=930"/>
		<updated>2026-10-30T17:12:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Das Alter der Urdämonen, Panksepp&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Alter der Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Die Urdämonen sind so alt, dass sich ihre Entwicklung verliert. Bei Fischen, Reptilien und Vögeln ist davon noch wenig vorhanden. Bei Säugetieren dürfte das meiste da sein. Dazu gehören Hunger und Appetit, Durst und Schlummer: Die körperlichen gehören auch dazu. Die Seele des Menschen hat sich in ihrer Komplexität aus diesen Urdämonen entwickelt. Das zeigt sich auch daran, dass die Analyse sie auf wenige Urdämonen zurückführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Panksepp.&#039;&#039;&#039; Jaak Panksepp beschrieb in &#039;&#039;Affective Neuroscience&#039;&#039; (1998) bei Säugetieren eine Handvoll angeborener emotionaler Systeme in alten Hirnteilen: Suchen, Wut, Angst, Begehren, Fürsorge, Trauer und Spiel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=929</id>
		<title>Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=929"/>
		<updated>2026-10-30T17:11:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Urdämonen, Formulierung ohne ich&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen gelten zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=928</id>
		<title>Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Grundlagen&amp;diff=928"/>
		<updated>2026-10-30T17:04:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Grundlagen: Stil und Gestaltung, Urdämonen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Entwurf, wird überarbeitet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite erklärt sachlich, worum es in der Dämonologie geht und wie ich dazu gekommen bin. Wer zuerst die Grundlagen kennt, kann die [[Hauptseite]] besser einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspunkt: der Rationalist ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Auch ich war einst ein Rationalist mit Verachtung für alle esoterische Spinnerei und Aberglauben mit dem ungebildete und unkritische Geister zu jedem nur denkbaren und undenkbaren Schwachsinn und Hokuspokus verführt werden und diese Verachtung ist immer noch da.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rationalismus bedeutet, dass man seine Behauptungen begründet. Gerade diese Haltung hat mich zum Umdenken gezwungen: Ich habe Ockhams Rasiermesser an zwei Begriffe gelegt, die ganz vernünftig aussehen, an die Materie und an die Vergangenheit. Ockhams Rasiermesser heißt: Man soll nicht mehr annehmen, als zur Erklärung nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Begriff: Materie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Eines sonnigen Tages ging ich in unserer Wohnung die Treppe hinab und sah diese leuchtende Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da traf mich die Erkenntnis des Immaterialismus wie ein Blitz.&lt;br /&gt;
[[Immaterialismus]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die leuchtende Wand ist da. Ihre Präsenz „existiert selbst durch sich selbst in diesem Moment“. Ob man sie Erscheinung nennt oder Wahrnehmung im Gehirn, das Leuchten selbst ist das, was ich erlebe. Die Materie dahinter erklärt dieses Leuchten nicht. Sie ist eine Annahme, die man dazudenkt, so wie früher der Äther als Träger des Lichts dazugedacht wurde. Als man merkte, dass man den Äther nicht braucht, hat man ihn gestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Begriff: Vergangenheit ==&lt;br /&gt;
Ein heißer Kaffee wird kälter. Rechnet man mit denselben Gesetzen rückwärts, müsste der Kaffee in der Vergangenheit kälter gewesen sein, also von selbst heißer werden. Das passiert nie. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit gelten nur nach vorn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Tatsächlich begegnen wir nur &#039;&#039;Dokumenten&#039;&#039; von einer Vergangenheit &amp;lt;u&amp;gt;in&amp;lt;/u&amp;gt; der Gegenwart.&lt;br /&gt;
[[Zweiter Hauptsatz]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Saurierknochen, ein Foto, ein Tagebuch liegen jetzt vor uns. Die Vergangenheit selbst ist nirgends zu finden. Wie bei einem gemalten Bild meinen wir, in die Tiefe zu schauen, und doch hängt das Bild flach vor unserer Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Boden fällt weg ==&lt;br /&gt;
Eine Begründung führt eine Behauptung Schritt für Schritt auf einen Grund zurück, und dieser Grund liegt in der Vergangenheit. Gibt es keine Vergangenheit, dann trägt die Kette nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Was meine Überzeugung und Vernunft, mein Motiv in der Gegenwart bestimmt ist nicht diese Kette.&lt;br /&gt;
Diese Kette ist nicht gegenwärtig.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Frage: Was wirkt jetzt? ==&lt;br /&gt;
Wenn mich nicht die Kette der Gründe bestimmt, was dann? Es muss etwas sein, das jetzt wirkt, in diesem Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Es sind gegenwärtig aktive Mächte.&lt;br /&gt;
Es sind DÄMONEN.&lt;br /&gt;
[[Entstehungsgeschichte]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werden und Sein ==&lt;br /&gt;
Es gibt ja 2 grundlegende Philosophien, die Fortdauer erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parmenides oder Heraklit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sein ist eigentlich gar keine Erklärung, sondern ein Begriff X, der das Phänomen bezeichnet und daraufhin als Ursache dafür ausgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Stein ist ein Ding, dass existiert. Das ist nur ein Wort für sein Andauern und Widerstand. Aber dann wird aus einem Wort eine Ursache gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert er an über die Zeit? Wegen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Hütchen Spiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird behauptet, unter der Nusschale ist eine Münze, die Wert hat. Mit der man bezahlen kann. Eine Erklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit arbeitet man. Mit einer Worthülse. Eine Nuss schale, unter der angeblich etwas liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da ist nichts. Wenn man die Schale anhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nur die Behauptung für die Existenz einer Erklärung. Aber nicht eine Erklärung. Nur die Bezeichnung des Phänomen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum dauert der Stein an über die Zeit? Wegen seinem Andauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit: Der beschreibt einfach, was er sieht. Dabei geht es nicht um eine logische Erklärung. Und überhaupt hat das auch noch niemand geschafft. Logisch. Werden ist nämlich elementarer als Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beobachten, dass jedes Andauern im Werden eine Form von Fortpflanzung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kybernetischer Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Muster erzeugt sich selbst immer wieder neu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kerzenflamme heizt den Wachs zu Gas, dass sie verbrennt. Dadurch entsteht Hitze, die den Wachs aufheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken generieren Kondensationskeime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Lebewesen ist offensichtlich, wie sie Nachkommen zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie beschaffen auch die Nahrung, die sie essen, um ein Wesen zu sein, dass Nahrung beschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich wette, die Wechselwirkung von Quarks hält das Proton stabil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht „Sein&amp;quot;, sondern ein dynamischer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fortpflanzung in der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass dasselbe erhalten wird. Es ist aber nicht dasselbe Ding. Es ist dasselbe dynamische Muster. Wir steigen niemals 2 mal in denselben Fluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu der Frage, ob das Proton durch Dynamik stabil ist: Das ist doch ganz einfach. Unterbinde den dynamischen Austausch von Gluonen. Dann sind die Bindungskräfte weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist derselbe Trick, den Molière 1673 im „Eingebildeten Kranken&amp;quot; verspottet hat: Warum macht Opium schläfrig? „Weil es eine einschläfernde Kraft hat&amp;quot; (&#039;&#039;virtus dormitiva&#039;&#039;). Der Effekt wird umbenannt und als Ursache ausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heraklit sagt: „Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn immer neue Wasser fließen zu&amp;quot; (Fragment 12). Die Welt ist „ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend&amp;quot; (Fragment 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dauer ist ein Zustand, der in jedem Augenblick neu erzeugt wird, durch Kräfte, die ihn gegen Störungen wiederherstellen (Kybernetik). Beim Thermostat ist das die Regelung, bei der Seele sind es die Kreise der Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür gibt es den Begriff Autopoiesis (Maturana und Varela 1972): ein Netzwerk von Prozessen, dessen Bestandteile das Netzwerk erzeugen, das sie hervorbringt. Beim Proton stammen nur etwa 1 % der Masse vom Higgs-Feld (Symmetry Magazine). Der Rest entsteht aus der Wechselwirkung der Quarks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolken wächst Sulfat auf Teilchen und macht sie zu besseren Kondensationskeimen (Roelofs u. a. 2006). Zugleich entfernen Wolken und Regen Teilchen wieder aus der Luft (Grythe u. a. 2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kreis der Dämonen ==&lt;br /&gt;
Aber bezüglich der Dämonen, die lange stabil sind, bedeutet es, dass die ihr eigenes Fortdauern selbst erzeugen müssten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich finden wir das immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch 2 Mechanismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intern und sozial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Depressive sieht seine Umgebung in düsteren Farben. Das macht ihn depressiv. Edward Munch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämon spricht. Dämon hört. In anderen. Aber auch für sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist aber nicht nur die Sicht, sondern auch die Rede, wie er mit sich spricht. Und auch die Einstellung, wie Ereignisse bewertet werden. Aber auch andere Regungen: Andere Dämonen werden unterdrückt und abgewertet. Etwa die kleine Freude, entwertet als hohl angesichts der großen Tragik. Ja gar als Spott des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist der Kreis auch zwischen den Menschen. Lächeln 😃 erzeugt Lächeln in anderen, was wiederum mich lächeln lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der unfreundliche, mürrische Mensch trifft immer wieder Menschen, die unfreundlich zu ihm sind. Ein Grund, unfreundlich zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;Ergreift ein Dämon von einer Person Besitz, so strahlt seine Aura in die Umgebung aus und färbt die Welt um. Das ist übrigens das Thema von Malerei, Musik, Film: Die anderen Atmosphären, Welten, die die Gegenwart eines Dämons erschafft.&lt;br /&gt;
[[Hauptseite]]&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Depressiven ist schon die Wahrnehmung verändert: Die Netzhaut verstärkt Kontraste schwächer, je schwerer die Depression (Bubl u. a. 2010). Depressive tragen außerdem selbst zu den belastenden Ereignissen bei, die sie weiter belasten (Hammen 1991, nach Naumova).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edvard Munch verlor früh seine Mutter (1868), seine Schwester Sophie (1877) und später den Vater (1889). In seinem Tagebuch zum „Schrei&amp;quot; steht: „Die Farbe schrie.&amp;quot; Nach seiner Behandlung 1908 wurde sein Werk farbiger und weniger pessimistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht jeder lange Zustand erhält sich nur selbst. Manche Dämonen bleiben auch, weil die Umgebung sie dauerhaft füttert, etwa bei chronischer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was ein Dämon ist ==&lt;br /&gt;
Ein Dämon ist ein Antrieb, der seinen eigenen Hunger hat und seine eigene Welt. Wenn er herrscht, sieht man durch seine Augen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; was er will. Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]] will haben und nicht hergeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trigger:&#039;&#039;&#039; was ihn weckt. Ein Stichling-Männchen greift im Frühjahr alles an, was einen roten Bauch hat, sogar einen grob geschnitzten Holzklotz, wenn er nur unten rot bemalt ist. Der Forscher Niko Tinbergen nannte das einen Schlüsselreiz.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Verhalten und Welt:&#039;&#039;&#039; Wer wütend ist, sieht überall Gegner. Wer verliebt ist, sieht überall den einen Menschen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf. Gähnen ist ansteckend, Lachen ist ansteckend, Traurigkeit ist ansteckend.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; wie man ihn loswird (siehe [[Bannung]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entgleisung:&#039;&#039;&#039; der Dämon ohne Grenze. Aus dem Sammler wird der Messi, aus dem Putz der Waschzwang.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stark und schwach:&#039;&#039;&#039; Wir beschreiben die Dämonen in starker Ausprägung. Es gibt Menschen, in denen wenige Dämonen herrschen, aber die meisten Dämonen sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar. Jeder hat dasselbe Klavier; manche spielen fast nur noch auf zwei, drei Tasten. William Fleeson ließ 2001 Menschen über Wochen mehrmals täglich notieren, wie sie sich gerade verhielten: Ein und derselbe Mensch schwankt fast so stark wie die Menschen untereinander. Was man Charakter nennt, ist die Häufigkeit, mit der ein Dämon herrscht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stimmungen:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind die Stimmungen. Das Wort sagt es schon: Man stimmt ein Instrument. Bei Musik sieht man, wie verschiedene Dämonen beschworen werden und wie sie wechseln. Zwei tiefe Töne, abwechselnd, immer schneller, und jeder im Kino weiß, dass der weiße Hai kommt. Ein Marsch, und auch der Friedliche geht im Gleichschritt. Ein Wiegenlied, und das Kind schläft. Musik kann auch Dämonen rufen, die sonst kaum im Charakter eines Menschen wirken.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mehrklang:&#039;&#039;&#039; In einer Symphonie gibt es verschiedene Stimmen, die sprechen. Die wechseln ab, aber sprechen auch zugleich. Eine im Vordergrund, andere im Hintergrund. Oder auch die verschiedenen Musikinstrumente: eines sentimental, eines übermütig, eines traurig. Es ist im Alltag ein Mehrklang. Oft spielt ein Solo.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Solo und Hintergrund:&#039;&#039;&#039; Wer das Solo spielt, bestimmt, was jemand sagt und tut. Die anderen klingen mit und färben es. So entstehen Mischungen, zum Beispiel die [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Empörung|Empörung]], in der Ärger und Überlegenheit zusammen zu hören sind.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Musik:&#039;&#039;&#039; Musik ist ja nicht nur eine Metapher. Musik ist eine direkte Darstellung des inneren Seelenlebens. So sieht das aus. Dynamisch. Und im Hörer werden damit dieselben Regungen der Dämonen beschworen. Man kennt Musik und vergisst, wie erstaunlich das ist. Aber das ist die Grundlage, wie Musik funktioniert. Nämlich als Mittel zur Beschwörung von Dämonen. Es ist eine Sprache, die einen Tanz beschwört. Haltung. Mimik. Stimmung. Durch Analogie. Weil ihre Struktur der Struktur der Dämonen entspricht. Es ist ja auch so, wie die Dämonen Laute von sich geben. Der Wütende ist laut. Der Traurige schleppend.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Stimme und Musik:&#039;&#039;&#039; Patrik Juslin und Petri Laukka verglichen 2003 die Gefühle in der Stimme und in der Musik und fanden dieselben Merkmale: Wut und Freude sind schnell und laut, Trauer ist langsam, leise und tief. Die Musik ahmt die Laute der Dämonen nach, die wir aus der Stimme kennen.&lt;br /&gt;
* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Form des Gefühls:&#039;&#039;&#039; Susanne Langer beschrieb 1942 in &#039;&#039;Philosophy in a New Key&#039;&#039;, dass die Form der Musik der Form des Gefühls entspricht: Spannung und Lösung, Steigerung und Ruhe, Eile und Zögern. Das entspricht dem Gedanken der Analogie der Strukturen, nur ohne Dämonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Stolz|Stolz]] hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] ist das Gegenteil: Er hat mit seiner gebeugten Haltung eine flache und unglückliche Atmung.&lt;br /&gt;
* Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] hält den Atem an.&lt;br /&gt;
* Wer [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] hat, traut sich kaum zu atmen. Und das vermehrt auch das Unwohlsein.&lt;br /&gt;
* Kopfdenker reduzieren die freie Atmung. Da werden die Emotionen mit reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Angst und Atmung.&#039;&#039;&#039; Besonders bei plötzlicher Angst kann ein Mensch beinahe aufhören zu atmen. Er hält unwillkürlich den Atem an oder atmet nur noch sehr flach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört zur Erstarrungsreaktion (Freezing). Der Körper wird still, die Muskeln spannen sich an, und die Aufmerksamkeit richtet sich vollständig auf die mögliche Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat einen biologischen Sinn: Wer sich nicht bewegt und kaum Atemgeräusche macht, wird von einem Feind möglicherweise schlechter bemerkt. Außerdem kann er die Gefahr besser wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings gibt es unterschiedliche Angstreaktionen:&lt;br /&gt;
* Schreck und Erstarrung: Der Atem stockt oder wird flach.&lt;br /&gt;
* Anhaltende Angst: Die Atmung kann schneller und oberflächlicher werden.&lt;br /&gt;
* Panik: Häufig tritt eine beschleunigte Atmung bis hin zur Hyperventilation auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst kontrolliert nicht nur die Aufmerksamkeit und die Muskeln, sondern greift unmittelbar in die Atmung ein. Sie kann damit sogar eine normalerweise automatisch ablaufende Körperfunktion verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Atemanhalten ist also eine typische, aber keineswegs die einzige Reaktion auf Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Homma und Masaoka (2008, &#039;&#039;Experimental Physiology&#039;&#039; 93(9), 1011–1021) beschreiben in einer Übersicht, dass sich die Atmung mit Emotionen wie Traurigkeit, Freude, Angst oder Furcht ändert (nach dem Abstract). Boiten, Frijda und Wientjes (1994, &#039;&#039;International Journal of Psychophysiology&#039;&#039; 17(2), 103–128) fassen zusammen, dass die Atmung allgemeine Dimensionen der Reaktion spiegelt: Ruhe gegen Erregung, Entspannung gegen Anspannung, aktives gegen passives Bewältigen (nach dem Abstract). Nair u. a. (2015, &#039;&#039;Health Psychology&#039;&#039; 34(6)) fanden bei aufrechter Haltung unter Stress mehr Selbstwert, bessere Stimmung und weniger Angst als bei zusammengesunkener Haltung (nach dem Abstract; die Atmung wurde dort nicht gemessen). Boiten (1998, &#039;&#039;Biological Psychology&#039;&#039; 49(1–2), 29–51) zeigte mit Filmen, dass sich bei Ekel die Pausen nach dem Einatmen verlängern, und vermutet emotionsspezifische Muster beim Atemanhalten, etwa bei Ekel und Schmerz (nach dem Abstract). Vlemincx, Van Diest und Van den Bergh (2012, &#039;&#039;Physiology &amp;amp; Behavior&#039;&#039; 107(1), 1–6) fanden, dass die Atmung bei Kopfrechnen und bei anhaltender Aufmerksamkeit weniger variabel wird und ein Seufzer die Variabilität wiederherstellt (nach dem Abstract). Zum Freezing: Hagenaars, Oitzl und Roelofs (2014, &#039;&#039;Neuroscience &amp;amp; Biobehavioral Reviews&#039;&#039; 47, 165–176) beschreiben Freezing beim Menschen über Herzverlangsamung und verringerte Bewegung (nach dem Abstract). Roelofs (2017, &#039;&#039;Philosophical Transactions of the Royal Society B&#039;&#039; 372(1718), 20160206) behandelt Freezing bei Tier und Mensch (nach dem Titel; den Abstract konnte ich nicht lesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwiewirklich ==&lt;br /&gt;
Ich sage hier ja in der Dämonologie, dass die Dämonen die Sicht ändern. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in verschiedenen Welten leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer auf Basis meiner Prämisse, zuerst das subjektiv Erlebte ohne Verfälschung zu beschreiben. Später kann man das dann rational interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei das bei meiner Lehre dann einen Haken hat. Das ist nämlich auch nur die Sicht eines bestimmten Dämons. Nämlich des [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt haben wir ein Problem. Welcher Dämon hat die Autorität zu bestimmen, welche von den verschiedenen Welten die reale ist? Es gibt kein Kriterium, das gültig ist. Es hängt einzig davon ab, welcher Dämon gerade herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb benutze ich das Wort zwiewirklich, als Anerkennung davon, dass uns verschiedene Wirklichkeiten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier nehme ich Munch als Beispiel, weil er uns zeigt, wie der Depressive die Welt sieht. Wie seine Welt aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Übrigen bin ich mit dieser Lehre immer noch zu jeder Art Vernunft fähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Unbewusste ==&lt;br /&gt;
Die reden über das Unbewusste als über etwas, das unterdrückt wird. Dabei ist es das Normale. Etwas ins Gedächtnis zu dokumentieren ist nämlich ein aktiver Akt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei allem Handeln sind die Stimmen von verschiedenen Dämonen leise im Hintergrund dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gefühl ist ein gemischtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gibt es ein grundsätzliches Problem, warum viel unbewusst unbewusst bleibt. Ein Dämon kann den anderen nämlich nicht wirklich verstehen. Nur beobachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade der Zwerg sieht nur einen Teil und verleugnet andere als irrational.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewöhnlich nehmen Dämonen andere Dämonen nur wahr, soweit es ihre Belange betrifft. Also bei Konflikten oder gemeinsamen Interessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist interessant, wie überhaupt die Wahrnehmung von Dämonen funktioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gestern ausgerastet. Aber heute verstehe ich meine Wut nicht mehr. Also stelle ich mir die Situation noch einmal vor. Und also auch die Trigger. Und die beschwören erneut den Dämon Wüterich. Mein Gesicht wird rot. An meiner körperlichen Reaktion, Haltung, Mimik, Verlangen zur Tat lese ich meinen Dämon ab. Und schließe, dass ich wütend bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt lesen wir uns selbst, wie wir andere lesen. Körperlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb funktioniert auch das Umgekehrte, innerhalb gewisser Grenzen. Nämlich Mimik und Haltung einnehmen und dadurch der Dämon werden. Ihn beschwören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So funktioniert übrigens Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so funktioniert das doch überhaupt. Wir verstehen die Gefühle von anderen, indem wir sie pantomimisch nachbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nisbett und Wilson (1977) fanden „wenig oder keinen direkten introspektiven Zugang zu höheren kognitiven Prozessen&amp;quot;. Wer sagt, warum er etwas getan hat, stützt sich auf implizite Annahmen darüber, was als Ursache plausibel ist. Gesichtsausdrücke beeinflussen das Gefühl nur klein und schwankend (Coles u. a. 2019, 138 Studien). Bei der Haltung wirkt vor allem das Fehlen der geduckten Haltung, nicht die offene Haltung selbst (Elkjær u. a. 2020). Niedenthal (2007) beschreibt das Nachbilden als Simulation: Wir spielen den Zustand des anderen in uns teilweise nach und schließen daraus, was er fühlt (Wood u. a. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Urgefühle.&#039;&#039;&#039; Ekman hat eine Anzahl von angeborenen Urgefühlen gefunden. Es ging nicht nur darum, was erkannt wird, sondern darum, was ohne kulturellen Einfluss da ist. Das sind Ekel, Angst, Überraschung, Freude und weitere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mikroausdrücke und Dämonen.&#039;&#039;&#039; Mikroausdrücke zeigen, wie Dämonen unbemerkt an unseren täglichen Handlungen beteiligt sind. Obwohl eine starke Reaktion vorliegt und die Mimik ausdruckstark ist, sind wir uns nicht bewusst, welche Dämonen an unseren Handlungen mitwirken, weil das so flink geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Verhör.&#039;&#039;&#039; Verhörexperten vom FBI werden darauf geschult, Mikroausdrücke wahrzunehmen, um die wahren Beweggründe von Tätern zu verstehen und Lügen zu entlarven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: Die Liste der Basisemotionen nach dem Lehrbuch von Yarwood: Freude, Überraschung, Angst, Ärger, Ekel, Trauer; in der Studie von Ekman u. a. von 1987 kam Verachtung als siebtes Wort dazu. Mikroausdrücke dauern nach dem Lehrbuch 1/15 bis 1/25 Sekunde und sind unbewusst; Porter und ten Brinke ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18466413/ 2008]) rechnen mit 1/25 bis 1/5 Sekunde. Gegenposition: Unter 700 Ausdrücken fanden Porter und ten Brinke nur etwa 2 % Mikroausdrücke (so nach Burgoon u. a. 2018, &#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039;); sie untersuchten allerdings Täuschung. Dass Mikroausdrücke im Alltag zeigen, welche Dämonen beteiligt sind, ist meine Folgerung aus dem Satz oben und nicht Teil dieser Studien. Zum Verhör: Ekman schreibt in seiner Aussage vor dem US-Kongress ([https://science.house.gov/_cache/files/b/2/b2040c46-ec1f-417e-91a8-8c06dc455cf8/2E06E14934EA2D0B2721D1298ECC7A22.2011-03-30-ekman-testimony.pdf 2011]), er habe dreißig Jahre lang Dutzende Workshops für Strafverfolgungsbehörden gegeben, zuletzt 2010 für die New Yorker Polizei und 2011 für die britische Behörde SOCA, und Workshops zur nationalen Sicherheit unter anderem für CIA, FBI, MI5 und die israelische Nationalpolizei. Sein Schwerpunkt sei Mimik, Gestik, Haltung, Stimme, Blick und Sprache als Hinweise auf Täuschung und gefährliche Absicht; die Workshops betrafen also nicht nur Mikroausdrücke. Dass es Verhörexperten waren, steht dort nicht. Mit der Flugsicherheitsbehörde TSA arbeitete er seit 2003 am Programm SPOT. Gegenposition aus der Anhörung: Hartwig nannte für das Erkennen von Täuschung durch Beobachtung eine Trefferquote von 54 % (Zufall: 50 %); Porter und ten Brinke fanden unter 697 Ausdrücken keinen vollständigen Mikroausdruck und 14 teilweise, in wahren und falschen Ausdrücken etwa gleich häufig. Der Ekel als Beispiel steht bei [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gründe und Gefühle ==&lt;br /&gt;
Wir sind so gewohnt, alles mit vernünftigen Gründen zu erklären, dass wir dabei das eigentliche Räderwerk, das unser Handeln bestimmt, übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese rationalen Gründe sind doch meist nur eine Geschichte, die wir uns zurechtlegen, um eine Rechtfertigung vor anderen zu haben, wenn die von uns Zeugnis wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wahrheit sind es die kleinen Augenblicke, in denen wir etwas Neues und Wichtiges fühlen, die unseren Entschluss für unser weiteres Handeln bestimmen. Und aus der Erinnerung daran kommt unsere Motivation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt auch zu negativen Konsequenzen, wenn man etwas meidet oder schüchtern wird, weil man ausgelacht wurde oder ausgeschimpft oder enttäuscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist auch, dass man die erlebte Geschichte wiederholt. In der Situation erinnert man sich daran, vielleicht auch unbewusst. Das bedeutet ja, dass dieselben Trigger wieder erscheinen und dieselbe emotionale Reaktion erfolgt. Man sieht die Gespenster der Vergangenheit, und dieselben Dämonen werden heraufbeschworen. Etwa Angst, Verlegenheit, aber natürlich auch Freude oder Wut. Was auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangene Erfahrungen und wie man darauf reagiert hat, leben in der Gegenwart fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht nur eine gespeicherte Erinnerung, wie von einer Festplatte, sondern eine gegenwärtige Reaktion auf gegenwärtige Reize. Nur sind diese Reize schemenhaft vor dem geistigen Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wie bei den Gespenstern.&#039;&#039;&#039; Das ist dieselbe Erfahrung wie bei den [[#Was daraus folgt|Gespenstern]]: Man sieht Napoleon mit der Hand in der Jacke, ohne ihm je begegnet zu sein, und reagiert trotzdem darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Quellen.&#039;&#039;&#039; Jonathan Haidt (2001, &#039;&#039;Psychological Review&#039;&#039; 108(4), 814–834) beschreibt, dass moralische Urteile zuerst als Gefühl entstehen und die Gründe erst nachträglich geliefert werden. Hugo Mercier und Dan Sperber (2011, &#039;&#039;Behavioral and Brain Sciences&#039;&#039; 34(2), 57–74) vertreten, dass das Argumentieren vor allem dem Rechtfertigen und Überzeugen vor anderen dient. Nisbett und Wilson (1977) stehen schon bei [[#Das Unbewusste|Das Unbewusste]]. Antonio Damasio (1994, &#039;&#039;Descartes&#039; Irrtum&#039;&#039;) beschreibt, wie körperliche Gefühle Entscheidungen lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Vorlesen ausgelacht wurde und sich später in Gruppen nie mehr meldet. Der Schüler, der für einen Fehler vor der Klasse beschimpft wurde und danach jede Frage meidet. Beide spüren in der neuen Situation dieselbe Verlegenheit oder Angst wie damals, und sie wissen oft nicht, warum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie man das prüft ==&lt;br /&gt;
Man beobachtet, an sich selbst und an anderen. Ein Dämon ist keine Einbildung, wenn er bei verschiedenen Menschen aus demselben Hunger dasselbe Verhalten erzeugt. Und es zählt, wenn andere Forscher unabhängig davon dasselbe gefunden haben: Was auf der Seite [[Hexe]] steht, haben Psychologen wie Laing, Bateson und Freyd auf ihre Weise auch beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erleben und Geschmack ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Objektiv durch Zeugnis.&#039;&#039;&#039; Erleben ist nur subjektiv zugänglich. Aber objektiv wird es dadurch, dass die Erfahrung und das Zeugnis verschiedener Menschen dasselbe berichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Musik zu erleben ist subjektiv. Teilweise unterscheidet sich auch, was Leute hören. Aber trotzdem stimmt das im Wesentlichen überein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schlager.&#039;&#039;&#039; Fans hören Schlager als großartige Musik. Wer ihn nicht mag, hört trotzdem die gleichen Empfindungen, die übermittelt werden. Nur ist der Geschmack anders. Nicht jeder mag das Wiederholen sentimentaler Erinnerungen. Das lebt in der Vergangenheit. Der andere Geschmack ist Action in der Gegenwart, Übermut angesichts des Abgrunds.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Hunger bestimmt den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Was man gut findet, ist abhängig davon, welche Nahrung man braucht. Wonach man Hunger hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zustand ändert den Geschmack.&#039;&#039;&#039; Dieselbe Person hört andere Musik, wenn sie wütend ist, als wenn sie zärtlich ist. Menschen wählen Musik auch gezielt, um eine Stimmung zu verstärken oder zu verändern. Das passt zum Hunger: Wenn sich der Hunger ändert, ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Prüfbar.&#039;&#039;&#039; „Der Geschmack hängt vom Hunger ab“ ist nur dann mehr als eine Behauptung, wenn man etwas vorhersagen kann: Wer in dieser Stunde Hunger nach X hat, mag Y, und mit dem Hunger ändert sich der Geschmack.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einer oder mehrere ==&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Frage.&#039;&#039;&#039; Sind es im Wortsinn mehrere Erlebende, oder erlebt einer sich in verschiedenen Zuständen?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hardware und Software.&#039;&#039;&#039; Das ist wie Hardware und Software. Die Hardware ist dieselbe. Die Software ist anders. Wenn man ein Lied auf verschiedenen Instrumenten spielt, ist das Lied dasselbe?&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Übertragbar.&#039;&#039;&#039; Seelische Zustände sind eine Melodie und eine Software. Deshalb ist das auch übertragbar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Was ein Muster ist, kann von einem Leib auf den anderen übergehen, ohne dass etwas Stoffliches wandert. Gähnen, Lachen und Traurigkeit sind ansteckend (siehe [[#Was ein Dämon ist|Was ein Dämon ist]]). Elaine Hatfield, John Cacioppo und Richard Rapson beschrieben 1994 als „emotionale Ansteckung“, dass Menschen Mimik, Haltung und Stimme anderer unwillkürlich nachahmen und so deren Gefühle übernehmen. Musik, Rede und Gesichter sind die Wege, auf denen die Muster wandern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das gleichbleibende Ich.&#039;&#039;&#039; Die Ansicht „einer in verschiedenen Zuständen“ braucht etwas, das dieser eine ist, ein gleichbleibendes Ich. Wer genau hinsieht, findet es nicht (David Hume, 1739: nur einzelne Wahrnehmungen). Nietzsche führte den Glauben an das Ich auf die Grammatik zurück: Jeder Satz braucht ein Subjekt. Was bleibt, sind der Leib, der Name und dass die Wesen einander beobachten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Maßstab.&#039;&#039;&#039; Zählt man nach dem Leib, ist es ein Mensch. Zählt man nach eigenem Ziel, eigener Welt, eigenem Gedächtnis und eigenem Erleben, sind es mehrere. Der zweite Maßstab ist am Phänomen ausgerichtet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein Lied, viele Instrumente.&#039;&#039;&#039; Ein Lied ist ein Muster, das auf verschiedenen Instrumenten gespielt werden kann und auf jedem etwas anders klingt. So sind die Dämonen Muster. Dieselbe Wut läuft in vielen Menschen, und im selben Menschen laufen verschiedene Muster nacheinander.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ob jemand zu Hause ist.&#039;&#039;&#039; Von außen ist nicht zu prüfen, ob in jedem Wesen jemand zu Hause ist. Das gilt für jeden anderen Menschen auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stil und Gestaltung ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jeder in seiner Welt.&#039;&#039;&#039; Jeder Dämon lebt in einer anderen Welt. Er nimmt anderes wahr. Er hat einen anderen Geschmack, was Stile anbelangt. Und der Dämon spricht, der Dämon hört: Empathie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Äußerung entspricht der Art.&#039;&#039;&#039; Die Äußerungen eines Dämons entsprechen seiner Art. Und damit ist jegliche Art von Design gemeint: Architektur, Tapetenmuster, Autos, Möbel, Raumgestaltung, Landschaftsgestaltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Wirkung.&#039;&#039;&#039; Und umgekehrt wirkt das auch so auf die Zuschauer. Die Gestaltung eines Dämons beschwört diesen Dämon in anderen. Dabei ist zu erkennen, dass das bei Urdämonen stärker wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Urdämonen.&#039;&#039;&#039; Urdämonen sind die Dämonen ohne Abstammung. Die Begriffe Raubtier und Beutetier sind nur eine grobe Zuordnung, aber kein Wesen. Als Urdämonen bezeichne ich zum Beispiel Vampir, Wüterich, Freude, Rammler, Angst, Überraschung, Neugier. Ekman hat welche beschrieben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ekman.&#039;&#039;&#039; Paul Ekman beschrieb seit den 1960er Jahren Basisemotionen mit eigenem, kulturübergreifendem Gesichtsausdruck: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung, später kam Verachtung dazu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Die Nazis haben bombastische Architektur gestaltet, was ihrem brutalen Größenwahn entspricht. Der Zuschauer soll sich klein vorkommen vor diesen gewaltigen Bauwerken und staunen, ehrfürchtig.&lt;br /&gt;
::* Jugendstil ist verspielt mit Phantasie.&lt;br /&gt;
::* Die Wohnmaschine ist kalt, auf Funktion reduziert.&lt;br /&gt;
::* Die Betonklötze der Trabantenstädte drücken Geringschätzung und Lieblosigkeit aus. Dementsprechend blüht da die Rohheit.&lt;br /&gt;
::* Die Häuser der Reichen haben viel Arbeit in den Details der Ästhetik und Prunk. Die sagen: Ich bin wertvoll und habe Rang.&lt;br /&gt;
::* Es gibt auch japanisches Zen-Design, das sich vollendet auf das Wesentliche konzentriert.&lt;br /&gt;
::* In einer Stadt wurde konsequent für Sauberkeit gesorgt. U-Bahnen und Züge wurden noch am selben Tag von Graffiti befreit. Die Kriminalstatistik ging runter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bekannte Namen.&#039;&#039;&#039; Albert Speer hat die Bauten des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die geplante Umgestaltung Berlins entworfen, und sie sollten diese Wirkung haben. Le Corbusier nannte das Haus eine „Wohnmaschine“ (machine à habiter).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sauberkeit.&#039;&#039;&#039; Das beschreibt die Broken-Windows-Theorie von Wilson und Kelling (1982): Ein zerbrochenes Fenster, das nicht repariert wird, lädt zu weiterem Vandalismus ein. Keizer, Lindenberg und Steg zeigten 2008 in &#039;&#039;Science&#039;&#039;, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft erhöhen, andere Regeln zu brechen. Ob die Kriminalität in der Stadt dadurch sank, ist umstritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was daraus folgt ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Stammbaum:&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind miteinander verwandt. Sie stammen voneinander ab, und neue entstehen durch Symbiose, so wie aus Pilz und Alge die Flechte wird. Siehe [[Stammbaum]] und die Wesenliste ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wesen 1]] bis [[Wesen 5: Noch ohne Ort|Wesen 5]]).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwiewirklichkeit:&#039;&#039;&#039; Jede Wahrnehmung ist schon Deutung, je nach dem Dämon, der gerade herrscht. Der [[Zwerg]] sieht nur den berechenbaren Teil der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wer zuerst kommt:&#039;&#039;&#039; Man geht durch den Alltag und begegnet verschiedenen Situationen. Da gibt es eine reflexartige emotionale Reaktion, bevor man überhaupt nachgedacht hat. Manchmal ist eine bestimmte Reaktion vorherrschend. Alles hängt davon ab, welcher Dämon am schnellsten reagiert. Das bestimmt die Laune und die Persönlichkeit. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Choleriker|Choleriker]] ist gereizt über eine Widrigkeit, der [[Kobold]] belustigt, und so bei vielen Wesen. Robert Zajonc schrieb 1980: „Preferences need no inferences.“ Es zählt auch, wer bleibt. Richard Davidson unterscheidet, wie schnell ein Gefühl anspringt und wie lange es braucht, bis es abklingt. Der Choleriker ist schnell oben und schnell wieder unten, der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] hält Tage.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Haltung:&#039;&#039;&#039; Man kann das ändern. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man etwas deutet, und der Haltung. Das Gehirn beurteilt, wie es einem geht, aus Haltung und Mimik. Wer sich gebeugt hält, ist geknickt: der Büßer. Wer den Kopf hebt und die Brust weitet, ist stolz. Oder man schreibt regelmäßig auf, wofür man dankbar ist (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Haltungen, die man regelmäßig einnimmt, werden zur Gewohnheit, und dann sind sie die erste Reaktion. William James schrieb 1884: „we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble“. Ein gestelltes Lächeln im Labor wirkt nur wenig (Coles u. a. 2022), aber das Labor misst Minuten. Man wird durch Erziehung und die Maßstäbe der Umgebung jahrelang zu bestimmten Haltungen gebracht. Das verlangt die Sitte, und dazu kommt das Vorbild der Menschen, deren Einfluss man täglich ausgesetzt ist. Darum verhalten sich verschiedene Stände so gleichförmig: der Snobismus beim Adel, die [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Kamerad|Kameradschaft]] beim Soldaten. In Mädchenpensionaten balancierte man ein Buch auf dem Kopf, um die stolze Haltung zu lernen. Pierre Bourdieu nannte die Haltung eines Standes „Hexis“: „political mythology realized, em-bodied, turned into a permanent disposition, a durable manner of standing, speaking, and thereby of feeling and thinking“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Kreis von Haltung und Vorstellung:&#039;&#039;&#039; Auch das ist ein Kreis. Die Vorstellung, wie man ist, erzeugt die Haltung, denn alles, was man sich vorstellt, bildet man pantomimisch nach (siehe [[Die Entstehung der Seele#Denken ist Tanz|Denken ist Tanz]]). Das gilt auch, wenn man ein Buch liest, einen Film sieht, Musik hört. Verstehen ist Dämon werden. Haltung erzeugt Vorstellung, Vorstellung erzeugt Haltung. Wem man den Stirnrunzel-Muskel mit Botox lähmt, der liest Sätze langsamer, für deren Gefühl man die Stirn runzelt (David Havas und Kollegen 2010). Sozial ist es auch ein Kreis: Man findet jemanden sympathisch und lächelt ihn an, und er findet einen daraufhin sympathisch. Das gibt es natürlich auch mit dem Ärger.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Geist folgt dem Körper:&#039;&#039;&#039; Das wissen die Herrscher und die Religionen. Nach einer friesischen Sage befahl der dänische König Godfred den unterworfenen Friesen, ihre Haustüren nach Norden zu legen und so niedrig zu machen, dass sie sich bei jedem Hinausgehen vor den Nordmännern verbeugen mussten: „This was how the pride of the Frisians was broken.“ Zum Gebet im Islam gehört das Niederwerfen, fünfmal täglich. Das Wort Islam heißt Hingabe, Unterwerfung unter Gott. Blaise Pascal riet dem Zweifler, es den Gläubigen nachzumachen: „C&#039;est en faisant tout comme s&#039;ils croyaient, en prenant de l&#039;eau bénite, en faisant dire des messes, etc. Naturellement même cela vous fera croire et vous abêtira.“ (Indem sie alles taten, als ob sie glaubten, Weihwasser nahmen, Messen lesen ließen. Ganz natürlich wird euch das glauben machen und dumm machen.) Nietzsche nennt das „das Princip Pascal&#039;s“ und sieht darin eine „Hypnotisirung“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039; III, 17). Das japanische Teehaus hat einen niedrigen Kriecheingang, durch den jeder Gast, auch der Samurai, auf Knien hinein muss. Das wirkt auch zum Guten. Aristoteles: „we become just by doing just acts, temperate by doing temperate acts, brave by doing brave acts“ (&#039;&#039;Nikomachische Ethik&#039;&#039; II, 1). Hamlet sagt zu seiner Mutter: „Assume a virtue, if you have it not.“ Und: „For use almost can change the stamp of nature“. Menschen mit depressiven Symptomen, die aufrecht sitzen, haben bessere Laune und sind weniger müde (Carissa Wilkes und Kollegen 2017). Der Arzt Madan Kataria gründete 1995 in Mumbai den ersten Lachklub. Als die Witze ausgingen, lachten sie ohne Grund weiter. Das gespielte Lachen steckt an und wird echt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wörter verlieren den Körper:&#039;&#039;&#039; Es gibt jede Menge abstrakte Wörter, die für Dämonen und ihre körperlichen Reaktionen stehen: geistig, mental, Psyche. Sie bezeichnen aber nicht die konkreten Vorgänge. Ursprünglich waren sie konkret und sinnlich, meist körperlich. „Geist“ hieß „Ergriffenheit, Aufregung“, das Schaudern, wenn man erschrickt; das englische &#039;&#039;ghost&#039;&#039; war altenglisch &#039;&#039;gast&#039;&#039;, „Atem; guter oder böser Geist, Engel, Dämon“. Dann ging das Wort wie bei der Stillen Post weiter. Der Nächste hat das Schaudern nicht erlebt und versteht das Wort nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Stelle, an der man es benutzt. Das Wort verselbstständigt sich und bekommt seinen Sinn aus Funktion und Gebrauch. Nietzsche schreibt: „die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind“, und vergleicht sie mit Münzen, deren Prägung verblasst ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;So wurde aus dem Atem das Wesen des Menschen, und ein Wesen, das sich vom Körper lösen lässt, kann man sich unsterblich vorstellen. Die Griechen dachten die Seele unsterblich, bei den Juden muss der Körper auch ins Jenseits (Auferstehung der Toten).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;Wer „psychisch“ sagt, kann damit angeben. Das Wort sagt dann: Ich bin gebildet, du dummer Einfaltspinsel. Dahinter steht die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]]. Es kann auch Abstand schaffen: „Ich habe psychische Probleme“ klingt harmloser als „Ich habe Angst“. Die Forschung zur psychologischen Distanz (Trope und Liberman) findet, dass abstrakte Sprache Abstand schafft. Das kann der Sinn sein: nicht konkret, nicht magisch. Ein Schimpfwort ruft den Dämon im Körper, „Affekt“ ruft ihn nicht. Deshalb braucht diese Beschreibung die Sprüche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Begreifen:&#039;&#039;&#039; Der Ursprung überlebt in der Sprache. Etwas versteht man, indem man es begreift. &#039;&#039;Begreifen&#039;&#039; hieß zuerst „berühren, anfassen“, &#039;&#039;Begriff&#039;&#039; „Umfang, Zusammenfassung“, und das lateinische &#039;&#039;comprehendere&#039;&#039; „zusammennehmen, ergreifen“. Bei Babys und Kindern geschieht das ganz natürlich und regelmäßig, sie begreifen die Welt mit den Händen. Bei Erwachsenen auch, nur ist das Begreifen oft nur in der Vorstellung. Von Nikola Tesla wird der Satz zitiert: „Before I put a sketch on paper, the whole idea is worked out mentally. In my mind I change the construction, make improvements, and even operate the device.“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Namen mit Körper:&#039;&#039;&#039; Bei vielen Wörtern für Dämonen und ihre Arbeit steckt der Körper noch im Namen. &#039;&#039;Angst&#039;&#039; kommt von althochdeutsch &#039;&#039;angust&#039;&#039;, die Wurzel bedeutet „eng, schmerzhaft zusammengeschnürt“; verwandt sind griechisch &#039;&#039;ankhein&#039;&#039; „zusammendrücken“ und lateinisch &#039;&#039;angere&#039;&#039; „würgen“. Wer Angst hat, hat es eng in der Brust. &#039;&#039;Zweifel&#039;&#039; hat mit „zwei“ zu tun: Das lateinische &#039;&#039;dubitare&#039;&#039; heißt „zwischen zwei Dingen schwanken“. Der Zweifler steht zwischen zwei Möglichkeiten und kommt nicht weiter. &#039;&#039;Zorn&#039;&#039; hieß ursprünglich „zerrissen, gespalten“ und gehört zu &#039;&#039;zerren&#039;&#039; und &#039;&#039;trennen&#039;&#039;; aus dem Zwist, dem Streit, wurde die wütende Erregung. &#039;&#039;Groll&#039;&#039; gehört zu &#039;&#039;grollen&#039;&#039;, dem dumpfen Donnern, und zu mittelhochdeutsch &#039;&#039;grellen&#039;&#039;, „laut vor Zorn schreien“. &#039;&#039;Wut&#039;&#039; hieß althochdeutsch &#039;&#039;wuot&#039;&#039;, „Raserei“, gotisch &#039;&#039;wōds&#039;&#039; „besessen“. Verwandt sind altnordisch &#039;&#039;óðr&#039;&#039;, „Erregtheit, Dichtkunst“, und lateinisch &#039;&#039;vātēs&#039;&#039;, „Seher“, und die Wurzel gehört wohl zu „wehen, blasen, hauchen“. Das Wörterbuch vermutet als Ausgangsbedeutung einen Zustand des Außersichseins, verursacht von Dämonen oder Göttern. Der &#039;&#039;Wüterich&#039;&#039; hieß mittelhochdeutsch „Tyrann, Teufel“. &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; gehört zum Tasten: Altenglisch &#039;&#039;felan&#039;&#039; hieß „berühren“, und das Wort für das Anfassen wurde zum Wort für die Empfindung. &#039;&#039;Dank&#039;&#039; und &#039;&#039;denken&#039;&#039; haben dieselbe Wurzel: Das altenglische &#039;&#039;þanc&#039;&#039; hieß zuerst „Gedanke“, später „Dankbarkeit“. Wer dankt, denkt an den anderen. &#039;&#039;Inspiration&#039;&#039; ist das Einhauchen (lateinisch &#039;&#039;inspirare&#039;&#039;), &#039;&#039;Idee&#039;&#039; das Gesehene (griechisch &#039;&#039;idein&#039;&#039;, „sehen“).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sinn, Sinne, sinnen:&#039;&#039;&#039; Das ist ein Wort. Sinn ist das Verbalsubstantiv zu sinnen und gehört zu einer Wurzel „eine Richtung nehmen, gehen“, übertragen „empfinden, wahrnehmen“ (Pfeifer). Der Sinn als Sinnesorgan, das Sinnen als Nachdenken und der Sinn als Zweck sind dasselbe Wort. „Mir steht der Sinn nach etwas“ heißt, man hat Lust darauf, und „der Sinn steht mir nicht danach“ heißt, man hat keine Lust. Die Sinne im Plural sind, gehoben gesagt, auch der Geschlechtstrieb. Wer von Wut oder Eifersucht „von Sinnen“ ist, hat den Verstand an einen Dämon abgegeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie:&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen sind erst durch die Vergangenheit möglich, also durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass. Eine Krähe, die einmal gefangen wurde, beschimpft noch nach Jahren den Mann mit derselben Maske, aber nur, wenn er vor ihr steht. Der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]] lebt von der Szene, die nachts wieder und wieder aufgeführt wird, nicht von dem, was damals geschah. Dasselbe gilt nach vorn: Ein Tier hat Angst vor dem Wolf, der da ist, der Mensch vor dem Wolf, der vielleicht im nächsten Winter kommt. Das gilt für gute Dämonen genauso: Ein Hund freut sich, wenn er die Leine sieht; die Leine muss vor ihm liegen. Ein Kind freut sich drei Wochen lang auf Weihnachten, ohne dass etwas da ist. Die Phantasie trägt die Vorfreude ebenso wie den Groll. Die Vergangenheit ist nur eine Erzählung in der Gegenwart, aber eine, von der Dämonen leben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gespenster:&#039;&#039;&#039; Man denke an Napoleon. Man sieht die Uniform, den Hut und die Hand, die vorne in die Jacke geschoben ist. Man ist ihm nie begegnet, aber man sieht ihn. Oder man denke an Julius Cäsar. Das sind Gespenster. Man muss es nicht glauben, man kann es selbst nachprüfen. Es sind keine Gespenster aus dem Film, die frei herumlaufen und anderen erscheinen. Es ist eine einfache Beschreibung der alltäglichen Erfahrung. Ein Gespenst ist eine schemenhafte Figur, die man vor dem geistigen Auge sieht. Das sind bekannte Personen, oft Verstorbene, aber auch Menschen, denen man nie begegnet ist, wie Napoleon. Bei manchen geht es um etwas, wo man eine Rechnung offen hat oder was man klären muss. Man sieht sie vermehrt in ruhigen Momenten, oft nachts vor dem Schlafengehen, und sie kommen immer wieder, auch wenn man sie vertreiben will. Man begegnet ihnen, redet und streitet mit ihnen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ansatz.&#039;&#039;&#039; Beschrieben wird die subjektive Erfahrung ohne Filter. Das Subjektive wird als real gesetzt. Ob es physikalisch wirkt, ist eine zweite Frage, die man danach noch stellen kann. Damit wird nicht gesagt, dass Gespenster materielle Gegenstände bewegen. Beschrieben wird nur das Phänomen. Vieles sieht man nicht, weil es für irreal gehalten wird. Man hat die Erfahrung von Gespenstern, redet und argumentiert mit ihnen, nennt es aber nicht Gespenster, sondern Vorstellung. Was man erlebt, ist aber keine Vorstellung, sondern die Begegnung mit Gespenstern. Das ist nicht wahnhaft und nicht ungewöhnlich, sondern völlig normal und alltäglich. Jeder Mensch kennt es und tut es: der Umgang mit Gespenstern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Der Mensch geht einen großen Teil seiner Zeit mit Gespenstern um, und die ganze Kultur beruht darauf. Ein Roman wie &#039;&#039;Stürmische Höhen&#039;&#039; (&#039;&#039;Wuthering Heights&#039;&#039;, Emily Brontë, 1847) beschreibt seine Figuren mit Aussehen, Namen, Charakter, Handeln, Reden und Dialogen. Das ist ein großer Aufwand, und er dient nur dazu, im Leser eine schemenhafte Geisterwelt zu erwecken, die er sieht und miterlebt. Bei manchen Büchern weinen die Leser, sind wütend, verblüfft, erstaunt. Die Dämonen reagieren darauf, als wäre es real, wenn es gut gemacht ist. Beim Lesen simuliert das Gehirn die Geschichte: Wo eine Figur nach etwas greift, wird das Areal für Greifbewegungen aktiv (Speer u. a. 2009). Kultur wurde ursprünglich durch Geschichten überliefert, mündlich, im Mythos, und der beruht auf Geisterwelten, die man erfährt, wenn auch nur durch Phantasie. Die ganze Vergangenheit ist eine Erfindung, die darauf beruht. Die Geschichte erzählt künstliche Gespenster-Welten, in denen Cäsar und Napoleon als Schemen auftreten. Die Lehre handelt zu einem großen Teil von Gespenster-Geschichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Alltag.&#039;&#039;&#039; Ein Mentor hat einem einen Handgriff beigebracht. Wenn man ihn wieder tut, sieht man, wie er neben einem steht, und hört seine Worte, auch den Klang seiner Stimme. Es ist nur so schemenhaft, dass leicht übersehen wird, was da passiert. Solche inneren Beziehungen zu Verstorbenen gelten als typischer Teil der Trauer (Klass, Silverman und Nickman 1996).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Gespenst hieß althochdeutsch &#039;&#039;gispensti&#039;&#039;, „Anlockung, Verführung, Eingebung“, zu &#039;&#039;spanan&#039;&#039;, „locken, reizen“ (Pfeifer). Es ist eigentlich das, was einen wegzieht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Alltäglich.&#039;&#039;&#039; Fast die Hälfte von 293 Hinterbliebenen sah oder spürte den toten Partner (Rees 1971). 37 % von 4.972 Befragten hatten beim Einschlafen Halluzinationen (Ohayon u. a. 1996). 46 von 50 Romanautoren erleben ihre Figuren als eigenwillig handelnd (Taylor u. a. 2003).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bannung:&#039;&#039;&#039; Man kann einen Dämon aushungern, dem Trigger ausweichen, die Verknüpfung durch eine andere ersetzen oder ihn immer wieder am Handeln hindern. Siehe [[Bannung]].&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon sein Ziel verliert:&#039;&#039;&#039; Ein Dämon lebt von dem, worauf er gerichtet ist, und gibt dem Leben Sinn. Dieses Ziel kann verschwinden. Man erreicht es: Die Rache ist vollzogen, das Ziel der Karriere ist erreicht. Oder es bricht weg: Die Person stirbt oder geht, auf die er gerichtet war, oder die Gemeinde schließt den Gläubigen aus. Oder der Dämon selbst lässt nach, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Rammler|Rammler]] im Alter. Das müssen keine negativen Gefühle sein. Die Mutter verliert ihren Sinn, wenn das Kind stirbt, die Frau, wenn der Mann stirbt oder geht, und für Männer gilt es entsprechend. Wer sich einseitig einem Dämon hingegeben hat, steht dann ratlos da. Die anderen Dämonen schweigen, so wie sie es jahrelang gelernt haben, und sind unterentwickelt. Wer immer nur Sex im Kopf hatte und keine anderen Hobbys pflegte, ist enttäuscht oder verzweifelt, wenn der Trieb nachlässt. Das ist der Rammler und nicht Aphrodite: Aphrodite ist die Bewunderung der Schönheit, ohne dass man den Akt beabsichtigt. Das betrifft einige Dämonen, nicht alle. Wer mehrere Dämonen gepflegt hat, hat dann noch einen, der übernehmen kann.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn der Dämon nicht anspringt:&#039;&#039;&#039; Ein Trigger wirkt nur, wenn der Dämon ansprechbar ist. Das ist ein allgemeines Phänomen. Wer Hunger hat, sieht Essen, und wer satt ist, schmeckt es weniger (Rolls 1981; Radel 2012). Wer traurig ist, sieht Trauriges (Bower). Wer keine Lust auf Sex hat, aus Hunger, Erschöpfung oder weil gerade eine Phase ist, bei dem fehlt dem Reiz die Wirkung. Wo ein Dämon wiederholt enttäuscht wurde, reagiert stattdessen oft der Ärger oder die Verachtung. Dann sieht man nicht, was man sonst sieht. Marcel Cabanac nannte 1979 die Abhängigkeit der Lust vom inneren Zustand Alliesthesie.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Eine Chemie der Gefühle:&#039;&#039;&#039; Der Zweck dieses Wikis ist Aufklärung. Zuerst schauen, was da ist. Nietzsche hat gesagt (&#039;&#039;Menschliches, Allzumenschliches&#039;&#039;, Nr. 1): „Alles, was wir brauchen und was erst bei der gegenwärtigen Höhe der einzelnen Wissenschaften uns gegeben werden kann, ist eine Chemie der moralischen, religiösen, ästhetischen Vorstellungen und Empfindungen, ebenso aller jener Regungen, welche wir im Gross- und Kleinverkehr der Cultur und Gesellschaft, ja in der Einsamkeit an uns erleben: wie, wenn diese Chemie mit dem Ergebniss abschlösse, dass auch auf diesem Gebiete die herrlichsten Farben aus niedrigen, ja verachteten Stoffen gewonnen sind?“&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die Basis:&#039;&#039;&#039; Die emotionale Welt funktioniert nicht auf eine rationale Weise. Man muss erkennen und analysieren, was da wirklich passiert, wenn man durch diesen Dschungel durchfinden will. Die innere Welt der Seele ist als Wissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet, auch wenn viel bekannt ist und der gewöhnliche Mensch Erkenntnis hat. Die ganze Erkenntnis steht aber auf einer falschen Basis, solange man nicht erkannt hat, dass es selbstständig handelnde Wesen sind, mit Intelligenz und List. Das ist es, was da wirklich passiert und wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Politik:&#039;&#039;&#039; Man kommt dem nicht bei, indem man fordert, man solle rational dies tun oder das empfinden. Das hat noch die Fiktion, dass ein Ich der Herrscher ist. Es gibt aber viele Ich. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und das ist Politik. Teilweise muss man bannen, teilweise sich arrangieren. Dazu gehört zu erkennen, welche Wesen bei einem selbst vorherrschen. Bei mir persönlich sind das: Stolz, Neugier, Perfektionist, Kobold und Vampir.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Charakter:&#039;&#039;&#039; Charakter nennt man die etablierte Ordnung der herrschenden Dämonen. Der Mensch ist dann berechenbar und gleichförmig über die Zeit. Bei Kindern ist der Charakter noch flüssig und das Kind ist wandelbar. Eben lacht es, dann weint es, dann ist es schmusig oder verspielt oder mutig. Da wechseln die Dämonen ständig. Später erstarrt das System in der Regel auf eine bestimmte Konstellation. Da findet zwar auch noch Wechsel von Dämonen statt, aber immer auf dieselbe Weise. Die Rangordnung ist fest, und es sind auch weniger Wesen. Ich gehe durch den Supermarkt, und die Leute sind eingefroren auf eine bestimmte Haltung, auf eine bestimmte Mimik. Es ist erstaunlich, und das ist für mich nur sehr schwer begreiflich. Diese Normalos sind vor allem eins: flach. Da ist nicht mehr viel Seele. Erstarrt in genau einer Gemütsregung.&lt;br /&gt;
:Nietzsche beschreibt dasselbe (&#039;&#039;Also sprach Zarathustra&#039;&#039;, Von der Erlösung):&lt;br /&gt;
:Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben—Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses,—umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.&lt;br /&gt;
:Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele,—der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete—und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:„Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!&lt;br /&gt;
:Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.&lt;br /&gt;
:Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle—aber keine Menschen!&lt;br /&gt;
:[…]&lt;br /&gt;
:Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.&lt;br /&gt;
:Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentragen was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Interessen der Dämonen ==&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Interessen der Dämonen.&#039;&#039;&#039; Die Dämonen sind selbstständige Wesen mit engen Spezialinteressen. Da liegt es in der Natur des Modells, dass sich die Interessen nicht mit denen des Individuums decken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sex.&#039;&#039;&#039; Deshalb ist Sex so attraktiv. Wir werden so was von reingelegt. Was für ein Interesse sollte ein Individuum daran haben, sich 20 Jahre lang für eine Brut zu investieren? Allerdings ist die Frage auch schief gestellt. Was nämlich ein Interesse und was Erfüllung ist, bestimmt ja die Evolution durch ihren Zweck. Dann kann man also sagen: Sex ist im Interesse des Menschen. Es mag ja unter natürlichen Bedingungen funktionieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Aber was für einen Vorteil haben Stämme, die in 30 m Höhe in Bäumen leben? Nur weil sie Feindschaft mit benachbarten Stämmen haben. Nur weil der Krieger maßlos ist. Oder die Kriege der Historie. Welch unendliches Leid und Schmerz. Wenn wir Nachfahren von Bonobos wären, dann wäre das anders verlaufen. Make Love not War.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Baumhäuser.&#039;&#039;&#039; Die Korowai und die Kombai in Papua (Indonesien) bauen ihre Häuser in Bäume. Ein Familienhaus steht typisch 8 bis 12 m über dem Boden, in manchen Gebieten bis 45 m. Die Häuser schützen vor Moskitos, vor lästigen Nachbarn und vor bösen Geistern. Die Korowai erlitten bis in die 1960er Jahre Kopfjagd-Überfälle der Citak, der letzte war 1966. Der Mord an einem Mitglied eines anderen Clans verlangt Rache. Der Anthropologe Rupert Stasch warnt vor dem überzeichneten Fernsehbild der „Baumhausmenschen“: Viele Korowai ziehen heute in Dörfer und nutzen die Baumhäuser bei ihren Gärten. (Stiftung Papua Erfgoed, [https://www.papuaerfgoed.org/en/theme/life-korowai-tree-house &#039;&#039;Life up in a Korowai tree house&#039;&#039;]; Stasch, &#039;&#039;Society of Others&#039;&#039;, 2009; [https://www.sid.cam.ac.uk/about-sidney/news/uncovering-truth-about-treehouse-people-and-television Sidney Sussex College über Stasch])&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll.&#039;&#039;&#039; Ich weiß auch nicht, wozu Groll gut sein soll. Buddha hat darüber gesagt: „Holding on to anger is like grasping a hot coal with the intent of throwing it at someone else; you are the one who gets burned.“&lt;br /&gt;
:Oder endlose Trauer. Oder Rache. Oder Amok. Oder Frauen misshandeln. Oder Folter. Oder Süchte.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Erfindung der Vergangenheit.&#039;&#039;&#039; Man kann im Wesentlichen sehen, dass all diese Entgleisungen einen einzigen Grund haben. Die Erfindung der Vergangenheit. Wut entlädt sich unmittelbar. Erst die Vergangenheit hat Affekte länger andauernd gemacht durch den Trick, den Trigger dauerhaft vor das geistige Auge zu stellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Süchte.&#039;&#039;&#039; Der Alkoholiker säuft, um zu vergessen, dass er ein Säufer ist. Süchte entstehen oft erst, um frühe Misshandlungen auszugleichen. Die ACE-Studie fand, dass Menschen mit vier oder mehr Kategorien belastender Kindheitserfahrungen ein 4- bis 12-fach erhöhtes Risiko für Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Depression und Suizidversuch hatten (Felitti u. a., [https://www.escap.eu/uploads/Resources-disorders/felitti-1998-relationship-of-childhood-abuse-and-household.pdf &#039;&#039;American Journal of Preventive Medicine&#039;&#039; 1998]). Sie zeigt den Zusammenhang, nicht die Absicht. Den Gedanken des Ausgleichs nennt die Forschung die Selbstmedikationshypothese (Khantzian, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3904487/ &#039;&#039;American Journal of Psychiatry&#039;&#039; 1985]); sie ist bis heute umstritten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Vögel reagieren in der Gegenwart. Langfristige Handlungen wie Brutpflege, Futter horten oder Winterflug sind festgelegte Programme, die gemäß Plan abgespult werden. Man nennt das Instinkt. Und es ist nicht wie bei einem Roboter. Es ist eine Kette von Reiz und Reaktion, die da programmiert ist. Zum Beispiel muss ein Vogel einen speziellen Gesang als Trigger hören. Ein programmiertes Balzverhalten. Das Programm sagt nicht einfach: „Geht hin und vermehret euch.“ Die Tiere sterben aus, weil die Männchen den Gesang nicht gelernt haben.&lt;br /&gt;
:Beim Schwarzstirn-Honigfresser (englisch &#039;&#039;regent honeyeater&#039;&#039;), einem Singvogel in Australien mit nur noch rund 300 Tieren, konnten etwa 12 Prozent der Männchen den arteigenen Gesang nicht mehr, sondern nur noch die Lieder anderer Arten nachahmen. Sie lernen ihn von älteren Männchen, und es gibt zu wenige davon (Crates u. a., &#039;&#039;Current Biology&#039;&#039; 2021; [https://www.rarebirdalert.co.uk/v2/Content/Endangered_bird_is_losing_its_songs.aspx Bericht]). Der Vogel ist stark gefährdet, aber noch nicht ausgestorben. Eichelhäher dagegen legen Vorräte für morgen an, abhängig vom künftigen Hunger und nicht vom jetzigen (Raby u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17314979/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2007]). Das Horten ist dort also flexibler als ein starres Programm.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Kultur.&#039;&#039;&#039; Kultur ist die Weitergabe eines langfristigen Gedächtnisses. Dann können da auch Erfahrungen wachsen: kulturelle Errungenschaften. Das hat logisch das individuelle Gedächtnis als Basis. Das muss also logisch vorher oder parallel entwickelt worden sein. Die Tiere haben es durch Sehen abgeschaut. Die Schablone sind Bilder.&lt;br /&gt;
:Schimpansen-Gemeinschaften unterscheiden sich in 39 Verhaltensmustern, darunter Werkzeuggebrauch, die sie voneinander lernen (Whiten u. a., [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10385119/ &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 1999]). Auf der Insel Koshima wusch 1953 eine junge Makakin namens Imo ihre Süßkartoffeln im Wasser, und die Gruppe übernahm es (Kawai 1965). Auch Vogelgesang wird gelernt, und beim Honigfresser ging diese Gesangskultur verloren. Wachsende Kultur, in der sich Erfahrungen über Generationen anhäufen, ist vor allem beim Menschen belegt (Tomasello, &#039;&#039;The Cultural Origins of Human Cognition&#039;&#039;, 1999).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handel und Mythen.&#039;&#039;&#039; Yuval Noah Harari verbindet die kognitive Revolution, in der das Verhalten von Menschen durch gemeinsame Mythen gesteuert wird, mit dem Aufkommen des Handels. Das ist auch statistisch logisch. Meme können sich nur durch Kontakt ausbreiten, und je größer die Anzahl der Menschen, desto mehr Kontakt. Es geht um den Unterschied zwischen 150 und 20000. Es geht nicht um Komplexität allein. Ein Hammer ist ein Hammer. Es geht um Vielfalt. Außerdem kann man heute ständig beobachten, wie kulturelle Meme sich von einem Volk oder von einem einzelnen ausbreiten. Erst mit dem Handel haben auch Meme eine entsprechende Verbreitung erfahren. Das beobachtet man heute noch, und auch im Altertum. Die Schriften der Griechen wurden reimportiert, was zur Renaissance führte. Die Römer haben ihre Kultur auch verbreitet und andere importiert.&lt;br /&gt;
:Powell, Shennan und Thomas ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19498164/ 2009]) modellieren, dass die Bevölkerungsdichte das Auftreten des modernen Verhaltens (Symbole, komplexe Werkzeuge) in der Altsteinzeit erklären kann. Eine Steigerung der Gehirnleistung ist dafür nicht nötig. Ob die Bevölkerungsgröße allein die Komplexität bestimmt, ist umstritten (Vaesen u. a., [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4843435/ 2016]). Auch die kleinen Gruppen im frühen Australien tauschten Rohstoffe über 300 km. Im Altertum: Die Seehandelskultur der phönizischen Kaufleute verbreitete das phönizische Alphabet nach Nordafrika und Südeuropa, aus ihm gingen unter anderem die frühen griechischen Alphabete hervor ([https://en.wikipedia.org/wiki/Phoenician_alphabet Phoenician alphabet]). Die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China fiel mit dem Entstehen der Seidenstraßen als Wege des Austauschs zusammen; Mönche, Übersetzer und Händler trugen ihn ([https://depts.washington.edu/silkroad/exhibit/religion/buddhism/buddhism_silkroad.html Neelis]; [https://indiachinainstitute.org/wp-content/uploads/2009/07/liu-xinru-ancient-india-and-ancient-china-pp1-51.pdf Liu Xinru]). Heute: Keller ([https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/0022051042177685 2004]) fasst zusammen, dass sich Technik zwischen Ländern ausbreitet, nicht automatisch; ob der Handel selbst der Kanal ist, ist umstritten, denn auch zufällig erzeugte Handelsmuster ergeben Ausbreitungseffekte (Keller, [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292197000925 1998]). Maystre u. a. ([https://ideas.repec.org/a/eee/inecon/v92y2014i2p212-230.html 2014]) zeigen in einem Modell, dass mehr Handel zu kultureller Angleichung führt. Griechische Schriften kamen auf zwei Wegen zurück: im 12. Jahrhundert über arabische Fassungen, die in Toledo ins Lateinische übersetzt wurden ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25667112/ Arráez-Aybar 2015]), und 1423 direkt aus Konstantinopel, als Giovanni Aurispa rund 238 Handschriften nach Venedig brachte ([https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Aurispa Aurispa]). Westliche Kaufleute, Beamte und Gelehrte, die nach Konstantinopel reisten, brachten griechische Handschriften mit ([https://www.nlm.nih.gov/exhibition/odysseyofknowledge/returnofgreek.html National Library of Medicine]). Die Renaissance hatte mehrere Ursachen; die Wiederentdeckung der griechischen Schriften war eine wichtige Grundlage. Die Römer nahmen viel von der griechischen Kultur auf; Horaz schrieb dazu: &#039;&#039;Graecia capta ferum victorem cepit&#039;&#039; ([https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Roman_relations_in_classical_antiquity Greco-Roman relations]). Im Altertum wurde vor allem aus zwei Gründen gereist, wegen des Handels und wegen des Militärs und der Verwaltung ([https://www.encyclopedia.com/history/news-wires-white-papers-and-books/purposes-travel Casson, Travel in the Ancient World]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Etwas nachzuäffen ist ein sehr komplexer Vorgang.&lt;br /&gt;
# Man sieht es.&lt;br /&gt;
# Man stellt sich vor, was der andere tut, indem man es pantomimisch nachspielt. Da gibt es schon Empathie. Das ist die Grundlage dieser Lehre.&lt;br /&gt;
# Man kann dieses Muster der Muskelabläufe reproduzieren und beschwört damit die Bilder.&lt;br /&gt;
# Nach diesen Bildern macht man die Handlung dann nach.&lt;br /&gt;
:Theodor Lipps nannte das 1903 „innere Nachahmung“ und leitete die Einfühlung daraus ab („Einfühlung, innere Nachahmung und Organempfindungen“, &#039;&#039;Archiv für die gesamte Psychologie&#039;&#039; 1). Gallese u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8800951/ &#039;&#039;Brain&#039;&#039; 1996]) fanden bei Makaken Spiegelneurone: Nervenzellen, die feuern, wenn das Tier eine Handlung ausführt und wenn es sie bei einem anderen sieht. Hickok ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2773693/ 2009]) kritisiert, dass das Verstehen von Handlungen damit nicht belegt ist. Die Annahme, dass die Vorstellung einer Bewegung die Bewegung auslöst, heißt ideomotorisches Prinzip (William James, 1890).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Orientierung.&#039;&#039;&#039; Orientierung muss man lernen. Man merkt sich besondere Kennzeichen, etwa auffällige Gebäude, besonders bei den Abzweigungen vom Weg. Die Kunst besteht auch darin, eine verknüpfte Kette zu machen. Wenn man ein Ziel erreicht hat, ruft man sich das Merkmal und die Umgebung der nächsten Abbiegung als Bild ab. Auch beim Autofahren funktioniert das so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Assoziationskette.&#039;&#039;&#039; Reiz, Trigger, Reiz und so weiter. Bilder oder auch muskulär.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Sequenz.&#039;&#039;&#039; Sequenzen wie Musik oder das Alphabet übt man so ein. Wie das genau funktioniert, ist offen. Die Abfolge wird mechanisch abgerufen, nicht nur durch Assoziationskette. Das ist nämlich langsamer und fehlbar. Das Alphabet rattert man mechanisch herunter.&lt;br /&gt;
:Lashley wandte sich 1951 gegen die Annahme, dass Abläufe nur eine Kette von Reizen und Reaktionen sind: Das sei zu langsam und erkläre die Fehler nicht, die man bei schnellen Abläufen macht (&#039;&#039;The Problem of Serial Order in Behavior&#039;&#039;, [https://languagelog.ldc.upenn.edu/myl/Lashley1951.pdf Volltext]; [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17698232/ Rosenbaum 2007]). Beim Alphabet legen Reaktionszeiten nahe, dass man es ab einem Anfang durchläuft, um einen Buchstaben zu finden (Klahr, Chase und Lovelace 1983).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Geschichten.&#039;&#039;&#039; Geschichten sind eine gelernte Reihenfolge von Assoziationen. Das ist elementar. Die Basis allen langfristigen Handelns.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Geruch.&#039;&#039;&#039; Ein urtümliches Gedächtnis lief über den Geruchssinn. Jedenfalls ist es wichtig, sich an den Geruch schlechter Lebensmittel zu erinnern. Und Bekannte hat man wohl auch gerochen vor der Erfindung von Seife und Parfüm. Bemerkenswert auch, wie ein Geruch Bilder aus der Kindheit beschwört.&lt;br /&gt;
:Erinnerungen, die ein Geruch weckt, sind emotionaler als solche, die ein Bild weckt (Herz und Schooler, [https://www.researchgate.net/publication/11494395_A_Naturalistic_Study_of_Autobiographical_Memories_Evoked_by_Olfactory_and_Visual_Cues_Testing_the_Proustian_Hypothesis 2002]). Sie stammen auch überwiegend aus dem ersten Lebensjahrzehnt, während Bilder und Wörter eher Erinnerungen aus dem Jugend- und Erwachsenenalter wecken (Willander und Larsson; siehe [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5039451/ Herz 2016]). Schlechtes Essen merken sich Tiere über den Geschmack: Ratten, denen nach einem Geschmack schlecht wurde, mieden ihn danach, auch bei langer Verzögerung. Auf Licht und Geräusch reagierten sie so nicht (Garcia und Koelling, [https://escholarship.org/content/qt5sx993rm/qt5sx993rm_noSplash_4b3c1f8af074b97d89b4f37f4be440f2.pdf 1966]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Geruch und Sehen.&#039;&#039;&#039; Bei der Menschwerdung sind etliche Rezeptoren verkümmert. Das wurde durch den Sehsinn abgelöst. Das Sehen wurde wichtiger und damit die visuelle Phantasie.&lt;br /&gt;
:Messbar ist der Rückgang bei den Genen: Der Mensch hat rund 400 funktionierende Riechrezeptor-Gene und rund 600 stillgelegte Reste (Pseudogene), die Maus über 1000 funktionierende (Niimura und Nei, [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15716099/ 2005]: Mensch 388 funktionierende und 414 Pseudogene, Maus 1037 und 354). Bei Primaten fällt der Genverlust zeitlich mit dem Dreifarbensehen zusammen (Gilad u. a., [https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.0020005 2004]); diese Deutung ist umstritten. Der Geruchssinn bleibt trainierbar: Parfümeurschulen verlangen von einer „Nase“ bis zu 5000 erkennbare Düfte ([https://en.ecole-parfum.com/metiers-parfumerie/nose-fragrance-evaluator/ École Supérieure du Parfum]; das ist eine Berufsanforderung und keine Messung). Was früher über den Geruch als Gedächtnis lief, läuft beim Menschen über Bilder vor dem geistigen Auge. Das sind die Bilder, mit denen Trigger dauerhaft vor das geistige Auge gestellt werden (siehe oben, Erfindung der Vergangenheit). Das ist eine Folgerung aus der Theorie und keine nachgewiesene Tatsache.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schimpansen.&#039;&#039;&#039; Natürlich haben auch Schimpansen rudimentär Vergangenheit. Sonst würden die nicht Krieg führen, sondern vergessen. Schimpansen vergelten erlittenes Unrecht: Im Versuch bestraften sie einen, der ihnen Futter weggenommen hatte, aber keinen, der ihnen nichts getan hatte (Jensen, Call und Tomasello, [https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0705555104 &#039;&#039;Chimpanzees are vengeful but not spiteful&#039;&#039;], &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 2007). Im Gombe-Krieg (1974 bis 1978) tötete die Kasakela-Gemeinschaft alle Männchen der Kahama-Gemeinschaft (Goodall).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Magie ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Von innen.&#039;&#039;&#039; Magisch ist, wie man etwas von innen beschreibt, so, wie man es erlebt. Suggestiv ist die Beschreibung von außen, so, wie eine dritte Person es an einem beobachtet. Ein Beispiel: Um etwas meine Aufmerksamkeit zu widmen, muss ich ihm meine Brust zuwenden. Ich sage dann: Auf meiner Brust ist ein magisches Auge, und um ein Objekt zu erblicken, muss ich mich ihm zuwenden und es mit diesem Auge anschauen. Man kann es sich auch als Scheinwerfer vorstellen. Natürlich ist das irrational, da ist kein Scheinwerfer. Darum geht es bei magischen Bildern auch nicht: Sie beschreiben nicht die materielle Welt, sondern die Vorstellungen werden so gewählt, dass das Ziel und die Erfahrung erreicht werden. Der Basketballspieler stellt sich vor, wie der Ball in den Korb fällt, und trainiert mit dieser Vorstellung. Seine Erfahrung wird belohnt, wenn das Bild erreicht wird, und damit sind die Bewegungen, die dazu geführt haben, bestätigt und gelernt. Aufmerksamkeit ist das, was die Forschung in Chemie und Gehirn sucht, und doch ist sie eine körperliche Handlung, ein Zuwenden. Das eine ist die Beschreibung von außen, das andere die von innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dämonen beschwören.&#039;&#039;&#039; Bei Magie geht es darum, Dämonen zu beschwören, und dazu nimmt man die Mittel, die das leisten. Musik tut das. In vielen Kulturen haben Schamanen Musik für religiöse Zwecke benutzt. William Burroughs schrieb 1975 im &#039;&#039;Crawdaddy Magazine&#039;&#039; über ein Konzert von Led Zeppelin: „A rock concert is in fact a rite involving the evocation and transmutation of energy.“ Und: „In Morocco, musicians are also magicians.“ Dichtung tut das auch, nicht nur durch den Inhalt der Worte, sondern durch Rhythmus und Klang. Die Wörter selbst erinnern daran: &#039;&#039;enchant&#039;&#039; kommt vom lateinischen &#039;&#039;incantare&#039;&#039;, „darüber singen“, &#039;&#039;charm&#039;&#039; von &#039;&#039;carmen&#039;&#039;, „Gesang, Vers, Zauberformel“. Auch die katholische Messe ist primär eine magische Zeremonie. Dafür verkleiden sich die Priester, und die Hostie wird magisch zum Leib Jesu. Vielleicht stammt sogar das Wort &#039;&#039;Hokuspokus&#039;&#039; von den Worten der Messe, &#039;&#039;hoc est corpus meum&#039;&#039;, „das ist mein Leib“. Das ist eine Vermutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was es nicht ist ==&lt;br /&gt;
Das ist kein Okkultismus und keine Glaubenslehre. Die alten Völker hatten so etwas schon, die Griechen mit Eros und Phobos, die Germanen mit ihren Zwergen (siehe [[Die alten Götter]]). Es wurde nur als Aberglaube abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch keine fertige Lehre, sondern ein Entwurf, auf dem andere forschen und aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterlesen ==&lt;br /&gt;
[[Intro]] · [[Entstehungsgeschichte]] · [[Hauptseite]] · [[Immaterialismus]] · [[Zweiter Hauptsatz]] · [[Stammbaum]] · [[Bannung]] · [[Die alten Götter]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=927</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=927"/>
		<updated>2026-10-30T16:39:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quengler: Wo es kippt (Laternenumzug)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: offen.&lt;br /&gt;
* Trigger: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Der Wörterbuch-Ausdruck trifft es: gehässig, aber nicht aggressiv. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Ein Kind quengelt auf einem Laternenumzug die ganze Zeit: „Ich will aber Tütensuppe haben.“ Die Forderung ist unerfüllbar, und das spielt keine Rolle, denn dem Quengler geht es um das Nerven selbst. Wer zuhört, kann nicht weggehen und nichts tun. Irgendwann zündet der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], auch bei einem friedlichen Menschen. Ein anderes Kind schlägt dem Quengler mit voller Wucht die Laterne über. Der Quengler ruft den Wüterich herbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum/Quelltext&amp;diff=926</id>
		<title>Stammbaum/Quelltext</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Stammbaum/Quelltext&amp;diff=926"/>
		<updated>2026-10-30T13:00:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Quengler neu, Nörgler–Mecker entfernt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Quelltext des [[Stammbaum|Stammbaums]] (Graphviz). Daraus wird das Bild [[:Datei:Stammbaum der Seele.png]] erzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ändern: Wesen und Linien hier anpassen, dann mit Graphviz (&amp;lt;code&amp;gt;dot -Tpng&amp;lt;/code&amp;gt;) neu zeichnen und das Bild als neue Version hochladen. Eine Zeile &amp;lt;code&amp;gt;&amp;quot;A&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;B&amp;quot;;&amp;lt;/code&amp;gt; heißt: B stammt von A oder wird von A erzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;syntaxhighlight lang=&amp;quot;dot&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
digraph Stammbaum {&lt;br /&gt;
 graph [rankdir=TB, splines=true, nodesep=0.25, ranksep=0.9, fontname=&amp;quot;Helvetica&amp;quot;, fontsize=28,&lt;br /&gt;
        label=&amp;quot;STAMMBAUM DER MENSCHLICHEN SEELE\n &amp;quot;, labelloc=t, bgcolor=white, pad=0.4];&lt;br /&gt;
 node [shape=ellipse, fontname=&amp;quot;Helvetica&amp;quot;, fontsize=13, style=filled, fillcolor=white, color=&amp;quot;#333333&amp;quot;, penwidth=1.2];&lt;br /&gt;
 edge [color=&amp;quot;#333333&amp;quot;, arrowsize=0.7, penwidth=1.1];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Aphrodite&amp;quot; [label=&amp;quot;Aphrodite&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; [label=&amp;quot;HOMO&amp;quot;, fontsize=22, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Durst&amp;quot; [label=&amp;quot;Durst&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sunny&amp;quot; [label=&amp;quot;Sunny&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; [label=&amp;quot;Balz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; [label=&amp;quot;Elter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; [label=&amp;quot;Sammler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; [label=&amp;quot;Putz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; [label=&amp;quot;Urschlummer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; [label=&amp;quot;Beutetier&amp;quot;, fontsize=17, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; [label=&amp;quot;Hunger\nSchlemmer&amp;quot;, fontsize=15, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; [label=&amp;quot;Raubtier&amp;quot;, fontsize=17, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Liebe&amp;quot; [label=&amp;quot;Liebe&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eifersucht&amp;quot; [label=&amp;quot;Eifersucht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschützer&amp;quot; [label=&amp;quot;Beschützer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nestbau&amp;quot; [label=&amp;quot;Nestbau&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Messi&amp;quot; [label=&amp;quot;Messi&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gähn&amp;quot; [label=&amp;quot;Gähn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; [label=&amp;quot;Schreck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; [label=&amp;quot;Angst&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; [label=&amp;quot;Obacht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grauen&amp;quot; [label=&amp;quot;Grauen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; [label=&amp;quot;Verwirrt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Horror&amp;quot; [label=&amp;quot;Horror&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verblüffung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; [label=&amp;quot;Staun&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; [label=&amp;quot;Neugier&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verehrung\nBewunderung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot; [label=&amp;quot;Zwerg\nGelehrter&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; [label=&amp;quot;Verdammter&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
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 &amp;quot;Zweifler&amp;quot; [label=&amp;quot;Zweifler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; [label=&amp;quot;Ekel&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Öde&amp;quot; [label=&amp;quot;Öde&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verachtung&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; [label=&amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; [label=&amp;quot;Wüterich&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; [label=&amp;quot;Vampir&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; [label=&amp;quot;Zorn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Choleriker&amp;quot; [label=&amp;quot;Choleriker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmach&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; [label=&amp;quot;Ärger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; [label=&amp;quot;Groll&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Scham&amp;quot; [label=&amp;quot;Scham&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; [label=&amp;quot;Büßer&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hohn&amp;quot; [label=&amp;quot;Hohn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zynisch&amp;quot; [label=&amp;quot;Zynisch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Arroganz&amp;quot; [label=&amp;quot;Arroganz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Spötter&amp;quot; [label=&amp;quot;Spötter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Häme&amp;quot; [label=&amp;quot;Häme&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kobold&amp;quot; [label=&amp;quot;Kobold&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; [label=&amp;quot;Piesacker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hass&amp;quot; [label=&amp;quot;Hass&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gewissheit&amp;quot; [label=&amp;quot;Gewissheit&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; [label=&amp;quot;Sieg&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; [label=&amp;quot;Hexe\nPsychopath\nNarzist&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; [label=&amp;quot;Täuscher&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dank&amp;quot; [label=&amp;quot;Dank&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jubel&amp;quot; [label=&amp;quot;Jubel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stolz&amp;quot; [label=&amp;quot;Stolz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; [label=&amp;quot;Triumph&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mut&amp;quot; [label=&amp;quot;Mut&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Held&amp;quot; [label=&amp;quot;Held&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Achtung&amp;quot; [label=&amp;quot;Achtung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot; [label=&amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; [label=&amp;quot;Gelassen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot; [label=&amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Streber&amp;quot; [label=&amp;quot;Streber&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot; [label=&amp;quot;Wuff Wuff\nbetteln um\nAnerkennung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; [label=&amp;quot;Formal&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Herde&amp;quot; [label=&amp;quot;Herde&amp;quot;, fontsize=15, fontname=&amp;quot;Helvetica-Bold&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot; [label=&amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; [label=&amp;quot;Revierverhalten\nGebiet&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; [label=&amp;quot;Neid&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Amok&amp;quot; [label=&amp;quot;Amok&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; [label=&amp;quot;Geltung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; [label=&amp;quot;Eitelkeit&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Poser&amp;quot; [label=&amp;quot;Poser&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prahler&amp;quot; [label=&amp;quot;Prahler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; [label=&amp;quot;Perfektionist&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; [label=&amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Troll&amp;quot; [label=&amp;quot;Troll&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Empörung&amp;quot; [label=&amp;quot;Empörung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pedant&amp;quot; [label=&amp;quot;Pedant&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Traurig&amp;quot; [label=&amp;quot;Traurig&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Feierlich&amp;quot; [label=&amp;quot;Feierlich&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; [label=&amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Bestätiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Bestätiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Demütiger&amp;quot; [label=&amp;quot;Demütiger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Drohender&amp;quot; [label=&amp;quot;Drohender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egal&amp;quot; [label=&amp;quot;Egal&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitel&amp;quot; [label=&amp;quot;Eitel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekstase&amp;quot; [label=&amp;quot;Ekstase&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; [label=&amp;quot;Elf&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Entsetzen&amp;quot; [label=&amp;quot;Entsetzen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; [label=&amp;quot;Fan&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stalker&amp;quot; [label=&amp;quot;Stalker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Höriger&amp;quot; [label=&amp;quot;Höriger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Folterer&amp;quot; [label=&amp;quot;Folterer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Knauser&amp;quot; [label=&amp;quot;Knauser&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Krieger&amp;quot; [label=&amp;quot;Krieger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kuschel&amp;quot; [label=&amp;quot;Kuschel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Laster&amp;quot; [label=&amp;quot;Laster&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lausch&amp;quot; [label=&amp;quot;Lausch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lästerer&amp;quot; [label=&amp;quot;Lästerer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mijam&amp;quot; [label=&amp;quot;Mijam&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Moralist&amp;quot; [label=&amp;quot;Moralist&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Murmel&amp;quot; [label=&amp;quot;Murmel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mümmel&amp;quot; [label=&amp;quot;Mümmel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot; [label=&amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neck&amp;quot; [label=&amp;quot;Neck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nörgler&amp;quot; [label=&amp;quot;Nörgler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Quengler&amp;quot; [label=&amp;quot;Quengler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Paragraph&amp;quot; [label=&amp;quot;Paragraph&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; [label=&amp;quot;Prediger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Puppe&amp;quot; [label=&amp;quot;Puppe&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pädagoge&amp;quot; [label=&amp;quot;Pädagoge&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rache&amp;quot; [label=&amp;quot;Rache&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grober&amp;quot; [label=&amp;quot;Grober&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gefälliger&amp;quot; [label=&amp;quot;Gefälliger&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [label=&amp;quot;Unverschämter&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rammler&amp;quot; [label=&amp;quot;Rammler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Repro&amp;quot; [label=&amp;quot;Repro&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rückgrat&amp;quot; [label=&amp;quot;Rückgrat&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schlimm&amp;quot; [label=&amp;quot;Schlimm&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmack&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmack&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmatz&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmatz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmauß&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmauß&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot; [label=&amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Seufz&amp;quot; [label=&amp;quot;Seufz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sklave&amp;quot; [label=&amp;quot;Sklave&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Spielebär&amp;quot; [label=&amp;quot;Spielebär&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stutzig&amp;quot; [label=&amp;quot;Stutzig&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sucht&amp;quot; [label=&amp;quot;Sucht&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Tolpatsch&amp;quot; [label=&amp;quot;Tolpatsch&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Trank&amp;quot; [label=&amp;quot;Trank&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Venus&amp;quot; [label=&amp;quot;Venus&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verbittert&amp;quot; [label=&amp;quot;Verbittert&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdutzt&amp;quot; [label=&amp;quot;Verdutzt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verlegener&amp;quot; [label=&amp;quot;Verlegener&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot; [label=&amp;quot;Verzweiflung&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot; [label=&amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zauderer&amp;quot; [label=&amp;quot;Zauderer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Odem&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Durst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sunny&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Balz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Elter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sammler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Putz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Urschlummer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beutetier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Raubtier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Balz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschützer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nestbau&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschützer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nestbau&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Messi&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gähn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schreck&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Angst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Obacht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grauen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verwirrt&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Horror&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verblüffung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Staun&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neugier&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Grauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verdammter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Messi&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zweifler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ekel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Horror&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Öde&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verachtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Wüterich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Vampir&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Achtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zorn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Choleriker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmach&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hass&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verachtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ärger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Groll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Scham&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Scham&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Büßer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hohn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zynisch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Arroganz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spötter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verachtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Kobold&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Piesacker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gewissheit&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sieg&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kobold&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spötter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zweifler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Jubel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stolz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Triumph&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mut&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mut&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Held&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dank&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Achtung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Liebe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Held&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gelassen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gelassen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sieg&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Herde&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Herde&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eifersucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschwichtiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stammesbruder&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Revierverhalten/Gebiet&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neid&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zorn&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Amok&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Raubtier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geltung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Wuff Wuff (betteln um Anerkennung)&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Poser&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prahler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Arroganz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nachtragender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verbittert&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verbittert&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zombie&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prahler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Streber&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Formal&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mecker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fehlerfürchter&amp;quot; [constraint=false];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Häme&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Häme&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neid&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Troll&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Vampir&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Folterer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Folterer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Piesacker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jubel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feierlich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Triumph&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feierlich&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Stolz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rückgrat&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Aphrodite&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Egal&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Weitfeld-Umblick&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gelassen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Bestätiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pedant&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Pedant&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Moralist&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lästerer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Lästerer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Empörung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schlimm&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Demütiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Neck&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Piesacker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nörgler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Drohender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Krieger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Krieger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Beschützer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Liebe&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Prediger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prediger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pädagoge&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verlegener&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verlegener&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Angst&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zorn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rache&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Jagdtrieb&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rache&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Wüterich&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerechtigkeitssinn&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Grober&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verehrung/Bewunderung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gefälliger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Ekstase&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Büßer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Pedant&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Neugier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Spielebär&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verblüffung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stutzig&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verdutzt&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Staun&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Achtung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ehrfurcht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Fan&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stalker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eifersucht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Stalker&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Fan&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Höriger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Höriger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Demütiger&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Obacht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lausch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Puppe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Beutetier&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sklave&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sklave&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Eitel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Entsetzen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schreck&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Seufz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zauderer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Selbstwiegender&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Verzweiflung&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zombie&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Repro&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Sucht&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sucht&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Laster&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verdammter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Traurig&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Knauser&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Verwirrt&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Tolpatsch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Öde&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nörgler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ekel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nase rümpfen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Lästerer&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmauß&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmatz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmack&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Trank&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hunger/Schlemmer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mijam&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mijam&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Rammler&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Rammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Formal&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Paragraph&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Elf&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;HOMO&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Dank&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Kuschel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Kuschel&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Venus&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Elf&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Putz&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Puppe&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Murmel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Urschlummer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mümmel&amp;quot;;&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schmach&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Zynisch&amp;quot;;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 // Varianten (gestrichelt)&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; [label=&amp;quot;Egozentriker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Schwätzer&amp;quot; [label=&amp;quot;Schwätzer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Dozent&amp;quot; [label=&amp;quot;Dozent&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [label=&amp;quot;Nehmer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Feigling&amp;quot; [label=&amp;quot;Feigling&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Abergläubischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Abergläubischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; [label=&amp;quot;Misstrauen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mürrischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Mürrischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [label=&amp;quot;Misstrauischer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot; [label=&amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Mecker&amp;quot; [label=&amp;quot;Mecker&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geck&amp;quot; [label=&amp;quot;Geck&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Diva&amp;quot; [label=&amp;quot;Diva&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Aufschneider&amp;quot; [label=&amp;quot;Aufschneider&amp;quot;];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Hexe/Psychopath&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schwätzer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Dozent&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Egozentriker&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Sammler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Nehmer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feigling&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Täuscher&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Feigling&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Angst&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Abergläubischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Groll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mürrischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Misstrauen&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Perfektionist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Misstrauischer&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Gerüchtemacher&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Troll&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Geltung&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Unverschämter&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Ärger&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mecker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Moralist&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Mecker&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geck&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Geck&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Eitelkeit&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Diva&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Putz&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Diva&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Prahler&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Aufschneider&amp;quot; [style=dashed];&lt;br /&gt;
 subgraph cluster_lose { label=&amp;quot;noch ohne Ort&amp;quot;; fontsize=16; style=rounded; color=&amp;quot;#999999&amp;quot;;&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; [label=&amp;quot;Schmarotzer&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot; [label=&amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Drama Queen/Heulsuse&amp;quot; [label=&amp;quot;Drama Queen\nHeulsuse&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Trotz&amp;quot; [label=&amp;quot;Trotz&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Menschenfreund&amp;quot; [label=&amp;quot;Menschenfreund&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Heuchler&amp;quot; [label=&amp;quot;Heuchler&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Nachtragender&amp;quot; [label=&amp;quot;Nachtragender&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Spendabel&amp;quot; [label=&amp;quot;Spendabel&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Kamerad&amp;quot; [label=&amp;quot;Kamerad&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Mitleid&amp;quot; [label=&amp;quot;Mitleid&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Vasall&amp;quot; [label=&amp;quot;Vasall&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  { rank=same; &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; &amp;quot;Eingeschnappt&amp;quot; &amp;quot;Drama Queen/Heulsuse&amp;quot; &amp;quot;Trotz&amp;quot; &amp;quot;Menschenfreund&amp;quot; }&lt;br /&gt;
  { rank=same; &amp;quot;Heuchler&amp;quot; &amp;quot;Nachtragender&amp;quot; &amp;quot;Spendabel&amp;quot; &amp;quot;Kamerad&amp;quot; &amp;quot;Mitleid&amp;quot; &amp;quot;Vasall&amp;quot; }&lt;br /&gt;
  &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Heuchler&amp;quot; [style=invis];&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
 &amp;quot;Zwerg/Gelehrter&amp;quot; -&amp;gt; &amp;quot;Schmarotzer&amp;quot; [style=invis];&lt;br /&gt;
 subgraph cluster_leg { label=&amp;quot;Legende&amp;quot;; fontsize=14; style=rounded; color=&amp;quot;#999999&amp;quot;;&lt;br /&gt;
  legA [label=&amp;quot;Steckbrief im Wiki&amp;quot;, fillcolor=&amp;quot;#f3e2b3&amp;quot;, penwidth=1.8];&lt;br /&gt;
  legW [label=&amp;quot;Wesen&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  legV [label=&amp;quot;Variante&amp;quot;];&lt;br /&gt;
  legW -&amp;gt; legV [style=dashed];&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/syntaxhighlight&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
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		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Datei:Stammbaum_der_Seele.png&amp;diff=925</id>
		<title>Datei:Stammbaum der Seele.png</title>
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		<updated>2026-10-30T13:00:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Admin lud eine neue Version von Datei:Stammbaum der Seele.png hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Stammbaum der menschlichen Seele, nachgezeichnet nach [[Datei:Stammbaum jpg.jpg]] (Bild 2023). Quelltext: [[Stammbaum/Quelltext]].&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_1:_Raubtier_%E2%80%93_W%C3%BCterich&amp;diff=924</id>
		<title>Wesen 1: Raubtier – Wüterich</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_1:_Raubtier_%E2%80%93_W%C3%BCterich&amp;diff=924"/>
		<updated>2026-10-30T13:00:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Link Mecker auf eigenen Eintrag&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, Raubtier und die Linie des Wüterichs (Werwolf).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Raubtier – Wüterich&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Raubtier ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Jagdtrieb, Wüterich, Vampir, Achtung, Geltung&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jagdtrieb ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Stammesbruder, Amok, Rache, Krieger&lt;br /&gt;
* Zum Stammesbruder bringt er die gemeinsame Jagd auf Minderheiten, zum Amok die Entschlossenheit, das kalte Zielen.&lt;br /&gt;
* Hunger: Verfolgen, stellen und fangen. Nicht das Fressen, sondern die Beute.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas, das flieht oder sich schnell bewegt. Ein Ball, ein Radfahrer, ein Jogger, die Maus. Wer wegläuft, wird gejagt. Was still liegt, zieht ihn nicht.&lt;br /&gt;
* Bannung: Die Beute ist gefangen, oder sie ist entkommen und nicht mehr zu sehen. Oder etwas Stärkeres ruft ihn ab.&lt;br /&gt;
* Mimik: Der Blick ist starr auf die Beute gerichtet, ohne zu blinzeln. Der Mund ist geschlossen, das Gesicht ruhig. Der Jäger schweigt.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Körper ist tief und angespannt, die Schritte sind leise. Er pirscht und wartet.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Hunger.&#039;&#039;&#039; Die satte Katze jagt trotzdem die Maus, und der Hund rennt dem Ball nach, ohne dass er Hunger hat. Das Fressen und das Jagen sind getrennte Triebe. In der Verhaltensforschung gilt der Beutefang als eigene Kette: Orten, Fixieren, Anschleichen, Hetzen, Packen, Töten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beim Menschen.&#039;&#039;&#039; Die Sprache verrät den Dämon: auf der Jagd nach dem Rekord, eine Fährte aufnehmen, Witterung aufnehmen, dranbleiben, Beute machen, jemanden zur Strecke bringen. Der Detektiv, der Schnäppchenjäger, der Kopfgeldjäger und der Karrierist, der ein Ziel hetzt, handeln aus demselben Antrieb.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gefährlichste Raubtier.&#039;&#039;&#039; In Sapiens steht, dass der Mensch, egal wohin er gekommen ist, innerhalb kurzer Zeit einen großen Teil der Tiere ausgerottet hat, vor allem die über 50 Kilo. Auf Inseln und auf Kontinenten. Der Mensch ist das gefährlichste Raubtier auf der Erde. Das Muster ist der Beweis. Wenn eine Art in einem Jahrtausend ausstirbt, die es vorher Millionen Jahre gab, dann ist das plötzlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: Harari belegt in seinen Anmerkungen ([https://www.ynharari.com/sapiens-references/ Referenzseite]): Zur Zeit der kognitiven Revolution gab es etwa 200 Gattungen großer Landsäugetiere über 50 Kilo (Quelle: Barnosky u. a. 2004, &#039;&#039;Science&#039;&#039; 306). Als Beispiele nennt er Madagaskar, die Pazifikinseln (Polynesier, ab etwa 1500 v. Chr.), die Moas in Neuseeland und die Mammuts auf der Wrangelinsel. Ich kenne diese Belege nur als Quellenangaben, nicht im Volltext. Australien: Van der Kaars u. a. ([https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5263868/ 2017], &#039;&#039;Nature Communications&#039;&#039;) schreiben, dass dort 85 % der großen Säugetierarten kurz nach 50.000 Jahren vor heute ausstarben, etwa zur Zeit der ersten Menschen. Ihr Bohrkern zeigt den Zusammenbruch zwischen 45.000 und 43.100 Jahren vor heute, innerhalb von 4.000 Jahren nach der Ankunft des Menschen (um 47.000). Sie folgern, das Klima sei als Hauptursache ausgeschlossen und der Mensch beteiligt. Als Megafauna gelten dort Tiere über 44 Kilo. Es gibt keine Fundplätze, an denen Megafauna in großer Zahl erlegt wurde. Die Autoren erklären das mit „imperceptible overkill“: Schon geringe Jagd, etwa ein Jungtier pro Person und Jahrzehnt, könnte eine Art in wenigen hundert Jahren auslöschen, weil große Tiere sich langsam vermehren. Weltweit: Sandom u. a. ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24898370/ 2014], &#039;&#039;Proceedings of the Royal Society B&#039;&#039;) fanden, dass die Schwere des Aussterbens eng an die Verbreitung des Menschen gebunden ist und höchstens in Eurasien schwach an das Klima; ich kenne nur die Zusammenfassung. Gegenposition: Die Ursache ist in der Fachwelt nicht einhellig. Die Quellen von van der Kaars nennen Klima (Cooper u. a. 2015, Holarktis), Mensch und eine Mischung aus beidem (Metcalf u. a. 2016, Patagonien). Das Australian Museum nennt auf seiner Seite „environmental and ecological factors“ als wahrscheinliche Ursache. Den Satz „gefährlichstes Raubtier auf der Erde“ habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: Das Argument ausgearbeitet. Wo der Mensch neu auftaucht, sterben die großen Tiere aus, und zwar unabhängig vom jeweiligen Klima: in Australien vor rund 47.000 Jahren, auf den Pazifikinseln, auf Madagaskar, in Neuseeland. Wenn dieselbe Folge in so verschiedenen Klimaten eintritt, bleibt als gemeinsamer Faktor der Mensch. Das ist ein Beweis für den Menschen als Ursache. Für den Jagdtrieb als Triebkraft folgt daraus noch nichts. Der Jagdtrieb erklärt, warum der Mensch auch ohne Hunger jagt und die Beute nicht nur nach Bedarf nimmt. Das passt zu den Absätzen „Auch ohne Hunger“ und „Trophäen“. Einwände:&lt;br /&gt;
:1. Der Befund braucht den Trieb nicht. Nach van der Kaars u. a. (2017) genügt geringe Jagd aus bloßem Nahrungsbedarf, weil große Tiere sich langsam vermehren. Der Jagdtrieb bleibt eine zusätzliche Annahme.&lt;br /&gt;
:2. „Plötzlich“ gilt im Verhältnis zur Dauer der Arten. Größere Säugetierarten bestehen nach Prothero ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25236413/ 2014]) im Mittel etwa 2,3 bis 4,3 Millionen Jahre (nach der Zusammenfassung), nach Mace ([https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12348876/ 1998]) Säugetiere insgesamt 1 bis 2 Millionen. Ein Aussterben binnen Jahrtausenden ist dagegen sehr schnell. Als „Blitzkrieg“ innerhalb weniger Generationen gilt es nicht: Svenning u. a. ([https://www.cambridge.org/core/journals/cambridge-prisms-extinction/article/latequaternary-megafauna-extinctions-patterns-causes-ecological-consequences-and-implications-for-ecosystem-management-in-the-anthropocene/E885D8C5C90424254C1C75A61DE9D087 2024], &#039;&#039;Cambridge Prisms: Extinction&#039;&#039;) nennen die „Blitzkrieg“-Version für unzureichend, Rückgänge und Aussterben zogen sich über viele Jahrtausende hin. Dieselbe Übersicht sieht wenig Rückhalt für einen großen Einfluss des Klimas und starken, wachsenden Rückhalt für den Menschen als Hauptursache, mit Hinweisen auf einen Beginn schon bei Vorläufern des Homo sapiens.&lt;br /&gt;
:3. „Überall, wohin er kam“ trifft Afrika schwächer. Dort entstand der Mensch, und es blieb mehr Megafauna übrig, nach Svenning u. a. gingen aber auch dort Arten verloren. Eine Erklärung ist, dass die Tiere mit den Hominiden mitentwickelt waren, Beleg dafür ist das nicht.&lt;br /&gt;
:4. Ob Männer aus Prestige jagen, ist umstritten. Hawkes (1990, 1991) vertritt, dass Männer jagen, um Aufmerksamkeit und Partnerchancen zu gewinnen („show-off“). Smith ([https://faculty.washington.edu/easmith/HunterRS.pdf 2004]) nennt für viele Jäger- und Sammlergesellschaften Hinweise auf höheres Ansehen und mehr Nachkommen erfolgreicher Jäger. Wood ([https://www.jstor.org/stable/10.1086/503068 2006]) testete das bei den Hadza und fand eher Versorgung als Prestige. Ich kenne nur Zusammenfassungen.&lt;br /&gt;
:Mein Fazit: Das Muster belegt den Menschen als Ursache. Dass der Jagdtrieb dahintersteckt, ist plausibel, aber nicht belegt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sport.&#039;&#039;&#039; Bei Hunderennen jagen die dem Kaninchen nach. Viele Sportarten sind deshalb interessant, weil sie den Jagdtrieb befriedigen. Basketball. Fußball. Da wird das Tor gejagt. Und jagen im Rudel hat auch Tradition.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Der Zoologe Desmond Morris beschreibt Fußball als rituelle Jagd: Die Spieler sind die Jäger, der Ball ist die Waffe, das Tor ist die Beute (The Soccer Tribe, 1981). Beim Hunderennen ist das Kaninchen eine Attrappe, die Owen Patrick Smith erfand; die Bahnrennen begannen 1919 in Kalifornien. Ortega y Gasset schrieb: „Man jagt nicht, um zu töten. Man tötet, um gejagt zu haben.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kultur.&#039;&#039;&#039; In einer Dokumentation über Schwarze Löcher sagt ein mathematischer Physiker, der mit Hawking zusammengearbeitet und selbst Beiträge geleistet hat, er denke ständig über das Informationsparadoxon nach, selbst beim Zähneputzen. Das war ein Profi. Es ist nicht nur Neugierde. In derselben Dokumentation haben mehr als 200 Physiker jahrelang das erste Foto eines Schwarzen Lochs gejagt. Die Jagd selbst ist das Spannende.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rudel.&#039;&#039;&#039; Der Regisseur Peter Galison wollte zeigen, wie sehr Wissenschaft Gemeinschaftsarbeit ist und nicht das Werk eines einzelnen Genies. Das ist die Jagd im Rudel: viele Teleskope auf allen Kontinenten, die gleichzeitig auf dieselbe Beute zielen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Trophäen.&#039;&#039;&#039; Und übrigens gibt es dann auch Trophäen. Eine Trophäe war ursprünglich die Beute. Dann zumindest ein Teil davon. Später eine symbolische Ersatzbeute. Im Sport gibt es Pokale und Medaillen. Der Nobelpreis ist auch eine Trophäe. Oder die Fields-Medaille. Oder es gibt Preise. Und woanders den Oscar. Und im Beruf die Urkunde und den Titel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Geweih an der Wand des Jägers. Der Pokal des Siegers. Das Foto neben dem erlegten Fisch. Das Wort kommt vom griechischen „tropaion“: Nach einer gewonnenen Schlacht stellten die Griechen am Ort der Wende, wo der Feind floh, einen Pfahl oder Baum mit seiner erbeuteten Rüstung auf. Die Trophäe zeigt, dass die Jagd gelungen ist, auch denen, die nicht dabei waren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wer flieht, wird gejagt.&#039;&#039;&#039; Kinder jagen dem nach, der wegläuft oder weint. Das Mobbing lebt von dem, der sich wehrt, aber nicht entkommen kann. Hier liegt die Verbindung zum [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Die Gruppe jagt gemeinsam das Opfer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Jagd selbst.&#039;&#039;&#039; Seine Lust liegt nicht allein im Besitz der Beute, sondern bereits in der Jagd selbst: im Suchen, Anschleichen, Verfolgen, Überlisten und schließlich im Zugriff.&lt;br /&gt;
:Der Weg zur Beute ist selbst eine Belohnung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach dem Fang.&#039;&#039;&#039; Der Jagdtrieb ist nicht mit dem Hunger nach der Beute identisch.&lt;br /&gt;
:Man kann etwas jagen, das man gar nicht besonders haben möchte.&lt;br /&gt;
:Das erklärt beispielsweise, warum manche Menschen mit großer Leidenschaft Dinge suchen, sammeln oder ersteigern und nach dem Erwerb rasch das Interesse verlieren.&lt;br /&gt;
:Die eigentliche Befriedigung lag im Jagen.&lt;br /&gt;
:Der Jagdtrieb besteht auch nach der Erlangung der Beute fort und sucht das nächste Ziel.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Jagdtrieb und Krieger.&#039;&#039;&#039; Hier liegt eine wichtige Unterscheidung.&lt;br /&gt;
:Der Krieger sucht den Kampf und die Bewährung an einem Gegner.&lt;br /&gt;
:Der Jäger sucht die Beute und den erfolgreichen Zugriff.&lt;br /&gt;
:Der Krieger kann einen starken Gegner bevorzugen, weil dessen Überwindung seinen Sieg wertvoll macht.&lt;br /&gt;
:Der Jäger bevorzugt möglicherweise eine schwierige Beute, weil ihre Erlegung oder ihr Fang besondere Geschicklichkeit erfordert.&lt;br /&gt;
:Aber er muss keinen ebenbürtigen Gegner haben. Die Beute kann schwächer sein und versuchen zu fliehen.&lt;br /&gt;
:Der Krieger will siegen. Der Jäger will erbeuten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Forschung und Fehlersuche.&#039;&#039;&#039; Ein Wissenschaftler kann von einem ungelösten Problem regelrecht besessen sein. Er verfolgt Hinweise, prüft Spuren und sucht nach einem verborgenen Zusammenhang.&lt;br /&gt;
:Ein Techniker bei der Fehlersuche erlebt etwas Ähnliches: Jeder Messwert liefert einen neuen Hinweis. Eine falsche Vermutung führt auf eine andere Spur. Schließlich ist der Fehler gefunden.&lt;br /&gt;
:Dabei kann der Augenblick des Entdeckens ein ausgesprochenes Hochgefühl auslösen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Der Jagdtrieb wird zum Stalker, wenn die Beute ein Mensch ist, der nicht fliehen darf. Er wird zur [[#Rache|Rache]], wenn er das Urteil vom Zorn bekommt, und zum [[#Amok|Amok]], wenn die Wut in seine Bahn gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wüterich ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Wüterich]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Zorn, Choleriker, Schmach, Amok, Drohender, Krieger, [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Mut|Mut]]&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Grimm, Beiß&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Wut packt einen. Die Vernunft wird ignoriert, und man tut extreme Dinge, die sonst gebannt sind: Gewalt ausüben oder verbal verletzen. Das entspricht dem Dämon. Er ist heftig und hat im Augenblick der Wut die ganze Macht, er lässt keine anderen Dämonen ans Steuer. Wut ist mehr Abwehr und spontane Reaktion.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Zaum.&#039;&#039;&#039; Manche haben gelernt, den Dämon im Zaum zu halten, weshalb sich die Wut nicht gleich in Gewalt entlädt. Andere sind ungebremst, weil sie keine Strafe fürchten oder bisher davongekommen sind. Der Zaum greift vor dem Ausbruch, denn im Augenblick der Wut hat nur der Dämon das Steuer. Entweder war ein anderer Dämon schneller (siehe [[Grundlagen#Was daraus folgt|Wer zuerst kommt]]), oder die Haltung ist so geübt, dass die Wut gar nicht erst in die Gewalt gerät.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Respekt.&#039;&#039;&#039; Das ist allgemeines [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Revierverhalten/Gebiet|Revierverhalten]]: Der Ranghöhere wird nicht angegriffen. Es sei denn, man will ihn ernsthaft vom Thron stoßen. Bei Menschen heißt das Respekt. Respekt heißt es auch, wenn man Unterlegene nicht angreift.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wen die Wut trifft.&#039;&#039;&#039; Dann schlagen sie ihre Frau. Wäre die Wut wirklich blind, träfe sie auch den Chef. Meistens trifft sie den, der sich nicht wehren kann. Bei Gewalt in Beziehungen unterscheidet Michael Johnson (2008) die Gewalt aus der Eskalation eines Streits, &#039;&#039;situational couple violence&#039;&#039;, von der Gewalt als Teil eines allgemeinen Musters von Kontrolle, &#039;&#039;intimate terrorism&#039;&#039;. Bei der zweiten bricht nicht Wut aus, sondern Herrschaft, und die Wut dient als Kleid.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man damit tut.&#039;&#039;&#039; Natürlich heißt nicht erlaubt. Auch wenn die Wut natürlich ist, kommt es darauf an, was man damit tut. Wer sie an Frauen oder Wehrlosen auslässt, begeht eine Untat, und dass die Wut hier als natürlich beschrieben ist, rechtfertigt nichts. Wut kann auch Schwache gegen Angreifer schützen: Die Mutter, die sich zwischen ihr Kind und den Angreifer wirft, handelt aus Wut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zorn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Wüterich, Gerechtigkeitssinn · zu Verachtung, Ärger, Eifersucht, Rache, Hass&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Zorn ist Wut, die strafen will, und zwar aus Gerechtigkeit. Die Wut allein wehrt ab und entlädt sich spontan. Im Zorn kommt ein Urteil dazu: Mir ist Unrecht geschehen, du hast es getan, und du sollst dafür büßen. Darum richtet sich Zorn gegen einen bestimmten Menschen und lässt sich nicht an irgendwem auslassen. Schon Aristoteles bestimmt ihn so (Rhetorik II.2): das Streben nach sichtbarer Vergeltung für eine sichtbare Geringschätzung. Der Sprachgebrauch sagt dasselbe. Man spricht vom gerechten und heiligen Zorn, vom Zorn Gottes und vom Volkszorn, aber nicht von gerechter Wut.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wut und Zorn.&#039;&#039;&#039; Die Wörterbücher unterscheiden beide nicht einheitlich, manche behandeln Wut als gesteigerten Zorn. Hier gilt die Unterscheidung, wie man die Wörter im Alltag gebraucht: Wut ist Abwehr, Zorn ist Wut mit Strafwunsch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dämon im Recht.&#039;&#039;&#039; Der Zorn hält sich fast immer für im Recht. Er trägt die Gerechtigkeit wie ein Kleid, und seine Ladung kommt vom Wüterich. Darum kann er auch irren, und auch der gerechte Zorn bleibt Zorn.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man damit tut.&#039;&#039;&#039; Zorn über echtes Unrecht kann berechtigt sein. Aber ein Urteil im Kopf macht niemanden zum Richter. Wer straft, weil er sich im Recht fühlt, ist trotzdem ein Rächer. Natürlich heißt nicht erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ärger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zorn · zu Groll&lt;br /&gt;
* Spruch: „Schon wieder!“ „Muss das sein?“ „Das nervt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Sich ärgern. Er sucht Anlässe dafür und hält sie fest.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Störung oder ein kleines Unrecht, oft eine wiederholte oder vermeidbare, meist durch jemanden, den man kennt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Brauen zusammengezogen, Lippen gepresst, Kiefer angespannt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ärger ist Zorn ohne Strafwunsch.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ärger will den Ärger.&#039;&#039;&#039; Der Ärger selbst will nicht, dass der Ärger aufhört, auch wenn man davon Bauchschmerzen bekommt. Er sucht sich Anlässe zum Ärgern und kann auch zur Drama Queen werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Unterschiedlich stark.&#039;&#039;&#039; Das ist unterschiedlich. Es gibt auch Leute, die sich nur kurz über einen Anlass ärgern, und gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wut und Ärger.&#039;&#039;&#039; Aber Wut richtet sich auf die Ursache, um sie zu vertreiben. Ärger ist nach außen mehr passiv.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Ärger ohne Ziel.&#039;&#039;&#039; Man ärgert sich zum Beispiel regelmäßig über Autofahrer, die zu dicht auffahren, obwohl man dadurch nichts daran ändern kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ärger und Groll.&#039;&#039;&#039; Groll ist gezielt gegen eine Person.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Dauernörgler am Stammtisch, der jede Neuigkeit zum Anlass nimmt, ist das Alltagsbild. Im Netz ist es messbar: Fan u. a. (2014, &#039;&#039;PLoS ONE&#039;&#039;) fanden in Weibo, dass sich Ärger unter den Nutzern stärker überträgt als Freude. Brady u. a. (2017, &#039;&#039;PNAS&#039;&#039;) fanden, dass jedes moralisch-emotionale Wort die Verbreitung einer Nachricht um etwa 20 % erhöht. Das belegt, dass Ärger sich verbreitet, aber nicht, dass der Einzelne ihn sucht. Das Suchen ist hier nur durch das Alltagsbild gestützt. Beide Studien habe ich nur im Abstract gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Groll.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum: Richtet sich der Ärger wiederholt auf eine bestimmte Person, die zählt, und wird er nicht ausgesprochen, kann daraus der Groll werden. Der Autofahrer auf der Straße bleibt ohne Namen und wird darum zu keinem Groll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Groll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ärger · zu Amok, [[Wesen 3: Beutetier#Verbittert|Verbittert]]&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauen]]&lt;br /&gt;
* Trigger: eine wiederholte Demütigung durch jemanden, der Geltung und Autorität hat. Man muss ihn nicht mögen, aber er zählt. Unwichtige Leute erzeugen keinen Groll.&lt;br /&gt;
* Hunger: eine Antwort von genau diesem Menschen: Anerkennung, Wiedergutmachung, eine Erwiderung. Von jemand anderem nützt sie nichts.&lt;br /&gt;
* Bannung: aushungern, also die Szene nicht mehr durchspielen. Der Dämon wehrt sich genau dagegen, denn das Wiederholen ist seine Mahlzeit. Oder der Gegendämon kommt: die Dankbarkeit. Sie lässt sich nicht befehlen; man kann ihr nur den Boden bereiten, etwa indem man sich konkret erinnert, was man bekommen hat. Kommt sie, verdrängt sie den Groll (siehe [[Bannung#Gefühle lassen sich nicht befehlen|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Dankbarkeit (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]]). Beide sind Spiegelbilder. Beide leben von der Erinnerung an das, was ein anderer einem getan hat. Der Groll zählt, was man nicht bekommen hat, die Dankbarkeit zählt, was man bekommen hat. Darum können sie nicht zugleich herrschen: Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Groll ist eine Besessenheit. Man weiß, dass er einem schadet, und legt ihn trotzdem nicht ab. Man müsste nur auf seinen Anspruch verzichten, aber das hat mit Vernunft nichts zu tun; die Vernunft erreicht ihn nicht. Er bindet den Gekränkten an den, der ihn gekränkt hat, denn nur dieser eine könnte ihn freisprechen. Darum kann der Groll sogar neben einer hohen Meinung von diesem Menschen bestehen.&lt;br /&gt;
:Die Sprache weiß es: Man &#039;&#039;hegt&#039;&#039; einen Groll, wie man eine Pflanze hegt. Man gießt ihn jeden Tag.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dämon wird gefüttert.&#039;&#039;&#039; Auch wenn der Groll toxisch ist und dem Menschen schadet, der Dämon hat etwas davon. Nachts geht man die Szene wieder durch, hält die Rede, die man nie halten wird, und malt sich aus, wie der andere endlich begreift. Jede Wiederholung ist eine Mahlzeit. Was dem Menschen schadet, nährt den Dämon. Dazu passt ein Versuch von Dominique de Quervain (Zürich, 2004): Wer einen Betrüger bestrafen darf, bei dem springt im Hirnscanner das Belohnungszentrum an. Abrechnung schmeckt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Groll sucht sich Futter.&#039;&#039;&#039; Wenn der Groll erst einmal stark ist, wird das Ziel zuweilen gar nicht mehr entscheidend. Er reagiert auch auf andere Trigger, auf Unbeteiligte, auf Kleinigkeiten. Ein Mann wird jahrelang von seinem Chef gedemütigt und fährt dann den Kellner an, weil der Kaffee kalt ist. Der Kellner hat nichts getan; der kalte Kaffee hat nur die Tür geöffnet. Das zeigt wieder, dass der Groll ein selbstständig handelndes Wesen ist. Im Labor gemessen haben das Brad Bushman und Kollegen (2005, „Chewing on it can chew you up“): Die Versuchspersonen wurden gekränkt; ein Teil sollte danach über die Kränkung nachgrübeln, der andere wurde abgelenkt. Als dann ein ganz anderer Mensch einen kleinen Fehler machte, reagierten die Grübler auf diesen Unbeteiligten deutlich aggressiver. Das Wiederholen füttert den Groll, und der gefütterte Groll springt auf andere Trigger an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Anlass in der Phantasie.&#039;&#039;&#039; Auch Tiere vergessen eine Kränkung nicht. Der Biologe John Marzluff hat in Seattle Krähen gefangen und dabei eine bestimmte Maske getragen. Jahre später beschimpften die Krähen jeden, der diese Maske trug, und auch junge Krähen, die nie gefangen worden waren, machten mit. Aber die Krähe braucht die Maske vor sich. Ohne den Anlass gibt es keinen Ausbruch. Der Mensch braucht die Maske nicht mehr. Er ruft den Anlass selbst herbei, nachts im Bett, ohne dass der andere da ist. Tiere reagieren auf den unmittelbaren Anlass, der Mensch hat den unmittelbaren Anlass in die Phantasie verlegt. Darum ist der Groll erst durch die Vergangenheit möglich, durch die innere Stimme, die ständig erzählt, wer man ist und in welchem Kontext. Siehe auch [[Grundlagen#Was daraus folgt|Grundlagen]].&lt;br /&gt;
:Zwei Bilder: Michael Kohlhaas wurde von einem Junker gedemütigt, von einem Mann mit Macht und Stand. Ein Bauer, der ihm die Pferde verdorben hätte, hätte ihn nicht über Jahre umgetrieben. Edmond Dantès im &#039;&#039;Grafen von Monte Christo&#039;&#039; (Dumas, 1844) sitzt vierzehn Jahre unschuldig im Kerker und baut danach sein ganzes Leben um die Abrechnung mit genau den Männern, die inzwischen Ansehen und Macht haben. Der Groll hat ihn reich und mächtig gemacht, aber nicht frei.&lt;br /&gt;
:Erzeugt wird der Groll durch Demütigung von jemandem, der zählt. Aber wenn er einmal da ist, richtet er sich auch gegen Unbedeutende. Er ist ein Dämon und sucht sich selbst Gründe und Anlässe. Daraus wird das [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Amok ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Wüterich, Groll, Gerechtigkeitssinn, Jagdtrieb, Triumph · zu –&lt;br /&gt;
* Trigger: eine letzte Kränkung nach langer Kränkung: eine Zurückweisung, eine Kündigung, ein Scheitern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: Amok ist selbst eine Entgleisung: Wut, die in die Bahn der Jagd geraten ist.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Man sollte naiv glauben, dass es Wut ist. Aber Wut entlädt sich spontan. Der Hauptteil ist Wut, aber da kommt noch jahrelanger Groll hinzu wegen der Ungerechtigkeit. Außerdem ist Amok entschlossen zu verletzen, und das ist der unmittelbare Zustand bei der Tat, während Wut aggressiv ist, aber meist nicht angreift. Amok hat also neben der Wut noch weitere Eltern. Amokläufer haben ein Hochgefühl der Geltung und des Triumphs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heiße und kalte Aggression:&#039;&#039;&#039; Die Wut ist laut, spontan, sie droht und entlädt sich. Der kläffende Hund am Zaun beißt meistens nicht. Die Jagd ist leise, geplant und zielgerichtet. Die Katze, die einem Vogel nachschleicht, faucht nicht. John Flynn hat in den 1960er-Jahren an Katzen gezeigt, dass das zwei verschiedene Programme an verschiedenen Stellen im Gehirn sind: An der einen Stelle gereizt, machte die Katze einen Buckel, fauchte und schlug wild um sich. An einer anderen Stelle ganz in der Nähe schlich sie lautlos auf eine Ratte zu und biss gezielt zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die fünf Eltern:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wüterich:&#039;&#039;&#039; der Hauptteil, der Brennstoff.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Groll:&#039;&#039;&#039; die jahrelang gesammelte Kränkung. Der Groll hält die Wut am Glimmen, statt sie zu entladen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gerechtigkeitssinn:&#039;&#039;&#039; „Mir steht etwas zu, und es wurde mir genommen.“ Der Soziologe Michael Kimmel fand bei Amokläufern immer wieder dieses Gefühl des gekränkten Anspruchs.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jagdtrieb:&#039;&#039;&#039; die Entschlossenheit, das Planen, das kalte Zielen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Triumph:&#039;&#039;&#039; das Hochgefühl der Geltung, der große Auftritt. Wer sich jahrelang klein und übergangen fühlte, ist für einen Tag Herr über Leben und Tod. Die beiden Täter von Columbine haben vorher Videos aufgenommen, in denen sie sich ausmalten, wie berühmt sie werden. Der Kriminologe Adam Lankford fand, dass Täter, die ausdrücklich berühmt werden wollten, im Durchschnitt mehr Menschen getötet und verletzt haben. Auch der eigene Tod, der oft eingeplant ist, gehört zu diesem letzten Auftritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kein plötzliches Ausrasten:&#039;&#039;&#039; Fast alle Täter haben ihre Tat über Wochen oder Monate geplant. Viele haben vorher Andeutungen gemacht, in Heften, in Chats, gegenüber Mitschülern. Die Polizei nennt das „Leaking“. Darin liegt die Möglichkeit, rechtzeitig einzugreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ansteckung:&#039;&#039;&#039; Viele Täter haben frühere Täter verehrt und nachgeahmt. Columbine 1999 wurde zum Vorbild für Dutzende. Darum fordern viele Fachleute, Namen und Gesichter der Täter in den Medien nicht zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wort&#039;&#039;&#039; kommt aus dem Malaiischen, „amuk“. Europäische Reisende beschrieben im 17. und 18. Jahrhundert Männer auf Java und der Malaiischen Halbinsel, die nach einer schweren Kränkung oder einem Verlust mit dem Dolch losliefen und töteten, bis man sie selbst tötete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Choleriker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Wüterich · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Da platzt mir der Kragen!“ „Reiz mich nicht!“ „Das lasse ich mir nicht bieten!“ „Muss ich denn hier alles selber machen?!“ „Wie oft soll ich dir das noch erklären?!“ „Das kann doch wohl nicht so schwer sein!“ „Jetzt reicht&#039;s mir aber!“ „Du machst mich wahnsinnig!“ „Immer derselbe Scheiß!“ „Wenn ich das sage, dann ist das so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Kontrolle, Durchsetzung, Gehorsam und das Gefühl, Herr der Lage zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Widerstand oder wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Kann aber auch einfach die Gelegenheit sein, wenn jemand etwas falsch gemacht hat. Das ist individuell unterschiedlich, welche Trigger auslösen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Kurze, ruhige Grenzen: „Ich rede mit dir, aber nicht, solange du mich anschreist.“ Entscheidend ist, dass sein Zorn ihm keinen zusätzlichen Vorteil verschafft. Wer jedes Mal nachgibt, kann das Verhalten unbeabsichtigt verstärken. Beim akuten Wutausbruch sind lange Erklärungen meist wenig hilfreich.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Choleriker ist der Wüterich. Allerdings ist das chronisch und regelmäßig. Außerdem brüllt und schimpft er.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Wüterich.&#039;&#039;&#039; Der Choleriker ist der Wüterich. Der Unterschied ist nicht das Wesen, sondern das Verhalten. Wut tritt auf, wenn man falsch behandelt wird. Das ist eine Reaktion, eine Ausnahme, außer im Krieg und Kampf. Beim Choleriker ist das anders. Er brüllt täglich, auch bei kleinen Anlässen. Das ist die Standardreaktion bei Widrigkeiten. Die beiden Typen sind zu unterschiedlich, um sie in einer Beschreibung zusammenzufassen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiel.&#039;&#039;&#039; Man hat einen Kollegen, der mal wütend wird, wenn er angegriffen wird, oder einen Chef, der jeden Tag herumbrüllt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Recht.&#039;&#039;&#039; Er fühlt sich im Recht. Er nimmt das auch als Mittel, um sich durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Herrscher des Zorns.&#039;&#039;&#039; Sein Motiv: Er will, dass die Welt nach seinem Willen funktioniert. Wenn sie das nicht tut, empfindet er das als Zumutung, gegen die er sich mit Wut durchsetzt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere Trigger.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Jemand widerspricht ihm oder stellt seine Autorität infrage.&lt;br /&gt;
::* Etwas funktioniert nicht so, wie er es erwartet.&lt;br /&gt;
::* Andere machen Fehler, sind langsam oder ungeschickt.&lt;br /&gt;
::* Er muss warten oder sich fremden Entscheidungen unterordnen.&lt;br /&gt;
::* Er fühlt sich missachtet, behindert oder provoziert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Ungeduld, Ärger und eine steigende innere Spannung. Aus einem kleinen Hindernis wird eine persönliche Zumutung. Er denkt nicht unbedingt: Das ist ein Problem, das ich lösen muss. Sondern: Das darf doch wohl nicht wahr sein! Die Wut gibt ihm Energie und das Gefühl von Stärke. Seine Zweifel verschwinden. Er ist sich plötzlich vollkommen sicher, im Recht zu sein. Die Wut verwandelt seine Wünsche in Forderungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Choleriker explodiert. Er schreit, schimpft, droht, unterbricht andere und macht Vorwürfe. Dabei geht es ihm nicht mehr ausschließlich darum, das ursprüngliche Problem zu lösen. Er will seinen Ärger loswerden und Widerstände beseitigen. Sein Zorn kann eine bemerkenswerte Wirkung haben: Andere beeilen sich, geben nach und vermeiden Widerspruch. Damit lernt er möglicherweise, dass Wutausbrüche funktionieren. Es entsteht ein Verstärkungsmechanismus: Hindernis → Wut → Einschüchterung → Nachgeben → Erfolgserlebnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Rechtfertigung.&#039;&#039;&#039; Er sieht sich häufig nicht als aggressiven Menschen, sondern als jemanden, der sich über die Unfähigkeit, Rücksichtslosigkeit oder Dummheit anderer zu Recht aufregt. Die anderen sind schuld an seiner Wut. Das ist psychologisch bedeutsam: Er erlebt seinen Ausbruch als Reaktion auf eine Provokation, nicht als eigene Entscheidung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Er verwechselt die Intensität seines Gefühls mit der Berechtigung seiner Forderung. Je wütender er wird, desto offensichtlicher erscheint ihm sein Recht. Doch Wut liefert keine zusätzliche Erkenntnis. Sie erhöht vor allem den Handlungsdruck.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologischer Hintergrund.&#039;&#039;&#039; Hier muss man drei Dinge unterscheiden:&lt;br /&gt;
::# Das Temperament: Manche Menschen reagieren schneller und intensiver auf Frustration. Das wird in der Forschung unter anderem mit Trait Anger und geringer Frustrationstoleranz beschrieben.&lt;br /&gt;
::# Die Bewertung: Der Choleriker interpretiert Hindernisse möglicherweise als Respektlosigkeit, Unfähigkeit oder absichtliche Behinderung. Diese Bewertung verstärkt seinen Ärger.&lt;br /&gt;
::# Das erlernte Verhalten: Wenn Schreien und Drohen regelmäßig zum Erfolg führen, kann der Wutausbruch zur Gewohnheit werden. In der Lernpsychologie spricht man von operanter Verstärkung.&lt;br /&gt;
:Nicht jeder Choleriker will andere beherrschen. Manche verlieren tatsächlich die Selbstkontrolle und bereuen ihren Ausbruch anschließend. Andere setzen ihre Wut gezielt ein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Sell, Tooby und Cosmides (2009, &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 106, 15073–15078) sehen im Ärger und in der Wut ein Verhandlungsmittel: Wer andere stärker schädigen oder besser belohnen kann, ist leichter zu Wut zu bringen, setzt sich öfter im Streit durch und hält sich für besser behandlungswürdig. Das passt zum Mittel, sich durchzusetzen, und zum Sich-im-Recht-Fühlen. Gelesen habe ich nur den Abstract und Teile der Tabellen. Der Name stammt aus der Viersäftelehre: Hippokrates und Galen führten die Reizbarkeit auf gelbe Galle (&#039;&#039;cholē&#039;&#039;) zurück, und Eysenck ordnete den Choleriker später hohem Neurotizismus und hoher Extraversion zu (nach Sekundärquellen; die Originale habe ich nicht gelesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schmach ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Wüterich · zu Scham, Verlegener, Zynisch, [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „So lasse ich nicht mit mir umgehen!“ „Vor allen Leuten!“ „Das vergesse ich dir nicht.“&lt;br /&gt;
* Hunger: offen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Herabwürdigung, besonders vor Zeugen: eine Niederlage, eine Beschimpfung, eine Bloßstellung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Man wird rot vor Zorn, und einem wird heiß.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Schmach ist Wut nach einer Demütigung, die sich aber nicht in einem Wutausbruch entladen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Von der Schmach zur Scham.&#039;&#039;&#039; Wenn eine [[Hexe|Behexung]] dazukommt, dass man schlecht oder schuldig ist, dann ist das [[#Scham|Scham]]. Sie sucht die Schuld bei sich, nicht mehr beim Angreifer. Sie hat dessen Interpretation übernommen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Der Duden beschreibt Schmach als etwas, das als Kränkung, Schande, Herabwürdigung oder Demütigung empfunden wird, und nennt als Beispiel die Schmach einer Niederlage. Das Wort geht auf mittelhochdeutsch &#039;&#039;smāch&#039;&#039; zurück und bedeutete ursprünglich „klein, gering, verächtlich“. Wer die Schmach erleidet, wird kleingemacht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Folgen.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum und den Einträgen zu Scham und [[#Zynisch|Zynisch]], nicht belegt. Bei der Schmach entsteht die Wut, die sich gegen den Angreifer richten soll. Kann sie das nicht, etwa weil er zu mächtig ist, wird sie zur Scham, sobald die Schuldzuweisung übernommen wird. Scheitert einer an der Unwürdigkeit der anderen oder am Schicksal, wird er zynisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Scham ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schmach · zu Büßer&lt;br /&gt;
* Trigger: ein Angriff von einem, gegen den man sich nicht wehren kann. Die Scham ist erlernt, durch Beschämung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Scham ist eine Reaktion auf einen Angriff. Ein Vater sagt zu seiner Tochter, die sich mit ihrem Freund trifft: „Du Schlampe.“ Das erzeugt Wut, Revierverteidigung. Aber gegen den mächtigen Vater kann sich die Wut nicht richten. Sie wird mit viel Mühe gebremst, und dann ist nicht einmal erlaubt, Gedanken gegen den Vater zu haben. Also richtet sie sich nach innen, und dort knallt sie ungebremst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung des Unterlegenen.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Paul Gilbert beschreibt die Scham als Unterwerfung: Kopf runter, Blick weg, sich klein machen. Das ist dieselbe Haltung, die ein Hund oder ein Affe zeigt, der einen Rangkampf verloren hat. Sie sagt dem Stärkeren: Ich greife nicht an, hör auf. Dacher Keltner hat gezeigt, dass das wirkt: Wer rot wird und den Blick senkt, wird von anderen milder behandelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fehlschluss.&#039;&#039;&#039; Aus dieser körperlichen Reaktion wird dann auch noch konstruiert, was für eine Schuld die Tochter auf sich geladen hat. Die Niederlage und Wehrlosigkeit werden als Beweis genommen, dass sie im Unrecht ist. In Wahrheit beweisen sie nur ihre Unterlegenheit gegen die Übermacht von Vater und Tradition. Am Ende glaubt sie es selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Scham und Gewissen.&#039;&#039;&#039; Die Scham braucht den Angreifer, das Gewissen nicht. Das schlechte Gewissen ist die nach innen gewendete Grausamkeit und stammt vom [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Vampir|Vampir]]. Es beißt auch ohne Angriff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Büßer ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Büßer]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Scham · zu Fehlerfürchter, Pedant&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Büßer ist die dauerhafte Reaktion, die [[#Scham|Scham]], die nicht mehr weggeht. Der Angreifer muss gar nicht mehr da sein; der Büßer trägt ihn in sich und hält den Kopf ständig unten, für alle Fälle. Er trägt Schuld, die Sünde. Kopf nach unten, gebeugt. Im Steckbrief heißt es: „Er wurde zu oft geprügelt.“ Und: „Wer sich selbst schlägt, wird nicht mehr geschlagen.“ Er kommt dem Schläger zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Tieren.&#039;&#039;&#039; Martin Seligman und Steven Maier gaben Hunden 1967 elektrische Schläge, denen sie nicht entkommen konnten. Danach kamen die Hunde in eine Box, aus der sie mit einem Sprung über eine niedrige Wand hätten fliehen können. Sie versuchten es nicht. Sie legten sich hin, winselten und ließen die Schläge über sich ergehen. Seligman nannte das „erlernte Hilflosigkeit“. Robert Sapolsky hat in Kenia jahrelang Paviane beobachtet: Die rangniedrigen Tiere gehen gebeugt, weichen jedem Blick aus und haben ständig erhöhte Stresshormone. Der Körper bleibt in der Haltung des Verlierers, auch wenn gerade niemand angreift.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unterschied zur Scham.&#039;&#039;&#039; Bei der Scham schließt man aus der Niederlage auf eine Tat. Beim Büßer ist dieser Schluss fest geworden. Er kann an einer bestimmten Schuld tragen oder an einer unbestimmten. Bei der unbestimmten fühlt er sich schuldig, ohne zu wissen wofür; die Schuld hängt an keiner Tat mehr, sie ist einfach da. Er denkt: „Ich bin schlecht.“ Das ist das Urteil des Angreifers, das er übernommen hat. Im Film &#039;&#039;Jenseits von Eden&#039;&#039; (1955, nach John Steinbeck) spielt James Dean den Sohn Cal, der glaubt, er sei von Grund auf schlecht, und sein Bruder Aron sei gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fehlerfürchter ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Büßer · zu Formal&lt;br /&gt;
* Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionisten]]: zwei völlig unterschiedliche Motive und Stimmungen.&lt;br /&gt;
* Hunger: die Strafe vermeiden, der Bloßstellung entgehen.&lt;br /&gt;
* Trigger: ein Fehler, und der Blick der anderen darauf.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Fehlerfürchter kontrolliert jede Kleinigkeit aus Angst, damit es kein anderer tun kann. Es geht ihm nicht um das Werk, sondern um die Strafe. Im Steckbrief des Büßers heißt es: „Wer sich selbst schlägt, wird nicht mehr geschlagen.“ Wenn einem ein Fehler peinlich ist und man sich sofort entschuldigt, ist der Fehlerfürchter vorgetreten. Paul Hewitt und Gordon Flett haben diese Form 1991 beschrieben und „sozial vorgeschrieben“ genannt: der Glaube, dass die anderen Vollkommenheit verlangen und jeden Fehler bestrafen oder bloßstellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Als Erziehungsmittel.&#039;&#039;&#039; Das wird in unserer Kultur als Erziehungsmittel eingesetzt. Das ist grundfalsch: Es hemmt nur. Man muss Fehler machen, man muss Erfahrung haben. Dazu passt die Forschung: Nina Keith und Michael Frese haben 2008 viele Versuche zum „Fehlermanagement-Training“ ausgewertet, bei dem die Lernenden ausdrücklich ermutigt werden, Fehler zu machen. Sie konnten das Gelernte danach besser auf neue Aufgaben übertragen als Lernende, die man vor Fehlern bewahrt hatte. Amy Edmondson fand 1996 in Krankenhäusern, dass gerade die besten Stationen die meisten Fehler meldeten. Sie machten nicht mehr Fehler, sie trauten sich, sie zuzugeben.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der ausführende Roboter.&#039;&#039;&#039; Wer für Fehler bestraft wird, hört auf, eigene Erfahrungen zu machen. Er wird passiv und lernt nicht mehr, wie er sollte, denn man kann nicht nur anwenden, was einem eingetrichtert wird. Eigene Erfahrung hält die Dämonen aktiv, sie ist die Spontanität, die sie brauchen. Ohne sie wird man zum ausführenden Roboter, und dabei gehen Lust und Seele verloren. Die Selbstbestimmungstheorie (Deci und Ryan) beschreibt dasselbe: Menschen brauchen Autonomie, das Erleben, Urheber des eigenen Handelns zu sein, dazu Kompetenz und Eingebundenheit, und kontrollierende Umgebungen schwächen die innere Motivation. Im Engagement Index 2025 von Gallup haben in Deutschland nur 10 Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber, und Gallup sieht in den Führungskräften den zentralen Hebel dafür. Der Kreis schließt sich: Wer gemeckert bekam, wird als Chef oder Elternteil leicht selbst zum [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Mecker|Mecker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Weg zur Regel.&#039;&#039;&#039; Man macht einen Fehler und wird beschämt. Das will man dann vermeiden und handelt streng nach Regeln. Wer nach Vorschrift handelt, kann nicht beschämt werden: „Ich habe nur meine Vorschrift befolgt.“ So wird aus dem Fehlerfürchter der [[#Formal|Formal]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verachtung ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Verachtung]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ekel, Zorn · zu Hohn, Zynisch, Arroganz, Spötter, Häme, Hass&lt;br /&gt;
* Spruch: „Pfff.“ „Nicht der Rede wert.“ „Was für ein Versager.“ „Mit dem rede ich nicht.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen als unwürdig ablehnen und sich von ihm abgrenzen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand verstößt gegen die eigenen sittlichen Maßstäbe: ein Schmarotzer, ein Feigling, jemand ohne Anstand und Haltung. Jemand erscheint schwach, dumm oder ungepflegt. Jemand behauptet etwas, das man für Unsinn hält. Man muss dabei selbst nichts wollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein Mundwinkel ist einseitig angespannt und leicht gehoben. Dazu der Blick von oben herab, die Augen verdrehen, die Nase gerümpft.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf ist zurückgelegt, der Körper abgewandt. Man schaut an dem anderen vorbei oder über ihn hinweg.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unwürdige.&#039;&#039;&#039; Man will den anderen nicht herabsetzen. Man erkennt ihn als unter einem. Man sieht ihn als unwürdig und lehnt ihn ab. Vor allem auch, wenn er gegen die eigenen sittlichen Maßstäbe verstößt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Ehre schützen.&#039;&#039;&#039; Das Ganze hat also die Funktion, die Ehre gegen Missbrauch zu schützen. Zum Beispiel ist Vergeltung ein elementarer Teil von ehrenvollem Verhalten, im Guten und im Bösen. Deshalb wird der Schmarotzer mit Verachtung gestraft. Das hat die Funktion, dass sich Leute an die Regeln halten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wer die Maßstäbe erfüllen soll.&#039;&#039;&#039; Allerdings ist das auch von der geltenden Sitte abhängig und davon, wer die Maßstäbe erfüllen soll. Kinder werden zum Beispiel nicht gleich mit Verachtung gestraft. Und Ritter erwarten Ehre nicht von Bauern. Ganovenehre gilt nur für die eigene Gruppe der Ganoven. Ein Dieb beklaut nicht seine Kumpel. Die Maßstäbe der elitären Gruppe gelten nur für die Gruppe. Bei Soldaten ist es eine Schande, wenn der Kamerad vor dem Feind flieht und seine Kameraden im Stich lässt. Wenn Zivilisten fliehen, trifft sie keine Verachtung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Folgen.&#039;&#039;&#039; Verachtung hat ja auch Konsequenzen: Ausschluss aus der Gruppe, böse Blicke, Entzug von Vertrauen und Privilegien.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Kern.&#039;&#039;&#039; Verachtung sagt: Du bist minderwertig und meiner Achtung nicht würdig. Aristoteles schreibt in der &#039;&#039;Rhetorik&#039;&#039; (II 2): „You feel contempt for what you consider unimportant.“ Wer jemanden fürchte, verachte ihn nicht; man traut dem Verachteten weder Schaden noch Nutzen zu. Anders als der Zorn will die Verachtung den anderen nicht zurechtweisen, sie lehnt ihn ab.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beat them or ban them.&#039;&#039;&#039; Fischer und Roseman (2007, &#039;&#039;Beat them or ban them&#039;&#039;) unterscheiden die beiden Gefühle nach ihrer Funktion: Zorn will den anderen angreifen, Verachtung will ihn aus der Gemeinschaft ausschließen. Verachtung straft also durch Entzug der Achtung. Ich kenne die Arbeit nur nach Titel und Zusammenfassung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Rozin, Lowery, Imada und Haidt (1999, &#039;&#039;The CAD triad hypothesis&#039;&#039;) ordnen drei Gefühle drei moralischen Bereichen zu: Verachtung dem Verstoß gegen die Regeln der Gemeinschaft (Pflicht, Rang, Respekt), Zorn dem Verstoß gegen die Autonomie (Schaden, Rechte) und Ekel dem Verstoß gegen die Reinheit.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Schmarotzer.&#039;&#039;&#039; Fehr und Gächter (2002, &#039;&#039;Altruistic punishment in humans&#039;&#039;, Nature) zeigten, dass Menschen Trittbrettfahrer bestrafen, auch wenn es sie selbst etwas kostet und ihnen nichts einbringt, und dass die Zusammenarbeit dadurch stabil bleibt. Das stützt die Funktion, die Regeln zu schützen. Dort wird aktiv bestraft; die Verachtung bestraft durch Entzug der Achtung, beides kommt vor.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vergeltung und Ehre.&#039;&#039;&#039; Nisbett und Cohen (1996, &#039;&#039;Culture of Honor&#039;&#039;) beschreiben Ehrenkulturen, etwa bei Hirten, in denen Vergeltung nötig ist, um nicht als schwach zu gelten und angreifbar zu werden. Das ist der böse Teil. Den guten Teil kenne ich nicht belegt; naheliegend ist der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Dank|Dank]], das ist meine Folgerung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Grenzen der Maßstäbe.&#039;&#039;&#039; (1) Die russische Unterwelt hatte einen Kodex, die „Vorovskoy Zakon“ der „Diebe im Gesetz“. Eine Regel ist, Versprechen an Mitdiebe nicht zu brechen (History Extra; Wikipedia „Thief in law“). Diego Gambetta (&#039;&#039;Codes of the Underworld&#039;&#039;, 2009) beschreibt solche Kodizes als Antwort auf das Misstrauen unter Kriminellen. (2) Shils und Janowitz (1948, &#039;&#039;Cohesion and Disintegration in the Wehrmacht&#039;&#039;) fanden, dass deutsche Soldaten vor allem für die Gruppe der unmittelbaren Kameraden weiterkämpften. Dort hängt die Ehre; dass der Kamerad, der flieht, Schande trifft, ist meine Folgerung. (3) Costa Concordia 2012: Kapitän Francesco Schettino verließ das Schiff, als noch Passagiere an Bord waren. Ein Offizier der Küstenwache rief ihm zu: „Vada a bordo, cazzo!“ Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt, wegen fahrlässiger Tötung und Verlassens des Schiffs (Wikipedia „Francesco Schettino“). Die Passagiere, die sich retteten, hat niemand verachtet; der Maßstab gilt für den, dessen Rolle ihn verlangt. (4) Das Duell war ständisch. Genugtuung gab man nur dem Satisfaktionsfähigen, dem Standesgleichen (Ute Frevert, &#039;&#039;Ehrenmänner&#039;&#039;, 1991).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was die Folgen bewirken.&#039;&#039;&#039; (1) Ausschluss tut weh: Eisenberger, Lieberman und Williams (2003, Science) ließen Versuchspersonen in einem Ballspiel am Bildschirm ausschließen. Dabei war der vordere Gyrus cinguli (ACC) aktiver, der auch bei körperlichem Schmerz anspricht, und die Aktivität hing mit dem berichteten Leid zusammen. (2) Blicke: Wesselmann, Cardoso, Slater und Williams (2012, Psychological Science) fanden, dass es schon wehtut, wenn man „wie Luft“ angesehen wird, also der Blick durch einen hindurchgeht. Sie nehmen dafür den deutschen Ausdruck „wie Luft behandeln“ als Bild. Der böse Blick ist das Gegenstück: Er sagt dem anderen, dass man ihn bemerkt und ablehnt. (3) Die Wirkung auf die Regeln: Maier-Rigaud, Martinsson und Staffiero (2010) fanden in einem Spiel um ein Gemeinschaftsgut, dass die Möglichkeit, Mitspieler auszuschließen, die Beiträge erhöht. Das stützt, dass die Verachtung die Gruppe an die Regeln bindet. (4) Entzug von Privilegien: Bei der öffentlichen Degradierung von Alfred Dreyfus am 5. Januar 1895 in Paris wurden ihm die Abzeichen abgerissen und der Degen zerbrochen (Wikipedia „Dreyfus affair“). Das ist der Entzug des Rangs und der Ehre in einem Akt. Dreyfus war unschuldig, der Fall zeigt also auch, wie die Verachtung der Menge täuschen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Ehe.&#039;&#039;&#039; John Gottman beobachtete über Jahrzehnte Paare. Nach dem Gottman Institute ist Verachtung (Augenrollen, Spott, Herabsetzung) das stärkste Anzeichen für eine Trennung. Das Institut ist die Quelle, nicht die Originalstudie.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Mimik.&#039;&#039;&#039; Ekman und Friesen (1986) und Matsumoto (1992) fanden, dass der einseitig angehobene und angespannte Mundwinkel in den untersuchten Kulturen als Verachtung erkannt wurde. Andere Ausdrücke, etwa die gehobene Oberlippe, wurden weniger einig erkannt. Ich kenne die Arbeiten aus den Zusammenfassungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hohn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verachtung · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ha!“ „Hast du dir das so vorgestellt?“ „Das habe ich gleich gesagt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen die Verachtung zeigen, am besten vor Zeugen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Verachtete scheitert, oder er erhebt einen Anspruch, der ihm nicht zusteht.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lachen mit einem einseitig angespannten Mundwinkel, der Kopf zurückgelegt.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Hohn ist die laut ausgesprochene Verachtung. Wo die Verachtung ablehnt, zeigt der Hohn dem anderen und den Zuschauern, dass er unter einem steht. Er trifft meist den, der schon liegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Hohn als Zucht.&#039;&#039;&#039; Billig (2005, &#039;&#039;Laughter and Ridicule&#039;&#039;) schreibt, alle Kulturen setzten Hohn und Spott ein, um Normen durchzusetzen. Die Angst vor dem Spott wirke als verinnerlichte Kontrolle. Das passt zum Absatz bei der [[#Verachtung|Verachtung]], dass sie die Ehre schützt. Ich kenne die Arbeit nur nach Zusammenfassungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zynisch ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verachtung, Schmach · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jeder ist käuflich.“ „Das ist alles nur Show.“ „Wer an das Gute glaubt, ist naiv.“ „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass der das umsonst macht?“ „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ „Warte mal ab, bis du älter bist.“ „Die wollen doch alle nur dein Geld.“ „So funktioniert die Welt nun mal.“ „Ach, wie rührend!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Nicht mehr enttäuscht werden und sich überlegen fühlen, weil man alles durchschaut.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ideale, Hoffnung, ehrliche Begeisterung anderer.&lt;br /&gt;
* Bannung: Belege für die Unterstellungen verlangen: „Woher weißt du, dass er das nur aus Eigennutz macht?“ Damit muss er zwischen einer Vermutung und einer Erkenntnis unterscheiden.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Zyniker verachtet die Werte und hält sie für Heuchelei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grundhaltung.&#039;&#039;&#039; Der Zyniker ist ein Mensch, der die Ideale, Gefühle und moralischen Überzeugungen anderer verspottet, weil er sie für naiv, verlogen oder eigennützig hält. Seine Grundhaltung lautet: „Ich weiß, wie die Menschen wirklich sind.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Überlegenheit durch Entlarvung.&#039;&#039;&#039; Er genießt es, anderen ihre Illusionen zu nehmen und sich als denjenigen zu erleben, der sich nichts vormachen lässt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wen es reizt.&#039;&#039;&#039; Menschen, die Begeisterung, Mitgefühl, Hoffnung, Idealismus oder moralische Überzeugungen zeigen. Besonders reizt ihn jemand, der aufrichtig an das Gute glaubt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Zyniker sucht hinter jeder guten Handlung ein schlechtes Motiv.&lt;br /&gt;
::* Hilfsbereitschaft wird zur Selbstdarstellung.&lt;br /&gt;
::* Liebe wird zum Eigennutz.&lt;br /&gt;
::* Moral wird zur Heuchelei.&lt;br /&gt;
::* Idealismus wird zur Dummheit.&lt;br /&gt;
::* Freundlichkeit wird zur Berechnung.&lt;br /&gt;
:Dabei muss er nicht beweisen, dass seine Unterstellungen stimmen. Es genügt ihm, sie als besonders realistisch darzustellen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er dabei fühlt.&#039;&#039;&#039; Der Zyniker empfindet häufig Genugtuung, wenn er etwas scheinbar entlarvt. Er fühlt sich überlegen, abgeklärt und unangreifbar. Die Enttäuschung anderer kann ihm sogar Freude bereiten, weil sie seine Weltsicht bestätigt. Hinter dem Zynismus kann Verbitterung stecken. Das ist aber keineswegs notwendig. Manche Zyniker haben einfach Freude an ihrer intellektuellen Überlegenheit und am Spott.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Psychologischer Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Der Zyniker begeht einen charakteristischen Denkfehler: Er verwechselt die Möglichkeit eines schlechten Motivs mit dessen Nachweis. Dass jemand aus Eigennutz handeln könnte, gilt ihm bereits als Beweis, dass er es tut.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Zyniker kann nahezu alles abwerten, ohne selbst etwas leisten zu müssen. Wer etwas aufbaut, kann scheitern. Wer nur verspottet, geht dieses Risiko nicht ein. Seine vermeintliche Menschenkenntnis ist zudem kaum widerlegbar: Handelt jemand schlecht, fühlt er sich bestätigt. Handelt jemand gut, vermutet er ein verborgenes Motiv.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder scharfe Kritiker oder Spötter ist ein Zyniker. Der entscheidende Unterschied ist, dass der Zyniker gute Motive grundsätzlich verdächtigt, während ein kritischer Mensch sie anhand von Belegen beurteilt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Woran man zynisch wird.&#039;&#039;&#039; Zynisch wird man, wenn man etwas Ehrenwertes erreichen will und an der Unwürdigkeit der anderen scheitert oder am Schicksal.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Entstehung.&#039;&#039;&#039; Der Ausgangspunkt ist die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Der Zyniker wollte etwas, das ihm wertvoll war: Gerechtigkeit, Anerkennung, Liebe, Erfolg oder eine bessere Welt. Aber die Wirklichkeit hat seinen Erwartungen widersprochen. Dabei sind drei Entstehungswege besonders interessant:&lt;br /&gt;
::* Der enttäuschte Idealist: Er hat an das Gute geglaubt und erlebt, dass Menschen heucheln, betrügen oder ihre Ideale verraten.&lt;br /&gt;
::* Der verhinderte Ehrgeizige: Er wollte etwas erreichen, wurde aber durch Inkompetenz, Intrigen oder die Macht unwürdiger Menschen daran gehindert.&lt;br /&gt;
::* Der Gescheiterte: Er hatte Hoffnungen und Ambitionen, die an Umständen, Zufällen oder eigenen Grenzen gescheitert sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die entscheidende psychologische Wendung.&#039;&#039;&#039; Aus „Die Welt ist nicht so, wie sie sein sollte“ wird: „Die Welt ist schlecht, und wer etwas anderes glaubt, ist ein Narr.“ Damit verwandelt er seine Enttäuschung in eine vermeintliche Erkenntnis. Das hat eine wichtige psychologische Funktion: Er muss nicht mehr unter der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit leiden, wenn er den Wunsch selbst für lächerlich erklärt. Wer nichts Gutes mehr erwartet, kann nicht mehr auf dieselbe Weise enttäuscht werden. Und jetzt kommt ein weiterer Mechanismus hinzu: Er verachtet an anderen gerade die Hoffnungen, die er selbst einmal hatte. Wenn er einen Idealisten verspottet, bekämpft er gewissermaßen sein früheres Ich.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Genuss am Zynismus.&#039;&#039;&#039; Seine Enttäuschung erklärt die Entstehung, aber noch nicht vollständig, weshalb er sein Verhalten fortsetzt. Hier entsteht eine neue Belohnung: die Genugtuung, recht zu behalten. Jede neue Ungerechtigkeit bestätigt seine Weltsicht. Jeder gescheiterte Idealist liefert ihm einen Triumph. „Siehst du! Ich habe es dir doch gesagt.“ Damit kann der Zynismus zur Gewohnheit werden und sich selbst erhalten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Inneres Motiv.&#039;&#039;&#039; Die schmerzliche Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit beseitigen, indem er den Wunsch entwertet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Einschränkung.&#039;&#039;&#039; Dass jeder Zyniker zwingend selbst ein enttäuschter Idealist gewesen sein muss, ist psychologisch nicht nachgewiesen. Zynische Haltungen können auch durch Erziehung, Vorbilder oder ein dauerhaft misstrauisches Umfeld entstehen. Aber die Erklärung trifft einen besonders wichtigen Mechanismus: Der Zyniker hat nicht unbedingt aufgehört, sich eine bessere Welt zu wünschen. Er hat aufgehört, an sie zu glauben. Und genau deshalb kann ihn der Idealist so reizen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Kanter und Mirvis (1989) sowie Dean, Brandes und Dharwadkar (1998) beschreiben Zynismus als Folge enttäuschter Erwartungen, geprägt von Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung und Ernüchterung und verbunden mit Geringschätzung, Ekel und Misstrauen (Andersson 1996, nach Auszügen). Sloterdijk (&#039;&#039;Kritik der zynischen Vernunft&#039;&#039;, 1983) nennt den Zynismus „aufgeklärtes falsches Bewusstsein“ und trennt ihn vom Kynismus des Diogenes, der mit dem Spott Missstände aufdeckte. Der Zyniker hat die Aufklärung gelernt, aber nicht vollzogen. Die Studien betreffen Beschäftigte in Organisationen. Dass die Schmach der zweite Elternteil ist, lese ich so: Wer enttäuscht oder gedemütigt wurde, schützt sich, indem er die Hoffnung selbst abwertet. Das ist meine Deutung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Zyniker als klug.&#039;&#039;&#039; Stavrova und Ehlebracht (2019, &#039;&#039;Personality and Social Psychology Bulletin&#039;&#039; 45(2), 254–269) nennen das „Cynical Genius Illusion“: Laien halten Zyniker für kognitiv überlegen. Die Studien (nach dem Abstract) bestätigen das nicht. Kompetentere Menschen sind nur dort zynisch, wo es in ihrer Umgebung berechtigt ist, weniger kompetente sind es unabhängig davon. Die Autoren deuten das als Schutz davor, auf die Tücke anderer hereinzufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arroganz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verachtung, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Sich über andere zu stellen, ohne ihren Beifall dafür zu brauchen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gelegenheit, die angebliche oder eingebildete Überlegenheit auszuleben. Er muss nichts wollen. Zuweilen ist die Überlegenheit echt. Vor Menschen mit höherem Status ist der Arrogante eher nicht arrogant. Status gibt es auf verschiedenen Gebieten: Geld, Macht, Fähigkeiten, Schönheit, alles, was Status und Rang verleiht.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei anderen, indem man ihm die Gelegenheit nimmt: das Verhalten benennen („Du kannst mir widersprechen, aber du brauchst mich dabei nicht abzuwerten“), nicht auf den Wettbewerb einsteigen, Konsequenzen durchsetzen und die Herabsetzung nicht belohnen, durch Lachen oder Zustimmung. Dass er sich vor dem Chef anders verhält, zeigt, dass andere Dämonen ihn zügeln können, wenn ihm Folgen drohen ([[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]]). Das ist kein Bann: Wenn er nach oben oder vor dem Stärkeren nicht arrogant ist, bleibt der Hunger. Das ist allgemein üblich: Der Wüterich greift auch keinen Sumo-Ringer an. Bei sich selbst: Von alleine kommt keine Einsicht. Nur durch Zwang: eine ordentliche Ansage von einer Autorität, andere nicht schlecht zu behandeln, und die üblichen Strafen, Ausschluss aus der Gruppe, Entzug von Vorteilen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Arrogante schaut auf andere herab und weiß ihre Vorzüge nicht zu schätzen, ihre Fähigkeiten, ihr Aussehen, ihre Stellung. Er hält sich für etwas Besonderes. Das kann auf Tatsachen beruhen, auf Schönheit oder Stellung, aber das ist irrelevant. Manche sind arrogant, die meisten nicht. Es gibt Chefs, die dem Handwerker einen Kaffee bringen. Mit der Stellung hat es also nicht primär zu tun, und es gibt auch Menschen, die ohne jede Rechtfertigung arrogant sind.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ὑπερηφανία: „Pompousness is contempt for everybody save one’s self.“ Wer ein dringendes Anliegen hat, den bestellt er zu seinem Spaziergang nach dem Essen. Hat er einen Gefallen getan, erinnert er daran. Auf der Straße grüßt er niemanden und senkt die Augen. Vor einem Besuch schickt er einen Boten. In Briefen schreibt er nicht „Du würdest mir einen Gefallen tun“, sondern „Ich will, dass das getan wird“ und „Sofort!“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach oben duckt er sich.&#039;&#039;&#039; Der Arrogante tritt nach unten und duckt sich nach oben. Van Quaquebeke und Gerpott beschreiben Vorgesetzte, die den Chefs schmeicheln und die Mitarbeiter unter Druck setzen, aus Streben nach Status („Kiss up, kick down“).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fünf Antriebe.&#039;&#039;&#039; Die Arroganz hat mehrere Antriebe, einzeln oder zusammen:&lt;br /&gt;
* Rang: Sie will in der Rangordnung höher stehen.&lt;br /&gt;
* Genuss: Das Gefühl, anderen überlegen zu sein, belohnt sie.&lt;br /&gt;
* Macht: Sie will bestimmen, wer recht hat und wessen Meinung zählt.&lt;br /&gt;
* Gewohnheit: Was Anerkennung, Aufmerksamkeit oder Unterordnung einbringt, setzt sich fest. Bleiben Folgen aus, ändert sich nichts.&lt;br /&gt;
* Schutz: Sie wehrt Angriffe auf das Selbstbild ab, auch die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]].&lt;br /&gt;
:Sie setzt weder Unsicherheit noch Minderwertigkeitsgefühl voraus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten Stolz.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2007) trennen den echten Stolz, der mit Leistung und Selbstachtung zusammenhängt, vom hubristischen, der mit Narzissmus verbunden ist, mit Aggression, Feindseligkeit und Beziehungskonflikten. Die Arroganz gehört zum zweiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spötter ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verachtung, Kobold · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, da hat jemand aber große Pläne.“ Dazu die Pointe auf Kosten des anderen.&lt;br /&gt;
* Hunger: Die Lacher auf seiner Seite haben und den anderen lächerlich machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand ist pathetisch, eitel, unbeholfen oder redet Unsinn.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Spötter ist der Hohn mit Witz. Der [[Kobold]] liefert den Humor, die Verachtung die Richtung. Ruch und Proyer (2009) nennen die Freude daran, andere auszulachen, Katagelastizismus, das Gegenstück zur Gelotophobie, der Angst vor dem Ausgelachtwerden.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spott und Auftritt.&#039;&#039;&#039; Ein Beispiel ist Ali vor dem Kampf gegen Liston (siehe [[#Krieger|Krieger]]). Ich kenne die Arbeiten von Ruch und Proyer nur nach Titeln und Zusammenfassungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Häme ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verachtung, Piesacker, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] · zu Troll&lt;br /&gt;
* Spruch: „Geschieht dir recht.“ „Selber schuld.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Unglück des anderen genießen und es ihn merken lassen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Dem Verachteten oder Beneideten passiert etwas Schlimmes.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Häme ist die ausgelebte Schadenfreude. Das Gefühl allein ist still; die Häme zeigt es und sticht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Neid und Genugtuung.&#039;&#039;&#039; Bei der Häme kommt der Neid dazu, und dann die Genugtuung, wenn man überlegen ist. Nachtreten ist Rache für die Unterlegenheit.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Smith u. a. (1996) fanden, dass Neid Schadenfreude erzeugt, wenn der Beneidete ein Unglück erlebt. Van Dijk u. a. (2006) haben die Rolle des Neids dabei neu untersucht (&#039;&#039;When people fall from grace: Reconsidering the role of envy in Schadenfreude&#039;&#039;); das Ergebnis habe ich nicht gelesen, deshalb steht hier nur, dass Neid dazugehört. Cikara und Fiske (2011) fanden Freude am Unglück bei Gruppen, die man verachtet oder beneidet, auch an der Gesichtsmuskulatur messbar. Zum Nachtreten: Baumeister, Smart und Boden (1996) fanden, dass Gewalt am häufigsten aus bedrohtem Selbstbild folgt, wenn eine hohe Selbsteinschätzung von jemandem oder etwas bestritten wird. Das ist keine Studie über Nachtreten, aber es stützt den Satz. Beim Lynchmord an Jesse Washington (siehe [[#Hass|Hass]]) war die Häme die Freude der Menge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drohender ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Wüterich · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wehe, du …“ „Wenn du das noch einmal tust, dann …“ „Ich warne dich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dass der andere nachgibt oder zurückweicht, ohne dass es zum Kampf kommt.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Rivale oder Eindringling, den man nicht angreifen will oder nicht angreifen kann, oder ein Gegner, dem man den Rückzug erleichtern will.&lt;br /&gt;
* Mimik: Finsterer Blick, zusammengezogene Brauen, gebleckte oder zusammengepresste Zähne.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufgerichtet, breit, nach vorn gebeugt, die Fäuste geballt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Drohende ist der Wüterich vor dem Ausbruch. Er zeigt die Wut, damit sie nicht gebraucht wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mehr Drohung als Tat.&#039;&#039;&#039; Es wird viel mehr gedroht, als es tatsächlich zum Angriff oder Wutausbruch kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Bei Tieren ist das gut belegt (Maynard Smith und Price 1973: „begrenzter Krieg“). Beim Menschen zeigt eine Studie an Studierenden, dass psychische Aggression in Paarbeziehungen häufiger ist als körperliche (nach dem Abstract). Eine Zahl, die Drohung und Tat direkt vergleicht, habe ich nicht gefunden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die unterschwellige Drohung.&#039;&#039;&#039; Interessant ist dabei auch die unterschwellige Drohung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die offizielle Drohung.&#039;&#039;&#039; Oder auch die offizielle Drohung mit Sanktionen oder Ausschluss. Damit wird leider in Schule und Studium gearbeitet. Auch im Beruf. Und damit erreicht man die gewünschte Leistung oder das gewünschte Verhalten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege zur unterschwelligen Drohung.&#039;&#039;&#039; Pinker, Nowak und Lee (2008, &#039;&#039;PNAS&#039;&#039; 105(3), 833–838) nennen veiled threats ausdrücklich als Beispiel für indirekte Sprache. Der Sprecher behält „plausible deniability“: Ein kooperativer Hörer versteht die Drohung, ein unkooperativer kann nicht feindlich darauf reagieren. Das erklärt, warum die unterschwellige Drohung so verbreitet ist. Gelesen habe ich den Abstract.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg und Grenze.&#039;&#039;&#039; Dass die Drohung die gewünschte Leistung erreicht, stimmt nur eingeschränkt. Gneezy und Rustichini (2000, &#039;&#039;Journal of Legal Studies&#039;&#039; 29(1), 1–17) führten in Kindertagesstätten eine Geldstrafe für Eltern ein, die ihr Kind zu spät abholten. Die Verspätungen nahmen zu, und nach Abschaffung der Strafe sank die Zahl nicht wieder. Die Strafe wurde als Preis verstanden. Das zeigt, dass eine Sanktion das Verhalten nicht immer wie gewünscht lenkt. Gelesen habe ich den Abstract; Schule und Beruf prüft die Studie nicht. Die Gegenseite steht schon beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Strafe fürs Fehlermachen hemmt das Lernen. Einen Beleg dafür, dass Drohungen in Schule und Beruf die Leistung steigern, habe ich nicht gefunden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chef, der Stress macht.&#039;&#039;&#039; Man kennt den Chef, der seinen Mitarbeitern Stress macht. Und Stress in der Bedeutung ist Angst. Womit verursacht der das? Mit offenen oder unterschwelligen Drohungen. Verdeutlicht dadurch, dass er sie gelegentlich tatsächlich zur Sau macht oder seine Wut auslässt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Choleriker unter Chefs.&#039;&#039;&#039; Der Typus des Cholerikers ist unter Chefs häufiger als im Durchschnitt der Bevölkerung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege zum Chef.&#039;&#039;&#039; Tepper (2000, &#039;&#039;Academy of Management Journal&#039;&#039; 43(2), 178) nennt das „abusive supervision“: das anhaltende Zeigen feindseliger verbaler und nonverbaler Verhaltensweisen von Vorgesetzten, ohne Körperkontakt. Nach Tepper (2007, Übersichtsartikel) betrifft das schätzungsweise 13,6 % der US-Beschäftigten (nach einem Auszug, die Zahl stammt aus zweiter Hand). Tiedens (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 80(1), 86–94) fand, dass Menschen Personen, die Ärger zeigen, mehr Status zuschreiben als Personen, die Traurigkeit zeigen. Das erklärt, warum Wut in Führungspositionen nicht bestraft, sondern oft belohnt wird.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zur Häufigkeit.&#039;&#039;&#039; Dass der Choleriker unter Chefs häufiger ist, habe ich nicht direkt belegt gefunden, denn die Forschung misst den Typ „Choleriker“ nicht. Indizien gibt es für verwandte Züge: Babiak, Neumann und Hare (2010, &#039;&#039;Behavioral Sciences &amp;amp; the Law&#039;&#039; 28, 174–193) fanden in einer Stichprobe aus Unternehmen höhere psychopathische Züge als bei Vergleichspersonen, und wer höher punktete, hatte eher höhere Posten. Landay, Harms und Credé (2019, &#039;&#039;Journal of Applied Psychology&#039;&#039; 104, 183–196) untersuchten den Zusammenhang von Psychopathie und Führung in einer Metaanalyse; nach einem anderen Text ist der Zusammenhang mit dem Erlangen von Führungspositionen schwach positiv, bestätigt habe ich nur die Quelle. Beides betrifft Psychopathie und nicht Wut. Die Annahme, dass Führungsrollen solche Züge anziehen oder belohnen, bleibt eine Hypothese.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Choleriker.&#039;&#039;&#039; Der Choleriker brüllt gewohnheitsmäßig und bei kleinen Anlässen, der Drohende droht mit etwas Bestimmtem. Das ist eine Ableitung aus dem Eintrag zum [[#Choleriker|Choleriker]], nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Maynard Smith und Price (1973, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 246, 15–18) zeigen, dass Konflikte zwischen Tieren derselben Art meist vom Typ „begrenzter Krieg“ sind und keine schweren Verletzungen verursachen. Das erklärt, warum Tiere drohen, statt sofort zu beißen. Sell, Tooby und Cosmides (2009), die schon beim [[#Choleriker|Choleriker]] stehen, beschreiben die Wut als Verhandlungsmittel, das Kosten androht oder Vorteile entzieht, damit der andere Rücksicht nimmt. Beides habe ich nur im Abstract gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Hund, der knurrt und die Zähne zeigt, bevor er beißt. Der Autofahrer, der die Lichthupe betätigt oder dicht auffährt. Der Vorgesetzte, der sagt: „Das hat Konsequenzen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krieger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Wüterich, Jagdtrieb, Perfektionist · zu Beschützer&lt;br /&gt;
* Hunger: Der Kampf und die Herausforderung, Widerstände zu überwinden, in Etappen. Jede Etappe endet mit einem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Sieg|Sieg]].&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Angriff auf einen selbst oder auf die Seinen: Kinder, Nest, Revier. Der Konkurrent im Beruf, der Nebenbuhler.&lt;br /&gt;
* Bannung: Der Gegner ist geschlagen, geflohen oder hat sich ergeben. Oder der Plan geht nicht mehr auf, dann Rückzug.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ernst, der Kiefer fest, der Blick unbeweglich auf das Ziel. Keine Wut im Gesicht, eher Kälte.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, das Kinn leicht gehoben, ein fester Stand, ruhige Bewegungen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieg.&#039;&#039;&#039; Man führt tatsächlich einen Krieg bei einem Angriff. Gegen den Konkurrenten im Beruf. Gegen den Nebenbuhler. Das ist ein verbreiteter Typus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Kriterien.&#039;&#039;&#039; Beim Krieger gibt es zwei Kriterien dafür, was ein Sieg ist. Beim Fußball foulen die, wenn keiner hinsieht. Beim Snooker korrigiert der Spieler den Schiedsrichter, wenn der den Ball wieder hinlegt. Zu seinem eigenen Nachteil. Dem einen geht es nur ums Gewinnen. Dem anderen um den verdienten Sieg. Dabei geht es um Ehre. Auch ohne Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ehre.&#039;&#039;&#039; Der Unterschied ist Ehre. Und Ehre war ursprünglich der Ruf vor Publikum. Später auch ohne äußeres Publikum. Nur vor sich selbst. Er will beweisen, dass er besser ist. Das gibt Selbstbewusstsein und Hochgefühl. Beide sind dasselbe Wesen. Nur das Kriterium ist anders, was ein Sieg bedeutet. [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] durch Sieg. Oder Geltung durch ehrliche Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wer bremst.&#039;&#039;&#039; Den einen bremst der Schiedsrichter von außen, den anderen die Ehre von innen. Die Ehre ist nach innen gewanderte Geltung: Er hat das Publikum verinnerlicht, so wie der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]] der nach innen gewanderte Tröster ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Wüterich unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Wüterich reagiert im Affekt und hat im Augenblick der Wut die ganze Macht. Der Krieger ist diszipliniert, geht mit Plan vor und ist effektiv. Er ist auf das Ziel fixiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiß und kalt.&#039;&#039;&#039; Die Psychologie unterscheidet reaktive und proaktive Aggression (Dodge und Coie 1987). Reaktiv ist die Antwort auf einen Reiz, heiß und schnell. Proaktiv ist Aggression als Mittel für ein Ziel, kalt und geplant. Der Wüterich ist die reaktive, der Krieger die proaktive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vorbereitung.&#039;&#039;&#039; Der Krieger kämpft nicht sofort. Er klärt zuerst, wer der Gegner ist, was er kann und wo er schwach ist. Im Beruf sammelt er Informationen über den Konkurrenten, bevor er etwas sagt. Er wartet auf den richtigen Moment, den der Wüterich nie abwartet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Er holt, wen er braucht.&#039;&#039;&#039; Er setzt andere Dämonen für seine Zwecke ein. Der Krieger holt auch ihm fremde Dämonen als Werkzeug: den [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Moralist|Moralist]]. Freundlichkeit als List. Oder zum Beispiel den [[Kobold]] als Waffe. Spott.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Moralist hält dem Gegner vor, was sich gehört, und setzt ihn vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Die Freundlichkeit lächelt, lädt zum Kaffee ein und erfährt dabei, was später gebraucht wird. Das ist die Kriegslist, die alte Heere kannten, zum Beispiel das Trojanische Pferd. Der Spott des Kobolds trifft den Gegner an seiner schwachen Stelle, und die anderen lachen mit. Wer vor den anderen lächerlich gemacht wird, kämpft schlechter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn der Krieg gewonnen ist.&#039;&#039;&#039; Er ist verwirrt, wenn der Krieg gewonnen ist ohne weiteren Gegner, und sucht eine neue Herausforderung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die vierzehn Achttausender.&#039;&#039;&#039; Jede Spitze ist eine Etappe mit einem Sieg, dann kommt der nächste Berg. Reinhold Messner war am 16. Oktober 1986 der Erste auf allen vierzehn Achttausendern, ohne zusätzlichen Sauerstoff (Wikipedia, Global Summit Guide). Jerzy Kukuczka war 1987 der Zweite. Nirmal Purja stieg 2019 in 189 Tagen auf alle vierzehn, Kristin Harila und Tenjen Lama Sherpa 2023 in 92 Tagen (ExpedReview). Das ist kein Affekt, sondern Plan und Vorbereitung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Achill, Hektor, Odysseus.&#039;&#039;&#039; Die Ilias beginnt mit dem Zorn des Achill, und er schleift Hektors Leiche. Hektor kämpft für seine Stadt, nachdem er sich von Frau und Kind verabschiedet hat. Auf Odysseus geht die List mit dem Trojanischen Pferd zurück. Achill ist der Wüterich, Hektor der Krieger mit dem Beschützer, Odysseus der Krieger mit der List.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ali vor dem Kampf.&#039;&#039;&#039; Vor dem Kampf gegen Sonny Liston 1964 nannte Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, den Weltmeister einen „big ugly bear“ und rief beim Wiegen: „Someone is going to die at ringside tonight!“ Ein Arzt maß seinen Puls mit 120 Schlägen pro Minute. Das war Spott und Auftritt in einem (Wikipedia, Press Herald, Miami Herald).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Für wen er kämpft.&#039;&#039;&#039; Shils und Janowitz (1948) fanden bei der Wehrmacht, dass die Soldaten vor allem für ihre kleine Gruppe kämpften und nicht für Ideologie. Der Krieger kämpft selten für sich allein, sondern für die Seinen. Hier schließt der Beschützer an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ihn antreibt.&#039;&#039;&#039; Der Krieger will nicht einfach nur gewinnen. Er will sich im Kampf bewähren.&lt;br /&gt;
:Ein Sieg über einen schwachen Gegner befriedigt ihn weniger als ein schwer errungener Sieg über einen ebenbürtigen oder überlegenen Gegner.&lt;br /&gt;
:Deshalb kann er seinen Gegner sogar bewundern. Dessen Stärke steigert den Wert des eigenen Sieges.&lt;br /&gt;
:Er unterscheidet sich damit vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der seine Überlegenheit gern an Schwächeren demonstriert. Der Krieger sucht die Herausforderung, nicht notwendig ein wehrloses Opfer.&lt;br /&gt;
:Sein Stolz gründet auf dem, was er geleistet und überwunden hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Erlebniswelt.&#039;&#039;&#039; Wenn der Krieger erwacht, verändert sich die Welt.&lt;br /&gt;
:Schwierigkeiten erscheinen ihm nicht mehr als lästige Hindernisse, sondern als Herausforderungen. Gefahr kann ihn beleben. Er empfindet Entschlossenheit, Kampfeslust und die Bereitschaft, Schmerzen und Entbehrungen hinzunehmen.&lt;br /&gt;
:Seine Aufmerksamkeit richtet sich auf Gegner, Kräfteverhältnisse, Schwachstellen und Handlungsmöglichkeiten.&lt;br /&gt;
:Er denkt weniger darüber nach, wie unangenehm eine Situation ist, sondern darüber, wie er sie bestehen kann.&lt;br /&gt;
:Typische Gedanken, als sinngemäße Beispiele und nicht als belegte Zitate:&lt;br /&gt;
:* „Jetzt erst recht!“&lt;br /&gt;
:* „So leicht gebe ich nicht auf.“&lt;br /&gt;
:* „Der ist gut. An dem muss ich mich messen.“&lt;br /&gt;
:* „Das wird schwer. Umso besser.“&lt;br /&gt;
:* „Ich lasse mich nicht einschüchtern.“&lt;br /&gt;
:* „Ich will wissen, was ich kann.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Krieger, Wüterich und Beschützer.&#039;&#039;&#039; Diese drei Typen können gemeinsam auftreten, haben aber unterschiedliche Motive.&lt;br /&gt;
:Der Wüterich will angreifen, weil ihn etwas reizt oder verletzt.&lt;br /&gt;
:Der Beschützer kämpft, weil jemand in Gefahr ist.&lt;br /&gt;
:Der Krieger kämpft, weil er sich einer Herausforderung stellen und darin bewähren will.&lt;br /&gt;
:Der Krieger muss deshalb nicht wütend sein. Er kann sogar ausgesprochen ruhig, konzentriert und beherrscht handeln.&lt;br /&gt;
:Und der Beschützer kann den Krieger beschwören: Die Bedrohung eines geliebten Menschen wird dann zur Herausforderung, die er unbedingt bestehen will.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ehre und Revier.&#039;&#039;&#039; Das Revier des Kriegers besteht nicht nur aus einem Gebiet, das er verteidigt. Es umfasst auch seine Stellung, seine Fähigkeiten und seine Selbstachtung.&lt;br /&gt;
:Eine Niederlage kann er hinnehmen, wenn er ehrenhaft gekämpft hat. Eine Demütigung dagegen kann ihn schwer treffen.&lt;br /&gt;
:Seine Ehre hängt daran, dass er sich als mutig, zuverlässig und kampffähig erlebt.&lt;br /&gt;
:Dabei gibt es zwei unterschiedliche Entwicklungen:&lt;br /&gt;
:Der selbstsichere Krieger kennt seine Stärke und muss sie nicht ständig vorführen.&lt;br /&gt;
:Der unsichere Krieger fühlt sich dauernd herausgefordert. Jede Kritik wird zum Angriff auf seine Ehre, jede Meinungsverschiedenheit zum Machtkampf.&lt;br /&gt;
:Dann droht der Krieger unter die Herrschaft von Geltung, Stolz oder Wut zu geraten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Krieger im Frieden.&#039;&#039;&#039; Der Krieger braucht keinen Krieg.&lt;br /&gt;
:Er kann sich im Sport, in schwierigen handwerklichen Aufgaben, in der Forschung, bei Expeditionen oder im Einsatz gegen Ungerechtigkeit entfalten.&lt;br /&gt;
:Entscheidend ist, dass es etwas zu überwinden gibt.&lt;br /&gt;
:Ein Wissenschaftler, der jahrelang an einem schwierigen Problem arbeitet, kann den Krieger ebenso erleben wie ein Bergsteiger vor einer gefährlichen Route.&lt;br /&gt;
:Dabei kann sich der Krieger mit Neugier, Ehrgeiz, Schöpferkraft oder Gerechtigkeitssinn verbinden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schattenseite.&#039;&#039;&#039; Der Krieger kann süchtig nach Auseinandersetzungen werden.&lt;br /&gt;
:Dann sucht er Gegner, obwohl es keine Notwendigkeit zum Kampf gibt. Frieden erscheint ihm langweilig, Nachgeben als Schwäche und Zusammenarbeit als Unterwerfung.&lt;br /&gt;
:Er kann Konflikte verschärfen, nur um seine Kräfte zu spüren.&lt;br /&gt;
:Besonders gefährlich wird die Verbindung mit Geltung und Herrschsucht. Dann geht es nicht mehr um Bewährung, sondern darum, andere zu besiegen und zu beherrschen.&lt;br /&gt;
:Der Gegner wird vom geschätzten Herausforderer zum Feind, der vernichtet werden soll.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Meisterschaft.&#039;&#039;&#039; Die höchste Entwicklung des Kriegers besteht nicht darin, jeden Kampf zu gewinnen, sondern selbst entscheiden zu können, welcher Kampf es wert ist, geführt zu werden.&lt;br /&gt;
:Ein erfahrener Krieger muss nicht auf jede Provokation reagieren. Er kann eine Herausforderung ablehnen, ohne sich feige zu fühlen.&lt;br /&gt;
:Er besitzt die Kraft zum Kampf, aber auch die Freiheit, sie nicht einzusetzen.&lt;br /&gt;
:Der Krieger liebt nicht das Leiden. Er liebt die Bewährung, für die er Leiden in Kauf nimmt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Der Krieger ohne Gegner erfindet einen. Er sucht im Betrieb Streit, wo keiner ist, oder macht aus einem Kollegen einen Feind. Soldaten, die nach Hause kommen, finden den Frieden oft schwer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mit dem Beschützer.&#039;&#039;&#039; Er arbeitet mit dem Beschützer zusammen. Wo es um die Seinen geht, kämpft er auch gegen stärkere Feinde (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rache ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zorn, Jagdtrieb · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Rache ist vollführter Zorn. Der Zorn will strafen, die Rache straft. Dazu braucht es ein Motiv: ein Unrecht, das jemand getan hat, und der Wille, es zu vergelten. Rache ist deshalb nicht spontan wie die Wut. Sie kann Jahre warten, plant und trifft genau den, der es getan hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Graf von Monte Christo.&#039;&#039;&#039; Edmond Dantès wird verraten und verbringt vierzehn Jahre im Gefängnis. Als er herauskommt, zahlt er jedem seiner Verräter heim, was ihm angetan wurde, und das mit Geduld, Verkleidung und Geld. Das ist keine Wut. Die Wut hätte ihn im Kerker verzehrt. Der Roman hat die Rache zum Stoff, weil sie ein langer, kalter Weg ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße und kalte Aggression.&#039;&#039;&#039; Hier zeigt sich der Unterschied, der bei Wüterich und Amok schon steht: Wut entlädt sich laut und sofort, Rache zielt leise. Der Zorn gibt ihr das Urteil, der Jagdtrieb die Ausdauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Danach.&#039;&#039;&#039; Zorn ist langwierig, und wer an die Umsetzung glaubt, bekommt daraus einen Sinn. Nach dem Vollzug ist der Sinn weg, und mancher weiß mit seinem Leben nichts mehr anzufangen. Die anderen Dämonen schweigen dann, so wie sie es all die Jahre gelernt haben (siehe [[Grundlagen#Was daraus folgt|Wenn der Dämon sein Ziel verliert]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man damit tut.&#039;&#039;&#039; Natürlich heißt nicht erlaubt. Auch die gerechteste Rache bleibt Selbstjustiz, und der Rächer wird selbst zum Täter. Auch Dumas lässt seinen Grafen am Ende zweifeln, ob er zu weit gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hass ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zorn, Verachtung, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Ekel|Ekel]], [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Solche Leute sind das Letzte.“ „Der hat nichts anderes verdient.“ „Ohne diese Menschen wäre die Welt besser.“ „Ich werde dem niemals verzeihen.“ „Es geschieht ihm recht.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dass das verhasste Objekt verschwindet, bestraft, gedemütigt oder seiner Macht beraubt wird.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Anblick der Person oder der Gruppe. Ihr Name, ihre Stimme, ihr Foto. Ihr Erfolg, den der Hassende als eigene Niederlage erlebt. Eine neue Kränkung oder die Erinnerung an die alte. Eine wirkliche oder eingebildete Bedrohung. Bei einer Gruppe: die Hetze der Demagogen, Nachrichten über einzelne Vorfälle, ihre Zeichen und Symbole.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Bedenken. Sie hemmen das Handeln, aber das Wollen bleibt. Bei Gruppen senkt persönlicher Kontakt die Vorurteile (Pettigrew und Tropp 2006, 515 Studien). Ob das auch den Hass selbst bannt, ist offen. Siehe [[Bannung#Gegendämonen|Bannung]].&lt;br /&gt;
* Mimik: Verachtung, Ekel, Ärger oder Zorn passen. Dazu kann eine Spur Angst kommen: die Brauen gehoben und zusammengezogen, die Augen weit, die Lippen gespannt. Beim kalten Hass kann das Gesicht ganz unbewegt sein.&lt;br /&gt;
* Haltung: Bei heißem Hass ist der Körper angespannt, der Kiefer mahlt, die Fäuste sind geballt. Bei kaltem Hass ist er ruhig und beherrscht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Hass ist eine anhaltende, feindselige Haltung gegenüber einem Menschen oder einer Gruppe, deren Existenz, Eigenschaften oder Verhalten als unerträglich, bedrohlich oder verwerflich empfunden werden. Anders als Wut, die meist auf ein konkretes Ereignis reagiert, richtet sich Hass gegen die Person selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Motiv.&#039;&#039;&#039; Der Hassende will nicht unbedingt etwas besitzen oder erreichen. Er will, dass das verhasste Objekt verschwindet, bestraft, gedemütigt oder seiner Macht beraubt wird. Dahinter können unterschiedliche Motive stehen:&lt;br /&gt;
::* Rache: Der andere soll für erlittenes Unrecht bezahlen.&lt;br /&gt;
::* Bedrohungsabwehr: Der andere wird als Gefahr für die eigene Person, Gruppe oder Lebensordnung betrachtet.&lt;br /&gt;
::* Neid und Kränkung: Der andere verkörpert etwas, das man selbst nicht besitzt oder das den eigenen Selbstwert verletzt.&lt;br /&gt;
::* Moralische Verurteilung: Der andere wird als grundsätzlich böse oder verwerflich angesehen.&lt;br /&gt;
::* Gruppenzugehörigkeit: Gemeinsamer Hass schafft Zusammenhalt und ein Gefühl der Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was der Hassende fühlt.&#039;&#039;&#039; Hass kann mit Zorn, Ekel, Verachtung und Abscheu verbunden sein. Er kann aber auch erstaunlich kalt sein. Der Hassende muss nicht ständig wütend sein. Er kann ruhig und überlegt handeln und trotzdem die Vernichtung seines Gegners wünschen. Besonders interessant: Hass kann Befriedigung erzeugen. Wenn dem Verhassten etwas Schlechtes widerfährt, empfindet der Hassende möglicherweise Freude, Genugtuung oder Erleichterung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was der Hassende sagt.&#039;&#039;&#039; Die Aussagen (siehe Spruch) zeigen eine wichtige Eigenschaft: Der Hassende betrachtet das Leiden des anderen nicht mehr unbedingt als etwas Schlechtes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hass, Wut und Verachtung.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Gefühl !! Innerer Kern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wut || Du hast etwas getan, das ich nicht akzeptiere.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verachtung || Du bist minderwertig und meiner Achtung nicht würdig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Hass || Du bist etwas, das ich nicht ertragen will.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Rachsucht || Du sollst für das bezahlen, was du getan hast.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum Hass so lange anhält.&#039;&#039;&#039; Hass kann sich selbst stabilisieren. Der Hassende interpretiert neue Informationen über den Gegner bevorzugt negativ. Gute Handlungen werden als Heuchelei abgewertet, schlechte als Bestätigung seines Urteils betrachtet. Dadurch entsteht ein Kreislauf: Der Hass liefert die Begründung für sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der entscheidende psychologische Punkt.&#039;&#039;&#039; Hass benötigt nicht zwingend Angst, Minderwertigkeitsgefühle oder persönliche Verletzungen. Ein Mensch kann hassen, weil er gelernt hat, bestimmte Menschen als Feinde zu betrachten, weil er daraus soziale Anerkennung gewinnt oder weil ihm ihre Bestrafung Freude bereitet. Hass ist deshalb nicht immer eine unkontrollierte Emotion. Er kann auch eine bewusst gepflegte Haltung sein. Die gefährlichste Entwicklung beginnt dort, wo der Hassende das Leiden des anderen nicht nur hinnimmt, sondern als gerecht und wünschenswert betrachtet.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hass auf eine Person.&#039;&#039;&#039; Man kann eine Person hassen. Ursache ist eine zugefügte Verletzung. Da ist gewiss die Bereitschaft, dieser Person Schaden zuzufügen, und die Phantasie darüber.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie Hass auf eine Person entsteht.&#039;&#039;&#039; Hass auf eine bestimmte Person hat eine Entstehungsgeschichte. Er entsteht nicht grundlos, auch wenn die Gründe auf Irrtümern beruhen können. Entscheidend ist, was der andere für den Hassenden bedeutet.&lt;br /&gt;
::* Verletzung: Die Person hat ihm etwas angetan, das er nicht verzeihen kann. Aus Wut wird dauerhafte Feindschaft.&lt;br /&gt;
::* Demütigung: Die Person hat seinen Selbstwert oder sein Ansehen beschädigt. Ihre bloße Anwesenheit erinnert ihn daran.&lt;br /&gt;
::* Neid: Die Person besitzt etwas, das er selbst begehrt. Ihr Erfolg wird als eigene Niederlage erlebt.&lt;br /&gt;
::* Verrat: Die Person hat Vertrauen zerstört. Gerade aus großer Zuneigung kann besonders intensiver Hass entstehen.&lt;br /&gt;
::* Bedrohung: Die Person gefährdet etwas, das ihm wichtig ist: seine Sicherheit, seine Stellung, seine Beziehungen oder seine Überzeugungen.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Die Person hat etwas getan, das seinen grundlegenden Wertvorstellungen widerspricht. Dazu muss er nicht selbst betroffen sein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Von der Handlung zum Menschen.&#039;&#039;&#039; Dabei gibt es einen wichtigen psychologischen Mechanismus: Am Anfang steht häufig die Ablehnung einer Handlung. Später wird daraus die Ablehnung des ganzen Menschen. Aus „Was du getan hast, ist unverzeihlich“ wird „Du bist unverzeihlich“. Und damit verändert sich etwas Grundlegendes: Selbst wenn die ursprüngliche Ursache verschwindet, kann der Hass bestehen bleiben. Der Hassende braucht dann nicht mehr jedes Mal einen neuen Grund. Die Person selbst ist zum Auslöser geworden. Das erklärt auch, weshalb sich Hass manchmal über Jahrzehnte hält, obwohl die Beteiligten längst keinen Kontakt mehr haben. Der Grund, aus dem Hass ursprünglich entsteht, ist nicht unbedingt derselbe Grund, aus dem er aufrechterhalten wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Wollen.&#039;&#039;&#039; Man will dem Schaden zufügen, den man hasst. Es kann aber durch Bedenken verhindert werden. Aber das Wollen ist da.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hass auf eine Gruppe.&#039;&#039;&#039; Man kann auch eine Gruppe hassen. Das ist im Prinzip der feindliche Stamm, der einen bedroht und verteufelt wird. Das wird von Demagogen benutzt. Die Gruppe wird entmenschlicht und vogelfrei. Da sind dann auch unmenschliche Maßnahmen erlaubt. Die nationalsozialistische Propaganda behauptete über die Juden, sinngemäß: „Sie wollen die Weltherrschaft. Sie haben den Krieg aus Geldgier angezettelt. Sie verderben das Blut.“ Es gibt genügend Beispiele dafür, wie Demagogen eine Gruppe verteufeln, die man dann hassen kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aus einer Verletzung wird Gruppenhass.&#039;&#039;&#039; Kriegsgefangene wurden auf offenen Wagen transportiert, an Bahnhöfen angespuckt und geschlagen. Ein Zeitzeuge berichtete außerdem, dass von Brücken Steine auf die offenen Wagen geworfen wurden. Wer das erlebt hat, hasst danach nicht nur die Täter, sondern das ganze Volk, dem sie angehören.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind für die Anhänger.&#039;&#039;&#039; Es geht nicht einmal darum, ob die Demagogen die andere Gruppe hassen. Das ist nicht immer der Fall. Sie brauchen eine Gruppe, die ihre Anhänger hassen können. Deshalb wird diese Gruppe als Bedrohung dargestellt, auch wenn sie keine ist. Illegale zum Beispiel begehen weniger Verbrechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Spur Angst.&#039;&#039;&#039; Ich glaube, da ist auch eine Spur Angst dabei, aus der erlebten Verletzung oder der eingebildeten Bedrohung. Demagogen stellen die fremde Gruppe auch immer als Gefahr oder Bedrohung dar.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sätze der Propaganda.&#039;&#039;&#039; Die Sätze über die Juden sind sinngemäß wiedergegeben und belegt: In &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039; steht das „Streben nach der Weltherrschaft des jüdischen Volkes“ (S. 750f.); dort stehen auch „Blutvergiftung“ und „Blutschande“. Goebbels schrieb am 16. November 1941 unter dem Titel „Die Juden sind schuld!“, sie hätten diesen Krieg angezettelt und lenkten ihn (englische Übersetzung im German Propaganda Archive, Calvin University). Hitler sprach am 30. Januar 1939 im Reichstag vom „internationalen Finanzjudentum“ (United States Holocaust Memorial Museum, Yad Vashem). Das Wort „Geldgier“ habe ich in diesen Texten nicht gefunden; gemeint ist es in der Formel vom „Finanzjudentum“ und in der Rede von der „finanziellen Herrschaft“. Die „Protokolle der Weisen von Zion“, die dieselbe Weltverschwörung behaupten, sind eine Fälschung (United States Holocaust Memorial Museum). Die „Blutschande“ wurde 1935 in den Nürnberger Gesetzen zum Straftatbestand (Deutsches Historisches Museum).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Beispiele aus der Geschichte.&#039;&#039;&#039; Die Stoffe wechseln, das Muster bleibt. (1) 1348/49, während der Pest, beschuldigte man die Juden, die Brunnen vergiftet zu haben. Am 14. Februar 1349 wurden in Straßburg etwa 2000 Juden öffentlich verbrannt (Jewish Currents, „The Plague and the Jews of Strasbourg“; Wikipedia „Strasbourg massacre“). (2) Am 27. Dezember 1929 kündigte Stalin die „Liquidierung der Kulaken als Klasse“ an. Der Begriff „Kulak“ war willkürlich und dehnbar; er traf auch Mittelbauern, Widerständige und Geistliche, Millionen wurden deportiert (Seventeen Moments in Soviet History, Michigan State University; Sciences Po, „Dekulakisation as mass violence“). (3) 1882 verbot der Chinese Exclusion Act als erstes US-Gesetz die Einwanderung wegen der Herkunft allein (PBS NewsHour). Die Workingmen&#039;s Party des Denis Kearney machte die chinesischen Arbeiter für die niedrigen Löhne verantwortlich. (4) In Ruanda nannten das Radio RTLM und die Zeitschrift Kangura die Tutsi „Inyenzi“, Kakerlaken; das UN-Tribunal für Ruanda verurteilte 2003 Verantwortliche beider Medien (Media-Fall, ICTR). (5) 1942 ordnete Präsident Roosevelt mit der Executive Order 9066 an, Japanischstämmige in den USA in Lager zu bringen. Die Untersuchungskommission des Kongresses nannte 1983 als Ursachen „race prejudice, war hysteria and a failure of political leadership“ (Densho). (6) Gegen die Rohingya in Myanmar sagten UN-Ermittler 2018, Facebook habe bei der Hetze eine Rolle gespielt (Reuters, 12. März 2018). (7) Für die Gefangenentransporte: Der Historiker Fabien Théofilakis dokumentiert, dass deutsche Kriegsgefangene in Frankreich bei Transporten angespuckt und geschlagen wurden (Deutsche Welle 2020).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der eine Feind.&#039;&#039;&#039; Dass Demagogen eine Gruppe als gemeinsamen Feind brauchen, schreibt Hitler selbst als Rat zur Taktik. Es gehöre zur „Kunst aller wahrhaft großen Volksführer“, die Aufmerksamkeit des Volkes „immer auf einen einzigen Gegner zu konzentrieren“, und zur „Genialität eines großen Führers, selbst auseinanderliegende Gegner immer als nur zu einer Kategorie gehörend erscheinen zu lassen“. Der Grund: Sähe die Masse viele Feinde, stelle sich „die Objektivität“ ein und mit ihr der „Zweifel am eigenen Rechte“ (&#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;, Band 1, S. 129 der geprüften Ausgabe). Das belegt das Kalkül. Ob ein Demagoge selbst hasst, lässt sich aus Texten nicht feststellen. Hitler hasste nach allem, was er schrieb. Belegbar ist nur, dass der Hass als Mittel beschrieben und eingesetzt wird. Ein Satz, man müsse die Juden erfinden, wenn es sie nicht gäbe, wird Hitler oft zugeschrieben; ich habe keine Quelle dafür gefunden und nehme ihn deshalb nicht auf.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ein heutiges Beispiel: die USA.&#039;&#039;&#039; Donald Trump sagte im Dezember 2023, Einwanderer „poison the blood of our country“ (Reuters, 16. Dezember 2023); gefragt, ob er wisse, dass Hitler Ähnliches sagte, erklärte er laut NBC, er habe das nicht gewusst. Am 16. März 2024 sagte er in Ohio über Migranten, die Verbrechen begangen haben: „They&#039;re not people, in my opinion“ (New York Times). 2018 nannte er MS-13-Mitglieder „animals“ (Reuters; Politico). Die Politik: Im März 2025 schob die Regierung Venezolaner auf Grundlage des Alien Enemies Act in das Gefängnis CECOT in El Salvador ab. Der Supreme Court entschied am 7. April 2025 (Trump v. J.G.G.), dass die Betroffenen vorher benachrichtigt werden und Rechtsmittel einlegen können müssen. Zur Haft ohne Anhörung über eine Kaution: Neun Berufungsgerichte hielten das für rechtswidrig, das 5. Berufungsgericht entschied am 23. Oktober 2026 das Gegenteil (Reuters); der Supreme Court will die Frage klären (Washington Post, 1. Oktober 2026). „Ohne Verfahren“ stimmt also nicht ganz: Abschiebeverfahren laufen. Der Streit betrifft die Haft ohne Anhörung. Zu den Zahlen: Laut Bloomberg (9. April 2025) hatten etwa 90 % der nach CECOT Abgeschobenen keine Vorstrafe in den USA; laut Cato (23. Dezember 2025) hatten 16 % irgendeine Verurteilung. Laut TRAC haben etwa 70 % der ICE-Inhaftierten keine Verurteilung. „Keine Vorstrafe in den USA“ heißt nicht „keine Straftat“; bei 67 Venezolanern lagen laufende Verfahren vor (Connectas). Ob die Politik Hass ist oder Rechtsdurchsetzung, entscheidet kein Zitat; die Zahlen zeigen, dass die Darstellung der Gruppe als Gefahr und die Datenlage auseinanderfallen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Verbrechen und Herkunft.&#039;&#039;&#039; Zur Behauptung „Illegale begehen weniger Verbrechen“: Light, He und Robey (2020, PNAS) werteten Festnahmen aus Texas aus. Illegal Eingewanderte hatten deutlich niedrigere Festnahmeraten für schwere Straftaten als gebürtige US-Bürger und legal Eingewanderte. Ousey und Kubrin (2018) fassten 51 Studien zusammen: Zwischen Einwanderung und Kriminalität besteht im Durchschnitt ein leicht negativer, sehr schwacher Zusammenhang, mit Unterschieden zwischen den Studien. Einschränkung: Die Texas-Daten betreffen einen Bundesstaat und zählen Festnahmen, nicht Taten; die Meta-Analyse betrifft Einwanderer insgesamt. Gegenstudien habe ich nicht geprüft.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bedrohung und Hass.&#039;&#039;&#039; Riek, Mania und Gaertner (2006) fassten die Forschung zur wahrgenommenen Bedrohung durch Fremdgruppen zusammen, darunter Bedrohung der Sicherheit und der Werte sowie Angst im Kontakt. Der Zusammenhang mit negativen Einstellungen ist in dieser Forschung die Regel (aus dem Gedächtnis, Zahlen nicht geprüft). Die Beispiele oben zeigen die Gruppe jedes Mal als Bedrohung. Ob es nie anders ist, lässt sich mit Beispielen nicht beweisen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was die Forschung zum Hass sagt.&#039;&#039;&#039; Aristoteles trennt in der &#039;&#039;Rhetorik&#039;&#039; (II 4) Zorn und Hass: Zorn richtet sich auf Einzelne, Hass auch auf Klassen von Menschen („der Dieb“, „der Denunziant“). Zorn wird durch Zeit geheilt, Hass nicht. Der Zornige will, dass der andere Schmerz empfindet; der Hassende will ihm Schaden zufügen und hätte ihn lieber nicht mehr da. Hass kann auch ohne eine zugefügte Kränkung entstehen. Fischer, Halperin, Canetti und Jasini (2018, &#039;&#039;Emotion Review&#039;&#039;) fassen die Forschung so zusammen: Hass beruht auf einer stabil negativen Einschätzung von Personen oder Gruppen, gilt mehr dem, was sie sind, als dem, was sie tun, und will das Ziel beseitigen. Er breitet sich besonders in Konflikten zwischen Gruppen aus und wirkt für die Hassenden beruhigend. Daraus folgt (meine Folgerung): Eine Gruppe lässt sich mit Hass gut binden, auch wenn ihr Verhalten ihn nicht rechtfertigt. Zeki und Romaya (2008) fanden bei 17 Versuchspersonen beim Betrachten eines gehassten Menschen Aktivität im Putamen, in der Insula und in Stirnhirnbereichen, einen „Hass-Schaltkreis“. Haslam (2006) unterscheidet zwei Formen der Entmenschlichung; sie erleichtert Gewalt, verursacht sie aber nicht allein. Dagegen wirkt Kontakt: Pettigrew und Tropp (2006) werteten 515 Studien mit 713 Stichproben aus, Kontakt zwischen Gruppen senkt Vorurteile.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum nicht der Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Vampir ist nämlich eine Kraft, selbstgewiss und entschlossen ohne Zweifel. Der ist nicht laut. Während eine hassende Menge laut, aggressiv und wütend ist. Ich mache die Bedrohung, echt oder eingebildet, als elementaren Faktor aus. Das ist eine Reaktion. Wut ist eine Reaktion. Während der Vampir keine Reaktion ist, sondern Entschlossenheit pur.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Zuordnung.&#039;&#039;&#039; Hass stand zuerst beim Vampir und hängt jetzt an Zorn, Verachtung, Ekel und Angst, den Gefühlen aus der Mimik. Aristoteles trennt Zorn und Hass (Zorn heilt mit der Zeit, Hass nicht), Hass ist also ein Abkömmling des Zorns, aber nicht Zorn. Der kalte, planende Hass, etwa des Demagogen, der den Feind kalkuliert einsetzt, ähnelt dem Vampir; ob er ein eigener Zweig ist, bleibt offen. Eine weitere offene Frage: Aristoteles meint, dem Hassenden sei das Leiden des anderen gleichgültig; Cikara und Fiske (2011) fanden bei verachteten und beneideten Fremdgruppen dagegen Freude am Unglück, auch körperlich messbar (Gesichtsmuskeln).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grober ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Wüterich, Gerechtigkeitssinn, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: die Geltung.&lt;br /&gt;
* Trigger: ein Schwächerer, der ihm im Weg steht. Das reizt ihn, sich mit vulgärer Grobheit durchzusetzen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei anderen: Die Grobheit darf sich nicht lohnen. Nicht in seinen Kampf einsteigen und nicht zurückbeleidigen. Eine klare Grenze setzen, kurz und ruhig, und sie durchsetzen: das Gespräch beenden, die Zusammenarbeit unterbrechen, eine zuständige Stelle einschalten. Eine Grenze, die nie durchgesetzt wird, lernt er als bedeutungslos kennen. Was bei wem hilft: beim Unbeherrschten Abstand und Abkühlung, beim Selbstgerechten dieselben Regeln für alle, beim Manipulativen Dokumentation und Zeugen, beim Einschüchternden Geschlossenheit und Schutz der Betroffenen, beim Geltungssüchtigen keine Bühne und keine Unterordnung. Ihn selbst zu demütigen setzt nur den Kreislauf fort. Der Hebel liegt oft bei denen, die seine Grobheit dulden und belohnen. In Schulprogrammen gegen Mobbing sank das Mobbing um etwa 20 bis 23 %, vor allem mit konsequenten Maßnahmen (Ttofi und Farrington 2011). Bei sich selbst: Von alleine kommt kaum Einsicht, denn die Grobheit belohnt ihn und Belehrung kommt bei ihm nicht an. Nur durch Zwang: eine klare Ansage von einer Autorität, spürbare Folgen, Ausschluss aus der Gruppe, Entzug von Vorteilen. Ausnahme ist der Unbeherrschte, der sich hinterher schämen und seinen Ausbruch bereuen kann.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Grobe ist ein Bully, der immer glaubt, im Recht zu sein, und gegen Belehrung unempfindlich ist. Er ist auch grob gegen andere. Der Typus ist weit verbreitet. Der Grobe ist oft nicht sehr einsichtig, die Forschung findet aber auch kluge Bullys, die ihre Fähigkeiten zur Manipulation einsetzen (Sutton u. a. 1999). Wer in anderen schneller Feindseligkeit sieht, hält seinen Gegenschlag für gerecht: Die Forschung nennt das feindselige Absichtsunterstellung, und sie hängt mit aggressivem Verhalten zusammen (de Castro u. a. 2002). Belehrung kommt bei ihm nicht an, denn ihm fehlt die Scham, die einen Fehler zum Fehler macht. Er ist der Gegenpol zum [[#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Er heißt dort Ἀπόνοια: „Roughness is coarse conduct, whether in word or act.“ Er schwört leichtfertig, ist unempfindlich gegen Beleidigung und teilt sie gern aus, „a sort of town bully, obscene in manner, ready for anything and everything“. Er führt eine Rotte von Nichtstuern, leiht ihnen Geld auf Zinsen und holt sich bei Bäckern und Fischhändlern seinen Tribut. Er ist ständig vor Gericht und sitzt öfter im Gefängnis als zu Hause.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Demütigung darunter.&#039;&#039;&#039; Das Motiv des Groben ist der Wille zur Geltung. Ursprünglich kommt er wohl aus Demütigung. Aktuell fühlt er sie nicht mehr, die Grobheit hat sich als Verhalten durchgesetzt. Sie kommt plötzlich hervor, wenn ihm ein Stärkerer begegnet, gegen den seine Methode nicht ankommt. Das ist wieder die Methode, die wahren Motive zu erkennen: Der Dämon zeigt sich heftig, wenn er auf Widerstand trifft oder sein Revier betreten wird, und dann wird der Grobe wütend. Gilligan hält Scham für die tödlichste Emotion und sieht Gewalt aus einem Kreislauf von Scham und Selbsthass entstehen. Nach Baumeister, Smart und Boden (1996) hängt Gewalt nicht mit hohem Selbstwert zusammen, sondern mit einem aufgeblasenen, bestätigungsbedürftigen Selbstbild, das leicht gekränkt ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fünf Arten.&#039;&#039;&#039; Der Grobe ist nicht immer derselbe. Man unterscheidet, was seine Grobheit bewirken soll:&lt;br /&gt;
* Der Unbeherrschte will Ärger entladen. Er schimpft im Moment der Erregung, bereut es hinterher vielleicht und tut es beim nächsten Anlass wieder.&lt;br /&gt;
* Der Selbstgerechte will seinen Anspruch durchsetzen, weil er im Recht zu sein glaubt. Ein Kollege macht einen Fehler. Er darf den Fehler feststellen, meint aber, ihn auch vor anderen abkanzeln zu dürfen.&lt;br /&gt;
* Der Manipulative setzt die Grobheit als Machtmittel ein. Er dosiert sie, weiß, wen er angreifen kann, und tut danach, als sei nichts geschehen.&lt;br /&gt;
* Der Einschüchternde will Widerstand verhindern, bevor er entsteht. Oft genügt seine Reputation.&lt;br /&gt;
* Der Geltungssüchtige will Überlegenheit demonstrieren. Ihm genügt es, einen anderen zurechtzuweisen oder bloßzustellen.&lt;br /&gt;
:Die Arten schließen einander nicht aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verlegener ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schmach · zu [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Oh, wie peinlich!“ „Entschuldigung!“ „Das ist mir jetzt unangenehm.“&lt;br /&gt;
* Hunger: offen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine tatsächlich begangene Peinlichkeit vor anderen, nichts Ernstes. Verlegen ist man allgemein vor Publikum, etwa nackt in der Sauna.&lt;br /&gt;
* Mimik: Erröten, Blick abwenden, ein verlegenes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verlegenheit ist sehr viel schwächer als die Schmach. Es gibt keinen Drang zum Gegenangriff.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die tatsächliche Peinlichkeit.&#039;&#039;&#039; Man hat tatsächlich eine Peinlichkeit begangen, wie den Hosenstall offen gelassen oder einen dummen Fehler gemacht. Aber nichts Ernstes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Schmach und Verlegenheit.&#039;&#039;&#039; Schmach wird von bestimmten Personen zugefügt. Verlegen ist man allgemein vor Publikum, etwa nackt in der Sauna.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Lampenfieber.&#039;&#039;&#039; Lampenfieber von Schauspielern auf der Bühne oder vor dem Stück ist Verlegenheit. Und das kann sich steigern zur blanken Panik und Angst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege zum Lampenfieber.&#039;&#039;&#039; Die Steigerung zur Angst ist gut belegt. Das amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5 kennt bei der sozialen Angststörung den Zusatz „nur Auftritt“, wenn sich die Furcht auf Reden oder Auftreten vor Publikum beschränkt (nach der Tabelle in der NCBI-Ausgabe). Die Auftrittsangst von Musikern betrifft nach einem Übersichtsartikel (&#039;&#039;Frontiers in Psychology&#039;&#039; 2026) etwa 15 bis 25 % der Berufsmusiker und noch mehr Musikstudierende. Außerdem fanden Studien einen Zusammenhang mit der sozialen Phobie: Bei manchen Menschen steckt hinter dem Lampenfieber eine soziale Phobie. Alles habe ich nur als Auszug gelesen, die Zahlen sind aus zweiter Hand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Einordnung.&#039;&#039;&#039; Die Angst vor dem Publikum ist dieselbe Furcht, nur stärker. Darum führt vom Verlegener eine Linie zur [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Das ist ein Vorschlag von mir und kein Beleg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Man wird im Gespräch mit dem falschen Namen angesprochen, wünscht „Guten Appetit“ auf dem Weg zur Toilette oder verschüttet den Kaffee auf das Hemd des Nachbarn. Im Konzert klingelt das Handy. Man grüßt eine fremde Person, weil man sie für einen Bekannten hielt. Das sind Fehler, die jedem passieren und niemanden gefährden. Diese Beispiele sind Alltagsbeispiele ohne Quelle.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Keltner und Buswell (1997, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039;) kommen zu dem Schluss, dass Anlass, Erleben und Ausdruck der Verlegenheit sich von der Scham unterscheiden (nach dem Abstract). Feinberg, Willer und Keltner (2012, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 102(1), 81–97) fanden, dass Beobachter verlegene Menschen für prosozialer halten, ihnen eher vertrauen und ihnen eher etwas geben. Die Verlegenheit wirkt also wie eine Entschuldigung ohne Worte, und das erklärt, warum sie keinen Gegenangriff braucht. Beide Quellen habe ich nur im Abstract gelesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fehlerfürchter · zu Zwerg/Gelehrter, Prediger, Paragraph&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Passierschein A38. Die Vorschrift wird zum Selbstzweck, man wird von Schalter zu Schalter geschickt, und die Sache, um die es ging, ist vergessen.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine Abweichung von der Regel, ein falsch ausgefülltes Formular, ein Fall, für den es keine Vorschrift gibt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Ein Bürokrat oder Jurist, aber auch wie ein Streber. Schlaubi Schlumpf mit Brille und Zeigefinger: „Papa Schlumpf hat aber gesagt …“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Hunger:&#039;&#039;&#039; im Recht sein, durch die Regel, nicht durch die Sache. Wer sich genau an die Vorschrift hält, dem kann niemand etwas vorwerfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Herkunft:&#039;&#039;&#039; vom Büßer. Der Büßer trägt die Schuld. Der Formal hat eine Lösung gefunden: Ich halte jede Regel ein, also bin ich nie schuld. Ein Büßer, der sich hinter Paragraphen verschanzt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kennzeichen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der Beamte hinter dem Schalter: „Da könnte ja jeder kommen.“ Das Formular ist falsch ausgefüllt, also kein Stempel, egal worum es geht.&lt;br /&gt;
* Der Passierschein A38 bei Asterix: Asterix und Obelix werden im Amtsgebäude von Schalter zu Schalter geschickt, und jeder verlangt einen anderen Schein.&lt;br /&gt;
* Freispruch wegen eines Formfehlers. Die Form siegt über die Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formal und Streber:&#039;&#039;&#039; Der Streber will der Beste sein, die Eins, das Lob vom Lehrer. Der Formal will nicht der Beste sein, sondern korrekt. Schlaubi ist beides.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Übergang zum Zwerg:&#039;&#039;&#039; „Papa Schlumpf hat gesagt“ ist dasselbe wie „Wie schon Einstein zeigte“. Der Formal beruft sich auf die Regel, der Zwerg auf das Zitat. Nicht ich urteile, die Autorität urteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kinder:&#039;&#039;&#039; [[Paragraph]] (der Jurist), Prediger (die Moral als Vorschrift), über ihn der Pädagoge (die Regel für Kinder), und der [[Zwerg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prediger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Formal · zu Moralist, Pädagoge&lt;br /&gt;
* Hunger: Dass die anderen ihr Verhalten ändern. Im Recht sein durch die Regel, die er verkündet.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Zuhörerschaft. Ein Anlass, an den sich die Regel anknüpfen lässt, wie ein Fest, ein Unglück oder ein Verstoß.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ernst und milde zugleich, der Kopf leicht geneigt, der Blick geht über die Köpfe hinweg.&lt;br /&gt;
* Haltung: Erhöht, auf der Kanzel oder dem Podium. Die Hände sind gefaltet oder die Arme ausgebreitet, ein Finger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Der Formal hält jede Regel ein, damit er nie schuld ist. Der Prediger geht einen Schritt weiter: Er will, dass alle sie einhalten. Die Regel gilt nicht mehr nur für ihn.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Von oben.&#039;&#039;&#039; Der Prediger spricht zu allen und über allen. Die Kanzel ist die Haltung selbst, sie ist erhöht. Das Wort „von oben herab“ ist wörtlich gemeint.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dem Dozent ähnlich.&#039;&#039;&#039; Vielleicht ist ihr Verhalten auch nur zufällig ähnlich. Das Motiv ist ganz anders. Der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Dozent]] will, dass der andere etwas weiß, weil ihn das Thema packt. Der Prediger will, dass die anderen ihr Verhalten ändern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Man sollte …&lt;br /&gt;
:* Jeder sollte …&lt;br /&gt;
:* Früher gab es das nicht.&lt;br /&gt;
:* Wer A sagt, muss auch B sagen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Moralisten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger spricht zur Gruppe über die Regel, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Moralist|Moralist]] zielt auf einen einzelnen Menschen und urteilt über ihn. Der [[#Pädagoge|Pädagoge]] richtet die Regel an Kinder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wasser predigen und Wein trinken.&#039;&#039;&#039; Das Sprichwort sagt, was bei ihm schiefgeht: Er verlangt von anderen, was er selbst nicht tut. Hier liegt die Verbindung zum [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Heuchler|Heuchler]] (noch ohne Ort).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pädagoge ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Dass das Kind wird, wie es sein soll.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kind macht einen Fehler oder tut etwas, das sich nicht gehört. Auch ein Erwachsener, den man wie ein Kind sieht.&lt;br /&gt;
* Bannung: Das Kind gehorcht. Oder es wird älter und wehrt sich: Trotz, Pubertät, Auszug.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind hoch, der Kopf leicht geneigt, der Blick prüfend, oft über die Brille.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Hand an der Hüfte, der Oberkörper vorgebeugt, der Zeigefinger erhoben. Oder in die Hocke gegangen auf Augenhöhe des Kindes.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Der Prediger spricht zu allen. Der Pädagoge richtet dieselbe Regel an Kinder, und das hat Folgen: Das Kind kann sich nicht entziehen. Der Pädagoge hat die Macht, es zu belehren, zu loben und zu strafen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Wie sagt man?&lt;br /&gt;
:* Sag danke!&lt;br /&gt;
:* Das lernst du noch.&lt;br /&gt;
:* Wenn du groß bist, verstehst du das.&lt;br /&gt;
:* Ich sage das nur zu deinem Besten.&lt;br /&gt;
:* Ich zähle bis drei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Beschützer unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschützer|Beschützer]] will das Kind vor Gefahr bewahren. Der Pädagoge will sein Verhalten formen. Beim Beschützer steht die Überbehütung (alles vorkauen und vorschreiben). Beim Pädagogen entspricht dem die Bevormundung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Der Pädagoge behandelt Erwachsene wie Kinder. Der Kollege erklärt dem anderen, „wie man das macht“, und der Partner wird erzogen. Wer so behandelt wird, empfindet es als herablassend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Paragraph ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Paragraph]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Formal · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gerechtigkeitssinn ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Zorn, Amok&lt;br /&gt;
* Verwandt: Rache, Groll, Neid, Moralist.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der Verfolger und Rechthaber. Im Extrem der gekränkte Anspruch des Amokläufers.&lt;br /&gt;
* Trigger: „Der andere hat mehr bekommen.“ Zwei Kapuzineraffen bekommen für dieselbe Aufgabe ein Stück Gurke und sind zufrieden. Dann bekommt einer eine Weintraube. Der andere, der weiter Gurke bekommt, wirft sie dem Forscher ins Gesicht und rüttelt am Gitter (Brosnan und de Waal, 2003).&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
„Mir steht etwas zu.“ Die Welt hat ihm nicht gegeben oder weggenommen, was ihm zusteht. Andere dagegen haben es bekommen. Das ist ungerecht. In der Folge Hass, Wut, Rache, auch wegen der Demütigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Michael Kohlhaas&#039;&#039;&#039; (Kleist, nach einem wirklichen Fall aus dem 16. Jahrhundert): Einem Pferdehändler werden zwei Pferde unrechtmäßig abgenommen und zuschanden geritten. Er will nur sein Recht. Am Ende hat er Wittenberg angezündet und wird hingerichtet. Kleist nennt ihn im ersten Satz „einen der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“. Kohlhaas bekommt seine Pferde am Ende zurück, wohlgenährt, und es nützt nichts mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der gekränkte Anspruch:&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Michael Kimmel hat Amokläufer untersucht und fand immer wieder dasselbe Gefühl: Mir stand etwas zu, eine Frau, eine Stelle, Achtung, und die Welt hat es mir verweigert. Andere haben es bekommen, die es weniger verdient haben. Er nennt das „aggrieved entitlement“. Die Kette: Gerechtigkeitssinn → Kränkung und Demütigung → Groll → Hass, Wut, Rache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In der Politik:&#039;&#039;&#039; Trump spielt auf diesem Klavier bei seinen Anhängern. Im März 2023 sagte er: „Für die, denen Unrecht getan und die verraten wurden: Ich bin eure Vergeltung.“ Die Politikwissenschaftlerin Katherine Cramer fand auf dem Land in Wisconsin das Gefühl, die Städte bekämen Geld, Aufmerksamkeit und Respekt, und man selbst werde übergangen, und nannte ihr Buch „The Politics of Resentment“. Auf demselben Klavier spielt auch, wer gegen „das eine Prozent“ wettert, das sich alles nimmt. Das Gefühl ist dasselbe, verschieden ist nur, wem die Schuld gegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Recht:&#039;&#039;&#039; Darum kann dieser Dämon so entfesselt handeln: Er ist im Recht. Scham, Mitleid und Hemmung sind die Gegenspieler der Grausamkeit, aber sie wirken nur, solange der Täter weiß, dass er Unrecht tut. Fühlt er sich im Recht, haben sie keinen Ansatzpunkt. Das gute Gewissen ist der Passierschein. Der Anthropologe Alan Fiske und der Psychologe Tage Rai haben 2014 das Buch &#039;&#039;Virtuous Violence&#039;&#039; veröffentlicht, „Tugendhafte Gewalt“. Ihr Befund: Der größte Teil der Gewalt wird nicht gegen die eigene Moral verübt, sondern aus ihr heraus, als Blutrache, Ehrenmord, Strafe, Krieg und Lynchjustiz. Die Täter sind überzeugt, das Richtige zu tun. Roy Baumeister kam schon 1997 in &#039;&#039;Evil&#039;&#039; zum selben Schluss: Wer Böses tut, hält sich fast nie für böse, sondern meist für das Opfer oder für den Rächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Lynchmord an Jesse Washington in Waco 1916 wirkten drei Dämonen zusammen: Der Gerechtigkeitssinn gab das Recht, der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]] die Meute und die Häme die Freude. Keiner allein hätte das gekonnt. Auf den Postkarten hält sich keiner der lachenden Menschen für einen Unmenschen (siehe [[Bannung#Gegendämonen|Bannung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=923</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=923"/>
		<updated>2026-10-30T13:00:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Nörgler, Mecker und Quengler als eigene Wesen (Quengler: Text von ChatGPT, von Daniel angehängt)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ja, aber …“ „Das hat doch einen Haken.“ „Typisch.“ „Das war ja klar.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Haken am Guten finden, die Laune der anderen verderben.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Gutes, das gelingt, die Freude oder der Erfolg eines anderen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Mundwinkel sind nach unten gezogen. Die Augen rollen. Ein halbes, schiefes Lächeln, denn es macht ihm Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Der Kopf wiegt hin und her. Die Arme sind verschränkt. Ein langes Ausatmen vor dem Aber.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fehler suchen.&#039;&#039;&#039; Er meckert auch über Fehler. Das ist in Ordnung, wenn man dabei eine Kritik anbringt und das Problem konstruktiv beheben will. Aber er sucht danach, um nörgeln zu können, oft den ganzen Tag oder immer wieder über dasselbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mecker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]], [[#Moralist|Moralist]] · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
* Hunger: offen.&lt;br /&gt;
* Trigger: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mecker hat Regeln, eigene oder erlernte, und ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Der Wörterbuch-Ausdruck trifft es: gehässig, aber nicht aggressiv. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Quengler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will aber!“ „Warum denn nicht?“ „Bitte, bitte, bitte!“ „Nur dieses eine Mal!“ „Du hast es doch versprochen!“ „Alle anderen dürfen das auch!“ „Immer muss ich warten!“ „Nie bekomme ich, was ich will!“ „Du hörst mir überhaupt nicht zu!“ „Na guuut, dann eben nicht!“ „Ist ja klar, dass ich wieder leer ausgehe.“ „Jetzt sei doch nicht so!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Zuwendung, Bedürfnisbefriedigung oder die Durchsetzung des eigenen Willens.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein unerfüllter Wunsch, eine Verweigerung, eine Wartezeit oder das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Das Gesicht ist gezogen, die Unterlippe vorgeschoben, der Blick bittend und gequält.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Stimme ist gedehnt und weinerlich. Die Hand zupft am Ärmel. Der Körper wippt von einem Fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Nicht das Quengeln belohnen, sondern sachliches Bitten und Verhandeln.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Quengler versucht, seinen Willen durch anhaltendes Beklagen, Fordern und Wiederholen durchzusetzen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Quengler.&#039;&#039;&#039; Er will nicht unbedingt überzeugen. Er will erreichen, dass der andere irgendwann nachgibt, damit das Quengeln aufhört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht sein unerfülltes Bedürfnis zum Problem seiner Umgebung. Er wiederholt seine Forderung, beklagt sich, jammert, bettelt oder steigert seine Unzufriedenheit, bis andere reagieren. Dabei muss er nicht aggressiv werden. Seine Methode ist vielmehr die Zermürbung durch Beharrlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Methoden.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;1. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er stellt dieselbe Forderung immer wieder, auch wenn sie längst beantwortet wurde.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;2. Die Ermüdung.&#039;&#039;&#039; Er hält so lange durch, bis der andere keine Lust mehr auf die Auseinandersetzung hat.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;3. Die Mitleidsfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt sein Leiden in den Vordergrund, damit der andere sich verantwortlich fühlt.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;4. Der Vorwurf.&#039;&#039;&#039; Er unterstellt mangelnde Liebe, Fürsorge oder Gerechtigkeit.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;5. Die Steigerung.&#039;&#039;&#039; Wenn leises Bitten nicht funktioniert, wird er lauter, kläglicher oder dramatischer.&lt;br /&gt;
::* &#039;&#039;&#039;6. Das beleidigte Schweigen.&#039;&#039;&#039; Er zieht sich demonstrativ zurück und zeigt seine Unzufriedenheit, bis der andere auf ihn zukommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Zunächst Unzufriedenheit, Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, können sich Frustration und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, verstärken. Gibt der andere schließlich nach, empfindet er Erleichterung und Befriedigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der psychologische Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Hier gibt es einen besonders gut untersuchten Lernmechanismus: negative Verstärkung. Ein Kind quengelt, weil es Süßigkeiten möchte. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt weiter. Schließlich gibt die Mutter nach. Jetzt lernen beide etwas:&lt;br /&gt;
::* Das Kind lernt: Hartnäckiges Quengeln funktioniert.&lt;br /&gt;
::* Die Mutter lernt: Nachgeben beendet das unangenehme Quengeln.&lt;br /&gt;
:Dadurch wird das Verhalten auf beiden Seiten verstärkt. Gerald Patterson beschrieb solche wechselseitigen Zwangsprozesse in Familien als coercive family process. Interessant ist auch die intermittierende Verstärkung: Wenn das Quengeln nur gelegentlich zum Erfolg führt, kann das Verhalten besonders hartnäckig werden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Quengler unterscheidet sich vom [[#Troll|Troll]] durch sein Ziel. Der Troll möchte eine emotionale Reaktion hervorrufen und genießt sie. Der Quengler möchte etwas bekommen. Die unangenehme emotionale Reaktion des anderen ist für ihn ein Mittel zum Zweck. Vom [[#Nörgler|Nörgler]] unterscheidet er sich ebenfalls: Der Nörgler findet ständig etwas auszusetzen, während der Quengler vor allem einen unerfüllten Wunsch verfolgt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Eine Forderung kann berechtigt sein. Aber ihre Berechtigung sollte nicht davon abhängen, wie lange oder unangenehm jemand quengelt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Muster.&#039;&#039;&#039; Der Quengler macht seine Unzufriedenheit ansteckend, bis andere bereit sind, sie auf eigene Kosten zu beseitigen. Dabei kann aus einer ursprünglich spontanen Reaktion ein erlerntes und schließlich gewohnheitsmäßiges Verhaltensmuster werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_3:_Beutetier&amp;diff=922</id>
		<title>Wesen 3: Beutetier</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_3:_Beutetier&amp;diff=922"/>
		<updated>2026-10-30T07:29:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Pedant: Doppelungen entfernt, Sprüche in die Liste verschoben&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, Beutetier und die Linie des Schrecks.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · &#039;&#039;&#039;Beutetier&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beutetier ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Schreck, Sklave&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schreck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Beutetier · zu Angst, Obacht, Grauen, Verwirrt, Horror, Pedant, Entsetzen, Seufz&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Angst ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verlegener|Verlegener]] · zu Hass&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]], [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Abergläubischer]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Paul Ekman zählte die Angst zu den Grundgefühlen, die man in allen Kulturen am Gesicht erkennt. Er und Wallace Friesen zeigten 1971 beim Volk der Fore in Neuguinea, das kaum Kontakt zur westlichen Welt hatte, Gesichter und erzählten dazu kleine Geschichten. Die Fore ordneten die meisten Gefühle richtig zu, Angst aber oft der Überraschung. Die Angst kommt vom [[#Schreck|Schreck]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Feigling.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschrieb ihn um 319 vor Christus in seinen &#039;&#039;Charakteren&#039;&#039;: „Cowardice is a certain shrinking of the heart.“ Auf See hält der Feigling ferne Klippen für Piratenschiffe. In der Schlacht hat er angeblich sein Schwert vergessen, versteckt es unter dem Kissen und sucht es dann lange. Er pflegt lieber einen Verwundeten, als zu kämpfen. Danach beschmiert er sich mit dessen Blut und ruft: „I&#039;ve saved a comrade!“ Der Feigling ist kein eigenes Wesen. Er hat Angst und ruft deshalb den [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], um sich zu schützen. Das ist eine normale Abfolge und keine Verschmelzung (siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Verschmelzung und Abfolge]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Horror ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck, Ekel · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entsetzen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Seufz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Obacht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu Verblüffung, Lausch&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lausch ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Obacht · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verblüffung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Obacht · zu Staun, Stutzig&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stutzig ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verblüffung · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Staun ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verblüffung · zu Neugier, Verehrung/Bewunderung, Verdutzt, Achtung&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verdutzt ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neugier ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun · zu Zwerg/Gelehrter, Spielebär&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spielebär ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Neugier · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwerg/Gelehrter ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Zwerg]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Neugier, Zombie, Formal · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grauen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu Verdammter&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verdammter ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Verdammter]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Grauen · zu Messi, Zombie, Sucht, Traurig, Verbittert&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sucht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verdammter · zu Laster&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Laster ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sucht · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Messi ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sammler, Verdammter · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zombie ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Zombie]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verdammter, Verbittert, Hexe/Psychopath · zu Zwerg/Gelehrter, Puppe, Selbstwiegender, Verzweiflung, Repro&lt;br /&gt;
* Trigger: keine Bestätigung der eigenen Handlungen. Nicht Bejahung, sondern Bestätigung: Man wird wie ein Ding behandelt, wie ein Stein. Nichts, was man tut, hat Bedeutung. Alles wird nur ausgelegt. „Deine Meinung ist nicht relevant.“&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das kann daran liegen, dass die Leute nicht schlau genug sind, einen zu verstehen. Oder sie sind so egozentrisch, dass nur Wert hat, was sie selbst tun. Oder sie wollen einen nicht wahrnehmen, weil es eine Gefahr ist, die Eigenart des anderen zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Dazu kommt die Behexung. Die [[Hexe]] spricht einen Fluch aus, etwa: „Du bist realitätsfremd.“ Jede Äußerung ist ein Beweis dafür, auch das Argumentieren dagegen. „Alle wissen, wie realitätsfremd du bist.“ Das ist eine globale Zuschreibung. Darum ist der Zombie im Stammbaum ein Kind der Hexe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Erleben.&#039;&#039;&#039; Man funktioniert. Ein Zombie läuft noch tot durch die Gegend. Man kommt nach Hause, setzt sich in den Sessel und erstarrt zu Stein, starrt stundenlang auf die Wand, ohne Antrieb, sich zu bewegen, wie gelähmt. Der Steckbrief sagt: „leerer abwesender Blick“, „starrer festgefrorener Hals“, „lebt hinter einer Glaswand“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Im &#039;&#039;Still-Face&#039;&#039;-Versuch (Edward Tronick, 1978) spielt eine Mutter mit ihrem Baby und macht dann plötzlich ein starres, unbewegtes Gesicht. Sie antwortet auf nichts mehr. Das Baby lächelt, zeigt, ruft, dann weint es, und nach zwei Minuten sackt es zusammen und wendet sich ab. Kipling Williams hat Menschen in einem Ballspiel am Computer ein paar Minuten lang einfach nicht mehr den Ball zugespielt. Schon das senkte messbar ihr Gefühl, dass ihr Dasein Bedeutung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verbittert ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung, Groll, Verdammter · zu Zombie&lt;br /&gt;
* Verwandt: Antipode von Stolz&lt;br /&gt;
* Mimik: Der Mund zusammengekniffen, die Mundwinkel nach unten.&lt;br /&gt;
* Haltung: Leicht gebeugt, die Schultern hängen. Beim Stolz ist der Kopf erhoben und die Brust geweitet.&lt;br /&gt;
* Hunger: offen&lt;br /&gt;
* Trigger: Enttäuschung, nachdem man sehr viel in eine Herzensangelegenheit investiert hat: eine Aufgabe, ein Werk, eine Person. Man wurde hereingelegt, oder die Freundschaft wird nicht erlangt. Besonders, wenn man gerade keine anderen Projekte hat. Dazu kommen Erschöpfung und allgemeine Unlust an Tätigkeiten.&lt;br /&gt;
* Bannung: Erfolg. Es hilft, den Misserfolg auszublenden und sich auf kleine Aufgaben zu konzentrieren. Siehe auch [[Bannung#Der sichere Hafen|Der sichere Hafen]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Ursprünglich will er Erfolg, Sieg oder Freundschaft, im Grunde Geltung. Das klappt nicht. Dann ist da auch ein kleiner Groll. Verbittert ist die Vorstufe des Zombies. Zum Zombie wird man, wenn man lange verbittert ist. Beim Verbitterten ist noch der Drang zum Ziel vorhanden, und das ist der Schmerz: der Drang und das Ziel trotzdem nicht zu erreichen. Der Zombie dagegen hat aufgegeben und ist ohne Hoffnung. Verbittert wird man, wenn man Erfolg will, aber scheitert. Wenn man da viel investiert hat. Der Dämon ist da noch am Arbeiten, aber lässt sich nicht einfach stoppen, weil der schon lange aktiv war. Das ist kein Hunger, schlechte Laune zu haben, wie beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]], der sich gerne ärgert. Der Groll ist verwirrt, wenn ihm sein Wunsch erfüllt wird. Verbitterung löst sich sofort auf, wenn der Wunsch plötzlich doch erfüllt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie es dazu kommt.&#039;&#039;&#039; Verbittert wird jemand aus Enttäuschung: von Personen, oder weil Ziele nicht erreicht werden, die wichtig sind. Und es gibt keinen Trostpreis, keine andere Erfüllung. Merkmal ist die Hoffnungslosigkeit. Dazu kommt der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]: der Ärger darüber, dass einem Unrecht geschehen ist. Die Verbitterung kann langsam wachsen, nach längerem Scheitern. Sie kann aber auch nach einem einzigen großen Schlag ausbrechen, nach der Kündigung nach vielen Jahren, der Scheidung, dem verlorenen Prozess. Diese Form beschrieb der Psychiater Michael Linden 2003 als „posttraumatische Verbitterungsstörung“: Hoffnungslosigkeit und Wut über die Ungerechtigkeit, oft mit Rachegedanken. Und man wird auch verbittert, wenn andere einen lange gedemütigt und misshandelt haben. Und unglücklich gemacht haben. Das ist enthalten. Da ist das Ziel Glück und Entfaltung, die man nicht erreicht. Also auch scheitern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolz.&#039;&#039;&#039; Der Stolz zeigt sich mit kleinem Lächeln, weiter Haltung und erhobenen Armen oder Händen in den Hüften (Tracy und Robins 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wesen.&#039;&#039;&#039; Der Verbitterte hat mit der Welt eine Rechnung offen. Er glaubt, zu kurz gekommen zu sein, ungerecht behandelt oder um etwas betrogen worden zu sein, das ihm eigentlich zustand. Anders als der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der unmittelbar angreift, trägt der Verbitterte seine Verletzung über lange Zeit mit sich herum. Er kann ruhig, beherrscht und sogar höflich auftreten. Doch seine Gedanken kehren immer wieder zu dem zurück, was ihm angetan wurde. Er hat nicht einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Seine Enttäuschungen sind zum Maßstab geworden, an dem er neue Erfahrungen beurteilt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er denkt und fühlt.&#039;&#039;&#039; Seine Gedanken kreisen häufig um Sätze wie:&lt;br /&gt;
:* „Für andere ist immer alles einfacher.“&lt;br /&gt;
:* „Ich habe mich mein Leben lang angestrengt, und was habe ich davon?“&lt;br /&gt;
:* „Die Guten sind immer die Dummen.“&lt;br /&gt;
:* „Das wird sowieso wieder nichts.“&lt;br /&gt;
:* „Wenn die wüssten, wie die Welt wirklich ist.“&lt;br /&gt;
:* „Warum soll ausgerechnet der glücklich sein?“&lt;br /&gt;
:Dabei fühlt er nicht nur Traurigkeit, sondern auch Groll, Neid, Enttäuschung und eine eigentümliche Genugtuung, wenn seine schlechten Erwartungen bestätigt werden. Gerade diese Genugtuung ist wichtig: Der Verbitterte kann sich darüber freuen, dass etwas schlecht ausgeht, weil er dadurch recht behält. Sein Bedürfnis nach Rechtfertigung gerät in Konkurrenz zu seinem Bedürfnis nach Glück. Wieder aufgefrischt wird die Verbitterung durch fremdes Glück, mangelnde Anerkennung, erlebte Ungerechtigkeit und Erinnerungen an frühere Kränkungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Sicht auf die Welt.&#039;&#039;&#039; Der Verbitterte sieht besonders deutlich, was fehlt, misslingt oder ungerecht ist. Freundlichkeit erscheint ihm verdächtig. Erfolge anderer führt er auf Glück, Beziehungen oder unlautere Vorteile zurück. Gute Nachrichten hält er für Ausnahmen, schlechte für den Beweis einer allgemeinen Regel. Er kann durchaus scharfsinnig sein. Oft erkennt er tatsächliche Missstände, die andere übersehen oder verdrängen. Doch sein Blick ist einseitig geworden. Er sieht die Welt nicht mehr nur kritisch, sondern er erwartet von ihr, dass sie ihn enttäuscht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kreislauf der Verbitterung.&#039;&#039;&#039; Hier liegt der entscheidende Mechanismus. Der Verbitterte erzeugt immer wieder die Erfahrungen, die seine Weltsicht bestätigen. Wer wenig Gutes erwartet, nimmt gute Erfahrungen schlechter wahr. Wer Freundlichkeit misstraut, weist sie zurück. Wer ständig klagt, kann andere Menschen vertreiben. Deren Rückzug bestätigt ihm wiederum, dass auf niemanden Verlass ist. Die Verbitterung erhält sich selbst, indem sie die Bedingungen ihrer eigenen Fortdauer schafft. Der Verbitterte bleibt nicht verbittert, weil er irgendwann einmal enttäuscht wurde. Er bleibt es, weil er seine Enttäuschung fortwährend erneuert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Verhältnis zum Glück.&#039;&#039;&#039; Besonders tragisch ist, dass der Verbitterte sich nach Glück sehnen kann und es zugleich abwehrt. Eine kleine Freude genügt ihm nicht. Ein Erfolg zählt nicht, weil ein größerer möglich gewesen wäre. Eine Entschuldigung reicht nicht, weil sie zu spät kommt. Er verlangt mitunter eine Wiedergutmachung, die niemand mehr leisten kann. Und selbst wenn sie erfolgt, könnte er seine Verbitterung verlieren – und damit auch die Rechtfertigung, auf die er sein Selbstverständnis aufgebaut hat. So wird der Groll zu einem Besitz, den er nicht hergeben will.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Verhalten gegenüber anderen.&#039;&#039;&#039; Der Verbitterte klagt, kritisiert, spottet und entwertet. Er kann die Begeisterung anderer durch einen einzigen abfälligen Satz ersticken. Manchmal möchte er, dass andere seine Enttäuschung teilen. Nicht unbedingt aus bewusster Bosheit: Ihre Zustimmung bestätigt ihm, dass seine Sicht auf die Welt richtig ist. Doch Verbitterung muss nicht laut sein. Manche Verbitterte ziehen sich zurück, werden schweigsam und lassen niemanden mehr an sich heran.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bannung, ausführlich.&#039;&#039;&#039; Dem Verbitterten mit dem Hinweis zu begegnen, er solle doch einfach positiv denken, hilft wenig. Er empfindet das leicht als Verkennung seiner Erfahrungen. Entscheidend ist, seinen Anspruch auf die ganze Welt zu begrenzen. Die erlittene Ungerechtigkeit darf wahr bleiben, ohne dass deshalb jede neue Erfahrung nach ihrem Muster beurteilt werden muss. Eine Möglichkeit ist, andere Dämonen zu wecken: Neugier, Humor, Freude, Zuneigung, Tatendrang. Sie müssen nicht beweisen, dass der Verbitterte unrecht hat. Sie müssen ihm nur wieder Erfahrungen ermöglichen, die er nicht beherrscht. Der Verbitterte will, dass die Welt endlich seine alte Rechnung begleicht. Seine Befreiung beginnt, wenn er wieder etwas anderes von ihr wollen kann. Dabei ist Verbitterung nicht mit berechtigter Empörung über Unrecht gleichzusetzen. Sie beginnt dort, wo die erlittene Verletzung das weitere Leben beherrscht und neue Möglichkeiten verschließt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Bei der Verbitterungsstörung können Rachegedanken Freude auslösen (Linden). Wer Zurückweisung erwartet, reagiert im Streit feindselig und ruft sie hervor (Downey u. a. 1998, siehe [[Stammbaum]]). Allgemeine positive Sätze können bei niedrigem Selbstwert nach hinten losgehen (Wood u. a. 2009, siehe [[#Tolpatsch|Tolpatsch]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Puppe ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zombie, Putz · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: die weibliche Form des [[#Zombie|Zombies]]. Innen tot, äußerlich schön herausgeputzt.&lt;br /&gt;
:Der Psychiater Ronald D. Laing beschreibt in &#039;&#039;Das geteilte Selbst&#039;&#039; (1960) die Patientin Julie. Sie sagte, sie sei eine „told bell“. Laing liest das doppelt: als „tolled bell“, die Totenglocke, und als „told belle“, die Schöne, die tut, was man ihr sagt. Schließlich wurde sie völlig apathisch. Die Mutter sagte, Julie sei immer so ein gutes Mädchen gewesen. Laing merkt an, dass die Mutter die innere Leblosigkeit ihrer Tochter für Gesundheit hielt. Sie hatte ja auch die Tochter erzeugt, die sie haben wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Selbstwiegender ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zombie · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verzweiflung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zombie · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Repro ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zombie · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwirrt ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu Zweifler, Zauderer, Tolpatsch&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Tolpatsch ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verwirrt · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Für voll genommen werden. Eine selbständig handelnde Person sein, die respektiert wird. Daran wird er gehindert.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand schaut zu, kontrolliert oder greift ein, während man etwas tut. Das wird zum Kreis: Später muss keiner mehr etwas sagen, man hört die Stimme. Die Unselbständigkeit und das Unvermögen bestätigen die Aussage. Ein Teufelskreis.&lt;br /&gt;
* Bannung: Echte Verantwortung: eine Aufgabe ohne Kontrolle ausführen, bei der nur das Ergebnis kontrolliert wird. Wenn man sich bewährt und es gelingt, verstummt die Stimme nicht unbedingt, aber man kann handeln. Gegen die Stimme hilft eine Gegenstimme: sich Sprüche vorsagen und einüben, „Ich darf das.“ „Ich kann das.“&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Tolpatsch ist ungeschickt. Man ist ungeschickt, wenn man nicht frei Erfahrung und Fehler machen darf. Alles kommt darauf an, dass die Dämonen frei handeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie es dazu kommt.&#039;&#039;&#039; Wird das verhindert, durch ständige Kontrolle oder Gemecker, oder indem einem bei einer Handlung die Dinge aus der Hand gerissen werden („Komm, ich zeig dir, wie das richtig geht“), entsteht durch die ständige Unterbrechung Unsicherheit. Man fühlt sich ständig beobachtet. Dann ist es schwierig, sich auf die Handlung selbst zu konzentrieren. Dazu kommt oft eine innere Stimme: „Darfst du das?“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; „Das darfst du noch nicht. Dazu hast du nicht genug Erfahrung.“ Erfahrung bekommt man nur durch Tun. Wer nicht tun darf, bleibt unerfahren, und der Satz bestätigt sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Forschung dazu sagt.&#039;&#039;&#039; Wer einen eingeübten Ablauf bewusst überwacht, stört ihn (Beilock und Carr 2001). Überbehütete Studierende erleben weniger Autonomie und Kompetenz und sind häufiger depressiv (Schiffrin u. a. 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Selbstgespräch.&#039;&#039;&#039; Die Gegenstimme ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]]. Selbstgespräch verbessert die Leistung, mehr bei feinen Fertigkeiten und neuen Aufgaben (Hatzigeorgiadis u. a. 2011, 32 Studien). Allgemeine positive Sätze können bei niedrigem Selbstwert nach hinten losgehen (Wood u. a. 2009).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zauderer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verwirrt · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweifler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verwirrt, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sklave ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Beutetier · zu Eitel&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eitel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sklave · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pedant ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck, Büßer · zu Moralist&lt;br /&gt;
* Hunger: Dass es richtig gemacht wird, und zwar von den anderen. Kein Fehler, keine Abweichung, nichts übersehen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Kleinigkeit ist nicht genau. Eine Zahl, ein Komma, ein Wort, ein Handgriff weicht von der Vorschrift ab.&lt;br /&gt;
* Bannung: Es ist korrigiert und stimmt. Oder der andere sagt: „Es ist gut so.“ Dann bleibt der Stachel.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Stirn ist gerunzelt, die Lippen sind schmal, der Blick geht auf das Detail. Die Brille wird mit dem Finger hochgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und steif. Die Hand rückt Dinge gerade: Stifte, Papiere, Bilder. Der Finger zeigt auf die Stelle, die nicht stimmt.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Der Pedant beginnt bei der Angst vor dem Fehler. Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] meldet: Es kann etwas schiefgehen. Der [[Wesen 3: Beutetier#Büßer|Büßer]] erinnert daran, dass ein Fehler Schuld bedeutet. Der Pedant richtet diese Wachsamkeit auf andere und korrigiert sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Das heißt nicht „…“, sondern „…“.&lt;br /&gt;
:* Genau genommen …&lt;br /&gt;
:* Das stimmt so nicht ganz.&lt;br /&gt;
:* Nur der Ordnung halber …&lt;br /&gt;
:* Das muss man schon richtig machen.&lt;br /&gt;
:* Das steht aber anders in der Vorschrift.&lt;br /&gt;
:* Das ist aber nicht ganz korrekt.&lt;br /&gt;
:* Streng genommen stimmt das nicht.&lt;br /&gt;
:* Der Begriff ist hier falsch verwendet.&lt;br /&gt;
:* Das heißt nicht dasselbe.&lt;br /&gt;
:* Bevor wir weitermachen, müssen wir das erst einmal richtigstellen.&lt;br /&gt;
:* So kann man das nicht stehen lassen.&lt;br /&gt;
:* Das ist wissenschaftlich nicht exakt.&lt;br /&gt;
:* Es heißt wegen des Wetters, nicht wegen dem Wetter.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Detail über der Sache.&#039;&#039;&#039; Der Pedant sieht die Kleinigkeit und verliert die Sache. Er korrigiert die Schreibweise und überhört, was gesagt wird. Das Ganze ist ihm weniger wichtig als der Fehler darin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Perfektionisten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Perfektionist will selbst etwas richtig machen. Der Pedant korrigiert andere.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zum Moralisten.&#039;&#039;&#039; Aus dem Korrigieren der Kleinigkeit wird das Urteil über den Menschen: Wer schlampt, ist schlecht. Dann ist es der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Moralist|Moralist]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Der Pedant hält Abläufe auf, weil jede Abweichung ihn stört. Im Beruf wird er zum Bremser, in der Familie zum Dauerkorrigierer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem botanischen Kongress.&#039;&#039;&#039; Das ist ein interessantes Muster, weil hier die Korrektheit einer Nebensache wichtiger genommen wird als der eigentliche Zweck der Unterhaltung. Auf einem botanischen Kongress wollen Wissenschaftler Erkenntnisse austauschen. Einer berichtet von einer Entdeckung, aber ein anderer unterbricht ihn wegen einer ungenauen Bezeichnung, einer Kleinigkeit in der Methodik oder eines formalen Fehlers. Der Einwand kann vollkommen richtig sein. Trotzdem kann er die Diskussion zerstören.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Pedant.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Handlungsweise: Er isoliert einen kleinen Fehler und behandelt ihn, als wäre er für die gesamte Sache entscheidend. Dabei verliert er den eigentlichen Zweck aus den Augen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Drei unterschiedliche Motive.&#039;&#039;&#039; Drei Typen können äußerlich dasselbe tun.&lt;br /&gt;
:* Der echte Pedant: Er empfindet Unordnung, Ungenauigkeit oder Regelverletzungen als unangenehm. Die Korrektur verschafft ihm Erleichterung. Er würde möglicherweise sogar einen Fehler korrigieren, wenn niemand zuschaut.&lt;br /&gt;
:* Der Geltungssüchtige: Er benutzt die Korrektur, um seine Kompetenz vorzuführen. Er will demonstrieren, dass er mehr weiß als der Vortragende. Seine eigentliche Botschaft lautet: „Seht her, ich habe einen Fehler entdeckt, den der Experte übersehen hat.“&lt;br /&gt;
:* Der destruktive Kritiker: Ihm geht es weniger um Korrektheit als darum, andere herabzusetzen oder ihre Autorität zu beschädigen. Er sucht gezielt nach Angriffspunkten. Ein winziger Fehler genügt, um einen ganzen Vortrag lächerlich zu machen. Hier gibt es eine Überschneidung mit dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Troll|Troll]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein bekannter psychologischer Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Dazu passt das sogenannte Law of Triviality, auch Bikeshedding genannt, das C. Northcote Parkinson 1957 beschrieb. Menschen diskutieren manchmal unverhältnismäßig lange über leicht verständliche Nebensächlichkeiten, während komplexe, wichtige Fragen wenig Aufmerksamkeit bekommen. Ein Grund: Über Kleinigkeiten kann fast jeder mitreden. Bei anspruchsvollen Fragen fehlt vielen die Kompetenz, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Das könnte auch erklären, weshalb sich manche Kongressteilnehmer an unbedeutenden Details festbeißen. Allerdings muss man in der Wissenschaft unterscheiden: Ein scheinbar kleiner methodischer Fehler kann ein Forschungsergebnis tatsächlich entwerten. Entscheidend ist nicht die Größe des Fehlers, sondern seine Bedeutung für die Aussage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der entscheidende Unterschied.&#039;&#039;&#039; Der gewissenhafte Wissenschaftler korrigiert einen Fehler, um die Erkenntnis zu verbessern. Der Pedant korrigiert einen Fehler, weil er den Fehler nicht ertragen kann. Der Geltungssüchtige korrigiert ihn, um sich selbst aufzuwerten. Der Troll korrigiert ihn, um eine Reaktion zu provozieren. Das sind vier verschiedene Motive hinter derselben Handlung. Und noch etwas: Der Pedant kann die Regeln perfekt beherrschen und trotzdem den Sinn der ganzen Veranstaltung verfehlen. Er sieht den Fehler, aber nicht das Ziel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traurig ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verdammter · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_3:_Beutetier&amp;diff=921</id>
		<title>Wesen 3: Beutetier</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_3:_Beutetier&amp;diff=921"/>
		<updated>2026-10-30T07:25:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Pedant: Kongress, drei Motive, Bikeshedding, entscheidender Unterschied (Text von ChatGPT, von Daniel angehängt)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, Beutetier und die Linie des Schrecks.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · [[Wesen 2: Raubtier – Vampir]] · &#039;&#039;&#039;Beutetier&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beutetier ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Schreck, Sklave&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schreck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Beutetier · zu Angst, Obacht, Grauen, Verwirrt, Horror, Pedant, Entsetzen, Seufz&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Angst ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verlegener|Verlegener]] · zu Hass&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]], [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Abergläubischer]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Paul Ekman zählte die Angst zu den Grundgefühlen, die man in allen Kulturen am Gesicht erkennt. Er und Wallace Friesen zeigten 1971 beim Volk der Fore in Neuguinea, das kaum Kontakt zur westlichen Welt hatte, Gesichter und erzählten dazu kleine Geschichten. Die Fore ordneten die meisten Gefühle richtig zu, Angst aber oft der Überraschung. Die Angst kommt vom [[#Schreck|Schreck]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Feigling.&#039;&#039;&#039; Theophrast beschrieb ihn um 319 vor Christus in seinen &#039;&#039;Charakteren&#039;&#039;: „Cowardice is a certain shrinking of the heart.“ Auf See hält der Feigling ferne Klippen für Piratenschiffe. In der Schlacht hat er angeblich sein Schwert vergessen, versteckt es unter dem Kissen und sucht es dann lange. Er pflegt lieber einen Verwundeten, als zu kämpfen. Danach beschmiert er sich mit dessen Blut und ruft: „I&#039;ve saved a comrade!“ Der Feigling ist kein eigenes Wesen. Er hat Angst und ruft deshalb den [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Täuscher|Täuscher]], um sich zu schützen. Das ist eine normale Abfolge und keine Verschmelzung (siehe [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Verschmelzung und Abfolge]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Horror ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck, Ekel · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entsetzen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Seufz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Obacht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu Verblüffung, Lausch&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lausch ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Obacht · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verblüffung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Obacht · zu Staun, Stutzig&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stutzig ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verblüffung · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Staun ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verblüffung · zu Neugier, Verehrung/Bewunderung, Verdutzt, Achtung&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verdutzt ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neugier ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun · zu Zwerg/Gelehrter, Spielebär&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spielebär ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Neugier · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zwerg/Gelehrter ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Zwerg]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Neugier, Zombie, Formal · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grauen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu Verdammter&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verdammter ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Verdammter]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Grauen · zu Messi, Zombie, Sucht, Traurig, Verbittert&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sucht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verdammter · zu Laster&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Laster ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sucht · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Messi ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sammler, Verdammter · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zombie ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Zombie]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verdammter, Verbittert, Hexe/Psychopath · zu Zwerg/Gelehrter, Puppe, Selbstwiegender, Verzweiflung, Repro&lt;br /&gt;
* Trigger: keine Bestätigung der eigenen Handlungen. Nicht Bejahung, sondern Bestätigung: Man wird wie ein Ding behandelt, wie ein Stein. Nichts, was man tut, hat Bedeutung. Alles wird nur ausgelegt. „Deine Meinung ist nicht relevant.“&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das kann daran liegen, dass die Leute nicht schlau genug sind, einen zu verstehen. Oder sie sind so egozentrisch, dass nur Wert hat, was sie selbst tun. Oder sie wollen einen nicht wahrnehmen, weil es eine Gefahr ist, die Eigenart des anderen zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Dazu kommt die Behexung. Die [[Hexe]] spricht einen Fluch aus, etwa: „Du bist realitätsfremd.“ Jede Äußerung ist ein Beweis dafür, auch das Argumentieren dagegen. „Alle wissen, wie realitätsfremd du bist.“ Das ist eine globale Zuschreibung. Darum ist der Zombie im Stammbaum ein Kind der Hexe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Erleben.&#039;&#039;&#039; Man funktioniert. Ein Zombie läuft noch tot durch die Gegend. Man kommt nach Hause, setzt sich in den Sessel und erstarrt zu Stein, starrt stundenlang auf die Wand, ohne Antrieb, sich zu bewegen, wie gelähmt. Der Steckbrief sagt: „leerer abwesender Blick“, „starrer festgefrorener Hals“, „lebt hinter einer Glaswand“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Im &#039;&#039;Still-Face&#039;&#039;-Versuch (Edward Tronick, 1978) spielt eine Mutter mit ihrem Baby und macht dann plötzlich ein starres, unbewegtes Gesicht. Sie antwortet auf nichts mehr. Das Baby lächelt, zeigt, ruft, dann weint es, und nach zwei Minuten sackt es zusammen und wendet sich ab. Kipling Williams hat Menschen in einem Ballspiel am Computer ein paar Minuten lang einfach nicht mehr den Ball zugespielt. Schon das senkte messbar ihr Gefühl, dass ihr Dasein Bedeutung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verbittert ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Geltung, Groll, Verdammter · zu Zombie&lt;br /&gt;
* Verwandt: Antipode von Stolz&lt;br /&gt;
* Mimik: Der Mund zusammengekniffen, die Mundwinkel nach unten.&lt;br /&gt;
* Haltung: Leicht gebeugt, die Schultern hängen. Beim Stolz ist der Kopf erhoben und die Brust geweitet.&lt;br /&gt;
* Hunger: offen&lt;br /&gt;
* Trigger: Enttäuschung, nachdem man sehr viel in eine Herzensangelegenheit investiert hat: eine Aufgabe, ein Werk, eine Person. Man wurde hereingelegt, oder die Freundschaft wird nicht erlangt. Besonders, wenn man gerade keine anderen Projekte hat. Dazu kommen Erschöpfung und allgemeine Unlust an Tätigkeiten.&lt;br /&gt;
* Bannung: Erfolg. Es hilft, den Misserfolg auszublenden und sich auf kleine Aufgaben zu konzentrieren. Siehe auch [[Bannung#Der sichere Hafen|Der sichere Hafen]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Ursprünglich will er Erfolg, Sieg oder Freundschaft, im Grunde Geltung. Das klappt nicht. Dann ist da auch ein kleiner Groll. Verbittert ist die Vorstufe des Zombies. Zum Zombie wird man, wenn man lange verbittert ist. Beim Verbitterten ist noch der Drang zum Ziel vorhanden, und das ist der Schmerz: der Drang und das Ziel trotzdem nicht zu erreichen. Der Zombie dagegen hat aufgegeben und ist ohne Hoffnung. Verbittert wird man, wenn man Erfolg will, aber scheitert. Wenn man da viel investiert hat. Der Dämon ist da noch am Arbeiten, aber lässt sich nicht einfach stoppen, weil der schon lange aktiv war. Das ist kein Hunger, schlechte Laune zu haben, wie beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]], der sich gerne ärgert. Der Groll ist verwirrt, wenn ihm sein Wunsch erfüllt wird. Verbitterung löst sich sofort auf, wenn der Wunsch plötzlich doch erfüllt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie es dazu kommt.&#039;&#039;&#039; Verbittert wird jemand aus Enttäuschung: von Personen, oder weil Ziele nicht erreicht werden, die wichtig sind. Und es gibt keinen Trostpreis, keine andere Erfüllung. Merkmal ist die Hoffnungslosigkeit. Dazu kommt der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]: der Ärger darüber, dass einem Unrecht geschehen ist. Die Verbitterung kann langsam wachsen, nach längerem Scheitern. Sie kann aber auch nach einem einzigen großen Schlag ausbrechen, nach der Kündigung nach vielen Jahren, der Scheidung, dem verlorenen Prozess. Diese Form beschrieb der Psychiater Michael Linden 2003 als „posttraumatische Verbitterungsstörung“: Hoffnungslosigkeit und Wut über die Ungerechtigkeit, oft mit Rachegedanken. Und man wird auch verbittert, wenn andere einen lange gedemütigt und misshandelt haben. Und unglücklich gemacht haben. Das ist enthalten. Da ist das Ziel Glück und Entfaltung, die man nicht erreicht. Also auch scheitern.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolz.&#039;&#039;&#039; Der Stolz zeigt sich mit kleinem Lächeln, weiter Haltung und erhobenen Armen oder Händen in den Hüften (Tracy und Robins 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wesen.&#039;&#039;&#039; Der Verbitterte hat mit der Welt eine Rechnung offen. Er glaubt, zu kurz gekommen zu sein, ungerecht behandelt oder um etwas betrogen worden zu sein, das ihm eigentlich zustand. Anders als der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der unmittelbar angreift, trägt der Verbitterte seine Verletzung über lange Zeit mit sich herum. Er kann ruhig, beherrscht und sogar höflich auftreten. Doch seine Gedanken kehren immer wieder zu dem zurück, was ihm angetan wurde. Er hat nicht einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Seine Enttäuschungen sind zum Maßstab geworden, an dem er neue Erfahrungen beurteilt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er denkt und fühlt.&#039;&#039;&#039; Seine Gedanken kreisen häufig um Sätze wie:&lt;br /&gt;
:* „Für andere ist immer alles einfacher.“&lt;br /&gt;
:* „Ich habe mich mein Leben lang angestrengt, und was habe ich davon?“&lt;br /&gt;
:* „Die Guten sind immer die Dummen.“&lt;br /&gt;
:* „Das wird sowieso wieder nichts.“&lt;br /&gt;
:* „Wenn die wüssten, wie die Welt wirklich ist.“&lt;br /&gt;
:* „Warum soll ausgerechnet der glücklich sein?“&lt;br /&gt;
:Dabei fühlt er nicht nur Traurigkeit, sondern auch Groll, Neid, Enttäuschung und eine eigentümliche Genugtuung, wenn seine schlechten Erwartungen bestätigt werden. Gerade diese Genugtuung ist wichtig: Der Verbitterte kann sich darüber freuen, dass etwas schlecht ausgeht, weil er dadurch recht behält. Sein Bedürfnis nach Rechtfertigung gerät in Konkurrenz zu seinem Bedürfnis nach Glück. Wieder aufgefrischt wird die Verbitterung durch fremdes Glück, mangelnde Anerkennung, erlebte Ungerechtigkeit und Erinnerungen an frühere Kränkungen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Sicht auf die Welt.&#039;&#039;&#039; Der Verbitterte sieht besonders deutlich, was fehlt, misslingt oder ungerecht ist. Freundlichkeit erscheint ihm verdächtig. Erfolge anderer führt er auf Glück, Beziehungen oder unlautere Vorteile zurück. Gute Nachrichten hält er für Ausnahmen, schlechte für den Beweis einer allgemeinen Regel. Er kann durchaus scharfsinnig sein. Oft erkennt er tatsächliche Missstände, die andere übersehen oder verdrängen. Doch sein Blick ist einseitig geworden. Er sieht die Welt nicht mehr nur kritisch, sondern er erwartet von ihr, dass sie ihn enttäuscht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kreislauf der Verbitterung.&#039;&#039;&#039; Hier liegt der entscheidende Mechanismus. Der Verbitterte erzeugt immer wieder die Erfahrungen, die seine Weltsicht bestätigen. Wer wenig Gutes erwartet, nimmt gute Erfahrungen schlechter wahr. Wer Freundlichkeit misstraut, weist sie zurück. Wer ständig klagt, kann andere Menschen vertreiben. Deren Rückzug bestätigt ihm wiederum, dass auf niemanden Verlass ist. Die Verbitterung erhält sich selbst, indem sie die Bedingungen ihrer eigenen Fortdauer schafft. Der Verbitterte bleibt nicht verbittert, weil er irgendwann einmal enttäuscht wurde. Er bleibt es, weil er seine Enttäuschung fortwährend erneuert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sein Verhältnis zum Glück.&#039;&#039;&#039; Besonders tragisch ist, dass der Verbitterte sich nach Glück sehnen kann und es zugleich abwehrt. Eine kleine Freude genügt ihm nicht. Ein Erfolg zählt nicht, weil ein größerer möglich gewesen wäre. Eine Entschuldigung reicht nicht, weil sie zu spät kommt. Er verlangt mitunter eine Wiedergutmachung, die niemand mehr leisten kann. Und selbst wenn sie erfolgt, könnte er seine Verbitterung verlieren – und damit auch die Rechtfertigung, auf die er sein Selbstverständnis aufgebaut hat. So wird der Groll zu einem Besitz, den er nicht hergeben will.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Verhalten gegenüber anderen.&#039;&#039;&#039; Der Verbitterte klagt, kritisiert, spottet und entwertet. Er kann die Begeisterung anderer durch einen einzigen abfälligen Satz ersticken. Manchmal möchte er, dass andere seine Enttäuschung teilen. Nicht unbedingt aus bewusster Bosheit: Ihre Zustimmung bestätigt ihm, dass seine Sicht auf die Welt richtig ist. Doch Verbitterung muss nicht laut sein. Manche Verbitterte ziehen sich zurück, werden schweigsam und lassen niemanden mehr an sich heran.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bannung, ausführlich.&#039;&#039;&#039; Dem Verbitterten mit dem Hinweis zu begegnen, er solle doch einfach positiv denken, hilft wenig. Er empfindet das leicht als Verkennung seiner Erfahrungen. Entscheidend ist, seinen Anspruch auf die ganze Welt zu begrenzen. Die erlittene Ungerechtigkeit darf wahr bleiben, ohne dass deshalb jede neue Erfahrung nach ihrem Muster beurteilt werden muss. Eine Möglichkeit ist, andere Dämonen zu wecken: Neugier, Humor, Freude, Zuneigung, Tatendrang. Sie müssen nicht beweisen, dass der Verbitterte unrecht hat. Sie müssen ihm nur wieder Erfahrungen ermöglichen, die er nicht beherrscht. Der Verbitterte will, dass die Welt endlich seine alte Rechnung begleicht. Seine Befreiung beginnt, wenn er wieder etwas anderes von ihr wollen kann. Dabei ist Verbitterung nicht mit berechtigter Empörung über Unrecht gleichzusetzen. Sie beginnt dort, wo die erlittene Verletzung das weitere Leben beherrscht und neue Möglichkeiten verschließt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Bei der Verbitterungsstörung können Rachegedanken Freude auslösen (Linden). Wer Zurückweisung erwartet, reagiert im Streit feindselig und ruft sie hervor (Downey u. a. 1998, siehe [[Stammbaum]]). Allgemeine positive Sätze können bei niedrigem Selbstwert nach hinten losgehen (Wood u. a. 2009, siehe [[#Tolpatsch|Tolpatsch]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Puppe ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zombie, Putz · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: die weibliche Form des [[#Zombie|Zombies]]. Innen tot, äußerlich schön herausgeputzt.&lt;br /&gt;
:Der Psychiater Ronald D. Laing beschreibt in &#039;&#039;Das geteilte Selbst&#039;&#039; (1960) die Patientin Julie. Sie sagte, sie sei eine „told bell“. Laing liest das doppelt: als „tolled bell“, die Totenglocke, und als „told belle“, die Schöne, die tut, was man ihr sagt. Schließlich wurde sie völlig apathisch. Die Mutter sagte, Julie sei immer so ein gutes Mädchen gewesen. Laing merkt an, dass die Mutter die innere Leblosigkeit ihrer Tochter für Gesundheit hielt. Sie hatte ja auch die Tochter erzeugt, die sie haben wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Selbstwiegender ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zombie · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verzweiflung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zombie · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Repro ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Zombie · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwirrt ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck · zu Zweifler, Zauderer, Tolpatsch&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Tolpatsch ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verwirrt · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Für voll genommen werden. Eine selbständig handelnde Person sein, die respektiert wird. Daran wird er gehindert.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand schaut zu, kontrolliert oder greift ein, während man etwas tut. Das wird zum Kreis: Später muss keiner mehr etwas sagen, man hört die Stimme. Die Unselbständigkeit und das Unvermögen bestätigen die Aussage. Ein Teufelskreis.&lt;br /&gt;
* Bannung: Echte Verantwortung: eine Aufgabe ohne Kontrolle ausführen, bei der nur das Ergebnis kontrolliert wird. Wenn man sich bewährt und es gelingt, verstummt die Stimme nicht unbedingt, aber man kann handeln. Gegen die Stimme hilft eine Gegenstimme: sich Sprüche vorsagen und einüben, „Ich darf das.“ „Ich kann das.“&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Tolpatsch ist ungeschickt. Man ist ungeschickt, wenn man nicht frei Erfahrung und Fehler machen darf. Alles kommt darauf an, dass die Dämonen frei handeln können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie es dazu kommt.&#039;&#039;&#039; Wird das verhindert, durch ständige Kontrolle oder Gemecker, oder indem einem bei einer Handlung die Dinge aus der Hand gerissen werden („Komm, ich zeig dir, wie das richtig geht“), entsteht durch die ständige Unterbrechung Unsicherheit. Man fühlt sich ständig beobachtet. Dann ist es schwierig, sich auf die Handlung selbst zu konzentrieren. Dazu kommt oft eine innere Stimme: „Darfst du das?“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; „Das darfst du noch nicht. Dazu hast du nicht genug Erfahrung.“ Erfahrung bekommt man nur durch Tun. Wer nicht tun darf, bleibt unerfahren, und der Satz bestätigt sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was die Forschung dazu sagt.&#039;&#039;&#039; Wer einen eingeübten Ablauf bewusst überwacht, stört ihn (Beilock und Carr 2001). Überbehütete Studierende erleben weniger Autonomie und Kompetenz und sind häufiger depressiv (Schiffrin u. a. 2014).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Selbstgespräch.&#039;&#039;&#039; Die Gegenstimme ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Beschwichtiger|Beschwichtiger]]. Selbstgespräch verbessert die Leistung, mehr bei feinen Fertigkeiten und neuen Aufgaben (Hatzigeorgiadis u. a. 2011, 32 Studien). Allgemeine positive Sätze können bei niedrigem Selbstwert nach hinten losgehen (Wood u. a. 2009).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zauderer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verwirrt · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweifler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verwirrt, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sklave ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Beutetier · zu Eitel&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eitel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sklave · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pedant ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Schreck, Büßer · zu Moralist&lt;br /&gt;
* Hunger: Dass es richtig gemacht wird, und zwar von den anderen. Kein Fehler, keine Abweichung, nichts übersehen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Kleinigkeit ist nicht genau. Eine Zahl, ein Komma, ein Wort, ein Handgriff weicht von der Vorschrift ab.&lt;br /&gt;
* Bannung: Es ist korrigiert und stimmt. Oder der andere sagt: „Es ist gut so.“ Dann bleibt der Stachel.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Stirn ist gerunzelt, die Lippen sind schmal, der Blick geht auf das Detail. Die Brille wird mit dem Finger hochgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und steif. Die Hand rückt Dinge gerade: Stifte, Papiere, Bilder. Der Finger zeigt auf die Stelle, die nicht stimmt.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Herkunft.&#039;&#039;&#039; Der Pedant beginnt bei der Angst vor dem Fehler. Der [[Wesen 3: Beutetier#Schreck|Schreck]] meldet: Es kann etwas schiefgehen. Der [[Wesen 3: Beutetier#Büßer|Büßer]] erinnert daran, dass ein Fehler Schuld bedeutet. Der Pedant richtet diese Wachsamkeit auf andere und korrigiert sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Das heißt nicht „…“, sondern „…“.&lt;br /&gt;
:* Genau genommen …&lt;br /&gt;
:* Das stimmt so nicht ganz.&lt;br /&gt;
:* Nur der Ordnung halber …&lt;br /&gt;
:* Das muss man schon richtig machen.&lt;br /&gt;
:* Das steht aber anders in der Vorschrift.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Detail über der Sache.&#039;&#039;&#039; Der Pedant sieht die Kleinigkeit und verliert die Sache. Er korrigiert die Schreibweise und überhört, was gesagt wird. Das Ganze ist ihm weniger wichtig als der Fehler darin.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Perfektionisten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Perfektionist will selbst etwas richtig machen. Der Pedant korrigiert andere.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zum Moralisten.&#039;&#039;&#039; Aus dem Korrigieren der Kleinigkeit wird das Urteil über den Menschen: Wer schlampt, ist schlecht. Dann ist es der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Moralist|Moralist]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entgleisung.&#039;&#039;&#039; Der Pedant hält Abläufe auf, weil jede Abweichung ihn stört. Im Beruf wird er zum Bremser, in der Familie zum Dauerkorrigierer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem botanischen Kongress.&#039;&#039;&#039; Das ist ein interessantes Muster, weil hier die Korrektheit einer Nebensache wichtiger genommen wird als der eigentliche Zweck der Unterhaltung. Auf einem botanischen Kongress wollen Wissenschaftler Erkenntnisse austauschen. Einer berichtet von einer Entdeckung, aber ein anderer unterbricht ihn wegen einer ungenauen Bezeichnung, einer Kleinigkeit in der Methodik oder eines formalen Fehlers. Der Einwand kann vollkommen richtig sein. Trotzdem kann er die Diskussion zerstören.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Pedant.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* Hunger: Korrektheit, Ordnung und die Befriedigung, einen Fehler gefunden zu haben. Bei manchen kommt das Gefühl intellektueller Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
:* Trigger: Jede Abweichung von einer Regel, Definition, Vorschrift oder gewohnten Ausdrucksweise.&lt;br /&gt;
:* Handlungsweise: Er isoliert einen kleinen Fehler und behandelt ihn, als wäre er für die gesamte Sache entscheidend. Dabei verliert er den eigentlichen Zweck aus den Augen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Typische Sprüche.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:* „Das ist aber nicht ganz korrekt.“&lt;br /&gt;
:* „Streng genommen stimmt das nicht.“&lt;br /&gt;
:* „Der Begriff ist hier falsch verwendet.“&lt;br /&gt;
:* „Das heißt nicht dasselbe.“&lt;br /&gt;
:* „Bevor wir weitermachen, müssen wir das erst einmal richtigstellen.“&lt;br /&gt;
:* „So kann man das nicht stehen lassen.“&lt;br /&gt;
:* „Das ist wissenschaftlich nicht exakt.“&lt;br /&gt;
:* „Es heißt wegen des Wetters, nicht wegen dem Wetter.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Drei unterschiedliche Motive.&#039;&#039;&#039; Drei Typen können äußerlich dasselbe tun.&lt;br /&gt;
:* Der echte Pedant: Er empfindet Unordnung, Ungenauigkeit oder Regelverletzungen als unangenehm. Die Korrektur verschafft ihm Erleichterung. Er würde möglicherweise sogar einen Fehler korrigieren, wenn niemand zuschaut.&lt;br /&gt;
:* Der Geltungssüchtige: Er benutzt die Korrektur, um seine Kompetenz vorzuführen. Er will demonstrieren, dass er mehr weiß als der Vortragende. Seine eigentliche Botschaft lautet: „Seht her, ich habe einen Fehler entdeckt, den der Experte übersehen hat.“&lt;br /&gt;
:* Der destruktive Kritiker: Ihm geht es weniger um Korrektheit als darum, andere herabzusetzen oder ihre Autorität zu beschädigen. Er sucht gezielt nach Angriffspunkten. Ein winziger Fehler genügt, um einen ganzen Vortrag lächerlich zu machen. Hier gibt es eine Überschneidung mit dem [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Troll|Troll]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein bekannter psychologischer Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Dazu passt das sogenannte Law of Triviality, auch Bikeshedding genannt, das C. Northcote Parkinson 1957 beschrieb. Menschen diskutieren manchmal unverhältnismäßig lange über leicht verständliche Nebensächlichkeiten, während komplexe, wichtige Fragen wenig Aufmerksamkeit bekommen. Ein Grund: Über Kleinigkeiten kann fast jeder mitreden. Bei anspruchsvollen Fragen fehlt vielen die Kompetenz, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Das könnte auch erklären, weshalb sich manche Kongressteilnehmer an unbedeutenden Details festbeißen. Allerdings muss man in der Wissenschaft unterscheiden: Ein scheinbar kleiner methodischer Fehler kann ein Forschungsergebnis tatsächlich entwerten. Entscheidend ist nicht die Größe des Fehlers, sondern seine Bedeutung für die Aussage.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der entscheidende Unterschied.&#039;&#039;&#039; Der gewissenhafte Wissenschaftler korrigiert einen Fehler, um die Erkenntnis zu verbessern. Der Pedant korrigiert einen Fehler, weil er den Fehler nicht ertragen kann. Der Geltungssüchtige korrigiert ihn, um sich selbst aufzuwerten. Der Troll korrigiert ihn, um eine Reaktion zu provozieren. Das sind vier verschiedene Motive hinter derselben Handlung. Und noch etwas: Der Pedant kann die Regeln perfekt beherrschen und trotzdem den Sinn der ganzen Veranstaltung verfehlen. Er sieht den Fehler, aber nicht das Ziel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traurig ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verdammter · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=920</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
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		<updated>2026-10-30T07:23:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Troll: Auf dem Kongress&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Mecker&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Das ist die Variante des Nörglers, die Regeln hat. Die Regeln sind eigene oder erlernte, und er ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt. Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Der Wörterbuch-Ausdruck trifft es: gehässig, aber nicht aggressiv. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auf dem Kongress.&#039;&#039;&#039; Auf jedem Kongress gibt es welche, die die Diskussion stören. Man kommt nämlich zusammen, um über Forschung und Know-how zu reden. Aber da gibt es immer welche, die das stören und sich an kleinen Fehlern hochziehen. Entscheidend ist doch, dass sie das Ereignis stören, indem sie die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten bündeln, auch die der anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
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		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
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		<updated>2026-10-30T07:20:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Troll: Weitere Methoden (Sealioning, Gaslighting u. a.), Nach dem Ignorieren&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Mecker&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Das ist die Variante des Nörglers, die Regeln hat. Die Regeln sind eigene oder erlernte, und er ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt. Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Der Wörterbuch-Ausdruck trifft es: gehässig, aber nicht aggressiv. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Weitere Methoden.&#039;&#039;&#039; Dazu kommen Methoden, die in den bisherigen zwölf noch fehlen:&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Sealioning:&#039;&#039;&#039; Er fragt immer wieder nach Belegen, auch zu Dingen, die längst erklärt sind, und bleibt dabei höflich. Typische Sprüche: „Ich möchte doch nur diskutieren.“ „Kannst du das belegen?“ Mechanismus: Wer die Geduld verliert, steht als der Unvernünftige da.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Gaslighting:&#039;&#039;&#039; Er stellt die Wahrnehmung des anderen in Frage. Typische Sprüche: „Du bist zu empfindlich.“ „Du übertreibst.“ „Das habe ich nie gesagt.“ „Das bildest du dir ein.“ Mechanismus: Der andere zweifelt an sich selbst und muss sich rechtfertigen.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Einwerfen von Reizthemen:&#039;&#039;&#039; Er wirft ein Thema ein, das die Gruppe spaltet, etwa Religion oder Politik. Ein Beispiel aus Rennforen: „NASCAR ist so sehr Sport wie Cheerleading.“ Mechanismus: Alle steigen ein, und das eigentliche Gespräch ist beendet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Freiheitsfloskel:&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas und weist jede Bitte um Belege ab. Typische Sprüche: „Meinungsfreiheit!“ „Recherchier doch selbst.“ „Schlafschafe.“ Mechanismus: Wer widerspricht, gilt als bevormundend oder manipuliert.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anfänger:&#039;&#039;&#039; Er spielt den Ahnungslosen und gibt Neulingen schädliche Tipps, etwa „Lösch einfach System32.“ Mechanismus: Der Erfahrene erklärt, der Anfänger wird vorgeführt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Sorge:&#039;&#039;&#039; Er gibt Anteilnahme vor, um zu stören. Typischer Spruch: „Ich teile dein Ziel, aber nicht deine Mittel.“ Mechanismus: Er untergräbt die Gruppe von innen, indem er sich als Freund darstellt.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Grammatikpolizei:&#039;&#039;&#039; Er geht nicht auf den Inhalt ein, sondern verlangt fehlerfreie Rechtschreibung. Das ist dem [[Wesen 3: Beutetier#Pedant|Pedanten]] ähnlich. Mechanismus: Der andere soll sich für Kleinigkeiten rechtfertigen, und das Argument bleibt unbeantwortet.&lt;br /&gt;
::* Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Archivsucher:&#039;&#039;&#039; Er durchsucht alte Beiträge nach einem Widerspruch und hält ihn später vor. Mechanismus: Der andere ist nie sicher davor, dass etwas, das er früher gesagt hat, gegen ihn verwendet wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Ignorieren.&#039;&#039;&#039; Wenn man ihn ignoriert, kann die Störung zunächst noch einmal zunehmen. Danach lässt sie nach. Das ist ein Zeichen, dass die Bannung wirkt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=918</id>
		<title>Wesen 2: Raubtier – Vampir</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://daemonologie.com/index.php?title=Wesen_2:_Raubtier_%E2%80%93_Vampir&amp;diff=918"/>
		<updated>2026-10-30T07:09:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Admin: Troll: Sprüche aus Reddit (Text von ChatGPT)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Sammlung der Wesen, die Linie des Vampirs.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wesen 1: Raubtier – Wüterich]] · &#039;&#039;&#039;Raubtier – Vampir&#039;&#039;&#039; · [[Wesen 3: Beutetier]] · [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust]] · [[Wesen 5: Noch ohne Ort]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wesen sind in starker Ausprägung beschrieben; die meisten sind in allen Menschen vorhanden oder abrufbar (siehe [[Grundlagen]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vampir ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Vampir]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier · zu Kobold, Piesacker, Gewissheit, Sieg, Folterer&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Grausamkeit und Verinnerlichung.&#039;&#039;&#039; Die Grausamkeit stammt vom Vampir. Nietzsche hat beschrieben, wie sie sich durch das, was man Zivilisation nennt, nach innen wendet und zum schlechten Gewissen wird: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach aussen entladen, wenden sich nach innen“. Er nennt das die „Verinnerlichung des Menschen“ (&#039;&#039;Zur Genealogie der Moral&#039;&#039;, 1887, zweite Abhandlung, Abschnitt 16). Ursprünglich sind es Raubtierinstinkte, die sich nicht mehr ausleben können. Die Grausamkeit, die draußen keinen Gegner mehr findet, sucht sich ein neues Opfer, und das ist man selbst. Die Zähne des Gewissens beißen auch ohne Angriff; die Sprache sagt „Gewissensbiss“. Das ist etwas anderes als die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]], die vom Wüterich stammt: Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff und braucht den Stärkeren, der beschämt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Katze mit der Maus.&#039;&#039;&#039; In der Natur sind Raubtiere meist nicht grausam, sondern töten schnell. Aber es gibt die Katze, die mit der Maus spielt. Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen hat Katzen jahrzehntelang beobachtet: Eine hungrige Katze tötet schnell. Je satter sie ist, desto länger spielt sie. Das Spiel ist nicht nötig, um zu fressen. Die Jagd hat sich vom Hunger gelöst und läuft um ihrer selbst willen. Das Raubtier will die Beute, der Vampir will die Macht über sie.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die guten Linien.&#039;&#039;&#039; Man muss aber auch sehen, wie viele gute Linien vom Vampir stammen. Von ihm stammt der [[Kobold]] mit seiner ganzen Familie aus Witz, Übermut, Schabernack und Freude, und der Sieg, von dem Dank, Jubel, Stolz, Mut und der Held abstammen, vom Held die Gelassenheit und vom Dank die Verehrung. Der [[#Dank|Dank]], der Gegendämon des [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Grolls]], kommt also vom Vampir, der Groll dagegen über den Ärger vom Wüterich. Der Gegenspieler kommt nicht aus einer anderen Welt, sondern aus einem anderen Zweig desselben Raubtiers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kobold ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Kobold]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Spötter&lt;br /&gt;
* Namen der Familie: Narr, Mumpitz, Keck, Frecher, Unsinn, Übermut, Faxen, Albern, Parodie, Munter, Unfug, Witz, Freude, Schabernack, Schelm&lt;br /&gt;
* Gegendämon: Der Kobold ist der Gegendämon des Demagogen und des Diktators. Siehe unten.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Urwitz ist&lt;br /&gt;
Jemand stolpert und fällt&lt;br /&gt;
Aber statt die Beute reißen&lt;br /&gt;
Lacht man und zeigt die Zähne&lt;br /&gt;
Das ist eine Übersprung Handlung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Siehe auch die Analyse im Steckbrief [[Kobold]]: Zähnefletschen als Zeichen der Freundlichkeit, „Du bist von meiner Art.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum vom Vampir.&#039;&#039;&#039; Der Kobold ist ein Kind des Vampirs, weil er dessen Zähne behält. Der Vampir spielt mit der Beute, wie die Katze mit der Maus. Der Kobold spielt auch, aber das Spiel hat kein Opfer. Das Lachen zeigt die Zähne und beißt nicht zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Zähne.&#039;&#039;&#039; Das Lächeln zeigt die Zähne. Bei den Affen gibt es das stumme Zähneblecken, das als Ursprung des menschlichen Lächelns gilt. Es zeigt Freundlichkeit und Beschwichtigung (Jan van Hooff, 1972). Mit den Zähnen zeigt man auch, was man hat: Gesunde Zähne gelten als Zeichen von Gesundheit und machen attraktiv. Das hellste Weiß ist dabei nicht das attraktivste (Naini und Kollegen 2009). Wenn ein wertvoller Mensch einen anlächelt und einem Aufmerksamkeit gibt, fühlt man sich gut. Ein Mensch ohne Zähne, der einen anlächelt, löst dagegen Widerwillen und Ekel aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Warum er den Diktator trifft.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom Wüterich und vom Narzissten, mit Grandiosität, Auserwähltheit und Wahn, und manchmal ist er auch kühl und berechnend. Allen gemeinsam ist der Ernst, den sie für sich verlangen. Wer lacht, nimmt ihm diesen Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Feind der Diktatoren.&#039;&#039;&#039; „Deshalb bannen Diktatoren Humor / Den Kobold“. Ein Lacher im Saal, und die Welt, die der Demagoge erzeugt hat, bricht zusammen. Die Rüstungsarbeiterin Marianne Elise Kürchner aus Berlin wurde 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und hingerichtet, weil sie einen Witz erzählt hatte: Hitler und Göring stehen auf dem Berliner Funkturm, und Göring schlägt Hitler vor zu springen, damit die Berliner wieder lachen. Rudolph Herzog beschreibt den Fall in seinem Buch über den Humor im Dritten Reich, &#039;&#039;Heil Hitler, das Schwein ist tot!&#039;&#039; (2006).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pater Müller.&#039;&#039;&#039; Auch der katholische Priester Joseph Müller wurde 1944 hingerichtet, weil er einen Witz erzählt hatte. Ein sterbender Soldat will sehen, wofür er stirbt, und man stellt ihm Bilder von Hitler und Göring ans Bett. Er sagt: „Jetzt kann ich sterben wie Jesus Christus.“ Der Volksgerichtshof wertete das als Vergleich mit den beiden Verbrechern, die neben Jesus gekreuzigt wurden.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Chor.&#039;&#039;&#039; In einem Film über eine Sekte rufen alle in der Gruppe im Chor „Bombardier mit Liebe“. Zwei Spione, die einen Freund befreien wollen, rufen stattdessen „Bumms mit Liebe“. Ein einziger Ausrutscher zeigt, wie dünn das Ritual ist, das alle im Takt hält. Sobald einer lacht, fehlt dem Chor der Ernst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Name der Rose.&#039;&#039;&#039; Umberto Eco hat diesen Gegensatz zum Stoff eines Romans gemacht (1980). In einer Klosterbibliothek sterben Mönche, weil sie ein verbotenes Buch lesen: das zweite Buch der Poetik des Aristoteles, über die Komödie. Der blinde Jorge von Burgos hat die Seiten vergiftet. Er fürchtet das Lachen, denn es nehme dem Menschen die Furcht, und ohne Furcht gebe es keinen Glauben. Der Kobold stellt die Autorität in Frage, die der Kirche wie die des Aristoteles. Das Buch gab es wirklich: Aristoteles hat eine Abhandlung über die Komödie geschrieben, sie ist verloren. Sein Inhalt im Roman ist erfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Piesacker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir, Folterer · zu Häme, Hexe/Psychopath, Troll, Lästerer, Schlimm, Demütiger, Neck, Nörgler&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, schon wieder alles falsch gemacht?“ „Das kannst du doch nicht.“ „Hab dich nicht so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem anderen Leid zufügen und spüren, dass man Macht über ihn hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehrt und nicht zurückbeißt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites Lächeln im Gesicht, wie bei der Bescherung zu Weihnachten.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Piesacker quält andere, in kleinen Dosen und immer wieder.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust am Quälen.&#039;&#039;&#039; Kinder quälen ja manchmal kleine Tiere. Und der Piesacker hat dabei ein breites Lächeln im Gesicht wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Er hat wirklich Freude und eine starke Lust am Quälen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht so skrupellos wie der Folterer.&#039;&#039;&#039; Der Piesacker ist nicht so skrupellos wie der [[#Folterer|Folterer]], der zu extremen Taten bereit ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die kleine Grausamkeit.&#039;&#039;&#039; Die Oma, die eine diebische Freude daran hat, dem Kind eiskaltes Wasser über die Schulter zu kippen. Es ist die kleine Grausamkeit, die noch als harmlos hingestellt werden kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Mobbing.&#039;&#039;&#039; Mobbing passt auch.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Warum es Lust macht.&#039;&#039;&#039; Buckels, Jones und Paulhus (2013, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 24(11), 2201–2209) zeigen, dass sich „Alltagssadismus“ von Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus unterscheiden lässt: Sadisten meldeten sich in einem Versuch öfter freiwillig, Käfer zu töten, und nur Sadisten waren bereit, Arbeit zu leisten, um einem Unschuldigen wehzutun. Die Grausamkeit ist dort die Belohnung selbst und nicht Mittel zu etwas anderem. Das stützt die starke Lust. Eine Erklärung, warum das so ist, gibt der Abstract nicht. Meine Lesart ohne Beleg: Der Vampir will die Macht über die Beute, und der Piesacker spürt sie körperlich, wenn der andere leidet. Das passt zur Katze mit der Maus beim [[#Vampir|Vampir]].&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es unbemerkt auftritt.&#039;&#039;&#039; Der beste Beleg ist das Necken. Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren es als spielerische Provokation, die freundlich oder feindlich ausgehen kann; es ist häufiger und feindseliger, wenn es von Höhergestellten, Vertrauten und Männern ausgeht (nach dem Abstract). Das ist die harmlos hingestellte Grausamkeit. Pinker, Nowak und Lee (2008), die beim [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Drohender|Drohenden]] stehen, erklären, warum das möglich ist: Die Unschärfe schützt den Sprecher, der sagen kann, es sei nur Spaß gewesen. Alltagsbeispiele ohne Quelle: das Kind, das vor Gästen vorgeführt wird, der Geschwisterstreich, der Kollege mit dem „nur Spaß“ nach jedem Fehler, das Kitzeln, das in Quälerei übergeht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen (DWDS) bedeutet &#039;&#039;piesacken&#039;&#039; „plagen, quälen, schlagen, stoßen“. Es ist wohl von niederdeutsch &#039;&#039;pesek&#039;&#039; abgeleitet, dem Ochsenziemer, also einer Peitsche. Wörtlich ist piesacken also: mit dem Ochsenziemer strafen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Folterer.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Stammbaum, nicht belegt. Der Folterer ist die Quelle, und der Piesacker führt die kleine, dauernde Form fort. Der Folterer quält hart, der Piesacker quält in Dosen, die der andere kaum benennen kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Olweus beschreibt Mobbing in der Schule als negative Handlungen, denen jemand wiederholt und über längere Zeit ausgesetzt ist, mit einem Machtgefälle zwischen Täter und Opfer, das die Gegenwehr erschwert (nach einem Übersichtsartikel, &#039;&#039;Bullying and the Abuse of Power&#039;&#039;, PMC; das Original habe ich nicht gelesen). Das passt zum Trigger: Der Piesacker sucht den, der sich nicht wehren kann.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Mitschüler, der ein Kind jeden Tag wegen Kleinigkeiten verspottet. Der Kollege, der bei jedem Fehler einen Kommentar macht. Die Katze, die mit der Maus spielt, steht schon beim [[#Vampir|Vampir]]. Auch der Chef, der seine Mitarbeiter in Dosen quält, kann ein Piesacker sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folterer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Piesacker&lt;br /&gt;
* Hunger: Macht über den anderen durch dessen Schmerz und Angst.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der ausgeliefert ist, etwa abhängig, isoliert oder wehrlos.&lt;br /&gt;
* Spruch: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Folterer ist zu extremen Taten bereit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lust.&#039;&#039;&#039; Allerdings muss man sagen, dass dieser Typus Lust daran hat und dass es während der gesamten Geschichte üblich ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Kommentar.&#039;&#039;&#039; Das ist verabscheuungswürdig und gehört gebannt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Anlass.&#039;&#039;&#039; Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig begann am 27. Oktober 2026 (NDR, &#039;&#039;Zeit&#039;&#039;/dpa, &#039;&#039;Stern&#039;&#039;; Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig). Die Staatsanwaltschaft wirft vier Angeklagten vor, eine heute 32-jährige Frau über viereinhalb Jahre misshandelt und gequält zu haben, mit Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägeln. Nach ihrer Darstellung „ergötzten sie sich zugleich am Leid, der Angst und den Schmerzen des Opfers“. Das sind Vorwürfe. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall passt zum Trigger: Die Frau war nach einer Trennung obdachlos, abhängig und isoliert. Ich habe die Berichte nur im Aufriss gelesen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Geschichte.&#039;&#039;&#039; Nach dem Deutschlandfunk war die Folter über Jahrhunderte ein zentraler Bestandteil des Strafprozesses. Friedrich II. von Preußen schaffte sie am 3. Juni 1740 weitgehend ab (NDR, WDR; nach den Auszügen). Dass sie nur „weitgehend“ abgeschafft wurde, steht in der Zeit-Quelle: Der König wollte, dass die Angeklagten weiter Angst vor ihr haben. Die Lust daran belegen Buckels, Jones und Paulhus (2013, nach dem Abstract) beim [[#Piesacker|Piesacker]]; dort steht auch, dass nur Sadisten arbeiteten, um einen Unschuldigen zu verletzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lästerer ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Nase rümpfen · zu Empörung&lt;br /&gt;
* Hunger: Besser sein als andere, Geltung. Dazu Piesack und Bosheit.&lt;br /&gt;
* Trigger: Jemand erfüllt Maßstäbe oder Regeln nicht. Er hat etwas Dummes oder Ungerechtes getan, gibt verliehene Bücher nicht zurück, macht Schulden. Der Lästerer muss unter dem Fehlverhalten nicht selbst leiden. Manchmal braucht es keinen Trigger. Er nutzt jede Gelegenheit.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bei sich selbst durch Einsicht, oder weil man erlebt hat, wie es ist, wenn über einen gelästert wird. Bei anderen durch eine wütende oder vernünftige Ansprache oder durch Ausschluss aus der Gruppe. Das wirkt nicht immer. Der Lästerer aus akutem Anlass wird nicht gebannt, wenn der Anlass berechtigt ist, denn das wird allgemein akzeptiert.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er redet schlecht über Abwesende. Kaum hat einer den Raum verlassen, wird über ihn hergezogen. Das ist weit verbreitet, und es ist unehrenhaft, denn der Abwesende kann sich nicht verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer aus akutem Anlass will aufgestauten Ärger abreagieren. Der Lästerer aus Passion macht es als Freizeitbeschäftigung und fühlt sich gut dabei. Manche lästern stundenlang über dies und jenen, für sie ist das Unterhaltung, und sie suchen sich Themen. Ob der Ärger durch das Abreagieren wirklich weniger wird, ist fraglich: Bushman ließ 2002 Versuchspersonen Dampf ablassen, danach waren sie aggressiver als zuvor.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vorwand.&#039;&#039;&#039; Beim Lästerer aus Passion ist die Verletzung von Regeln nur ein Vorwand und nicht das eigentliche Motiv. Verwandt ist die Projektion der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Hexe/Psychopath|Hexe]]: Wer sich selbst schuldig fühlt, leitet die Schuld in Empörung über andere um (Rothschild und Keefer 2017).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gefühl.&#039;&#039;&#039; Die Augen werden verdreht, der Mund zusammengekniffen, der Kopf geschüttelt, man lacht den anderen aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es tut weh.&#039;&#039;&#039; Es geht darum, besser zu sein als andere. Das sieht man daran, dass es wehtut und beschämt, wenn über einen selbst gelästert wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bei Theophrast.&#039;&#039;&#039; Κακολογία: „Backbiting is a disposition to vilify others.“ Auf die Frage „Wer ist der und der?“ beginnt er bei der Herkunft: Der Vater sei ursprünglich ein Sklave gewesen, die Mutter eine Thrakerin, „edles Blut!“, und der Mann selbst ein Galgenstrick. Wenn andere über jemanden herziehen, steigt er ein: „Ich hasse ihn mehr als alle.“ Wenn einer aufsteht und geht, redet er sofort über den Abwesenden, auch über dessen Verwandte. Er lästert über die eigenen Verwandten und Freunde, sogar über Tote, und nennt es Offenheit, Demokratie und Freiheit. Nichts macht ihm mehr Freude.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besser dastehen.&#039;&#039;&#039; Benjamin Franklin sagt in der Fußnote der Theophrast-Ausgabe, Lästern gebe die Genugtuung, „sich besser darzustellen als andere, oder andere nicht besser als uns selbst“. Die Psychologie nennt das sozialen Vergleich (Wert &amp;amp; Salovey 2004).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Verbindung.&#039;&#039;&#039; Lästern über Dritte verbindet, weil es vertraulich ist. Wer einem anderen Schlechtes über einen Dritten sagt, gibt ihm etwas in die Hand, das er weitererzählen könnte. Wer es annimmt und schweigt, bestätigt das Vertrauen. Bosson, Johnson, Niederhoffer und Swann fanden 2006, dass zwei Menschen sich vertrauter werden, wenn sie eine negative Haltung zu einem Dritten teilen, als wenn sie eine positive teilen. Der Abwesende steht außen, die beiden Anwesenden stehen innen ([[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die gute Form.&#039;&#039;&#039; Wenn jemand betrügt, zu warnen ist nützlich. Feinberg, Willer, Stellar und Keltner zeigten 2012, dass die Weitergabe solcher Reputationsinformation die Gruppe schützt und den Weitergebenden beruhigt (die Herzfrequenz sinkt). Der Lästerer hat dafür keinen Anlass und keinen Nutzen: Er lästert über Verwandte, Freunde und Tote, und er hat Freude daran. Das ist die Entgleisung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Beute.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer stammt vom Piesacker, dem die Beute wichtig ist. Der Abwesende ist die Beute, die sich nicht wehren kann und nicht zurückbeißt. Das Nase rümpfen (Ekel) gibt den moralischen Ton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlimm ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demütiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, [[#Hexe/Psychopath|Hexe/Psychopath]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Du Versager.“ „Du wirst es nie zu etwas bringen.“ „Du taugst nichts.“ „Du kannst das nicht.“ „Du Schlampe.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den anderen klein machen und ihm das Gefühl geben, weniger wert zu sein.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch, der sich nicht wehren kann, etwa ein Kind, ein Untergebener oder ein Abhängiger, oft vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: offen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Von oben herab.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Demütiger macht den anderen klein, bis der sich selbst für schlecht hält.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Fluch.&#039;&#039;&#039; Der Demütiger scheint auch von der Hexe abzustammen, wenn er einen Fluch ausspricht. (Siehe [[Hexe#BEHEXUNG III - der Fluch|Der Fluch]].)&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Täter der Scham.&#039;&#039;&#039; Das ist meine Ableitung aus dem Eintrag zur [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Scham|Scham]]: Dort sagt der Vater zur Tochter „Du Schlampe“. Der Demütiger ist der Angreifer, die Scham ist die Reaktion des Wehrlosen, und die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]] ist die Wut darüber. Der Piesacker will das Leid, der Demütiger nimmt den Wert. Das habe ich nicht belegt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Hartling und Luchetta (1999, &#039;&#039;Journal of Primary Prevention&#039;&#039;) beschreiben Demütigung als Erfahrung von Spott, Herabsetzung und Entwürdigung und messen sie in einem Fragebogen, dem Humiliation Inventory (nach dem Abstract). Biderman (1957) nennt Demütigung als eine der acht Methoden der Zwangsüberzeugung, die auch beim [[#Höriger|Hörigen]] stehen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Vater, der seine Tochter vor anderen beschimpft. Der Lehrer, der einen Schüler vor der Klasse vorführt. Die öffentliche Degradierung beim Fall Dreyfus, die schon bei der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Verachtung|Verachtung]] steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neck ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Na, du bist ja ganz rot geworden!“ „War nur Spaß!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufmerksamkeit und eine echte Reaktion des anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Etwas Auffälliges am anderen, etwa ein Fehler, eine Eigenart, Verlegenheit oder Verliebtheit.&lt;br /&gt;
* Mimik: Schelmisches Grinsen.&lt;br /&gt;
* Haltung: offen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Neck ist freundlich. Da ist zwar eine Spur Piesacker, aber eigentlich will er nur Aufmerksamkeit und den anderen zu einer Reaktion provozieren, aber nur, um eine echte Reaktion zu sehen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Freundlich gesinnt.&#039;&#039;&#039; Freundschaftlich. Ein schlechter Scherz. Das kippt nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;„War nur Spaß“.&#039;&#039;&#039; Wenn der Neck das sagt, ist das eine Entschuldigung und keine Verschleierung der bösen Absicht. Wenn es missverstanden wird, tut es ihm ehrlich leid und ist ihm peinlich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beleg.&#039;&#039;&#039; Keltner, Capps, Kring, Young und Heerey (2001, &#039;&#039;Psychological Bulletin&#039;&#039; 127(2), 229–248) definieren Necken als spielerische Provokation, bei der eine Person etwas am anderen kommentiert (nach dem Abstract; den Volltext habe ich nicht gelesen). Der Neck steht auf der freundlichen Seite, der [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]] auf der feindlichen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Zwei Verliebte, die sich aufziehen. Geschwister, die sich Spitznamen geben. Der Kollege, der den anderen mit dem verschütteten Kaffee aufzieht und sich entschuldigt, als der es nicht lustig findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nörgler ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Piesacker|Piesacker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Öde|Öde]] · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Mecker&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Nörgler findet an jedem Guten den Haken. Er ist dabei nicht primär wütend, er hat seinen Spaß daran. Es ist trotzdem toxisch und verdirbt anderen die Laune, und gerade darin liegt seine Lust. Es gibt auch die Variante ohne Publikum, aber da ist das Publikum gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Theophrast heißt er Μεμψιμοιρία, „Tadel am eigenen Los“: „Thanklessness is an improper criticism of what one receives.“ Er findet einen Geldbeutel auf der Straße und sagt: „But I never found a treasure!“ Seine Geliebte küsst ihn, und er fragt: „I wonder if you really do love me so in your heart.“ Er schimpft auf Zeus, nicht weil es regnet, sondern weil es nicht früher geregnet hat. Er gewinnt seinen Prozess einstimmig und beschimpft seinen Anwalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mecker.&#039;&#039;&#039; Das ist die Variante des Nörglers, die Regeln hat. Die Regeln sind eigene oder erlernte, und er ärgert sich, wenn jemand dagegen verstößt. Er meckert für sich oder für andere, auch wenn niemand zuhört. Der Wörterbuch-Ausdruck trifft es: gehässig, aber nicht aggressiv. Der Anlass ist keine Gefahr, sondern eine verletzte Erwartung. Der Fußgänger steht am Zebrastreifen und geht nicht. Jemand drängelt sich in der Schlange vor. Eine Gruppe steht links auf der Rolltreppe. Jemand telefoniert im Ruhebereich der Bahn, mäht den Rasen in der Ruhezeit oder fährt mit dem Rad auf dem Gehweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Straßenverkehr.&#039;&#039;&#039; Dort kennt jeder den Mecker. Der Fahrer fährt zu dicht auf, schneidet beim Überholen oder blinkt erst, wenn man schon neben ihm ist, und man weiß nicht, ob er einen gesehen hat. Bei echter Gefahr reagieren zuerst Angst und Wüterich. Danach kommt der Mecker und klagt die Regel ein: „Wo hat der den Führerschein her?“ Die Verkehrsforschung nennt ähnliche Auslöser für Ärger: Drängeln, Nicht-Ausweichen trotz Lücke und die erzwungene Langsamkeit (Maag u. a. 2003, nach Hafen, Bundesanstalt für Straßenwesen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Menschen bestrafen Regelbrecher auch auf eigene Kosten, und der unmittelbare Antrieb sind negative Gefühle gegenüber den Brechern (Fehr und Gächter, &#039;&#039;Nature&#039;&#039; 2002). Wo bestraft werden kann, blüht die Zusammenarbeit, wo nicht, bricht sie zusammen. Der Mecker ist die harmloseste Form: Die Strafe ist nur das Wort. Sein Urbild ist Wagners Beckmesser, der Merker der „Meistersinger von Nürnberg“. Er kreidet pedantisch Regelverstöße an, die mit dem Gesang nichts zu tun haben, und bei ihm gerät die Regel über die Sache. Das Wort &#039;&#039;Beckmesser&#039;&#039; steht bis heute für beflissene und engstirnige Regelgläubigkeit. Walter Jens hat ihn gegen die Verächter verteidigt: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Verwandt ist Shakespeares Malvolio in „Was ihr wollt“, der ebenfalls an der Regel hängt und dafür verspottet wird. Das Murren des Volkes Israel gegen Mose in der Wüste (2. Mose 16) ist wohl der älteste Beleg für den Mecker, der nicht nur Regeln hat, sondern auch Erwartungen an die Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was er anrichtet.&#039;&#039;&#039; Der Mecker hat eine dunkle Seite, wenn er als Chef oder Elternteil auftritt. Wer täglich für jede Kleinigkeit gemeckert bekommt, lernt, dass jeder Fehler einen Angreifer anzieht. Das ist der Weg zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]]: Die Scham braucht den Angreifer, und der Mecker liefert ihn jeden Tag. Das Ergebnis sind Mitarbeiter, die keine Entscheidung treffen, ohne vorher zu fragen, und beim Kind gilt dasselbe. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen, und wer nach Vorschrift handelt, wird zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Formal|Formal]]. Die Forschung stützt das in Teilen: Teams lernen nur, wenn man sich ohne Angst vor Folgen etwas zutrauen darf (Edmondson 1999), und die Angst vor dem Versagen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben (Elliot und Thrash 2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Meckern&#039;&#039; war zuerst der Laut der Ziege, abgeleitet von mittelhochdeutsch &#039;&#039;mecke&#039;&#039;, „Ziegenbock“. Im 17. Jahrhundert wurde daraus das kurze, helle Lachen, im 18. Jahrhundert das Nörgeln und Kritisieren (Pfeifer). Der Kobold lacht, der Mecker ärgert sich, und beide haben dasselbe Wort. Derselbe Anlass kann den einen oder den anderen zünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „Das macht man nicht.“ „Wenn das jeder täte!“ „Vorschrift ist Vorschrift.“ „Wo hat der den Führerschein her, aus der Lostrommel?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hexe/Psychopath ==&lt;br /&gt;
* Steckbrief: [[Hexe]]&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Piesacker, Täuscher · zu Zweifler, Zombie, Moralist, Höriger, Demütiger&lt;br /&gt;
* Varianten: [[#Hexe/Psychopath|Egozentriker]] (mit Schwätzer, Dozent und Nehmer)&lt;br /&gt;
* Auch: Narzist. Verschiedene Ausprägungen eines Wesens: Die Hexe legt die Betonung auf die Behexung von anderen, der Narzist mehr auf: Ich muss im Mittelpunkt stehen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Luft aus dem Raum.&#039;&#039;&#039; Wer immer im Mittelpunkt stehen muss, saugt die Luft aus dem Raum. Niemand sonst hat Spielzeit. Was die anderen tun, hat keine Bedeutung. So entstehen um die Hexe herum [[Wesen 3: Beutetier#Zombie|Zombies]]; im Steckbrief des Zombies heißt es: „will Andere zu Zombies machen“.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Variante: der Egozentriker.&#039;&#039;&#039; Nicht jeder Narzist ist toxisch wie die Hexe. Manche wollen niemanden klein machen, sie denken nur an sich. Ich, ich, ich. Er behext nicht und manipuliert nicht. Den Schaden der anderen sucht er nicht, er nimmt ihn in Kauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Schwätzer&#039;&#039;&#039; ist eine Form des Egozentrikers. Er redet, und er redet von sich. Selbst hört er nicht lange zu. Erzählt der andere etwas, wartet er nur auf die Lücke, um wieder von sich anzufangen. Redet man dagegen und erzählt selbst eine Geschichte, hört er trotzdem nicht auf. Im Restaurant kommt niemand sonst zu Wort. Sagt man ihm, dass er zu viel redet, hält er eine Viertelstunde Rede darüber, wie recht man hat. Bei Theophrast heißt er Ἀδολεσχία: „Garrulity is incessant heedless talk.“ Er setzt sich neben einen Fremden und erzählt von seiner Frau, von seinem Traum letzte Nacht, von seinem Abendessen, vom Weizenpreis und von seinem Bauchweh: „unless you refuse to listen, he never stops.“&lt;br /&gt;
:Charles Derber nennt das „conversational narcissism“. Erzählt jemand, er sei krank gewesen, kann man fragen: „Wie geht es dir jetzt?“ Oder man sagt: „Ich war letztes Jahr auch krank, das war schlimm, ich …“ Der Schwätzer antwortet fast immer auf die zweite Art. Von sich zu erzählen, ist eine Lust. Menschen verwenden ein Drittel ihres Redens darauf, von sich zu berichten (Diana Tamir und Jason Mitchell 2012). Beim Schwätzer ist es fast alles. Er nimmt den ganzen Raum ein. Mitja Back und Kollegen unterscheiden beim Narzissmus die Bewunderung (sich in Szene setzen) von der Rivalität (andere abwerten); beides kommt getrennt vor. Der Schwätzer hat die Bewunderung ohne die Rivalität.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Bei Theophrast gibt es einen zweiten Redner, den Vielredner (Λαλιά). Kaum macht man den Mund auf, fällt er einem ins Wort: „Don&#039;t forget what you were about to say“ – „That reminds me“ – „But, as I omitted to mention“ – „What an admirable thing talk is!“ Sagt man, man gehe nach Hause, begleitet er einen bis vor die Tür. Beim Essen sagt er, Schweigen sei ihm zu anstrengend. Am Ende rächen sich seine Kinder, wenn sie schlafen wollen: „Papa, tell us something, in order that sleep may come.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Dozent&#039;&#039;&#039; ist eine weitere Form des Egozentrikers. Er hält Vorträge über Themen, die ihn packen. Der Inhalt hat oft Hand und Fuß. Was fehlt, ist die Frage, ob der andere das überhaupt hören will. Er bemerkt die Zeichen nicht: das Gähnen, den Blick aufs Handy, Antworten, die immer kürzer werden. Anders als der Schwätzer redet er nicht, um die Bühne zu haben. Das Thema hat ihn, und er will es weitergeben. Deshalb wirkt er oft freundlicher und ist gerade deshalb schwer zu bremsen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; „You grasp the idea at once“ – „I was watching this long time to see whether you would come to the same conclusion as myself.“ So belehrt bei Theophrast der Vielredner: Er weiß schon alles, und wenn der andere etwas sagt, hat er nur gewartet, ob der auf dasselbe kommt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Nehmer&#039;&#039;&#039; ist die stille Form. Er braucht die anderen nicht, um sich darzustellen. Aber er gibt nicht ab, er erwidert keine Gefallen, er denkt nur an seinen Vorteil. Schädigt er andere dabei, ist das ein Nebeneffekt, nicht das Ziel. Darin unterscheidet er sich von der Hexe, für die der Schaden der anderen die Nahrung ist. Und vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]], der von den anderen lebt; der Nehmer kommt ohne sie aus, er gibt nur nichts zurück. Adam Grant teilt die Menschen bei der Arbeit in Geber, Tauscher und Nehmer (&#039;&#039;Give and Take&#039;&#039;, 2013). Der Nehmer hat auch etwas vom [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sammler|Sammler]]: nicht hergeben, was man hat, und das gilt bei ihm auch für Gefallen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Über Generationen weitergegeben.&#039;&#039;&#039; Im Steckbrief der Hexe steht: „Hexen haben keine eigene Macht und sind daher herrschssüchtig in anderen zu wohnen.“ Und: „Sie wurden zuerst nämlich auch selbst behext.“ Die Psychoanalytikerin Selma Fraiberg schrieb 1975 den Aufsatz „Ghosts in the Nursery“, „Gespenster im Kinderzimmer“: Eltern spielen mit ihren Babys die eigene Kindheit nach, ohne es zu merken. Die Gespenster sind die eigenen Eltern, die mit am Bett stehen. Alice Miller beschreibt in &#039;&#039;Das Drama des begabten Kindes&#039;&#039; (1979) ein Kind, das spürt, was die Mutter braucht, und sich danach richtet. Es wird ein gutes, angepasstes Kind und verliert dabei sich selbst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lügen.&#039;&#039;&#039; Trump: Wie der die Leute manipuliert, du kommst gegen die Lügen gar nicht mehr an. Die &#039;&#039;Washington Post&#039;&#039; hat in seiner ersten Amtszeit über 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen gezählt. Der Programmierer Alberto Brandolini hat 2013 die Regel aufgestellt: Um Unsinn zu widerlegen, braucht man eine Größenordnung mehr Kraft, als ihn in die Welt zu setzen. Wer jede Lüge widerlegen will, ist schon behext; er kämpft auf dem Feld, das die Hexe ausgesucht hat.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Projektion.&#039;&#039;&#039; Ein Trick der Hexe ist, den Gegnern vorzuwerfen, was sie selbst tut. Trump nennt die Presse „Fake News“. 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: „They&#039;re rapists“; 2023 befand ihn ein Geschworenengericht in New York in einem Zivilprozess für schuldig, die Journalistin E. Jean Carroll sexuell missbraucht zu haben. Wer zuerst „Lügner!“ ruft, macht aus dem Lügner den Ankläger. Die Psychologin Jennifer Freyd nennt das DARVO: leugnen, angreifen, Opfer und Täter vertauschen (&#039;&#039;Deny, Attack, Reverse Victim and Offender&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Psychopath.&#039;&#039;&#039; Beim Psychopathen fehlt das Mitgefühl. Es wird nicht unterdrückt, es ist nicht da, jedenfalls nicht für Menschen außerhalb der Gruppe.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Diktator.&#039;&#039;&#039; Der Diktator ist kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Oft stammt er vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich|Wüterich]] und vom Narzissten: Hitler war ein Choleriker. Die Wut kommt bei ihm aus dem Groll über jahrelange Demütigung, im Elternhaus, wie oft gesagt wird, und später im Leben. Mit der Macht kann der Groll tätig werden, und der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Zaum]], der andere hält, fällt weg, weil niemand mehr straft. Dazu kommen Grandiosität, Auserwähltsein und Wahn, ein tiefes Misstrauen bis zur Paranoia, und bei manchen die kalte Berechnung des Psychopathen. Die Forschung findet dasselbe Muster, ohne es einem einzelnen Wesen zuzuordnen. Dean Haycock beschreibt bei Hitler, Stalin, Mao und Saddam Hussein „malignen Narzissmus“ mit Paranoia, fehlendem Gewissen und Sadismus (&#039;&#039;Tyrannical Minds&#039;&#039;, 2019). Amber Nai und Emre Toros fanden 2020 bei Politikern mit autokratischen Zügen deutlich höhere Werte in Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus als bei anderen. Henry Murray beschrieb Hitler 1943 für den US-Geheimdienst als jemanden, der Kränkungen nachträgt und sich rächt. Ferndiagnosen sind umstritten, deshalb beschreiben wir ein Muster und stellen keine Diagnose.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der äußere Feind.&#039;&#039;&#039; Der Diktator braucht einen äußeren Feind, aus zwei Gründen: um die Gruppe zu vereinen und um Wut und negative Gefühle auszuleben. Dafür sorgt der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]. Er entscheidet, wer dazugehört, und wer draußen steht, wird ohne Mitgefühl behandelt. In Diktaturen gelten für diese Menschen andere Regeln.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Gegendämon.&#039;&#039;&#039; Gegen den Ernst des Diktators hilft das Lachen des [[#Kobold|Kobolds]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Oligarch.&#039;&#039;&#039; Wie der Diktator ist der Oligarch kein eigenes Wesen, sondern ein Gemisch. Theophrast nennt ihn eine „Liebe zur Macht, die fest am eigenen Vorteil klebt“ (Ὀλιγαρχία). In der Versammlung fordert er, dass einer volle Gewalt bekommt, und kennt von Homer nur den einen Vers: „Vielherrschaft ist nicht gut, einer sei Herrscher“ (Ilias II 204). Darin stecken mehrere Wesen. Die Verachtung der Menge kommt von der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]]: Er klagt über das undankbare Volk, die Demagogen und den Lärm der Masse, und wenn ein nackter, hungriger Landstreicher neben ihm sitzt, beschwert er sich über die Zumutung. Die Verlustangst kommt vom Knauser: Er hadert mit den Steuern für Feste und Flotte. Dazu kommt die Eitelkeit, mit Mantel, Frisur und gepflegten Nägeln. Er redet so zu Fremden und zu Bürgern „seiner Art und Partei“, und das ist der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Stammesbruder|Stammesbruder]]: Wer dazugehört, zählt, die anderen sind Masse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Hexe/Psychopath, Pedant, Prediger · zu –&lt;br /&gt;
* Hunger: Im Recht sein und besser sein als der andere, durch den Maßstab. Andere nach ihm beurteilen und zurechtweisen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Regelverstoß eines anderen. Eine Gelegenheit, ihn vor Dritten ins Unrecht zu setzen. Ein Konkurrent.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Die Augenbrauen sind leicht gehoben, die Lippen schmal, der Blick geht von oben herab. Dazu kommt das Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Arme verschränkt. Der Zeigefinger ist erhoben.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Das sind Sätze, die jeder kennt:&lt;br /&gt;
:* Das tut man nicht!&lt;br /&gt;
:* Schäm dich!&lt;br /&gt;
:* Wie kann man nur!&lt;br /&gt;
:* Was sollen die Leute denken?&lt;br /&gt;
:* Ich will ja nichts sagen, aber …&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Prediger und vom Pedanten unterschieden.&#039;&#039;&#039; Der Prediger verkündet die Regel für alle. Der Pedant korrigiert Kleinigkeiten. Der Moralist urteilt über Menschen: Er teilt in gut und schlecht ein und weist Schuld zu.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Moral als Waffe.&#039;&#039;&#039; Von der Hexe hat er die Wirkung auf andere: Er macht ein schlechtes Gewissen, und er setzt jemanden vor den anderen ins Unrecht, ohne selbst die Hand zu heben. Darum holt sich der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Krieger|Krieger]] ihn als Werkzeug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Täuscher ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Hexe/Psychopath, Troll, Prahler&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Feigling]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Er spielt vor, was er doch fähig sei, und es ist nur heiße Luft. Ein Lehrling tut so, als könne er alles, und kann es nicht. Bei Politikern ist der Täuscher auch beliebt; sie lügen zwanghaft, aus Gewohnheit. Vermutlich, um nicht kritisiert zu werden, und aus Minderwertigkeitsgefühl: Wer keine Lücke zugeben darf, weil jede Lücke eine Kritik wäre, füllt sie mit Luft.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der falsche Putzerfisch.&#039;&#039;&#039; Im Korallenriff gibt es den echten Putzerfisch, einen kleinen, blau-schwarz gestreiften Lippfisch. Große Fische, sogar Raubfische, kommen zu seiner Putzerstation, halten still, spreizen die Kiemen und öffnen das Maul, und er frisst ihnen die Parasiten ab. Der Säbelzahnschleimfisch sieht fast genauso aus, mit derselben Farbe, denselben Streifen und demselben Schwimmtanz. Der große Fisch kommt, hält still und vertraut. Statt zu putzen, beißt der Täuscher ihm ein Stück aus Flosse oder Haut und flieht. Er lebt von dem Vertrauen, das einem anderen gehört.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Aufblasen.&#039;&#039;&#039; Auch bei Tieren gibt es die heiße Luft: Der Kugelfisch pumpt sich auf, die Kröte bläht sich vor der Schlange, die Katze macht einen Buckel und sträubt das Fell. Man wirkt größer, als man ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Hochstapler.&#039;&#039;&#039; Der Schuster Wilhelm Voigt kaufte sich 1906 eine gebrauchte Hauptmannsuniform beim Trödler, stellte sich vor eine Gruppe Soldaten und besetzte mit ihnen das Rathaus von Köpenick. Niemand fragte nach; die Uniform genügte. Der Postbote Gert Postel arbeitete in den 1990er Jahren ohne Studium als Oberarzt in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Die Psychiatrie kennt das zwanghafte Lügen als „Pseudologia phantastica“; der Arzt Anton Delbrück beschrieb sie 1891 an Patienten, die ihre Lügen halb selbst glaubten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Heiße Luft im Alltag.&#039;&#039;&#039; Der Psychologe Delroy Paulhus legte Leuten Listen mit Fachbegriffen vor und fragte, welche sie kennen. Darunter waren erfundene Begriffe, die es nicht gibt. Viele kreuzten sie trotzdem an. Er nannte das &#039;&#039;Overclaiming&#039;&#039;: Man behauptet Wissen, das man nicht hat, und merkt es oft selbst nicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Streber|Streber]]: Beide spüren denselben Stachel, die Kritik. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrgeiz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Schmach|Schmach]], [[#Sieg|Sieg]] · zu Streber&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich will da hin.“ „Ich will nach oben.“ „Ich will der Beste sein.“ „Das schaffe ich auch.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Aufstieg: mehr Erfolg, mehr Macht, ein höherer Rang.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Stufe, die man erreichen kann: die Beförderung, der Titel, der Erfolg eines anderen, der gleich alt ist.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein wacher, fester Blick, das Kinn leicht vorgeschoben.&lt;br /&gt;
* Haltung: Vorgebeugt, zielgerichtet, schnell.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Ehrgeiz will nach oben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Geiz hieß ursprünglich Gier. Ehrgeiz ist also die Gier nach Ehre, nach Rang, nach Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Erfolg und Macht.&#039;&#039;&#039; Der Ehrgeizige misst sich an dem, was er erreicht, nicht an dem, was andere von ihm halten. Das unterscheidet ihn vom [[#Streber|Streber]], der Anerkennung für sein Können will. Wer Macht hat, kann mehr durchsetzen und wird weniger kommandiert.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es gibt nicht den einen Ursprung. Mal ist es die Geltung („Ich will gesehen werden“), mal die Schmach („Denen zeige ich es“), mal der Sieg („Ich will noch einen“). Daneben stehen der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]] (der andere wurde befördert), die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] vor Not und das Vorbild, dem man nacheifern will. Meist wirken mehrere zugleich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Praktikantin, die Abteilungsleiterin werden will. Der Sportler, der morgens vor allen anderen trainiert. Der Politiker, der schon im Studium die nächste Wahl plant.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird das Ziel wichtiger als alles andere, gehen die Karrieristen über Kollegen hinweg. Der Ehrgeiz kann dann Lüge und Intrige in Kauf nehmen, und der [[#Täuscher|Täuscher]] ist nicht weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Streber ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrgeiz, Wuff Wuff (betteln um Anerkennung), Perfektionist · zu –&lt;br /&gt;
* Der Streber misst an Geltung und Anerkennung, der Ehrgeiz an Erfolg und Macht.&lt;br /&gt;
* Trigger: Kritik.&lt;br /&gt;
* Hunger: Anerkennung, verdient durch Können.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Streber will nicht täuschen. Seine Antwort auf Kritik ist echter Fleiß, und dadurch erhält er Anerkennung. Die halbe Zivilisation baut auf ihm.&lt;br /&gt;
:Anders Ericsson hat 1993 an der Berliner Musikhochschule untersucht, was die besten Geiger von den guten unterscheidet. Es war nicht das Talent, sondern das Üben, allein und gezielt, an genau dem, was man noch nicht kann. Die Besten hatten mit zwanzig Jahren rund 10.000 Stunden geübt, die Schwächeren viel weniger.&lt;br /&gt;
:Das Handwerk hat den Streber zur Einrichtung gemacht: Lehrjahre, Gesellenjahre, das Meisterstück. Anerkennung gibt es nur für das, was man wirklich kann.&lt;br /&gt;
:Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben: „Genie ist 1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Gegenbild&#039;&#039;&#039; ist der [[#Täuscher|Täuscher]]. Beide spüren denselben Stachel, die Kritik, das „Du kannst das nicht“. Der Täuscher bläst sich auf, der Streber setzt sich hin und lernt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Silbermedaille.&#039;&#039;&#039; Der Streber misst an seinem eigenen Anspruch, und der ist ganz oben. Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich werteten 1995 die Gesichter von Olympia-Medaillengewinnern aus: Die Bronze-Gewinner sahen glücklicher aus als die Silber-Gewinner. Der Dritte vergleicht sich mit dem Vierten, der leer ausgeht; der Zweite mit dem Ersten, gegen den er knapp verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewissheit ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich weiß es.“ „Da bin ich sicher.“ „Das steht fest.“ „Darauf kannst du dich verlassen.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein Urteil, das feststeht, ohne weiter zweifeln zu müssen.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]. Wo die Gewissheit herrscht, ist der Zweifel still.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Zweifel tritt beiseite: eine klare Wahrnehmung, eine Wiederholung, die Zustimmung der Gruppe, ein Erfolg, der das Urteil bestätigt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Pure Konzentration.&lt;br /&gt;
* Haltung: Majestätisch, fest stehend, ruhige Hände.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was Gewissheit ist: Das ist der Vampir.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie sonst beschreiben.&#039;&#039;&#039; Wie soll man es sonst beschreiben? Entschlossenheit? Bestimmtheit? Ohne Zweifel? Das alles ist noch vor Publikum.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Mechanismus.&#039;&#039;&#039; Man hat Gewissheit über etwas, weil man sich vergewissert hat und keine Gründe dagegen sprechen. Da scheint Gewissheit von Gründen abzuhängen. Aber der Mechanismus ist in Wahrheit ein anderer. Die Gründe treten beiseite, der Zweifel. Und dann zeigt sich der Vampir. Und diese Gewissheit ist ohne Gründe. Das ist ja das Kennzeichen, dass die Gründe schweigen. Da sind auch keine anderen, denen man etwas erklären muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pure Konzentration.&#039;&#039;&#039; Majestätisch. Imperator Rex. Jahrtausende alt. Und es ist auch [[#Feierlich|feierlich]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Musik.&#039;&#039;&#039; Bei Musik spielt das: Dawn, zum Teil auch Bathory.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Es dauert an.&#039;&#039;&#039; Dieses Gefühl dauert länger an. Das ist auch das, was die Überzeugung und die Kraft gibt, Ziele länger zu verfolgen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Vampir im Alltag.&#039;&#039;&#039; Gewissheit ist das, wo sich der Vampir unerkannt im Alltag zeigt. Der ist nämlich so gründlich gebannt worden, dass man ihm sonst selten begegnet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Jäger.&#039;&#039;&#039; Die Katze schleicht an den Vogel heran und weiß plötzlich: jetzt. Das kann ein Augenblick sein, aber auch eine lange Jagd, bei der das Ziel nie in Zweifel gerät.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Burton.&#039;&#039;&#039; Robert Burton beschreibt 2008 in &#039;&#039;On Being Certain&#039;&#039;, dass das Gefühl der Gewissheit im Körper entsteht, unabhängig davon, ob die Gründe stimmen. Das passt zu „Die Gründe schweigen“. Deshalb können Menschen im Recht und im Irrtum dasselbe feste Gefühl haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Bathory.&#039;&#039;&#039; Die Band Bathory trägt den Namen der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, um die sich die Legende von der Blutgräfin rankt, also einer Vampirgestalt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen, wie bei jemandem, der nichts mehr abwägen muss.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Autofahrerin, die ihre Strecke seit Jahren kennt. Die Mutter, die beim ersten Blick weiß, dass ihr Kind lügt. Der Schüler, der die Rechenaufgabe zum dritten Mal gleich gelöst hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gewissheit ist angenehm und will bleiben. Wer sie einmal hat, sucht Bestätigung und weicht dem Gegenbeispiel aus. Daraus wird der Dogmatiker, der keine Frage mehr zulässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieg ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Vampir · zu Jubel, Stolz, Triumph, Mut, Held, [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich habe gewonnen!“ „Ich bin der Größte!“ „Ja!“ „Geschafft!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Ziel zu erreichen, den Gegner zu besiegen und das Hochgefühl des Gewinnens zu spüren.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Kampf, ein Wettbewerb oder eine Aufgabe, die gelingt: das Tor, der Knockout, das Gerät, das läuft.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Im Sieg gibt es keine Angst und kein Bedauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Strahlendes Gesicht, offener Mund, Siegesschrei.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme gehen nach oben, die Brust ist weit, der Körper streckt sich.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Sieg ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Sieg.&#039;&#039;&#039; Denk an einen Boxkampf. Da kämpfen Krieger. Wenn einer gewinnt, reißt er die Arme nach oben, jubelt und triumphiert. Er macht Sprüche. Hochgefühl. Da ist Euphorie. Da ist nichts Negatives mehr. Kein Bedauern. Keine Angst. Das ist der Sieg.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Auch ohne Gegner.&#039;&#039;&#039; Das kann auch passieren, wenn man Erfolg hat. Dazu muss man keinen menschlichen Gegner besiegen. Wer ein neues Gerät zum Laufen gebracht hat, jubelt und hüpft durch die Halle.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Sprüche.&#039;&#039;&#039; Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, schrie nach dem Sieg über Sonny Liston 1964 in die Presse: „I am the greatest! I shook up the world!“ (Boxing Insider, Express-News)&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Im Tierreich.&#039;&#039;&#039; Das gibt es im Tierreich auch. Nach einem Kampf klopft sich der Sieger auf die Brust. Seine Haltung nimmt mehr Platz ein. Ausrufe. Und danach wird das Revier größer. Denn darum geht es dabei doch eigentlich: Sein Revier zu verteidigen oder zu vergrößern.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Jessica Tracy und David Matsumoto fanden 2008 bei Judokämpfern, dass Sieger die Arme heben und die Brust weiten, auch wenn sie von Geburt an blind sind. Die Siegerhaltung ist also kein Abschauen. Der Vampir ist das Wesen des Reviers (siehe [[#Vampir|Vampir]]), und der Sieg ist sein Hochgefühl.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Siegereffekt.&#039;&#039;&#039; Wer gewinnt, gewinnt danach leichter. Bei Tieren ist das gut beschrieben: Der Sieger kämpft kühner, der Verlierer weicht aus. Beim Menschen steigt nach einem Sieg der Testosteronspiegel, und das Selbstvertrauen wächst (Allan Mazur und Alan Booth, 1998).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus dem Sieg gehen mehrere Wesen hervor, je nachdem, was man daraus macht: der laute [[#Jubel|Jubel]], der still zufriedene [[#Stolz|Stolz]], der zeigende [[#Triumph|Triumph]], der [[#Mut|Mut]], der es wieder wagt, und der [[#Ehrgeiz|Ehrgeiz]], der mehr will.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Boxer nach dem Knockout. Das Kind, das zum ersten Mal ohne Hilfe Fahrrad fährt. Die Schachspielerin, die nach vier Stunden das Matt setzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ein tiefer Atemzug, die Brust weitet sich, dann oft ein Schrei oder ein Lachen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Sieg macht süchtig nach dem Sieg. Wer nur noch gewinnen will, sucht Gegner, die er schlagen kann, und kann Niederlagen nicht mehr ertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dank ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von HOMO · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Hunger: keiner. Er stellt sich ein, wenn ein Hunger gestillt wird. Aber er drängt zum Zurückgeben.&lt;br /&gt;
* Trigger: eine unerwartete Wohltat. Aber auch Essen, Sex, Musik, Erfolg, die Sonne. Manchmal ganz ohne Anlass. Und die Begnadigung.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Groll|Groll]]. Wer dankbar an jemanden denkt, kann ihm in diesem Moment nicht grollen.&lt;br /&gt;
* Bannung: Bedrohung, Angst und die Forderung nach Dank verhindern ihn. Er lässt sich nicht befehlen. Er kann sich einstellen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Dankbarkeit stellt sich meist bei einer unerwarteten Wohltat ein und richtet sich auf den Geber. Aber nicht immer. Sie kommt auch nach anderen Befriedigungen, nach einem guten Essen, nach Musik, nach einem Erfolg, und auch [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Sunny|Sunny]], der nur in der Sonne liegt, kann dankbar sein. Sie ist ein Zeichen von Gesundheit, Vitalität und Glück. Das gute Gefühl schafft eine Erinnerung, damit man das Gesunde wiederholt. Das Wesen wächst, wenn man es regelmäßig füttert. Dank ist urtümlich, ein Elternteil ist nicht zu finden. Aus Dank kann Verehrung werden. Man ist seinem Idol dankbar: „Er hat meinem Leben einen Sinn gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwei Arten.&#039;&#039;&#039; Robert Emmons und Michael McCullough verlangten für Dankbarkeit einen Geber, von dem das Gute kommt. Nathaniel Lambert, Steven Graham und Frank Fincham fragten 2009 gewöhnliche Menschen und fanden zwei Arten: die Dankbarkeit für eine Wohltat und eine allgemeine Dankbarkeit ohne Geber. Bernard Weiner, Daniel Russell und David Lerman fragten 1979 Studenten, warum sie eine Prüfung bestanden hatten. Wer es der Hilfe anderer zuschrieb, war dankbar. Wer es sich selbst zuschrieb, war eher stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Erinnerung.&#039;&#039;&#039; Essen, Sex und Musik laufen über dieselben Belohnungsbahnen. Adiel Mallik, Mona Lisa Chanda und Daniel Levitin blockierten 2017 die körpereigenen Opioide, und die Musik bewegte weniger: „music uses the same reward pathways as food, drug and sexual pleasure.“ Philip Watkins und Kollegen fanden 2004: Dankbare Menschen erinnern sich häufiger an die guten Ereignisse ihres Lebens. In den Versuchen von Emmons und McCullough (2003) schrieben Teilnehmer jede Woche auf, wofür sie dankbar waren. Danach waren sie dankbarer und zufriedener, hatten weniger Beschwerden und trieben mehr Sport. Eine Meta-Analyse über 145 Arbeiten mit fast 25.000 Teilnehmern (PNAS 2025) bestätigt die Wirkung des Fütterns, wenn auch schwach, und am stärksten bei denen, die wenig Dankbarkeit mitbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Zusammenhalt.&#039;&#039;&#039; Das Gefühl wurde verwendet, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Gegenseitige Hilfe gibt es bei allen Tieren, die in Gruppen leben. Aber erst wo Tiere einander einzeln erkennen, merken sie sich den Geber. Vampirfledermäuse würgen Blut für hungrige Nachbarn hervor. Gerald Carter und Gerald Wilkinson zeigten 2013: Wer früher etwas bekommen hat, gibt später, und das zählt 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft. Frans de Waal zeigte 1997 bei Schimpansen: Wer einen anderen in den zwei Stunden davor gelaust hatte, bekam von ihm öfter Futter ab. Wer nicht gelaust hatte, wurde abgewehrt. Ohne Dankbarkeit bekäme der Geber nichts zurück. Adam Grant und Francesca Gino ließen 2010 Versuchspersonen ein Bewerbungsschreiben korrigieren und baten sie danach um ein zweites. Stand in der Bitte „Thank you so much! I am really grateful.“, half nicht ein Drittel, sondern zwei Drittel. Wer dankbar ist, hilft seinem Wohltäter auch, wenn es ihn etwas kostet, und hilft sogar Fremden mehr (Monica Bartlett und David DeSteno 2006). Ohne Dankbarkeit gäbe es nur den Handel Zug um Zug. Mit ihr kann man jetzt helfen und später zurückbekommen, ohne dass jemand Buch führt. Der [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Schmarotzer|Schmarotzer]] nimmt und gibt nicht. Er ist der Mensch ohne Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Forderung.&#039;&#039;&#039; Geforderter Dank ist kein Dank mehr, sondern eine Schuld. Philip Watkins und Kollegen zeigten 2006: Je deutlicher ein Geber zu verstehen gibt, dass er etwas zurück erwartet, desto mehr fühlt sich der Beschenkte verschuldet, desto weniger ist er dankbar und desto seltener hilft er dem Geber danach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Begnadigung.&#039;&#039;&#039; Die Begnadigung erzeugt echte Dankbarkeit, auch wenn einen der Täter verschont. Das ist völlig absurd, aber so ist es. Karl Halvor Teigen zeigte 1997: Dankbarkeit entsteht aus dem Vergleich mit dem, was hätte geschehen können. Je schlimmer das Erwartete, desto größer der Dank. Der Psychiater Frank Ochberg spricht bei Geiseln von einer „primitive gratitude for the gift of life“. Das nutzt die [[Hexe]] beim [[#Höriger|Hörigen]]: Wer ständig Strafe erwartet, empfindet schon das Ausbleiben der Strafe als Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Achtung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Raubtier, Staun · zu Verehrung/Bewunderung&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Geachtet wird die Stärke. Man achtet in anderen die Eigenschaften, die einem selbst wichtig sind. Achtung bekommt man nicht geschenkt, man muss sie wert sein. Wer falsch ist, kann nicht geachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriterien der Hochachtung können sein: Jemand haut einen intellektuell vom Sockel. Intensive Präsenz in den Augen, da ist jemand wirklich da (siehe [[Vampir#Blick|Blick]]): Das Raubtier sucht das Raubtier. Aufrichtigkeit. Der Wille zur Perfektion (siehe [[Wesen 2: Raubtier – Vampir#Perfektionist|Perfektionist]]). Konzentriertes Streben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achtung steht am Anfang einer Linie: Achtung → Verehrung → Ehrfurcht → Fan. Am Ende steht der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verehrung/Bewunderung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Staun, Dank, Achtung · zu Ehrfurcht, Eifersucht, Liebe, Aphrodite&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Verehrung ist, einen Menschen zu bewundern, der Eigenschaften in großem Maß hat, die man selbst wertschätzt. Das kann Intelligenz sein, Fähigkeit oder Ausdauer. Man bewundert auch Tugend, nicht nur Können. Was man bewundert, ist bei jedem anders, und mancher wird von der Intelligenz eines anderen eingeschüchtert. In der Nähe eines solchen Menschen fühlt man sich gut, hat ein Hochgefühl und hält ihn für etwas Besonderes.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was man will.&#039;&#039;&#039; Man will für den Verehrten etwas tun, auch ohne Tauschhandel. Etwas Nichtmaterielles will man aber doch: Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Kontakt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu es gut ist.&#039;&#039;&#039; Bewunderung zieht zum Vorbild hin. Man sucht die Nähe, schaut hin, lernt und ahmt nach. Das erfüllt einen Zweck: Man eifert dem Vorbild nach, und dadurch wird das Können der Gruppe entwickelt. Man erzählt anderen von dem Bewunderten und stärkt so seinen Ruf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bewunderung und Neid.&#039;&#039;&#039; Wirkt Verbesserung erreichbar, kann aus Bewunderung ein gutartiger Neid werden, der nach oben zieht (van de Ven und Kollegen 2011). Wirkt sie unerreichbar, bleibt es bei der Bewunderung, ohne dass sie antreibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Schönheit.&#039;&#039;&#039; Die Bewunderung von Schönheit und Anmut ist ein eigenes Wesen, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Aphrodite|Aphrodite]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was daraus wird.&#039;&#039;&#039; Aus der Verehrung gehen die [[#Ehrfurcht|Ehrfurcht]], die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]] und die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] hervor, und über die Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]. Die Entgleisung ist der [[#Stalker|Stalker]], der die Souveränität dessen, den er verehrt, nicht mehr achtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrfurcht ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Verehrung/Bewunderung · zu Fan&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist ein großer Mensch.“ „Für den tue ich es.“ „So jemanden trifft man selten.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Dem Größeren zu dienen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Mensch mit besonderen Qualitäten, der aufrichtig ist und über einem steht.&lt;br /&gt;
* Mimik: Offene Augen, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern sinken nicht, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Person steht über einem. Das ist wahr. Das denkt man. Aber man fühlt sich nicht kleiner. Das ist erhebend.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Positiv und sinngebend.&#039;&#039;&#039; Die Ehrfurcht ist etwas Positives und gibt einem Sinn. Man fühlt sich gut dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dienen.&#039;&#039;&#039; Man will für die Person etwas tun. Ihr dienen, auch als stolze Persönlichkeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Charisma.&#039;&#039;&#039; Das ist der Grund, weshalb charismatische Gestalten Anhänger haben, die begeistert für die Person oder die Sache etwas tun. Man sieht da besondere Qualitäten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Aufrichtigkeit.&#039;&#039;&#039; Aufrichtigkeit ist Voraussetzung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wenn es anders ist.&#039;&#039;&#039; Bei Anhängern von Diktatoren oder Politikern mag das anders sein. Da werden dann Charakterfehler mit der Größe entschuldigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ehre und Furcht.&#039;&#039;&#039; Das Wort enthält beides. Bei der Ehrfurcht vor einem Menschen ist von der Furcht kaum etwas zu spüren, es bleibt die Ehre.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Verehrung.&#039;&#039;&#039; Die Verehrung kommt dem Bewunderten nah. Die Ehrfurcht sieht in ihm schon etwas Höheres, dem man dient, und der Verehrte steigt vom Vorbild zum Anführer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Charisma.&#039;&#039;&#039; Max Weber hat das Charisma als außergewöhnliche Eigenschaft beschrieben, aus der die Gefolgschaft entsteht. Die Hingabe der Anhänger ist freiwillig. Das unterscheidet sie vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der der Macht folgt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vor der Größe.&#039;&#039;&#039; Ehrfurcht gibt es auch vor Dingen. Rudolf Otto beschrieb 1917 in &#039;&#039;Das Heilige&#039;&#039; das Gefühl vor dem Göttlichen als zugleich erschreckend und anziehend, „mysterium tremendum et fascinans“. Vor einem Gebirge oder einem Sternenhimmel fühlt man sich klein, aber nicht schlecht: Die Forschung zum Staunen (Bai und Kollegen 2017) beschreibt, dass die Aufmerksamkeit vom eigenen Ich wegrückt und man sich verbunden fühlt. Die Ehrfurcht vor einem Menschen erhebt: Jonathan Haidt beschreibt bei der Bewunderung Energie, Freude und den Antrieb, selbst höher zu leben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Zum Fan.&#039;&#039;&#039; Wenn der Ehrfürchtige den Menschen dauernd so sieht, wird aus der Ehrfurcht der [[#Fan|Fan]]: Er hält den Verehrten für göttlich und macht ihn zum Idol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fan ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Ehrfurcht · zu Stalker, Höriger&lt;br /&gt;
* Hunger: Verehrung.&lt;br /&gt;
* Entgleisung: der [[#Stalker|Stalker]].&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Fan verehrt einen Menschen selbst, nicht dessen Macht. Darin unterscheidet er sich vom [[Wesen 5: Noch ohne Ort#Vasall|Vasallen]], der nur folgt, solange die Macht da ist. Der Hörige vergöttert sein Idol, und das ist im Grunde der Fan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan glaubt, einen ganz besonderen Menschen gefunden zu haben. Seine Ansprüche werden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Dann steigt der Verehrte auf, von der Achtung zur Verehrung bis zur Ehrfurcht: aus dem König wird ein Gott. Stendhal nannte das 1822 die Kristallisation: Ein kahler Zweig, in einen Stollen des Salzbergwerks bei Salzburg geworfen, ist nach Monaten über und über mit Kristallen bedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan hält den Verehrten für göttlich und sammelt darum Fanartikel. Es geht ihm nicht ums Sammeln, sondern um Verehrung, und das macht ihn glücklich. Die Psychologen George Newman, Gil Diesendruck und Paul Bloom fanden 2011: Was Dinge von Berühmten wertvoll macht, ist vor allem der Glaube, dass in ihnen etwas vom früheren Besitzer steckt. Je mehr der Berühmte einen Gegenstand berührt hatte, desto lieber wollten ihn die Leute kaufen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Lisztomanie.&#039;&#039;&#039; Der Rausch um den Pianisten Franz Liszt begann 1841 in Berlin; Heinrich Heine prägte das Wort 1844. Frauen wollten Locken seines Haars. Riss ihm eine Klaviersaite, wollten Verehrerinnen sie haben, um ein Armband daraus zu machen. Manche trugen Glasfläschchen bei sich, in die sie seinen Kaffeesatz gossen. Eine Hofdame hob einen Zigarrenstummel auf, den er auf die Straße geworfen hatte, ließ ihn in ein Medaillon fassen, umgeben von seinem Monogramm „F.L.“ in Diamanten, und trug ihn mit sich herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fan ist nicht gezwungen. Das unterscheidet ihn von der [[Wesen 3: Beutetier#Sucht|Sucht]]: Das Idol macht ihn tatsächlich glücklich, ein Blick oder eine Stimme genügt. Oft ist das Bild dessen, was ihn glücklich macht, schon vorher da, wie ein [[Die Entstehung der Seele#Die Phantasie|Suchbild]]. Dann begegnet ihm ein Mensch, in dem dieses Bild sein Äußerstes findet. Das kann bis zur Besessenheit gehen. Auch dann ist er noch nicht der [[#Stalker|Stalker]]: Die Besessenheit bleibt in ihm, die Gedanken kreisen um den Verehrten, aber er lässt ihn frei. Der Stalker greift nach dem anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Stufen.&#039;&#039;&#039; Die Psychologen Lynn McCutcheon, Rense Lange und James Houran haben 2002 eine Skala für die Verehrung von Berühmten entwickelt, mit drei Stufen: Unterhaltung und Geselligkeit (man verfolgt Neuigkeiten und redet mit anderen darüber), intensiv-persönlich (man fühlt sich dem Star tief verbunden, hält ihn etwa für einen Seelenverwandten und denkt zwanghaft an ihn), und grenzwertig-pathologisch (bis zur Bereitschaft, für den Star etwas Ungesetzliches zu tun). Die hohen Stufen sehen sie als riskant an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ähnlich wie verliebt sein (siehe [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Liebe|Liebe]]). Aber der Fan kann einen Menschen auch wegen ganz anderer Eigenschaften verehren: den Sänger wegen seiner Stimme, die Sportskanone wegen ihrer Leistung. Und er kann einen Menschen des eigenen Geschlechts verehren, ohne jede erotische Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprüche:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I would die for him.“&#039;&#039; → Hingabe bis zum Äußersten. Gesagt von einem Fan nach einem Auftritt von Justin Bieber; ihre Freundin hatte vorher schon „Literally anything“ gesagt, und sie musste noch einen draufsetzen (Sydney Morning Herald, 2015).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Mother!“&#039;&#039; → Rufe der Fans bei Beyoncés Renaissance-Tour 2023. Sie heißt auch „Queen Bey“.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Today I had the chance to meet my great idol.“&#039;&#039; → Céline Dept nach dem Treffen mit Cristiano Ronaldo, 2026: Er habe ihr die Kraft gegeben, an sich zu glauben und nie aufzugeben.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„She got me through my breakups.“&#039;&#039; → Ein Fan von Taylor Swift.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„The first time I saw him he changed my life. … He captured my heart.“&#039;&#039; → Das Leben geteilt in ein Vorher und ein Nachher. Cheryl Skogen, 66, aus Los Angeles bei der Kerzenwache vor Graceland 2012 (AP). Sie hatte Elvis zum ersten Mal in der Ed-Sullivan-Show gesehen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„I felt the spirit of Elvis there, as if he was alive.“&#039;&#039; → Der Tote lebt weiter wie ein Heiliger. Sergio Galleguillo aus Argentinien nach dem Gang an Elvis&#039; Grab, 2012 (AP).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„If you were sad or happy or whatever, he was such a big part of your life.“&#039;&#039; → Der Begleiter in allen Lagen. Christine Jeffords, Vorschullehrerin aus Wisconsin, 2013 (AP).&lt;br /&gt;
Die Sprache der Fans ist religiöse Sprache: Mutter, Königin, der Geist des Toten, der Pilgerort. Vor Graceland, dem Haus von Elvis Presley, bauen die Fans jedes Jahr bei der Kerzenwache zu seinem Todestag Schreine mit Kerzen und Bildern auf der Straße. Ein Fan aus Chile: „It&#039;s hard to believe that I&#039;m here on the street where he walked, the street corners where he stood, the restaurants where he ate.“ Die Zeitung &#039;&#039;Commercial Appeal&#039;&#039; überschrieb ihren Bericht über die Kerzenwache 2026: „Elvis fans say ‚thank you&#039; to the King“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann toxisch sein, muss es aber nicht. Er kann den Verehrten auch fördern, über jedes gewöhnliche Maß hinaus, und ihm seine Hochachtung sagen. Der echte Fan achtet die Souveränität dessen, den er verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stalker ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]] · zu –&lt;br /&gt;
* Gegenspieler: die Achtung vor der Souveränität des anderen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Stalker will sein Idol ganz für sich haben. Er ist eifersüchtig. Er achtet nicht die Souveränität dessen, den er verehrt. Er ist die Entgleisung des [[#Fan|Fans]]: Die Verehrung wird dominant und schaltet die Achtung aus.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Rebecca Schaeffer.&#039;&#039;&#039; Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 von Robert John Bardo erschossen, einem besessenen Fan, der sie verfolgt hatte. Danach erließ Kalifornien 1990 das erste Gesetz gegen Stalking in den USA.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Monica Seles&#039;&#039;&#039; wurde am 30. April 1993 in Hamburg während eines Spiels mit einem Messer in den Rücken gestochen. Der Täter war ein besessener Fan ihrer Rivalin Steffi Graf. Laut Polizei wollte er Seles so schwer verletzen, dass sie nicht mehr spielen konnte und Graf wieder die Nummer eins würde. Hier richtet sich die Eifersucht nicht gegen das Idol, sondern gegen den Rivalen des Idols: Neben ihm darf keiner stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höriger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Fan, Hexe/Psychopath · zu –&lt;br /&gt;
* Verwandt: [[#Stalker|Stalker]], [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Eifersucht|Eifersucht]]&lt;br /&gt;
* Beschreibung:&lt;br /&gt;
Der Hörige ist ein behexter [[#Fan|Fan]]. Im Mittelalter waren Hörige unfreie Bauern, die zum Land eines Herrn gehörten; in „hörig“ stecken „gehören“ und „gehorchen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang ist es eine Romanze, vom dominanten Teil entweder echt oder gezielt eingesetzt (siehe [[#Hexe/Psychopath|Hexe]]). Dann kann auch Eifersucht dazukommen. Es geschieht langsam. Wie kocht man einen Frosch? Langsam. (Das ist ein Gleichnis; echte Frösche springen heraus, bevor das Wasser heiß wird.) Typisch ist der Wechsel von Demütigung und Reue. Auch die sozialen Verbindungen werden verboten, denn sie wären ein Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Opfer flieht nicht, weil es innen das Wechselbad spiegelt. Es entschuldigt und verteidigt den Täter. Er ist ja auch wunderbar.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Forschung.&#039;&#039;&#039; Lenore Walker beschrieb 1979 den Kreislauf aus Spannungsaufbau, Ausbruch und Versöhnung, in der sich der Täter entschuldigt, Geschenke macht und Besserung verspricht. Die Frau kehrt nach Walker nicht zurück, weil sie die Gewalt vermisst, sondern weil sie noch glaubt, es besser machen zu können. Donald Dutton und Susan Painter zeigten 1981: Ein Machtgefälle und der Wechsel von Grausamkeit und Zuwendung erzeugen eine besonders feste Bindung. Das Opfer übernimmt mit der Zeit das Bild, das der Täter von ihm hat, und kehrt oft zurück. Wer jemanden von Freunden und Familie abschneidet, nimmt ihm den Ausweg.&lt;br /&gt;
Dazu kommt die Mystifizierung durch die [[Hexe]]. Das Opfer übernimmt die Wertung und Deutung des Täters: „Ich wurde zu Recht bestraft.“ „Ich darf nicht so ungeschickt sein.“ „Ich muss besser putzen.“ Am Ende steht die globale Zuschreibung: Es liegt nicht mehr an dem, was ich tue, sondern an dem, was ich bin. Ronnie Janoff-Bulman unterschied 1979 diese beiden Arten der Selbstbeschuldigung. Die erste betrifft das Verhalten und lässt die Hoffnung, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Die zweite betrifft den Charakter, und das Opfer hält sich selbst für schuldig, so zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; (1944) bringt der Ehemann (Charles Boyer) seine Frau (Ingrid Bergman) dazu, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln: Das Gaslicht flackert, und er sagt, sie bilde es sich ein. Von dem Film hat das Wort „Gaslighting“ seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sängerin FKA twigs schilderte 2021 im Fernsehen ihre Beziehung mit dem Schauspieler Shia LaBeouf. Er bestritt die Vorwürfe, 2025 endete ihre Klage mit einem Vergleich. Am Anfang sprang er über den Zaun und legte Blumen, Gedichte und Bücher vor ihre Tür: „I thought it was very romantic.“ Dann das Wechselbad: „Putting me on a pedestal, telling me that I was amazing, over-the-top displays of affection, just to knock me off the pedestal, to tell me that I was worthless.“ Und die Mystifizierung: „he would push me and then he would say, ‚You fell.&#039; And I would get really confused. And, and I think, I would think, ‚Maybe I did.&#039;“ Als sie im Interview weint, entschuldigt sie sich. Auf die Frage, warum sie nicht gegangen ist: „it&#039;s because it was that bad I couldn&#039;t leave.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tina Turner über Ike Turner: „sometimes after he beat me up, I&#039;d end up feeling sorry for him“ und „I&#039;m sitting here all bruised and torn and I&#039;m feeling sorry for him.“&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Soziologe Albert Biderman befragte US-Piloten, die in koreanischer Gefangenschaft falsche Geständnisse abgelegt hatten, und stellte 1957 acht Methoden zusammen: Isolation, Monopolisierung der Wahrnehmung, Demütigung, Erschöpfung, Drohungen, gelegentliche Gunst, Allmacht zeigen und banale Forderungen erzwingen. Amnesty International nannte sie 1973 die „universal tools of torture and coercion“. Dieselben Methoden finden sich in der Beziehung zum Hörigen. FKA twigs musste ihm etwa 20 Berührungen und Küsse am Tag geben: „he would say that I didn&#039;t kiss him enough.“ Auf der Autobahn drohte er, das Auto gegen eine Wand zu fahren, wenn sie ihn verlässt. Evan Stark, der den Begriff „Coercive Control“ prägte, nennt als wichtigstes Mittel die Regelung des Alltags: „how women dress, cook, clean, socialize, care for their children, or perform sexually.“ Der Täter stellt die Regeln auf, das Opfer macht sie zu seinem eigenen Maßstab. Sally Challen war rund 40 Jahre verheiratet. Ihr Mann kontrollierte das Geld und bestimmte, mit wem sie befreundet war. Ohne ihn durfte sie nicht ausgehen. 2010 erschlug sie ihn. 2019 hob das Berufungsgericht die Verurteilung wegen Mordes auf, ihre Anwälte hatten mit der Kontrolle durch ihren Mann argumentiert. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt und kam frei. Der Täter muss das nicht planen. Es ist ein Muster.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Sprüche.&#039;&#039;&#039; Im Film &#039;&#039;Gaslight&#039;&#039; sagt Gregory zu Paula: „You know, you are inclined to lose things.“ Sie: „I am? I didn&#039;t realize that.“ Später: „Are you becoming suspicious as well as absent-minded, Paula?“ und „It hurts me when you&#039;re ill and fanciful.“ Einladungen sagt er ab, sie sei krank. Am Ende sagt Paula selbst: „I&#039;m always losing things and hiding things and I can never find them“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Davey lernte Ashley Southgate 2015 kennen. Nach einer Woche sagte er, dass er sie liebt, nach einem Monat sprach er von Heirat und Kindern: „I thought I&#039;d found my soulmate“. Dann: „Why do you need to see your family so much? Do you need to see your friends?“ Er kaufte ihr neue Kleider, weil sie die alten mit anderen getragen hatte: „You&#039;re like my dolly.“ In jedem Zimmer hing eine Kamera: „Where are you? I can&#039;t see you on camera.“ Als er sie hinauswarf: „Here you go... you haven&#039;t even got money for a loaf of bread.“ Danach: „he is telling me he is sorry and he will change, and he loves me - and I&#039;m back on cloud nine.“ Er gestand und wurde 2022 verurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau erzählte der BBC, ihr Partner habe sie „worthless person“ genannt und gesagt, „nobody else would ever want to go out with me“: „He had worn me down so much that I believed him.“ Und: „he put a noose around my neck and then as the weeks went by he slowly, slowly, slowly tightened the noose“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jubel ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Feierlich&lt;br /&gt;
* Spruch: „Jaaa!“ „Geschafft!“ „Yes!“ „Tor!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das Hochgefühl herauslassen, sofort und mit dem ganzen Körper.&lt;br /&gt;
* Trigger: Das Ziel ist erreicht, plötzlich und eindeutig: das Tor, die bestandene Prüfung, der Gewinn.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein weit offener Mund, Lachen oder Schrei, strahlende Augen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme hoch, die Fäuste geballt, Hüpfen, Umarmungen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Jubel ist der Ausbruch des Hochgefühls beim Erfolg.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Spontan und ansteckend.&#039;&#039;&#039; Der Jubel überlegt nicht. Er kommt im Moment des Erfolgs, und wer daneben steht, ist sofort mit dabei. Beim Tor springen die Zuschauer im Stadion gleichzeitig auf und umarmen auch Fremde.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Der Jubel atmet tief ein und lässt die Luft als Schrei oder Lachen heraus. Danach ist die Atmung schnell und gelöst, ganz anders als beim Schreck, der den Atem anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Jubel, Triumph, Feierlich.&#039;&#039;&#039; Der Jubel braucht keinen Gegner und keine Zuschauer: Wer allein den Gipfel erreicht, ruft „Ja!“ in die Berge. Der [[#Triumph|Triumph]] zeigt den Sieg dem Besiegten. Das [[#Feierlich|Feierliche]] macht daraus ein geordnetes Fest. Der Jubel steht davor und ist kurz.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das beim Geschenk hüpft. Die Schülerin, die ihr Zeugnis sieht. Die Läuferin, die im Ziel die Arme hochreißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stolz ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Rückgrat&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das habe ich mir selbst erarbeitet.“ „Ich lasse mich nicht herabwürdigen.“ „Ich habe meinen Stolz.“ „Lieber verzichte ich darauf.“ „Das habe ich nicht nötig.“ „Ich lasse mir von dem nichts sagen.“ „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Selbstachtung, Würde und die Bestätigung des eigenen Wertes. Beim überheblichen Stolzen kommt der Wunsch nach Überlegenheit hinzu.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Leistung oder das Erreichte. Eine Situation, in der sein Selbstwert berührt wird. Das kann eine Herausforderung sein, bei der er seine Fähigkeiten beweisen möchte, oder eine Kränkung, bei der er sich herabgesetzt fühlt. Besonders empfindlich reagiert der Stolze darauf, wenn seine Leistungen missachtet oder seine Fähigkeiten angezweifelt werden.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein kleines Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf erhoben, Brust geweitet, ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Stolz ist eine Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Haltung.&#039;&#039;&#039; Das ist eine Haltung. Kopf erhoben. Brust geweitet. Ehrlich ohne Falschheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Worauf.&#039;&#039;&#039; Man ist stolz auf eine Leistung oder auf das Erreichte. Und man ist mit sich im Reinen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Moment.&#039;&#039;&#039; Aber eigentlich zeigt es sich in dem Moment, weil alles gut ist.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Anders als Arroganz.&#039;&#039;&#039; Man hat eine hohe Meinung von sich selbst. Anders als Arroganz macht man andere nicht kleiner.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zwei Varianten.&#039;&#039;&#039; Es gibt zwei Varianten von Stolz. Eine ist nicht arrogant. Eine tut sich mit [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Arroganz|Arroganz]] zusammen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Dankbar.&#039;&#039;&#039; Man ist dankbar und ist auch anderen wohlgesonnen. Glück. Fülle. Sonnenschein.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht feindlich.&#039;&#039;&#039; Dazu muss man nicht feindlich sein. Nicht auf andere herabblicken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Viele Dämonen haben auch mit der Atmung zu tun. Der Stolz hat eine ruhige, gleichmäßige und tiefe Atmung. Während etwa der [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Büßer|Büßer]] das Gegenteil ist und eine flache und unglückliche Atmung hat mit seiner gebeugten Haltung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Stolze.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will sich selbst achten können. Er misst seinen eigenen Wert an seinen Leistungen, Fähigkeiten, Überzeugungen oder seiner Herkunft. Sein Stolz entsteht aus der Vorstellung: „Ich bin jemand, und das lasse ich mir nicht nehmen.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ursprung und Motiv.&#039;&#039;&#039; Stolz entsteht, wenn ein Mensch etwas an sich selbst als wertvoll empfindet und diesen Wert bewahren möchte. Das kann eine selbst erbrachte Leistung sein, eine überwundene Schwierigkeit, eine besondere Fähigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Gemeinschaft. Der entscheidende Unterschied zur Eitelkeit: Der Stolze braucht nicht unbedingt Bewunderung. Er braucht einen Grund, sich selbst zu achten. Allerdings gibt es zwei sehr unterschiedliche Ausprägungen.&lt;br /&gt;
::* Leistungsstolz: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“ Er motiviert zu Anstrengung, Ausdauer und hohen Ansprüchen.&lt;br /&gt;
::* Überheblichkeitsstolz: „Ich bin mehr wert als andere.“ Er verlangt Rang, Vorrang und Unterordnung.&lt;br /&gt;
:In der Psychologie entspricht das ungefähr der Unterscheidung zwischen authentic pride und hubristic pride (Tracy und Robins).&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Handlungsweise.&#039;&#039;&#039; Der Stolze will seinen Ansprüchen gerecht werden. Er kann außerordentlich gewissenhaft, ausdauernd und zuverlässig sein. Lieber nimmt er Schwierigkeiten auf sich, als sich selbst zu enttäuschen. Doch Stolz kann auch zur Falle werden. Er weigert sich, um Hilfe zu bitten, obwohl er sie braucht. Er gesteht einen Fehler nicht ein, weil er darin eine Erniedrigung sieht. Er lässt sich lieber schaden, als nachzugeben. Sein eigener Anspruch wird zu seinem Gefängnis.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was er fühlt.&#039;&#039;&#039; Wenn er seinen Ansprüchen gerecht wird, empfindet er Befriedigung, Stärke und Selbstachtung. Wird sein Stolz verletzt, kann er Scham, Wut, Trotz oder Verachtung empfinden. Besonders interessant ist, dass er selbst ein berechtigtes Zugeständnis als Niederlage erleben kann.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Seine Schwäche.&#039;&#039;&#039; Der Stolze kann seinen eigenen Wert nicht immer von seiner Stellung oder seinen Leistungen trennen. Dann wird jeder Fehler zur Kränkung und jede Kritik zum Angriff auf seine Person. Er kann sogar etwas zerstören, das ihm wichtig ist, nur um seinen Stolz nicht aufgeben zu müssen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn beeinflusst.&#039;&#039;&#039; Den Stolzen öffentlich zu demütigen, ist meistens kontraproduktiv. Er wird versuchen, seine Würde zu verteidigen, selbst wenn ihm das schadet. Er ist eher erreichbar, wenn er einen Fehler korrigieren kann, ohne seine gesamte Selbstachtung zu verlieren. Man kann außerdem an seinen eigenen Anspruch appellieren: „Gerade weil du so viel Wert auf deine Arbeit legst, solltest du diesen Fehler korrigieren.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Stolz und Eitelkeit.&#039;&#039;&#039; Stolz und Eitelkeit können sich sogar widersprechen. Der Eitle möchte bewundert werden und passt sich dafür möglicherweise seinem Publikum an. Der Stolze kann gerade die Bewunderung ablehnen, wenn er sich dafür verbiegen müsste. Der Eitle fragt: „Was denken die anderen über mich?“ Der Stolze fragt: „Was würde ich über mich selbst denken?“ Das macht den Stolz zu einem besonders interessanten Wesen: Er kann sowohl eine Quelle großer Charakterstärke als auch eine Ursache verhängnisvoller Unnachgiebigkeit sein.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Belege.&#039;&#039;&#039; Tracy und Robins (2004, &#039;&#039;Psychological Science&#039;&#039; 15(3), 194–197) fanden in drei Experimenten einen erkennbaren Ausdruck des Stolzes: kleines Lächeln, Kopf leicht zurückgelegt, sichtbar geweitete Haltung, Arme über dem Kopf oder Hände in den Hüften (nach dem Abstract). Das deckt sich mit „Kopf erhoben, Brust geweitet“. Dieselben Autoren (2007, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 92(3), 506–525) unterscheiden zwei Seiten des Stolzes, authentisch und hybrid („hubristic“), mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen (nach dem Abstract).&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Handwerker, der nach der Abnahme vor seinem fertigen Werk steht. Die Mutter bei der Abschlussfeier ihres Kindes. Die Mannschaft nach dem Pokalgewinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückgrat ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Stolz · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das tue ich nicht.“ „Dazu stehe ich.“ „Da mache ich nicht mit.“ „Ich sage, was ich denke.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei sich bleiben, auch unter Druck, und sich nicht verbiegen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Druck, etwas Unrechtes zu tun, zu schweigen oder nachzugeben, durch einen Befehl, den Chef oder die Gruppe.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein ruhiger, gerader Blick.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, die Schultern zurück, die Füße fest.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Das Rückgrat bleibt bei dem, was er für richtig hält, auch wenn es ihn etwas kostet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Name.&#039;&#039;&#039; Das Wort ist körperlich gemeint. Wer Rückgrat hat, steht aufrecht. Wer keines hat, knickt ein, bückt sich und buckelt. Der [[#Stolz|Stolz]] ist die Haltung, das Rückgrat ist das Tun gegen Widerstand: Der Stolze fragt „Was würde ich über mich selbst denken?“, und das Rückgrat handelt danach.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Angestellte, der sich weigert, eine Rechnung zu fälschen, obwohl der Chef es verlangt. Der Schüler, der nicht mitlacht, wenn einer gemobbt wird. Der Zeuge, der trotz Drohung aussagt. In allen drei Fällen kostet es etwas, und das Rückgrat zahlt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Wird der eigene Anspruch zum Gefängnis, wird aus dem Rückgrat Sturheit: Es gibt auch dann nicht nach, wenn es im Unrecht ist. Das ist der Teil des Stolzes, der sich weigert, um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Triumph ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]], [[#Feierlich|Feierlich]]&lt;br /&gt;
* Spruch: „Wer lacht jetzt?“ „Hab ich&#039;s dir nicht gesagt?“ „Da hast du&#039;s!“ „Gewonnen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Den Sieg auskosten und dem Besiegten zeigen, wer gewonnen hat.&lt;br /&gt;
* Trigger: Der Sieg über jemanden, der einen kleingemacht, angezweifelt oder abgeschrieben hat, besonders vor Zuschauern.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein breites, strahlendes Siegerlächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Die Arme oder eine Faust nach oben, die Brust weit, der Blick auf den Besiegten.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Zum Amok bringt er das Hochgefühl der Geltung.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Triumph ist der Sieg, der dem Besiegten gezeigt wird.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wozu er da ist.&#039;&#039;&#039; Es geht vor allem um zwei Dinge. Erstens: die eigene Überlegenheit zur Schau stellen. Zweitens: den Gegner demütigen und vor einem weiteren Kampf abschrecken. Auch andere Gegner abschrecken. Aus diesem Grund macht der so eine Show daraus.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Sieg und Triumph.&#039;&#039;&#039; Der [[#Sieg|Sieg]] ist das Hochgefühl des Gewinnens und kann ohne Gegner auskommen: Wer ein Gerät zum Laufen bringt, jubelt und hüpft. Der Triumph braucht den Besiegten und meist Zuschauer. Der Stürmer, der nach dem Tor vor die Kurve der gegnerischen Fans rennt, triumphiert. Der [[#Stolz|Stolz]] ist still und mit sich im Reinen, der Triumph ist laut und zeigt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Rang, Belohnung, Gruppe, Preis.&#039;&#039;&#039; Der Triumph klärt den Rang, sodass es weniger Kämpfe braucht. Das Hochgefühl belohnt, sodass man den nächsten Kampf wieder will. Ein gemeinsamer Sieg verbindet die eigene Seite, wie der Torjubel im Stadion. Der Preis: Wer den Gegner [[#Demütiger|demütigt]], macht sich einen Feind, der auf Rache sinnt. Deshalb zeigen manche Sieger Großmut und helfen dem Gegner auf. Auch das ist eine Show, nur für andere Zuschauer.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Show aus Begeisterung.&#039;&#039;&#039; Bei Käfigkämpfen, etwa der Frauen im Fliegengewicht, zeigen die Siegerinnen Triumph. Sie hüpfen, machen Gesten, zeigen die Faust und steigen auf den Zaun. Das ist eindeutig eine Show, aber aus Begeisterung, nicht gespielt. Trotzdem ist es üblich, dass die Kontrahentinnen sich umarmen, so sehr die eine die andere auch brutal abgelascht hat. Da ist Achtung, und der Zweck ist in diesem Fall nicht die Demütigung, sondern das Feiern der eigenen Überlegenheit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Festlich.&#039;&#039;&#039; Triumph hat etwas Festliches. Die Triumphzüge bei den Römern waren ein Fest.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Triumphzug.&#039;&#039;&#039; Der Name kommt aus dem alten Rom: Der siegreiche Feldherr zog mit seinen Truppen, der Beute und den Gefangenen durch die Stadt. Der Sieg wurde der Stadt und den Besiegten vorgeführt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Triumph macht übermütig. Wer nur noch gewinnt, hält sich für unverwundbar und unterschätzt die nächste Gefahr. Wird er ein Dauerzustand, trägt er die Geltung bis zum Größenwahn weiter, und das ist der Anteil, der in den [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Amok|Amok]] eingeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mut ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg, [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Ich mach das.“ „Los jetzt!“ „Einer muss es tun.“ „Das schaffe ich.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Es tun, obwohl die Angst da ist, weil das Ziel wichtiger ist als die Gefahr.&lt;br /&gt;
* Trigger: Eine Gefahr oder Hürde, vor der andere zögern: der Sprung ins kalte Wasser, ein Mensch in Not, ein schwieriges Gespräch.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]]. Wer mutig ist, hat in diesem Moment die Angst überstimmt.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein fester Blick, die Kiefer zusammengebissen.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht, ein Schritt nach vorn, die Schultern gestrafft.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Mut handelt trotz der Angst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Sieg.&#039;&#039;&#039; Es kommt vom Sieg. Der glaubt nämlich, es zu schaffen, und stellt sich das vor, weil er eine Erinnerung an Erfolge hat. Wer immer scheitert, wird mutlos.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Motive.&#039;&#039;&#039; Es kann verschiedene Motive haben, für die man Mut aufbringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Angst ist dabei.&#039;&#039;&#039; Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Wer keine Angst hat, braucht keinen Mut. Der Mut ist da, wenn die [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]] spricht und er trotzdem handelt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Wut im Mut.&#039;&#039;&#039; Beim Mutigen steckt oft Angriffsenergie mit drin. Wer sich über eine Ungerechtigkeit ärgert, traut sich plötzlich, dem Chef zu widersprechen. Lerner und Keltner (2001, &#039;&#039;Journal of Personality and Social Psychology&#039;&#039; 81(1), 146–159) fanden, dass Ärger risikofreudiger und optimistischer macht, Angst dagegen vorsichtiger. Auch „sich Mut antrinken“ und der „Mut der Verzweiflung“ gehen in diese Richtung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wofür man Mut aufbringt.&#039;&#039;&#039; Das Ziel, das wichtiger ist als die Gefahr, kommt aus wechselnden Quellen: aus der Fürsorge, wenn jemand ein Kind aus dem Wasser holt, aus dem Gerechtigkeitssinn, wenn jemand dazwischengeht, oder aus dem Ehrgeiz, wenn jemand sich etwas Schwieriges vornimmt. Deshalb steht keine dieser Quellen als fester Elternteil im Stammbaum.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Vor dem Sprung atmet der Mutige tief ein, hält die Luft kurz und geht los. Das ist das Gegenteil der Angst, die den Atem flach macht und anhält.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Abgrenzung.&#039;&#039;&#039; Der Mut tut es einmal, wenn es darauf ankommt. Das [[#Rückgrat|Rückgrat]] bleibt dabei, auch wenn es dauert. Der [[#Held|Held]] wird danach als Held gesehen, der Mut selbst macht noch kein Aufhebens.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Das Kind, das zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt. Der Ersthelfer, der am Unfallwagen die Tür aufreißt. Die Frau, die in der Besprechung die Frage stellt, die alle denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Held ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Sieg · zu Gelassen&lt;br /&gt;
* Beschreibung: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gelassen ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Held, Beschwichtiger · zu Egal, Weitfeld-Umblick, Bestätiger&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das wird schon.“ „Alles gut.“ „Immer mit der Ruhe.“ „Kühlen Kopf bewahren.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ruhe im eigenen Inneren, auch wenn es draußen unruhig ist.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Problem oder ein Konflikt, der Aufregung auslösen könnte und den man trotzdem aushält: Stress, Kritik, eine Unsicherheit, ein Provokateur.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Angst|Angst]], [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]]. Wer gelassen ist, lässt sich nicht jagen und nicht reizen.&lt;br /&gt;
* Mimik: Entspanntes Gesicht, glatte Stirn, ein leises Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Aufrecht und entspannt. Reaktionen ruhig und besonnen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Gelassene handelt durchaus. Er ist dabei oft auch effektiver, weil er einen kühlen Kopf bewahrt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Probleme und Konflikte.&#039;&#039;&#039; Gelassenheit ist gerade wichtig, wenn es Probleme und Konflikte gibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Zuversicht.&#039;&#039;&#039; Zuversicht.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Held.&#039;&#039;&#039; Der Held ist hier im Sinne der Edda gemeint: Jemand, der sein Revier sicher hat und es verteidigen kann. Er ruht in sich. Erst das Christentum hat daraus jemanden gemacht, der sich selbstlos für andere aufopfert. In der Edda sind das bewährte Krieger mit Rang.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Beschwichtiger.&#039;&#039;&#039; Der Beschwichtiger ist dabei, weil Widrigkeiten nicht gleich zur Aufregung führen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ruhe und Entschlossenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie handelt aber trotzdem entschlossen. Das ist kein Widerspruch. Der Gelassene will sich konzentrieren.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Das Wort.&#039;&#039;&#039; Meister Eckhart prägte im 14. Jahrhundert das Wort „gelâzenheit“ für das Sichlassen und Loslassen. Heidegger griff es 1959 auf. Die Stoiker, Epiktet und Seneca, übten dasselbe als Haltung, nur dass sie es Gleichmut nannten: nicht festhalten, was man nicht in der Hand hat.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Kühler Kopf.&#039;&#039;&#039; Die Aufregung engt den Blick ein und treibt zu schnellen Reaktionen. Wer ruhig bleibt, sieht die Lage und die Möglichkeiten und handelt überlegt. Das hat nichts mit Zurückhaltung zu tun: Die Gelassenheit packt an, nur ohne Hast.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der Unterschied zum Egal.&#039;&#039;&#039; Der Gelassene sieht, was los ist, und handelt, auch für andere. Das unterscheidet ihn vom [[#Egal|Egal]], der sich nur für seine eigenen Belange einsetzt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Die Resignation hat die Schultern gesenkt: Sie hat aufgegeben. Die Gelassenheit steht aufrecht und rechnet mit einem guten Ausgang. Aufgegeben und gelassen unterscheiden sich in der Zuversicht.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen. Der Körper bleibt locker, auch wenn der Kopf Gefahr meldet.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Pilot, der bei einer Turbulenz weiterspricht. Die Mutter, die beim Trotzanfall ihres Kindes ruhig bleibt. Der Torwart vor dem Elfmeter.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit wird zur Gleichgültigkeit, wenn sie nichts mehr anrührt. Dann bleibt man ruhig, weil man nichts mehr fühlt, und nimmt keine Gefahr mehr ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Egal ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ „Ist mir egal.“ „Das ist nicht mein Problem.“ „Mach du das.“ „Ich habe zu tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Die eigenen Interessen ungestört zu verfolgen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Fremde Ansprüche und Pflichten.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Empörung|Empörung]]. Der Empörte nimmt jede Regel ernst, dem Egalen ist keine etwas wert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Gelassenes Gesicht, ein Schulterzucken.&lt;br /&gt;
* Haltung: Entspannt, halb abgewandt.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Egal ist auch gelassen. Er hat aber keine Ambitionen, sich für etwas zu engagieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Fremde Ansprüche.&#039;&#039;&#039; Der will fremde Ansprüche ignorieren. Der drückt sich vor Pflichten.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die eigenen Interessen.&#039;&#039;&#039; Seine eigenen Interessen verfolgt der aber. Und seine Gleichgültigkeit ist ein Mittel dazu, nur seine Belange ernst zu nehmen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Resignation.&#039;&#039;&#039; Etwas anderes ist Resignation. Da war der Wille, etwas zu erreichen. Aber der ist so oft gescheitert, dass er sich auf die Egal-Position zurückzieht. Glücklich ist der nicht damit. Aber er denkt: Man kann sowieso nichts bewirken. Auch für seine Interessen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Beide sind ruhig. Der Gelassene handelt entschlossen und engagiert sich für die Sache oder die anderen. Der Egale engagiert sich nur für sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Kollege, der bei jeder Zusatzaufgabe sagt „nicht meine Abteilung“, aber pünktlich zu seinem Verein geht. Der Mitbewohner, der den Abwasch stehen lässt. Das Kind, das auf die Bitte, den Tisch zu decken, „ist mir egal“ sagt und weiterspielt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Das Egal kann ein Schutz vor Überforderung sein: Nicht alles muss man tragen. Es kippt, wenn andere dauernd tragen müssen, was er sich spart. Dann ist er der Trittbrettfahrer, und die Gruppe wird ihn nicht mehr lange dulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitfeld-Umblick ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: Meist keiner. Ein leises „Schön hier.“ oder „Mal nichts tun.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Erholung. Energie tanken und ruhig werden.&lt;br /&gt;
* Trigger: Wenn gerade nichts ansteht: eine Aussicht, ein freier Moment, der Urlaub.&lt;br /&gt;
* Mimik: Weicher Blick, entspanntes Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Stehend, aufrecht und entspannt, der Blick geht in die Weite.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Man steht da und überblickt die Gegend. Man hat keine Verpflichtung. Stille. Man ist entspannt. Meditativ.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Erholung.&#039;&#039;&#039; Das ist Erholung. Es passiert, wenn gerade nichts ansteht. Man tankt dabei Energie und wird ruhig.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Alltag.&#039;&#039;&#039; Man ist ja im Alltag ständig aktiv. Irgendwas am Klären oder Nachdenken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Urlaub.&#039;&#039;&#039; Das hört sich trivial an. Aber Menschen planen und geben viel Geld aus, um im Urlaub diesen Zustand zu erreichen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Tretmühle.&#039;&#039;&#039; Wir sind auch immerfort in der Tretmühle von Wortgedanken. Da schweigt das einmal. Und man fühlt und nimmt die Umgebung wahr.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Kontakt zum Leib.&#039;&#039;&#039; Das ist auch wichtig, weil man den Kontakt zum Fühlen und Wahrnehmen verliert. Durch Gründe, Argumente, Pflichten. Mit diesem Ruhepunkt wird die Verbindung zum Leib und Dasein wieder hergestellt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Entspannung.&#039;&#039;&#039; Man nennt das auch Entspannung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nach Enttäuschung und Scheitern.&#039;&#039;&#039; Und das kann auch nötig sein nach einer Enttäuschung oder nach Scheitern. Neue Kräfte tanken.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Methoden.&#039;&#039;&#039; Da gibt es ja auch Methoden dafür: Meditation, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Von der Gelassenheit.&#039;&#039;&#039; Die Gelassenheit bleibt ruhig, auch wenn es etwas zu tun gibt. Der Weitfeld-Umblick braucht eine Lage, in der nichts ansteht. Er ist die Gelassenheit im Ruhezustand.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Natur.&#039;&#039;&#039; Rachel und Stephen Kaplan beschrieben 1989 in &#039;&#039;The Experience of Nature&#039;&#039;, dass der Anblick von Landschaft die Aufmerksamkeit erholt, die im Alltag dauernd angespannt ist. Roger Ulrich fand 1984, dass Patienten mit Blick auf Bäume nach einer Operation schneller entlassen wurden als solche mit Blick auf eine Mauer.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Methoden.&#039;&#039;&#039; Die Progressive Muskelentspannung hat Edmund Jacobson in den 1920er Jahren entwickelt: Man spannt Muskelgruppen an und lässt sie wieder los. Das Autogene Training hat der Arzt Johannes Heinrich Schultz 1932 vorgestellt: Man sagt sich in Gedanken Formeln wie „Mein Arm ist schwer und warm“. Beide führen den Körper in diesen Zustand, wenn er von selbst nicht kommt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Atmung.&#039;&#039;&#039; Ruhig und tief, mit langem Ausatmen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Der Wanderer auf dem Gipfel. Der Mensch am Strand. Der Landwirt, der abends am Zaun der Weide steht. Wer am Fenster steht und in den Regen schaut.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Zustand lässt sich nicht erzwingen und nicht erledigen. Wer ihn als Aufgabe sieht („jetzt entspanne ich mich“), bringt die Wortgedanken zurück. Im Alltag kommt er oft zu kurz, weil immer etwas ansteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestätiger ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Gelassen · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das ist der richtige Weg.“ „Das machst du gut.“ „Weiter so.“&lt;br /&gt;
* Hunger: Bei dem Beschluss zu bleiben und die Handlung zu Ende zu führen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Zweifel, die sich während der Handlung melden, und eine längere Handlung, die Geduld braucht.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein inneres Nicken, ruhiges Gesicht.&lt;br /&gt;
* Haltung: Gleichmäßig, stetig, die Bewegungen ohne Zögern.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung: Das ist der richtige Weg. Das machst du gut. Weiter so.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Abstimmung.&#039;&#039;&#039; Uns wurde erzählt, dass man sich vernünftige Gründe abwägt. Dann rational eine Entscheidung trifft. Und dann das tut, weil es vernünftig ist. Das ist Bullshit. In Wirklichkeit passiert etwas anderes. Es ist eine Abstimmung zwischen Dämonen, welche Wege es gibt. Und jeder hat seine Interessen. Und oft ergreift auch einfach einer die Macht oder überlistet die anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Während der Handlung.&#039;&#039;&#039; Aber wenn man bei der Handlung ist, melden die anderen Zweifel an. Der Bestätiger spricht zu dir während der Handlung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Bekräftigen.&#039;&#039;&#039; Es werden nicht nochmal die Gründe erwogen. Es wird der Weg und der Beschluss nochmal bekräftigt. Während der Tat. Deshalb bleibst du dabei.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das Restaurant.&#039;&#039;&#039; Natürlich handelt auch der getriggerte Dämon während der Tat. Der Hunger und Schmaus ist im Restaurant. Aber der Bestätiger sagt dir, du bist auf dem richtigen Weg, während du zum Restaurant fährst.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ohne Bestätiger.&#039;&#039;&#039; Ohne Bestätiger wären wir wankelmütig. Das braucht es, um längere Handlungen durchzuführen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die Prüfung.&#039;&#039;&#039; Man setzt sich hin, um für die Prüfung zu lernen, um den Erfolg zu haben. Aber die Geduld, dabei zu bleiben, kommt vom Bestätiger.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Nach dem Beschluss.&#039;&#039;&#039; Das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer (1980er Jahre) unterscheidet das Abwägen vor dem Beschluss und das Umsetzen danach. Nach dem Beschluss ist man auf die Ausführung eingestellt und nimmt Gründe für den gewählten Weg stärker wahr als Gründe dagegen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele.&#039;&#039;&#039; Die Läuferin im Marathon, die bei Kilometer 30 hört: „Du schaffst das.“ Der Bergsteiger, der trotz müder Beine weitergeht. Die Schülerin oder der Schüler, die am Abend bei der Aufgabe bleiben, obwohl der Fernseher lockt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Der Bestätiger prüft den Weg nicht. Ist der Weg falsch, hält er trotzdem daran fest, und der [[Wesen 3: Beutetier#Zweifler|Zweifler]] hätte recht. Wer nur noch den Bestätiger hört, macht weiter, weil er schon so viel investiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Empörung ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Lästerer · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Das geht gar nicht!“ „Wie kann man nur!“ „Unerhört!“ „Das muss man sich mal vorstellen!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Das eigene Recht und die Regel bestätigt zu sehen, öffentlich, vor anderen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein Regelverstoß, den andere sehen: das Vordrängeln, die laute Musik im Zug, der Hundehaufen auf dem Gehweg, die Nachricht über einen Skandal.&lt;br /&gt;
* Gegendämon: [[#Gelassen|Gelassen]]&lt;br /&gt;
* Mimik: Zusammengezogene Brauen, offener Mund, Kopfschütteln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Brust vorgestreckt, der Blick sucht Zeugen, die Hände gehen zum Gegenstand der Empörung hin.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Die Empörung ist die Wut über einen Verstoß, der andere trifft oder die Regel selbst. Sie schaut zu und urteilt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Vom Lästerer.&#039;&#039;&#039; Der Lästerer redet schlecht über Abwesende, und die Empörung nimmt ihm die Rolle ab: Sie redet laut über das Verhalten, und die Zuhörer sollen zustimmen. Beide brauchen Publikum, die Empörung hat dazu das gute Gewissen. Sie fühlt sich im Recht, deshalb darf sie alles sagen.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wut und Empörung.&#039;&#039;&#039; Die [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wut]] richtet sich auf den, der einem selbst etwas getan hat. Die Empörung richtet sich auf den, der gegen eine Regel verstoßen hat, auch wenn er einem nichts getan hat. Wer im Zug laut telefoniert, schadet dem Empörten kaum, und er ist trotzdem empört.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Die Gemeinschaft.&#039;&#039;&#039; Empörung sucht die Zustimmung. „Das ist doch unmöglich, oder?“ ist eine Frage, die eine Antwort braucht. Wer sie bekommt, fühlt sich bestätigt, und die Gruppe hat sich dabei wieder ihrer Regeln versichert. Das ist ihr Nutzen: Die Empörung hält Regeln am Leben, die niemand durchsetzen kann, weil keiner zuständig ist.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Körper.&#039;&#039;&#039; Die Wut steigt in Gesicht und Hals, die Atmung wird flach und schnell, die Stimme steigt. Dazu gehört der Ekel: Die Empörung verzieht den Mund und rümpft die Nase, als sei das Verhalten etwas Verdorbenes.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Online.&#039;&#039;&#039; Im Internet bekommt die Empörung ihr Publikum rund um die Uhr. Ein Satz, ein Foto, ein Ausschnitt genügt, und tausende urteilen, ohne die Sache zu kennen. Die Empörung ist billig, weil sie nichts kostet, und lohnend, weil sie Zustimmung bringt.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Ohne Zeugen.&#039;&#039;&#039; Die Empörung braucht ein Publikum, aber es kann gedacht sein. Wer allein im Auto sitzt und über den Fahrer vor sich schimpft, hat keinen Zuhörer. Er spricht zu dem Fahrer, der ihn nicht hört, oder zu einem Richter im Kopf, der ihm recht gibt. Der Unterschied zum [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Ärger|Ärger]]: Der Ärger sagt „der hält mich auf“, die Empörung sagt „so fährt man nicht“. Wer die Regel in sich hat, ärgert sich nicht nur, er empört sich.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Wer sich empört, stellt sich über den, der gegen die Regel verstoßen hat. „Ich würde das nie tun“ steckt in jedem „Wie kann man nur“. Darin liegt ein Gewinn: Man ist im Recht, man ist besser, und das fühlt sich gut an, auch wenn man sich dabei ärgert. Darum kann die Empörung mit Ärger und Unlust zusammengehen und trotzdem etwas Angenehmes haben.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wo es kippt.&#039;&#039;&#039; Die Empörung kann Unrecht sichtbar machen, das sonst keiner anspricht. Sie kippt, wenn sie zum Dauerzustand wird. Dann sucht sie nach Anlässen, wird zur Gewohnheit und zur Lust, und der Anlass wird austauschbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Perfektionist ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von – · zu Streber&lt;br /&gt;
* Varianten: [[Stammbaum#Verschmelzung und Abfolge|Misstrauischer]]&lt;br /&gt;
* Woher der Perfektionist stammt, ist offen. Nicht zu verwechseln mit dem [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Fehlerfürchter|Fehlerfürchter]].&lt;br /&gt;
* Hunger: Vortrefflichkeit.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Perfektionist ordnet Gegenstände rechtwinklig an, ohne Drang nach Anerkennung. Er stammt aus dem Streben nach Vortrefflichkeit, und das auch nicht wegen Geltung: Dadurch kann man Grenzen überschreiten und Neues schaffen. Er ist ein Teil des Strebers, nicht umgekehrt. Der Perfektionismus ist ihm nicht unangenehm. Schwierig wird es, weil andere nicht dieselben strengen Maßstäbe haben; darum schreibt er seine Maßstäbe auf, damit andere auf seinem Niveau arbeiten können.&lt;br /&gt;
:Die Beatles nahmen für &#039;&#039;A Day in the Life&#039;&#039; (1967) ein Orchester von rund 40 Musikern auf, das vom tiefsten zum höchsten Ton aufstieg, jeder in seinem eigenen Tempo. Am Ende schlugen sie auf mehreren Klavieren gleichzeitig einen einzigen Akkord an und ließen ihn ausklingen, bis nichts mehr zu hören war. Niemand hatte das verlangt.&lt;br /&gt;
:Die Psychologie unterscheidet zwei Arten (Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006): das perfektionistische Streben, das mit Erfolg, Kreativität und Zufriedenheit einhergeht, und die perfektionistische Sorge, die Angst vor Fehlern und vor dem Urteil der anderen. Das erste ist der Perfektionist, das zweite der Fehlerfürchter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feierlich ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Jubel, [[#Triumph|Triumph]] · zu –&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heute wird gefeiert!“ „Das muss gefeiert werden!“ „Auf das Wohl von …!“ „Prost!“&lt;br /&gt;
* Hunger: Ein erreichtes Ziel oder einen besonderen Tag gemeinsam feiern und eine Pause von den Pflichten machen.&lt;br /&gt;
* Trigger: Ein erreichtes Ziel oder ein Sieg, ein besonderes Datum oder Ereignis: Geburtstag, Hochzeit, Abschluss, Einweihung.&lt;br /&gt;
* Mimik: Ein offenes, strahlendes Lächeln.&lt;br /&gt;
* Haltung: Locker und ausgelassen, bei formalen Anlässen aufrecht und gemessen.&lt;br /&gt;
* Bannung: offen.&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Der Feierliche feiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ein erreichtes Ziel.&#039;&#039;&#039; Man feiert ein erreichtes Ziel, einen Sieg, und macht daraus eine Show. Das ist eine Form von Triumph.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Besondere Tage.&#039;&#039;&#039; Wobei ein besonderes Datum und Ereignis auch gefeiert wird: Geburtstag, Hochzeit.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ausgelassen.&#039;&#039;&#039; Und man darf ausgelassen sein und albern. Es ist eine Pause von den üblichen Pflichten.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Der formale Ernst.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hat auch eine ernste Form: die Siegerehrung mit der Hymne, der Einzug des Brautpaares, die Überreichung eines Diploms. Das Hochgefühl ist dasselbe, aber es wird in Ordnung gefasst.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Beispiele für die Pause.&#039;&#039;&#039; Der Karneval, in dem die üblichen Rollen und Regeln ruhen. Die Geburtstagsfeier mit Spielen. Silvester um Mitternacht. Die Feier nach einer bestandenen Prüfung.&lt;br /&gt;
:Von mir: &#039;&#039;&#039;Wozu es da ist.&#039;&#039;&#039; Das Feiern hebt einen Moment aus dem Alltag heraus. Die Gruppe bestätigt sich dabei, und die Pause von den Pflichten macht Kraft für die nächsten frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Troll ==&lt;br /&gt;
* Stammbaum: von Häme, Piesacker, Neid, Täuscher · zu –&lt;br /&gt;
* Varianten: Unverschämter&lt;br /&gt;
* Spruch: „Heul doch!“ „Getroffen, was?“ „War doch nur Spaß.“ „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
* Hunger: die Freude am Ärger der anderen. Emotionale Reaktionen anderer, Aufmerksamkeit, das Gefühl, jemanden steuern zu können.&lt;br /&gt;
* Trigger: das Glück oder die Ruhe eines anderen, das einem das eigene Unglück zeigt. Ein Mensch, der sich ernsthaft engagiert, sich über etwas freut, eine Überzeugung vertritt oder erkennbar empfindlich reagiert.&lt;br /&gt;
* Mimik: Lippen geschlossen. Ein breites, übertriebenes Grinsen. Es macht ihm wirklich Spaß.&lt;br /&gt;
* Haltung: Kopf etwas nach unten, aber nicht traurig. Blick fixiert. Auch böswillig wie der [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
* Bannung: „Don&#039;t feed the troll“, füttere den Troll nicht (siehe [[Bannung#Aushungern|Bannung]]).&lt;br /&gt;
* Beschreibung: Was den Troll ausmacht, ist seine Methode. Statt in der Sache vorwärts zu kommen, bauscht er unwichtige Sachen auf, auf dass die anderen darauf einsteigen. Das englische Wort sagt es: „Trolling“ ist das Schleppangeln. Man zieht einen Köder hinter dem Boot her und wartet, bis einer anbeißt. Der Troll meint nicht, was er sagt; er tut ernst, fragt scheinbar unschuldig nach, spielt den Empörten. Judith Donath vom MIT hat das Trollen schon 1999 als Täuschungsspiel beschrieben, das von der vorgetäuschten Aufrichtigkeit lebt. Ohne Täuschung beißt keiner an.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Vom Piesacker.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere dadurch ärgern und quälen. Das hat er vom [[#Piesacker|Piesacker]].&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was ein Troll denkt.&#039;&#039;&#039; Die Journalistin Lindy West wurde jahrelang im Netz beschimpft. Ein Troll legte sogar ein Konto unter dem Namen ihres kurz zuvor gestorbenen Vaters an. Später meldete er sich bei ihr und entschuldigte sich, und 2015 sprach sie mit ihm in der Radiosendung &#039;&#039;This American Life&#039;&#039;. Er sagte, er wisse selbst nicht genau, warum er es getan habe: „I think my anger towards you stems from your happiness with your own being. It offended me because it served to highlight my unhappiness with my own self.“ („Ich glaube, meine Wut auf dich kommt daher, dass du mit dir selbst glücklich bist. Das hat mich gekränkt, weil es mir zeigte, wie unglücklich ich mit mir selbst bin.“) Er erzählte, wie sehr er sich für seinen Körper schämte, und dass selbstbewusste Frauen ihn verunsichert hatten.&lt;br /&gt;
:Darin liegen zwei Schichten. Oben die Freude: Die Trolle selbst nennen ihren Lohn „lulz“, das Lachen über die Aufregung der anderen (Whitney Phillips, &#039;&#039;This Is Why We Can&#039;t Have Nice Things&#039;&#039;, 2015). Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus fanden 2014 den Sadismus als stärksten Zug der Trolle, die Freude daran, dass ein anderer leidet („Trolls just want to have fun“). Darunter der [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Neid|Neid]]: Das Glück des anderen zeigt einem das eigene Unglück.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Ansteckung.&#039;&#039;&#039; Justin Cheng und Kollegen haben 2017 untersucht, ob gewöhnliche Menschen zu Trollen werden („Anyone Can Become a Troll“). Ein Teil der Versuchspersonen bekam schlechte Laune durch ein unlösbares Quiz, ein Teil sah am Anfang einer Diskussion schon Troll-Beiträge. Mit guter Laune und ohne Troll-Beiträge waren 35 Prozent der Beiträge trollig, mit schlechter Laune und Troll-Beiträgen 68 Prozent. In 16 Millionen Kommentaren auf CNN.com trollten die Leute am meisten spät nachts und montags. Die Gegenwart eines Dämons beschwört ihn in anderen herauf.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Unverschämte.&#039;&#039;&#039; Eine Variante des Trolls ist der Unverschämte, bei Theophrast Βδελυρία: „Impudence is easy to define; it is conduct that is obtrusively offensive.“ Er beleidigt anständige Frauen im Vorübergehen und klatscht im Theater, wenn alle aufgehört haben. Wenn es still ist, steht er auf und übergibt sich, damit sich alle nach ihm umdrehen. Dem, der gerade einen Prozess verloren hat, gratuliert er beim Verlassen des Gerichts. Anders als der Troll legt er keinen Köder, er ist offen laut. Neben dem Ärger der anderen steckt die [[Wesen 4: Leib, Nest und Lust#Geltung|Geltung]] dahinter: Wer laut ist, bekommt Aufmerksamkeit, auch wenn sie negativ ist. Das Netz belohnt es mit Likes und Reichweite (Brady u. a. 2021). Der berechnende Ragebait, das Jugendwort 2026, ist die kalte Taktik dazu, ohne den Dämon. Ob dahinter auch die Lust am Spektakel oder der Freiheitsbeweis steckt, ist offen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Der Troll – seine Köder und Methoden.&#039;&#039;&#039; Der Troll will andere zu einer emotionalen Reaktion verleiten. Er provoziert nicht unbedingt, weil er etwas erreichen oder eine Überzeugung durchsetzen möchte, sondern weil ihm die Reaktion des anderen Vergnügen bereitet. Sein eigentliches Produkt ist die Erregung seines Opfers. Dabei verwendet er wiederkehrende psychologische Tricks. Er sucht nach empfindlichen Stellen, erzeugt Widerspruch, Kränkung, Empörung oder Verunsicherung und beobachtet, was passiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Belohnung.&#039;&#039;&#039; Der andere verliert seine Gelassenheit. Der Troll erlebt: „Ich kann bestimmen, wie du dich fühlst.“&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;1. Die offene Provokation.&#039;&#039;&#039; Er sagt etwas Beleidigendes oder Absurdes, um eine unmittelbare Gegenreaktion auszulösen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist ja völlig bescheuert.“&lt;br /&gt;
::* „So dumm kann doch keiner sein.“&lt;br /&gt;
::* „Heul doch!“&lt;br /&gt;
::* „Getroffen, was?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Angriff auf Selbstachtung und Geltung. Das Opfer soll sich verteidigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;2. Die absichtliche Verdrehung.&#039;&#039;&#039; Er interpretiert eine Aussage so falsch, dass der andere sich gezwungen fühlt, sie richtigzustellen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ach, du willst also allen verbieten, ihre Meinung zu sagen?“&lt;br /&gt;
::* „Du meinst also, alle anderen sind dumm?“&lt;br /&gt;
::* „Das hast du doch gerade selbst zugegeben.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er erzeugt einen Rechtfertigungszwang. Jede Korrektur liefert Material für eine weitere Verdrehung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;3. Die gespielte Dummheit.&#039;&#039;&#039; Er stellt sich begriffsstutzig und verlangt immer neue Erklärungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Verstehe ich nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Kannst du das noch einfacher erklären?“&lt;br /&gt;
::* „Aber warum?“&lt;br /&gt;
::* „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er verbraucht Geduld und Arbeitszeit. Besonders wirksam bei Menschen, die gern erklären und helfen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;4. Die scheinbar harmlose Frage.&#039;&#039;&#039; Er verpackt eine Unterstellung als Frage. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Warum bist du eigentlich so empfindlich?“&lt;br /&gt;
::* „Kann es sein, dass du ein Problem mit Frauen hast?“&lt;br /&gt;
::* „Warum musst du dich immer so wichtig machen?“&lt;br /&gt;
::* „Darf man das nicht mehr fragen?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Die Frage enthält bereits eine negative Behauptung. Wer antwortet, gerät leicht in die Defensive.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;5. Die gezielte Herabsetzung.&#039;&#039;&#039; Er greift etwas an, das dem anderen besonders wichtig ist: seine Arbeit, seine Fähigkeiten, seine Familie oder seine Ideale. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darauf bist du stolz?“&lt;br /&gt;
::* „Das kann doch jeder.“&lt;br /&gt;
::* „Du hältst dich wohl für etwas Besonderes.“&lt;br /&gt;
::* „Wen interessiert dein Hobby?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er versucht, Stolz, Scham oder Wut zu aktivieren.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;6. Die Verhöhnung der Reaktion.&#039;&#039;&#039; Sobald der andere ärgerlich wird, macht der Troll gerade diese Reaktion zum Gegenstand seines Spotts. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Jetzt reg dich doch nicht so auf!“&lt;br /&gt;
::* „War doch nur Spaß.“&lt;br /&gt;
::* „Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.“&lt;br /&gt;
::* „Wie leicht du dich provozieren lässt!“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Eine doppelte Falle. Erst erzeugt er Ärger, anschließend erklärt er den Ärger zum Beweis für die Schwäche des anderen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;7. Die Empörungsfalle.&#039;&#039;&#039; Er behauptet etwas, das den moralischen Überzeugungen des anderen grob widerspricht. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Die sind doch selbst schuld.“&lt;br /&gt;
::* „Was interessieren mich deren Probleme?“&lt;br /&gt;
::* „Wer schwach ist, hat eben Pech.“&lt;br /&gt;
::* „Man wird ja wohl noch die Wahrheit sagen dürfen.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er aktiviert den Gerechtigkeitssinn. Der andere fühlt sich verpflichtet, zu widersprechen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;8. Die Beweislastfalle.&#039;&#039;&#039; Er stellt eine Behauptung auf, verlangt aber vom anderen, sie zu widerlegen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Beweise mir doch das Gegenteil.“&lt;br /&gt;
::* „Du kannst nicht beweisen, dass es nicht stimmt.“&lt;br /&gt;
::* „Woher willst du das wissen?“&lt;br /&gt;
::* „Das behauptest du doch nur.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Troll kann mit geringstem Aufwand immer neue Zweifel erzeugen, während der andere mühsam Argumente liefern muss.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;9. Das Verschieben der Spielregeln.&#039;&#039;&#039; Sobald ein Argument widerlegt ist, wechselt er das Thema oder stellt neue Anforderungen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Darum geht es doch gar nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Das war nicht meine Frage.“&lt;br /&gt;
::* „Und was ist mit diesem Fall?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast den eigentlichen Punkt nicht verstanden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der andere soll endlos einem Ziel hinterherlaufen, das ständig verschoben wird. In der Argumentationsforschung heißt das unter anderem Moving the Goalposts.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;10. Die Umkehrung von Täter und Opfer.&#039;&#039;&#039; Nach seiner Provokation stellt er sich als den Angegriffenen dar. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Du bist aber aggressiv.“&lt;br /&gt;
::* „Ich habe doch nur eine Frage gestellt.“&lt;br /&gt;
::* „Warum greifst du mich jetzt an?“&lt;br /&gt;
::* „Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Der Provokateur beansprucht die moralisch überlegene Position. Der andere muss sich nun zusätzlich für seine Reaktion rechtfertigen.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;11. Das Nachäffen.&#039;&#039;&#039; Er imitiert die Worte, die Stimme oder die Ausdrucksweise des anderen. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Mimimi!“&lt;br /&gt;
::* „Ich bin ja sooo intelligent!“&lt;br /&gt;
::* „Oh, der Herr Experte hat gesprochen.“&lt;br /&gt;
::* „Bist du jetzt beleidigt?“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Er entwertet den anderen vor einem Publikum. Es geht nicht um ein Argument, sondern um öffentliche Demütigung.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;12. Die Wiederholung.&#039;&#039;&#039; Er wiederholt dieselbe Provokation, obwohl sie längst beantwortet wurde. Typische Sprüche:&lt;br /&gt;
::* „Ja, aber warum denn?“&lt;br /&gt;
::* „Du hast immer noch nicht geantwortet.“&lt;br /&gt;
::* „Also weißt du es nicht.“&lt;br /&gt;
::* „Ich frage noch mal.“&lt;br /&gt;
::Mechanismus: Ermüdung und Frustration. Er wartet darauf, dass der andere irgendwann die Beherrschung verliert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Das gemeinsame Muster.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
::* Köder: Kränkung, Unsinn, Unterstellung oder Tabubruch&lt;br /&gt;
::* Emotionale Aktivierung: Wut, Scham, Empörung, Angst oder Rechtfertigungsdrang&lt;br /&gt;
::* Reaktion des Opfers: Widerspruch, Verteidigung, Beschimpfung oder lange Erklärung&lt;br /&gt;
::* Belohnung des Trolls: Unterhaltung, Aufmerksamkeit, Überlegenheitsgefühl oder Kontrolle&lt;br /&gt;
::* Nächste Provokation&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Die psychologischen Grundlagen.&#039;&#039;&#039; Dazu gibt es einige interessante Forschungsansätze.&lt;br /&gt;
::* Positive soziale Verstärkung: Die emotionale Reaktion belohnt das provozierende Verhalten. Der Troll lernt, welche Reize funktionieren.&lt;br /&gt;
::* Schadenfreude: Das Unbehagen anderer kann selbst eine angenehme Emotion auslösen.&lt;br /&gt;
::* Alltagssadismus: Untersuchungen von Buckels, Trapnell und Paulhus (2014) fanden einen Zusammenhang zwischen Internet-Trolling und sadistischen Persönlichkeitseigenschaften. Das bedeutet nicht, dass jeder Troll ein Sadist ist.&lt;br /&gt;
::* Moralische Empörung: Moralisch aufgeladene Aussagen erzeugen besonders leicht Aufmerksamkeit und Reaktionen. Das macht sie zu attraktiven Ködern.&lt;br /&gt;
::* Online Disinhibition Effect: Suler (2004) beschrieb, wie Anonymität, Distanz und fehlende unmittelbare Konsequenzen enthemmtes Verhalten im Internet begünstigen können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Wie man ihn bannt.&#039;&#039;&#039; Der Troll braucht eine Reaktion, die er als Erfolg erlebt. Deshalb ist die wirksamste Gegenmaßnahme häufig, ihm diese Belohnung zu verweigern. Allerdings muss man unterscheiden: Ein echter Einwand, eine unbequeme Frage oder ein Missverständnis ist noch kein Trolling. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster und die erkennbare Freude an der Provokation.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Nicht wütend.&#039;&#039;&#039; Der Troll ist nicht unbedingt wütend. Er will den anderen wütend machen. Damit unterscheidet er sich vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Wüterich|Wüterich]], der seinen eigenen Ärger auslebt, und vom [[Wesen 1: Raubtier – Wüterich#Grober|Groben]], der sich durchsetzen oder einen Schwächeren erniedrigen will. Der Troll dagegen kann vollkommen vergnügt sein. Seine Bosheit ist ein Spiel. Und möglicherweise liegt genau darin sein wesentliches Motiv: Er genießt die Erfahrung, fremde Gefühle auslösen und steuern zu können.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Echte Troll-Sprüche aus Reddit.&#039;&#039;&#039; Echte Beiträge aus einer Reddit-Diskussion, in der Nutzer ausdrücklich Sprüche sammeln, mit denen sie andere zur Weißglut bringen, ins Deutsche übersetzt. Quelle: [https://www.reddit.com/r/entp/comments/1rr0542/rage_bait_phrases/ Reddit – Rage bait phrases, März 2026]. Die Provokateure nennen hier selbst ihre Methoden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Originalspruch (übersetzt) !! Psychologischer Köder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Was?“ – immer wieder wiederholen || Geduld erschöpfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Reden wir weiter, wenn du weniger emotional bist.“ || Den anderen als irrational darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Warum wirst du so emotional?“ || Ärger erzeugen und anschließend vorhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das ergibt Sinn, wenn man nicht darüber nachdenkt.“ || Intelligenz herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ich glaube dir, dass du das glaubst.“ || Überzeugung als Einbildung abwerten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Klar doch, Kumpel.“ || Herablassende Zustimmung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Ja, das dachte ich mir. Große Klappe, nichts dahinter.“ || Rückzug als Niederlage darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Interessante Schlussfolgerung. Schön, wie manche sich Märchen ausdenken.“ || Spott als intellektuelle Überlegenheit tarnen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Besonders auffällig: Mehrere dieser Sprüche sind überhaupt keine offenen Beleidigungen. Sie funktionieren gerade durch gespielte Gelassenheit und Überlegenheit. Der Troll will den anderen in die Rolle des Aufgeregten bringen, während er selbst scheinbar vernünftig bleibt.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Weitere belegte Beispiele.&#039;&#039;&#039; In einer älteren Reddit-Diskussion sammelten Nutzer typische Internet-Troll-Sprüche für ein Rollenspiel. Das sind also ausdrücklich vorgeschlagene Troll-Sprüche, keine dokumentierten Angriffe auf reale Opfer. Quelle: [https://www.reddit.com/r/dndnext/comments/iwdws5/ Reddit – Internet troll taunts].&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Methode&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „U Mad?“ – „Bist du sauer?“ || Die emotionale Reaktion verspotten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Cry more snowflake“ – „Heul weiter, Schneeflocke“ || Empfindlichkeit als Schwäche darstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Git gud!“ – „Werd erst mal besser!“ || Fähigkeiten herabsetzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „My little brother could kick your ass“ || Status und Stärke angreifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Filthy casual!“ || Den anderen als unfähigen Anfänger abwerten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Andere Köder aus veröffentlichten Beispielsammlungen.&#039;&#039;&#039; Hier wird besonders deutlich, wie Troll-Sprüche gezielt auf unterschiedliche Emotionen zugeschnitten werden.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Spruch !! Ausgelöster Impuls&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Roblox ist totaler Müll!“ || Lieblingsbeschäftigung verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Die Jugend von heute kann gar nichts mehr.“ || Gruppenidentität verteidigen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Alle Radfahrer sind rücksichtslos.“ || Ungerechte Verallgemeinerung korrigieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Italienisches Originalrezept!“ – unter Spaghetti mit Ketchup || Empörung über die Verletzung kultureller Regeln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „Eltern, die am Handy scrollen, versagen bei ihren Kindern.“ || Schuldgefühl und moralische Empörung&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:Diese Beispiele stammen aus Artikeln über Ragebait; sie sind nicht sämtlich als wörtliche Kommentare einzelner Troll-Accounts dokumentiert.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Was sich daraus für den Troll-Typus ergibt.&#039;&#039;&#039; Die Methoden nach dem Gefühl geordnet, das der Troll auslösen will:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Köder !! Angegriffenes Gefühl&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beleidigung || Stolz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Dummheit || Ungeduld&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Offensichtlicher Unsinn || Bedürfnis nach Richtigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ungerechte Behauptung || Gerechtigkeitssinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Verächtlichmachung || Scham und Geltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Angriff auf Überzeugungen || Identifikation und Zugehörigkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gespielte Überlegenheit || Konkurrenz und Ehrgeiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Herunterspielen der Reaktion || Wut und Ohnmacht&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Gespielte Überlegenheit.&#039;&#039;&#039; Der interessanteste Befund ist die gespielte emotionale Überlegenheit. Der Troll muss gar nicht laut oder aggressiv sein. Er kann höflich, ruhig und scheinbar verständnisvoll auftreten. Gerade dadurch wird der andere manchmal besonders wütend. Das ergibt eine präzisere Beschreibung seines Wesens: Der Troll sucht nicht den Streit, um zu gewinnen. Er sucht die emotionale Reaktion, um sich daran zu erfreuen. Der Streit ist nur sein Werkzeug. Und anders als beim gewöhnlichen Streit ist für ihn sogar eine sachlich richtige Antwort des anderen ein Erfolg – solange er sich darüber aufregt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Daemon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
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